RE:Kykloi

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Himmelskreise
Band XI,2 (1922) S. 23212328
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Kykloi [...] [2322] [2323] [2324] [2325] [2326] [2327] [2328] Kykloi. 1. Die Himmelskreise bilden die infolge der für die Anschauung gegebenen Kugel-fonn notwendig aus Kreisen bestehenden Koordinatensysteme, vermöge deren dia Festlegung von Punkten der Fixstern- und Planetensphäre erfolgt. Das System des Horizonts (Horizont und Meridian) kommt also hier nicht in Betracht, so wichtig diese beiden Kreise auch für den astronomischen Beobachter sind (über die Ermittlung des Meridians s. Rehm S.-Ber. Akad. Münch. [2322] 1916. III llff. und den Art. Windrosen; über die Höhenkreise, Parallelkreise zum Horizont, auf dem Astrolab s. o. Bd. II S. 1800). Die unmittelbare, naive Beobachtung mußte zuerst die Parallelkreise des Äquatorialsystems erfassen, da sie durch die tägliche Bahn der Gestirne gegeben sind. Damit ist auch der Begriff' von Pol und Achse gegeben: Arat hat ganz recht, wenn er damit und mit den Zirkumpolarsternen beginnt 10 (v. 19ff.). Als der größte Kreis unter ihnen mußte trühe der Äquator (ἰσημερινός) auffallen, als der Kreis, in dem sich die Sonne bewegt, wenn Tag und Nacht gleich sind. In uralter Zeit sind diese ersten Vorstellungen, die in das Gewimmel der Sterne Ordnung zu bringen begannen, in Babylon gewonnen worden; ihr Niederschlag ist dort die Gliederung des Himmels in die drei Zonen (Wege) des Enlil nördlich, des Ea südlich des Äquators und des Anu in der Gegend 20 des Äquators selbst (so zuerst erkannt von Köpft' bei Bezold S.-Ber. Akad. Heidelb. 1913, XI 6. S. auch Weidner Handb. d. babyL Astron. I 46f.). Aber eine wirkliche Fixierung der Gestirne am Himmel konnte erst erfolgen, als ein Punkt des Äquators festgelegt und durch einen größten Kreis mit dem Pol verbunden war. Das geschah, als man - gleichfalls zuerst in Babylon - den Weg der Sonne durch die Sternbilder genauer beobachtete und die zwei Punkte festlegte, an 30 denen die Sonnenbahn auf- und absteigend den

Äquator schneidet; erst die Entdeckung der Ekliptik, die zweifellos auch in Babylon erfolgt ist, wiewohl die Griechen sie als ihre eigene Leistung ansahen (s. o. Bd. V S. 2210), hat die Ausbildung auch des Äquatorialsystems ermöglicht. Schon in Babylon ist, wie es scheint, von den zwei Schnittpunkten des Kolurs der Gleichen der der Frühlingsgleiche als der Ausgangspunkt des Systems betrachtet worden. Auffallend ist, 40 daß die Kolore auch der Gleichen (s. u nr. 2) erst verhältnißmäßig spät bei den Griechen genannt werden. Der höchste und der niedrigste Sonnenstand lieferte die zwei wichtigsten Parallelkreise, die Wendekreise - sie treten bei den Griechen gleichzeitig mit dem Äquator auf - und die Berührungspunkte der Ekliptik mit ihnen den Kolur der Wenden.

