RE:Kratinos 3

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Sohn d. Kallimedes, neben Aristophanes u. Eupolis Hauptvertreter d. alten att.
Band XI,2 (1922) S. 16471654
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3) Sohn des Kallimedes (Suid. s. Κρατῖνος), neben Aristophanes und Eupolis Hauptvertreter der alten attischen Komödie (s. Horat. sat. I 4, 1. Vell. I 16, 3. Quint. inst. or. X 1, 66. Plat. π. διαφ. χαρ. 14). Wenn Zenobios III 81 (= Suid. s. Ἐπειου δειλότερος) ihn der Phyle Oineis zuweist, wird das auf einem Komikerwitz beruhen, der den trunkliebenden Dichter der Phyle des Weinmanns einreihte. Seine Lebenszeit ist strittig. Im J. 424 nennt ihn Aristophanes (Eitt. 533) γέρων, 421 (Frie. 700) erwähnt er ihn als tot. Gewöhnlich, so Meineke Hist. crit 45, setzt man auf Grund von [Lukian] macrob. 25, der ihn mit 97 Jahren kurz nach dem Sieg seiner Pytine (423) sterben läßt, seine Lebenszeit auf 520/19–423/2. Aber die Altersangabe des Verfassers der μακρόβιοι, der a. a. O. dieselbe Zahl von 97 Jahren auch den Komikern Philemon und Epicharm gibt, verdient keinen Glauben, und der 1 Tod bald nach Aufführung der Pytine ist der angeführten Stelle des Frieden entnommen. Daß aber Aristophanes’ Verse über seinen Tod Frie. 700ff.: Ἔρ. τὶ δαί; Κρατῖνος ὁ σοφὸς ἐστιν; Τρ. ἄπεθανεν, δθ οἱ Λάκωνες ἐνέβαλον. Ἔρ. τὶ παθῶν; Τρ. δ τί; ὠρακιάσαςὅν γὰρ ἔξηνεσχετο 1θων πίθον καταγνυμενον οἰνον πλέων nicht ernst zu nehmen sind, haben Bergk De rell. com. att. ant 187. Zielinski Rh. Mus. XXXIX 301 und Müller-Strübing Jahrb. für Philol. 4 CXLI 512 mit Recht behauptet. Der letzte Einfall der Lakedaiinonier in Attika war 425, also zwei Jahre vor Aufführung der Pytine. Witzig werden Aristophanes’ Verse erst, wenn K. unter den Zuschauern saß, Zielinski und Müller-Strübing wollen sie aus einer Situation der Pytine herleiten. Es ist also umgekehrt, zu schließen, daß K. 421 noch lebte. Stark herabgerückt würde der Tod des Dichters, wenn der Scholiast zu Ar. Vö 521 recht hätte, der5( von dem Seher Lampon bemerkt: ἔζη δὲ ἐπὶ τῆς τῶν *θρνί$ων διδασκαλίας, οὐχ ὡς τινες ἐτεθνὴ· κεί. πολλω γὰρ νστερον Κρατῖνος ἐν xfj Νεμεσεὶ οἰδεν αὐτὸν ζώντα. Diese Angabe kann nicht richtig sein, weil die Nemesis nach frg. 111 zu Perikies’ Lebzeiten aufgeführt ist, einen Versuch, dies Rätsel zu lösen, u. S. 1653, 40ff. Da wir nach der Pytine von keinem weiteren Stück des K. hören, wird er nicht lange nach der Aufführung des Friedens gestorben sein. Meinekes 60 Geburtsjahr 520/19 ist vermutlich erheblich zu hoch gegriffen: in der Siegerliste der Komiker an den Dionysien (Wilhelm Urk. dram. Auff. 107) steht K. zwei Stellen hinter Euphronios, dessen einziger Dionysiensieg ins X 458 fällt (Wilhelm a. a. O. 18), K. kann also frühestens 456 seinen ersten Sieg an den Dionysien errungen haben. Da Eusebios (vers. Arm. 104 Schoene) [1648] MAUUIUVS)

1040

s K.s Blüte auf 454/3 ansetzt » wird sein erster Dionysiensieg 453 fallen. Hiermit läßt sich die a Angabe des Anon. π. κωμ. 6 (Kaibel CGF i 17) vw? μετὰ τὴν πὲ ὀλυμπιάδα zur Not vereinigen, wenn man π (460–456) oder κατὰ τὴν na (456–452) schreibt. Daß aber der unbe-Î stritten größte Komiker seiner Zeit seinen ersten Sieg erst mit 66 Jahren errungen haben sollte, i ist ganz unglaublich, ein γέρων war er für Ari--10 stophanes im J. 424 auch schon, wenn er 484 geboren war. K. wird kaum vor der Schlacht von Marathon geboren und bald nach dem Ni-kiasfrieden gestorben sein.

