Die Adelsberger Höhle
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DIE GROSSE ADELSBERGER GROTTE
In keinem der Höhlenbilder, die wir noch unsern Lesern vorgeführt haben, hat die baukünstlerische Hand der Natur so unerschöpflich an Idee, so erfinderisch in Formen und so verschwenderisch in der Ausstattung gewaltet, als in den krainer und illyrier Höhlen. Die dortige Kalksteinformation, die in der Oberfläche eine dürre, steinige und wüste Gegend bildet, hat sich unterirdisch eine zauberische Welt geschaffen, ein Labyrinth von wunderbaren Stalactyten-Bildungen, die viele Quadratmeilen weit sich erstrecken und durch mehr denn tausend Eingänge den Zutritt gestatten. Der bekannteste, besuchteste und an Reichthum und Großartigkeit ihrer Bildungen interessanteste Theil aber, das Westende der wunderbaren Grottenstadt, ist die Höhle im adelsberger Kreis. Ein Flüßchen, das sich durch das Mundloch in das Innere der Höhle ergießt, zeigt den Weg. Nachdem man hundert Schritte längs eines engen Kanals zurückgelegt, öffnet sich die unterirdische Landschaft in ein tiefes Thal, in das der Fluß über einen jähen Abhang brausend hinabstürzt und gewährt durch die magisch erleuchteten hohen Felsspalten und Seitengänge den Eindruck einer Fernsicht in den Alpenregionen bei sternheller Nacht. Ein Pfad führt hinab über eine Brücke nach der andern Seite der Schlucht zu den hohen Galerien und Gängen, die da ausmünden. Schimmernd weiße Säulen wölben sich über den Eintretenden, der das dröhnende Echo seiner Schritte hört, wie in den langen Kreuzgängen eines gothischen Klosters. Weiter und höher werden die Gänge, die Tropfsteinbilder immer imposanter, bis der Raum sich zum Schiff eines hohen Domes erweitert, der wie aus weißem Marmor gemeißelt scheint. Kleinere Kuppeln und Hallen stoßen daran, von schlanken maurischen Säulen getragen, mit Schnitzwerk und Arabesken an den Kapitälern, so reich und schmuck, wie die Gemächer der Alhambra. Von einem Säulengange wandert man nun in den andern, von einem Dom zum andern, von einer Palaststraße in die andere; unendlich ist die Mannichfaltigkeit der Formen, der Baustyle, der Façaden und Dekorationen, und die umherschweifende Phantasie entdeckt mit jedem Schritt neue Gestalten, neue Erscheinungen, neue Ebenbilder von thierischen oder menschlichen Schöpfungen; im Volksmunde haben sich hier die meisten stabilen Namen gebildet, so der versteinerte Wasserfall, eine große und kleine Kanzel, eine Orgel, eine betende Jungfrau, ein Löwe, ein Palmbaum und noch allerlei Gethier und Gewächs, welche die Führer dem Besucher alle so bestimmt benennen, als wären sie Taufzeugen gewesen. In einem Turniersaal hält das Landvolk der Umgegend
[66] jährlich Ball, und selbst ein Kalvarienberg mit den Figuren der Gekreuzigten versammelt zeitweilig Andächtige sogar im unterweltlichen Reiche des Leibhaftigen.
Das einzige animalische Leben in dieser ewigen unterirdischen Nacht ist ein seltsames, aber wunderbar schön gebildetes Thierchen, spannengroß, halb Fisch, halb Eidechse, das die Gewässer der Höhle bewohnt.