Erst als die Präzession (s. den Art. Präzession und vorläufig o. Bd. VIII S. 1674) er-50 kannt und man sich darüber klar war, daß nur Festlegungen im System der Ekliptik unveränderlich seien, hat man dieses entwickelt. Jetzt, also seit Hipparch, wird der Pol der Ekliptik von Wichtigkeit. Vor der Entdeckung der Präzession hat die Ekliptik für astronomische Ortsbestimmungen so wenig Wichtigkeit besessen, daß Hipparch nach Eudoxos’ Vorgang in seinem Jugendwerke (in Aratum) die Abschnitte, die bei Zwölfteilung des Äquators vom Frühlingspunkte 50aus annähernd den Tierkreiszeichen entsprechen, unbefangen mit den Namen dieser Zeichen benennen und diese Benennungen dann auch auf alle Parallelkreise übertragen konnte (passim; bes. deutlich p. 68, 27. 150, 7 M. Boll Sphaera 316). Erst im Hellenismus Ägyptens ist - nach der Annahme des Entdeckers (B o 11, s. darüber zuletzt in d. Ztschr. Toung-Pao XIII [1912] 11) - die Teilung des Äquators verselbständigt worden, [2323] Ax J MUJL

indem man ihn mit 12 Sternbildern ausstattete, der Dodekaoros. Man zerlegt dabei die ganze Sphäre durch die Meridiane in 12 Abschnitte ,von der Gestalt eines Lorbeerblattes* (Boll Sphaera 306ff. und dazu Rehm Berl. phil. Woch. 1904. 1044 ff.). Dagegen hat offenbar schon frühe die Ekliptik auf allen plastisch oder graphisch erhaltenen oder nach Beschreibung zu rekonstruierenden Globen (s. o. Bd. VII S. 1427) eine weitere Ausgestaltung erfahren. Sie ist die Sonnenbahn, sie ist aber auch die Mittellinie des Zodiakos (s. d.), d. h. des Streifens, in dem sich die Planeten bewegen. Darum bildet man den Zodiakos als Streifen in einer Breite von 12° (Gem. 5, 51. Hygin. astr. IV 5. Macrob. somn. Scip. I 15, 10; s. auch o. Bd. XI S. 686).

Völlig bedeutungslos blieben für die antike Astronomie die Polarkreise. Der nördliche Polarkreis ist für den Griechen der ἄ«1 φανερό? κύκλος, der südliche der ἄει ἀφανῆς, d. h. man bildete den Begriff vom Horizont aus; das geschah gewiß in der Zeit, da man an den unveränderlichen Horizont glaubte, in der Epoche der ionischen Geographie also (s. darüber Berger Gesch. der wiss. Erdk. d. Gr.2 37ff.). Und als man allmählich die Veränderlichkeit der Polhöhe und damit des immer sichtbaren Kreises erkannte, entschloß man sich doch zu keiner grundsätzlichen Veränderung, arbeitete vielmehr, soweit es anging, mit einem konventionellen Polarkreis etwa der Breite von Athen. Dieser unbestimmte Polarkreis ist es z. B., der in Aristoteles’ Windtafel eine so unlogische Rolle spielt (vgl. Rehm 38, 1. 43, 86). Erst Poseidönios hat das Postulat eines wirklich festen, aus den Phänomenen der Sonnenbestrahlung abgeleiteten Polarkreises, d, h. also des unseren, aufgestellt (Strab. II p. 95. 97. 136 C.); aber das blieb ein Postulat. Er selbst hat dem von ihm geforderten Kreise, wie Tan-nery Rech, sur Fhist. de Fastron. anc. 136 mit Recht bemerkt, augenscheinlich nicht den Namen ,arktischer Kreis* gegeben, sondern die von ihm begrenzte Zone als die περίσκιος bezeichnet (s. Über diese Benennungen o. Bd. XI S. 1687). Ptolemaios, der ihn Synt. II 6 p. 114, 21 seinen Phänomenen nach beschreibt, benennt ihn doch dort nicht und macht nirgends Gebrauch von ihm. In Ptol. Geogr. VII 6, 8 heißt er o ôià θούλης παράλληλος.