Die Zahl seiner Siege gibt Suidas s. v. mit 9 an, und das wird voll bestätigt durch die Siegerlisten, die 6 städtische und 3 lenäische Siege verzeichnen (s. Wilhelm Urk. 107 und 123). Die Zahl seiner Stücke betrug nach Suidas und dem Anon. λ. κωμ. 21. Wir kennen 20 28 Titel: Ἀρχίλοχοι, Βουκόλος Βούοειρις, Δηλιάδες, Διδασκαλίαι, Διονυοαλέξανδρος, Διόνυσοι, Δραπέτιδες, Ἐμπιπράμενοι, Εὐνείδαι, θρθτταί, Ἰδαῖοι, Κλεοβουλῖναι, Ἀάκωνες, Μαλθακοί, Νέμεαις. Νόμοι, Ὀδυοσῆς, Πανόπται, Πλοῦτοι, Πυλαία, Πυτίνη, Σάτνροι, Σερίφιοι, Τροφώνιος, Χειμαζόμενοι, Χίρωνες,*Ωραι. Von diesen Stücken sind urkundlich datiert die Χειμαζόμενοι, Lenaeen 425 (hyp. Ar. Ach.), die Σάτνροι Lenaeen 424 (hyp. Ar. Rit.), die Πυτίνη Dionysien 423 (hyp.

50 V Ar. Wol.). Die Χειμαζόμενοι sind sicher, die Σάτυροι wahrscheinlich nicht nach Alexandreia gelangt, also vielleicht in der Zahl bei Suidas und dem Anonymos nicht einbegriffen. Sehr zweifelhaft sind weiter die nur je einmal bei Clemens Alexandrinus erwähnten Λάκωνες und Ἐμπιαράμενοι, letztere setzt D i n d o r f ziemlich kühn den ebenfalls nur selten (Schol. Ar. Thesm. 215 und Ekkl. 1121) genannten Ἰδαῖοι gleich, aber selbst wenn wir vier Titel als nicht 0 in die Bibliothek gekommen oder verdächtig streichen, bleiben 24 statt der von Suidas und dem Anonymos bezeugten 21. Für unzulässig halte ich die von Kock (Rh. Mus. XLVIII 238) vorgeschlagene Veränderung des nur durch Oros’ Lex. Messanense (Rh. Mus. ÏLVH 406) überlieferten Titels Διόνύοοι in Διονυοαλέξαν· ὄρος-, schon die für K. so charakterische Pluralform verbietet das. Der Widerspruch in den Zahlen läßt sich auch nicht mit Capps) (Harv. stud. in dass. phü. XV 71f.) durch die Annahme heben, daß unter den dem älteren K. zugerechneten Titeln Stücke des jüngeren K. mit unterlaufen, denn nur für den einmal zitierten Βούοειρις wäre die Zuweisung an den jüngeren K. möglich, und auch hier sprechen die Worte und der Buseiris des Epicharm eher für den älteren. Da in der Hypothesis des Dio-nysalexandros aus Oxyrhynchos (Oxyrh. Pap. IV 663) dies Stück als das achte des K. bezeichnet wird, habe ich Herm. XXXIX 484f. eine alphabetische Anordnung der Stücke des Dichters in der alexandrinischen Bibliothek angenommen, bei Einreihung der Διόννσοι und Zulassung der bekannten Freiheit in der alphabetischen Ordnung kann der Dionysalexandros nach Ἀρχίλογοι. Βουκόλοι, Βούοειρις. Δηλιάδες, Διδαοκαλίαι, Δραπέτιδες. Διόννοοι den achten Platz erhalten. Ich muß Flickinger (Class. Phil, λ’ 1910. 116) [1649] 164V Kratinos

