Fürstenbesuche in Dresden. Teil 2

Das Paxbrot Fürstenbesuche in Dresden (1912) von Paul Rachel
Erschienen in: Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912)
Ezechiel Eckhart, der Erbauer der Hoflößnitz
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[17]
Fürstenbesuche in Dresden.
Von Professor Dr. Paul Rachel.
I. Deutsche Kaiser. (Fortsetzung).
Matthias. 1617.

Zweimal war Kaiser Maximilian II. bei Kurfürst August von Sachsen in Dresden erschienen, 1564 und 1575, beide Male, um von dem für die Reichspolitik und die Politik des Hauses Habsburg wichtigsten Reichsfürsten die Zustimmung zu der Wahl eines künftigen Kaisers zu erlangen. Beide Male hatte er erreicht, was er wollte: er selbst wurde nach seines Vaters Tode zum Kaiser, sein Sohn Rudolf zum römischen König und daraufhin auch zum Kaiser erwählt. Beide Male hatte Kurfürst August aus dynastischen Rücksichten und aus Abneigung gegen die kalvinistische Partei unter den Reichsfürsten die alte Anhänglichkeit an das Haus Habsburg kräftig erwiesen.

Unter seinen beiden Nachfolgern, Christian I. und Christian II., ist kein Kaiserbesuch zu verzeichnen. Es lag dies einerseits an der eigentümlichen Geistesart des Kaisers selbst, an Rudolfs II. Abneigung, seine Länder zu verlassen und in unmittelbare Verhandlungen mit anderen Fürsten zu treten; anderseits aber auch an der anderen Richtung, die die sächsische Politik wenigstens unter Christian I. einschlug. Dieser hatte eine selbstständigere Haltung gegen das Haus Habsburg eingenommen; die kalvinistischen Tendenzen erhielten durch seinen Kanzler Crell für einige Zeit die Oberhand, eine Verbindung mit Frankreich und den Niederlanden rückte ins Bereich der Möglichkeiten. Dies änderte sich nach seinem Tode unter dem Administrator Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar; dieser brach sehr jäh mit Crells kalvinistenfreundlicher Politik und zeigte sich dem Hause Habsburg bei verschiedenen Reichstagsbeschlüssen sehr willfährig.

Noch entschiedener erwies sich in beiden Hinsichten Christian II., als er die Regierung selbständig übernommen hatte: Crell wurde hingerichtet, und der Kurfürst näherte sich der kaiserlichen Politik aus einem ganz bestimmten dynastischen Grunde. Das Haus Sachsen, das bereits seit 1483 die Anwartschaft auf die Jülich-Cleve-Bergischen Lande mehrmals bestätigt erhalten hatte, hoffte nun sehr bald in deren Besitz zu gelangen, und geriet gerade dadurch mit anderen Fürsten, besonders mit dem Kurfürsten von Brandenburg, in Widerstreit. Ein Zusammengehen mit dem mächtigsten evangelischen Mitkurfürsten war nicht mehr zu denken, als 1609 sich trotz kaiserlichen Verbotes der zu erbenden Lande der Pfalzgraf von Neuburg und der Kurfürst von Brandenburg bemächtigten. Christian II. sah sich nun (1610) selbst veranlaßt, den Kaiser Rudolf, der mittlerweile seine sämtlichen Erbländer an seinen Bruder Matthias verloren hatte und nur noch Kaiser war, in Prag aufzusuchen und ihn um die Belehnung mit dem erhofften Erbe zu bitten. Diese sehr inhaltslose Zeremonie fand unter großem Gepränge und den in jener Zeit üblichen Trinkgelagen statt, bei denen nach zeitgenössischen Berichten sich der kraftvolle, dem Lebensgenusse sehr ergebene „sächsische Herkules“ besonders hervortat. Von irgendwelcher politischen Bedeutung war der Vorgang nicht, denn aus einer Frage des Rechtes war längst eine Frage der Macht geworden.

Ein Jahr nach dieser Prager Zusammenkunft starb Christian II., und ihm folgte sein Bruder Johann [18] Georg I., der schon zuletzt die Seele der sächsischen Politik gewesen war. Er hat sich während seiner langen Regierung zwar von starkem Pflichtgefühl gezeigt, aber er entwickelte keine sittliche Kraft, oft eine gewisse Indolenz; er erwies sich als mißtrauisch, beschränkt, hartnäckig und oft eifersüchtig in seinen politischen Handlungen[1]. Er vertrat das strengste Luthertum; mit den ernestinischen Verwandten lebte er lange in politischer Spannung; die Nebenbuhlerschaft mit Kurpfalz wirkte auf seine und die gesamte protestantische Politik lähmend ein; mit Kurbrandenburg mußte er wegen Jülich-Cleve-Bergs in Zerfall leben.

Ein Jahr nach seinem Regierungsantritte hatte er Gelegenheit, in die Reichspolitik einzugreifen und ihr, je nach der Stellung, die er zum Hause Habsburg einnahm, eine für sie entscheidende Wendung zu geben. 1612 war Kaiser Rudolf II. zu Prag gestorben; zum ersten Male kam das Reichsvikariat an das albertinische Haus in Sachsen. Das wichtige Geschäft der Kaiserwahl war demnach Johann Georgs I. Händen vor allem anvertraut. Als sich nun der König Matthias von Böhmen und Ungarn zu Frankfurt um die deutsche Kaiserkrone bewarb, kam auf den sächsischen Kurfürsten sehr viel an.

Matthias und zwei seiner Brüder waren kinderlos. Es lag nahe, einen Kaiser aus einem anderen Hause zu wählen, und man hat wohl, wie einst auf August von Sachsen, jetzt auf Johann Georg geblickt. Er hat abgelehnt; aus politischer Vorsicht strebte er nicht nach der Kaiserkrone; er mußte sich sagen, daß der, dem er sie nicht gelassen hätte, Matthias, als König von Böhmen sein Nachbar und als Herr der meisten österreichischen Länder mächtiger als er war.

Unter seiner vornehmsten Mitwirkung wurde Matthias am 13. Juni 1612 gewählt; die Hoffnung der evangelischen Stände, namentlich der sogenannten Union, er werde seine Stimme erst dann für Matthias geben, wenn dieser den Protestanten Zusicherung in der Abstellung vieler Beschwerden gemacht habe, hat er aber nicht erfüllt. Er hatte zwar den Versuch gemacht, zwei Forderungen durchzusetzen: Parität der beiden Konfessionen im Reichshofrat und Wechsel des Präsidiums in den zwei Religionsgenossenschaften; die Forderungen wurden nur als Wünsche protokolliert, wahrscheinlich die Folge geheimer Verhandlungen über das Jülich-Cleve-Bergische Erbe.

Die unausgeglichenen Gegensätze der beiden großen Parteien Union und Liga sollten nun auf dem Reichstage zu Regensburg 1613 gemildert werden. Es mißlang vollständig, der Reichstag ging ergebnislos auseinander. Kaiser Matthias hat bis zu seinem Tode 1619 überhaupt keinen mehr berufen, die Reichspolitik kam gänzlich ins Stocken.

Matthias ist keine begabte und entschlossene Persönlichkeit gewesen. Wohl hatte er sich als Erzherzog gegen seinen Bruder Rudolf erhoben, um ihm zur Sicherung des Hausbesitzes ein Erbland nach dem anderen zu nehmen. Als er sie besaß und Kaiser geworden war, schwand seine schon früher recht geringe Tatkraft gänzlich. Er war schlaff in seiner ganzen Haltung, vergnügte sich mit den von seinem kaiserlichen Bruder ererbten Kunstschätzen und Kuriositäten, die er ordnete, bestimmte und aufstellte. Dabei liebte er Musik und fand Gefallen an Narren und Zwergen. Eine schöne, sanfte, junge Frau, die Kaiserin Anna, beglückte sein häusliches Leben. Er hat wohl auch lange an der Hoffnung festgehalten, sie werde ihm einen Leibeserben schenken. Gerade dies hat ihn unter dem Einfluß eines sehr ehrgeizigen Ministers, des Bischofs Klesl, davon abgehalten, die Frage der Nachfolge in den Erblanden und im Reiche mit der Energie in die Hand zu nehmen, die andere Mitglieder des Kaiserhauses dafür als nötig erachteten.

Auf die Dauer konnte er sich dem aber nicht entziehen, und für die Frage, wer ihm einst im Reiche nachfolgen sollte, war wiederum die Entscheidung des Kurfürsten von Sachsen von allergrößter Bedeutung.

Ehe jedoch auf die Verhandlungen einzugehen ist, die zwischen beiden Fürsten, Matthias und Johann Georg I., wegen wichtiger Reichsfragen geführt wurden, sei auf das Verhältnis hingewiesen, in dem sie und ihre Frauen nach 1612 gestanden haben.

Am 18. Juli 1612 beglückwünschte Kurfürstin Magdalene Sibylla die Kaiserin Anna zur neuen Würde, und am 12. August erhielt sie von ihr ein Dankbriefel[2]. Bald darauf wendete sich der Kurfürst an den Kaiser und bat um Generalpardon für Heinrich von Günderode, der in Österreich verurteilt worden war. Dieser selbst hatte dem Kurfürsten nahegelegt, sich vor allem mit Bischof Klesl ins Einvernehmen zu setzen, denn „er ist die Pforten, dadurch man itziger Zeit beim kaiserlichen Hofe gehen muß“. Klesl hatte sich erst schwierig gezeigt, dann aber die Erfüllung der kurfürstlichen Bitte beim Kaiser befürwortet und an Johann Georg salbungsvoll geschrieben[3]:

„Wie ich mich nun gern Euer Churf. Dl. in diesem bequeme: also versichere ich dieselben, das an meinem Willen und Affection, so lange Ich in diesem Labyrinth, [19] in welchen Ich von Ihrer Khays. M. geworffen worden, werde verbleiben müssen, Euer Churf. Dl. und dero Löbl. Hauß der Justitien zum Besten wier dienen khönnen, das an Mier nichts mangeln solle.“ Wenn er ihm ohne „vorgegebene Gelegenheit“ schreibe, solle ihm das nicht als Vermessenheit, sondern für eine „guete aufrechte Teutsche Affection“ gehalten werden.

Am 28. September 1612 hatte Johann Georg Veranlassung, sich beim Kaiser für die Zusendung zweier englischer Hunde, die ihm ganz lieb und angenehm seien, zu bedanken. Sie waren ein Ersatz für einen großen Hund, nach des kaiserlichen Landjägermeisters von Losenstein Meinung „capitan“ aller Hunde, den Matthias in Frankfurt zu schenken versprochen hatte, der aber mittlerweile, wie der Kaiser schreibt, „verreckht“ sei. Am 22. Oktober 1612 bat der Kaiser von Prag aus um einen Gegendienst, um Zusendung von etlichen Falken, da er gehört habe, daß ihrer in des Kurfürsten Lande viele und gute gefangen würden; sie sollten dem Falkenmeister Peter Paul della Granja zugesendet werden. Johann Georg konnte nicht damit dienen, denn er hatte selbst nur zwei, „die eben erst aus der Maus gekommen“, von denen man nicht wissen könne, wie sie sich anließen; er hatte daher sogleich an den Herzog von Württemberg um solcher Vögel willen geschrieben.

Erst zwei Jahre später vernimmt man von neuer Verbindung vertrauterer Art zwischen den beiden Fürsten. Der Kaiser läßt dem Kurfürsten unter dem 2. Juni 1614 bei „jetziger Occasion“ 100 Eimer Wein zukommen: 20 Oedenburger, 30 Ruster, 16½ Eisenstädter und 4 „Toggeyer“; dazu noch 2 Fuderchen Österreicher. Aus der Zeit bis zu den Verhandlungen über die Reise des Kaisers nach Dresden liegen nur noch einige kurze Neujahrsglückwunschschreiben vor.

Die „Occasion“, bei der das reiche Geschenk an Wein abgesendet war, bildete eine Gesandtschaft des Kaisers an Johann Georg während des sogenannten Linzer Tages 1614. Auf ihm sollte über die Sukzession in den Habsburgischen Ländern und über die Komposition im Reiche verhandelt werden. Dies letztere war das zusammenfassende Wort zur Bezeichnung der Auseinandersetzung der zwei großen politisch-kirchlichen Parteien im Reiche. Die Nachfolge in den Habsburger Landen war besonders schwierig zu regeln, da außer den kinderlosen Brüdern des Kaisers, den Erzherzögen Albert und Maximilian, ein Neffe des Kaisers, Erzherzog Ferdinand aus der steirischen Seitenlinie, und König Philipp III. von Spanien in Frage kamen. Dieser letztere behauptete nämlich näheres Erbrecht als Ferdinand zu besitzen.

Auf dem Linzer Tage wurde nun in Aussicht gestellt, daß der König von Spanien gegen gewisse Zusagen von seinen Forderungen auf das Gesamterbe zurücktreten werde. Immer wahrscheinlicher wurde es, daß, unter Verzichtleistung der Brüder des Kaisers, Ferdinand von Graz Erbe der österreichischen Länder werden sollte. Schwieriger schien die Frage der Nachfolge im Reiche. Johann Georg war erbötig, einen Habsburger zu wählen, und zwar auf einem Kurfürstentage, der ohne Angabe eines besonderen Zweckes berufen werden sollte. Als der Kaiser davon vernahm, war er der Meinung, die Kompositionsfrage mit der Sukzessionsfrage zu verbinden. Klesl verfocht dagegen die Meinung: erst die Komposition, dann die Sukzession; denn so seien die zwei anderen evangelischen Kurfürsten neben Sachsen, Pfalz und Brandenburg, allein zu gewinnen.

Die Verhandlungen über diese Frage rückten, infolge der Meinungsverschiedenheiten der Parteien und der starken Forderungen der Evangelischen, nicht vorwärts. Dies veranlaßte den sehr energischen Erzherzog Maximilian dazu, die Angelegenheit am Hofe des Kaisers und im Reiche zu betreiben. Dieser Bruder des Matthias, damals 59 Jahre alt, Hoch- und Deutschmeister, hatte einst, aber vergeblich, König von Polen werden wollen. Im Thronstreite seiner Brüder hatte er zu Matthias gehalten, jetzt trat er mit größtem Eifer für die Nachfolge des Neffen Ferdinand ein. Er entwickelte dem Kaiser sein politisches Programm in einer sehr lebhaften Eingabe und betonte vor allem: zur Durchführung der Pläne des Hauses Österreich sei der feste Kern eines Heeres notwendig. Er griff damit den Plan eines kaiserlichen Rates, des Grafen Hohenzollern, auf: 25000 Mann zu Fuß, 4000 Reiter auf ein Jahr; die Kosten sollten der Kaiser, Erzherzog Albert, der Statthalter der Niederlande, sowie König Philipp III. von Spanien und die gehorsamen Stände zahlen. Wenn man so gerüstet sei, könne man den Gegnern den Willen aufzwingen. Unter den politischen Mitteln, die während der „Armierung“ anzuwenden seien, bezeichnete er als das wichtigste: Johann Georg von Sachsen ist durch einen persönlichen Besuch des Kaisers für die Wahl Ferdinands zum Nachfolger auf den Kaiserthron zu gewinnen. Dies sagte deutlich, daß der Schlüssel zur Lösung der für Deutschland wichtigsten politischen Frage ohne Zweifel in Dresden lag.

Der Kaiser erließ darauf unter dem Einflusse Klesls ein Dekret, nach dem erst die Sukzession in den Erblanden zu pflegen, im Reiche aber Komposition und Sukzession voneinander zu trennen seien. Während Maximilians Reise ins Reich und nach den Niederlanden, die er zur Betreibung der großen Sache unternahm, wurden sein Memorial und des Kaisers Dekret verraten. Manche behaupten, Klesl selbst habe dies veranlaßt. Dem Pfälzer Kurfürsten, also dem Haupt der Gegner, wurde es zugesteckt. Johann Georg war in der ersten Erregung geneigt, seinerseits auch zu rüsten; er forderte zum mindesten sogleich die Berufung eines [20] Kurfürstentages und auf diesem erst die Komposition, dann die Sukzession. Im Juni 1616 erschien der Pfälzer Rat Ludwig Camerarius in Dresden[4], um den Kurfürsten zum Eintritt in die Union zu veranlassen; denselben Zweck verfolgten bei ihrem Erscheinen in Dresden (September 1616) der Brandenburger Kurfürst und Fürst Christian von Anhalt, freilich vergeblich. Johann Georg sah die Sachlage bald ruhiger an, besonders da ein Bote Maximilians, Herr Eustachius von Westernach, versicherte, daß die vorgeschlagene „Armierung“ nur zur Verteidigung des Reiches und gegen diejenigen geplant sei, die nach erfolgter Wahl noch mit Unfug oder Gewalt dagegen sein würden. Sehr geschickt wies der von Westernach außerdem darauf hin, wie 1564 und 1575 das Haus Sachsen dem Hause Österreich durch seine Treue und Anhänglichkeit viel Gutes erwiesen habe[5], und Maximilian schrieb dem Kurfürsten aus Wien am 23. November 1616[6], er betreibe die Sukzession eines wohlqualifizierten Friedliebenden, „alß damit alle androhende Unruhen, gefährliche Veränderung, noch mehreres Mißtrauen, Verwüstung des geliebten Vaterlandes und Unterdrückung deutscher Libertät zeitlich verhindert werden“. Sein Kandidat war Ferdinand II.

Maximilian hatte aber vor allem auch mit Klesls Einfluß auf den Kaiser zu ringen. Einen Einblick in den Kampf zwischen beiden gewähren die Berichte des kursächsischen Agenten Zeidler. Unter dem 22. September 1616 schreibt dieser dem Kurfürsten, Maximilian wünsche durchaus, daß das Sukzessionswerk Caesare vivente betrieben werde. Er soll dem Klesl haben sagen lassen: er solle es ja befördern, sonsten würde er es zu erfahren haben, „was ufn widrigen Fall mit Ihme fürgenommen werden würde“[7]. Am folgenden Tage[8] äußert sich Zeidler gegen den sehr einflußreichen Präsidenten des kursächsischen Geheimen Rates, Caspar von Schönberg auf Pulsnitz, über Klesl so: Dieser wolle die Sukzession Caesare vivente nicht; „vielleicht aus Beysorge, das er a sole oriente tamquam luna nicht mehr so sehr splendire und inter stellas heruntergesezt werden möchte, oder aber das er von der Süßigkeit des gegenwärtigen annehm- und nützlichen Directorii pene absoluti schwerlich weichen könne“.

Die geistlichen Kurfürsten, denen Maximilians Schrift ebenfalls verdrießlich gewesen war, drangen auf einer Tagung am 14. November darauf, daß der Erzherzog die Kurfürsten von Sachsen und von der Pfalz persönlich zu einem Kurfürstentage einladen solle. Maximilian wollte aber auf keinen Fall nach Heidelberg, wohl aber nach Dresden, wohin ihn schon früher einmal diplomatische Geschäfte geführt hatten. Doch meinte er, daß eine Reise des Kaisers selbst nach Dresden viel wirkungsvoller sein werde. Dieser schon mehrfach erwähnte Schritt, immer wieder verzögert, galt als die einzige Lösung in den politischen Wirrnissen.

Es vergingen einige Monate, ohne Klarheit zu bringen. Endlich griff Matthias wieder auf den Gedanken an einen Kurfürstentag zurück und glaubte, der Sache der Beruhigung Deutschlands dadurch zu dienen, daß er am 3. April 1617 die Auflösung der Union und der Liga befahl; er erreichte weder das eine noch das andere.

Endlich gelang es den Erzherzögen Maximilian und Ferdinand, Klesl dahin zu bringen, daß der böhmische Landtag für den August 1617 zur Königswahl berufen werde. Eine erneute Erkrankung des Kaisers trieb zur Beschleunigung dieses Staatsgeschäftes. Am 5. Juni traten die böhmischen Stände in Prag zusammen, am 7. wurde Ferdinand von ihnen als König „angenommen“, am 9. wurde er ausgerufen, am 29. gekrönt.

Während dieser Zeit war man in Prag auf den Gedanken gekommen, Johann Georg zur Krönung nach Prag einzuladen. Sollte er dahin nicht kommen wollen, so werde ihn Matthias[9] an einen Ort an der Meißnischen Grenze zu sich auf die Jagd und eine „Gartenmahlzeit“ honorifice einladen. Da werde alsdann König Ferdinand als Nachbar zu guter Nachbarschaft präsentiert, die Komposition im Römischen Reiche besprochen, die Wahl Ferdinands zum römischen Könige abgemacht und ein Kurfürstentag bestimmt werden. Wo dies Zusammentreffen statthaben solle, sei noch nicht klar, „vielleicht ümb die Gegend bey Aussig oder Leutmeritz“. Schon am 18. Juni meldet Zeidler, daß die Abreise des Matthias nach Ferdinands Krönung ernstlich erwogen werde. Er wolle eine Nacht zu Welwarn[10] bleiben und einige Tage in Lobositz ausruhen. Er beabsichtige nicht mit großem Komitate, sondern nur mit der „Kammer“ zu kommen. Zuvor solle noch der Kurfürst befragt werden, wo man sich treffen könne. „Und ist zwar dieß Orts wohl zu spüren, daß Ihre M. nicht böse Lust gar nach Dresden hette; es will aber derselbe aus Höflichkeit Eure Churf. Gnaden nicht gern in dero Hoflager beschwerlich sein[11].“

Und wirklich wurde der Plan einer Reise des Kaisers nach Dresden immer mehr ausgearbeitet. Um [21] über alle näheren Anordnungen zu verhandeln, wurde der Oberstkämmerer Adam von Wallenstein[12] als Gesandter ausersehen. Da dieser in jenen Tagen am Podagra zu Bette lag, suchte ihn Kardinal Klesl persönlich auf und besprach sich mit ihm über die zu nehmenden Nachtlager des Kaisers und seines Gefolges und über die Frage, ob man sich etwa in Königstein treffen könne. „Vielleicht könnte von dannen auß bei so angenehmer Gesellschaft solch großer Herren durch liebe und gute Wort der Weg vollens bis auf Dresden erstrecket werden.“ Am 25. Juni kann Agent Zeidler bereits die Liste des Komitates beilegen; am 29. meldet er, daß schon eindringliche Beratungen stattgefunden haben über das, was man mit Johann Georg besprechen wolle, welche Akten man mitzunehmen gedenke, und namentlich, ob Klesl zu bewegen sei, die Reise nach Dresden mitzumachen. Ihm war, da er seit 1616 Kardinal geworden, der Gedanke nicht behaglich, in ein protestantisches Land zu reisen; ferner scheute er vor Etiketteschwierigkeiten zurück; auch hatte er das Gefühl, daß seine ursprüngliche Absicht: erst Komposition, dann Sukzession, nicht mehr durchführbar war.

Der Kaiser fühlte sich viel zu unselbständig, um ohne Klesl zu reisen; selbst des Kardinals Gegner, Ferdinand und Maximilian, bestanden daher auf dessen Mitreise, da sie sonst des Kaisers Unfähigkeit zu Entschlüssen zu fürchten hatten. Zeidler berichtete, man habe es Klesl freigestellt, ob er wolle oder nicht; reise er nicht, so solle er eine umfassende Bei-Instruktion mitgeben. Klesl war klug genug, dem kaiserlichen Boten Adam von Wallenstein die Sonderinstruktion mitzugeben, er solle erforschen, ob er trotz seiner „Kardinalischen Dignität in Sachsen annehmlich sei“.

Am 30. Juni meldet der Agent[13], daß Wallenstein mit drei Dienern ungesäumt abreisen werde und bitten lasse, „wenn er nach geschlossener Vestung ankomme, ob Ihme aus Cortesia das Thor möchte geöfnet oder aber ein Logiament in der Vorstadt bestellet werden“.

Die entscheidende Geheimratssitzung hielt der Kaiser am 7. Juli in Gegenwart Klesls, Fürstenbergs, Harrachs, Meggaus, Ulms und Hohenzollerns ab. Es wurden die Verhandlungspunkte und deren Reihenfolge festgestellt: Einladung zu einem Kurfürstentage, Sukzession im Reiche, Vergleich über die Bedingungen und das Verfahren bei der Anstellung einer Komposition über die Beschwerden der Reichsstände. Am 10. Juli erhielt Wallenstein, den der Kaiser in seinem Garten besonders empfangen hatte, eine schriftliche Instruktion auf die Reise mit, die ihn ermächtigte, wenn Königstein („welches, wie wir berichtet werden, gleichwol zum Unterkommen nicht am besten sein solle“) oder ein anderer sächsischer Ort genannt werde, anzunehmen. Er solle baldmöglichst rückwärts berichten, damit wegen der Einkehr an alle Notdurft gedacht werden könnte.

In dieser Zeit hielt sich Johann Georg zu Jagden auf dem Schlosse Hohnstein, in Lohmen und in Schandau auf. Er schrieb am 13. Juli dem Kaiser höflich, er werde den 23. Juli in Prag sein können, werde ohne großes Komitat, nur mit 100 bis 150 Pferden kommen; sollte aber der Kaiser in seinem Hoflager zu Dresden zu erscheinen wünschen, so möge er ja kommen; sei doch zwischen Prag und Dresden kein geeigneter Ort. Dann aber müsse die Reise auf 12 oder 14 Tage verschoben werden; „auf daß ich gleichwol E. K. M. also begegnen möge, wie es dero Kais. M. Würde und Dignität erfordert“[14].

Wenige Tage später schrieb er seinem Geheimen Rate nach Dresden, es solle alles gut vorgerichtet werden; dem Zeugmeister habe er es wegen der Schiffe geschrieben, daß kein Mangel dran sein solle; auch solle er sich überlegen, ob was von Ritterspielen anzuordnen sein möchte oder nicht; „denn,“ so fährt er eigenhändig fort, „solliche geste kriegen mihr nicht alle tage; was das jagen ahnbelanget, wil ich kein Fleis spahren; zur Behrenhats kan man wol kommen; . . . sobaldt der Furihr-Zettel kommet, so wil ich, sofern ich sehe, das es nötig ist, ein Tag mich nein begeben und fernere Rehde mit euch halten“[15].

Mittlerweile erhielt er von Adam von Wallenstein die Nachricht, daß der Kaiser am 29. Juli von Prag abreisen, am 30. in Lowositz, am 31. in Tetschen sein werde; am 1. August werde er zum Kurfürsten fahren; die Schiffe sollen schon am 28. Juli in Lowositz sein. Matthias meint in seinem letzten Briefe vor der Reise[16], obwohl „allerhand Umbstände und billiche Bedenken ihn abhalten sollten, so weit zu reisen, so solle ihm doch angedeutter Residenzort Dresden nicht zuwider sein“. Darauf bedankt sich Johann Georg aus Schandau dafür, daß Matthias „gedachter seiner Residentz solche große Ehre anthun und zu einer so hoch ansehnlichen Versammlung allergnädigst würdigen und erkiesen wolle“. Dem Adam von Wallenstein stellt er ein Schiff für den Kaiser, eins für den König und den Erzherzog, ein Küchenschiff zur Fahrt nach „Lobosch“ in Aussicht.

Es kam nun dem Kurfürsten darauf an, von einer stattlichen Anzahl von Fürsten, Grafen und Herren umgeben zu sein, die dem Kaiser schon aufwarten sollten, sobald er in die Nähe sächsischen Gebietes kam. Es [22] waren dies der Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg, die Herzöge Johann Philipp und Friedrich von Sachsen-Altenburg; ferner 4 Grafen von Mansfeld, 3 junge Grafen Barby, 3 Schönburge, 5 von Pflugk, 3 Miltitze, 15 Herren von Schönberg, 5 Bünaus, 6 Schleinitze, 7 Starschedel, 1 Vitzthumb usw., im ganzen 117 Herren und 3–400 Reisige. Zwei der Schiffe, Leibschiffe genannt, sollten mit Tapezerei[17] ausgeziert werden. Ein Schiff – das Artolereyschiff – führte Begrüßungsgeschütze mit sich. Der Kurfürst wollte seine Gäste ½ oder ¾ Meilen Wegs oberhalb Pirnas empfangen. Dort selbst sollten an der Elbe „zweene schöne geputzte Leibwägen für die 3 höchsten Gäst bereit stehen“; für die Offiziere (d. h. Hofbeamte) aber 7 bis 8 Kutschwagen, sowie Leibpferde für Johann Georg und die sächsischen Herzöge.

In Pirna sollte der Kaiser in dem zum Schlosse gehörigen Garten- oder Lusthause wohnen[18], Ferdinand, Maximilian und, falls er mitkomme, Klesl im Schlosse, der Kurfürst in einem bequemen Hause der Stadt. Die Schloßgemächer sind daher gut vorzurichten und zu bekleiden, d. h. mit Wandteppichen zu schmücken. Am andern Morgen sollen wieder die Kutschen die Gäste vom Schlosse bis zur Elbe fahren; die Hof- und Landjunker warten bis zum Schlosse auf.

Die Landung in Dresden soll an den Mönchswiesen, d. h. an der Wiese des Neustädter Ufers etwas oberhalb der Brücke statthaben, an einem schönen, neu anzufertigenden Austritte. 300 Landjunker zu Pferde sollen aufwarten, alle Obristleutnants, Rittmeister und Hauptleute im Küraß vorbeiziehen. Dann steigen der Kurfürst und vielleicht auch die Erzherzöge zu Pferde, reiten neben dem kaiserlichen Wagen her; diese, sowie die Herren und Junker, die in Pirna aufwarteten, sollten schon von da aus zu Land oder zu Wasser voranfahren. Der Zug in Dresden soll über die Elbbrücke, am Stallhof vorüber, über den Neumarkt, die Bettel-[19] und die Kreuzgasse, sowie über den Altmarkt und durch die Elbgasse nach dem Schlosse gehen. Im Schloßhofe werden, mag die Kaiserin, die eine Brunnenkur gebrauchte, mitkommen oder nicht, das kurfürstliche Frauenzimmer, außerdem die kurfürstlichen Räte und Hofmeister stehen. Die hohen Herrschaften sind alsdann in ihre „Losirungen“ zu bringen[20]. Hier treten Bezeichnungen auf, die längst verschwunden sind: der Kaiser wird in den brandenburgischen Zimmern untergebracht, Ferdinand im weimarischen Gemache nach dem Stalle zu, Maximilian im Brauergemach, die sächsischen Herzöge im großen Frauenzimmer oder im Appellationsstüblein, der Kardinal im „Zwarkstüblein“[21], der Obersthofmeister erhielt das Eliasstüblein, der Oberstkämmerer das Schwarzgemach; Adam von Wallenstein das Prophetenstüblein, der Hofmarschall das Prinzeßstüblein; Graf von Hohenzollern wohnt in dem einen, Herr von Ulm in dem anderen Brautstüblein; der Herr von Harrach kommt in Fräulein Anna Marien Gemach. Die kaiserliche Kanzlei wird bei Frau Ludwigerin, des Königs Obristkämmerer in dem Obergemach nach der Münze, des Erzherzogs Oberkämmerer im alten Hause, und zwar im untersten Gemach nach der Münze zu wohnen.

Falls der Kaiser nicht allein speist, soll er in der Mitte sitzen, rechts von ihm die Königs-, Erzherzogs- und Mannspersonen, links von ihm die kurfürstlichen Frauenzimmer. Genau wurden die Dienste für des Kaisers Majestät bestimmt. Der Kurfürst nimmt die Handquehle (Handtuch) vom Hofmarschall, wirft sie vor Sr. Maj. und gibt sie dann den sächsischen Herzögen; das Waschbecken wird Herzog Friedrich von Sachsen-Altenburg, die Gießkanne Graf Günther von Schwarzburg tragen. Ebenso wird alles genau bezüglich der Bedienung des Königs und des Erzherzogs bestimmt.

Wie zu Kurfürst Augusts Zeiten, ergeht auch jetzt ein Ausschreiben an den sächsischen Adel. Aus den ganz genauen Vorschriften erhellt, wie sich schon mehr und mehr ein Hofzeremoniell entwickelt und alles einen prächtigeren Anstrich gewonnen hat. Jeder soll am 30. Juli in einem schwarzsammetenen Kürasserrock mit güldenen Borten kommen; die Dienerschaft soll schwarztuchenen Rock mit gelben Schnüren und gelbe Federn auf dem Hute tragen. Jeder wird dann in Dresden erfahren, was er zu tun hat, und soll „ohne einige Verweigerung der Schuldigkeit gemäß mit Fleiß nachkommen“. Etwa 114 Herren, die mit 535 Pferden und ebenso vielen Dienern kommen sollten, erhielten die Einladung.

Gleichzeitig wird auch ein Vergnügungsprogramm für 10 Tage entworfen, mit dem ausdrücklichen Vermerke, daß sich noch manches ändern könne. In der Tat ist viel von dem Geplanten nicht vorgenommen worden, z. B. ein Gesellenrennen, Mummenschanzen, Fechten, Stechen oder Scharfrennen, Pallia-Rennen, wohl auch „Commetien“.

Am 21. Juli fand in Dresden eine Sitzung des Geheimen Rates statt, in der der Obrist Centurius [23] von Pflugk noch eingehendere Vorschläge über besonders prächtige Schmückung der Lustschiffe machte. Doch mußte er zugeben, daß „die Artolereyschiffe ganz zergangen seien“[22], daher auf jedes Leibschiff zwei Stück Geschütze und ein Zeugwart dazu zu stellen seien. Nach des Hofmarschalls Aussage sind die „Stüblein“ in diesen Lustschiffen sehr niedrig, „undern Fenstern wenig Raum, also Tapezereien nicht zu verwenden“; dagegen empfiehlt er statt gelben Tuches grünes für den Fußboden, sowie Samtstühle und Teppiche in beide Stuben. Die Befürchtung, daß der Kaiser Pirna in einem Tage von Tetschen nicht werde erreichen können und daher auf dem Wasser werde übernachten müssen, teilt man nicht. Der Vorschlag, 150 Mann zu Fuß, 50 zu Pferde neben der Elbe ziehen zu lassen, wird verworfen; es werde die rechte Ordnung fehlen, man könne sie auch nicht sehen, außerdem sei ja eine Jagd geplant.

Auf dem Königstein waren damals 40 Personen; da dies zum Fliegenlassen der Fähnlein entschieden zu wenige seien, sollten nach vorher eingeholter Erlaubnis des Kurfürsten bis zu 100 Mann aus dem Amte Pirna hinaufbeordert werden, bis alle Schiffe aus dem Gesicht seien. Der Hauptmann soll mit allen Stücken und Musketen dreimal losschießen lassen. Für Pirna wurden 400 Mann vorgesehen, von denen 1/3 am Wassertor, 1/3 auf dem Markt, 1/3 auf dem Schlosse stehen sollte. Der Rat der Stadt sollte für 400 Defensioner Rüstung schaffen, „und wenn sie gleich die Wehren borgen sollten“; diese 400 hatten nach dem Einzug der Gäste schnell nach Dresden abzumarschieren.

Auf der Mönchswiese zu Dresden sollen in den Zelten 4 Hauptleute mit 200 Musketieren stehen, die den Reitern zu folgen und später vor dem Schlosse dem Kaiser aufzuwarten haben. Wegen des Schießens bei der Ankunft wurde nur ein „Rennen“ vorgeschlagen, damit Seine Majestät „als die des Gehörs Mangel haben, sich nicht Ungelegenheit durch das viele übermäßige Schießen zuziehen oder auf dem Schloßgebäude Schaden geschehe“.

Mittlerweile kamen nun auch die Furierzettel der Gäste an. Es waren drei verschiedene Hofstaaten zu erwarten, der des Kaisers, des Königs Ferdinand, des Erzherzogs Maximilian[23]. Mit dem Kaiser erschien nun wirklich, allen voran zu nennen, sein Geheimerats-Direktor Kardinal Melchior Klesl, dessen zahlreiches Gefolge zu den drei fürstlichen hinzukam. Dazu der Geheime Rat, Kämmerer und Obrister Hofmeister Friedrich Graf zu Fürstenberg, Freiherr Leonhard von Meggau, ebenfalls Geheimer Rat und Obrister Kämmerer, Graf zu Harrach, Geheimer Rat und Kämmerer, der Kämmerer Adam von Wallenstein, Obrister Landhofmeister in Böhmen, der Oberhofmarschall Wolf Sigmund von Losenstein, Johann Georg Graf zu Hohenzollern, Reichshofratspräsident, der Hauptmann der Leibgarde Bruno Graf zu Mansfeld, der Oberstallmeister Maximilian von Dietrichstein, jeder mit drei Dienern. Unter den Kämmerern erschienen ein Berka, ein Wratislaw, ein Palfi, ein Poppl Freiherr von Lobkowitz, ein Wenzel Freiherr von Wurmb aus Freudenthal; der Reichsvizekanzler Ludwig von Ulm, ein Geheimsekretär, verschiedene Schreiber; Silberkämmerer, Küchenmeister, Hofzahlmeister; der Leibmedikus Thomas Mengonius samt dem Leibapotheker, zwei Hofkapläne, der Leibbarbier Josua del Guasto, der Spaßmacher Nelli, der Kammerzwerg, der Kammerheizer, der Kammertürhüter; ferner Jacobina Löwenfelderin, Leib- und Mundwäscherin, Hanns Mattheß der Leibschneider. Unter den 26 Offizier-Personen werden noch genannt Mundbäcker, Mundkoch und Tafeldecker, sowie 50 Mann Leibgarde. Das Stallmeisteramt umfaßte 4 Edelknaben samt ihrem Präzeptor und seinem Jungen, den Futterschreiber, Sattelknecht, Hufschmied, „Gutschknecht“ mit 34 Reit- und 49 „Gutschrossen“, zuletzt Hans Lehnert den Hofprofoß „sambt einem Stickchenknecht“. Während des Kaisers Hofstaat 235 Personen und 83 Pferde umfaßte, waren es bei Ferdinand nur 59 Personen und 24 Pferde. Unter des letzteren Begleitern ist der nachmals sehr bekannt gewordene Oberste Hofmeister und Geheime Rat Freiherr von Eggenberg besonders hervorgehoben. Erzherzog Maximilian, den u. a. zwei Kämmerer von Wolkenstein, Adam und Oswald, begleiten, hatte in der „Stallpartei“ drei Gutschizüge, vier Renngutschi mit je vier Pferden und drei Sänftesel mitgeführt. Kardinal Klesl ließ sich von 11 Personen geleiten, unter ihnen ein lateinischer und ein deutscher Sekretär.