Weitere Parallelkreise haben in der Himmelskunde der Griechen keine Bedeutung; dagegen konnte natürlich jeder der unendlich vielen möglichen in der Erdkunde bedeutsam werden - als Breitekreis, der aber durch eine ganze Gruppe von Phänomenen am Himmel bestimmt wird; in dieser Weise hat Hipparch seine Breitentabelle (s. o. Bd. VIII S. 1678) für jeden der 90° nördlicher Breite aufgestellt; und eine Anzahl dieser Parallelen sind als die Hauptklimata für das Gerüste der griechischen Geographie der Erdkugel von größter Bedeutung geworden (s. o. Bd. V S. 341. XI S. 838), wie auf der Erde als Gegenstück zum Kolur der Gleichen der Hauptmeridian Lysimacheia-Syene zusammen mit einer beschränkten Anzahl weiterer die Stütze der Längenbestimmungen wurde (Berger 114. 370ff. 426f.). Am Himmel haben neben den Koluren weitere Meridiane kaum Hervorhebung gefunden, wenn [2324] man von den Stundenkreisen Hipparchs (in Arat. III 5 p. 270ff.) und der Dodekaoros (o. nr. 1) absieht

Der Bestand an K., den wir als endlichen Niederschlag der Entwicklung in der gesamten popularastronomischen Literatur finden, ist also *. Äquator, die beiden Wendekreise (Κρίνος τροπικός und χειμερινὸς τοπικός), Polarkreise (ἀρκτικὸς κ. und ἀνταρκτικός, aber auch d«i φανερὸς κ, und [ἀεί] ἀφανῆς), Kolure (κόλουροι), Ekliptik (Benennungen s. o. Bd. V S. 2208), Zodiakos (s. d.); so îm Eudoxospap. Col. VI, Manil. I 564ff. Gern. 5. Achill, c. 22 –27. Comm. in Ar. reL p. 93. 103. 112. 320. 331. Hygin. astr. I. IV. Cleom. I 2. 4. Ps.-Manetho II 1ff. Macrob. somn. Scip. II 7. Mart. Cap. VIII. 818ff. Meist werden dabei Horizont und Meridian mit aufgeführt; die Kolure dagegen fehlen nicht selten. Hinzu kommt aber mit großer Regelmäßigkeit die Milchstraße 20 (s. o. Bd. VII S. 560) - ein Zeichen, wie systemlos diese Literatur verfahrt.

Arat. an dessen Gedicht sich der überwiegende Teil dieser Darstellungen unmittelbar oder mittelbar anschließt, hat v. 480ff. nur Äquator, Ekliptik, Wendekreise berücksichtigt, indem er die von ihnen geschnittenen oder berührten Sternbilder aufzählt, endlich die Milchstraße. Er entnimmt, wie Hipparch in Arat. (bes. I 10. 11) zeigt, die Darstellung dem Eudoxos, der aber seiner-30 seits auch die arktischen Kreise und die Kolure unter diesem Gesichtspunkt beschrieben hatte (p. 112ff. 132 M.). Von da an ziehen sich diese Aufzählungen mit geringen Differenzen untereinander, um deren Feststellung sich besonders Dittmann De Hyg. Arati interprète (Leipzig 1900) bemüht hat, als ein breiter Strom durch diese Literatur; s. die Aratübersetzungen (Cic. v. 236ff. Germaniens v. 446ff.) und von der oben angebenen Literatur Manilius, Hygin, Martianus 40 Capella und den Anon. II in Maaß Comm. in Ar. rel. Ein Kuriosum ist, daß Manil. I 684ff. und Hygin. IV 7 sogar die Sternbilder der Milchstraße aufzählen.