zugeben, daß es leichter ist, die ähnlichen Zahlen in den Hypotheseis der Antigone und Alkestis durch chronologische Ordnung zu erklären, in der Hyp. I der Vögel ist sie freilich nur durch Änderung von λ«' in is zu erzwingen, aber eine wichtige Bestätigung hat Flickingers Ansicht durch die περιοχαὶ τῶν Μενάνδρου δραμάτων Oxyrh. Pap. XI 235 (vgl. Berl. Philol. Woch. 1918,787ff.) erhalten, wo die Nummer 71–79 (die Einer sind nicht sicher zu ergänzen) der ὄμβριοι schlechterdings nicht alphabetisch gefaßt werden kann. Gleichwohl ist es ausgeschlossen, daß der 430 gegebene Dionysalexandros chronologisch das achte Stück des K. war, und Flickingers Versuch, es bis 445 hinaufzurücken, ist ganz unmöglich (s. u.). Ich möchte also für die Stücke des K. doch an der alphabetischen Anordnung in Alexandreia festhalten, so mißlich die Annahme eines verschiedenen Anordnungsprinzips bei den verschiedenen Dichtern auch ist.

K. ist von den antiken Grammatikern eifrig behandelt worden, ὑπομνήματα θραττῶν Κρατίνου von Kallistratos erwähnt Athenaios XI 495 a und noch Galen schrieb (de libris suis 17) τῶν παρὰ Κρατίνῳ πολιτικῶν ὀνομάτων δύο. Da durch Herodian (π. μον. λεζ. II 945 L.) Beschäftigung des Symmachos mit K. erwiesen ist, wird man auch die Notiz Schol. Ar. Wesp. 151 ἐν δὲ τοῖς περὶ Κρατίνου διώριοται κτέ, auf einen Kommentar des Symmachos beziehen dürfen, vermutlich hat er also gerade wie von Aristophanes eine Auswahl der Stücke des K. kommentiert herausgegeben. Auf diese Symmachosausgabe habe ich Herm. XXXIX 494ff. die Oxyrhynchoshypothesis zurückzuführen versucht. Gelesen hat den Dichter noch im 5. Jhdt. der Grammatiker Oros (s. Lex. Messan. Rh. Mus. XLVn 406).

Das älteste Urteil über die dichterische Persönlichkeit des K. haben wir bei Aristophanes in der Parabase der Ritter 526–536. Hier wird seine alles fortreißende Kraft der Gewalt eines Bäume entwurzelnden Bergstroms verglichen und die große Beliebtheit seiner Lieder – angeführt werden zwei aus den Euneidai (Schol. Ar. Ritt. 529 und 530) – in der früheren Zeit hervorgehoben. Jetzt freilich, fährt Aristophanes fort, sei K. ein faselnder Greis, die Leier verstimmt und zerfallen, der Kranz verwelkt, der Durst groß. Dieser Angriff gab dem Alten noch einmal seinen Schwung wieder, im nächsten Jahr (423) brachte er sich in der Pytine mit genialer Persiflage selbst auf die Bühne und errang an den Dionysien einen vollen Sieg über den jungen Rivalen, dessen Wolken sich mit dem dritten Platz, hinter der Pytine und AmeipsiasKonnos begnügen mußten, eine von dem jungen verwöhnten Dichter lange nicht verschmerzte Niederlage. Die harmlosere Anulkung des K. im Frieden 700ff. ist oben behandelt. Eine Reihe von Jahren nach seinem Tode wird der Dichter noch einmal mit Auszeichnung von Aristophanes genannt, in den Fröschen (405) weist der Mysten-chor 3445. jeden von der Feier fort, wer nicht reinen Sinns und in den Dienst der Musen eingeweiht ist, μηδὲ Κρατίνου τοῦ ταυροφάγου γλώττης Βάκχε? ἔτελεσθη, da ist ihm K. also der größte Vertreter seiner Kunst. Ein kurzes Urteil über K. gibt der Anonymus π. κωμ, 6 (CGF T 7 Kaib.) γεγονὲ δὲ ποιητικώτατος κατασκευάζω? εἰς τὸν [1650] Kratinos 1650