Im ganzen sind zu zählen 354 Personen, 155 Pferde und 3 Esel.

Johann Georg empfing diese Mitteilungen und Berichte seines Geheimrates, während er von Hohnstein aus der Jagd oblag; er gab in kurzen Worten nach Dresden seine Meinung kund; über einen Punkt, der ihm nicht gefallen zu haben schien, schrieb er am 25. Juli dem Herrn von Schönberg: „Soviel aber den lesten Punkten anlangt, weiß wir nicht, ob derselbe aus Versehen oder beim Schlaftrunk geschehen“[24].

Von Schandau aus erging an den Schösser von Hohnstein die Aufforderung, von den verschiedenen Rittergütern und Dörfern durch Vermittlung der Grundherren wohl an 110 Untersassen abzuordnen, welche sich [24] am 22. Juli im Amte melden sollten, um sechs Tage als Treiber bei den Jagden aufzuwarten. Dazwischen hinein erhielt der Hofmarschall von Osterhausen so mancherlei Befehle und besah sich auf dem Vorwerk zu Ostra die Weidochsen, die vielleicht für die Tage des Besuchs als Schlachtvieh dienen sollten.

Hatte schon Kurfürst August 1575 durch die Anzahl bewaffneter Leute und durch lebhaftes Schießen beim Empfange des kaiserlichen Gastes ansehnlich und eindrücklich auftreten wollen, so hat Johann Georg einen viel umfänglicheren Apparat in Bewegung gesetzt, entsprechend den besseren militärischen Einrichtungen, die seither in Kursachsen getroffen worden waren. Verfügte der Kurfürst doch seit dem Torgauer Landtage von 1612 über den Anfang eines stehenden Heeres, über eine Art Landmiliz, die sogenannten Defensioner, bestehend aus Bürgern der Städte und Leuten aus den Ämtern, deren jeder für jeden Tag Dienst vier Groschen an seinen Abgaben gutgeschrieben erhielt; es waren im ganzen Lande zwei Regimenter von acht Fähnlein, deren jedes 540 Mann um sich scharte, also gegen 9000 Mann. –

Die ganze Umwallung von Dresden wurde nun in vier Quartiere zerlegt[25]. Vom Münzberg (nahe dem Schlosse) bis hinters Zeughaus, vom Hasenberg bis zum Seeberg (Seetor), vom Seeberg bis zum hohen Wall, vom hohen Wall bei der Schmelze bis wieder zum Münzberg. Auf dem Wall der einzelnen Quartiere wurden Zeugwarte, Büchsenmeister, je vier Personen aus dem Defensionswerk, je 14 Büchsenschützen aus der Bürgerschaft, 30–60 Schanzgräber oder Handlanger beordert. Die 11 Stück ganze oder halbe Kartaunen oder Notschlangen sollten in besonderer Ordnung nun doch in fünf Rennen gelöst werden; eiserne Schläge, Feuerpfeile waren ebenfalls vorgesehen. Zuerst „wann die Schiffe umb den großen Weißen Sandbergk herümber kommen, da man alle Schiffe siehet, soll auf dem Münzberge angehoben und also herumber geschossen werden“. „Wann man mit den Schiffen zur Brücken kömmet, da Ihre Majestät aussteigen werden, soll man wieder auf dem Münzberg anheben.“ „Wann Ihre Majestāt fast mitten auf dem Altenmarkte reutten, soll auf dem Creuzthorme angehoben werden, darauf auf dem Seeberge und folgends also herümber.“

Das vierte und fünfte Rennen sollen beide aufeinander gelöst werden, „wann Ihre Maj. im Schlosse seindt abgestiegen und die Pferde durchs grüne Thor heraußer seindt“. Man hatte zu diesem Schießen 3 ganze, 19 halbe Kartaunen, 6 Notschlangen, 9 Quartierschlangen, 16 Feldschlangen, 9 doppelte Falkonete, im ganzen 62 Geschütze.

Für die Zugordnung entwarf am 24. Juli 1617[26] der Zeugmeister Paul Buchner eine Verordnung, wie die Kurf. Sächs. Artolerey aufziehen sollte: da erscheinen die Zeugwärter und -schreiber, Trommler und Pfeifer, Büchsenmeister und Hellebardiere und Musketiere, Schirrmeister und Büchsenmeister aus der Bürgerschaft in ihrer „Lieberey“, Schanzgräber, Zimmermeister, Arbeiter mit Hebebäumen, Keil- und Radehauen, Schaufeln und Spaten. Wachen sollen verteilt werden auf dem Elbtore, dem Ausfalle, dem Schlosse, dem Hasenberge und dem Wilschen Tore. Wer von Büchsenmeistern in den Vorstädten wohnt, soll in der Zeit in der Festung liegen; alle sollen sich in den Zeiten ihrer Wache fein mäßig und nüchtern zeigen, fleißig und richtig „ronden“.

Die Anordnungen aber, wer sich von den Bürgern zu bewaffnen, wie dies zu geschehen habe, wo sich die einzelnen aufzustellen haben, wurden von dem Obersten Centurius von Pflugk getroffen. In einem Memorial von 16 Zeughaus- und Artolerey-Personen wird er gebeten, sie zu dem fürstlichen Besuche jetzt und auch späterhin mit einem Feldzeichen von Doppeltaft, sowie mit Federn und Strümpfen zu versehen „zu desto besserer Erhaltung Ihrer Churf. Gnaden Reputation“. Es wurden nicht weniger als 2500 fremde Bürger erwartet, die man „einlosieren“ und nach besonders zu gebender Resolution zu speisen habe. 800 Bürger aus der Stadt sollten, bei hoher Strafe, entweder persönlich oder durch einen Einsteller vertreten, Dienste leisten als Musketiere, Doppelsöldner mit langen Spießen, Hellebardiere, Trompeter, Pfeifer, blasende Instrumente oder als Musketiere auf dem Kreuzturme (und zwar 20 Mann da oben). Sie sollten mit den Fahnen aufziehen und für sechzig steigende Raketen sorgen. Doch wurde, um Geld zu sparen, bestimmt, daß etwa 600 bewaffnete Bürger nach dem Einzuge sofort zu entlassen und erst wieder zur Aufstellung bei der Abreise des Kaisers einzuberufen seien. Auf dem Rathause sollten immer 100 Wachleute mit zwei Stück Geschütz stehen, ebenso auf dem Gewandhause. Mit besonderer Sorge wurde der Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit auf den Plätzen und den Gassen gedacht. Auf Licht und Feuer ist gut Obacht zu geben; auf den vornehmsten Gassen soll man nachts Kienpfannen ansetzen und anzünden, und „soll sonsten die Bürgerschaft, so Eckheuser haben, mit ihren Feuerlampen uff begebenden Fall, den Gott verhüten wolle, in guter Bereitschaft sein“. Fuhrleute, Wagen und Bottiche, Schleifen und Wassereimer, Werkleute sind außerdem bei der Hand zu halten. Der Marktverkehr wird ebenfalls beeinflußt; so soll alles das, was bisher auf dem alten Markte feilgehalten worden, die Zeit über hinter die Kreuzkirche verlegt werden. Für einen [25] Schmuck sollte aber auch gesorgt werden: auf dem Röhrkasten des Alten Marktes soll ein Mann mit einer Rüstung und einer Hellebarde stehen; vielleicht wird der Obriste auch ein Fähnchen dazu verordnen; der Röhrkasten auf dem Neuen Markte soll geziert werden. Für die Ordnung der Leute wurde folgendes verfügt: „Es könnte verboten werden, daß Jedermann ihr Gesinde und das gemeine Gepöffel in den Häusern behielte und dieselbigen zu den Fenstern und Dühren lassen heraußersehen, damit die Gassen zu dem Einzug fein geraum“ seien. „Das ander gemeine Volk möchte vor dem Stadtthor stehen und zusehen, wie denn dem Rath befohlen, Schranken an die Gassen machen zu lassen. Ein paar Ratspersonen, etliche Bürger und Stadtknechte sollen verordnet werden, das Volk abzutreiben.“ Nicht übel wäre es, wenn man die Gassen, Märkte und Plätze mit „grünen Meyen besetzen und dieselben mit Gras und allerley Blumen bestreuen wollte“.

Um 12 Uhr hat alles bei seinen Fähnlein zu stehen und bald wird getrommelt werden. Um 1 Uhr wird die Guardia am Brückentore sein und die Brücke besetzen, andere marschieren nach dem Neumarkte, dem Altmarkte und der Mönchswiese. Der Stadthauptmann und 14 Befehlshaber hatten alle diese Leute unter sich. Auf dem Altmarkt werden des Rates vier Fähnlein stehen. Die Verteilung der Wachen auf den Basteien und den Plätzen und Gassen beweist, daß der Kurfürst seinen Gästen vollste Sicherheit gewähren und sich selbst in dieser Beziehung Beruhigung schaffen wollte. An neun Stellen des Festungswalles standen je 25 Mann, die ständig 45 Schildwachtposten besetzten, 20 Posten gruppierten sich außerdem auf dem Altmarkte und in seiner Nähe, 14 in der Nähe des Neumarktes, die die ganze Nacht von je zwei und zwei bezogen werden sollten. Außerdem lagen aber noch an jedem Tore 66 Mann und im Schloßtore 45, also eine beachtliche Menge gerüsteter Leute. Die zum Einzuge beorderten Mannschaften und die, die auf dem Kreuzturme standen, betrugen allein 740 Mann unter 8 Befehlshabern und 4 Fähndrichen. Die 336 Musketiere wurden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß sie ihre Musketen und Rohre wahren sollten, damit keiner etwan Kugeln oder „hart gestoßen Papbier einlade, dadurch leichtlich sich ein groß Unglück zutragen könne“.

Dem Rate zu Dresden erwuchs, wie aus alledem erklärlich, mancherlei Mühe und Aufwand. Aus der Kammerrechnung 1617/18 geht dies hervor. Am 29. Juli kam der Kurfürst selbst auf das Rathaus, um sich über alle Vorkehrungen, die getroffen worden waren, zu unterrichten; dazu wurde für 23 Thlr. 3 Gr. Steinwein und für 9 Thlr. 13 Gr. Landwein beschafft, ebenso für 4 Thlr. 17 Gr. Essen und Konfekt. Da hier häufig besondere Sitzungen abgehalten wurden und fremder Besuch kam, wurde sonst noch viel Wein angeschafft: 59½ Kannen spanischer zu 17 Thlr.; ½ Faß für 30 Thlr. 12 Gr. bekam der Bürgermeister des Jahres Hans Hilger geliefert, womit er den Viertelsmeistern eine Verehrung tat. An Bier wurde für die Zeit der Anwesenheit des Kaisers für beinahe 50 Thlr. aufs Rathaus getragen. Dann war die Köchin zu bedenken, ebenso neue Kochtöpfe für den Ratskeller, Trinkgelder für allerhand Leute. Die Stadtpfeifer erhielten 17 Thlr. „Etzliche Boten, so umb Ihr Kays. Maj. Ankunft willen an die benachbarte Städte umb Zufuhr allerhandt Victualien halber mit Zettels abgesandt worden“, erhielten 1 Thlr. 13 Gr.

Beinahe 60 Thlr. kostete dem Rate die ganz besondere Überraschung, die er den hohen Gästen bereitete: ein Turmsteiger, der auf der Spitze des Kreuzturmes eine Fahne schwenken sollte. Er erhielt 38 Thlr. 10 Gr. für sein gefährliches Gewerbe, dann einen Banddegen, einen Gürtel dazu und das Macherlohn zu einem Kleide, das man ihm verehrte.

Es macht das ja alles einen kleinlichen Eindruck, aber bei den einfachen, bescheidenen Verhältnissen, die in der Bürgerschaft Dresdens damals herrschten, zeigt es doch ein Bemühen, und im Gegensatz zu 1575, wo von den Bürgern beim Kaiserbesuch gar nicht die Rede ist, einen Fortschritt.

Ehe wir mit dem Kaiser Matthias und seinem Gefolge die Fahrt ins Sachsenland und nach Dresden unternehmen, sei ein kurzer Blick auf die kurfürstliche Residenzstadt in jener Zeit geworfen: was war seit 1575, da zuletzt ein Kaiser in ihren Mauern geweilt hatte, Neues und Prächtiges erbaut worden? – Umfassend waren die Erweiterungsbauten am Schlosse unter den beiden Christianen gewesen: der kleine Schloßhof und seine Umgebung, das Schloßtor nach der Elb- oder Schloßgasse zu. Ganz besonders stattlich aber, mit fünf hohen Giebeln, mit Sgraffitobildern prangte das Stallhofgebäude, das einen Hof von ganz eigenartigem Reiz, der heute noch auf uns wirkt, einschloß. Die vornehme Einrichtung des Stalles für 128 Pferde mit den schönen toskanischen Säulen und den 24 Brunnen in Gestalt von Pferden in Reliefs waren damals berühmt.

Johann Georg selbst, der große Jagdfreund, hatte den schon von seinem Vater angelegten Jägerhof in der Neustadt noch vervollkommnet und allerhand Neueinrichtungen im Jahre 1617 vollendet. Vielleicht hat ihn gerade dies veranlaßt, den Kaiser an der Neustädter Seite landen zu lassen, damit er seinen Lieblingsbau, in dessen Höfen die englischen und deutschen Hunde gepflegt wurden, sogleich kennen lerne. Nur wenige Reste an der Wiesentorstraße erinnern heute noch an diese sehr umfänglichen und hier und da mit gefälligen Türmen und Giebeln geschmückten Anlagen. Schon gab es außer [26] den Räumen für die Hunde Bären- und Löwenhäuser in diesem ausgedehnten Jägerhofe; im Jagdbuche des Kurfürsten heißt es unter dem 18. März 1617: „Im Lewenhause einen Kampf gehalten, dorinnen von Lewen gewürget worden“[27]. Ehe die sich nahenden Gäste diese Baulichkeiten erblickten, winkte ihnen von der Spitze der Jungfernbastion, da, wo jetzt das Königliche Belvedere steht, das im Jahre 1589 begonnene und gerade im Jahre 1617 durch ein Obergeschoß erhöhte Lusthaus.

Von alledem nun, was sich während der eigentlichen Besuchsfahrt abgespielt hat, liegen keine Akten und ausführlichen Berichte vor. Es fehlt ein so offener, treuherziger Bericht, wie ihn von Kaiser Maximilians Besuch 1575 ein Anhaltischer Fürst an den Grafen von Henneberg gerichtet hat. Nur in einzelnen gleichzeitigen Mitteilungen, schriftlichen und gedruckten „Zeitungen“, wie sie von Hof zu Hof gingen oder für das wißbegierige Publikum gedruckt wurden, hören wir von dem außergewöhnlichen Zustande, in dem sich die Stadt Dresden in jener Zeit befand[28].

Am eingehendsten hat sich ein gelehrter, aber dabei sehr gewandter Mann über das, was er in diesen Festtagen selbst erlebt hat, geäußert. Es ist dies Thomas Avenarius, der aus Eilenburg stammte, einst Lehrer in der Familie derer von Maltitz auf Berreuth gewesen war und zur Zeit der berühmten Zusammenkunft des Kaisers und des Kurfürsten Kantor zu Weesenstein war. Seine Familie (deutsch Habermann) war im 16. Jahrhundert aus Böhmen eingewandert, und die Männer hatten sich meist gelehrten Studien gewidmet. Auch Thomas war gelehrt gebildet, außerdem dichterisch, vor allem aber musikalisch veranlagt. 1614 hat er einen Horticello (Gärtlein) anmutiger, fröhlicher, trauriger amorosischer Gesänglein verfaßt. Schloß Weesenstein gehörte damals dem Geschlechte derer von Bünau. Ein von 1570 bis 1626 darauf sitzender Rudolf von Bünau war ein höchst kunstsinniger Schloßherr. Noch heute zeigt das mit Renaissance-Ornamenten reichgezierte Hauptportal des Schlosses die Jahreszahl 1575. Die Gemächer des sogenannten neueren Teiles wurden auf seine Veranlassung zum Teil erbaut, zum Teil ausgeziert. Für die Schloßkirche erwarb er eine Orgel und zwei neue Glocken, die heute noch in Weesenstein erklingen. Um den musikalischen Teil des Gottesdienstes zu verschönern, gründete er 1574 eine Kantoreigesellschaft, für deren Unterhalt er ein Kapital aussetzte. Es sollten von den Zinsen der Schloßprediger, der Schullehrer, vier Kapellknaben, ein Kalkant, der Küster und der Läuter unterhalten werden. Der Lehrer war nach seiner Bestätigung ludi moderator et Director chori musici[29].

Der damalige Kapellmeister zu Weesenstein hat sich nun bewogen gefunden, die Reise des Kaisers, des Königs und des Erzherzogs und ihren Aufenthalt in Dresden in 1200 kurzen Reimpaaren („teutsche Reim“, wie er selbst sagt) zu besingen und dies Büchlein dem Kurfürsten Johann Georg zu widmen[30]. Es erschien in der königlichen Stadt Budissin bei Nicolao Zipsern im Jahre 1618 und betitelt sich: Panégyris Caesarea, das ist: Eigentliche und klare Beschreibung der hochlöblichen prächtigen Ankunft und Einzugs des etc. etc. in die Churfürstl. Stadt Dreßden und was sich in Ihrer Keys. Majestät Gegenwart daselbst von Tag zu Tag begeben und zugetragen.

Es ist eine gereimte Festchronik und enthält eine große Zahl Inschriften aus den Festtagen, sowie ein Personalverzeichnis der Teilnehmer am festlichen Einzug in Dresden. Aus verschiedenen Stellen geht hervor, daß Avenarius als Augenzeuge umhergelaufen ist; auch konnte ihm sein Schloßherr, der höchst wahrscheinlich unter den fünf Bünaus, die in der Begleitung des Kurfürsten auftraten, gewesen ist, mancherlei berichten. Das Ganze ist nicht ohne eine gewisse naive Frische geschrieben, an manchen Stellen weitschweifig, mit manchem Fremdwort „gezieret“ und natürlich in demütig-bescheidener Gesinnung gehalten. Die Angaben machen den Eindruck der Wahrheit und lassen sich auch hier und da als richtig nachweisen.

Avenarius preist im Eingange das unverhoffte Glück, das Dresden und seinem kurfürstlichen Herrn beschieden war: daß, nachdem schon 1575 ein kaiserlicher Gast daselbst eingezogen war, nun unerwartet 1617 wieder ein so hoher Herr und noch dazu in so ehrenvoller Begleitung gekommen sei. Und alsbald beginnt er seine poetische Beschreibung: 163 in Schwarz und Gelb oder in Weiß und Grün gekleidete Schiffsleute haben die 7 ausgezierten Schiffe nach „Labast“, d. i. Lobositz, gesteuert. Ende Juli waren die Gäste in dieser dem Adam von Wallenstein gehörigen Stadt angekommen und bestiegen am 2. August die Schiffe; der Kaiser fuhr auf einem Schiff.

     Das wird genannt
Der Löw, in Dresden wohlbekannt.“

[27] Bei gutem Wetter fuhren sie ab, rasteten in Tetschen und kamen am andern Tag in die Nähe von Schandau, da, wo in einem Stein ein Auerhahn gehauen ist[31]. Dort an der Landesgrenze begrüßte Johann Georg zu Schiff mit reicher fürstlicher und adliger Begleitung seine Gäste. Nicht er selbst, sondern ein junger, ihm verwandter Gast, einst sein Mündel, Herzog Johann Philipp von Sachsen-Altenburg, begrüßte in einer „schönen Oration“, die man ihm aufgesetzt hatte und die schwülstig und nichtssagend ist, die Ankommenden. Der Kurfürst bestieg des Matthias Schiff, und beide hatten „gar liebliche Gespräch“ mit einander. Darauf steuerte man am Königstein vorüber. – Er grüßte mit fliegenden Fähnlein und brennenden Pechkränzen; starkes Schießen begann, und ein Feuerwerk ließ sich sehen. Unterhalb des Königsteins wurden die Schiffe festgelegt, und es gab am sogenannten Grahlwäldchen, am Fuße des Liliensteins, eine lustige Wasserjagd. Die Festlichkeiten wurden ähnlich eingeleitet, wie es 1539 zu König Ferdinands und 1575 zu Kaiser Maximilians Ehren geschehen war.

In dem auf der Königl. Bibliothek zu Dresden unter Ms. R. 7b aufbewahrten handschriftlichen Verzeichnisse, Was Ihre Churf. Durchl. zu Sachsen in viertzig Jahren (1611–1650) ... geschossen und gefangen und gehetzt, ist ein Titelbild auf Pergament gemalt, das diese Jagd am Grahlwäldchen darstellt. Im Vordergrund die Elbe mit einer schmalen Insel, im Hintergrunde Wiese und Wald am Talgehänge hinaufsteigend, darüber der Lilienstein, zur Rechten hinter der starken Biegung des Elbelaufs und der Ufer der Königstein. Die Wiese am rechten Ufer, der Strom oberhalb und die Insel sind eingelappt. Drei mit farbig geschmückten Decks versehene Schiffe stehen am inneren Ufer der Insel; darauf sitzen die fürstlichen Jäger, sechs Schiffe sperren unterhalb der Insel den Elbstrom. Man sieht das Wild aus dem Walde auf die Wiese, von da ins Wasser rennen[32]. Johann Georg, der nach seinem Jagdbuche[33] im Jahre 1617 an 152 Tagen gejagt und dabei 4195 Stück persönlich gefällt hat, hat an diesem Tage von den ins Wasser getriebenen Tieren 39 Stück erlegt.

Als auch Matthias von seinem Schiffe so manchen Treffer getan und sich der Jagd erfreut hatte, wurden die Schiffe wieder flott gemacht und nach Pirna gesteuert. Hier erwartete der Präsident Caspar von Schönberg die aussteigenden Gäste und begrüßte sie auch mit einer „schönen Oration“. Kaiser, König und Erzherzog fuhren auf einem schwarzen, der Kardinal Klesl auf einem „roten sammetenen“ Wagen in die Stadt. Wāhrend der Einfahrt machten 10 Bürger mit einem Fähnlein und Musik auf dem die „Krone“ genannten Stadtturm, nahe der Klosterkirche, ihre untertänigste Aufwartung. Auf dem Markt und den Wällen standen viele Gerüstete; aus den Schießlöchern wurde mit Musketen und Doppelhaken unaufhörlich Feuer gegeben[34]. Nach eingenommenem Mahle schlief man in der fest zugesperrten und von vielen Gewappneten bewachten Stadt. Am andern Morgen (4. August) ist man nach „gehaltener Frühsuppen“ abwärts bis zum Oberen Hasengehege nach Pillnitz zu gefahren. Hier entwickelte sich wiederum ein munteres Jagdbild. Allen voran eilte ans Land der Kurfürst, mit dessen Jagdeifer der dichtende Chronist sehr einverstanden ist, denn er sagt von ihm:

     Das bringt Gesundheit dem Leibe sein,
Viel besser, als wenn er fort und fort
     Blieb lang sitzen an einem Ort
Und bewegte garnicht seinen Leib.
     Gar recht, daß er solche Freude treibt.

Johann Georg hatte die Freude, bei dieser Jagd 28 Stück zu erlegen. Mittags bewirtete die Jäger zu Pillnitz Herr von Loß, Kurf. Sächs. Geheimrat, in seinem herrlichen Lustgarten.

Als nun die Schiffe in Dresden gesichtet wurden, begann ein mächtiges Schießen aus den Stücken, die man „die wilden Männer nennet“. Alsbald zogen 800 schön aufgezäumte Rosse aus dem Stallhof über die Brücke nach der Mönchswiese zu. Allen voran prangte das schön mit Edelsteinen gezierte Tier des Kurfürsten. Langsam fuhren die Schiffe heran; im ersten der Kurfürst mit Gefolge, im zweiten des Landes Adel, im dritten die drei fürstlichen Gäste. Große und kleine Fähnlein waren ums ganze Schiff gesteckt, in der Mitte wehte tief herab eine große schwarzgelbe Fahne.

Nach der Landung begrüßte der Kurfürst die über den Tritt aussteigenden Gäste, unter denen Kardinal Klesl mit dem ironischen Wort aufgeführt wird:

Herr Clösel fluxs hinden nach tut schleichen.

Ein neues gewaltiges Schießen hub an aus den Geschützen, die jahrelang hatten schweigen müssen, nun [28] aber so donnerten, daß in die Pferde eine starke Unruhe fuhr.

     Etlich lagen auf beiden Knien,
Etlich stunden auf den Hinder Bein,
     Und dienten wie die Hündlein klein,
Die man für Lust abrichtet fein.

Auf das von den Basteien gegebene Feuer ward, obwohl es noch heller Tag war, ein Feuerwerk abgebrannt, und während die Gäste in den schönen Gezelten standen und sich an Konfekt ergötzten, begrüßten in Kähnen fünf Meerwunder die darob sehr Erstaunten. Es waren dies Neptun, die Elbenymphe und etliche Sirenen. Worte und Weise stammten vom Hofkapellmeister Heinrich Schütz und klangen in dem Segenswunsch aus:

Wolauff, den Kayser Lobesan
     Wier inniglich thun singen an.
Herr Christ, laß dir befohlen sein
     Ihr Majestät, gibn Segen dein!

Avenarius aber sagt, daß in einem grünen Schifflein ein wilder Mann und ein wildes Weib zu sehen waren,

     von Haaren rauch
An Achseln, Schultern, Bein und Bauch.

Es ist erklärlich, daß diese Fahrt und Einfahrt hoher Gäste noch andere Dresdner Dichter begeistert hat. Einige solcher deutscher und lateinischer Erzeugnisse, von Lob und Verherrlichung der drei Fürsten, die wohl gar semidei genannt werden, triefend, sind gesammelt erschienen[35]. Unter diesen kaiserlichen gekrönten Dichtern ragt besonders hervor Johannes Süße, der mit den Meistern der schlesischen Dichterschule in näherer Verbindung stand und damals eine gewisse Berühmtheit genoß. Nach seinem lateinischen und dann ins Deutsche übertragenen Gedichte wollen Adler, böhmischer Löwe und österreichische Lerche die sächsische Raute besuchen und machen sich auf die Reise.

Vom Königstein schreibt er begeistert:

Et Lapis innixus qui rupibus undique nomen
A prisco ductum tempore, Regis, habet.

(etwa:

Auch der Stein, der rings auf mächtigem Fels sich erhebend,
Stolz seit uralter Zeit Stein sich des Königs benennt.)

Ganz virgilisch klingt der Vers, mit dem er die Wasserjagd veranschaulichen will:

Pars ruit in campos, medium pars irruit Albim.

(etwa:

Ein Teil stürzt ins Gefild, ein andrer hinein in die Elbe.)

Nun nahen sich die Gäste Dresden, man sieht es von weitem:

Et jam Dresda suis auratis turribus, et jam
Dresdae in conspectu haec aurea classis erat.

(etwa:

Und schon war in Sicht mit golden schimmernden Türmen
Dresden, und Dresden erschaut golden die Flotte sich nahn.)

Alle guten und holden Götter nahen sich und vertreiben jede Gefahr und Bedrohung. Seussius gibt von seinem lateinischen Gedicht eine deutsche Bearbeitung, in der wohl Pillnitz in zierlichen Versen so gepriesen wird:

Drauff sie passieren weiter fort.
     Durch Hilf der sanften Wind,
Für einen gar lustigen Orth,
     Deßgleichen man kaum find,
          Moecenas drinn
          Stets residiert
     In allerschönsten Garten,
          Vertumnus ihn
          Selbst excoliert,
     Flora tut auch sein warten,
          Von Früchten aller Arten.
     Von Blümlein schön und zarten
          Er allzeit abundirt. –
Letzlich die Spitzen hoch man sach
     Des Rautengarten werth,
Auch die Armada allgemach
     Anzulanden begehrt ....

Die guten Gottheiten verdrängen die bösen.

Plutoni man befahl alsbald,
     Daß er jetzund mit Fleis
Die Furias verwahren sollt
     Und dergleichen Geschmeiß.

Zeichen und Wunder geschehen! Seussius weiß zu berichten, daß den ankommenden Gästen zu Ehren im Löwenhaus eine Löwin Junge geworfen hat; Diana habe gleichsam selbst die Hebammenstelle verwalten wollen!

Eine andere höchst seltsame literarische Verherrlichung des Fürstentages sei an dieser Stelle besprochen. Dies ist der sogenannte Proteus Poëticus[36] des Gregorius Kleppisius. Kleppisch war der Sohn eines Juristen in Dippoldiswalde, besuchte die Fürstenschule zu Grimma und studierte dann in Leipzig. Schon 1611 und 1616 (als gekrönter kaiserlicher Dichter) hatte er lateinische Epigramme[37] herausgegeben, aus denen hervorgeht, daß er oft in Dresden gewesen ist und mit Avenarius und Seussius, die er auch zu preisen versteht, verkehrt hat. Am 30. Oktober 1617 – am letzten Tage des ersten Jahrhunderts der Lutherischen Lehre – hat er die Vorrede zu seinem Werkchen Proteus Poëticus geschrieben, das er dem Kurfürsten Johann Georg und [29] dessen damals lebenden drei Söhnen Johann Georg, August und Christian gewidmet hat.

Wie etliche große Vorbilder, unter denen er den großen Philologen Scaliger nennt, hat er sein Werk Proteus genannt, da es Variationen eines und desselben lateinischen Hexameters enthält. Er nahm dazu den von ihm gedichteten Vers:

Dant tria jam Dresdae, ceu Sol dat, lumina lucem

(etwa:

Licht, wie die Sonne es gibt, drei Sterne spenden es Dresden).

Die neun lateinischen Wörter versetzt er nun beständig in den wunderlichsten Verschränkungen, wie dies ja die lateinische Sprache gestattet. 1617 Umstellungen gibt er, soviel als Jahre seit Christi Geburt bis zu der ewig denkwürdigen fürstlichen Zusammenkunft verflossen sind. Es könnte scheinen, daß er damit etwas Großartiges geleistet habe, aber die Permutationslehre sagt, daß es für 9 Zahlen oder, was dasselbe ist, für 9 Wörter 362880 mögliche Umstellungen gibt; um diese hohe Zahl zu finden, hat man einfach 1x2x3 usw. bis x9 zu multiplizieren. Ob dabei freilich 362880 richtige Hexameter entstehen würden, wage ich nicht zu entscheiden. Der vorsichtige Umsteller hat für seine 1617 Hexameter selbst die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen gehalten, daß durch Setzefehler vielleicht hier und da kein guter Hexameter herausgekommen ist. Für diesen Fall druckt er am Ende noch 24 Hexameter hinzu, damit sich jeder nach Wunsch einen Ersatzvers nehme!

So bewundernswert Geschick und Ausdauer des Dichters Kleppisch sind, uns will diese Versspielerei doch sehr öde vorkommen. Anders dachten seine humanistisch-philologisch gebildeten Zeitgenossen. Er hat das Manuskript Gelehrten verschiedener Nationen vorgelegt und druckt in der Vorrede Lobgedichte auf sein Werk ab, in lateinischer, griechischer, französischer, englischer und italienischer Sprache gegeben. Ein Johann Wacke schreibt:

Unum difficilis non est res scribere versum,
     Artis at egregia tot variare modis

(etwa:

Einen Vers zu schreiben, dies ist nicht schwierige Sache,
     Aber ihn ändern so oft, das ist erhabene Kunst!).

Doch zurück aus diesem poetischen Freudentaumel über die Ankunft hoher Gäste in Dresden![38]

Der Kaiser bestieg mit seinen Verwandten einen Wagen und saß an der Oberstelle; im rechten Schlag der König von Böhmen, im linken der Erzherzog Maximilian, daneben ritten die Herren von Dietrichstein und Wallenstein. Unmittelbar voran ritt der Kurfürst auf einem „Appelgrawen Roß in einem angehabten Goldstücken Kleid mit köstlichen Kleinodien und Raigerbüschen geziert“[39]. Hinter des Kaisers Wagen fuhr Klesl wieder in der mit rotem Sammet ausgeschlagenen Kutsche. Da der Kurfürst, der eifrige Jägersmann, den ebenfalls die Jagd liebenden Kaiser vor seinen weiten und schönen Jagdhofgebäuden empfing, so war der Willkommen zunächst recht jagdgemäß. Der Zug ging von der Mönchswiese[40] erst zwischen Weingärten hin nach dem Jagdhofe; auf dem neuen Trompetergang standen 5 Jäger und bliesen auf französischen Silberhörnern den Willkommsgruß, dann nahmen sie große Waldhörner zur Hand; hierauf ging der Zug durch den Jägerhof hindurch, wo denn in Grün gekleidete Jäger mit silberbeschlagenen Weidmessern standen und mit Jagdgeschrei die Gäste begrüßten; des Kurfürsten 22 Leibhunde mit silberbeschlagenen Halsbändern, von 11 Jägerjungen gehalten, ließen ihr Geläut ertönen. Über dem Bärenhaus standen, mit grünen Tannenzweigkränzen auf dem Kopfe, unter Führung des langen Heinrich zur Lausnitz 12 Bauernpfeifer verborgen, die sehr lustig und „lächerhafftig“ bliesen; der eine auf einem Krumphorn, der andere auf einer Schalmei, ein dritter auf dem großen Bock[41]. Sie trieben’s so toll, daß sogar

     Ihr Kaiserlich Majestet
Zu ihnen ein Blick nauf thet.

Auch der Kurfürst lachte „ihrer von Herzen sehr“. Nun bewegte sich der Zug, bei dem ebenso die Zahl der Bewaffneten, wie der Glanz der Gewänder von Eindruck gewesen sein muß, wie vorgesehen über die Brücke, am Stallhof vorüber, nach dem Neumarkte, der Bettelgasse, der Kreuzgasse und dem Altmarkte. Trotz aller Verbote drängten sich die Dresdner und die fremden Zuschauer heran und begafften den Zug, wie dies Avenarius anschaulich, wohl etwas übertreibend darstellt:

Ja wo nur war ein Bäumchen schlecht,
     Das einen Menschen kunt tragen recht,
Das mußt sich bücken und tragen lassen,
     Man sahs auf allen Ecken und Straßen.
Ja was damals zur selben stundt
     Nur Beine hat und laufen kunnt,

[30]

Das kroch herfür und lief darvon;
     Obs Keulen hett geregnet schon,
So wern sie nicht in Häusern bliebn,
     Gleich wie der Schnee theten sie schiebn.
Gar kleine Kinder auf der Gassn
     Liefen in dies’, in jene Straßen,
Gar wenig, wenig Leut man fund
     In ihren Häusern znr selben Stund.

Von allem Sehenswerten hat Avenarius am meisten die Besteigung des Kreuzturmes begeistert. Diesen bestieg, vom Rate dazu in Lohn genommen, ein ältlicher Mann, der 59jährige, aus Ortrand gebürtige Schuster Hans Streubel. Mit Leitern, Stricken und Kloben ist er auf den höchsten Turmknopf gestiegen. Auf diesem stand er etliche Stunden und schwang eine gelbe und schwarze Fahne mit des Rates Wappen. Nach 5 Stunden kam er herunter „als ein Held“. Avenarius preist ihn, daß er neben seinem Handwerk noch gelernt habe, „hohe Türme steigen, Fahnen aufsetzen, bessern und fegen“, und dies nicht aus Tummkühnheit (d. h. Tollkühnheit)[42].