2. In der Entwicklung des Systems der K. tritt für uns am deutlichsten die Tätigkeit des Eudoxos hervor. Was es etwa vor ihm an Sternbildbeschreibungen gegeben hat, wissen wir nicht, so daß er unser frühester Zeuge für die Gesamtkonfiguration der griechischen Sphäre ist. Aus 50 Arat und Hipparch in Arat. geht aufs deutlichste hervor, daß seine Beschreibung eine doppelte war: zuerst reiht er Bild an Bild, streifenartig, wie es sich aus der gegenseitigen Berührung der Konstellationen ergab, dann ordnet er die Masse eben durch die in nr. 1 erwähnte Übersicht über die Beziehungen zwischen den K. und den Sternbildern. Wenn er nicht etwa in beiden Verfahren der erste ist, so hat er jedenfalls Anspruch darauf, das zweite aufgebracht zu haben 60 (Aufzählungen der ersteren Gattung geben die sog. Sphaera Empedoclis, Comm. in Ar. rell. p. 154ff. und Vite. IX 6. 7, analysiert von Thiele Ant. Himmelsb. 50ff.; doch steckt in beiden Übersichten schwerlich Voreudoxisches, so altertümlich diese Art isoliert anmutet). Bei Eudoxos liegt also das System der K. fertig vor. Aus früherer Zeit fehlen uns sichere Zeugnisse für die Terminologie der K., während natürlich τροπαί [2325] F zözö KyKioi

and Ἰσημεριά längst geläufig waren; denn inwieweit Aristot. Meteor. I p. 343 a 9 in dem Referat Über die Kometentheorie des Hippokrates von Chios, wo von den τροπικοί die Rede ist, dessen eigenen Ausdruck wiedergibt, ist unsicher, wiewohl man sich schwer eine andere Wendung zur Bezeichnung der Sache denken kann. Sehr ungewiß ist jedenfalls das Vorkommen des Namens, ja des Begriffs der K. bei Parmenides. Wohl konnte schon den frühesten Vertretern der Theorie der Erdkugel die Festlegung der wichtigsten K. am Himmel und ihre Übertragung auf die Erde naheliegen. Aber unsere Zeugnisse reichen nicht aus, um zu beweisen, daß sie diese Gedankengänge auch tatsächlich durchgeführt haben. Die Äußerung des Poseidonios bei Strab. II p. 94, Parmenides sei der Urheber der Lehre von den fünf Zonen auf der Erde, habe aber die ôtaxexavμένη viel zu breit gedacht, nämlich νπερπίπτουσαν ἐκατέρων τῶν τροπικῶν (vgl. Achilles p. 67 M. und bes. Aët. III 11 = Doxogr, 377), ist schon von Tannery 135 in seiner scharfsinnigen Untersuchung über die K. angezweifelt worden; neuerdings hat Reinhardt Parmenides 147. 1 die Zonenlehre dem Parmenides überhaupt abgespro-chen - doch wohl zu weit gehend. Aber ob Parmenides die τροπικοί auf die Erde übertragen hat, ist in der Tat fraglich (gegen Berger 207ff.): damit ist dann aber auch in Frage gestellt, ob er von τροπικοί am Himmel gesprochen hat. Erscheint doch selbst bei Eudoxos die Terminologie noch im Werden; es ist auffällig genug, daß er in den wörtlichen Zitaten bei Hipparch in Arat. von einem κύκλος, ἐν φ (al) θερινοί (bezw. χειμερινοί) τροπαί al Ἰσημερίαι γίνονται, redet und von den Koluren als δὺο κύκλοι τέμνοντες ἀλλήλους δίχα καὶ πρὸς ὀρθάς, διὰ τῶν πόλων τοῦ κόσμου' während Hipparch dazu erklärend den Namen κόλουροι gibt, den man also bei Eudoxos ganz gewiß nicht suchen darf (alles p. 132 Man.; vgl. auch p. 116, 2. 118, 17). Also ist auch θερινὸς τροπικός bei Aët. IV 1, Doxogr. 386, 4 vielleicht nur Ausdruck des Exzerptors. Erst von Aristoteles an ist die Terminologie fest geworden.

