Mount Jefferson

Paris Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band (1857) von Friedrich Hofmann
Mount Jefferson
Der Dom von St. Gatien in Tours
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MOUNT JEFFERSON

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Mount Jefferson.




Unser Bild versetzt uns auf den Mount Washington, den höchsten Berg der „Nordamerikanischen Schweiz“ in New Hampshire. Auf seinem Scheitel (6226 Fuß über dem Meere) gewährt er einen Rundblick, von dem die Kunst uns denjenigen Theil wiederzugeben versucht hat, der uns den Gipfel des Mount Jefferson in seiner Höhe von 5657 Fuß als Hauptgegenstand zeigt.

Die „Weißen Berge“, diese Alpen der Union, haben als eine geschlossene Kette eine Ausdehnung von nur drei bis vier deutschen Meilen. Innerhalb derselben erheben sich, neben dem Washington und Jefferson, als andere angesehene Bergpräsidenten: der Adams von 5759, der Madison von 5415, im Nordosten des Washington, und der Mount Monroe von 5349, der Franklin von 4850, und der Mount Pleasant von 4712 Fuß Höhe. Dieser Hauptbergzug entsendet vom Norden New-Hampshire’s bis nach Connecticut hin einzelne, bald isolirte, bald zu kleineren Gruppen zusammengetretene Höhen. In einer der letzteren, 20 Meilen südwestlich von Mount Washington, steigt der Mount Lafayette bis 5500′ über d. M. empor und bildet einen zweiten Hauptpunkt der an Naturschönheiten so reichen Weißen Berge.

Die Mehrzahl der Besucher zieht zu diesen Wundern der Natur auf der landesüblichen Bahn der Konvenienz, d. h. auf der Boston-Montreal-Eisenbahn. Diese führt ihre Gäste längs der malerischen Ufer des Merrimack hin, wo im Vordergrunde rauhe, durchbrochene Hügel und über diesen in weiter Entfernung die hohen Gipfel der Weißen Berge emporsteigen. Man fährt in der Regel bis Weirs am Winnipiseogee-See, um welchen eine Dampfboottour gemacht wird. Der jährlich hier durchbrechende Strom der Reisenden rennt von da seinen gewöhnlichen Lauf mittelst des Eilwagens nach Conway, an der Ostseite des Gebirgszugs, und wird von dort in einer andern Postkutsche durch die berühmte Schlucht (Notch) der Weißen Berge nach dem Notch-Haus getragen, das mitten in dem Engpasse errichtet ist und von allen Besuchern der Weißen Berge zum Centralpunkt ihrer Exkursionen auserwählt wird. – Von hier aus ersteigt man gewöhnlich den Mount Washington. Es geschieht dies zu Pferde und auf einem Saumpfade, der den Reisenden erst auf den Mount Clinton führt, an dessen Fuß das Notch-Haus liegt. Von da geht es, ungefähr zwei Stunden lang, bald auf-, bald abwärts über eine rauhe, steile Felsenkette und schließlich am Rande eines mehre hundert Fuß tiefen Abgrundes hin auf den eigentlichen Kamm der Bergkette. Diesen verfolgend erreicht man den Fuß des Mount Washington, der von hier aus, [14] einem Kegel gleich, bis zu seinem Gipfel noch 1500 Fuß aufsteigt. Die Ueberwindung dieser letzten Höhe kostet noch bedeutende Anstrengung, ist aber, bei der Sicherheit der hiesigen Pferde im Bergsteigen, nicht gefährlich und außerordentlich lohnend. Der Gipfel ist kahl und mit riesigem Felsgetrümmer übersäet; nichts hemmt den Rundblick, der bei klarem Wetter Deinem Auge einen Kranz der entzückendsten Bilder vorführt. Im Südosten erglänzt am Horizont ein blendender Silberstreifen: der atlantische Ocean, der in 65 Meilen Entfernung die Küsten von Maine umspannt. Seen aller Größe, vom langgestreckten Winnipiseogee bis zu dem Bergsee von wenigen hundert Morgen tauchen in allen Richtungen auf. Felsen- und Bergketten, mit im Nebel eingehüllten Thälern, ziehen sich unter dem Beschauer gleich versteinerten Wellen eines Sturmmeers hin. Letzteres ist’s, was unser Künstler nach der bezeichneten Richtung hin darzustellen suchte. Die Amerikaner betheuern, daß der Besuch dieses Washingtongipfels allein eine Fahrt über den Ocean werth sei.