«4Ζ;χνλου χαρακτήρα. Eingehender und wertvoller ist die wohl auf Dionysiadesχαρακτήρες (s. o. 8.1208, 54) zurückgehende Charakteristik desPla-tonios π. διαφ. χαρ. (CGF I 6 Kaib.): X. ὁ τῆς παλαιὸς κωμωδίας ποιητῆς, ἄτε θὴ κατὰ τὰς Ἀρχιλόχου ξηλώσεις, αὐστηρὸς μὲν ταῖς λοιδορίαις ἐστιν ου γὰρ ὤσπερ 'Ἀριστοφάνης ἐπιτρέχειν τὴν χάριν τοῖς σκώμμασι ποιεί, τὸ φορτικὸν τῆς ἐπιτιμήσεως διὰ τούτης ἀναιρῶν, ἄλλ' ἀπλώς κατά 10 τὴν παροιμίαν γυμνὴ τῆ κεφαλὴ τίθησι τὰς βλασφημίας κατὰ τῶν ἀμαρτανόντων, πολὺς δὲ καὶ (ἐν) ταῖς τροπαῖς τυγχάνει, εὐστοχος δὲ ὧν ἐν ταῖς ἐπιβολαῖς τῶν δραμάτων καὶ διασκευαῖς, εἰτὰ προιῶν καὶ διασπῶν τὰς ὑποδέσεις οὐκ ἀκολούθως πληροὶ τὰ δράματα. Die rücksichtslose Schärfe seines Spottes können wir noch an den Fragmenten feststellen, aber für den Aufbau der Stücke versagen diese fast ganz, und deshalb ist das Urteil wichtig, daß ihm die feste Durchfüh-20 rung einer geschlossenen Handlung noch wenig gelang; ein Mangel, der sich aus der Geschichte der attischen Komödie erklärt und auch von Ari-stophanes nicht immer überwunden wird.

Wertlos sind die Angaben des Tzetzes über K. (Pa S. 18 Kaib.) κατέστησε μὲν πρώτον τὰ ἐν τῆ κωμωδίμ πρόσωπα μέχρι τριῶν, στήσας τὴν ἀταξίαν, καὶ τῷ χαρίεντι τῆς κωμφδίας τὸ ὠφέλιμον προσέχθηκε, τοὺς κακώς πράσσοντας διαβάλλων καὶ ὤσπερ δημοσίῳ μάστιγι τῆ κωμφδίῳ κολαξων. 30 ἄλλ’ ἔτι μὲν καὶ οὐτος τῆς ἀρχαιότητος μετεῖχε καὶ ἤρεμα πως τῆς ἀταξίας. Die Festlegung der Schauspielerzahl auf drei widerspricht der bestimmten Angabe des Aristoteles poet. 5, 1449 b 4 τίς δὲ πρόσωπα ἀπέδωκεν ἡ προλόγους ἡ πλήθη ὑποκριτῶν καὶ ὄσα τοιαῦτα, ἠγνόηται, auch lehrt die Hypothesis des Dionysalexandros, daß sich K. nicht an die Dreizahl der Schauspieler gebunden hat.

Unter den Stücken des K. lassen sich zwei 40 Arten scheiden, die einen haben eine frei erfundene Handlung und verlegen ihren Schwerpunkt in den persönlichen und politischen Spott, die andern, weniger zahlreichen, sind Mythentravestien nach Art der Komödien Epicharms und der politische Spott tritt zurück oder fehlt ganz. Zwischen beiden Arten gibt es Übergänge, und längst nicht alle Titel lassen sich einer von ihnen zuweisen, aber wir können doch Beispiele für beide mit Sicherheit feststellen. Zur ersten Klasse gehören die b0 Ἄρχιλοχοι, deren Titel meist fälschlich so verstanden wird, als habe der Chor aus Spöttern in der Art des Archilochos bestanden. Allerdings hat K. in den Χίρωνες die Vervielfältigung des einen mythischen Chiron zu einem Chor von Chironen gewagt, wie aus frg. 235 σκήψιν μὲν Χίρωνες ἐλήλυμεν, ὡς νποθήκας klar hervorgeht. Aber in einer ganzen Reihe von Fällen dient der Plural statt einer Ableitung, wie v. Wilamowitz mehrfach (z. B. Eurip. Her. I¹ 55, 14) hervor-60 gehoben hat. Ganz klar ist dies bei den 'Ὀδυσσῆς. die einfach das Polyphemabenteuer erzählen und keine Mehrheit von Odysseusen enthalten haben können, für die Χλεόβουλῖναι bezeugt es ausdrücklich Diog. Laert. I 89 Χλεοβουλίνην... ἤς μεμνηταὶ καὶ Χρατῖνος ἐν τῷ ὀμωνύμῳ δράματι, πληθυντικώς ἐπιγράφας. Wie Ὀδυσσῆς die Odysseus-komodie, Κλεοβουλῖναι die Kleobulinenkomödie, so bedeutet Ἀρχίλοχοι die Archilochoskomödie und [1651] AUU1.