3. War mit den besprochenen Systemen der K., besonders mit dem Äquatorialsystem, die Möglichkeit der Orientierung am Himmel recht eigentlich erst gegeben, so hat Eudoxos (auch hier scheint er am Anfang der Entwicklung zu stehen) sogleich den weiteren Schritt getan, das Erkannte nutzbar zu machen durch Anlegen einer Liste der gleichzeitigen Auf- und Untergänge (συνανατολαί und συγκαταδύσεις) ; den praktischen Zweck solcher Tabellen, bei nur teilweiser Übersicht über den Himmel festzustellen, welches Tierkreiszeichen am Aufgang steht, erklärt Arat v. 559ff.t wozu auf die eingehende Kritik Hipparchs in Ar. II 1 zu verweisen ist. Hipparch selbst verbessert und vervollständigt bekanntlich II 4ff. diese Daten aus seiner fortgeschrittenen Kenntnis heraus sehr wesentlich. Hierher gehören auch die von Boll (Sphaera) analysierten Paranatellontenver-zeichnisse.

Die Aufgabe, die συνανατολαί und συγκαταδὺ· σεις darzustellen, kann rein deskriptiv angegriffen werden (wobei wir uns die Lösung wesentlich mit Hilfe des Globus, nur ergänzt durch unmittelbare Himmelsbeobachtung, erfolgend denken [2326] dürfen); sie hat aber auch ihre mathematische Seite: das Verhältnis der Auf- und Untergangszeiten und Kulminationen auf Parallelkreisen, Ekliptik und Äquator bot je nach der Polhöhe unendlich variierende Probleme, wozu dann noch das weite Gebiet der Gnomonik in ihrer Bedeutung für Zeit· und geographische Ortsbestimmung kommt, der Komplex, der in breitester Ausgestaltung für die Antike abschließend von Ptole· 10 maios in der Syntaxis, besonders in I und 11, behandelt ist. Die Anfänge der Betrachtung gehen auch hier auf Eudoxos, ja, wenn Autolykos und Theodosios von Tripolis eine gemeinsame vor-eudoxische Quelle haben (s. o. Bd, II S. 2602f. VI S 938), sogar auf noch frühere Zeit zurück; weiter entwickelt ist dann die Lehre namentlich in Eukleides¹ Phainomena (s. o. Bd. VI S. 1048f.).

Aber der wichtigste Schritt vorwärts, der in der Zeit zwischen Eudoxos und Hipparch getan 20 ist, besteht doch darin, daß die Rechnung ihre feste Grundlage in der Teilung des Kreises in 360° erhielt, die konventionelle Teilung, die wir heute noch allein anwenden. Wann hat sie sich in Griechenland durchgesetzt? Griechisches Gewächs ist sie so wenig wie die Grundlagen des Systems der K., vielmehr wie die Hauptkreise aus Babylon importiert. Auch dort hat die Teilung in 360° nicht von Anfang an und lange nicht allein geherrscht. Den Beginn bildet ge-30 wiß die Zwölfteilung des Sonnenweges, die durch das (annähernde) Zeitverhältnis der Mondumläufe zu einem Sonnenumlauf nahegelegt war. Deshalb wie wegen der Leichtigkeit, die Zwölfteilung graphisch vorzunehmen, hat denn auch sie und nicht die durch viel größere Leichtigkeit der Beobachtung sich empfehlende Zerlegung der Ekliptik in 28 Mondstationen sich fruchtbar erwiesen. Sobald man die Zwölfteilung, von den Jahrpunkten ausgehend, auf dem Globus ein-40 tragen wollte, entstand die Frage nach dem Verhältnis von Jahrpunkt und Zeichen; bei der sehr ungleichen Ausdehnung der Tierkreis b i 1 d e r kam eine gleichmäßige Teilung unter allen Umständen da und dort in Konflikt mit den Sternbildern. Es war also nicht von vornherein erforderlich, die Jahrpunkte auf den Anfang (1. Grad, 1. Tag) der Zeichen zu setzen. Das taten freilich nach Hipparch in Arat. p, 132, 19 fast alle alten Astronomen; für Euktemon dürfte es 50 erwiesen sein (Rehm S.-Ber. Akad. Heidelberg 1913, III 8ff.), für Kallipp ist es aus dem Ge-minos-Parapegma ohnedies klar; von da an gilt es für die späteren Griechen. Aber nach Keilschrifttexten (Kugler Die babyl. Mondrechnung 79. 99. Boll 338, 5) ist in Babylon Ansetzung auf den 8. bezw. 10. Grad der Zeichen bezeugt, s. auch Manil. III 680ff., und Eudoxos wendet dieses Verfahren in seinem Parapegma an(Boeckh Sonnenkreise 184ff.), wo er natürlich vom 8. Tage 60 gesprochen hat; das geht dann auf die Römer über (so auch Thrasyllos nach Cat. codd. astr. VIII 3 p. 99, 6, dazu Boll Wochenschr. f. kl. Phil. 1913, 122. Columella bei Wachsmuth Lydas 303, der sich auf Meton beruft; Setzung auf den 12. Grad Ach. 23 p. 54 M.). Wenn Hipparch a. a. O. den Nachweis unternimmt, daß Eudoxos in den Phainomena die Jahrpunkte in die Mitte der Zeichen gesetzt hat, so durfte das Tannery [2327]