Am Schlusse des Einzugs marschierten die etwa 3000 Mann mit ihren 18 Fähnlein durch das Schloß. Dies selbst wurde durch Geschütze gesichert, die Tore der Festung waren geschlossen. Beim Eintritt in den Schloßhof hatten die Kurfürstin-Witwe Hedwig und die verwitwete Mutter der Kurfürstin, seine Gemahlin Magdalene Sibylle und andere fürstliche Frauenzimmer die Gäste empfangen und nach den Gemächern geleitet. Als sie so ins Schloß traten, wurden sie von den über dem Schloßtor stehenden kurfürstlichen Musikanten begrüßt.

     Es wardt gehalten ein lieblich Musica
Von mancherlei Instrumenten
     Posaunen, Zinken und Flöten.
Den Dulcian[43] vor andern mehr
     Hörte man lieblich schnarren sehr.

Da der folgende Tag (5. August) ein Sonnabend war und alle, namentlich aber der kränkliche Kaiser sich von der Reise ermattet fühlten, ward Ruhetag gehalten. Am Sonntag aber gab es in der kurfürstlichen Kirche zum Gottesdienst eine schöne Musica. Daß diesem von den hohen Gästen jemand beigewohnt, wird nicht erwähnt, ist auch kaum glaublich; hatten sie doch ihre Kapläne, ja sogar einen Kardinal mit sich. Um so eifriger liefen dahin die protestantischen Bewohner und herzugeströmten Gäste, denn ein schon berühmter und beliebter Musicus hatte eigens für diese Tage geistliche und weltliche Musik komponiert. Ihn preist natürlich auch der Weesensteiner Kantor:

Heinricus Schütz der Componist,
     Ein weitberühmter Organist,
Der hatte componiert mit Fleiß
     Etzlich Concerten auf Chorweiß.
Die wurden artig modulirt,
     Lieblich und schöne musicirt.
Man sah und hört an allen end
     Gar mancherley schön Instrument,
Auch reine Diskantisten gleichfalls
     Zierlich regierten ihren Hals.
Sie mordierten[44] mit höchsten Fleiß
     Gar hell nach ihrer Art und Weiß,
Ihre Stimmlein rein hinauff schwungen,
     Klar biß ins höchste a nauff sungen.
Das war der stolze Jonicus,
     Welcher schön steigt mit seinem Fuß.
Sein lieblich repercussion,
     Sein scherzhafftiger frölicher Thon
Gefelt mir aus der maßen wohl,
     Drumb ich ihn billich loben soll.

(Schluß folgt.)
[37]
I. Deutsche Kaiser. Matthias 1617. (Schluß).

Kein Wunder, daß Avenarius, selbst ein Musikus, mit Verehrung auf Heinrich Schütz schaut. – Dieser treffliche Mann war gerade erst im Jahre 1617 dauernd nach Dresden übergesiedelt, nachdem Johann Georg I. schon seit 1615 mit dem Landgrafen Moritz von Hessen in eifriger Unterhandlung gestanden hatte, daß dieser ihn aus seiner Stadt Cassel ziehen lasse[45]. Endlich hatte er ihn für die Musik in Kirche und Kammer, vor allem für die Tafel gewonnen. Das, wie es scheint, von ihm selbst verfaßte Begrüßungsspiel hat er mit Musik versehen und aufgeführt; in den Wechselgesängen zwischen Apollo und den neun Musen hat er vielleicht seine erste dramatische Komposition, von der allerdings nichts mehr erhalten ist, gegeben. Johann Georg wollte ohne Zweifel mit seinem neuen Musikdirektor und dessen Musicis glänzen; er erließ vor Beginn der Festlichkeiten für die Musik am Hofe eine besondere Verordnung[46], etwa folgenden Inhalts: Heinrich Schütz, als bestellter Direktor, soll darauf sorgen, daß alle Instrumente usw. wohl zugerichtet und zusammengestimmt seien, „uf daß deswegen kein Mangel fürfalle. Allen Instrumental- und Vokalmusicis ist einzuschärfen, in der Zeit bei der Hand zu sein, sich nüchtern, eingezogen und mäßig zu zeigen und nichts zu versäumen. Wenn die Kais. Majestät öffentlich Tafel halten wird, soll er uf eine gute erlesene Musicam bedacht sein, dazu nicht allzuviel, jedoch die besten von S. Churf. Gnaden Musicis, und die ihrer Sache mächtig und gewiß sein, gebrauchen, nicht viel großes Wesens, sondern liebliche Musica machen lassen, uf underschiedene Manieren damit abwechseln und es allenthalben also anstellen, damit S. Churf. Gn. Ruhm und Ehre davon haben mögen. Und dieweil vermutlich über die Kaiserliche noch eine Fürstliche Tafel gehalten werden wird: Soll er aus den übrigen Musicanten, welche in des Kaisers Tafelsgemach nicht gebraucht werden, desgleichen den Jungen, die die Musik können, einen sonderlichen corpus machen, dieselben zusammen ordnen und ihnen einbinden und sie in demselben Gemach, da die Fürstl. Tafel angeordnet, mit Fleiß aufwarten, sich alles übrigen Gesäufs enthalten, nicht viel hin- und wieder laufen, sondern ihre Dienste, wie ihnen das gebühret, ufs beste verrichten.“ Wird von irgend einem der Fürsten absonderlich im Gemache eine Musica begehrt werden, soll sie von wenigen besorgt werden. Speist der Kaiser allein, soll die Musik den anderen Gästen folgen; dabei soll sich Schütz stets rechtzeitig nach den Speisegemächern erkundigen. Allen soll eingebunden werden, daß sie bei Tanz gute Tänze machen und bei Vermeidung von Strafe und Ungnade nichts versäumen. Auch beim Gottesdienste soll es an guten Konzerten nicht mangeln; es soll mit Vokal- und Instrumentalmusik abgewechselt werden.

An demselben Sonntag, an dem sich auch Avenarius an dieser Kirchenmusik ergötzte, wurde im Schlosse ein herrliches Banket abgehalten, dessen köstliche Speis und schöne, helle und klare Getränke –

Reinfall, Alacant und Malvasier,
     Gut süße Wein und herrlich Bier –

[38] der Dichter „im löblichen Dresn“ mit schwungvollen Worten preist. –

Am 1. August fiel ein gelinder Regen ein, so daß viele von den Zugewanderten zu Hause blieben; anderen stak noch immer die Reise in den Köpfen.

     Mancher kunt sich nicht schicken in die Weiß,
Wies pflegt in Dresden schön zu gehn,
     Viel Vernarrte blieben stille stehen . . .
und bewunderten alle Herrlichkeiten.

Mittlerweile blieb das Befinden des Kaisers wenig gut[47], so daß von größeren Festlichkeiten abgesehen wurde; es ist zu keinem Ritterspiel oder Stechen gekommen, obwohl man dergleichen zuerst auch geplant hatte. Dienstag den 8. August ritt der Kurfürst mit König und Erzherzog nach dem neuen Jägerhaus, um dies eingehend zu betrachten. Zur Erinnerung des Kaiserlichen Besuches ließ Johann Georg später die Decke eines schönen Saales in diesem Gebäude mit Gemälden schmücken, auf denen man die Ankunft der Gäste in Dresden, ihren Einzug über die große Wiese durchs Jägerhaus und Altdresden, über die Elbbrücke und in Neudresden sah. Auch die Jagden des Kurfürsten mit seinen Gästen, vor allem die große Tierhetze auf dem Altmarkt, wurden in Deckengemälden verherrlicht. Die Stimmung der Gäste wurde übrigens an diesem 8. August durch den plötzlichen Tod des Kaiserlichen Oberhofmeisters, des 72jährigen Grafen von Fürstenberg, stark beeinflußt. Er fiel früh am Waschtisch zu Boden. Seine Sachen in Dresden wurden „verpetschiert“, sein Körper in seidenem Rock mit einem Sammetmützchen auf dem Haupte einstweilen beigesetzt.

Da in den nun folgenden Tagen starkes Regenwetter eintrat, so unterblieben auch ferner alle äußeren Festlichkeiten. Als es aber am 12. August licht wurde, trabten und fuhren Wirt und Gäste, aber ohne den Kaiser, ½6 Uhr früh über die Brücke nach der Lausnitzer Heide und hielten auf dem Birkteiche bei Ottendorf eine dritte Wasserjagd ab, bei der die fürstlichen Jäger hinter Schirmen saßen und reiche Beute an Hirschen, Rehen und Wildschweinen gewannen; nach seinem Jagdbuch hat Johann Georg allein an diesem Tage 72 Stück erlegt. Der Imbiß wurde auf dem Rückweg in Schloß Hermsdorf bei Lausa eingenommen. Am 14. August jagte man im Friedewald auf Hirsche und Rehe; abends gab es im Schloß festlichen Tanz. Dieser Hofball erlangte dadurch eine gewisse Bedeutung, daß König Ferdinand, der seit 1616 Witwer war, mehrere Male mit Hedwig, der Witwe des 1611 verstorbenen Kurfürsten Christian II., einer Tochter König Friedrichs II. von Dänemark, tanzte. Schon vor der Reise war davon die Rede gewesen, daß Klesl beabsichtigt habe, Ferdinand mit ihr zu vermählen, um das Haus Sachsen dadurch noch mehr an Habsburg-Österreich zu fesseln. Die Kurfürstin lebte zumeist auf dem Schlosse Lichtenberg, bei Prettin an der Elbe gelegen, noch heute auch Hedwigsburg genannt, war aber zu den Festlichkeiten besonders nach Dresden gekommen. Von ihrer äußeren Erscheinung kann man sich erstens durch das Reliefbild am Erker des fürstlichen Hauses auf der Schloßstraße Nr. 30 einen Begriff machen; zweitens zeigt ein Ölbild auf Kupfer, das im Schloß in Wermsdorf hängt, ihr Gesicht, und zwar mit großen Augen, langer, gerader Nase und einem kleinen Mund[48].

Obwohl sie 36 Jahre alt war, galt sie noch als sehr begehrenswert. In verschiedenen Korrespondenzen jener Zeit wird von der Annäherung Ferdinands gesprochen[49], und allem Anschein nach hat er damals entweder wirklich Neigung zu ihr empfunden oder aus politischen Gründen eine Annäherung betrieben. Jedenfalls hat er nach Khevenhiller „in Conversiren eine solche Affection bekommen, daß zu glauben, wo Sie die Religion nicht von einander geschieden, Sie sich mit Ehe zusammen verbunden hätten, dazu der Cardinal Klesl und andere nicht wenig geraten, wie denn der König von Spanien, als Ihr Maj. der Graf Khevenhiller des Königs Ferdinands Resolution, zum andernmahl zur Ehe zu greifen, erklärt, unter denen andern vorgeschlagenen Personen als Florentz, Savoye, Mantua, zu dieser Sächsischen Wittib sein Votum gegeben.“

Obwohl diese Verbindung eine Zeitlang in das Bereich der Möglichkeiten gezogen worden ist, hat Ferdinand doch davon abgesehen. Ohne den Übertritt Hedwigs zum Katholizismus wäre eine Ehe mit ihr wohl kaum denkbar gewesen; dieser wäre bei ihr, einer Prinzessin aus streng lutherischem Lande, einer fürstlichen Witwe aus dem eigentlichen Ursprungslande eben dieser Lehre, ebenso schwierig wie aufsehenerregend gewesen. Die Zeit des fürstlichen Konvertitentumes war damals bis auf wenige vereinzelte Fälle noch nicht gekommen. Ferdinand hat erst 1622 wieder geheiratet, und zwar Eleonore von Mantua; Hedwig hat sich nicht wieder vermählt.

Den Glanz des Hoffestes, die Schönheit der Frauen und Jungfrauen malt sich der Dichter Avenarius mit lebhafter Phantasie aus:

[39]

Das hochlöbliche Frauenzimmer
     So geschwindt, so hurtig kam es rümmer;
Gleich wie ein fliegendes Vöglein fein,
     Schwung sich das edle Jungfräulein.
Fürstlich, höflich und Edle sitten
     Sah man allda samt leisn tritten;
Mit ihren schmalen geschnürten Schuhen
     Gar schön und fein kunnten sie thun.
Ich glaub, daß mancher offt und dick
     That auff die seit einen Blick.

Nachdem am 15. August wieder ein Jagdritt nach den Micktener und Kaditzer Feldern unternommen worden war, wurde am 16. in der mit Festbauten geschmückten alten Rennbahn nahe dem Schloß (nach Westen zu) ein Hirschschießen abgehalten.[50] 33 Gewinne im Werte von etwa 1300 Gulden konnten verteilt werden. Der Hauptgewinn war ein silbernes Gießbecken mit Kanne, auf 157 Gulden geschätzt; die übrigen waren Silberbecher mit je einer schönen Fahne.

Der Hauptfesttag für die Gäste, die übrigen Fremden und die Dresdner war der 17. August, an dem auf dem alten Markte eine Tierhetze abgehalten wurde. Etwa 800 Zeilen in Avenarius Werke sind der Beschreibung gewidmet[51]. Es seien einige charakteristische Momente herausgehoben.

An das Rathaus war eine hohe Tribüne angebaut, auf der der leidende Kaiser, alle hohen Gäste, unter ihnen auch Kardinal Klesl, das Frauenzimmer und alles Gefolge versammelt waren. Eine Bretterwand, an der Jäger und Hunde gemalt waren, schloß den Markt nach Norden zu gänzlich ab; die Zugangsgassen im Osten und Süden waren durch Tribünen abgesperrt. Mitten auf dem Markte markierten Kiefernbäume und niederes Gebüsch den Wald; etliche Wasserfässer, sowie die an der Südseite des Altmarktes offen fließende Kaitzbach dienten den Bären zur Kühlung, wohl auch zur vorübergehenden Zuflucht. Zur Aufreizung der Tiere war eine Wergpuppe, mit grimmem feuerrotem Barte und einem Spieße in der Hand, an der Holzwand, durch Stricke hin- und herziehbar, angebracht. Gejagt wurden 8 Bären, außerdem Hirsche, Ochsen, Dachse und Marder. Teils hetzten die Jäger sie mit ihren Hunden selbst, teils wurden sie gegeneinander gehetzt. Da heißt es nun:

Saurüden wurden herausgelassen,
     Die jagden ihn (den Bären) über die maßen,
Thaten sich häuffig zu ihm finden
     Und zwackten ihn bald vorn, bald hinden.
Das wolt den Bähren nicht behagn,
     Brummt mechtig sehr, that umb sich schlagn,
Endlich er in die Katzbach sprang,
     Die Hunde säumten sich nicht lang,
Eylten ihn nach sehr ungeschwungen,
     Belten, daß ihn die Ohren klungen.
Der Bähr schlug um sich mit Verdruß
     Mit seiner Klawen und starken Fuß
Und wehrte sich so lang er kundt,
     Ergreiff und hetzt so sehr ein Hund,
Das ihme baldt der Athem sein
     Außgangen wehr in solcher Pein usw.

Sobald das Tier genügend gehetzt war, trat der Kurfürst selbst mit einem Spieß heran, und einmal heißt es:

Baldt kam der Churfürst lobesan
     Und zog ihm den Sterbekittel an.

Zwei mehr scherzhafte Zwischenspiele gab eine Dachsjagd, bei der Hans „der alte Zwarck“ mit Dachsfängern auftrat.

Drey zum ersten wurden rauß gelahn,
     Da watzschelten sie hin auff den Plan.
Die Hündlein kamen hinder ihn her,
     Etzlich zwackten sie ohn gefehr.

Mit größter Freude sah man zu, als ein starker gelber Hund einen Dachs hin- und herriß, emporwarf, aufs Pflaster schleuderte und dann zertrat. Ebenso jubelte alles, als „Herr Görg der kurtzweilige Rhat“ ohne Hunde mit einem Hirschfänger eine Bache verfolgte, unermüdlich hinter ihr herlief und ihr endlich einen Fang in die rechte Seite gab.

Zu all den sehenswürdigen Dingen kam noch hinzu, daß der Turmsteiger ein zweites Mal den Kreuzturm erklomm und 6 Stunden oben stand und die Fahne schwang. Schon damals machten sich die Bürger der Stadt die Schaulust vermögender Leute zu nutze; für ein Fenster am Altmarkte wurden bis 4½ Taler gezahlt.[52] So schildert denn auch Avenarius das gaffende Volk auf das lebhafteste; es ist dabei nicht bloß von der Kühnheit der Männer, sondern auch von der erstaunlichen Leistung einer Frau die Rede:

Ferner hör man den folgenden Bericht,
     Kein Weibsbild hab ich gesehen nicht,
Die es gewagt so liederlich,
     So kühn, daß Jedrmann wundert sich.

In einem hochwohlgebauten Hause am Altmarkt wagt sie folgendes:

[40]

Zu öberst auff dieses Haus und Dach
     Macht sich ein Weibesbildt fein sacht.
Inwendig steigt sie bis in Gübl,
     Klettert hinauf, ihr wird nicht übel.
Sie hebt etzliche Ziegl vom Dach,
     Kreucht durch die Sparre. Hört, was geschach;
Wie sie nun kömpt zu öberst hinauff,
     Setzt sich fein nieder, gab nicht viel drauff.
Obs noch gewesen wer zu hoch,
     So wer sie nauff gestiegen doch.
Sie setzt sich nauff wol an die Spitz,
     Allda sie hatte ihren sitz.
Wenns wer gewesn ein Mannsperson,
     Wollt ichs ihm zu gut gehalten hon.
Deren schauten ja genug überall hinaus!
     Sie saßen hinter den fewermäwren,
Bey zweyen, dreyen und auch viren,
     Wo ein Löchlein war in einem Hauß,
Dardurch kaum kont kommen ein Mauß,
     So mußte kuckn ein Auge rauß.
Das kam einem für so lächerlich usw. –

Als der achte und letzte Bär erlegt war, wurde die Jagd fröhlich abgeblasen; auch der Kurfürst blies dabei sein Waldhorn kurz und schön.

Der folgende Tag, der 18. August, brachte im Gegensatz zu diesem roheren Jagdvergnügen eine Musikaufführung im Schlosse. Auch hierbei ist Avenarius anwesend gewesen, und gewiß war es ihm Bedürfnis, das Werk des von ihm geschätzten Heinrich Schütz zu loben und zu preisen.

In diesem Spiel[53] kam gar schnell fliegend gerannt Pegasus, den Berg Parnassus auf seinem Rücken tragend. Aus dem Berg kamen die 9 Musen hervor mit Lautenklang und Gesang, auf des Berges Spitze aber saß Apoll. Die Musen traten vor und gaben den drei höchsten Gästen „künstliche und vortreffliche Geschenke“. Dann aber ertönte aus dem Berg, unter Schützens Leitung, ein lieblich Musika,

Die ich jetzt nicht aussprechen kan
     Noch auf der Welt ein kunstreich Man.

Darauf tanzten zwei junge kurfürstliche Fräulein „Galliard und andere anmutige Täntz, wie man sieht an Französischer Gräntz“. Ein Ball schloß sich an, wobei König Ferdinand die kurfürstliche Frau Mutter „aufzog“. Erzherzog Maximilian folgte

     Mit der Churfürstin lobesam
Von Lichtenberg, gar schön geziert,
     Frau Hedwig sie genennet wird. –

Am 19. August ward im Walde bei Wilsdruff Hirschjagd gehalten; am 20., einem Sonntage, war Ruhetag; am 21. ward an der Klipphausener[54] Leite, am 22. in der Dresdner Heide gejagt. Da man aber an diesem Tage auf keinen Hirsch stieß, begnügte man sich mit Vogelstellen an zwei Herden nahe bei Klotzsche. Von diesen „lieblichen Thierlein klein“ wurde dritthalb Hundert gefangen. Als man am Abend in Dresden wieder einritt, kam die Botschaft, daß der Friede zwischen Venedig und Ferdinand abgeschlossen worden sei. Dies wurde mit vielem Geschrei und lustigem Trunk gefeiert; so kräftigen Rausch bereiteten sich viele, daß der Dichter denjenigen glücklich preist, von dem man sagen könnte,

Das ihm derselb so wohl bekummen
     Und nicht that im Kopfe brummen.

Mittwoch den 23. August marschierten noch einmal auf der Wiese mit den Fähnlein von Leipzig, Freiberg und Torgau die von Meißen, Hain, Dippoldiswalde, Pirna, Chemnitz und Colditz auf; außer ihnen die Dresdner Bürgerschaft.

Punkt 9 Uhr setzte sich der Kaiser „frisch und gesund“ wieder auf das Schiff, und es begann ein gewaltiges Schießen. Die Wilden Männer, ein Geschütz auf dem Elbetor, die Wallgeschütze, die Musketiere auf der Mönchswiese, alles fiel ein und „respondierte“ sich.

Das Pfeifen hört man in der Lufft,
     Erschrecklich das Geschütze pufft;
In eines Menschen Haupt das Hirn
     Von diesen Krachen sich thet movirn.

Gar mancher wackre Monsier, schöne Held und Cavalier sehnte sich, wie Avenarius singt, danach, an solchem Ort zu sterben in frischem, freiem Feld, da solche Klänge ertönten. Der alte Student, der im Kapellmeister Avenarius steckt, läßt ihn die Ungebundenheit im Studenten- und Sängerleben preisen. Er sagt:

Wie hertzlich gerne wollt ich fort,
     Wenn ich stürb an einen solchen Ort.
Mit Freuden wollt ich mich begraben lahn,
     Wenn ich gleich wer der reichste Man.
Studentenlebn, o Kriegslebn,
     O du allerfröhlichstes Lebn,
Ein freudig Hertz thut ihr offt geben –
     Sonderlich wenn Geldt zu jeder Frist
Bei euch beiden vorhanden ist. –

Die Reise führte die österreichischen Gäste, vom Kurfürsten geleitet, zunächst bis Pirna; am andern Tage, den 24. August, über Schandau nach Tetschen. An der Grenze kehrte der Kurfürst um, die jungen Altenberger Gäste aber fuhren bis nach Prießnitz[55]; bei einem kalten Frühstück hielt Herzog Johann Philipp

[41]

     Ein schön Valet Oration.
Darauff mit Reden wohlgeziert
     Herr Klösel prächtig respondiert.

Die Reise führt alsdann nach Leitmeritz, von da wieder über Welwarn zu Wagen nach Prag. –

Drei Wochen war das Haupt des Reiches mit ein paar Hundert Gefolgsleuten beim Kurfürsten von Sachsen zu Gast gewesen. Die Kränklichkeit des Kaisers, der im Gegensatze zu dem Besuche des Vaters, des Kaisers Maximilian, bei Kurfürst August 1575 ganz zurücktritt, die Schwierigkeit der Verhandlungen mögen dies veranlaßt haben. Jedenfalls hat dieser Besuch dem Wirte ganz bedeutende Kosten verursacht; und dabei war er doch derjenige, von dem etwas erbeten werden sollte; ein Empfangender war er selbst nicht, wenn er sich auch geschmeichelt haben mag, daß ihm die mit dem Habsburger erneut gepflegte Vertraulichkeit in politischer Beziehung, in der sogenannten Jülich-Cleve-Bergischen Erbschaftsfrage einst Früchte bringen werde.

Die Habsburger wollten sich die Nachfolge in der Kaiserwürde sichern, der Wettiner hoffte, durch Entgegenkommen einen Landgewinn, freilich weit im Westen des Reiches, am Rheine zu erlangen; also dynastische Bestrebungen auf beiden Seiten. Die Beruhigung des Reiches, das von tiefen Gegensätzen zerfressen war, die Sicherung der protestantischen Reichsstände gegen weitere Uebergriffe der Katholiken, damals „die Forderungen des Tages“, wurden doch recht nebensächlich behandelt.

Ohne Zweifel war die äußere Schale bei dieser Zusammenkunft glänzend und kostbar genug: was ist nun über den Kern des Ganzen zu berichten – über die Verhandlungen, die hierbei in hochwichtigen Reichsangelegenheiten geführt worden sind?[56]

Am 4. August war der Einzug erfolgt; am 5. August nachmittags 2 Uhr ließ der Kaiser den Kurfürsten zu sich „erfordern“. Er rühmte dessen Liebe und Affektion zum Hause Oesterreich, die er „in viel weg gespüret“; so sei es geblieben und so werde es gewißlich bleiben. Die Liebe, die er zum Kurfürsten geschöpfet habe, demonstriere sein Besuch. Hierauf erinnerte Matthias an den betrübten Zustand des Reiches, zu dessen nötiger „Remedierung“ Johann Georg auch sicher geneigt sei. Er selbst habe das Möglichste getan, nun aber, da er alt und schwach sei, sorge er sich wegen der Nachfolge und der damit verbundenen „Konfusiones“. Daher sei die Erwählung Ferdinands vorzuschlagen, und er hoffe auf Verhandlungen darüber zwischen seinen und des Kurfürsten Räten. Hierauf sprach Johann Georg seinen Dank für des Kaisers Kommen aus und erklärte die Succession für einen wichtigen Punkt. Obwohl Sonderverhandlungen zwischen dem Kaiser und einem der Kurfürsten nicht statthaben sollten, wolle er doch seinen Räten Befehl zur Aufnahme der Verhandlungen geben. Am Montag darauf, den 7. August, ließ der Kardinal Klesl Herrn Caspar von Schönberg und die übrigen sächsischen Geheimräte früh um 9 Uhr bitten, zu ihm zu kommen. Diese erschienen und fanden bei ihm die Grafen von Fürstenberg, von Zollern, von Harrach, Herrn von Meggau, sowie den Reichsvizekanzler von Ulm. Auf die Frage Klesls, ob die sächsischen Herren einen Sekretarius nehmen wollten, antwortete Schönberg: Das sei hier nicht Brauch. Darauf wurde in Klesls Schlafkammer eine Tafel zugerichtet; an sie, die mit Papier umlegt war, setzte er allein sich auf einen Samtstuhl; rechts saßen die kaiserlichen, links die kurfürstlichen Räte, die aber ihre „Bänklein“ etwas von der Tafel abzogen; untenan saß der Reichshofratssekretarius Pucher, den Klesl hatte rufen lassen. Hierauf erhielt der Reichsvizekanzler das Wort. Er strich die treuen Ratschläge der kurfürstlichen Räte hoch heraus, schilderte die große Not im Reiche, die einen gänzlichen Ruin erwarten lasse. Im Vertrauen zu dem „treuen und aufrechten Churhause Sachsen“ habe der Kaiser schon immer kommen wollen, aber Geschäfte und „vorgefallne Leibsschwäche“ hätten ihn abgehalten. Zu dem Plane des Kaisers, Ferdinand wählen zu lassen und einen Kurfürstentag zu ermöglichen, stellte er nun noch bestimmte Fragen: Ob der Kurfürst für einen solchen Tag sei? Wann und wo er zu halten, damit die Krönungsreise nach Ungarn nicht behindert werde? Wer die Ausschreiben besorge und wie sie abzufassen seien? Ob der Kurfürst persönlich auf den Tag kommen werde? Ganz besonders wichtig aber erscheine, daß die Kurfürsten von der Pfalz und von Brandenburg ebenfalls kommen und sich dem Kaiser „anschließen.“ Schönberg rekapitulierte bis auf weniges alles „minutim“, so daß Klesl fand, daß er sich alles, wie „ad calamum diktiert“, eingeprägt habe[57], und bat hierauf um Aufschub, damit er dem Kurfürsten alles vortrage. Dieses wurde natürlich gewährt. Zur selben Zeit begab sich Erzherzog Maximilian zum Kurfürsten und entschuldigte sich bezüglich seiner Eingabe beim Kaiser im Jahre 1616. Er bedauerte einige schlechte Worte, bekannte sich aber zum Hauptinhalte. Er habe es dem Kaiser ganz insgeheim gegeben und auch geheim zu halten anempfohlen; dieser aber habe es Klesl gegeben. Die von ihm, dem [42] Erzherzoge, vorgeschlagene Armierung habe sich nur gegen die richten sollen, die sich unberechtigterweise unterstehen wollten, sich der Wahl anzumaßen und „einen andern Kaiser zu setzen“. Der Kurfürst betonte, daß die Geheimhaltung richtiger gewesen wäre; er kenne Maximilians treues Gemüt, daher bedürfe es keiner Entschuldigung.

Mittwoch den 9. August 2 Uhr war der Kurfürst beim Kaiser und schlug vor: das beste Mittel sei, wenn der Kaiser, die Kurfürsten und die geheimen Räte zusammenkämen; Schicken und Schreiben sei vergeblich. Die Ausschreiben solle der Kaiser erlassen, ebenso auch das Wann und Wo darin bestimmen, aber es solle zunächst noch etwas Luft gelassen werden. Wegen der Pfalz und Brandenburgs versprach er seine besten Dienste. Als die kurfürstlichen Räte Donnerstag den 10. August schon früh 8 Uhr zu Klesl gekommen waren, wiesen sie darauf hin, daß der Zustand im Reiche nicht nur sehr, sondern äußerst unruhig sei. Sie erklärten sich ganz entschieden für einen Kurfürstentag, zu dem die Einladung vom Kaiser sicher so werde gefaßt werden, daß niemand beleidigt werde. Hierauf bat Klesl die Herren, sie sollten „ein wenig entweichen“, damit er sich mit seinen Kollegen wegen der Antwort beraten könne. Obgleich nun, so lautet das sächsische Protokoll, die Antwort also beschaffen war, daß es darüber nicht viel Skrupulierens und Disputierens bedurfte, warteten sie eine Stunde lang, dann wurden sie zum Kurfürsten befohlen und ließen das dem Kardinal melden. Da er ihnen nun zurücksagen ließ, er könne mit der Beratschlagung so geschwinde nicht fertig werden, verschob man die Verhandlung auf den folgenden Tag. An diesem, den 11. August 9 Uhr, entschuldigte sich Klesl wegen der Verzögerungen am Tage vorher noch ganz ausdrücklich und nahm die Schuld ganz auf sich; er habe nicht gedacht, daß die Konsultation so lange dauern werde. Dann nimmt der Vizekanzler das Wort und trägt, nachdem er ausdrücklich lobend hervorgehoben, „wie geschicklich, zierlich, fortrefflich und ausführlich man sich auf die kaiserlichen Projektionen resolvieret“, folgendes vor: Ein Kurfürstentag, auf dem Matthias selbst erscheinen werde, sei beschlossen, und zwar in Regensburg oder Eger in etwa zehn oder zwölf Wochen. Das Ausschreiben werde von Ihrer Majestät ergehen; persönliches Erscheinen Johann Georgs und Gewinnung Brandenburgs und der Pfalz dazu seien dringend erwünscht. Vielleicht sei günstig, wenn die kaiserlichen und die sächsischen Gesandten an jene Höfe zugleich reisten. Nach einer Unterbrechung wurden die Verhandlungen am Nachmittage fortgesetzt; die sächsischen Räte machten an dem Ausschreiben einige Ausstellungen, denn es seien Dinge darin enthalten, die der Feder nicht zu vertrauen, sondern in höchstem Vertrauen den Kurfürsten selbst zu sagen seien. Man müsse in Bezug auf den Kompositionstag sehr vorsichtig sein, damit die beiden weltlichen Kurfürsten nicht etwa das persönliche Erscheinen unterließen. Sein eigenes Erscheinen stellte Johann Georg in Aussicht, wenn der Kaiser komme und nichts Hinderliches vorfalle; aber seine Gesandten den kaiserlichen Kommissarien zu „adjungieren“, lehne er ab, weil man die Haltung der andern Kurfürsten in Sachen der Komposition nicht kenne, und weil sich der Kurfürst, wenn er zugleich mit dem Kaiser schicke, verdächtig mache; habe doch jeder Kurfürst beschworen, ohne einen anderen nichts Wichtiges zu betreiben. Auch hierauf bat der Kardinal, daß die sächsischen Räte auf eine Viertelstunde entweichen sollten. Nach ihrer Rückkehr äußerte er: Der Kaiser habe die „Adjunktion“ der sächsischen Gesandten nicht deshalb gewünscht, weil er Bedenken getragen, „den saueren Apfel zu schmecken, die harte Wurst zu beißen“, sondern um dadurch die anderen zwei Kurfürsten um so eher zum persönlichen Erscheinen zu bewegen. Die Komposition auf dem Kurfürstentag mit vorzunehmen, sei nicht richtig, da dann gewiß nur ein Streit entstehen werde. Sehr richtig äußerte Präsident von Schönberg, daß man sächsischerseits die Komposition mit erwähnen wolle, weil die anderen protestantischen Kurfürsten dann eher kommen würden.

Die Verhandlungen wurden hierauf bis zum folgenden Tage, Sonnabend den 12. August 9 Uhr, vertagt. Da erklärte Klesl, er habe sich die letzte Kontroverse „beschlafen“ und halte es nun für richtig, daß die Andeutung einer Komposition den Kurfürsten bei der Einladung zum Kurfürstentage gleich mitgegeben werde. Daran schloß Graf Hohenzollern noch einige Bemerkungen darüber, daß die Kurfürsten nicht richtig handelten, wenn sie den Reichshofrat etwa verkleinerten und ihm Kompetenzen nehmen wollten.

Montag den 14. August früh 9 Uhr erklärte der Vizekanzler, der Kaiser werde in zehn bis zwölf Wochen nach Regensburg zur Zusammenkunft reisen. Caspar von Schönberg war damit einverstanden, wies aber darauf hin, daß die Kurfürstin schwanger; wenn daher der Tag in die Zeit ihrer Niederlage falle, solle man es dem Kurfürsten nicht übel nehmen, wenn er seine eheliche Pflicht und Treue halte[58].

Und nun erst rückten die sächsischen Räte mit einigen Wünschen heraus. – Der wichtigste war: der Kaiser solle den Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neuburg, der sich 1611 in Besitz von Jülich gesetzt hatte, in seinem Versuche, dies zu halten, ja nicht bestärken. Die andern Wünsche können hier übergangen [43] werden. Der Kardinal sicherte Verhandlungen über die Hauptsache beim Kaiser zu.

Erst nach fünf Tagen, Sonnabend den 19. August, kamen die Herren wieder zusammen, und es wurde nun als Tag der Zusammenkunft der 1. Februar bestimmt. Den besonderen Wünschen Sachsens wollte man entgegenkommen, vor allem sicherte man zu, daß man gegenüber dem Pfalzgrafen Wilhelm Wolfgang, der in Prag wegen Jülichs „sollicitieret“ habe, nichts tun werde, was Sachsen etwa beschweren könnte.

Damit waren die Verhandlungen abgeschlossen. Das Haus Österreich hatte erlangt, daß die Succession vor die Komposition gestellt werde, so zwar, daß die letztere aber nur erwähnt wurde, um mit ihr zu locken.

Klest ist mit den Ergebnissen zufrieden gewesen. Die Mühen, die er aufgewendet hatte, den Kaiser Matthias nicht nur im Gespräch mit ihm selbst zu leiten und zu beraten, sondern ihn auch unter Angabe der mutmaßlichen Fragen, die von andrer Seite fallen konnten, mit Antworten auszurüsten, waren gelohnt. So hat er sich denn mehrfach befriedigt ausgesprochen, z. B. gegenüber dem Herzog Maximilian von Bayern, dem Haupte der Liga. Er schrieb ihm am 4. September 1617[59], daß es zwar nicht gelungen sei, bei der Aufforderung zum Kurfürstentag die Frage der Abstellung der Beschwerden ganz zu umgehen, daß sie aber in dem Ausschreiben keinesfalls genannt, sondern nur angedeutet werde. „Waß man zue Rhom darzue sagen wirdt, mueß ich erwartten. Ist gleichwohl mitten in Lutherthumb und unter des Lutthers Landtsfürsten meo judicio vil gewesen, und habe ich diesen Churfürsten eines aufrechten Teutschen Hertzens E. L. gar wohl affectioniert befunden. Ir. Königl. Würden [d. i. Ferdinand] haben S. L. gar eingenomben und gegen einander große Vertraulichkeiten erzaigt; wär alles wol abgangen, wenn Ir. Maj. nit die maisste Zeit in Pött [= Bett] zugebracht hetten“.

Ebenso schrieb er an den kaiserlichen Gesandten in Spanien, den Grafen Khevenhiller[60], am 10. September: „Mein Person betreffent hab ich mit dem Churfürsten zue Sachßen so vertrauliche Kundschafft gemacht, das er mier sein Herz ganz und gar eröffnet, was für Prakhtiken die Calvinisten mit ihnen gebraucht, Item de Interregno, Item de Rege Ferdinando, und wie Er bey dem Hauß Oesterreich leben und sterben wölle“.