araiiuiua

entsprechend werden Jiwveo* und Πλοῦτοι zu verstehen sein. Daß in den Ἀρχίλοχοι der parische Dichter selbst aufcrat, geht aus frg. 6 εἰδες τὴν θασίαν ἄλμην oV ἄττα βαῦζει, ὡς ευ καὶ ταχέως ἀπετείσατο καὶ παραχρημά; hervor, denn mit der thasischen Salzlake kann nur der scharfe Iambendichter, der Kolonist von Thasos, gemeint sein. Der Aufbau des Stücks ist unbekannt, es scheint einen Streit des Archilochos mit epischen Dichtern enthalten zu haben (s. frg. 2 und 6 Kock). Geschrieben ist es bald nach dem Tode des Kimon (449), dessen in frg. 1 mit größter Wärme als jüngst (?) Verstorbenen gedacht wird, Angriffe finden sich auf Kimons Schwager Kallias (frg. 11) und vielleicht Memnon (frg. 13), der auf einer rf. Vase zusammen mit Kallias als καλός gefeiert wird (Klein Griech. Vas. mit Meisersign.² 120, 11). Derselben Klasse lassen sich mehr oder weniger bestimmt die Δηλιάδες, Δραπέτιδες, Νυνεῖδαι, Θρατταί, Μαλθακοί, Νόμοι, Πανόπται, Χίρωνες zuweisen. Eine besondere Stellung nimmt die Πυτίνη ein, in der K, sich selbst verspottet. Gereizt durch Aristophanes’ Angriffe in den Bittern (o. S. 1649, 45ff.) schrieb K. dies Stück, mit dem er an den Dionysien 423 den ersten Platz vor Amei-psias’ Konnos und Aristophanes’ Wolken errang. Wir sind über den Inhalt durch Schol. Ar. Ritt. 400 und die Nachahmung Lukians im Bis accus. 260. ziemlich gut unterrichtet, eine genauere Herstellung des Ganges der Handlung haben Zielinski Rh. Mus. XXXIX 301 und Müller-Strübing Jahrb. f. Philol. CXLI 513 versucht. Der Dichter führte die Κωμωδία als seine rechtmäßige Ehefrau ein, die ihn κακώσεως belangen will, weil er sie neuerdings vernachlässigt und es mit der Μέθη und allerlei jungen Weinchen (frg. 183. 184) hält. K.s Freunde, die anscheinend den Chor bilden, suchen sie von der Scheidung abzuhalten, und nun verfällt sie auf das Mittel, ihn durch Zertrümmerung aller Weingefäße (frg. 187) vom Trünke abzubringen. Der Dichter, dem anscheinend eine πυτίνη geblieben ist (frg. 190), verteidigt mit glänzender Beredsamkeit (frg. 185 und 186) das Recht des Dionysosdieners auf den bakchischen Trunk und sprach unter anderem das oft wiederholte Wort (frg. 199) ὕδωρ δὲ πίνων χρηστὸν οὐδέν ἄν τέκοις (so Athen. II 39 c. Phot. Suid. s. ὕδωρ). Müller-Strübings Versuch, die Πυτινή mit den sehr verdächtigen Λάκωνες gleichzusetzen und dem Stück auf Grund von Ar. Frie. 701 einen Lakonerchor zu geben, ist verfehlt. Sehr originell ist auch die Erfindung der Κλεοβονλῖναι. Der Dichter gab, wie v. Wilamowitz Herm. XXXIV 129ff. erkannt hat, dem Kleobulos von Lindos, unter dessen Namen Rätsel umliefen, eine rätseldichtende Tochter Kleobuline, so wie Epichann dem Λόγος eine Λογίνα zur Seite gestellt hatte, und aus K.s Komödie ist dann die Kleobuline in die Novelle von den sieben Weisen und die chronographische Literatur gelangt.

