Ein Apotheker-Lehrvertrag 1718
| ← Sachsenbriefe aus der Paulskirche | Ein Apotheker-Lehrvertrag 1718 (1909) von Carl Hollstein Erschienen in: Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912) |
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Frau Anna Rosinen Müllerin Apothekerin Contract, so zwischen derselben und Moritz Racheln wegen Erlernung der Apotheker-Kunst aufgerichtet worden.
Im Nahmen der Hochgelobten heiligen Dreyfaltigkeit! Sei hiermit Kund und zu Wißen, Wie ich Moritz Rachel von Hier gebürtig, mit gutem Wißen und ein-Willigen meines Vormundes Herrn Carl Heinrich Kriegs mich wohlbedächtig zu tit. Fr. Anna Rosina gebohrne Staarosin, Weil. tit. Herrn Jodoci Müllers, Apothekers in der Königl. u. Churfl. Residenz-Stadt Dresden nachgelaßener Witben, vor einen Discipel die Apotheker-Kunst zu erlernen auf Sechs Jahr lang, als von Ostern anno 1718 bis Ostern anno 1724 versprochen. Gelobe und Verspreche demnach, bey obgedachter Fr. Müllerin als meine Lehrherrin mich allezeit fromm, getreu, fleißig, ehrlich, hurtig und auffrichtig zu verhalten, auch mich in keinerley Wege von jemand will verführen laßen, noch ohne Vorwißen meiner Frauen oder Vorgesetzten Provisores oder Gesellen etwas umsonst ohne Geld, es sey auch was es wolle, weggeben. In wehrenden meinen Sechs Lehr-Jahren soll und will ich mir nicht gelüsten laßen, etwann ohne erheblichen Ursachen auszutreten, über Nacht ausen zu bleiben oder gar davon zu gehen, Wenn ich auszugehen nöthig, um Vergünstigung bitten und meinen Vorgesetzten Nachricht davon zu geben, aller Näscherey, wie sie auch Nahmen haben mögen, und sonderlich des Branndtewein-Trinckens will ich gäntzlich meiden und mich nicht gelüsten laßen, Was mir an meiner Wohlfahrt Schaden bringet, zu thun, vielmehr dahin Trachten, dasjenige nach allen Vermögen zu verrichten und also zu verhalten, wie es einen gehorsamen, frommen Discipel zukommet. Auch will ich diese 6 Jahre über Kein Geld bey mir tragen noch herbergen, sondern alles, Was ich bekomme, meinem Herrn Vormund Carl Heinrich Krieg aufzuheben geben und von ihm abfordern, Was ich zu meiner Nothdurft nöthig habe. Die Kirche und Gottesdienst will ich ohne Noth niemahls versäumen oder an statt derselben unter der Predigt andere verdächtige böse Gänge gehen, sondern mich in allen so verhalten und aufführen will, daß meine Herrschaft und der Herr Vormund Ehre und Freude von mir haben sollen. Im Fall ich aber vorsätzlicher Weise meiner Frau Lehrherrin Schaden verursachen oder wohl gar Wißendlich etwas entwenden würde, davor mich Gott in Gnaden behüten wolle, So soll mein Herr Vormund dasjenige, was mir gezeiget werden kann, von meinen Vermögen solches ersetzen. Das mitgebrachte Bette, so gut ich es diese 6 Jahre über zu gebrauchen habe, soll sodann meiner Lehrherrin hernach verbleiben. Dagegen verspricht mir meine Frau Lehrherrin, daß Sie mich diese 6 Jahr über zuförderst zu Gott und seinen Wort treulich halten, mit nothdürftiger Speiß und Tranck versorgen, zu meiner profession und aller nöthigen Wissenschaften sorgfältig laßen anführen, mit einem guten Testimonio wegen meines Wohlverhaltens nach verfloßener Zeit beehren, auch so viel möglich vor eine Condition vor mich sorgen und in allen Begebenheiten recommendiren will. Daß nun dieses alles fest und unbrüchlich auf beyden Seiten gehalten werde, ist dieser Contract doppelt zu Papier gebracht, Von beyden Theilen eigenhändig unterschrieben und mit gewöhnlichen Petschafften bedrucket worden. So geschehen in Dreßden Ostern Anno 1718.
| (LS.) Anna Rosina Müllerin, Verwittbete Apothekerin. |
(LS.) Moritz Rachel. (LS.) Carl Heinrich Krieg als Vormund. |