Auch von andrer Seite wird dies wachsende Einvernehmen beleuchtet. So wird unter dem 27. August aus Prag an den Fürsten Christian von Anhalt berichtet[61]: „Sonst verlaut, daß zwischen Allerseits bei dieser Zusammenkunft starke Verbindtniß und Freundschaft, auch der König und Churfürst zu Saxßen Brüderschaft mit einander gemacht und zu hoffen, daß es wohl baldt einen frischen Reichstag und neuen Römischen König abgeben möchte“. Wenn hinzugefügt wird: „es soll auch Ihr K. M. bei Ihrer Churf. Gn. prolongation der versetzten Stätte, so sich auf 800000 fl. erstreckt, erlangt haben“, so hat die Zusammenkunft, ähnlich wie die von 1575, auch noch eine finanzielle Seite gehabt, die sich für das immer in Geldnöten steckende Haus Österreich ebenfalls günstig gewendet hat. Klesl war vorsichtig und klug genug, den Reichshofratspräsidenten Grafen Johann Georg von Hohenzollern als Vertreter der kaiserlichen Politik, d. h. als Beobachter in Dresden zu lassen, um so mehr, als für Ende des Jahres eine Zusammenkunft des Kurfürsten von Sachsen mit anderen evangelischen Fürsten als wahrscheinlich galt.

Für wie wichtig die Zusammenkunft in Dresden in beiden Lagern, bei der Union und beim österreichischen Hofe, gehalten worden ist, dafür sprechen auch etliche andere Korrespondenzen. Kurfürst Friedrich von der Pfalz, der spätere Winterkönig, erkundigte sich unter dem 12. August von Heidelberg aus bei Johann Georg, ob etwas für das Römische Reich und die Kurfürsten Wichtiges vor sich gegangen sei[62]. Dieser antwortete am 31. August aus Stolpen: es sei sehr oft die Rede gewesen von den traurigen Zuständen im Reiche und den Remedien dagegen; er habe betont, daß als Mittel dagegen am besten ein Kom- oder Interpositionstag sei. Da dies aber ein schweres Werk sei und alle Kurfürsten dazu nötig, so habe der Kaiser erwogen, daß am besten zunächst eine persönliche Kollegialversammlung sei. Am 16. September dankte für diese Mitteilungen der Pfälzer Kurfürst, zeigte sich aber angesichts der Werbungen im Ober-Elsaß und in den Niederlanden beunruhigt, obwohl König Ferdinand und Erzherzog Maximilian in Sachen der beabsichtigten Armierung ihm beruhigende Versicherungen schriftlich gegeben hätten; er traue beiden nicht. Darauf schrieb Johann Georg am 7. Oktober, er wisse nichts von Rüstungen, hoffe das Beste und werde Wichtiges mitteilen[63].

Von König Ferdinand traf Mitte September ein am 9. d. M. von Brünn abgesendeter Brief in Dresden ein, worin er von dem guten Verlaufe seiner Huldigungsreise durch Mähren berichtet und auch seinerseits über [44] allerhand fürstliche Rüstungen, von denen man höre, Bedenken äußert und ein paar beruhigende Zeilen darüber erbittet. Diese werden ihm am 17. September von Dresden aus durch Johann Georg zuteil: er habe zwar von Werbungen im oberrheinischen Kreise gehört, glaube aber nicht, daß der eine oder der andere Teil etwas Tätliches vornehmen werde; er selbst wolle die zwischen ihm und dem Könige eingetretene Vertraulichkeit nicht außer Obacht lassen. Über diese letzte Äußerung drückt Ferdinand in einem Briefe vom 6. Oktober aus Bautzen, wohin er nach seiner ihn sehr befriedigenden Huldigungsreise durch Schlesien gekommen war, um die Huldigung der Lausitzer entgegenzunehmen, seine Befriedigung aus; er selbst sei auch zu allem erbötig, käme am liebsten gleich wieder mit ihm zusammen, doch der Kaiser rufe ihn nach Prag; aber ganz gewiß wolle er mit dem Kurfürsten immer gute Nachbarschaft halten. Zum Dank dafür erhielt er unter dem 17. Oktober Johann Georgs erneute Versicherung der „continuation der angefangenen Freundschaft und Vertraulichkeit“[64].

Es ist hier nicht der Platz, das Verhältnis der beiden Fürsten zu einander weiter zu besprechen; nur sei daran erinnert, daß Johann Georg die Stadt, aus der der zuletztgenannte Brief Ferdinands kam, in den ersten Jahren der Verwirrungen des großen Krieges besetzt und alsdann dauernd für sein Haus gewonnen hat. Zu dessen Gedächtnis steht ja auch ein bescheidenes Denkmal dieses Fürsten auf dem Marktplatze Bautzens.

Daß ein Geschenkverkehr zwischen beiden Fürsten bestanden hat, beweist ein in das Aktenstück, das des Kaiser Matthias Schreiben enthält, eingehefteter Brief Ferdinands aus Prag vom 21. April 1623. Hierin schreibt Kaiser Ferdinand II.: „dem alten Gebrauch und Vertrauen nach schicke Ich zwei Wagen schwär Wein, einestheils meiner selbst Steyrischen Gewächs, theils von Ungarischen Sorten .... wie ich denn E. L. mit aufrichtig recht Teutscher Affection wie bisher also auch fürohin wohl und beständig zugethan verbleibe“.

Die Zusammenkunft in Dresden hat reichliche Gelegenheit zur Verteilung von Geschenken gegeben. Kaiser Matthias, dessen Geldverhältnisse immer bedenklich waren, scheint sich dies dadurch erleichtert zu haben, daß er mancherlei Geschenke verspendet hat, die einige Zeit vorher eine türkische Gesandtschaft für ihn nach Prag gebracht hatte. Immerhin heißt es in einem schriftlichen Berichte, der am 14. August aus Prag nach Anhalt gelangt ist: „es werden noch mehr güldne Ketten nach Dresden zu verehren gesandt, denn Ihnen große Ehre bewiesen wird, und wird Ihr. Maj. auß lauter Gold und dero Leut aus Silber gespeist“. Johann Georg wählte für Adam von Wallenstein, der die einleitenden Verhandlungen hatte führen müssen, selbst ein Kleinod im Werte von 326 Gulden, für den Geheimrat von Meggau eins für 320 Gulden, für den Oberstallmeister eins für 246 Gulden aus. Der Reichsvizekanzler erhielt eine goldene Kette für 502 Gulden. Im Ganzen wurden sieben Kleinode, neun Becher und eine Kette für 2483 Gulden durch die sächsischen Geheimräte gewählt, doch hatte man sich beim Hofgoldschmied Michael Beze[65] ausdrücklich das Abhandeln vorbehalten.

Daß Kardinal Klesl etwas erhalten habe, wird nicht berichtet. Obwohl er für Vermögensvermehrung in Form von „Verehrungen“ sehr empfänglich war[66], ist es doch wohl unwahrscheinlich, daß er als Römischer Kardinal von einem lutherischen Fürsten etwas erhalten habe.

Dies führt zum Schluß noch zu einem kurzen Berichte über die gesellschaftliche Aufnahme, die der Minister des Kaisers, der doch zugleich hoher katholischer Würdenträger war, in Dresden erfahren hat; dabei fällt auch ein Streifblick auf einen hoch angesehenen protestantischen Geistlichen jener Zeit, auf den Oberhofprediger des Kurfürsten Johann Georg I., Matthias Hoë von Hoënegg.

Beide stammten aus Wien. Klesl war als Sohn eines protestantischen Bäckermeisters in dieser Stadt geboren, hatte seine Unterweisung erst von protestantischen Lehrern erhalten, war aber später von Jesuiten zum Katholizismus bekehrt worden. Sein Eifer, seine einstigen Glaubensgenossen ebenfalls zu bekehren, gewann ihm das Vertrauen Rudolfs II., sowie des damaligen Bischofs von Passau. Er selbst wurde Bischof von Wiener-Neustadt und von Wien, vor allem aber in Nieder-Österreich der unerbittliche Bekehrer der Ketzer. Während des Bruderzwistes im Hause Habsburg trat er auf des Matthias Seite, verhalf ihm zum Besitze der österreichischen Erbländer noch zu Kaiser Rudolfs Zeiten und nach dessen Tode zur Kaiserkrone. Der jedenfalls begabte, aber falsche, herrschsüchtige, eitle und oft derbe und grobe Kirchenfürst gewann, wie schon erwähnt, einen überwältigenden Einfluß auf seinen Kaiser. Dies machte ihm viele Feinde im Kaiserhause und am Kaiserhofe.

[45] Seine Bedenken, nach Sachsen zu gehen, waren groß gewesen. Seit er 1616 Kardinal geworden war, konnte er wohl beanspruchen, gleichen Rang mit Fürsten einzunehmen. Am Kaiserhofe war dies jedoch, da er zugleich Kaisers Diener blieb, dahin entschieden worden, daß er den Erzherzögen weichen müßte. Jenen Anspruch konnte er nun auch Reichsfürsten gegenüber erheben; wurde er nicht geachtet, so war ihm dies der Kurie gegenüber unangenehm. Hierzu kam sein Bedenken, in einem lutherischen Lande zu erscheinen. Um alledem zu entgehen, hatte er sich in einem Memorial an den Kaiser gewendet[67]: „nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil ich allezeit denen Competenzen, Subtilitäten, Ceremonien und äußerlichen Wesen feind gewesen und auch lieber in allen meinen Vocationibus und Professionibus auff den Kern und Substanz selbst, als dergleichen Sachen, nach welcher sich leyder bey dieser Vocation befunden, begeben wollen. Aus welcher Ursach ich auch Ew. Mj., wie gern ichs sonst umbgehen wollte, jetzunder gehorsam bitten muß, meiner mit der Sächs. Reise zu verschonen, weil ich dorbey großen Spott und Schaden besorgen müßte, denn diese Dignität denen Uncatholischen dermaßen zuwider, daß sie die Cardinales für ernste Verräther, Tyrannen und Außrotter der Evangelischen (wie sie sich nennen) halten, wider solche schreiben und predigen, das Volk verbittern, verhitzen und informieren, deswegen ich ingemein allerley Despekt zu gewarten, auch das Vertrauen, wie zuvor, der Orthen nicht haben werde“. In dem höchst fesselnden Briefwechsel, den Klesl 1613 bis 1616 mit dem Reichspfennigmeister Zacharias Geizkofler geführt hat, dem gegenüber er den Ernst seiner Ausgleichsverhandlungen immer betont, äußert er sich über den Wert, den er auf das Gerede der Leute über seine neue Würde legt, freilich anders. Er schreibt dem Freunde am 9. Juli 1616 aus Prag: „Es wird draußen im Reich viel Diskurs abgeben und viel die rote Farb irren, das muß ich passieren lassen und gedenken, daß diese schlechte judicia haben müssen, so von der Farb, Kleidung und Stand die qualitates et partes animi judicieren. Ich laß reden wer will“. Ergreifend ist, was Geizkofler, der die „Komposition“ durch eine Annäherung des Fürsten Christian von Anhalt an Klesl befördern wollte, über das Schicksal Deutschlands schreibt, falls die Einigkeit nicht herbeigeführt werden sollte: „In Deutschland wird, wenn es zwischen den beiden großen Parteien zu keiner Komposition, sondern zu einer Ruptur kommt, ein unversöhnliches Blutvergießen und Landesverderben angerichtet, und beide Parteien möchten fremden Nationen zum Raub werden“[68].

Wie schon erwähnt, drang Matthias auf sein Mitkommen, und wir haben ihn in Pirna und in Dresden in der Farbe des Kardinals einziehen sehen[69]. Seine Aufnahme in Dresden selbst zeigt, daß er aber doch nicht als Kardinal, sondern als Direktor des Geheimen Rates dahin „verrückt“ war, wie auch eine schriftliche Zeitung nach Anhalt[70] berichtete. Trotz der Verhandlungen, die Adam von Wallenstein für ihn geführt hat, hat man nicht die volle Rücksicht auf ihn genommen. Er wurde bei Tafel, wie Khevenhiller mitteilt[71], „so weit heruntergesetzt, daß sich viel verwundert, daß ers angenommen und nicht im Retirado-Zimmer gegessen; jedoch weil der Cardinal allein dahingangen, daß der Ursach, warumb die Reise angestellet worden, geholffen werde, also hat er in dieser Occasion seine Praeeminenz nicht gestatten wollen“.

Am Hofe zu Sachsen nahm man die Sache ernst genug, um am Schluß des Protokolles über die politischen Verhandlungen hinzuzufügen: Wie es mit dem Kardinal gehalten. – Die kurf. Frauenzimmer haben ihn bei der Ankunft nicht angesprochen; der Churfürst nannte ihn Herr, nicht Euer Liebden; die Churfürstlichen Geheimräte: Hochwürdiger Fürst, gnädiger Herr und Herr, Eure fürstliche Gnaden. Im Wassergeben und an der Taffell hatt ehr allewege die stelle under S. Chf. Gn. gehabt. Im übrigen aber ist ehr auf dem Churfürstl. Hause allhier logieret, tractieret und von vielen vom Adel stadlich bedienet worden; wie dieses des Hofmarschalls Ordnungen mit mehrern weisen[72].

Sein Erscheinen hat in Dresden begreiflicherweise Aufsehen erregt; hat ihn doch einer der oben erwähnten Dresdner Dichterlinge, Magister Johannes Burcart, neben dem Kaiser, dem König und dem Erzherzog Maximilian mit etlichen gedruckten lateinischen Sprüchen begrüßt, in denen er neben dem Cäsar Augustus, der da einzieht, als Mäcenas gepriesen wird. Wenn er auch wahrscheinlich nicht viel in der Öffentlichkeit aufgetreten ist und durch die Verhandlungen mit dem kranken Kaiser, sowie den sächsischen Räten viel beschäftigt war, so hat man ihn doch mit allen Gästen 5 Stunden lang auf dem Altmarkte bei der Tierhetze sehen können. Auch ist durch geschäftige Zungen über sein Verhalten im Schlosse manches in die Öffentlichkeit gedrungen. Nach einer Mitteilung aus Prag vom [46] 22. August (nach Anhalt gerichtet) soll er einen Gesundheitstrunk wegen aller Lutherischen haben „herumbgehen“ lassen und sich selbst dabei berauscht haben. Im Anschluß hieran wird im September von ebendaher berichtet: Herr Kardinal Clösel hat es von den Churf. Hofpredigern, sonderlich von Magister Hennichen, in den Predigten gar gute bekommen, also daß er sich auch darüber beschwert[73]. Diese Bemerkung, von Prag nach Anhalt übermittelt, beweist, daß vor allem Dresdner Geistliche über die Anwesenheit und das Verhalten Klesls, der als unerbittlicher Wiederhersteller des Katholizismus in österreichischen Landen einst eine traurige Berühmtheit erlangt hatte, erregt gewesen sind. Dies führt nun auf die andere geistliche Persönlichkeit, aus Wien stammend, auf den nachmals als politischer Berater des Kurfürsten Johann Georg so übel beleumundeten Oberhofprediger Matthias Hoë von Hoënegg.

Merkwürdige Parallelen lassen sich trotz so mancher Verschiedenheiten bei beiden finden. Beide waren geborene Wiener und aus protestantischer Familie. Hoë, dessen Vater erst 1592 geadelt worden war, stammte auch aus gut bürgerlicher Familie, bildete sich aber in Wittenberg zum Geistlichen aus, nachdem er in Österreich von vielen, unter anderen auch vom damaligen Bischof Klesl vergeblich bearbeitet worden war, katholisch zu werden. Mit 32 Jahren wurde er bereits Hofprediger des Kurfürsten Christian II., ging aber 1610, zwei Jahre nach Erlaß des Majestätsbriefes, auf seines Herrn Wunsch als lutherischer Prediger nach Prag und organisierte dort mit großem Eifer und Geschick, immer den Kalvinisten entgegentretend, die lutherische Gemeinde. Er hatte die Freude, in Prag die erste lutherische Kirche zu weihen, „ein geistliches Brodhaus, da wir und unsere Kinder das geistliche Semmelmehl finden und holen werden“, wie er in seiner Festpredigt sagte. Eine für Matthias sehr begeistert klingende, schmeichlerische Predigt hielt er, als dieser 1612 zum Kaiser gewählt worden war. Aber schon 1613 berief ihn Johann Georg in die Oberhofpredigerstelle nach Dresden zurück. Die Prager Kirche war bei seiner Abschiedspredigt so voll, daß er „über die Stül gehoben werden mußte“, um zur Kanzel zu gelangen. Seine Berufung machte beim zweiten und dritten Hofprediger böses Blut, da diese als bloße Magister übergangen, er aber als Graduierter, als Doktor der Theologie bevorzugt worden war. Offenbar hatten außer seiner unleugbaren Begabung als Redner, Verwalter und Schriftsteller, seine ausgeprägte Gegnerschaft zu den Kalvinisten, seine österreichische Abkunft und seine gute Kenntnis der Verhältnisse des benachbarten Böhmen zu der Berufung geführt. Er stand mit dem dritten Hofprediger, Magister Hänichen, sehr schlecht. Noch im Dezember des Jahres 1617 artete der Streit in wüstes Schimpfen aus, so daß, zum Teil in Gegenwart des Kurfürsten, 1618 ein Prozeß vor dem Oberkonsistorium geführt wurde[74].

Unter den heftigen Vorwürfen, die der sehr grobe und derbe Magister Hänichen dem bei weitem klüger und gehaltener auftretenden Oberhofprediger machte, erscheinen nun solche über dessen Haltung bei Anwesenheit des Kaisers und des Kardinals.

Hoë hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß er nicht vergessen konnte „ein österreichisch Landkind zu sein, das dem österreichischen Lande nach Vermögen diene“; er blieb Zeit seines Lebens allerunterthänigster Schuldner des Kaisers[75]. Nun ist er, der ebenso eifrige wie ehrgeizige Wächter der reinen Lehre, dem Kurfürsten gegenüber selbst in den Zeiten seines politischen Einflusses, von 1620 ab, immer schmeichlerisch und unterwürfig gewesen; verglich er sich doch einmal unglaublich geschmacklos mit den „Hündlein guter Art“, die sich ihrer Herren „wenn nicht anders, wenigstens mit ihrem Gebelfer anzunehmen suchen“[76]. Er wird also 1617, als er die Vertrauensstellung beim Kurfürsten als politischer Berater noch nicht einnahm, bei Anwesenheit des Kaisers und der vielen österreichischen hohen Herren sehr vorsichtig und entgegenkommend aufgetreten sein, um so mehr, als sein Herr ja selbst zu einem Einvernehmen mit dem Hause Habsburg zu kommen suchte. Der Kurfürst hatte ihn übrigens durch einen eignen Brief vom 20. Juli aus Schandau zur Zusammenkunft eingeladen „daß ihr unterthänigst aufwarten müget“[77]. Hierbei traf er nun auch mit demselben Bischof Klesl zusammen, der ihn einst hatte bekehren wollen, und sah in ihm den fast allmächtigen Minister des Kaisers. Bei aller Betonung seiner Stellung als lutherischer Oberhofprediger wird er seiner ganzen Natur nach keine scharfe Gegnerschaft gezeigt haben. Auch hat er in der Folge gezeigt, daß ihm das österreichische Haus [47] und die von diesem geleitete katholische Partei weniger unsympathisch waren, als das Haus der Pfalz und die Kalvinisten. Er hat sich[78] „bey Kaiserlicher und Königlicher Majestät und Erzherzoglicher Durchlauchtigkeit sehr recommandiert und ist mit dem in des Kaysers Suite gewesenen Cardinal Clesel wiederum bekannt geworden, auch bey der Gelegenheit Antithesin mascule wider das Papstthum tractiret“. Aber im übrigen hat er Klesl, namentlich persönlich, geschont, und dies hat Mag. Hänichen ihm zum Vorwurf gemacht[79]. Dieser Hofprediger hatte ihn, weil er in seiner Predigt dem Kardinal Klesl nicht seinen roten Hut und seinen Rausch[80] vorgeworfen habe, mit dem Bischoff von Laodicea verglichen und von ihm gesagt, das Urteil über ihn werde dermaleinst lauten: „Weil du weder warm noch kalt bist, will ich dich aus dem Munde ausspeien[81]. Es sei besser, daß einen die christliche Gemeine lobe und spreche: Ei, der ist eifrig, er fragt nach dem Teufel, dem Papste und den Kardinälen nichts – als wenn ein Kardinal käme und sagte: Mit diesem bin ich noch zufrieden, der ist bescheiden, der ist glimpflich, der bleibt bei den Realibus. Solche Fuchsschwänzer und Heuchler werde Christus verleugnen, die Moderation Hoës liefe wider die Ehre Christi“. Hoë wiederum konnte dem Hänichen auch etwas besonders Ungehöriges entgegenhalten: er habe in seiner Predigt Klesl den hochheiligen Kardinal Esel genannt[82].

So kräftig sich Hoë von Hoënegg, der später die Spitznamen Matz oder auch der Hohepriester erhielt, in seinen sehr zahlreichen Streitschriften gegen die Kalvinisten gezeigt hat, gegen den römischkatholischen Kardinal ist er vorsichtig und maßvoll aufgetreten; hat er doch nach der Wahl des Kalvinistenführers Kurfürst Friedrich von der Pfalz zum Könige von Böhmen lange Jahre seinen Kurfürsten dahin beraten, auf der Seite des Hauses Habsburg zu stehen. Seine Gegner haben dabei immer betont, daß er nicht nur durch die Gnade und Freigebigkeit seines Herrn, sondern auch derer, in deren Interesse er dessen Politik lenkte, so reiche Geschenke erhalten habe, daß er als Besitzer der Rittergüter Ober- und Niederrochwitz, Gönnsdorf und Lungwitz starb.

Das Jahr 1617 brachte ihm durch die von ihm geleitete große Jahrhundertfeier des Anschlages der Thesen zu Wittenberg am 31. Oktober noch große Ehren; im November darauf war seine Stellung nicht leicht, da das Haupt der Union, der Kurfürst von der Pfalz und der ebenfalls reformierte Kurfürst von Brandenburg nach Dresden kamen, um, wie eine Art Gegengewicht zu dem Kaiserlichen Besuch, auf Johann Georg einzuwirken. Sicher war aber sein Gestirn seit 1617 im Aufsteigen; sein Geschick und seine Vorsicht in der Behandlung der österreichischen Gäste hatten ihn vielleicht dem Kurfürsten besonders wert gemacht. Von 1618 an wächst sein Einfluß auf diesen Fürsten mehr und mehr.

Klesls Gestirn dagegen war im schnellen Sinken. Der von ihm in Dresden für den 1. Februar 1618 vereinbarte Regensburger Fürstentag trat nicht zusammen. Man verschob ihn auf den Mai. Aber in diesem selben Mai kam es in Prag zu dem verhängnisvollen Fenstersturz, an den sich der böhmische Aufstand anknüpfte. Am 20. Juli 1618 wurde Klesl, der Vermittelung zwischen den Aufständischen und dem Kaiser anstrebte, durch einen Gewaltstreich Ferdinands und Maximilians abgesetzt und zur Haft gebracht; am 2. November 1618 starb Maximilian, der in Dresden die Wahl seines Neffen zum Nachfolger des Kaisers so eifrig betrieben hatte. Matthias, der seit Klesls Sturz erst recht nur noch ein Schattenkaiser war, starb am 20. März 1619. Mitten in den ersten Wirren des allgemeinen Aufstandes gegen ihn reiste Ferdinand nach Frankfurt a. M., und am 26. August 1619 wurde er, hauptsächlich auf Kursachsens Betrieb, zu Matthias’ Nachfolger im Reiche erwählt.

Johann Georg hat hier in Frankfurt die Zusage, die er dem Hause Habsburg in den festlichen Dresdner Tagen gerade zwei Jahre vorher gegeben hatte, zum Schaden unseres deutschen Vaterlandes eingehalten. [69]

XIX. Jahrgang          1910          Nr. 1.


Von diesen Blättern erscheinen jährlich 4 Nummern im Umfange von 1½ bis 3 Bogen. Bestellpreis für den Jahrgang
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Fürstenbesuche in Dresden.
Von Professor Dr. Paul Rachel.


I. Deutsche Kaiser. (Fortsetzung.)

In dem achtzigjährigen Zeitraume von 1539 bis 1617 waren viermal Kaiser aus dem Hause Habsburg in Dresden erschienen, um den albertinischen Herrscher für die Politik ihres Hauses, namentlich für die Kaiserwahl des jeweiligen Nachfolgers zu gewinnen. Es waren dies also im eigentlichen Sinne Wahlreisen gewesen. Von 1617 bis zur Auflösung des Reiches 1806, also beinahe 200 Jahre lang, sind aber nur zwei habsburg-lothringische Kaiser in Dresden gewesen, Joseph II. 1766 und Leopold II. 1791, der eine auf einer militärischen Studienreise, der andere bei Gelegenheit des Pillnitzer Kongresses, der der Lösung einer großen europäischen Frage galt. Zur Gewinnung des Kurfürsten von Sachsen für die Kaiserwahl oder ein anderes wichtiges Hausgeschäft sind diese Kaiser nicht an die sächsische Hofstatt gereist, ein Beweis, daß einmal das Kurfürstentum Sachsen nach dem dreißigjährigen und dem siebenjährigen Kriege für die Reichspolitik von geringerer Bedeutung als bisher war, anderseits auch daß das Haus Habsburg sich bei der von Zeit zu Zeit auftauchenden Wahlfrage sicherer glauben konnte, als in der Zeit des unausgeglichenen Religionsstreites.

Als es jedoch nach dem Aussterben des habsburgischen Mannesstammes eine zeitlang schien, als sollte ein anderes deutsches Fürstengeschlecht, das wittelsbachische, die Habsburger ersetzen, da hat der in der Hauptsache doch recht unglückliche Bewerber, Kurfürst Karl Albert von Bayern, es für nötig erachtet, wenige Wochen vor seiner Wahl und Krönung zu Frankfurt in Dresden vorzusprechen. Ehe auf diesen Besuch eines späteren deutschen Kaisers in der Hauptstadt Sachsens eingegangen wird, sei zum Vergleiche mit dem bisher Berichteten und dem wenigen noch zu Erzählenden die Stellung der sächsischen Kurfürsten zu den Kaiserwahlen zwischen 1617 und 1741 kurz berührt.

Johann Georg I., der 1617 in Dresden seine Zustimmung zur Kaiserwahl ferdinands II. gegeben hatte, war diesem mit Ausnahme der Jahre 1631 bis 1633, da er auf Seiten Gustav Adolfs und der schwedischen Politik gestanden hatte, treugeblieben, obwohl er in ihm den ärgsten Feind des Protestantismus hatte erblicken müssen. Als 1636 Ferdinand II. die Kurfürsten zu einem Tage nach Regensburg einlud, um die Nachfolge seines Sohnes Ferdinand in der Kaiserwürde zu sichern, erschien Johann Georg persönlich und betätigte dabei neuerdings seine Anhänglichkeit an das Haus Habsburg. Am 22. Dezember desselben Jahres wurde Ferdinand III. noch von ihm zum römischen König gewählt. Seine Hoffnung, dadurch die Amnestie und die mildere Behandlung der Protestanten in den kaiserlichen Erblanden zu erreichen, erfüllte sich jedoch nicht.

Seine Treue zu Habsburg bewies er auch 1638, ein Jahr nach Ferdinands II. Tode, dadurch, daß er mit dessen Nachfolger, Ferdinand III., in Leitmeritz zusammentraf und mit ihm das für Sachsen so verderbliche Bündnis gegen die Schweden erneuerte.

Im 41. Jahre seiner Regierung, 1652, machte sich Johann Georg noch einmal auf die Reise, um einer Einladung Ferdinands III. nach Prag zu folgen, wohin die Kurfürsten gebeten worden waren, um ihm die [70] Wahl seines Sohnes Ferdinand zum Nachfolger zuzusichern. Obwohl Sachsen die Jahre nach dem Ende des großen Religionskrieges in den mißlichsten Geldverhältnissen war, mußte Rat geschafft werden, damit Johann Georg, noch dazu in Begleitung sehr vieler Menschen (621) und Pferde (590), die Reise ausführen konnte. Am 21. Oktober brach er von Dresden auf und gelangte über Gießhübel und Aussig am 25. d. M. nach Prag. Er traf hier mit den Kurfürsten von Mainz und Trier und dem Großen Kurfürsten von Brandenburg zusammen und beteiligte sich an einer Fülle glänzender Gastmähler.[83] Das Ergebnis der Tagung war, daß 1653 Ferdinand IV. wirklich zum römischen Könige gewählt wurde. Da er aber bereits 1654 starb und ihm sein Vater Ferdinand III. 1657 im Tode folgte, trat die Frage der Kaiserwahl von neuem an die Kurfürsten heran.

In Sachsen regierte seit 1656 der ebenso prachtliebende wie geldbedürftige Johann Georg II., eine politisch sehr unbedeutende Persönlichkeit. In dem großen Gegensatze zwischen Frankreich und Österreich, Bourbon und Habsburg, hat er wohl eine Zeitlang geschwankt. Fast scheint er nahe daran gewesen zu sein, mit Frankreich abzuschließen und für die vom Kardinal Mazarin betriebene Kaiserwahl Ludwigs XIV. einzutreten[84], doch hat er die Hoffnungen, die man auf ihn auch von Wien aus setzte, noch erfüllt. Ein besonderer Gesandter, Graf Wolkenstein, kam 1657 nach Dresden und gewann des Kurfürsten Zusicherung. Auf einer Zusammenkunft zwischen dem Reichsvizekanzler Khurtz und dem sächsischen Gesandten Heinrich von Friesen zu Raudnitz wurden im August 1657 die Verhandlungen abgeschlossen. Gegen das Versprechen, Sachsen werde für Erzherzog Leopolds Wahl stimmen, erhielt der Kurfürst 100000 Taler, ratenweise zahlbar, zugesichert. Um seiner aber ganz sicher zu bleiben, wollte ihn der Kaiser noch durch besondere Gesandte (Lobkowitz und Kinsky) zur Abreise nach Frankfurt a. M. veranlassen. Johann Georg II. erschien denn auch im April 1658 mit größter Prachtentfaltung auf dem Wahlkonvent, leistete aber dem Kaiserhause nicht soviel, als man erwartet hatte, wenn er auch fest an der Wahl Leopolds I. hielt[85] und weder für Ludwig XIV. noch für den von Mazarin sonst noch ins Auge gefaßten Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern eintrat.

Als 32 Jahre später Leopold I. seinen ältesten Sohn Joseph I. auf einem Kurfürstentag in Augsburg zur Wahl vorschlug, erlangte er das Einverständnis sämtlicher Kurfürsten, auch Johann Georgs III., verhältnismäßig schnell. Ebenso wurde Karl VI. nach Josephs Tode noch während seiner Rückfahrt von Spanien, das er sich als Erbe zu erkämpfen gehofft hatte, in Frankfurt a. M. von den meisten Kurfürsten gewählt. August der Starke, ein Fürst voll hochfliegender Pläne und von unruhigem Streben, aber wenig nachhaltiger Kraft, hatte eine zeitlang wohl daran gedacht, sich selbst als Nachfolger in der Kaiserwürde aufzustellen, diesen Plan aber bald wieder fallen lassen.

Noch einmal ist im 18. Jahrhundert der Gedanke, daß ein albertinischer Wettiner Kaiser werden könnte, aufgetaucht; da ihn aber Graf Brühl für seinen schwerfälligen Herrn, August III., König von Polen, faßte, ist es nicht zu verwundern, daß er bald aufgegeben wurde[86] und Sachsen sich dazu entschloß, den Gegner Maria Theresias, Karl Albert, Kurfürst von Bayern, den Kandidaten Frankreichs, bei der Bewerbung um die Kaiserkrone 1741 zu unterstützen. Sachsen hoffte auf diese Weise, von dem großen Habsburger Erbe, obwohl es einst Karls VI. pragmatische Sanktion anerkannt hatte, einen ansehnlichen Teil zu erhalten. Damit im Zusammenhange steht ein kurzer Besuch, den der nachmalige Kaiser Karl VII. in Dresden abgestattet hat.

Karl VII. 1741.

Am 19. Oktober 1741 war zu Frankfurt a. M. zwischen Sachsen, Preußen und Bayern ein Vertrag abgeschlossen worden: Karl Albert soll in der Eroberung des Habsburgischen Erbes und bei der Bewerbung um die Kaiserkrone unterstützt werden. Sachsens Hoffnung, Nordböhmen mit Prag zu gewinnen, konnte nicht erfüllt werden; doch wurde ihm das Markgrafentum Mähren als zukünftiges Königreich, sowie Oberschlesien bis an die Neiße und eine Etappenstraße durch Böhmen nach Mähren zugesichert.

Bald darauf erstürmten Bayern, Sachsen und Franzosen Prag; die Sachsen vom Grafen Rutowsky[87], die Franzosen vom Marschall Moritz von Sachsen geführt, beide Halbbrüder Augusts III. Nach der Erstürmung der Stadt ließ sich Karl Albert unter Entfaltung großer Pracht zum König von Böhmen wählen und krönen. Um über München, seine bayrische Hauptstadt, nach Frankfurt a. M. zur Kaiserwahl ungefährdet [71] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/74 [72] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/75 [73] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/76 [74] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/77 [75] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/78 [76] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/79 [77] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/80 [78] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/81 [79] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/82 [80] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/83 [81] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/84 [82] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/85 [83] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/86 [84] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/87

[87]
I. Deutsche Kaiser. Kaiser Joseph II. (Schluß.)

Hören wir nun den leitenden Minister Sachsens, den Grafen Flemming, und den sächsischen Gesandten in Wien, Graf Siegfried Vitzthum, in ihren Äußerungen über Joseph. Flemming, der manches von des Kaisers Urteilen nach dessen Rückkehr nach Wien zu hören wünschte, teilte dem Gesandten am 27. Juni 1766[88] mit, daß sich Joseph gegen alle Mitglieder des Hauses sehr gütig und freundschaftlich gezeigt habe. Zu der im Opernhause angestellten „Ridotto“ hätte man gewünscht, daß er länger geblieben sei „zumahlen Sie bey dem hiesigen Hofe nicht zu misfallen geschienen“. „Jedermann vom Größten bis zum kleinsten, die allerseits von Sr. Kayserlichen Majestät Freundlichkeit und Holdseligkeit eingenommen sind, begleitet dieselbe mit der ausnehmensten Verehrung, denen einstimmigen applaudissemens und getreuesten Wünschen. Und in der That haben wir alle ohne billige Verwunderung sehen können, wie vollkommen dieser große und junge Monarch die Seinem höchsten Range anständige Dignitaet mit der leutseligsten Herablassung des beyzubehaltenden beliebten Incognito zu vereinbahren geruht hat“. Unter dem 30. Juni kommt Flemming noch auf das besondere Verhältnis des Kaisers zu dem um 9 Jahre jüngeren Kurfürsten Friedrich August zu sprechen und sagt: „Besonders haben Sie sich auch gegen unseren jungen Churfürsten auf eine allerhöchst Ihro wenige Jahre und Erfahrung übersteigende, so solide als güthige Art als ein wahrer Mentor (der 25jährige gegenüber dem 16jährigen!) zu explicieren und ihm die gründlichste Haupt-Regula anzuempfehlen geruhet, die Sie sich teils annoch während Ihrer Minderjährigkeit, durch fleißige Application und nützliche Zubereitung zu dero künftiger Regierung auch zur Annahme der Lehren des Administrators und der Kurfürstin-Witwe angehalten“.

Endlich am 23. Juli 1766 konnte Graf Vitzthum von des Kaisers Rückkehr nach Wien und von seinem Verhalten berichten. Den ersten Mittag hatte er mit seiner Mutter allein gespeist, dann hatte er aber sehr bald Menschen um sich gesehen. Der Gesandte fand ihn trotz aller Fatiguen unverändert, „außer daß die Luft und Sonne Sie ein wenig geschwärtzet“. Daß Joseph den Prinzen Xaver und die gesamte Familie Wettin mit großen Lobsprüchen beehrt hat, ist ja selbstverständlich. Sein Lob ergoß sich aber auch über den Zustand ganz Sachsens: „Es geruhten Allerhöchstdieselben, Sich mir zu nähern und mir in den obligeantesten Ausdrücken zu bezeugen, wie Sie in dero Tournée an Sachsen ein Land gesehen, welches sowohl wegen der Schönheit der Lage, deren trefflichen militärischen Positionen, der schönen Agricultur und besondren Industrie der Einwohner Sie vorzüglich frappiret habe. Er habe sich gewundert, wie nach einem so langen und harten Kriege man, wenigstens dem äußerlichen Ansehen nach, nicht das geringste von Calamitaeten mehr verspüre“.

Wie aus Vitzthums nächstem Berichte vom 30. Juli 1766 hervorgeht, hat er diese günstige Kritik Sachsens, die Joseph vor vielen anwesenden Diplomaten äußerte, nicht besonders freudig oder stolz aufgenommen. Er wies vielmehr den Minister Flemming darauf hin, daß er vom Bruder Xavers, dem mit der Erzherzogin Marie Christine sehr glücklich verheirateten Herzog Albert von Sachsen-Teschen, schon früher gehört habe, der Kaiser habe schon öfters den Gedanken geäußert, daß „das viele Geld, so durch die Armeen und besonders durch die Österreicher in Sachsen vertan worden sei, dieses Land mehr bereichert haben müsse, als der Krieg nicht Schaden getan“. Da dies Sachsen bei „Negotien“ schaden könne, sollte Graf Flemming ja dagegen wirken.