Das beste Beispiel reiner Mythentravestie sind die Ὄδνσσης, für die Kaibel (Herm. XXX 74ff.) wohl mit Recht einen Halbchor von Gefährten des Odysseus und einen von Kyklopen annimmt. Odysseus fuhr mit seinen Gefährten, wie schon Bergk gesehen hat (De rell. com. att. ant. 156), in einem Schiffskarren in die Orchestra (frg. [1652] ΔΓ»ωῖ1θ8 1ΟΟΖ

138. 139) und am Schluß ebenso wieder davon (frg. 144), ein νεοχμον ἄθυρμα, auf das der Dichter Wert legt (frg. 145). Polyphem kündigt 4g Gästen seine Absicht, sie wohlgebraten aufzu* fressen, mit viel Bonhomie an (frg. 143), erkundigt sich nach Odysseus (frg. 136), vor dem ihn ein Seher gewarnt hat, und wird von Odysseus selbst bei Darreichung des Weins aufgefordert, nach seinem Namen zu fragen (frg, 141), damit 10 ihm das Οὐτις aufgehängt werden kann; bei der

Abfahrt eröffnet ihm der Chor die Wahrheit (frg. 144). Platonios π. διαφ. κωμ. 12 (CGE I 5 Kaib.) betont, daß die Ὀδνσσῆς ὀνδενὸς ἐπιτίμησιν ἔχονσι, διασνρμὸν δὲ τῆς Ὀδυσσείας τοῦ Ὄμηρου, was zutrifft, wenn man für Spott Travestie setzt; irrig aber ist seine Behauptung (a. a. O. 7), das Stück habe οὐτὲ χορικὰ οὐτὲ παραβάσεις, denn frg. 144 und 145 stammen sicher aus Chorliedmn, frg. 146 wahrscheinlich aus der Parabase. Weitere 20 Beispiele der Mythentravestie sind Βούσειρις, Διό·

ννσοί (beides Titel, die auch Epicharm hat) und supΤλsupΩραί. In der Handlung reine Mythentravestie bot auch der Dionysalexandros, dessen Inhalt wir durch die am Anfang verstümmelte Hypothesia aus Oxyrhynchos kennen (O. P. IV 663 vgl. V p. 315, dazu Croise t Rev. des ét. gr. XVI 297. A. Körte Herm. XXXIX 481 und Jahresber. CLII 254. Rutherford Class. Rev. XVIII 440. Gerhard Thieme Quaest. 30 com. ad Pericl. pertin. cap. tria, Leipzig 1908.

v. Wilamowitz Gott. Gel. Anz. 1904, 665). Das Erhaltene setzt kurz vor der Parabase ein, anscheinend mit der Aufforderung des Hermes an Dionysos, an Stelle des in Angst davongelaufenen Alexandros (Thieme 11f.) das Gericht über die Göttinnen zu übernehmen. Die Parabase des aus Satyrn bestehenden Chors behandelte des Dichters Rivalen, wenn ich die verderbten und abgekürzten Worte πυων ποιή nach dem Muster ähnlicher Wen-40 düngen in den Hypotheseis des Aristophanes richtig

in περὶ τῶν ποιητῶν aufgelöst habe. Dann kommt Dionysos, offenbar in Hirtentracht, wird von den Satyrn geneckt und entscheidet sich beim Gericht über die Göttinnen, die ihm die bekannten Angebote machen, für Aphrodite. Er fährt flugs nach Sparta und bringt Helena auf den Ida, wo das ganze Stück vor der Hütte des Hirten Alexandros spielt. Ihm auf dem Fuße folgt die Meldung, die Achäer seien da und verheerten das Land. Aus 50 Furcht vor Alexandros sperrt Dionysos die Helena

als Gans in einen Geflügelkorb und staffiert sich selbst als Widder aus. Alexandros entdeckt beide und will sie den Achäern ausliefern. Durch Bitten der Helena läßt er sich jedoch bestimmen, sie als Gattin zu behalten, Dionysos dagegen wird ausgeliefert und zieht vom Satyrnchor begleitet ab. Erstaunlich ist die Fülle der Handlung und die Freiheit der Mythenbehandlung, die Einheit des Orts wird gewahrt, zeitliche Schranken gibt es für 60 den Dichter nicht, die Schauspielerzahl beträgt in

der Schlußszene mindestens drei, in der Szene des Schönheitsgerichts vier. Daß diese scheinbar ganz harmlose Mythentravestie des politischen Hintergrunds nicht entbehrte, lehren die Schlußworte der Hypothesis: κωμωδειταὶ δ* ἐν τῶ δράματι Περικλῆς μάλα πιθανώς δὶ ἐμφάσεως ὡς ἐπαγειοχώς τοῖς ἌθηναΙοις τὸν πόλεμον. Wie besonders Thieme (a. a, O. 20ff.) gut ausgeführt hat, [1653] iOÖÖ

