Die Grenzfeste Roma in Serbien

DIX. Der Donauwirbel unterhalb Grein in Oesterreich Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band (1844) von Joseph Meyer
DX. Die Grenzfeste Roma in Serbien
DXI. Portsmouth
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ROMA IN DER TÜRKEY

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DX. Die Grenzfeste Roma in Serbien.




Unterhalb der serbischen Hauptstadt Semendria, deren dreiundzwanzig Thürme von ihrem früheren Glanze Kunde geben, mündet die Morawa in die Donau. Jener Fluß ist die Scheide zweier Reiche, mehrer Religionen und vielerlei Volks: denn an seinen Ufern und seinen Zuflüssen, welche in die unwegsamen Gebirge des Grenzlandes reichen, hausen die Trümmer der Nationen, welche einst vor Römerschwert und Völkerwanderungsdrang aus ihren heimathlichen Sitzen in die Berge flüchteten. Hier sehen wir die wohlgebauten Serben und Raitzen, schwarz von Haar und Bart, und ihre dunkelgelockten, dunkeläugigen Mädchen und Frauen in kleidsamen Trachten; den hagern, raschen Walachen mit dem gelblichen Teint, den Völker-Mischling der nachrömischen Epoche; armenische und jüdische Händler mit ihrem unaustilgbaren Typus des Orients; den gewandten, feurigen Szekler; den deutschen Bergmann, deutsch noch in Kleid und Sprache, in Zügen und Sitten, obschon er seit länger als einem Jahrtausend, der Heimath entfremdet, hier die Schätze der erzreichen Berge gräbt: die feste, gedrungene Gestalt, stark und kernhaft, mit Erzleder und schwarzem Bergkittel angethan und grüßend mit einem „Glück auf!“ – endlich die olivenfarbenen Zigeuner mit den schwarzen verfilzten Haaren, ihren blendenden Zähnen, ihren wohlgebauten, durch Lumpen kärglich verhüllten Leibern: das Volk räthselhaften Ursprungs, welches noch vor wenigen Jahrzehnten inmitten europäischer Civilisation ein gesetzloses Nomadenleben führte, bis es, überall ausgestoßen, sich hier in dem türkischen Grenzlande wieder zusammenfand.

Siebenbürgens Alpen strecken in dieser Gegend zahlreiche Arme der Donau zu. Es bilden sich dadurch eine Menge Querthäler, die weit hinauf in’s Gebirge reichen und Blicke in eine Alpenwelt gönnen, deren geheimnißvolle [135] Schönheit noch kein Reisender erforscht und beschrieben hat. Gehöfte und Weiler sind, wie verloren, an Hügeln und Bergabhängen hingestreut; nur am Ufer des Hauptstroms sieht man größere Ortschaften und Fischerdörfer, deren Häuser eine engere Gemeinschaft suchen. Wo aber eine schwer zugängliche Höhe am Ufer aufsteigt, da sieht man Schlösser und Burgen, Verschanzungen und Mauerwerke stehen zu kriegerischem Schutz.

Die serbische Bergveste Roma ist ein Bild dieser eigenthümlichen und reizvollen Landschaft. Sie rührt noch aus der Zeit her, wo die Römerherrschaft in diesen Gegenden wankte und der Adler der Welteroberer Schutz hinter Verschanzungen suchen mußte. Der Bau ist ein römisches Castrum und sehr gut erhalten. Selbst des Pulvers Macht hat die Cyklopenmauern nicht aufgesprengt, und wenn auch dem altersgrauen Hause der ursprüngliche Besitzer längst entwich und das innere Leben längst ihm abgestorben ist: die Form scheint unverwüstlich und wird noch vielen Jahrhunderten trotzen.