Sachsen hatte nun in der Tat während des Siebenjährigen Krieges nicht nur durch die feindlichen Preußen, sondern auch sehr stark unter der Besetzung der verbündeten Österreicher zu leiden gehabt[89]. Deshalb kam Flemming in zwei Schreiben sehr eingehend auf diese nach seiner Meinung sehr falsche Auffassung des jugendlichen Kaisers zurück, der eben die Schrecknisse eines Krieges für ein Land noch nicht gesehen hatte. Er schreibt nach Wien am 28. Juli, er finde des Kaisers Urteil über Sachsen konsolant, aber oberflächlich, nur dem Scheine nach. In Wirklichkeit stehe es im Lande sehr schlecht mit der [88] Industrie; es fehle wahrhaftig nicht an „Caducität“. Das zeige sich namentlich bei den Schwierigkeiten, denen die von den Ständen verlangten Bewilligungen begegneten. Und wahrhaftig, wenn man bedenkt, wie wenig Kaiser Joseph auf seiner geschwinden Reise durch Sachsen von der „Industrie“ dieses Landes hat sehen können, so muß man Flemmings Urteil für richtig finden und ebenso seine Annahme, daß die so günstige Auffassung der Lage Sachsens dem Kaiser von bestimmter Seite eingegeben worden sei. Er schreibt am 21. August an Vitzthum, er wisse, aus welcher „Boutique“ diese Auffassung komme, namentlich von den „Generals“, besonders von Lacy. Es sei unglaublich, wie sich der Kaiser, der doch Einsicht und Urteilskraft besitze, hierin von den Offizieren habe etwas vortäuschen lassen. Man spüre in Sachsen das Gegenteil von dem, was Joseph beobachtet haben wolle. Außerdem sei ihm entgegenzuhalten, daß die österreichische Armee während des Krieges meist um Dresden gestanden und daher sehr viel aus Böhmen habe kommen lassen. Er schließt die Widerlegung der Josephinischen Äußerungen mit dem sehr berechtigten Seufzer: „Alle patriotisch gesinnten haben Gott zu bitten, das Vaterland vor diesen modus acquirendi zu behüten!“

Vitzthum kommt nur noch einmal, in seinem Bericht am 13. August, auf diese Angelegenheit und fällt das für die österreichische Bevölkerung nicht sehr schmeichelhafte Urteil: „Eine Industrieverbesserung in Sachsen wird hier nicht ohne jalousie angesehen, da die hiesigen weniger labourieusen Untertanen natürlich weniger leisten“.

Es ist noch die Frage zu erledigen, ob die Reise Josephs durch Sachsen und sein Aufenthalt am Dresdner Hofe in der großen Politik jener Tage Aufsehen erregt und welche Beurteilung der ganze Vorgang erfahren hat. Erklärlicherweise hat der Umstand, daß ein Kaiser inkognito und unter Ablehnung aller Festlichkeiten eine Studienreise machte, mehr überrascht, als der beinahe etwas erzwungene Besuch bei seinen Verwandten am Dresdner Hofe. Man hatte die Gewißheit, daß irgendeine politische Absicht oder gar eine politische Bedrohung nicht dahinter stecken könne. Man wußte, daß Sachsen infolge seiner unglücklichen Politik in Polen und im Reiche ruhebedürftig war; außerdem hatte es sich politisch wie militärisch doch sehr unfähig gezeigt, daß es kaum als ein erstrebenswerter Bundesgenosse zu irgendeiner politischen Unternehmung gelten konnte. Hierzu kam, daß der Administrator, eifrig mit Wiederherstellungsarbeiten für den Staat beschäftigt, nur noch reichlich 2 Jahre zu amtieren hatte, um dann die Regierung einem ganz jungen, unerprobten Fürsten zu übergeben. Gerade da die Öffentlichkeit von seinem irgendwie wichtigen Zwecke dieses Besuches etwas erfuhr oder erfahren konnte, wurden durch Zeitungen falsche Vermutungen verbreitet.

Es ist ganz offen zu sagen, daß der von Joseph ausgeführte Besuch in Dresden, so sehr er menschlich erfreut hat, politisch die öffentliche Meinung viel weniger beschäftigt hat, als eine Zusammenkunft, die bei Gelegenheit der militärischen Studienreise von ihm zunächst geplant gewesen ist und von der anderen Seite, wie es scheint, sehr gern gesehen worden wäre, aber in Wirklichkeit nicht stattgehabt hat. Kurz gesagt: daß Kaiser Joseph mit Friedrich dem Großen nicht zusammengekommen ist, hat viel mehr Federn in Bewegung gesetzt, als sein Aufenthalt in Dresden. Dies beweist sehr deutlich, welcher Umschwung sich in der Stellung Sachsens, vor allem aber Brandenburg-Preußens vollzogen hatte seit der Zeit, da Habsburger Kaiser zu hochpolitischen Sonderzwecken nach Dresden gereist waren (1564, 1575, 1617).

Es ist daher wohl gestattet, zum Schluß auf das zu reden zu kommen, was sich bei Gelegenheit des Dresdner Kaiserbesuches vom Jahre 1766 beinahe in einer anderen damals sächsischen Stadt ereignet hätte. Zu diesem Zwecke sei erst ganz kurz die Weiterreise Josephs durch Sachsen besprochen.

Auf seiner ersten Tagesreise von Dresden aus ist er am 27. Juni bis Torgau gelangt, wo er sich von Lacy die Stellungen der Österreicher und Preußen während der bekannten Schlacht von Torgau am 3. November 1760 zeigen und erklären lassen wollte. Die Art, wie er an diesem Tage gereist ist und wie er äußerlich dabei aufgetreten, ist schon auf Grund eines Berichtes des Stadtschreibers Anton August Brenig von Meißen ausführlich und fesselnd besprochen worden[90]. Brenig hebt vor allem die Schlichtheit hervor, mit der er sich benommen hat, z. B. wie er sich beim Kegelspiel im Gasthofsgarten Scharfenberg oder vor dem Essen im Mietsgarten zu Zehren, wo er sich der Länge lang ins Gras legte, gezeigt hat. Die Leutseligkeit, die er im Verkehr liebte, der Humor, mit dem er einem sich bückenden und dabei halb knieenden Offizier seines Gefolges einen leichten Schlag mit seinem Stock auf die gespannten Hosen gab, werden behaglich erzählt. Wir sehen die hohe und schwerfällige grünliche Reisekutsche, in der er auch in Dresden eingefahren war, mit ihrem Bodenkasten, in dem große silberne Terrinen und andere Gerätschaften z. B. für 24 Personen silberne Schüssel, Teller, Messer, Gabeln und allerhand Tischzeug untergebracht waren.

Nach den Berichten der Bedienten ließ er sich unterwegs gern „harte“ Speisen bereiten: Pökelfleisch, Rindfleisch, Meerrettich; von Delikatessen halte er nichts, noch von Rosoglios.

Im Wagen gab es unter allen Sitzen noch allerhand Kästen mit eingepackten Sachen, an den Türen [89] hingen kleine Pistolen in ledernen Futteralen; über dem Rücksitz war eine große, runde Repetieruhr angebracht, über die ein grünseidenes Kissen gegeben war. Auch in seinen Monturen war er durchaus einfach; war eine solche zerrissen, so ließ er sich sogleich, wie zum Beispiel in Dresden, eine neue machen. Er trug an jenem Reisetage einen schwarzen, glanzleinewandenen Hut, mit schmaler goldener Tresse eingefaßt, eine schwarze Binde um den Hals, die Uniform seines Dragonerregimentes, grün mit rotem Aufschlag, eine weiße Tuchweste mit silbernen Tressen, Lederhosen, Stiefel mit silbernen Sporen und einen Degen. Auf der linken Seite des Rockes waren zwei Sterne übereinander gestickt, der obere von Silber mit einem grünen Kranz umflochten, der untere golden. Obwohl militärisch gekleidet, trug er Stock mit Goldknopf. Er erschien dem Ratsschreiber von mittlerer Statur, etwas schmächtig; er trug eigenes dichtbraunes Haar mit einem von schwarzseidenem Bande umwundenen Zopfe. Der wohlgewachsene Mann bewegte sich lebhaft, ja feurig; die dunkelbraunen Augen, die etwas längliche Nase, das zurückliegende Kinn, der etwas offen gehaltene und mit der Nase heraufgezogene Mund gaben ihm das gewisse habsburgisch-lothringische Aussehen.

So eilte er an jenem Tage von Dresden nach Meißen, fuhr zwischen 1 und 2 Uhr durch das Brückentor nach Meißen hinein, die Elb- und die Burggasse hinauf und zum Lommatzscher Tore an den aufs Rad Geflochtenen vorüber über Löthain auf Zehren zu; von da hat er über Strehla Torgau noch am selbigen Abend erreicht. An demselben Tage war Friedrich der Große von Potsdam aus mit seinen Bruder, dem Prinzen Heinrich, und dem Prinzen Friedrich von Braunschweig nach Kloster Zinna gereist, einem Orte, der sechs bis sieben Meilen nördlich von Torgau auf preußischem Gebiet gelegen ist. Eine Zusammenkunft beider Fürsten lag im Bereich der Möglichkeit[91].

Friedrich der Große hatte schon im Anfange des Jahres 1766 seinen General Hord dem österreichischen Botschafter in Berlin, dem General Nugeant, Anträge auf engstes Bündnis mit Österreich machen lassen, denn dann könnten sie allen übrigen Mächten Europas die Spitze bieten! Auch war er persönlich sehr freundlich und liebenswürdig gegen den Gesandten gewesen. Ebenso scheint Kaunitz eine Zeitlang daran gedacht zu haben, durch Annäherung an Preußen verlorenes Terrain in der polnischen Angelegenheit wiederzugewinnen. Joseph war davon unterrichtet und hegte, als der Plan für seine sächsische Reise festgestellt wurde, den entschiedenen Wunsch, den berühmten Schlachtenmeister kennen zu lernen. Er fragte den 19. März 1766 bei Hofe den preußischen Gesandten in Wien, ob er dem König nicht eine Freude machen könne durch Übersendung florentinischen Weines, den er von seinen Bruder erhalten hatte. Die Berichte, die der König nach einem Geschenkwechsel weiterhin aus Wien erhielt, veranlaßten ihn, den General Finkenstein im Anfang Juli damit zu beauftragen, beim österreichischen Gesandten Nugeant auf eine Zusammenkunft mit Joseph hinzuarbeiten; „er würde sehr traurig sein, angesichts der Nähe des Ortes, des Vergnügens beraubt zu sein, diesen Fürsten zu sehen“. Nugeant ging auf den Gedanken ein, vermied aber, irgend etwas Positives zuzusichern. Erst wenn er den Kaiser in Dresden gesprochen habe, könne er etwas Bestimmtes mitteilen. Friedrich griff den Gedanken, den Kaiser in Torgau oder auf Schloß Lichtenburg zu begrüßen, sehr begierig auf; bei ihm war es wohl weniger die Neugier, den jungen Herrscher kennen zu lernen, als die Absicht, Rußland, mit dem er damals wegen Polens nicht besonders gut stand, zu zeigen, daß er noch eine andere Macht gewinnen könne, vielleicht auch, um Österreich und Frankreich, die auch nach 1763 noch zusammenhielten, auseinander zu bringen.

Es kann hier nicht darauf eingegangen werden, wie die Aussichten auf ein solches Zusammentreffen gepflegt oder, was Wien anbelangt, hintertrieben worden sind. Kaunitz hat geschwankt, ob er es für rätlich halten oder vereiteln solle. Maria Theresia ist aus Besorgnis, daß Joseph sich von dem ihr nach seiner religiösen Auffassung und seiner politischen Tätigkeit höchst bedenklichen Manne werde beeinflussen lassen oder sich vor ihm werde Blößen geben, dagegen gewesen; auch konnte ihr bei ihrem Verhältnisse zu Frankreich eine Annäherung an Preußen nicht angenehm sein, besonders da sie wußte, daß Joseph dem Bündnis mit Frankreich sehr abgeneigt war. Joseph hat sich durch den Gedanken an sich gereizt gefühlt; auch die Warnungen, die ihm der österreichische Gesandte Nugeant in einer längeren Unterredung vor des Kaisers Abreise aus Dresden gegeben hat, werden ihn wenig beeinflußt haben in seinem Wunsche, den großen Gegner seiner Mutter kennen zu lernen. Vielleicht gibt von der der Zusammenkunft gegnerischen Auffassung der Brief ein gutes Bild, den Nugeant nach seiner Abreise von Dresden nach Karlsbad von da an den Fürsten Kaunitz am 30. Juni schrieb, denn er enthält das Gespräch, das eben dieser österreichische Gesandte in der Nacht vor der Abreise im Dresdner Schlosse mit Joseph gehabt [90] hat; daraus wird wohl zugleich erklärlich, warum Joseph auf dem Hofball nicht besonders aufgeräumt war. Hatte er doch auch merken müssen, wie Maria Antonia etwas piquiert war, daß sie zu der bevorstehenden Zusammenkunft, von der alles flüsterte, nicht hinzugezogen werden sollte. Sollte sie doch auf sächsischem Boden stattfinden! Übrigens muß es in Sachsen etwas verstimmt haben, daß von der preußischen Regierung bis zum letzten Augenblick, da man die Zusammenkunft noch für möglich halten konnte, keine Anfrage oder Anzeige darüber kam, daß der König Friedrich vielleicht auf sächsischen Boden kommen werde, um eine politisch sehr wichtige Besprechung mit dem Gaste des Dresdner Hofes zu haben.

Nugeant berichtet nun, nachdem er darauf hingewiesen, daß Flemming ihm ausdrücklich gesagt habe, er sei der Meinung, die Entrevue werde viel Aufsehen machen in Europa, folgendes[92]: „S. Maj. der Kaiser ließ mich in der Nacht vor seiner Abreise in sein Zimmer kommen, um mir zu sagen, daß allem Anschein nach der König nach Torgau kommen werde; er ist bezüglich der verschiedenen Gesichtspunkte, die der König haben könnte, mit einer Gerechtigkeit und einer Eindringlichkeit ins Einzelne gegangen, die den Leuten, die in den Geschäften aufs äußerste bewandert sind, hätte Ehre machen können. Ich hatte es nicht nötig, ihm zu sagen, daß er es mit einem Herrscher ohne Treu und Glauben (sans foi, sans loi) zu tun habe, der in sich selbst alle Gesetze der Menschlichkeit erstickt habe; dem es nichts bedeute, die heiligsten Versprechen zu geben, um sie in der Folge zu brechen, wenn es seinem Interesse entspräche; daß jedes Mittel ihm gleich sei, wenn er nur zu seinem Ziele komme. S. Maj. kannte das alles schon, und es schien mir, daß er den König ebenso gut kannte, als ich ihn hätte kennen können. Ich hielt es für meine Pflicht, ihn zu fragen, ob S. Maj. vielleicht befehle, daß ich ihn begleitete. Seine Antwort war, daß dies zu sehr das Ansehen einer abgemachten Sache habe; ich sagte ihm, daß unter anderen Vorschlägen, die ihm der König machen könnte, vielleicht der sei, daß er ihm von Lothringen spreche. S. Maj. sagte mir, daß Schlesien seine Staaten besser abrunden werde. Da ich so viel Eindringen und so viel Kenntnisse bei einem so jungen Fürsten sah, habe ich ihn mit Erstaunen verlassen, und ich beunruhigte mich nicht über eine Zusammenkunft, die ihm nur Ehre machen kann.“

Nugeant, der im Grunde ein Gegner der Zusammenkunft war, hatte von Dresden aus über des Kaisers Reisepläne nach Berlin so kurz und trocken, so wenig aufmunternd berichtet, daß gerade er dazu beigetragen hat, daß Friedrich der Große, der das Zusammentreffen sehr wünschte und alle vorbereitenden Schritte mit Klugheit und Energie getroffen hatte, vor dem letzten Schritt selbst zurücktrat.

Die Lebhaftigkeit, mit der er auf den Plan eingegangen war, als Nugeant noch in Berlin versichert hatte, Joseph wünsche nichts Besseres, als ihn zu sehen, geht aus vielen Briefstellen hervor. Am 12. Juni schreibt er seinem Bruder Heinrich, er habe ihm bald eine ganz neue Neuigkeit mitzuteilen (une nouvelle toute nouvelle). Er macht die wichtigsten Botschafter eigenhändig darauf aufmerksam, daß Joseph ihn sehen wolle, und wünscht verbreitet zu sehen, dieser Entrevue sei nichts Schlimmes unterzulegen. Als Nugeant am 21. nach Dresden abreist, um Joseph zu treffen und sich Instruktionen zu holen (in Wahrheit, um nicht bei dem Zusammentreffen sein zu müssen) verrät der König dem Bruder seine nouvelle toute nouvelle und bittet ihn, am 25. in Potsdam zu sein: er sei zu einer Entrevue eingeladen; viel werde nicht herauskommen, es sei die übliche Höflichkeit. Am 24. Juni wird Fink von Friedrich aufgefordert, über den aus Dresden erwarteten Nugeant’schen Kurier mit allen genaueren Nachrichten so schnell als möglich zu berichten; die Postpferde bis Torgau und Schloß Lichtenburg[93] werden bestellt.

Nugeants trockenen Bericht, Joseph reise am 27. von Dresden ab, halte sich am 28. in Torgau und Umgegend auf und reise abends noch nach Bautzen, nimmt Friedrich als verkappte Ablehnung auf. Dies teilt er auch den Botschaftern schriftlich mit, trotzdem werden alle Vorbereitungen zur Reise nach Kloster Zinna[94] getroffen. Fink erfährt noch am 27., aus welchen Gründen sich Friedrich die Ablehnung erkläre: man fürchte Mißstimmung von Frankreich, mit dessen Gesandten Kaunitz längere Unterredungen gehabt habe, man traue Joseph zu, daß er von dem sprechen werde, was er verschweigen solle; man fürchte, er werde Joseph Ideen einflößen, die ihn zur Unabhängigkeit von der Mutter und von Kaunitz führten: Leidenschaft und Gereiztheit de ces gens gegen ihn seien noch so stark und übertrieben, daß sie es nicht verbergen könnten.

Friedrich wird hier wohl das Richtige getroffen haben, daß Joseph erst dazu getrieben, Kaunitz zunächst das Zusammentreffen als wichtigen politischen Faktor eingestellt und bei Maria Theresia darauf hingewirkt hat; später ist dieser aus Rücksicht auf Frankreich zurückgewichen und hat Maria Theresias Abneigung nachgeben können.

[91] Der Versuch einer Annäherung hat sich nun in folgender Weise abgespielt. Der König reiste am 27. Juni mit dem Bruder Heinrich und einem Prinzen von Braunschweig bis nach Kloster Zinna, 6–7 Meilen nördlich von Torgau, und sendete den General von Kameke zur Begrüßung Josephs nach Torgau. Dieser kam erst nach 10 Uhr abends an und empfing sofort noch den Abgesandten des Königs. Darüber hat er seiner Mutter am 30. Juni folgendes[95] aus Reichenberg in Böhmen geschrieben: Er habe ihr schon aus Torgau selbst geschrieben (der Brief liegt nicht vor), daß aus der Zusammenkunft rein gar nichts geworden sei; ihre Wünsche hätten seine Schritte gut geleitet: „Ich habe dem Minister Kameke die Begier angesehen, die er empfand, etwas zu sagen, was dem nahe kam, was ihm verboten war, und wie angenehm ihm ein Wort meinerseits gewesen wäre, das ihn dazu berechtigt hätte; aber eigensinnig (entêté) und fest in meinen Absichten, besonders, wenn es sich darum handelt, mich dem einzigen Gegenstand zu verpflichten, den ich verehre und anbete, habe ich bis zuletzt auf meinem System bestanden und die einzige Gelegenheit versäumt, die ich Zeit meines Lebens haben werde, einen Menschen zu sehen und kennen zu lernen, den, wie ich nicht leugnen kann, kennen zu lernen meine Neugier mich reizt. Wenn Sie etwas von der Wirkung erfahren, die dies auf ihn ausgeübt hat, oder wenn Fürst Kaunitz mein Betragen billigt, wage ich, Sie zu bitten, mir es zu bezeigen.

Der königl. Generaladjutant von Kleist ist in Torgau gewesen, um alle meine Schritte auszuspähen; ich habe ihn auch uns zu Pferde folgen sehen auf dem ganzen Ausflug, den wir über das Schlachtfeld machten, ja bis an die Elbe, und als wir uns in die Wagen setzten, um abzufahren, ritt er in vollem Laufe davon. Das ist keine Erfindung, wir alle haben ihn mehrere Male selbst gesehen“.

Über die Vorgänge, die sich nach des Kaisers Ankunft und nach Kamekes Empfang abgespielt haben, berichtet uns ein Brief des Barons von Riedesel, des militärischen Begleiters aus dem sächsischen Heere. Er schreibt den 27. (soll heißen 28.) Juni 2 Uhr mitternachts an den Prinzen Xaver[96]: „Sobald der Kaiser in Torgau angekommen, meldete sich sogleich der königlich preußische Minister Kampke und wurde sogleich zur Audienz eingeführt. Nach einer guten Viertelstunde hatte die Konferenz ein Ende, der Kaiser ging zur Tafel, der preußische Minister in sein Quartier. Die meprise eines preußischen Feldjägers, den der preußische Minister bey sich hat und mich für einen kayserl. königl. Offizier ansah, machte ich mir zu Nutze und erfuhr von ihm, daß sich der König in Zinna befinde und es von der Antwort des Kaisers abhänge, ob der König kommen oder zurückgehen werde. Und wie ich alleweile annehme, ist dem Feldjäger in die Schreibtafel diktiert worden durch einen kaiserlichen Unteroffizier: der Kaiser werde früh um 6 Uhr abreisen; die Namen der Suite und was er noch zu wissen verlanget. Kampke hat für sich und den Feldjäger für 4 Uhr früh Postpferde zur Abreise bestellt.

An Ihro Kaiserl. Majestät habe diesen Abend (27.) bey der Tafel weit mehrere tranquillité als unterwegs verspühret“.

Aus einem zweiten Schreiben Riedesels geht hervor, daß Kameke erst nach des Kaisers Abreise um 7 Uhr Torgau verlassen hat. Während Graf Dietrichstein dem Baron ausdrücklich erklärt, Kamekes Auftrag sei ein bloßes Kompliment gewesen, schöpft er selbst aus einem Gespräch, das der Kaiser mit ihm gehabt hat, den Eindruck, daß man wegen der Art und Weise, wie diese Zusammenkunft, ohne der Kayserl. Majestät etwas zu vergeben, anzustellen, nicht habe übereinkommen können. König Friedrich ist am 28. Juni, nachdem er mit seinem Bruder eine ganze Stunde in der Stadt Zinna spazieren gegangen ist, wieder nach Potsdam zurückgereist.

Auch Maria Theresia hat die Auffassung, als ob Etikettenfragen die Sache vereitelt hätten, in ihren Privatbriefen betont. Sie schreibt am 11. Juli 1766 an ihre Freundin, die Gräfin Enzenberg[97]: „Joseph kehrt nun bald zurück, alle Welt ist mit ihm zufrieden. Die Zusammenkunft, die Friedrich und er gewünscht haben, ist nicht geschehen. Die Vorsehung hat es nicht gewollt, und diese Fürsten, die beide nichts auf Etikette und Ceremoniell geben, haben sich in dem Augenblick, da die Entrevue statthaben sollte, darauf versessen, wer den andern sprechen oder einladen sollte, und so sind beide von ihrem Nachtquartier abgereist und haben, was jeder so sehnlichst wünschte, verfehlt! Was wird man alles darüber sagen! Und doch ist es so, wirklich kann man sagen: Der Menscht denkt, Gott lenkt!“

Die Prophezeiung, daß über die unterbliebene Zusammenkunft sehr viel werde geredet und geschrieben werden, hat sich erfüllt. Aber nichts läßt den wahren Grund so recht hervortreten. Aus allem scheint jedoch hervorzugehen: Friedrich hat nicht mehr tun können, als er getan hat: er eilte in die Nähe von Torgau und ließ den jungen Kaiser begrüßen. Joseph hat, weil er sich der Mutter gegenüber gebunden fühlte, weniger getan, als er hätte tun sollen; er hat über den Hauptpunkt geschwiegen, also eine Frage oder eine Einladung mittelbar unmöglich gemacht. Ehe sich zwei solche fürsten von solcher Bedeutung und so gegensätzlicher [92] Stellung zueinander, wie dies bei Friedrich und Joseph der Fall war, treffen konnten, mußten sicherere Vorverhandlungen und Abmachungen getroffen werden; das entscheidende Wort mußte früher gesprochen oder geschrieben und nicht bis zuletzt hinausgeschoben werden.

Daß man in Berlin selbst über die Sache nicht viel Bestimmtes zu sagen wußte, geht aus dem Briefwechsel zwischen dem Staatsminister Grafen Flemming, der gern mehr wissen möchte, als er durch Nugeant erfahren hatte, und dem sächsischen Gesandten von Stutterheim in Berlin hervor[98], der zu Berichten darüber aufgefordert wurde.

Nachdem Stutterheim erst ziemlich im Dunkeln zu tappen erklärt hatte, schrieb er am 11. Juli aus Berlin, er habe bestimmt gehört, man habe dem König beigebracht, der Kaiser werde sich keinesfalls auf seiner Reise aufhalten; darauf habe Friedrich alle Anordnungen, die für Stellung von Postpferden getroffen worden seien, widerrufen und aussprengen lassen, er sei nach Kloster Zinna gegangen, um seinem Bruder die daselbst neu angelegten Wollfabriken zu zeigen. Stutterheim versteigt sich zu der Kritik: Il est certain qu’il a fait un pas de clerc (einen Bock geschossen!) et qu’il se repent. Damit stimme auch, daß der englische Gesandte erklärt habe, der König rede von der ganzen Sache nicht und zeige sich etwas gereizt; so schweige man denn in Berlin von der Angelegenheit. Im übrigen ist auch Stutterheim der Meinung, Joseph habe die Eifersucht Frankreichs und die Unzufriedenheit der Mutter vermeiden wollen.

Sehr viel und sehr vieles hat Friedrich über die Sache geschrieben an seine Gesandten und an die Kurfürstin Witwe Maria Antonia. Ohne auf die häufige Besprechung des Themas in den Schreiben an die Gesandten und der Gesandten selbst einzugehen, sei nur erwähnt, daß der österreichische Botschafter am Berliner Hofe, General Nugeant, von Karlsbad zurückgekehrt, dem Minister Finkenstein versichert hat[99], Joseph sei sehr betroffen gewesen, daß er die Gelegenheit verloren habe; es wäre geschehen, wenn es von ihm, dem Kaiser, abgehangen hätte. Er, Nugeant, habe von Wien keine Antwort auf seinen Bericht bekommen, der Kaiser habe eine, aber nicht nach Wunsch erhalten; der französische Gesandte, dem gegenüber man zu nachgiebig gewesen sei, habe die Hand im Spiele gehabt.

Am interessantesten sind natürlich die zwischen Friedrich dem Großen und Maria Antonia gewechselten Briefe über diesen Gegenstand. Diese selbst wäre sehr gern mit nach Torgau gereist, um der Zusammenkunft beizuwohnen. Sie hatte nicht stattgefunden – für sie ein Trost, zugleich ein Gegenstand höchsten Interesses. Friedrich erledigt in den von ihr erbetenen Mitteilungen die Frage nach seiner Art nicht; er spielt in geschickten Worten zierlich Fangball mit dem Problem.

Er schreibt ihr unter dem 13. Juli: „Der Kaiser ist glücklicher gewesen als ich. Er hat das Glück gehabt, Ihre Gegenwart zu genießen, Sie zu sehen und zu hören. In meinen Jahren gibt es kein Glück mehr. Vielleicht haben Sie, Madame, durch das Gerücht erfahren, daß eine gewisse Zusammenkunft hätte stattfinden sollen; obwohl dies im Grunde eine ziemlich gleichgiltige Sache ist, wie dieser Plan mißlungen ist.“ Nachdem er nun die Verhandlungen zwischen Finkenstein und Nugeant berührt hat, ebenso die Maßnahmen, die er selbst getroffen, bezeichnet er den Gesandten und den Ton, in dem er geschrieben hatte, als Veranlassung zum Unterbleiben der Begegnung: „Da sehen Sie, Madame, wie ein gewisses Schicksal in alle unsere Entwürfe hineinspielt. Wir sind die Drahtpuppen (marionettes) der Vorsehung, die ihren Weg geht, indem sie sich über unseren gesunden Verstand lustig macht. Ich habe dabei ein reines Gewissen, und ich beschränke mich auf die Achtung, die ich den großen Eigenschaften des Kaisers nicht vorenthalten kann, ohne den Anspruch zu erheben, ihn persönlich zu kennen. Ich würde Ihnen, Madame, diese Einzelheiten nicht berichtet haben, wenn ich es nicht für meine Pflicht gehalten hätte, Ihnen als der Lenkerin (Directeur) meines Gewissens zu beichten, und wenn ich nicht überzeugt wäre, daß Sie, wenn diese Zusammenkunft stattgefunden hätte, sie nicht gemißbilligt hätten“. In ihrer Antwort vom 4. August dankt ihm Maria Antonia für seine offenen (?) Mitteilungen und findet sein Verhalten seiner würdig; sie selbst habe den heißesten Wunsch gehabt, daß die Zusammenkunft stattfinde. Auch der Kaiser fürchte, ob wohl er begierig sei, alle Talente zu erwerben, die einen großen Heerführer machen, die traurige Notwendigkeit, davon Gebrauch zu machen. Wie Friedrich fühle er ganz den Wert des wahren Ruhmes: die Ruhe und das Glück seiner Völker zu sichern. Diese Übereinstimmung in ihren Neigungen biete der Menschheit, und besonders Sachsen, das ja an der Aufrechterhaltung des Friedens Interesse habe, großen Trost. Zwei so große Monarchen wären nicht ohne gegenseitige Achtung voneinander geschieden, und „wir Bewohner eines kleinen Erdballes, der zwischen zwei Wirbeln (tourbillons) schwebt, haben das größte Interesse an deren guter Eintracht, um nicht durch ihren Zusammenstoß vernichtet zu werden“[100].

[93] Diese letzte Äußerung enthält, wenn auch in schmeichlerischer Form, ein offenes Zugeständnis der politischen Unbedeutendheit und der gefährdeten Lage Sachsens als eines Landes zwischen zwei Großmächten, anderseits eine Betonung, von welcher Wichtigkeit ein einheitliches Zusammengehen Preußens und Österreichs hätte sein müssen.

1766 haben Friedrich der Große und Kaiser Joseph an der Grenze Sachsens wenige Meilen voneinander gleichsam aufeinander gewartet und haben sich nicht gesehen. Aber drei Jahre später haben sie einander in Neiße auf preußischem Boden wirklich gesehen.

Doch nun zum Schluß. Joseph reiste am 28. Juni nach Königsbrück. Über einen kurzen Aufenthalt, den er an diesem Tage auf Schloß Zabeltitz, das der Gräfin Salmour gehörte, nahm, meldet, wie mir Pastor Niedner (Glauchau) freundlichst mitgeteilt hat, eine Eintragung des Pfarrers Hildebrand in das seit 1731 geführte Kirchenbuch folgendes: „Den 28. Juni 1766 Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr kamen Ihre Majestät der Kaiser Joseph II. in Gesellschaft verschiedener Generale und Stallmeister, in der Zahl 12, nach Zabeltitz. Sie stiegen bei dem damahligen Herrn Bettmeister Herrig ab und gingen im Garten spatzieren. Nachher nahmen Sie Erfrischungen unter dem großen Pavillon zu sich. Der Zulauf des Volkes war groß, die Hohen Gäste aber überaus gnädig. Alsdann verfügten sie sich ins neue Palais, besahen sich die schönen Zimmer, sodann setzten sie sich in ihren Wagen und fuhren nach Hayn, von da nach Königsbrück, wo sie des Nachts geblieben sind“. Von Königsbrück reiste er nach Bautzen, traf dort mit dem General Laudon zur Besichtigung des Schlachtfeldes von Hochkirch zusammen und begab sich dann aus Wißbegierde nach Herrnhut, um den Wohnort und das Treiben der böhmisch-mährischen Brüdergemeinde kennen zu lernen. Da schon vorher einiges darüber verlautet war, hatte sich der der Gemeinde zugehörige, in Herrnhut lebende Graf Heinrich Reuß nach Bautzen zur Begrüßung begeben. Am 29. Juni traf der Reisezug abends 8 Uhr in Herrnhut ein.

Es sei gestattet, den Auszug aus dem Diarium der Gemeinde Herrnhut vom 29. und 30. Juni 1766, der mir freundlichst mitgeteilt worden ist, teilweise wiederzugeben: „In Gesellschaft der Herren Lacy, Dietrichstein, Wied, Laudon, Colloredo, Nostiz und Riedesel, sowie anderer Offiziere trafen Ihre kaiserliche Majestät, nachdem sie ihre Bedeckung von Husaren zurückgelassen und wo anders hin kommandiert hatten, ein. Sobald als Ihre Majestät aus dem Wagen gestiegen waren, erhuben sie sich sogleich ins Mädchenhaus, nahmen selbiges und darauf das ledige Schwesternhaus in höchsten Augenschein, und als sich inmittelst die hiesige Gemeinde zur gewöhnlichen Zeit um 9 Uhr auf den Saal versammelt hatte (die sämtlichen Schwestern waren in ihren braunen und die Kinder in weißen Festkleidern) so ließen sichs Allerhöchstdieselben auch gefallen, dieser Versammlung mit der Suite auf einer der Logen beizuwohnen. Zu Anfang wurde gesungen: Herr Jesu Christ, dein Tod – Wir repräsentirn uns deine Wunden – Mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe – So lang die Hütte steht – Herzlich lieb hab ich dich, o Lamm – O daß ihn doch jedes mit fröhlichem Geiste – liebte, lobte und preiste. Amen. Unter den letzten Worten stand die Gemeine auf, und nach dem Vers: Preis, Ehre, Macht, betete Bruder Johannes kürzlich, las darauf den heutigen Text: „Das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesu Christi und lieben uns untereinander“, worauf sich die Gemeine wieder setzte, und Johannes redete alsdann stehend über genannten Text mit warmem und vollem Herzen (Ihre Majestät hatten expreß verlangt, daß eine Rede gehalten würde). In dem Schlußgebet wurden sowohl der anwesende Röm. Kaiser Josephus II. als auch unsere liebe Landesobrigkeit mit der innigsten Beistimmung der Herzen der ganzen Gemeinde eingeschlossen. Nach der Versammlung begaben sich Ihre Majestät mit gedachten bei sich habenden Generals ins Gemeinlogis an Tafel, wobei sowohl teils hiesige Brüder, teils von denen vielen Hundert anhero gekommenen Auswärtigen, um dieselben speisen zu sehen, nach und nach zugelassen wurden. Es waren auf Ihre Majestät Verlangen aus hiesigem Ort Brüder bestellt, die Speisen auftragen und überhaupt die Bedienung erleichtern zu helfen, wie auch die Wache vor dem Hause und kaiserlichen Zimmer zu besorgen. – Nach aufgehobener Tafel begaben sich Ihre Majestät sogleich zur Ruhe. Montag den 30. nach eingenommenem Frühstück und um ½8 Uhr verrichteter Morgenandacht besahen Ihre Majestät das ledige Brüderhaus und die darinnen befindlichen Professionen, hatten sich auch schon vorher und teils bereits gestern Abends vom Schneider, Schuhmacher und Beutler Maß nehmen lassen und Arbeit bei ihnen bestellt. Aus dem ledigen Brüderhause erhoben sich dieselbe in die Knaben-Anstalt, von da in die Apotheke, Zitz-Fabrique, zum Sattler (wo dieselben drei Sättel für sich bestellten), in den Laden[101], Tabacks- und Siegellack-Fabrique, Wittwenhaus und dann nochmals ins ledige Schwesternhaus, um die Schwestern in ihrer alltäglichen Arbeit und Kleidung zu sehen, als welches Ihre Majestät ausdrücklich verlangt hatten. Endlich begaben sie sich ins Gräfliche Reußische Haus, vor welchem Ihre Majestät [94] von der Gräfin Agnes empfangen wurden, und nachdem Ihnen und der Suite mit einigen Erfrischungen daselbst aufgewartet worden, stiegen Allerhöchst dieselben in dero Karosse, bezeugten alle Zufriedenheit über dero Séjour allhier und was sie gesehen und gehört und setzten sodann gegen 10 Uhr vormittags die Reise über Zittau weiter fort.