Kratmos

sollten die Zuschauer hinter Dionysos den Perikies erkennen, der um der Aspasia willen (s. Arist. Ach. 527ff.), wie Dionysos wegen der Helena, den Feind ins Land gezogen hat, sich nun um die Verteidigung drückt, und wie Dionysos ausgeliefert werden sollte (als ἀλιτήρωζ, vgl, Thuk. I 126f.). Damit ist das Stück auf 430 datiert, denn 429 war die Stimmung schon wieder zugunsten des Perikies umgeschlagen. Verfehlt ist Rutherfords Versuch (a. a. O.), dem Thieme sich anschließt, die Angabe über die Parabase πύων ποιή in περὶ νων ποιήσεως aufzulösen und auf die Adoption des Sohnes der Aspasia durch Perikies zu beziehen, denn Perikies setzte die Legitimierung des Sohnes erst nach den Strategenwahlen 429 durch (Plut. Per. 37) und hat danach kein Dionysosfest mehr erlebt (s. Jahresber. CLII 256L).

Ein Seitenstück zum Dionysalexandros ist die Nemesis, ebenfalls eine Mythentravestie mit politischem Hintergrund. Perikies wurde angegriffen (frg. 111), es ist aber bisher nicht gelungen, eine Beziehung der Fabel, die das Ei der von Zeus in Gestalt eines Schwans geschwängerten Nemesis von Leda in Sparta ausbrüten läßt (frg. 108), zu Perikies festzustellen. Thiemes Versuch, auch dies Stück auf die Legitimierung des jungen Peri-kles zu beziehen und 428 anzu setzen, scheitert schon an den soeben angeführten chronologischen Tatsachen. Da Schol. Ar. Voe. 521 zum Beweis dafür, daß der Seher Lampon im J. 414 noch lebte, angeführt wird πολλω γὰρ ὕστερον Κρατῖνος ἐν τί] Νεμεσεὶ οἰδεν αὐτὸν ζωντά, will Capps (Harv. stud. XV 61) die Nemesis dem jüngeren K. zuweisen, aber das wird durch frg. 111 und Poll. X 186 (wo ausdrücklich Chirones und Nemesis demselben K. gegeben werden) ausgeschlossen, auch die enge Verwandtschaft des Stücks mit dem Dionys-alexandros spricht entschieden dagegen. Einen neuen Versuch, das unbegreifliche Scholion aus dem Wege zu schaffen, macht Oellacher (Zur Chronol. der altatt. Kom. 6ff.): Er nimmt an, ein Grammatiker habe die Angabe gefunden, die Nemesis sei unter dem Archon Kallias aufgeführt worden, und habe das fälschlich auf die Eponyme der Jahre 412/1 oder 406/5 bezogen, während der Kallias von 456/5 zu verstehen sei. Obwohl das J. 455 für Angriffe auf Lampon etwas früh erscheint, halte ich die scharfsinnige Vermutung für sehr beachtenswert. Dann wäre die Nemesis das älteste Stück des K., von dem wir etwas wissen.

Mehr Märchenkomödie als Mythentravestie waren wohl die Πλουτοί, in denen nach Athen. VI 267 e zuerst das dann sehr beliebte Thema des goldenen Zeitalters angeschlagen wurde (frg. 165).

