Fort Snelling am Mississippi
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FORT SNELLING
(MINNESOTA)
Vor ungefähr fünfzig Jahren war auf dem Bergwall, welcher sich zwischen dem Sankt Petersfluß und dem Mississippi, beide Ströme trennend, bis zu dem Punkte hinschiebt, wo sie ihre Vereinigung bewerkstelligen, ein fremdes, wild bewegtes Leben. Sioux und Chippeways, die in tödtlicher Erbfeindschaft lebenden mächtigen Indianervölker, stritten sich Jahrhunderte lang um das Plateau, dem die Mythe vom großen Geiste eine religiöse Weihe gab, und an seinem Fuße wurden jene grimmigen Schlachten geschlagen, deren Schauerscenen in den Sagen beider Nationen ihren Wiederhall finden. Zuletzt blieb der geweihete Raum in dem Besitz der Chippeways, und er
[68] wurde die stärkste Ansiedelung des ganzen Stammes. 400 Wigwhams wurden unter dem Schatten tausendjähriger Eichen aufgerichtet, oder suchten den Schutz vor Wind und Wetter unter den überhängenden Felsen. Barhäuptige Gestalten, in Thierfelle gekleidet, ihre Säuglinge auf den Rücken gebunden, ruderten leichte Boote über den Fluß, andere richteten die Häute des Wildes zu, welches ihre braunen Herren getödtet hatten, während durch die Stille der Nacht oft das Wehklagen eines treuen Weibes ertönte, das an der hohen Bahre wachte, auf der der Leichnam ihres Mannes ruhete. Indianische Krieger, aufgeputzt mit Adlerfedern und anderem kriegerischen Schmuck, hielten hier ihre wilden Gelage, schmausten Wildpret und Büffelfleisch und machten den Wald von ihrem unharmonischen Gesang wiederhallen. Zu anderen Zeiten tönte das Echo des Kriegsgeheuls von den Felswänden wieder, die Ströme rötheten sich vom Blut der Sioux und Chippeways und zahlreiche Skalpe des Feindes bezeichneten den Triumph der siegenden Partei.
Das Lager der Chippeways ist jetzt von der Höhe verschwunden; auf seiner Stelle erhebt sich das stolze Castrum des weißen Menschen und statt des leichten Schwirrens der Pfeile dröhnt der eherne Mund des Geschützes und spricht zu den feindlichen Stämmen sein stolzes: – Haltet Frieden unter Euch, denn ich herrsche allein. – Fort Snelling hält mit einer Besatzung von 300 Mann Unionstruppen die ganze Gegend unterworfen. Die Wigwhams der Chippeways sind durch die Farms der Soldaten verdrängt, welche selbst einen großen Theil des ihnen nöthigen Proviants erbauen. Anstatt der Rufe des bemalten Kriegers hört man den Räderschlag des Dampfboots, oder den Gruß der Kanonen. Das Fort läuft nach dem Flusse zu in eine große halbmondförmige Bastion aus. Von der Plattform derselben ist die Aussicht herrlich. Nach Westen hin dehnt sie sich über ein nobles Plateau mit sanft wellender Oberfläche, unterbrochen von zahlreichen kleinen Baumgruppen, aus, während die dazwischen sich ausbreitende Prairie mit Seen bestreut ist. Erst weiter abwärts werden die Ufer romantisch. Schroff steigen da die Gestade auf, dichter Nebel in der Ferne deutet die Antonius-Fälle an, und am Horizonte schimmern an heiteren Tagen die weißen Häuser von St. Paul.