Die Leutseligkeit und Gnade, womit sich Ihre Kayserl. Majestät gegen jedermann bezeuget und überall von allen Umständen sehr genaue Notiz genommen, wie sie dann an unsern lieben Grafen Heinrich und andere Brüder gar sehr viele und solide Fragen über unseren inneren und äußeren Statum getan, wird den hiesigen Einwohnern in unvergeßlichem Andenken bleiben. Mit Dank war es ja zu erkennen, daß sich die ungemein vielen Fremden, die von den benachbarten Städten und Dörfern sich hierher gefunden, sehr stille und ordentlich betragen. Ein großer Teil derselben war gestern Abends, jedoch separiert, in der Gemeineversammlung mit zugegen gewesen.“

Also schloß des Kaisers militärische Reise durch Sachsen in den Sommermonaten des Jahres 1766, gerade 100 Jahre vor dem Durchmarsch der Preußen durch Sachsen und vor ihrem Einmarsch in Böhmen, mit einem friedlichen Ausklange. Vorurteilsfrei hatte er noch zuletzt die kleine Brüdergemeine ihren Leitworten „Bete und arbeite“ nachlebend begrüßt; vorurteilsfrei hat er auch darüber an seine Mutter berichtet; denn er schreibt ihr aus Reichenberg am 30. Juni: „Ich habe ihre Lebensweise gesehen, die ganz eigenartig ist. Sie arbeiten geradezu wundervoll“.


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I. Deutsche Kaiser (Fortsetzung): Leopold II. 1791.

Als Joseph II. zum Sterben kam, fiel seinem Bruder Leopold die schwierige Aufgabe zu, den stark erschütterten Staat im Inneren zu festigen und nach außen hin aus seiner bedrohten Lage herauszureißen. Leopold, der zweite Sohn des Kaiserpaares Franz I. und Maria Theresia, war im Jahre 1765 nach seiner Verheiratung mit der spanischen Infantin Marie Luise als Großherzog von Toskana nach Italien gegangen und hatte das ihm vom Vater überkommene Land in ganz ausgezeichneter Weise regiert. Alle Schäden wurden beseitigt, neue freisinnige Einrichtungen getroffen. Er zeigte hierbei denselben nach Reformen strebenden, aufgeklärten Sinn wie sein Bruder Joseph II., doch war er bei weitem mehr Realpolitiker als dieser. Er wußte Menschen und Dinge kühl zu beobachten und gegeneinander abzuwägen und traf, nachdem er sich über das Verhältnis der Kräfte, die gegeneinander spielen würden, klar geworden war, seine Entscheidung. Begreiflicherweise war er mit so mancher Maßregel, die sein Bruder in den Erblanden getroffen oder in der auswärtigen Politik für gut befunden hatte, nicht zufrieden gewesen, hatte sich aber sorgfältig gehütet, obwohl er bei Josephs Kinderlosigkeit der einstige Erbe der österreichischen Hausmacht war, in den Gang der Regierung hineinzureden. Außerungen, die er der ihm vertrauten Schwester Maria Christine gegenüber getan hat, zeigen, daß er den Zusammenbruch der Politik seines Bruders voraussah. Dieser selbst wünschte ihn, schwer enttäuscht über seine Mißerfolge und erfüllt von düsteren Ahnungen über seinen physischen Zusammenbruch, als Mitregenten baldmöglichst um sich zu sehen. Leopold schickte sich an, diesen Wunsch zu erfüllen; ehe er aber am 12. März 1790 in Wien anlangte, war Joseph schon am 20. Februar verschieden. 43 Jahre alt, also in der Vollkraft seiner Jahre, trat Leopold die Regierung der Erblande an, nach dem kinderlos gestorbenen der kinderreiche Fürst, denn 16 Kinder hatte ihm seine Gemahlin geboren, von denen 14 damals noch am Leben waren. Schon waren zwei seiner Söhne und eine seiner Töchter vermählt.

Seiner angestrengten, klugen und versöhnlichen Politik, in der er sich von dem berühmten Berater Maria Theresias und seines Bruders, dem Fürsten Kaunitz-Rietberg, erheblich entfernte, gelang es, die aufständischen Niederländer durch Nachgiebigkeit zum Gehorsam zurückzuführen, die ebenfalls unzufriedenen Ungarn gänzlich zu beruhigen. Am entscheidungsvollsten aber war es, daß er den drohenden Ausbruch eines Krieges mit Preußen durch seine Haltung bei den Verhandlungen des Kongresses zu Reichenbach beschwor. Im Gegensatz zu Kaunitz und zu hervorragenden Militärs war er der Meinung, daß Österreich beiden Kämpfen, gegen Rußland und gegen Preußen, nicht gewachsen sei. Der unvermutet rasche Tod des tüchtigsten Kriegsführers seines Staates, des Feldmarschalls Laudon, mochte dazu beitragen, auch in weiteren Kreisen das Gefühl lebendig werden zu lassen, Österreich laufe große Gefahr, wenn es zu neuen Kämpfen mit Preußen komme. Leopold neigte zu der Auffassung, daß beide Staaten zusammenstehend für den Gang der gesamten europäischen Politik und die Erfüllung der besonders gehegten Wünsche [130] mehr zu erreichen imstande sein würden, als wenn sie einander bekämpften und sich, jeder für sich, mit einem anderen Staate verbündeten. Die allgemeinen europäischen Verhältnisse kamen ihm bei seinem Vorhaben sehr zu statten, und so befreite ihn der Vertrag von Reichenbach am 27. Juli 1790, ohne daß Preußen besondere Vorteile erlangte, von großer Sorge; es war ein diplomatischer Sieg, den er erfochten hatte. In derselben Zeit näherten sich die Verhandlungen, die seiner Wahl zum römischen Kaiser deutscher Nation galten, dem Abschlusse. Nachdem er den Reichsständen etliche Zugeständnisse gemacht hatte, erfolgte am 30. September 1790 seine Wahl. Am 4. Oktober hielt er seinen Einzug in Frankfurt, am 9. wurde er gekrönt. Daß all dem Glanz, der dabei entfaltet wurde, irgendwelche Macht nicht entsprach, sagen uns die bitteren Worte des Ritters von Lang[102]: „Nichts konnte ein traurigeres Bild der eiskalt erstarrten und kindisch gewordenen Reichsverfassung geben, als das Fastnachtsspiel einer solchen in ihren zerrissenen Fetzen prangenden Kaiserkrönung.“

Wenige Wochen später – am 15. November – ließ er sich in Preßburg zum König von Ungarn krönen. Nachdem er die ungarischen, kroatischen und siebenbürgischen Stände um sich gesehen und alle noch vorhandenen Streitfragen erledigt hatte, entschloß er sich im März 1791 zu einer Reise nach Italien, die ihm Erholung bringen sollte, zugleich aber Gelegenheit zu vielen wichtigen Verhandlungen bot: seine Stellung zur französischen Revolution, zum polnischen Staatsstreich vom 3. Mai 1791 und das mit Preußen eingegangene nähere Verhältnis beschäftigten ihn während seines Aufenthaltes in italienischen Städten, abgesehen von den noch immer nicht abgeschlossenen Verhandlungen mit der Türkei.

Diese Geschäfte wickelten sich in etwa folgender Weise ab: Leopold, der bei seiner freier gesinnten Auffassung über Unrecht eines Volkes auf Einfluß in der Landesregierung der französischen Staatsumwälzung nicht feindselig gegenübergestanden hatte, war allmählich von Sorge um das Schicksal seiner Schwester, der Königin Marie Antoinette, erfüllt worden. Er war daher damit einverstanden, daß das französische Königspaar, falls ihm die Flucht nach Luxemburg oder Belgien gelinge, von den Niederlanden aus unterstützt und geschützt werde. An sich war er mit dem Plan einer Flucht, die er ja doch nicht hindern konnte, nicht einverstanden. Nachdrücklich suchte er die rachgierigen und höchst unklugen Pläne des Grafen von Artois, der die Seele der französischen Emigranten war, zu unterdrücken. Als er die freilich falsche Nachricht erhielt, die Flucht Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes sei gelungen, hoffte er bestimmt auf einen großen moralischen Erfolg den Aufrührern gegenüber, war aber zu einem feindseligen Dazwischentreten noch immer nicht geneigt, sicherlich jedoch zur Vermittlung zwischen dem geflohenen und geretteten König und seinem gewiß sich besinnenden Volke. 24 Stunden später, am 6. Juli 1791, erreichte ihn zu Padua die Mitteilung vom Mißlingen des Fluchtplanes, und nun wendete er sich an die Mächte Europas und forderte sie auf zu einem gemeinsamen moralischen Schutze des königlichen Paares, zu Vorsichtsmaßregeln gegen die Aufrührer und zu Gegenmaßregeln für den Fall, daß Ludwig XVI. und Marie Antoinette weiter gefangen gehalten und sie und die königliche Familie unwürdig behandelt werden würden. Gleichzeitig setzte der Kaiser mit Oberst Bischofswerder[103], dem sehr einflußreichen Vertrauten des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen, einige Punkte fest, auf Grund deren zwischen Österreich und Preußen ein Bündnis abgeschlossen werden könnte. Die wichtigsten darunter waren: Beide Höfe gewährleisten sich ihren Besitzstand gegen jeden Angriff. Keiner von beiden wird ohne Wissen des anderen eine Allianz mit einer anderen Macht schließen. Die nach den schlesischen Kriegen und dem bayerischen Erbfolgekriege vereinbarten Verträge sollen bekräftigt werden. Es soll der Versuch gemacht werden, den vom Kaiser angeregten Bund der europäischen Mächte zur Beruhigung Frankreichs, zur kraftvollen Wiederherstellung der Monarchie ins Leben zu rufen.

Zur Stärkung dieser preußisch-österreichischen Verständigung war eine Zusammenkunft der beiden Fürsten wünschenswert, und da Friedrich Wilhelm sich in Schlesien befand, der Kaiser nach seiner Rückkehr aus Italien von Wien aus Böhmen besuchen wollte, um sich in Prag krönen zu lassen, schien sich Sachsen sehr gut zu einem Zusammentreffen zu eignen. Gewiß trug auch das erhöhte Interesse, das die politische Welt damals der Lösung der polnischen Erbfolgefrage entgegentrug, mit dazu bei, daß Sachsen gewählt wurde. Der polnische Reichstag hatte nach der neuen Verfassung erbliche Thronfolge einzuführen beabsichtigt und dem Kurfürsten Friedrich August III., dem Urenkel Augusts des Starken, dem Enkel Augusts III. von Polen, die Krone angeboten und ihm in Aussicht gestellt, daß seine einzige Tochter, Prinzessin Auguste, seine Nachfolgerin sein sollte. Diese noch sehr junge Prinzessin, die für einen der Söhne Leopolds als künftige Gemahlin [131] in Aussicht genommen worden war, war daher der Gegenstand lebhaften politischen Interesses. Friedrich August III. hatte seinen Vertrauten, den Oberkammerherrn Camillo Marcolini, nach Italien zum Kaiser geschickt. Schon als ihm das Angebot der polnischen Krone gemacht worden war, hatte er aus Pillnitz den 27. Mai nach Italien an den Kaiser geschrieben. Sehr richtig hatte er seine Entscheidung hinausgeschoben, bis die neue polnische Verfassung geordnet sei und bis sich die drei hauptsächlich beteiligten Mächte, Rußland, Österreich und Preußen, zu der Frage geäußert haben würden.[104] Am 11. Juni antwortete Leopold aus Mailand, daß er ihn für Polen als durchaus geeigneten Nachfolger des Königs Stanislaus August ansehe. Und in der Tat wäre es ja auch in des Kaisers Interesse gewesen, die Wettiner dort zu sehen. War doch König August III. Österreichs treuester Verbündeter gewesen; außerdem war Leopolds Tochter Maria Theresia mit des Kurfürsten Bruder Prinz Anton verheiratet. Sicher war ein Wettiner in Warschau für Österreich wichtiger als ein Geschöpf Rußlands, wie dies Stanislaus August Poniatowski war. Diesen entgegenkommenden Bemerkungen fügte Leopold eine zunächst ganz vertrauliche Anfrage bei: Der König Friedrich Wilhelm II. von Preußen, mit dessen Abgesandtem, dem Obersten von Bischofswerder, er damals häufige Besprechungen hatte, zeige seit einiger Zeit den Wunsch, mit ihm zusammenzukommen, wenn er (Leopold) Ende August in Böhmen sei. Er bittet nun Friedrich August ganz offen, ihm mitzuteilen, ob es ihm Schwierigkeiten bereiten würde, wenn sich dieses Zusammentreffen auf Schloß Pillnitz bei Dresden abspielte, „sans aucune cérémonie, comme par surprise et par hasard pour une couple de jours seulement“. Er würde sich zugleich freuen, seine persönliche Bekanntschaft bei der Gelegenheit zu machen. Ja, er läßt durchblicken, daß auch Friedrich Wilhelm in seine Person, seine Einsichten, seine Talente, seinen Charakter großes Vertrauen setze, so daß anzunehmen sei, er werde zwischen zwei großen deutschen Höfen aufrichtige Bande knüpfen. Das gerade Pillnitz gewählt wurde, erklärt sich ohne Zweifel aus des Grafen Marcolini Anwesenheit und Wirksamkeit in Mailand. Marcolini[105] suchte den ihm von früher her bekannten und in Sachsen geborenen Bischofswerder, der sich sehr an ihn hielt, zu beeinflussen und ihn möglichst von der Einwirkung der englischen Gesandten Cord Elgin und Macpherson, die Leopold nach Italien gefolgt waren, fernzuhalten. Diese beiden waren unausgesetzt bemüht, den preußischen Unterhändler gegen den Kaiser einzunehmen.

Seine Gedanken, sich in Pillnitz mit ihnen zu treffen, hatte Leopold dem Könige von Preußen schon am 19. Juni mitgeteilt: „J’ai proposé cet endroit, sachant combien à juste titre V. M. estime le digne élécteur, en qui pareillement j’ai toute ma confiance et dont la présence ne peut que contribuer à cimenter la vraie et éternelle amitié, confiance et attachement que je désire d’avoir avec V. M.

Während dieser Zeit seines Aufenthaltes in Italien hatten sich die Spitzen der französischen Emigranten an Leopold herangedrängt. Am 9. April hatte sich der ehemalige Finanzminister Ludwigs XVI., der übel berüchtigte Herr von Calonne, dem Kaiser in Florenz vorgestellt. Er drängte Leopold sehr und wollte für den Grafen von Artois die Zusicherung, bei einem Angriffskrieg gegen Frankreich die kaiserlichen Truppen führen zu dürfen! Leopold verhielt sich gegen die Zumutung sehr zögernd und gab für eine Niederschrift, die Calonne über die mit dem Kaiser gehaltenen Gespräche abgefaßt hatte, seine Unterschrift nicht. Ein anderer Emigrant, Graf Bombelles, betrieb ein Darlehen von 15 Millionen und eine Erklärung des Kaisers gegen die Nationalversammlung. Im Mai 1791 war Artois in Mantua um den Kaiser und arbeitete in seiner leidenschaftlichen Weise für Manifest und Protest, Einmarsch einer Armee in Frankreich, Heranziehung Preußens, Ernennung des Herzogs von Braunschweig zum Führer und für Gewährung reicher Geldmittel. Gegen alles verhielt sich Leopold sehr zurückhaltend; er wollte wohl erst dann helfend eingreifen, wenn Ludwig XVI. ihn um Hilfe anrufe[106].

Nach seiner Rückkehr von Italien schrieb Leopold II. von Wien aus am 4. August noch einmal in zierlicher Schrift einen eigenhändigen Brief an den Kurfürsten von Sachsen. Er bezieht sich darin auf das, was er ihm von Mailand geschrieben, und stellt ihm in Aussicht, er werde ihn nun noch schneller treffen, als er vermutet habe; am 25. August abends hoffe er in Pillnitz einzutreffen und mit seiner Übereinstimmung an dem wichtigen Werke, Europa zu beruhigen, zu arbeiten. Alles Nähere werde ihm ein besonderer Gesandter, Graf Hartig, mitteilen[107]. In seiner Antwort vom 9. August spricht sich der Kurfürst sehr entzückt über den Besuch [132] aus und über die Aussicht, den ältesten Sohn Leopolds, Erzherzog Franz, der ihn begleiten sollte, kennen zu lernen. Für die Ruhe Europas erhoffe er das Beste von der Zusammenkunft der beiden Monarchen. Mittlerweile traf bei Friedrich August auch ein Brief Friedrich Wilhelms vom 12. August ein. Er schrieb in sehr großen, unregelmäßigen, gleichsam erregten Zügen von Potsdam aus in recht schlechter französischer Rechtschreibung folgendes an ihn: „Monsieur Mon frère, Aiant apris de Vienne que Sa Majesté Imperiale arrive le 25. a Pillniz jattens ce moment avec impatiençe ou jaures lavantage de revoir Votre Altesse Electorale, jentreprends ce Voiage avec dautant plus de satisfaction que je puis me flatter quil contribuera a resserer les liens d’amitié et de bon voisinage qui nous lient, et quil aura les suites les plus heureuses pour le bien etre de nos Etats et de nos sujets. Je ne cesere d’etre Monsieur Mon frère de Votre Altesse Electorale Le bon frère F. Guillaume.

Schon am 15. August antwortet Friedrich August sehr erfreut über das Zusammentreffen seiner zwei Nachbarn: „dont les vertus et la conformité de sentimens assureront le succés des mesures qui serant prises pour le bonheur de l’Europe et notre patrie particulière.

Die Absicht Leopolds, in Pillnitz mit dem König von Preußen zusammenzutreffen, fachte die Hoffnungen der Emigranten, sich auf diese Weise endlich die Unterstützung Europas zu sichern, gewaltig an. Graf Artois reiste dem Kaiser Leopold nach und traf in der Nacht vom 18. zum 19. August so unerwartet in Wien ein, daß kein passendes Quartier für ihn zu finden war. Fürst Polignac hatte den spanischen Gesandten, der sich in der Nähe Wiens auf dem Lande aufhielt, gebeten, dem Prinzen seine Stadtwohnung einzuräumen. Er hatte es getan, im Hinblick auf die politischen Interessen Spaniens nicht gern; überhaupt sah man die Ankunft dieses politischen Sturmvogels in Wien nicht gern; ja der preußische Gesandte dort sah voraus, es werde auch seinem Fürsten nicht angenehm sein, wenn Graf Artois etwa auch nach Pillnitz komme. Wirklich betrieb dieser beim Kaiser dessen Einwilligung, mit seinen Freunden in Pillnitz erscheinen zu dürfen, auf das eifrigste. Schon am 20. August überreichte er dem Kaiser eine lange Denkschrift, in der er etwa folgendes erklärte: Sein nächstälterer Bruder, der Graf von Provence, der spätere König Ludwig XVIII., der sich jetzt Regent von Frankreich nennen sollte, und er selbst wollten vor Europa eine Kundgebung erlassen, in der sie alle Beschlüsse der Nationalversammlung verdammen und diese selbst für das Los des Königs und der Königin verantwortlich machen wollten. Sie erhofften ferner eine Erklärung der Mächte zugunsten ihrer Kundgebung und eine Anleihe von 12 Millionen Franken für den Regenten.

Der Kaiser ging auf alle diese Vorschläge selbstverständlich nicht ein, gestattete aber, sehr gegen seine innere Neigung, dem drängenden Schwager seiner Schwester, in Dresden zu erscheinen, unter der Bedingung, daß er darüber an den Kurfürsten von Sachsen und den König von Preußen schreibe. Noch am 20. August ist an Friedrich August ein Schreiben Artois’ etwa folgenden Inhalts abgegangen[108]: Seit ihn das Unglück seines Vaterlandes gezwungen habe, in Deutschland Aufenthalt zu nehmen, habe er den Kurfürsten schon immer besuchen wollen; aber die Geschäfte hätten ihn daran verhindert. Ohne weiter in Einzelheiten einzugehen, wolle er ihm nur anvertrauen, daß Kaiser Leopold es gebilligt habe, daß er sich zu derselben Zeit, in der dieser sich mit dem König von Preußen in Pillnitz begegne, nach Dresden begebe. Aus der Zusammenkunft erhoffe er viel Gutes für Ludwig XVI. und sein Vaterland. Auch hoffe er, Friedrich August werde sich freuen, wenn er (Artois) den Genuß habe, ihn zu sehen. Er werde keinen Augenblick versäumen, um bald nach Dresden zu kommen, und sichere dabei die Wahrung des Inkognito zu.

Dem Kurfürsten von Sachsen war schon von verwandter Seite eine Empfehlung Artois’ zugekommen. Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Trier, ein Oheim Friedrich Augusts, ein Sohn König Augusts III. von Polen, hatte ihm am 12. August von Coblenz aus, das lange eine Art Hauptquartier der Emigranten war, über Artois geschrieben[109]: Eigentlich bedürfe er keiner Empfehlung, denn Artois sei ihr Verwandter (dessen Mutter, die im Jahre 1767 gestorbene Dauphine Marie Josepha, und des Kurfürsten Vater Friedrich Christian waren Geschwister gewesen, also Artois und der Kurfürst von Sachsen waren rechte Vettern). Er bezeichnet ihn als sehr liebenswürdig und fügt hinzu: „et ses malheurs le rendent encore plus intéressant“. Auch Artois’ Sache brauche nicht erst empfohlen zu werden, sie sei die aller Souveräne, denn, wenn die französische Revolution sich festige, so könnten – dies sagt er, der letzte Kurfürst von Trier, für sich richtig voraus – die Herrscher in ihren Ländern nicht mehr sicher sein, sondern das Schicksal Ludwigs XVI. gewärtigen, „dont la situation fait frémir et que l’on ne peut entendre sans gémir“.

Dem kurfürstlichen Hofe zu Sachsen standen bewegte Tage in Aussicht! Große deutsche Angelegenheiten sollten in Pillnitz auf lange Zeit Bekräftigung [133] und Festigung erhalten; außerdem war auch vorauszusehen, daß die große westeuropäische Frage, die Erschütterung der monarchischen Herrschaft in Frankreich, und die für die zwei sich treffenden Monarchen sehr wichtige polnische Frage berührt werden würden. Während Friedrich August die politische Annäherung der beiden deutschen Großmächte nur mit Freude zu begrüßen hatte, der französischen Umsturzbewegung aber nur als Glied des Reiches, nicht als Oberhaupt eines größeren Staatswesens von eigener auswärtiger Politik gegenüberstand, war er in der polnischen Frage ganz persönlich interessiert. Um es jedoch vorauszusagen: auch in dieser Angelegenheit wollte er nicht irgendwie hervortreten. Es entsprach seinem ganzen Wesen, sich in wichtigen Angelegenheiten zurückzuhalten, weder mit seiner Meinung, noch mit irgendwelchen Absichten hervorzutreten. Und da Rußlands Haltung in der polnischen Angelegenheit von ganz besonderer Bedeutung sein mußte, traf diese seine Zurückhaltung auch durchaus das Richtige.

Ehe in die Erzählung all der Vorbereitungen, die von der Regierung, dem Hofe und der Stadt Dresden für die Tage der fürstlichen Zusammenkunft besprochen und getroffen worden sind, eingegangen wird, sei über ihn, der 1750 geboren und 1768 als ganz junger Mann zur Regierung gekommen war, sowie über seine Gemahlin, die übrigen Verwandten des Ehepaares und über das Leben am Pillnitzer Hofe in jenem Jahre 1791 einiges nach Briefen berichtet, die die Erzherzogin Marie Christine, die Lieblingsschwester und Vertraute Kaiser Leopolds II., an diesen bei einem Besuche am Dresdner Hofe geschrieben hat. Sie war mit ihrem Gemahl, einem Oheime des Kurfürsten von Sachsen, mit Herzog Albert von Sachsen-Teschen, zur Regentin der österreichischen Niederlande ernannt worden und reiste im Mai 1791 nach Brüssel. Bei ihrem Besuche am Dresdner Hofe verband sie mit dem Zwecke, die Verwandten ihres Mannes zu besuchen, auch den, die Verlobung und einstige Vermählung des jungen Erzherzog Carl, eines Sohnes Leopolds II., zu betreiben. Das herzogliche Ehepaar Sachsen-Teschen besaß keine Kinder und hatte daher eines der zahlreichen Kinder Leopolds an Kindesstatt angenommen, und zwar den später so berühmt gewordenen Sieger von Aspern. Da er damals schon 20 Jahre alt war, beschäftigte sich Marie Christine eifrig mit dem Gedanken, ihn gut zu vermählen. So hatte sie denn den Plan gefaßt, sich für ihren Pflegesohn womöglich schon jetzt die Prinzessin Auguste von Sachsen zu sichern.

Aus ihren Briefen seien folgende Stellen hervorgehoben[110]: Der Kurfürst scheint ihr in der Tat ein achtungswerter Fürst von guten Grundsäßen zu sein, gerecht, treu, sehr übereinstimmend mit Leopold; er hat gegen sich nur die Leidenschaft für die Etikette und seine Verlegenheit[111], die sich manchmal daraus erklärt; ja, sie bezichtigt ihn einmal einer gewissen Eitelkeit und Pedanterie (méthode); doch ist er äußerst höflich und ihr und ihrem Manne zeigt er eine schmeichelhafte und herzliche Freundschaft. Er liebt seine Familie, ist aber von einer Zurückhaltung, die ihn bis in die kleinsten Kleinigkeiten geheimnisvoll erscheinen läßt. Bei seiner Umgebung und ebenso in weiteren Kreisen ist er sehr beliebt, man zeigt ihm wirkliche Anhänglichkeit und Achtung.

Obwohl er etwas schwer zugänglich war, hatte sie am 10. Mai doch mit ihm eine Unterredung über den Heiratsplan. Sie wollte ihn nicht damit belästigen oder beunruhigen, noch eine Antwort herauspressen. Carl, sagte sie ihm, sei ihr Sohn; sie und ihr Mann wünschten ihn einst verheiratet zu sehen, und zwar mit der Tochter, die sie kenne und die sie nach ausgezeichneten Grundsätzen erzogen sehe. Sie habe ihre Absicht auch ihrem Bruder und dessen Frau, also den Eltern des jungen Erzherzogs, anvertraut; diese hätten ungemeßnes Vergnügen an der Sache gehabt und mit Freuden eingestimmt. Der Kurfürst hatte sich von diesen Eröffnungen sehr geschmeichelt gefühlt, aber da er seine Tochter glücklich sehen wolle, sie noch jung sei, ihre Gesundheit auch noch nicht fest sei, wolle er im Augenblick an keine Verpflichtung denken. Auch wolle er einst die Prinzessin selbst entscheiden lassen. Darauf betonte sie sogleich, sie finde das alles in Ordnung; der Kaiser werde auch außer sich sein, wenn er denken solle, ihn schon zeitig zu binden.

Gerade während Marie Christinens Anwesenheit in Dresden-Pillnitz wurden die neuen Aussichten des Kurfürsten auf den polnischen Thron bekannt, deren Bedingungen ihrem Heiratsplane zwischen Erzherzog Carl und Prinzessin Auguste nicht förderlich waren. Die polnische Krone sollte dereinst an des Kurfürsten Tochter kommen, doch sei diese nur mit Zustimmung der Republik Polen zu verheiraten. Es ist erklärlich, daß der Kurfürst, der sich dahin äußerte, seine Tochter stehe ihm höher als alle Kronen dieser Welt, bei näherer Verhandlung die Bedingung stellen wollte, daß er die Prinzessin frei verheiraten und diese dereinst auch nach eigenem Willen nach Sachsen reisen dürfe. Der ganze Plan einer Heirat mit Erzherzog Carl scheint zu schwinden, denn wie soll denn seine Gemahlin nach Brüssel reisen und bei ihnen, den Pflegeeltern ihres Mannes, bleiben [134] dürfen? Ein Trost ist es Marie Christine, daß die Minister des Kurfürsten gar sehr gegen die Annahme der polnischen Erbfolge sind. In schwer leserlichen Zeichen, in Zitronenschrift, fügt sie die sehr richtige Bemerkung hinzu: Die Erneuerung der Verbindung des sächsischen Herrscherhauses mit Polen wäre ein Unglück für Sachsen; Prinz Anton, des Kurfürsten Bruder, der mit einer Tochter des Kaisers verheiratet war, habe geäußert, der Kurfürst werde daran sterben. Trotz der durchaus noch ganz unklaren Aussichten beschäftigte sich die Herzogin von Sachsen-Teschen sehr eingehend mit der Prinzessin, und es wurde ihr dabei von deren Mutter, der Kurfürstin Maria Amalie Augusta, freundlichst entgegengekommen. Wir erhalten einen Einblick in die Art, wie fürstliche Mütter jener Zeit ihnen genehme Heiratspläne förderten. Die Prinzessin Auguste war noch nicht ganz 9 Jahre; sie erschien der Herzogin, wie die Mutter, von ziemlich großem Bau, auch an Händen und Füßen so groß, daß man an ein entsprechendes Großwerden denken könnte. Sie ist sehr voll, von rundem Gesicht, blond, hat hübsche blaue Augen, den Mund etwas groß, aber von reizender Farbe; die Zähne, die gut gewachsen sind, wechselt sie gerade. Sie hat eine gut gebaute Brust, die sich gewiß einmal voll entwickeln wird. Sie hält sich gerade, ist nicht geschnürt. Da vielleicht davon die Rede gewesen sein mochte, daß sie nicht ganz gerade gewachsen sei, hat die Kurfürstin sie zufällig oder mit Absicht vor Marie Christine am Bett ausgezogen.

Das Kind erschien ihr lebhaft, heiter, anschmiegend und, wenn man es allein hatte, sehr angenehm und geistig munter. Man sagte von ihr, sie habe viele Talente, sei guten und willigen Herzens. Für ihr Alter hatte sie eine gute Handschrift und spielte als Tochter eines sehr musikliebenden Vaters und Enkelin einer Komponistin, der Kurfürstin Maria Antonia, erstaunlich gut Klavier, ohne dabei etwa ein Wunderkind zu sein. In der Messe erschien sie der Erzherzogin reizend, doch habe man sie nicht allzusehr zum Beten veranlaßt. Der Kurfürst, der ihre Erziehung selbst leitet, ist nicht allzu streng dabei. Er gestattet ihr zwar nicht, das Theater zu besuchen, und bringt sie nicht ins große Publikum, aber wenn bei der Kurfürstin Spiel ist, darf sie anwesend sein und benimmt sich dabei sehr gefällig. Ihre Gesundheit ist, wie ihr Aussehen, ganz ausgezeichnet. Vater und Mutter leben ganz in diesem Kinde, und die Mutter hat sie zu ganz bestimmten Stunden um sich.

Unter den Mitgliedern des sächsischen Hofes ragt nach Darstellung der Erzherzogin niemand besonders hervor, weder die Brüder des Kurfürsten, die Prinzen Anton und Maximilian, noch der Oheim, der Herzog Carl von Curland, oder die Prinzessinnen Marie Anna und Elisabeth, Tanten des Kurfürsten. Die junge Gemahlin des Prinzen Anton jedoch, Erzherzogin Maria Theresia, die Tochter des Kaisers, hebt sie sehr hervor. Der Kurfürst liebe und achte sie, es sei gar nicht zu sagen wie; doch verdiene sie es auch. Ihr Betragen, ihre Klugheit, ihre sich immer gleichbleibende Art und Weise, alles lasse sie reizend erscheinen. Ihr Verkehr mit ihrem Manne, mit der ganzen Familie sei bewundernswert; sie überschaue zwar alle, sei aber mit allen freundlich und herzlich. Da ihr Mann, Prinz Anton, als Thronfolger in Sachsen galt, wünscht sie ihr vor allem Kinder[112].

Die ganze Schilderung zeigt, wie bei aller Einhaltung steifer Etikette doch ein einfaches, fast stilles Leben am Dresdner Hofe herrschte. Und dies erhellt auch daraus, daß die Kurfürstin in jenem Sommer 1791 vom 12. Juli an das Bad in Wolkenstein besuchte und der Kurfürst zweimal dahin reiste, am 1. August, um sie mitten in der Kurzeit zu sehen, das andere Mal, am 19. August, um sie nach Pillnitz zu holen. Dort treffen sie am 20. August ein; am 21. August kam Graf Camillo Marcolini von seiner Reise nach Italien zurück, wenige Tage bevor die hohen Gäste Friedrich Augusts erwartet wurden.

Nach der ganzen Art des Kurfürsten wird man kaum annehmen können, daß er von der Störung seines ruhigen Dahinlebens, die ihm die Zusammenkunft der Fürsten bringen mußte, sonderlich beglückt gewesen ist. Da aber der preußischen Partei am Hofe der plötzliche Jagdbesuch Friedrich Wilhelms II., den er einige Zeit vorher dem Kurfürsten in Schloß Annaburg gemacht hatte, sehr angenehm gewesen war, so sahen es andere Kreise sicher sehr gern, daß nun auch der Kaiser kam, dessen Hauspolitik ja auch nicht so unruhig und in bezug auf innerdeutsche Verhältnisse nicht so unternehmungslustig war, wie die seines verstorbenen Bruders Joseph II. Wie die der Verbindung mit Österreich zugeneigte Partei am Hofe, so war auch die Bevölkerung der Stadt Dresden mit dem angesagten Besuche sehr einverstanden. Seit 1617 war kein eigentlicher Kaiserbesuch in den Mauern Dresdens zu feiern gewesen. Wohl hatten die Tage Augusts des Starken den Bürgern Dresdens durch Besuche Friedrich Wilhelms I. von Preußen und Friedrichs IV. von Dänemark manchen glänzenden Tag gebracht. Aber nach 1740 waren schwere Zeiten gekommen; Friedrich der Große war öfters in Dresden gewesen, aber meist als Feind. Als Feind hatte er auch die Stadt von der Umgebung vor den Toren aus grimmig begrüßt. Nach dem siebenjährigen Kriege war Joseph II. 1766 zu kurzem Besuche, ohne großes [135] Aufsehen zu erregen, in der sächsischen Residenz gewesen. In den 25 Jahren seither waren nur wenige hochfürstliche Besuche zu verzeichnen gewesen; selbst die Trauung des 18 jährigen Kurfürsten im Jahre 1769 mit der 17 jährigen Prinzessin von Pfalz-Zweibrücken hatte sich ohne besonderen großen Prunk und ohne viele begleitende Verwandte abgespielt. Bald darauf waren, wie über einen Teil Deutschlands, so auch über Sachsen und die Stadt Dresden sehr schwere Jahre gekommen: Mißwachs, Teuerung, Hungersnot, physische Krankheit, moralische Schwächung, die sich in den Jahren 1771 bis 1772 austobten.

Vorübergehend hatte Kriegsunruhe gedroht, als 1778 Sachsen im Bunde mit Preußen in den sogenannten bayerischen Erbfolgekrieg eingriff. Verschanzungen waren vor der Stadt errichtet worden, die man später mit mancherlei Buschwerk bepflanzte. Mit großer Freude wurde in Dresden der Bote empfangen, der 1779 den Abschluß des Teschener Friedens meldete. Hatte der Bund Sachsens mit Preußen den Einwohnern Dresdens wieder preußische Soldaten, diesmal aber als Freundesbesatzung, gebracht, so war der Feldherr, der während des siebenjährigen Krieges nächst Friedrich dem Großen am längsten in Sachsen operiert hatte, Prinz Heinrich, lange Zeit Gast des sächsischen Hofes und lebte im Hauptquartier zu Großsedlitz oder während des Winters im Brühlschen Palais zu Dresden selbst.

Dresden war nicht mehr die Luxusstadt von ehedem, was gar manche Erwerbszweige zu beklagen hatten, aber der mittlere Bürgerstand befand sich unter den bescheidenen Umständen gewiß wohl und lebte behaglich dahin. Alle Reisenden jener Zeit, die von ihrem Aufenthalt in Dresden Aufzeichnungen hinterlassen haben, betonen diese gewisse behagliche Stille, die fast immer hervorleuchtende Zufriedenheit mit der schlichten, patriarchalischen Lebensweise des Landesfürsten; nur dann und wann werden Klagen darüber laut, daß er zu sparsam sei, daß er zu wenig Geld unter die Leute bringe, es vielmehr für seine einzige Tochter aufhäufe.

Um so interessanter mußte es nun sein, als die Kunde kam, daß das sonst so stille Pillnitz, der Nachbar-, der Vorort von Dresden in höfischer Beziehung, der Treffpunkt für die zwei mächtigsten Stände des deutschen Reiches, ja man darf wohl sagen, für die zwei mächtigsten Fürsten des mittleren Europa werden sollte. Diese Kunde, die gewiß für längere Zeit Frieden zu versprechen schien, war um so willkommener, als der biedere Bürger mit seinem Landesherrn und mit den Grundherren gelitten hatte, da in den Jahren 1790–91 in verschiedenen Gegenden des Landes die Bauern sich erhoben hatten. Zwar war es der Regierung gelungen, die Unzufriedenen, die durch das verderbliche Beispiel in Frankreich angesteckt worden waren, mit Kraft und Geschick niederzuhalten. Aber die Töne, die dabei laut geworden waren, hatten die Leute doch sehr erregt und die Gemüter lebhaft beschäftigt. Schien es doch, als bereite sich in deutschen Landen der Umsturz vor, der von Frankreich aus soviel Schrecken verbreitet, freilich aber auch soviele Menschen gewaltig entzückt hatte.