Überschaut man die Reihe der von K. genannten und verspotteten Personen, so überwiegen durchaus die im öffentlichen Leben stehenden. Unter ihnen steht voran Perikies, außer im Διοννσαλέςανδρος und der Νέμεσις wird er angegriffen in den Θρατταί (frg. 71) und besonders scharf in den Χίρωνες (frg. 240) wo auch Aspasia nicht verschont wird (frg. 241), seine Lässigkeit beim Mauerbau rügt das ohne Stücktitel überlieferte frg. 300. Auf die politische Gesinnung des K. ist daraus natürlich nichts zu schließen, die Komödie ist ihrem Wesen nach stets in der Opposition, darum wird Perikies, so lange er am Ruder ist, bekämpft und der tote Kimon gepriesen; wenn [1654] jraunos ±uu*

das durch den Berliner Photios (37, 1) als Krati-neisch erwiesene Fragment adesp. 37 K. von Reitzenstein mit Recht auf Perikies bezogen ist, so wird es nach seinem Tode gedichtet sein. Andere Männer des öffentlichen Lebens sind Amynias (frg. 212), Androkles (frg. 208 und 263), Antiphon (frg. 201), Aristodemos (frg. 151), Euath-los (frg. 75), Hipponikos (frg. 336), Hyperbolos (frg. 196. 262), Ischomachos (frg. 328), Kailias 10 (frg. 11. 333), Kleisthenes (frg. 195), Kleon (Schol.

Lukian. 116, 11 und 17 ed. Rabe, beide Stellen fehlen bei Kock), Lampon (frg. 57. 58. 62. 117), Lykon (frg. 203), Lykurgos (frg. 30), Theozotides (frg. 337), Xenophon (frg. 53). Die Künstler treten etwas seltener auf, es finden sich die Komiker Aristophanes (frg. 200. 307), Ekphantides (frg. 324 a. 334. 335), Kallias (frg. 324 c), die Tragiker Akestor (frg. 85), Gnesippos (oder Nothippos?) (frg. 15. 97. 256), Philokies (frg. 292) und, ehren-20 voll erwähnt, Sophokles (frg. 15), die Musiker Chairis (frg. 118), Konnos (frg. 317) und Meles, Peisias* Sohn (frg. 174. 233. 261). Dazu kommt noch ein Angriff auf den Philosophen Hippon (frg. 155) in den Πανόπται, der nach Schol. Ar. Wol. 96 vor Aristophanes* Wolken erfolgte; auch Chaire-phon (frg. 202) wird wohl als Sokratesschüler K.s Spottlust erregt haben.

Der komische Stil, wie wir ihn aus Aristophanes kennen, ist in Sprache und Metrik bei 30 K. schon vollkommen ausgebildet. Er hat die kühnen Wortbildungen wie νεοπλουτοπόνηροι (frg. 208), Namenbildungen wie Δωρω (frg. 69) und Δεξω (401), Zusammensetzungen wie Μνάροκολωνοκλῆς (frg. 263), von Eigennamen abgeleitete Verba wie τελενικίσαι (frg. 217), ἐνριπιδαρωτοφανίζων (frg. 307) und ἔκκεχοιριλωμενη (wohl κωμωδία, die Komödie des Ekphantides ist, wenn man sie ,entchoirilost‘, dürftig, frg. 335). Unter den Metren finden wir neben Trimetern, 40 trochäischen und anapästischen Tetrametern viele lyrische Maße, so Kretiker (frg. 222) und den nach K. benannten Tetrameter aus Glykoneus und ka-talektischem trochäischen Dimeter (frg. 324a. b.c). Voll ausgebildet ist auch der Stil der Parodie (s. W. Hoffmann Ad ant. Att. com. hist. sym. Berlin 1910). Neben Homer benutzt er Hesiod (frg. 317), zu dessen Ἤρη χρυσοπέδίλος (Theog. 454) er das Gegenstück der Δωρω συκοπέδιλος (frg. 69) erfindet, Archilochos (frg. 10. 198), wohl 50 auch Pindar (frg. 10), sicher Sophokles (ἀνημέρωτος γῆ Phot. Ber. 137, 7) und Euripides (frg. 273; vgl. auch Reitzenstein Phot. Ber. XLI). Häufig ist auch bei ihm die Verwendung von Sprichwörtern in unveränderter (frg. 24. 32. 33) oder komisch veränderter (frg. 4. 169) Form. Im ganzen wird man sagen dürfen, K. ist der eigentliche Schöpfer der attischen Komödie, wie Aischy-los der Schöpfer der attischen Tragödie ist.

Literatur. Meineke Hist. crit. 43ff. 60 B e r g k De rell. com. att. ant. 3–265. Kirchner Prosop. Att. 8755. Die Fragmente bei Meineke FCG II 15–232. Kock CAF I 11–130. Nachträge bei Dêmianczuk Suppl. com. 30–39. vgl, Jahresber. CLII 253f.