Vergegenwärtigen wir uns an der Hand der Akten des Königl. Hofmarschallamtes[113], die ich habe einsehen können, nunmehr die Vorbereitungen, die zur Zusammenkunft in Pillnitz getroffen worden sind.

Voran wurde gestellt, daß, da der Aufenthalt der Gäste auf dem Lande vorgesehen sei, zu strenges Zeremoniell bei Empfängen, Besuchen, Gegenbesuchen, Stellung von Kammerherren, Adjutanten und Kammerjunkern nicht zu berücksichtigen sei; es sollte nicht zu förmlich und dadurch lästig zugehen. Wenn auch bei der Tafel distinguierte Stühle und Gedecke nicht weggelassen werden könnten, sollte doch nicht allenthalben bei der Sitzordnung alles ganz genau abgewogen werden. Die einzuladenden Damen und Herren sollten pêle mêle sitzen dürfen. Es wurde dabei ausdrücklich betont, daß wegen der kleinen Räume im Schlosse zu Pillnitz nur bis einschließlich der Generalmajore eingeladen werden könne. Alle in Dresden angekommenen Fremden würden, ehe sie nicht vorgestellt worden seien, zu keiner Festlichkeit herangezogen werden. Selbstverständlich sollte für das nicht an der Hoftafel unterzubringende Gefolge gute Verpflegung und zwar beim Traiteur Bähr in Pillnitz versorgt werden. Das Wachtkommando zu Pillnitz sollte zur Sicherheit und Handhabung guter Ordnung verstärkt werden. Kommen Herrschaften nach Dresden zu Besichtigungen, dann soll zur Begrüßung geschossen werden.

Auch die Stadt wurde von so manchen Verordnungen berührt[114]. Das Königl. Preuß. Oberpostamt zu Breslau wendete sich schon am 17. August an das Churf. Sächs. Hofpostamt und zeigte an, wieviele Wagen am 25. August von Görlitz ab nach Pillnitz kommen werden, wieviele Postillone und Pferde man bei der Rückkehr über Großenhain nach Baruth brauchen werde, und zwar für 5 Wagen und die Königl. Jäger, sowie die Postillone, 40 Pferde fest und noch 6 zur Vorsorge. 12 tüchtige Postillone, damit sie allerorten auf das schleunigste fortgebracht werden könnten, müßten gestellt werden.

[136] Das Oberpostamt setzte sich mit dem geheimen Finanzkollegium in Verbindung, und dies wendete sich an den Bürgermeister Otto: Der Magistrat möge Anstalten treffen, daß es an Vorspannpferden zum Einspannen in die Post nicht fehlen möge. Man erwarte diese Pferde nicht von den Lohnkutschern selbst, sondern durch Vermittelung des Magistrats nach einem Reskript des Jahres 1713. Die Angelegenheit erschien als so wichtig, daß der Kurfürst unter dem 23. August durch den Grafen G. Wallwitz an den Rat und den Oberamtmann Näcke schreiben ließ: „also sollst Du, Oberamtmann, und ihr, der Rat, die Lohnkutscher und andere Anspänner anhalten, daß sie dem Posthalter Schönfeld mit guten tüchtigen Pferden und geübten Knechten gegen 7 Groschen das Pferd für die Meile assistieren. Daß bei Vermeidung schwerer Verantwortung etwas nicht verabsäumt werde.“ Als nun der Rat den Posthalter sogleich zitiert und aufgefordert hat, bei allen Lohnkutschern, Fuhrleuten, Pferdeverleihern und Vorwerksbesitzern die vorhandenen Pferde auf ihre Tüchtigkeit zu untersuchen, berichtet dieser einem „hochweisen“ Rat zurück, was er festgestellt habe.

Wir erhalten hierbei eine Statistik über die 1791 in Dresden[115] vorhandenen Kutsch-, Acker- und Reitpferde. Schönfeld konnte insgesamt 135 Kutschpferde feststellen, davon 37 auf der Schloßgasse, wo noch vielfach der Adel seine Quartiere hatte, 6 auf der Wilsdruffer und nur 2 auf der Seegasse. An der Elbe gab es 20 solcher Pferde, darunter einen Besitzer von 10 Tieren, sicher mit dem Schiffshandel im Zusammenhang stehend. Ackerpferde gab es in Dresden damals noch 75, und zwar an dem Umkreis der Stadt, wo noch Felderbetrieb war. Auf der Rampischen Gasse 14[116], auf der Großen und Kleinen Plauenschen Gasse[117] ebenfalls 14, im Poppitz 4, auf dem Roten Hause (vor Strehlen) 4. Reitpferde konnte Schönfeld 54 zählen; verhältnismäßig die meisten auf einer Gasse waren die 15 auf der Kreuzgasse, wo es ja mehrere herrschaftliche Häuser gab.

Es fehlte auch damals nicht, wie schon bei früheren Anwesenheiten von Kaisern, an dringlichen Mahnungen, für Sicherung gegen Feuersgefahr und gegen Hausdiebstähle ganz besonders zu sorgen. Die Hauptlast der Besucher traf Pillnitz und die Hofverwaltung.

Als im Jahre 1791 die beiden mächtigsten Reichsfürsten hier anlangten, um als Gäste des stillen, zurückhaltenden Kurfürsten von Sachsen gewichtige Dinge zu besprechen, bot Pillnitz noch nicht völlig den Anblick, wie wir es jetzt kennen. Es fehlte ihm das einheitliche Gepräge, das es in unseren Tagen aufweist. Mit wenig Worten sei auf die bauliche Entwickelung des Lustschlosses und auf die Gestaltung, die es 1791 zeigte, eingegangen[118].

Pillnitz hatte in älteren Zeiten ein oberes Schloß, an dessen Stelle jetzt die sogenannte Ruine steht, und ein unteres Schloß. Beide waren seit 1403 in wechselndem Besitz gewesen. Die Karras, die Carlowitze, die Ziegler, die vom Loß und von Bünau-Tetschen hatten es nacheinander besessen. 1694 kaufte es Johann Georg IV. und schenkte es der Gräfin von Rochlitz, einer geborenen Neitschütz, die aber zwei Monate später mit ihrem Geschenkgeber ziemlich gleichzeitig starb. Nach mancherlei Wechselfällen kam es in den Besitz Augusts des Starken, der es auch verschenkte, und zwar an die bekannte Gräfin Cosel; sie war 1706–1708 die Schloßherrin. Nachdem es wieder in des Kurfürsten Hände gekommen, nahm er, der oft und gern dort weilte, größere Bauten vor. Bisher hatte nur ein in deutschem Renaissancestil gehaltenes, mit hohen Giebeln geziertes Schloß gestanden, vielleicht nicht unähnlich dem Schönfelder Schlosse. Ziemlich gleichzeitig ließ August das sogenannte Wasserpalais mit seiner gefälligen Front nach der Elbe zu und das Bergpalais anlegen. Östlich von dem zwischen beiden Palais gelegenen Lustgarten stand das alte Schloß, südlich von diesem, nach der Elbe zu, wurde an Stelle einer abgebrochenen Kirche ein achteckiger Saalbau mit 4 Eckpavillons errichtet. Dem Saale gaben die Bilder schöner Frauen, die am Hofe Karls II. von England oder Augusts des Starken geglänzt hatten, den Namen Venustempel.

Nach Augusts des Starken Tode wohnte der Hof selten in Pillnitz; nur vorübergehend die Kinder Augusts III. Erst nachdem seit 1765 die Kurfürstin-Mutter Marie Antonie zugleich mit ihrem jungen Sohne Friedrich August Pillnitz als Sommersitz bevorzugt hatte, zeigte sich dort wieder neues Leben. Angeregt und unterstützt durch den Grafen Marcolini erweiterte der junge Kurfürst den Garten erheblich. Zu dem großen Schloßgarten hinter dem Bergpalais, der sich mit seinen mächtigen Baumreihen und breiten Rasenflächen noch heute so hinzieht, wie zu Augusts [137] des Starken Zeiten, kam nun der sogenannte englische Teil mit dem stillen Weiher und dem reizenden Kuppelpavillon hinzu. Von 1788 an wurden zu besserer Unterbringung des zahlreicher gewordenen Hofstaates an das Wasserpalais wie an das Bergpalais je zwei Flügel angebaut. Von diesen sind die zwei am Bergpalais insofern besonders interessant, als der westliche noch heute, weil Kaiser Leopold 1791 darin gewohnt hat, der Kaiserflügel, der östliche aber, weil er damals einen König als Gast aufnahm, der Königsflügel genannt wird.

Die Zubauten am Wasserpalais waren 1791 zwar noch nicht völlig, aber doch in der Hauptsache beendet. Auf die Nachricht, daß hoher Besuch bevorstehe, war der Ausbau der Pavillons und ihre Ausstattung mit Möbeln noch beschleunigt worden. In der Umgebung des Schlosses, an der Insel, kann man sich schon 1788 ein Elbbadehaus denken, das, da es Prinz Anton mit Vorliebe benutzte, auch das Prinz Antons-Bad genannt wurde. Schon waren auch durch den Kurfürsten und Marcolini die stillen, traulichen Wege durch den Friedrichsgrund bis nach dem Porsberge angelegt. Die zum Rasten bestimmte zimmerartig behandelte Grotte auf dem Porsberge war 1780, die an der Stelle des oberen Schlosses errichtete Ruine seit 1785 entstanden.

So bot schon damals Pillnitz dem Freunde heiterer Architektur in lieblicher Gegend, wie auch dem Naturfreunde viele Reize dar. In dieser Vorliebe für das Lustschloß und seine Umgebung spiegelt sich das einfache Wesen des Kurfürsten, der unter Marcolinis Einwirkung Sinn für körperliche Bewegung im Freien, für Gartenplanung und Gartenarbeit, sowie für schöne Ausblicke von erhöhten Punkten in die Ferne gewonnen hatte.

Als die Zusammenkunft der Herrscher gesichert war, erkundigte sich Minister Graf vom Loß bei dem kursächsischen Gesandten in Wien, dem Grafen von Schönfeld, nach des Kaisers Gepflogenheiten und womit man ihm eine besondere Unterhaltung bereiten könnte. Schönfeld antwortete unter dem 17. August[119]: „Der Monarch liebt im allgemeinen nicht die Repräsentation; er ist von heiterer Laune, wenn er sich nicht durch Glanz seines Ranges geniert fühlt. Er liebt Schauspiele, vor allem solche, wo es viele Dekorationen gibt. Er ist weder entschiedener Liebhaber noch Kenner von Musik, aber trotzdem bereitet ihm die Oper Vergnügen; er liebt die Komödie, aber die Ballets sind seine Lieblingsaufführungen. Man sagt, daß er in Venedig viel getanzt habe, aber weder Tanz noch Jagd sind eigentlich sein Geschmack. Maskenbälle sind ihm nicht interessant, höchstens dann, wenn er unerkannt bleiben kann. Er liebt einen guten Tisch, und man hat mir versichert, daß er zu jeder Zeit reichlichen Appetit hat und zwischen den Mahlzeiten auch gern Konfekt und Zuckerzeug nimmt.“ Von seiner äußeren Erscheinung berichtet ein Zeitgenosse[120], daß er von ansehnlicher Größe war, blondes Haar hatte, das er in einer einfachen Locke ohne Tuppe glatt gekämmt und am Nacken etwas gekräuselt trug. „Seine Augen waren groß und hellblau, und hatten einen ernsthaften Blick. Die Nase war nicht lang und etwas aufgebogen, die Lippen voll. Um diese waren kleine Falten, die seinem Gesicht eine ausnehmende Freundlichkeit gaben. Die Stirne war hoch und gewölbt, die Gesichtsfarbe lebhaft.“

Die Spannung, die an den Höfen zu Wien und zu Berlin in diesen Tagen, die der Abreise der beiden Fürsten vorangingen, herrschte, war nach Schönfelds Depeschen und nach den Berichten des sächsischen Gesandten in Berlin, des Grafen von Zinzendorf, sehr bedeutend. Besonders in Berlin herrschte große Unklarheit, was denn nun eigentlich verhandelt werden sollte, umsomehr, als die Berichte des preußischen Unterhändlers in Wien, des Herrn von Bischofswerder, unmittelbar an den König gingen[121]. Die gewagtesten Vermutungen wurden geäußert; die Neugier der Gesandten von England und Polen fiel namentlich auf. In Wien war man auch fest überzeugt, daß der Gesandte der Kaiserin Katharina II., ein deutscher Prinz, General von Nassau-Siegen, dem Kurfürsten abreden sollte, die polnische Krone anzunehmen.

Sehr zweifelnd hatte sich der alte Fürst Kaunitz über den Erfolg der Zusammenkunft, die nicht sein, sondern des Kaisers eigenstes Werk war, ausgesprochen. Als man ihm ein Kompliment dazu machen wollte, antwortete er, man kenne ihn schlecht, wenn man annehme, daß er der Urheber davon sei; ohne Zweifel müßten die Verbindungen der Familie und das politische Interesse den Kaiser verpflichten, sich so eng wie möglich mit Sachsen zu verbinden. Die Annäherung von Wien und Berlin sei außerdem ein großes Glück für die Menschheit, aber er sehe voraus, daß die zwei Herrscher sich in Pillnitz so viele Dinge versprächen, die sie in der Folge weder erfüllen wollten noch erfüllen könnten, und nachher sei es an ihm, das, was sie in Verwirrung gebracht hätten, wieder zu entwirren[122]! Man sieht hier die alte Abneigung des Fürsten gegen Preußen und sein großes Selbstbewußtsein hindurchleuchten. Die Folgezeit hat ihm aber Recht gegeben, daß damals die beiden großen [138] deutschen Staaten noch nicht dauernd und ehrlich miteinander wirken konnten.

Am 22. August war der Kaiser mit seinem ältesten Sohne, dem Erzherzog Franz[123], in einer Pirutsche von Wien abgefahren. Am 25. August fuhr er, in Begleitung des Feldmarschalls von Lacy, sowie des Hofrates und Staatsreferendarius von Spielmann, von Theresienstadt nach der sächsischen Grenze, wo ihn im Namen des Kurfürsten Oberst von Niesemeuschel empfing. In Zehista wurde er von seiner Tochter und deren Gatten, dem Prinzen Anton von Sachsen, auf das lebhafteste und zärtlichste begrüßt. Der Wagen des Kaisers war auf den steinigen „Felsenwegen der Gebirge“ schadhaft geworden, und so bestieg er mit seinen Kindern die sächsische Kutsche und fuhr unter Vorritt des sächsischen Oberforstmeisters von Trützschler ohne irgendwelches Gepränge nach der Elbe zu[124]. Um 3/412 Uhr mittags fuhr er auf einer Schiffbrücke, die außer der fliegenden Fähre den Verkehr zwischen den beiden Elbufern vermittelte, über den Strom und wurde bald darauf vom Kurfürsten und dem Hofstaat in „ländlicher Gala“ begrüßt. In der Türe zum Salon des Bergpalais empfing ihn die Kurfürstin mit ihrer Tochter und den Prinzessinnen. Er stieg mit seinem Sohne in dem Flügel links vom Bergpalais ab, im „Kaiserflügel“. Die Zimmer waren prachtvoll ausstaffiert worden; im Schlafzimmer gab es goldbrokatenes Bettgehänge im Werte von 10 000 Talern.

Bald darauf um 1 Uhr kamen Friedrich Wilhelm II. von Preußen und der Kronprinz, begleitet vom Prinzen Hohenlohe, dem Obersthofmeister Grafen Brühl[125], dem General von Bischofswerder, dem Major von Schack, dem Geheimkämmerer Rietz, den Geheimsekretären Rietz und Lombard. Dem Könige war Oberst von Polenz bis an die schlesische Grenze entgegengeschickt worden. Auch er hatte in der Nähe von Görlitz einen Wagenunfall gehabt. Trotzdem eilte er so schnell, daß er an diesem Tage 13 Meilen in 71/2 Stunden zurücklegte. In Bautzen sollte ihm großer Empfang mit Tafel angeboten werden. Er nahm nur einige Erfrischungen, unterhielt sich aber leutselig mit den erschienenen Ehrenpersonen. Der König saß bei der Einfahrt mit Bischofswerder im gleichen Wagen. Dieser Zug, bei dem mehrere Kutschen achtspännig waren, kam vom Weißen Hirsch durch die Berggasse, jetzige Schillerstraße, und bewegte sich alsdann durch das Elbtal aufwärts, zuletzt in die Maillebahn. Rechts und links standen viele Landleute aus den Dörfern. Das heitere Gelände soll besonders dem Kronprinzen, dem späteren Friedrich Wilhelm III., sehr gut gefallen haben. Er äußerte sich, so heißt es, zu einem seiner Begleiter: „Wahrlich, hier ist gut seyn! und mein Großonkel [Friedrich der Große] hatte wohl recht, als er von Sachsen sagte: Die Natur scheint hier selbst Hütten zu bauen; wohin man tritt, läuft einem das Fett in die Schuhe, und wohin man blickt, wird man von Wein und Schönheit trunken“[126].

Kaiser, Kurfürst und Prinzen empfingen die Gäste, der Herzog von Curland führte sie in den rechten, neu gebauten Flügel am Bergpalais. Nachdem der König einen Feldjäger mit Depeschen abgesendet hatte, wurden alle Gäste zur Tafel geladen, die im sogenannten Venustempel stattfand. Die musikalische Aufwartung hatten hierbei die Holzpfeifer und Hautboisten der Leibgrenadiergarde, die in zwei Chören über den Eingängen des Venustempels verteilt waren. Die Gesandten von Österreich und Preußen, die Grafen von Hartig und von Geßler[127], waren mit bei der Tafel. Von den französischen Emigranten erschien hier zunächst nur der General Marquis von Bouillé, dem es neun Wochen vorher nicht gelungen war, die aus Paris fliehende königliche Familie zu rechter Zeit auf der Landstraße zu treffen und unter den Schutz seiner Reiter zu stellen. Nach der sehr angeregten Tafel, bei der des Kaisers liebenswürdige Unterhaltung mit seinen fürstlichen Nachbarn angenehm auffiel, ward Spiel und Konversation gepflegt. Um 6 Uhr begab sich der Hof in die Oper. Es wurde eine ganz neue von Stabinger aufgeführt; der Originaltext rührte von einem venetianischen Dichter her. Ihr italienischer Name „L’astuzie di Bettina“ wird deutsch „Das schlaue Lieschen“ gegeben.

[139] Hierauf wurde der ganze innere Schloßhof nebst der schönen Allee mit 45 000 oder gar 60 000 Lampen erleuchtet, wobei das alte „gotische“ Palais und der Venustempel sich besonders gut ausnahmen. Gerüste, mit vielen Beleuchtungskörpern geschmückt, mit Musikchören besetzt, erhöhten den Festglanz. Zu der später folgenden Festtafel im Venustempel wurden alle „Wohlgekleideten“ als Zuschauer zugelassen. „Nach aufgehobener Abendtafel geruheten sämtliche höchste Herrschaften in dem Garten zu spazieren, währenddessen Trompeten und Pauken nebst der Janitscharenmusik von zween beym Anfange der Garten-Allée auf beyden Seiten erbaueten Orchestern unausgesetzt sich hören ließen, wobey der heitere Abend und die ohnerachtet der daselbst versammelten unzählbaren Menge Menschen herrschende Stille und Ordnung das Vergnügen der höchsten Herrschaften sehr vermehrten.“ Der Augenzeuge durchstrich den Schloßgarten noch um 11 Uhr abends und sah die Prinzen Max und Anton Arm in Arm mit dem preußischen Gesandten Graf Geßler herumwandeln. Er fand an diesem Tage ganz Pillnitz von Menschen überfüllt. Die Bauern hatten ihre Stuben und Kammern Besuchern eingeräumt und wohnten im Kuhstall. Reich geputzte Menschen, die nicht untergekommen waren, schmausten, im Freien sitzend, allerhand Mitgebrachtes.

Am Abende dieses Tages war nun auch der Graf von Artois mit dem einstigen Finanzminister von Calonne und noch einige andere Emigranten in Dresden eingetroffen und im Hotel de Pologne auf der Schloßgasse (jetzt Gebäude der Sächsischen Bank) abgestiegen. Auf seine Anzeige hin wurde er, der Vetter des Kurfürsten, von diesem nach Pillnitz eingeladen. Er nahm die vom Hofe angebotene Equipage an, weil er wegen der vielen Fremden in Dresden keine Fahrgelegenheit für sich und sein Gefolge erlangen konnte, das aus Calonne, Bouillé, dem Hauptmann der Königl. Garde, Herrn von Escart, dem Grafen Esterhazy und einem Baron Rolle bestand. Um 10 Uhr wurde er durch einen kurfürstlichen Postzug nach Pillnitz gebracht, stieg im Pavillon des Wasserspalais ab und wurde vom Kurfürsten zur Frühstückstafel gezogen. Dieser 26. August galt als der eigentliche Haupttag der Festlichkeiten, und wenn der Verfasser des Fürstenfestes nicht übertreibt, war die ganze Straße von Dresden nach Pillnitz unaufhörlich gereihet voll von Wagen, Reitern und Pilgern zu Fuß; unter diesen manche Böhmen und Brandenburger, die das Verbrüderungsfest (!) sehen wollten.

Der österreichische und der sächsische Hof waren frühe zur Messe in die Schloßkapelle gegangen; während am Tage vorher alles in farbigen Kleidern erschienen war, trugen die Herren heute Uniform, die Damen Prachtkleider. Man hatte am Vormittag eigentlich eine Lustfahrt nach Dresden unternehmen wollen, um Prinz Antons Garten vor dem Pirnaischen Tore (jetzt an der Zinzendorfstraße und der Johann Georgen-Allee) mit seinen englischen Anlagen zu besehen. Allein die regnerische Witterung machte es unmöglich.

Ein großer Teil des Tages war nun auch hauptsächlich den Verhandlungen gewidmet. Bischofswerder teilte dem Staatsreferendar Freiherrn von Spielmann mit, daß ihn der König von Preußen sprechen wolle. Über die Audienz, die über eine Stunde dauerte, hat Spielmann seinem Chef, dem Fürsten Kaunitz, am 31. August ausführlich berichtet[128]. Er schreibt: „Der König empfing mich sehr gnädig und betonte, daß die neue Allianz sehr nützlich sei, die frühere vieljährige Verkennung des beiderseitigen wahren Staatsinteresses sehr bedauernswürdig; die Allianz werde für beide Länder und den allgemeinen Ruhestand erwünschte Folgen haben, besonders angesichts der französischen und der polnischen Revolution. Der König ist eine ungeheuere Fleischmasse. Er spricht sehr schlecht, nie in einem Zusammenhange, immer in halbgebrochenen, kurzen Sätzen. Er zeigt handgreiflich einen großen Mangel an Kenntnis der Geschäfte. Ich glaube gewiß nicht im geringsten zu irren, wenn ich positiv versichere, daß er der Mann ganz und gar nicht ist, der je aus eigner Entschließung gehandelt hat und handeln wird. Sichtbar hängt alles bey ihm von den Impulsen ab, die er von diesem oder jenem Ratgeber erhält, und die gute oder üble Eigenschaft des Ratgebers fließt auf ihn ein.“

Auch über den Kronprinzen, den künftigen König Friedrich Wilhelm III., lautet das Urteil nicht sonderlich günstig: „Mit dem Kronprinzen habe ich keine Gelegenheit zu sprechen gehabt. Sein Äußerliches ist nichts weniger als günstig für ihn. Er sieht so ziemlich einem Feldwebel gleich. Graf Brühl soll dem (österreichischen) Gesandten Graf Hartig gesagt haben, er habe alle übele Eigenschaften des verstorbenen Königs (Friedrichs des Großen), ohne eine einzige der guten nur im geringsten zu besitzen.“

Marcolini führte Spielmann an jenem Tage auch bei dem Kurfürsten von Sachsen ein. Über ihn äußert sich der Geheime Staatsreferendarius günstiger: „Er sprach über sein Vergnügen, den Kaiser bei sich zu sehen, über französische Angelegenheiten, etwaige Kontagion, der vorgebogen werden möchte, über seine Bereitwilligkeit, als Reichsstand dazu etwas zu leisten, über die polnische Krone und sein Bedenken. Der Kurfürst spricht ganz wohl, in sehr bestimmten und zugleich mit der größten Behutsamkeit abgemessenen Ausdrückungen. Er scheint ein sehr wohl instruierter, edel und rechtschaffen denkender Herr zu sein.“

[140] Nach Spielmanns Beobachtungen hatte der Minister von Gutschmid einen sehr starken Einfluß auf den Fürsten und auf alle inneren und äußeren Geschäfte. Dieser war erfreut über die Annäherung seines Herrn an die Allianz der beiden großen deutschen Höfe und ganz entschieden gegen die Annahme der polnischen Anerbietungen. Nie werde der Kurfürst einwilligen, daß seine einzige Tochter, die Erbin der polnischen Krone, einem Neffen des Königs Stanislaus vermählt werde. Schienen doch vielmehr Vater wie Minister gar sehr für die Vermählung mit einem Erzherzog zu sein.

An demselben Tage, am 26. August, machte der Kaiser, der zugleich mit seinem Sohne lange Zeit in der kurfürstlichen Familie verweilt hatte, noch vor der Tafel dem Könige von Preußen einen ersten Besuch, den dieser sogleich erwiderte. Am 26. und 27. fanden zwischen den beiden Fürsten und dem Grafen Artois Beratungen statt, von denen sich der Kurfürst fernhielt. Die Festtafel am 26. war besonders prachtvoll; es wurde auf Gold gespeist, und die Prachtschätze an Meißner Tafelaufsätzen, Figuren und Gruppen bedeckten die Tafel. Die Neugier der Menschen trieb eine große Anzahl in den Venustempel, um dem Schaugepränge zuzusehen. Reisende Jahrmarktskrämer mit ihren Quersäcken auf dem Rücken, Landleute mit dem Wams auf der Schulter drängten sich heran. Um 6 Uhr abends wurde die vom Kapellmeister Naumann komponierte Oper La dama soldato aufgeführt. An der sich anschließenden Abendtafel nahmen teil die Gesandten von Österreich, Rußland, England[129], Preußen, Polen, Kurpfalz und Braunschweig, 12 ausländische Kammerherren, die 3 sächsischen Kabinetsminister, 6 Konferenzminister, der erste Hofmarschall von Breitenbauch, der Oberkammerherr Graf Marcolini, Graf Artois, Prinz von Nassau-Siegen, Herr von Calonne, 3 königlich französische Offiziere Esterhazy, Rolle und Escart, die Grafen Pallfy und Kolonitz, sowie 73 militärische oder zivile höhere Chargen. Dagegen hatte man den französischen Gesandten, einen Herrn von Montesquieu, wissen lassen, wie man bei gegenwärtiger Lage in Frankreich während der Anwesenheit des Herrn Grafen von Artois ihn in einige Verlegenheit zu setzen besorgt und um deswillen aus Ménagement von der Einladung auszuschließen für nötig erachtet hätte. Das heißt, der offizielle Gesandte des herrschenden Königs von Frankreich Ludwigs XVI. wurde wegen der Anwesenheit des Bruders, des Emigranten Artois, und seines Emigrantengefolges nicht eingeladen! Die Gesellschaft wurde noch durch die Kurfürstin, die Prinzessinnen und 79 aus den höheren Kreisen der Residenz geladenen Damen vermehrt.

Von dem in drei Abschnitten auf der Pillnitzer Insel und dem gegenüberliegenden Ufer abgebrannten Feuerwerk, bei dem es an Raketen, Feuertöpfen, Landpatronen, Wasserpatronen, Wasserkugeln, Luftkugeln, Bombenröhren, Irrwischen, Tourbillons, Gueridons und Buketts nicht gefehlt hat, seien nur die Holzbauten, weil sie in Formen und Inschriften auf das Friedenswerk hinweisen sollten, genauer beschrieben. Der Tempel der Freundschaft, eine große Rotunde mit freistehenden Säulen, auf Kähnen vor der Insel errichtet, enthielt in seiner Mitte einen Altar der Freundschaft mit dem Opferfeuer, davor im Kostüm der „Auguste“ zwei sich die rechte Hand reichende Römer. Im Tempelfriese leuchtete die Inschrift: Concordia Augustorum. Rechts vom Tempel stand ein „bekleidetes Frauenzimmer“, in der Rechten den Merkurstab, in der Linken ein Füllhorn mit der Inschrift: Felicitas temporum. Links vom Tempel sah man eine Figur, die aufgehende Sonne bedeutend, den rechten Arm ausgestreckt haltend, mit der Inschrift: Pacatus orbis. Wenn der Beschreiber des Festes daran, daß dieser Tempel auf einem Felsen stand, die Worte anknüpft: „kein Sturm, keine Brandung wird ihn zerstören!“ so haben ihn die Zeiten von 1792 an sicher eines anderen belehrt!

Das Getümmel von Menschen, das vor und nach diesem Feuerwerk zwischen Pillnitz und Dresden geherrscht hat, wird als ganz gewaltig geschildert. Um nur hinauszukommen, seien alle Arten Wagen herbeigeschafft worden: Karren, Leiterwagen, Düngerwagen, sogar Leichenwagen! Für einzelne Wagen wurden 15 bis 20 Taler gezahlt; für Gondeln und Lustschiffe bis zu 40 Taler. Zwischen der Schiffbrücke und der Maillebahn hielten 12 Marketender, darunter einzelne Italiener, feil, und nicht etwa Landwein, sondern Rhein- und Steinwein. Floß doch in diesen Tagen für Kutscher und Stallknechte angeblich Champagner. Für Beleuchtung auf der Schiffbrücke und nach Dresden zu war gesorgt. Kein Unglücksfall ereignete sich; nur störte der Gegenwind die nach Dresden zurückfahrenden Kähne; etliche von ihnen seien erst früh 6 Uhr im Gondelhafen angekommen und hätten mit dem Untergang zu ringen gehabt!

Die Menschenmenge, die sich hier traf, stammte nicht nur aus Dresden, sondern aus Leipzig, Dessau, Berlin, Prag und Wien! Aus Leipzig waren allein 300 Studenten erschienen, so daß Professor Platner, der damals berühmteste Lehrer der Philosophie, und andere einige Tage gar nicht erst lasen. Als scherzhaftes Nachspiel zum Feuerwerk wird noch erzählt, daß, nachdem die Fürstlichkeiten sich verabschiedet hatten und in ihre Quartiere geführt worden waren, sehr bald hier und da eine Tür knarrte, eins da oder dort herausguckte, ein Überrock, ein langer Mantel zum Vorschein kam und zuletzt König, Kronprinz, Erzherzog, Prinz Anton [141] und Max sich einzeln unter die fröhlich herumziehende Menge mischten und herzlich lachten, als sie sich erkannten!

Am 27. August fanden vormittags die eigentlich entscheidenden Verhandlungen zwischen den zwei mächtigen deutschen Fürsten und Artois statt. Nach einem Schreiben des Geheimen Staatsreferendarius Freiherrn von Spielmann an Kaunitz aus Prag vom 31. August[130] hatten sich Artois und Calonne mit einer Dreistigkeit und Zudringlichkeit ohne Beispiel vorgedrängt und alles so in Bewegung gebracht, daß sich endlich Kaiser und König dazu bringen ließen, eine Deklaration entwerfen zu lassen und zu unterzeichnen. Mit Mühe wurden zuletzt die Ausdrücke noch gemildert, der Graf drängte natürlich auf schärfere. Der Hauptinhalt der nachmals so berühmt gewordenen Pillnitzer Deklaration war folgender: Die Fürsten bezeichnen die augenblickliche Lage des Königs von Frankreich als einen Gegenstand der allgemeinen Teilnahme und sprechen die Hoffnung aus, daß das Interesse von denjenigen Mächten nicht verkannt werde, deren Beistand man anrufe; man erwarte von diesen Mächten, daß sie demzufolge nicht anstehen werden, im Verein mit ihnen beiden die ausreichenden Mittel im Verhältnis zu ihren Kräften anzuwenden, um den König von Frankreich in die Lage zu versetzen, in vollkommener Freiheit die Grundlage einer Regierungsform zu befestigen, welche den Rechten der Souveräne und dem Wohle Frankreichs entspräche. Der Kaiser und der König seien dann in diesem Falle entschlossen, in wechselseitigem Einvernehmen rasch vorzugehen und mit den notwendigen Mitteln das vorgesteckte Ziel anzustreben. Mittlerweile werden sie ihren Truppen die nötigen Befehle erteilen, durch welche sie in den Stand kommen, sich in Bewegung zu setzen. Wäre es nach Artois gegangen, so hätten sich die Monarchen verpflichten sollen, einen Winterfeldzug gegen Frankreich zu unternehmen.

Während in der ursprünglich als nebensächlich gedachten Angelegenheit etwas zustande kam, was später zum Teil in mißverständlicher Weise als eine Art Kriegserklärung gegen Frankreich aufgefaßt wurde, ist es zu besonderen Abmachungen zwischen Kaiser und König nach der Versicherung Leopolds Spielmann gegenüber nicht gekommen. Auch die polnische Frage, die zwar berührt wurde, ist irgendeiner Lösung nicht näher geführt worden, da sich ja Kurfürst Friedrich August den Anträgen der Polen nicht geneigt zeigte.

Während der zum Teil erregten Verhandlungen dieses Vormittags hatte sich der Kronprinz von Preußen schon zeitig nach Dresden begeben und in Begleitung des Grafen Brühl Augusts des Starken Reiterstandbild, die Porzellanniederlage und die Wachsparade angesehen. Auf dieser war er zu Fuße durch die Glieder gegangen und hatte jeden Mann in Augenschein genommen; darauf war er über die Schiffbrücke wieder nach Pillnitz zurückgefahren.

Nach der Mittagstafel, die in engerem Kreise abgehalten wurde, fuhr man etwa um 4 Uhr in sechs sechsspännigen Wagen nach Dresden. Im ersten Wagen saßen der Kaiser und die Kurfürstin, der Kurfürst und der König von Preußen; im zweiten der König von Preußen mit Prinz Antons Gemahlin, sowie Erzherzog Franz und Graf Artois. Auf der Landstraße rollten die Wagen erst schnell, dann, damit man die Herrschaften besser sehen könne, langsamer. Es ging zum Rampischen Schlage herein, an der Contrescarpe entlang nach dem Pirnaischen Tore. Vor der Treppe zur alten Bildergalerie am Jüdenhofe wurde gehalten; dreiviertel Stunden besahen sich die Gäste die Schätze, um dann nach der Neustadt zur Besichtigung der Bibliothek zu fahren. Diese und ihre gesamte Einrichtung gefiel dem Kaiser sehr wohl. „Ich habe ein großes Gebäude, aber eine geringe Einteilung. Diese Art von Aufstellung und Einteilung von Fächern gefällt mir. Sie gewährt leichte Übersicht, Zusammenhang und erleichtert den Gebrauch.“ Er ließ sich dann die Fächer der böhmischen und österreichischen Geschichte zeigen und sah sich verschiedene Werke an. Der Kurfürst unterhielt sich mit seinen Gästen französisch oder italienisch und ließ sich von den Bibliothekaren die Schriften über die jüngste Staatsverwaltung von Frankreich unter Necker und Calonne zeigen; er ermunterte die Herren Bibliothekare gelegentlich: „Unterhalten Sie Ihre Majestäten und tun Sie, als wenn ich garnicht da wäre.“ Nach einer halben Stunde verließen die Besucher die Bibliothek, und der Kaiser wünschte das damals noch im Erdgeschoß untergebrachte Antikenkabinett zu sehen. Unglücklicherweise war aber der Inspektor[131] nicht zugegen, weil man die Herrschaften so spät nicht vermutet hatte. Der Kaiser sagte, als er die Verlegenheit einiger Personen über die Abwesenheit des Beamten bemerkte, gemütlich: „Lassen wir das gut sein; der gute Mann ist halt nach Pillnitz gegangen, um den Kaiser und den König zu sehen. Hätte er gewußt, daß sie zu ihm kommen würden, er wäre sicher daheim geblieben.“ Statt dessen ging man nun in die Kellergeschosse des Palais, in denen damals noch die kostbaren chinesischen, japanischen und Meißner Porzellane aufgestellt waren. Zuletzt fuhren die Gäste nach dem Schlosse und besichtigten die Pretiosen des Grünen Gewölbes.

[142] Mittlerweile war die Zeit zu dem großen Abschlußfeste, einer Freiredoute im großen Saale am Zwinger[132] gekommen. Sie sollte in dem schon 1782 zu einer Festhalle umgewandelten Raume stattfinden, der aber wegen der bedeutenden Kosten, die seine Beleuchtung verursachte, noch garnicht benutzt worden war.

Der Saal war schon um 4 Uhr geöffnet worden. Der Adel hatte einen Eingang im Zwinger, wo, um Raum für die Wagen zu gewinnen, die Orangerie auf die Seite gerückt, auch außer den dort befindlichen Laternen Kienlampen auf Pfählen errichtet wurden. Dem Hofe wurde der Eingang in den oberen Saal durch das Naturalienkabinet freigehalten, während die übrigen Masken an der Seite des Klosters (d. h. der zur Hof- und Sophienkirche gehörenden Baulichkeiten) durch die gewöhnliche Türe den Zugang offen fanden.

200 Mann in Kitteln bildeten die Feuerwache; Offiziere von der Leibgarde nahmen die Eintrittskarten ab; Schweizergarde bildete von der Glastüre an durch das Naturalienkabinet Haye und machte für die höchsten Herrschaften Gasse. Drei Zimmer neben dem Opernhaussaale wurden diesen vorbehalten; eines zur Anlegung der Maskenkleider, ein anderes zum „Rafraichiffement“, ein drittes zur „Retirade“. Von den unteren Saallogen waren drei für die Herrschaften, drei für den Oberkammerherrn Grafen Marcolini, sechs bis an die Arkaden, die den Saal in zwei Hälften teilten, für die vornehmsten Damen vorbehalten. Die Beleuchtung war in großem Stile vorgesorgt. Gegen fünfzig mit italienischen Blumenguirlanden reichgeschmückte Kronleuchter, Brillantarmleuchter an den Wänden[133], Gueridons mit Wachsfackeln erhellten den Saal. Erst gegen 6 Uhr war angezündet worden. Schon von 7 Uhr ab waren Wagen an Wagen mit vornehmen Masken vorgefahren. Die Herrschaften nahmen ihren Weg außen über die große Treppe im Zwinger, die zu dem Pavillon führt, wo sonst die Bibliothek gewesen war und die Grottenwasser springen. Dort legten sie die Masken- und Redoutenkleider an und erschienen um 7 Uhr im Redoutensaale der Noblesse; der andere Saal des Festraumes war den bürgerlichen Besuchern eingeräumt. Als der Hof eintrat, fiel die vom Leutnant von Bose dirigierte Janitscharenmusik mit doppelten großen Trommeln gewaltig ein. „Es war, als wenn die Auferstehung wäre, wie der Kayser in den Saal trat und von mehr als 80 blasenden Janitscharen-Instrumenten der Anfang ertönte.“

Etwa eine Stunde lang blieben der Kaiser und die übrigen Fürsten auf dem Feste, auf dem schon zu Beginn 2000 Personen erschienen waren. Sehr schöne Masken, schöne Frauen, schöne Mädchen wogten auf und ab. Dreimal wandelten die Herrschaften in seidenen Dominos, die Masken in den Händen, durch den Saal. Im Gefolge befand sich auch wider Willen der alte Lacy. Der Kaiser eröffnete mit der Kurfürstin „Leib-Polonaise“ den Ball, dann traten sie in die Logen, und der allgemeine Tanz der Massen begann. Der Andrang, das Verlangen nach Eintrittskarten war sehr groß gewesen. Die Begier, dabei zu sein, galt nicht nur dem Feste, sondern auch dem Saale. Er war einige Jahre vorher auf die erwartete Ankunft des Großfürsten Paul von Rußland hergerichtet, aber noch nicht benutzt worden. Alles staunte über die ausgezeichnete Theatermalerei des Professors Theile, die sich in „abwechselnden Figuren, Gruppen und Antiquen“ zeigte. Nachdem sich die Fürstlichkeiten schon um 8 Uhr entfernt hatten, um, von Stallpersonen mit Kienfackeln geleitet, nach Pillnitz zurückzufahren, wurden die Festsäle jedermann geöffnet. Als gegen 12 Uhr etwa für 2000 Taler Erfrischungen genossen und 8 Zentner Wachslichte verbrannt worden waren, schloß das Fest, das vielen Dresdnern Gelegenheit gegeben hatte, den Kaiser des römischen Reiches deutscher Nation, – den vorletzten und in Begleitung seines Sohnes, der einst der letzte sein sollte – den König von Preußen und manche interessante Persönlichkeiten in Gesellschaft der in der Stadt sehr beliebten kurfürstlichen Familie zu sehen. Vielleicht trug das Fest auch dazu bei, den Kurfürsten auch bei denen beliebt zu machen, die an ihm mäkelten, daß er zu einfach lebe und den Gewerbetreibenden zu wenig zu verdienen gebe.

Wie erfüllt man von den gewonnenen Eindrücken an jenem Tage war, geht auch aus allerhand Anekdoten hervor, die in einigen damals erschienenen kleinen Heften den Fürsten nacherzählt werden[134].

Noch einmal speisten die Fürsten im Venustempel zu Pillnitz miteinander, dann löste sich die Versammlung auf. Nachdem Kaiser Leopold mit dem Könige und Artois noch bis 1 Uhr verhandelt hatte, fuhr er schon nachts 1/42 Uhr mit seinem Sohne, dem Erzherzog [143] Franz, und begleitet von seiner Tochter und deren Gemahl, Prinz Anton, in einem vierspännigen Wagen, mit Kienlampen beleuchtet, über die illuminierte Schiffbrücke. Er ging seiner Krönung zum Könige von Böhmen in Prag entgegen[135].

Früh 9 Uhr begab sich das kurfürstliche Ehepaar, mit dem Könige von Preußen und dem Grafen Artois im gleichen Wagen, gefolgt von sechs anderen Kutschen durch den Großen Garten nach dem Seetor, durch die Seegasse, über den Altmarkt, durch die Schloßgasse, das Georgentor, über die Brücke auf der Meißner Gasse nach dem Weißen Tor und so nach Moritzburg, das Friedrich August nächst Pillnitz am meisten liebte. Im Fasanenschlößchen, das heute noch lebhaft an die Marcolinizeit erinnert, fand um 11 Uhr ein Frühstück statt; geplant war eine Fahrt im Schiffe auf dem Großteich, doch stürmische Witterung verhinderte sie. Es wurden daher die Wagen bestiegen, eine Fahrt nach dem Hellhaus unternommen, 1/21 im Schlosse gespeist. Dann begab sich König Friedrich Wilhelm über Elsterwerda, wo er bei dem ihm vorausgefahrenen Herzog von Curland wohnte, nach Potsdam zurück. Der Kurfürst geleitete seinen Vetter, den Grafen Artois, nach dem Dresdner Schloß, das dieser am 29. August verließ.

Eine so glänzende Fürstenversammlung konnte nicht ohne Verteilung kostbarer Geschenke verlaufen. Am reichsten ist Graf Camillo Marcolini beschenkt worden, der doch der Anreger geworden war zu dem Kongreß gerade hier im ländlichen Pillnitz. Er erhielt vom Kaiser eine goldene Dose mit Brillanten im Werte von 10–12 000 Talern, vom König einen Ring und das Versprechen, er werde ihm noch ein besonderes Andenken schenken. Dies hat er auch eingehalten, denn am 8. September schon traf ein goldenes Souvenir mit des Königs sehr ähnlichem Porträt, in große Brillanten und andere kostbare Steine gefaßt, im Werte von 12 000 Talern mit der Berliner Post für ihn ein. Marcolini sollte dafür belohnt werden, daß er auf seiner italienischen Reise die Verbindungsfäden zwischen Berlin und Wien enger geknüpft hatte; schon in Mailand hatte er für seine Vermittelung mit Bischofswerder reiche Spenden vom Kaiser erhalten[136]. Carmoisinrot ausgeschlagene Dosen mit Brillanten und dem Bildnis des Kaisers, desgleichen solche mit dem des Königs bekamen die Grafen Loß, Herr von Gutschmid und die Hofmarschälle. Ebenso wurden Kammerherren und Kammerjunker bedacht. 2000 Dukaten kamen von Leopold an die Offizianten, 6000 Taler vom König, 100 Taler an die Leibgrenadiere, die die Wache bezogen hatten; ebenso goldene Uhren an Capitains, Lieutenants und Silberpagen. Eine Notiz im Ratsbericht fügt hinzu: „Viele andere Präsente sind unbekannt, weil die beiden höchsten Herren solche unmittelbar denen Teilnehmenden zugestellt haben.“ Von dem, was der sächsische Kurfürst gespendet hat, ist wenig überliefert. Bischofswerder soll von ihm eine Dose im Werte von 30 000 Talern erhalten haben[137]. Wenn dies nicht Übertreibung enthält, so würde es sich aus der sehr mächtigen Günstlingsstellung des Beschenkten erklären. Nach Böttiger-Flathe[138] soll Herr von Calonne, der frühere Finanzminister Ludwigs XVI., auf sein zudringliches Bitten hin vom Kurfürsten 12 000 Taler für den Grafen von Artois erhalten haben, ebensoviel wie später der Graf von Provence (Ludwig XVIII.), als er im Jahre 1796 als Verbannter eine Zeitlang in Leipzig lebte. Von allen Spenden am interessantesten ist aber die Zuweisung von 1000 Dukaten, die Leopold II. an den Minister von Gutschmid machte. Noch im Jahre 1791 wurde daraus eine Stiftung zur Unterstützung würdiger und bedürftiger Söhne evangelischer Prediger der österreichischen Monarchie errichtet[139], welche auf den Universitäten Leipzig oder Wittenberg studieren und selbst evangelischen Glaubens sind[140]. Dies wurde von den Zeitgenossen um so mehr gepriesen, als Kaiser Joseph II. allen in Sachsen und Brandenburg studierenden Theologen ein Amt in seinen Ländern verboten haben sollte!

Es hat natürlich an Verherrlichern des Festes nicht gefehlt. Der Herausgeber des mit Anekdoten reich gewürzten Schriftchens „das Fürstenfest“ fügt seinen Nachträgen noch eine Anzahl Gedichte bei; davon sind zwei von dem kurfürstlichen Bibliothekar C. W. Daßdorf[141]. Das erste „Ankunft Leopold des Zweyten“ enthält in seiner Fülle des Lobes nichts Charakteristisches. Es ist erklärlich, daß der Kaiser, der nach allen Seiten, in den [144] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/147 [145] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/148 [146] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/149 [147] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/150 [148] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/151 [149] Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/152 [150] Jagden. Am 22. Oktober 1893 erschien Kaiser Wilhelm II. beim 50 jährigen Militärjubiläum König Alberts zur Beglückwünschung. Zu den Geburtstagen König Alberts 1894 und 1896 kam der Kaiser zur Parade. 1896 folgte er einer Einladung zur zweiten internationalen Gartenbauausstellung am 9. Mai. Hierbei war es der Stadt Dresden zum ersten Male beschieden, einen Deutschen Kaiser zu bewirten. Am 23. April 1897 war er als Geburtstagsgast König Alberts anwesend. Am 23. April 1898 begrüßte Wilhelm II., zugleich mit Kaiser Franz Joseph, den siebzig Jahre alt gewordenen König Albert, der zugleich sein 25 jähriges Regierungsjubiläum feierte.

Im Jahre 1900 war der Kaiser mit seiner Gemahlin beim Ableben der Herzogin zu Schleswig-Holstein am 25. und 26. Januar in Dresden; in demselben Jahre und 1901 wiederum am 23. April zum Geburtstagsfeste. 1902 wohnte er am 23. Juni der feierlichen Bestattung König Alberts bei. 1903 erschien er am 17. März zur Erwiderung des Besuches, den ihm König Georg in Berlin abgestattet hatte, in unserer Stadt. 1904 war er am 19. Oktober bei der Beisetzung eben dieses Fürsten gegenwärtig. 1905 am 25. Oktober erwiderte er den ersten Besuch König Friedrich Augusts in Berlin. 1907 erschien er am 25. Mai zum Geburtstage eben dieses Königs in Dresden.

Sieben Kaiser des alten Reiches sind im Verlaufe von rund 450 Jahren in Dresden gewesen: den dritten Kaiser des neuen Reiches hat Dresden im Verlaufe von 23 Jahren 19 mal in seinen Mauern gesehen.


  1. Sehr scharfe Beurteilung Christians II. und seines Bruders Johann Georg bei Breyer, Geschichte Maximilians I. von Bayern und seiner Zeit. Bd. 3, S. 25.
  2. H.St.A. Loc. 8555 Röm. Kays. Maj. Matthiessen Schreiben an Churfürst Joh. Georg I. 1612-1625 (es sind auch Briefe Ferdinands II. nach des Matthias Tode 1619 eingeheftet).
  3. a. a. O. 12. Sept. 1612.
  4. Er wohnte nach H.St.A. Loc. 10676, das Erste Buch Succession am Römisch. Reich betreffend, 1613-1617, Bl. 54, im güldnen Stern.
  5. a. a. O. Bl. 217.
  6. a. a. O. Bl. 297b.
  7. a. a. O. Bl. 205.
  8. a. a. O. Bl. 207.
  9. a. a. O. Bl. 420. Zeidler an Caspar v. Schönberg 7. Juni 1617.
  10. Stadt auf dem linken Moldauufer, nicht weit von der Einmündung der Moldau in die Elbe.
  11. a. a. O. Bl. 430.
  12. Dieser, ein Oheim zweiten Grades des Albrecht von Waldstein aus dem Hause Arnau, stammte aus der Linie Waldstein-Wartenberg und starb 1638.
  13. a. a. O. Bl. 452.
  14. a. a. O. 3./13. Juli 1617.
  15. a. a. O. Bl. 466.
  16. a. a. O. Bl. 468.
  17. a. a. O. Bl. 480.
  18. Dies im deutschen Renaissancestil erbaute Lusthaus (Abbildungen davon in Meiche, Die Burgen der Sächsischen Schweiz 1907, S. 105 und 109) ist im 30jährigen Kriege durch die Schweden unter Baner zerstört worden. Das Bild eines großen Trinkgefäßes, das Johann Georg I. in Gestalt des Lusthauses hat anfertigen lassen, ist zu sehen in Heckel, Das Pirnaische Elend, 1769, S. 27.
  19. Moritzstraße.
  20. a. a. O. Bl. 480 u. flg.
  21. Da damit doch wohl die sonst dem Hofzwerge eingeräumte Wohnung gemeint ist, kommt uns dies etwas seltsam, fast spöttisch vor.
  22. a. a. O. Bl. 502
  23. H.St.A. Loc. 9936 Kaiser Matthias’ Reise nach Dresden 1617.
  24. H.St.A. Loc. 10735 Wie Kaiser Matthias nebst der Königl. Würde Böhmen und Erzherzog Maximilian zu Oesterreich Churfürst Johann Georgen den 1. zu Sachsen in Dresden besuchet 1617 Bl. 2.
  25. H.St.A. Loc. 10735 Anordnung in der Stadt und Vestung Dresden wegen den Einzug des Kaysers Matthias ao. 1617.
  26. Loc. 10735 Anordnung usw.
  27. Königl. Bibl. Ms. R. 7b. – In Ms. R. 7c ist ein solcher Löwen- und Bärenkampf auf dem Titelblatte abgebildet.
  28. Dergl. schriftliche und gedruckte Zeitungen im Herzogl. Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst; ferner Vera Descriptio Visitationis.... Dresden 1617 (Königl. Bibl. zu Dresden Hist. Saxon. G. 132, 7).
  29. Viktor Hantzsch in Meiche, Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der Sächs. Schweiz, S. 97. – Sachsens Kirchengalerie 4, 28.
  30. Das Exemplar auf der Königl. Bibliothek in Leder und Goldschnitt mit je einem aufgeprägten Hirschbilde in den 8 Ecken der Decken ist gewiß dem Kurfürsten selbst geschenkt worden.
  31. Nach freundlicher Mitteilung des Herrn Dr. Meiche besagt eine Notiz in Loc. 8390 Acta Unterschiedene Gruppierungen usw., daß an der Grenze am Felsen oben ein „Auerhan stehe“. Der Schenksche Atlas verzeichnet auch auf der linken Seite der Klopptbach (Niedergrund) ein Tal, Namens Auerhahnwinkel. Bei Avenarius heißt es:

         Daselbst ist in einem Stein,
    Gehawn ein großer Awerhan,
         Gar eigentlich man ihn sehn kann ...

  32. Das Bild ist wiedergegeben bei Meiche, Die Burgen der Sächs. Schweiz, S. 125.
  33. Königl. Bibliothek Ms. R. 7c.
  34. Beschluß der ausführlichen Beschreibung ... der Stadt Pirna. 1772 S. 11 Anmerkung. Historische Beschreibung von der Ankunft der Röm. Kaiser und Könige allhier in Pirna. 1766 S. 6.
  35. Panegyrici Caesario-Regio-Archiducales .... a Poetis aliquot Territorii Elect. Saxon. Celebribus. Dresdae. Gimel Bergen. – Urban Hantschmann, Simeon Reinhard, Balthasar Simon, Gregor Kleppisch, Johann Burcart, Elias Rudel sind die Dichter. – Plausus adventorius pro Matthiae .... ad Joh. Georgium adventu 25. Julii (4. August) Anno 1617. Dresdam, herausgegeben von Johannes Süße.
  36. Auf der Königl. Bibliothek vorhanden.
  37. Hilarothrenus Epigrammatum.
  38. Derselbe Gregorius Kleppisius hat im Jahre 1623 eine Sammlung deutscher und ins Lateinische übersetzter Sinnsprüche mit Kupferstichen in Verbindung mit dem Kupferstecher Grallius herausgegeben, die er unter dem Titel Emblemata varia Johann Georg I. widmet. Auf dem in reichem Renaissancestil gehaltenen Titelblatt ist ein Bild Dresdens angebracht, das den Beginn des Festzuges 1617 zeigt. Im Hintergrunde Altstadt-Dresden, auf dessen Wällen Kanonen gelöst werden; auf dem Elbstrome mehrere Schiffe, im Vordergrunde auf der Mönchswiese das Zelt, vier Kutschwagen, Reiterei und Fußvolk im Zuge dahinschreitend, offenbar der Einzug des Kaisers Matthias in Dresden 1617.
  39. Vera Descriptio usw.
  40. Abbildung von ihr und den Dächern und Turmhauben des Jägerhofes auch in Ms. R. 7c (Königl. Bibl.). S. auch in Wecks Chronik eine Abbildung davon S. 64.
  41. Dies ebenso wie das Krummhorn ein großes Holzblaseinstrument, von Haydn in den Vier Jahreszeiten (Chorlied im Herbst) noch erwähnt: „es dudelt der Bock“.
  42. Auch in unsern Tagen sind bei festlichen Gelegenheiten Fahnen von verwegenen Turmsteigern auf den höchsten Spitzen angebracht und tags darauf wieder heruntergeholt worden, so vor einigen Jahren in Wien auf dem Stephansturm.
  43. Ein hölzernes Blasinstrument, dem Fagott gleichend.
  44. Vielleicht „modulierten“?
  45. Schäfer, Sachsenchronik, Serie 1 S. 517. – M. Fürstenau, Zur Geschichte der Musik und des Theaters I. 1861.
  46. H.St.A. Loc. 10676, S. 542.
  47. Er litt fünf Tage lang, da das Podagra „in die Füß und in die Achseln gekommen“. Schriftl. Zeitung vom 12. August 1617. Herzogl. Anhalt. Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst.
  48. Sponsel, Fürstenbildnisse aus dem Hause Wettin. S. 46.
  49. Herzogl. Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst. Schriftl. Zeitung vom 5. August, Prag. – Desgl. vom 12. August. – Khevenhiller, Annales Ferdinandei, VIII, S. 1148.
  50. Dorthin verlegt Avenarins, der hinzufügt: „Die alte Rennbahn im Zwinger, die habe ich gar offt gesehn“, das Fest. Nach Weck S. 391 wäre es „auf der großen Pastey hintter dem Zeughause, allwo etliche Triumphportale und schöne Gezelte aufgerichtet waren“ abgehalten worden.
  51. S. Abbildung davon in den Dresdner Geschichtsblättern Bd. 1. S. 72, entnommen aus Msc. R. 7b. – In der Erläuterung dazu hat O. Richter die Beschreibung einer 1614 abgehaltenen Tierhetze benutzt. – S. auch Dr. Beutel, Der Altmarkt als geschichtlicher Schauplatz. Dresdner Geschichtsblätter Bd. 4. S. 6.
  52. J. S. Müller, des Hauses Sachsen Annalen 1701, S. 312.
  53. Abgedruckt bei Seussius: Wunderliche Translocation des Weltberühmten und fürtrefflichen Berges Parnassi und seiner neuen Göttin mit ihrem Großfürsten und Präsidenten Apolline, die .... zu Ehren in die Wohlverwahrte Hauptvestung Dreßden ablegiert worden seyn.
  54. Dorf zwischen Neudeckmühle und Wilsdruff.
  55. Gemeint ist Groß- oder auch Schönpriesen vor Aussig; auch Prießnitz genannt.
  56. Hauptquelle: Sitzungsprotokolle in dem schon mehrfach herangezogenen Aktenstücke H. St.A. Loc. 10676 Erste Buch Succession am Römischen Reich 1613–1617 Bl. 569–583. (Nur in den Hauptpunkten schon benutzt in W. Meier, Composition und Sezession unter Kaiser Matthias 1615–1616 Bonn 1895) – Schreiben Klesls in Hammer-Purgstall, Klesls Leben Bd. 3, Anhang.
  57. Das Protokoll über die Verhandlungen ist a. a. O. sechs Tage nach der Abreise des Kaisers datiert.
  58. Die Kurfürstin gab den 23. Dezember 1617 einer Tochter das Leben.
  59. Hammer-Purgstall, das Leben des Kardinal Klesl. Bd. 3. S. 571 flg.
  60. a. a. O. S. 574.
  61. Mitteilung aus dem Herzogl. Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst.
  62. H.St.A. Loc. 10676, Erste Buch usw. Bl. 584.
  63. a. a. O. 592, 593.
  64. a. a. O. Bl. 589, 600, 601.
  65. In Loc. 8575 Briefe, Gelasse, fürstliche Schreiben 1591–1687 Blatt 18 und Loc. 8685 Verzeichnis der heiligen Christ-, Neuen Jahres- usw. Verehrungen und Geschenke 1611–1618 an verschiedenen Stellen als Kurfürstlicher Lieferant genannt. Ratsarchiv 147. Goldschmiedinnung. Von 1592–1633 als Mitglied aufgeführt als Michael Bezau, Pezaw, Pözo, Peza.
  66. Die schlesischen Stände gaben ihm z. B. bei Ferdinands Huldigung 1617 15000 fl., die Lausitzer 10000 fl. Hurter, Kaiser Ferdinand II. Bd. VII, 215.
  67. Khevenhiller Annales Ferdinandei 1723, Bd. VII; VIII, S. 1142.
  68. Mitteilungen des Instituts für Oesterreichische Geschichtsforschung Ergänzungsband 5, 1903. Johannes Müller: Die Vermittelungspolitik Klesls von 1613 bis 1616 im Lichte des gleichzeitig zwischen Klesl und Zacharias Geizkofler geführten Briefwechsels S. 689 und 621.
  69. Häberlin-Senkenberg, Neuere Deutsche Reichsgeschichte 24, 121 vermutet, daß Ferdinand und Maximilian auf Klesls Mitkommen gedrückt haben, um ihn zu demütigen.
  70. Herzogl. Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst.
  71. a. a. O. S. 1147.
  72. Loc. 10676 Succession usw. Bl. 583.
  73. Herzog. Anh. Hausarchiv. – Vehse, Geschichte der Höfe des Hauses Sachsen Bd. 3 S. 4 berichtet, der lustige Prof. Taubmann habe Klesl bei Tafel gefragt: wo Gott nicht sei? Klesl habe geantwortet: in der Hölle, sei aber dahin berichtigt worden: Nein, in Rom, denn da habe er seinen Statthalter. – Möglich, daß dieser gewiß schon ältere Witz damals in Zusammenhang mit Klesls Anwesenheit am sächs. Hof gebracht worden ist; Taubmann kann den Kardinal aber nicht gut gefragt haben, denn er war schon 1613 gestorben.
  74. E. Otto, der Streit der beiden sächsischen Hofprediger D. Matthias Hoë von Hoënegg und Mag. Daniel Hänichen (1613–1618), Beiträge zur Sächs. Kirchengeschichte 1908 S. 82 flg.
  75. E. Otto, die Schriften .... Hoës von Hoënegg, kritisch gesichtet und geordnet. Dresden 1898, S. 8.
  76. H. Knapp, Matthias Hoë von Hoënegg und sein Eingreifen in die Politik und die Publicistik des 30jährigen Krieges. Halle 1902.
  77. Loc. 10676 Bl. 497a.
  78. J. A. Gleich, Annales Ecclesiastici 1730 Bd. II, S. 81.
  79. E. Otto, der Streit usw. S. 100.
  80. Über das unmäßige Trinken während der Anwesenheit Kaiser Maximilians II. in Dresden 1575 hatte der Fürst von Anhalt dem Grafen von Henneberg gar viel zu berichten gehabt (s. Dresdner Geschichtsblätter 1908); da selbst der römische Kardinal Klesl 1617 einen Rausch gehabt hat, ist wohl anzunehmen, daß auch bei des Kaisers Matthias Anwesenheit, entsprechend der persönlichen Neigung Johann Georgs I., stark getrunken worden ist; doch schweigen die Berichte darüber.
  81. Offenbar. Joh. 3, 14–18.
  82. Einen ähnlichen Witz legt Vehse Bd. 30, 44 dem lustigen Prof. Taubmann in den Mund: In CLesel seien 150 Esel enthalten.
  83. K. G. Helbig: Eine fürstliche Reise 1652. Archiv für die Sächs. Geschichte. Bd. VI, S. 294 ff-
  84. Auerbach, La diplomatie française et la cour de Saxe 1648-1680. S. 89.
  85. H.St.A. Loc. 10682 Reisejournal. – Přibram, zur Wahl Leopolds I. (1654-1658). Archiv für österreichische Geschichte. Bd. 23, S. 153.
  86. A. A. Heigel, der Österreichische Erbfolgestreit und die Kaiserwahl Karl Alberts. Nürnberg 1877.
  87. Heigel a. a. O. nennt ihn durchgehends irrtümlich Rustowski.
  88. Loc. 732. Vitzthums Depeschenkonzepte und Flemmings Ministerialschreiben.
  89. Görler, Studien zur Bedeutung des Siebenjährigen Krieges für Sachsen. Neues Archiv für sächs. Geschichte. Bd. 29. S. 129.
  90. Otto Schmidt in den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen (Bd. 4 1897, S. 227): Kaiser Joseph in Meißen.
  91. Hierzu wichtig: Die politische Korrespondenz Friedrichs des Großen Bd. XXV. – Oeuvres de Frédéric le Grand Bd. XXXIX (Korrespondenz zwischen ihm und Maria Antonia) – Arneth, die Korrespondenz Maria Teresias und Josephs II. 1867 - Adolf Beer, die Zusammenkünfte Josephs II. zu Neiße und Neustadt. Archiv für österreichische Geschichte Bd. XLVII. S. 385f. – Alfred Loebl, Österreich und Preußen 1766-1768. S. 378 ff. – Arneth, Maria Theresia, Bd. VIII S. 107 ff.
  92. Adolf Beer, a. a. O. S. 436 ff.
  93. Sächsisches Schloß nahe bei Prettin, 1½ Meilen von Torgau gelegen, von Friedrich u. a. als Treffpunkt gedacht.
  94. Kloster Zinna, ein ehemaliges Zisterzienserkloster, nicht weit von Jüterbog an der Nuthe gelegen, war 1764 als selbständiger Ort von Friedrich dem Großen neu gegründet worden.
  95. Arneth, Maria Theresia und Joseph II. 1867. Bd. I.
  96. Loc. 3062. 1766.
  97. Arneth, Maria Theresia Bd. VIII, S. 116.
  98. Loc. 3001, Stutternheim à Berlin 1766, Blatt 189 ff.
  99. Politische Korrespondenz Friedrichs d. Großen Bd. XXV, 25. Oktober 1766.
  100. Oeuvres de Frédéric le Grand, Bd. XXIV, unter den betreffenden Daten.
  101. d. h. in das noch heute bestehende, berühmte Geschäft Abraham Dürninger.
  102. Memoiren I, 212.
  103. Bischofswerder war so schnell und so heimlich von Berlin abgereist, daß man schon geargwohnt hatte, der „Laubfrosch“, so wurde er wegen seiner grünen Uniform genannt, sei durch die Ränke einer Geliebten des Königs, der Gräfin Dönhoff, in Ungnade gefallen. – v. Krosigk, Graf Karl Brühl. Berlin 1910, S. 166.
  104. Vivenot, Österreichs deutsche Kaiserpolitik I, S. 147.
  105. Da Marcolini nicht in öffentlicher Sendung, sondern in Geschäften des Kurfürsten nach Mailand geschickt worden ist, sind im K. S. Hauptstaatsarchiv Berichte über seinen Aufenthalt in Italien nicht vorhanden.
  106. Briefe der Erzherzogin Marie Christine, Statthalterin der Niederlande, an ihren Bruder Kaiser Leopold II. (herausgegeben von Hans Schlitter in Fontes rerum austriacarum, II. Bd. 48, S. XXXIII u. folgende).
  107. K. S. Hauptstaatsarchiv Loc. 892. Zusammenkünfte. Papiers rélatifs à l’entrevue de l’Empereur Leopold et du Roi de Prusse à Pillniz en Août 1791.
  108. Loc. 892, Zusammenkünfte usw.
  109. a. a. O.
  110. Briefe der Erzherzogin Marie Christine an Leopold II., S. 101 ff.
  111. Diese Verlegenheit erklärt sich vielleicht auch zum Teil aus seiner Kurzsichtigkeit, über die sich Friedrich Wilhelm II. gegenüber dem Grafen Karl Brühl 1788 gelegentlich lustig machte. v. Krosigk, Karl Graf von Brühl. Berlin 1910. S. 153.
  112. Sie hatte das Unglück, daß die vier Kinder, die sie von 1796 an ihrem Gemahl geschenkt hat, alle frühzeitig gestorben sind. – Anton Graff hat sie mehrmals gemalt.
  113. Die Anwesenheit Sr. Röm. Kays. Majt. Ecopolds des 2ten nebst des Erzherzog Franz Königl. Hoheit, ingl. Sr. Königl. Preuß. Maj. Friedrich Wilhelm des 2ten nebst des Kronprinzen von Preußen Königl. Hoh. in Pillnitz, im Monath August 1791 betreffd.
  114. Ratsarchiv. G. XXVIII. 31. Acta die wegen der im Churfürstl. Hoflager zu Pillnitz in der Woche vom 21. Aug. 1791 eintreffenden fremden höchsten Herrschaften allhier getroffenen Vorkehrungen betreffend.
  115. Wie es scheint, hat sich die Nachfrage aber nur auf Dresden-Altstadt erstreckt.
  116. Hier möchte ich daran erinnern, daß ich noch Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts abends habe große Schafherden in die Schäferei auf der linken Seite der äußeren Rampischen Gasse (jetzt Pillnitzer Straße) von einem alten Schäfer mit seinem charakteristischen Humpelgange eintreiben sehen; ebenso noch auf der rechten Seite den Brand zwei großer Wiesnerscher Scheunen in der Gegend der jetzigen Mathildenstraße.
  117. Die altertümlichen doppelten Höfe der Grundstücke Große Plauensche Straße 4 und 6 erinnern noch heute an den Betrieb von Ackerwirtschaft.
  118. A. v. Minckwitz, Geschichte von Pillnitz von 1403 an. Dresden 1893. – C. Gurlitt, Die Kunstdenkmäler in Dresdens Umgebung I, 1904, S. 169.
  119. Hauptstaatsarchiv Loc. 738, Die Depeschen des Grafen von Schönfeld 1791.
  120. F. Hegard, Lebensgeschichte Kaiser Leopolds II, Prag 1792, S. 173.
  121. Schönfeld an Loß 20. August 1791. – Hauptstaatsarchiv Loc. 3402, Gesandtschaftliche Papiere des Grafen von Zinzendorf zu Berlin, 8. August 1791.
  122. Schönfeld a. a. O. 31. August 1791.
  123. Geb. 12. Februar 1768. Wenige Monate nach der Pillnitzer Zusammenkunft, am 12. Dezember 1791, wurde diesem jungen Fürsten zu Wien eine Tochter, Marie Luise, geboren, die dereinst als Gemahlin Napoleons in Dresden und in Pillnitz erscheinen sollte.
  124. Den Überrock soll Leopold beim Peterswalder Gastwirt zurückgelassen haben und gemeint haben, er werde ihn sich bei der Zurückkunft schon abholen. Die kaiserliche Postchaise hat der Pirnaische Gastwirt Schmoll wieder ausgeflickt und nachmittags nach Pillnitz gebracht.
  125. Charles Brühl, der dritte Sohn des bekannten sächsischen Ministers.
  126. Der Aufenthalt der Fürstlichkeiten in Pillnitz und in Dresden ist nach den Akten des k. Archivs und des Hofmarschallamtes, sowie nach einem Büchlein geschildert: Das Fürstenfest oder umständliche Beschreibung der Feyerlichkeiten etc. in Pillnitz und in Dresden vom 25. bis 27. August 1791. Friedrichstadt bey Dresden. – In diesem Werke scheint mancher aufgeputzte Anekdotenkram nach nicht verläßlicher Quelle oder nach Phantasie zu sein. Durchgängig glaubhafter ist der Bericht eines Augenzeugen, den W. Schäfer in der Sachsen-Chronik II, S. 66 benutzt. Er ist am 31. August 1791 in Dresden abgefaßt und hat dem Herausgeber im Original vorgelegen. Der Verfasser selbst will aus Vorsicht seinen Namen nicht genannt wissen. Vielleicht ist es ein Hofbeamter; sicher ein Beamter.
  127. Der bekannte Freund der Familie Körner, Elisas von der Recke und der Herzogin Dorothea von Curland; er verließ noch 1791 den diplomatischen Dienst.
  128. Vivenot, Österreichs deutsche Kaiserpolitik I, S. 237.
  129. Dieser war Lord Elgin, nachmals berühmt geworden durch die Überführung der Parthenon-Marmorbilder nach England.
  130. Vivenot a. a. O S. 237.
  131. Es war dies nach Böttiger der Inspektor Wacker.
  132. In demselben Saale hörten am 24. Mai 1812 die beiden Thronerben von Österreich und Preußen, Franz und Friedrich Wilhelm als Kaiser und König, mit Kaiser Napoleon, König Friedrich August und einer glänzenden Gesellschaft ein Hofkonzert; das Gebäude brannte am 6. Mai 1849 während der Revolution ab.
  133. Der Augenzeuge spricht von 1 500 Lichten, drei, höchstens vier auf das Pfund; die halb heruntergebrannten wurden alsbald durch neue ersetzt; Aufwärter in Türken-, Mohren- oder Bergmannstracht bedienten allenthalben.
  134. Klemm, Dresdens Chronik V, 533 berichtet, daß der Kaiser nicht tanzte, „der Kronprinz von Preußen aber u. a. die Tochter eines Hofkammerdieners zum Tanze aufzog“. Diese verbat die Gnade und eröffnete frei ihren Stand. Der Kronprinz ließ jedoch die Entschuldigung keineswegs gelten und tanzte mit ihr. Dem preußischen Kronprinzen gefiel es so, daß er ungern vom Feste schied. In seiner Freude umarmte er den Prinzen Anton, daß dieser „für Angst“ laut schrie.
  135. Bei der Abreise des Kaisers soll Friedrich Wilhelm die Hand seines Kronprinzen genommen und sie in die Hand des Erzherzogs Franz mit den Worten gelegt haben: „Meine Herren. Sie haben gesehen, wie herzlich die Väter sich liebten, fahren Sie einst auch nach unserem Tode fort, so gute Freunde zu sein.“
  136. O’Byrn, Graf Marcolini. – Lippert, Neues Archiv für Sächs. Geschichte Bd. XX, S. 121.
  137. Das Fürstenfest S. 36. – Nach Angaben des Augenzeugen des Festes (Sachsenchronik II, S. 82) war in der Dose eine goldene Uhr in Brillanten gefaßt und von rohen Diamanten umgeben.
  138. Geschichte Sachsens II, S. 494.
  139. S. auch Hasche, Geschichte Dresdens V, S. 68. – Klemm, Dresdner Chronik I, S. 529. – Böttiger-Flathe II, S. 594.
  140. Wie mir aus dem Kultusministerium mitgeteilt worden ist, ist zufolge der zwischen den Kronen Sachsen und Preußen unter dem 25. Dezember 1825 abgeschlossenen Konvention das Stiftungsvermögen hinsichtlich der Universität Leipzig zur Hälfte bei Sachsen verblieben. Aus diesem Zweige der Stiftung, der den Namen „Oesterreichische Stiftung“ führt, werden gegenwärtig noch zwei Stipendien von je 300 Mark jährlich an in Leipzig studierende Stiftungsberechtigte verliehen.
  141. S. über ihn Ad. Kirschner im Dresdn. Anz. 1909 Sonntags-Beilage Nr. 40, S. 171.