XLJJ11V1

ISO nicht anfechten (zur ganzen Frage s. Boll 64. 247. 319). Auf der anderen Seite steht die Teilung des Äquators in 720 »Mondbreiten*, σεληναί (darüber s. z. B. Boll 315. Ginzel Klio XVI (1920) 234ff.), gelegentlich noch von Ptolemaios in der Syntaxis angewendet (z. B. IX 7 p. 264, 20 H., aus Hipparch nach Manitius Übers. 407). Zwischen diesen Extremen liegt eine reiche Fülle von Möglichkeiten; die durch 12 teilbaren Zahlen sind dabei für Ekliptik wie 1 Äquator fast ausschließlich bevorzugt worden (aber System der 30 Sterne Diod. II 29. 6, s. Boll 336, 2, woraus Weidner 63 wieder 36 macht): 36 Dekane (vgl. Boll Sternglaube und Sterndeutung 74), Teilung in 60, 120, 180, 240, 360, 480 Grade (Weidner 75ff. Hommel Beitr. z. morgenl. Altert.-Kde. II 20). Hier scheint ja vieles noch rätselhaft zu sein; aber die Tatsache einer ursprünglich großen Fülle dürfte doch ebenso feststehen wie, für uns besonders wichtig, das 2 hohe Alter der Teilung in 360° (vgl. das von Weidner 129 beschriebene und auf ca. 900 v. Chr. datierte Monument mit graphisch durchgeführter 360-Teilung der Ekliptik).

Bei den Griechen tritt die Teilung der Ekliptik in 360° (und gleich auch in Minuten und Sekunden) und als entsprechendes Zeitmaß 360 χρόνοι, am Äquator gemessen, erstmals im Ana-phorikos des Hypsikles (vgl. o. Bd. IX S. 4301Ϊ. Tannery 40) auf; frühere Spuren sind unsicher; 3 wir wissen nicht, nach welchem Maße Timocharis und Aristyllos die Sternpositionen ermittelt haben, die dem Hipparch zur Entdeckung der Präzession verhalfen (Ptolem. Synt. VII 1–3): Ptolemaios bezeichnet sie als ὀ7οσλί § ὠὶ εἰλημμένα. Die Sternpositionen im ,Aratus Latinus¹ (Comm. in Ar. rell. p. 183. 186. 189 M.), die Böhme Rh. Mus. XLII (1887) 300f. auch schon in ihrer Bedeutung für unsere Frage gewürdigt hat, würden zu dem Schlüsse zwingen, daß schon Eratosthe- 4( nes die 360-Teilung gekannt und im Äquatorialsystem angewandt hat, wenn es sicher wäre, daß diese eben nur in einem Zweig der Katasterismen enthaltenen merkwürdigen Data eratosthe-nisch sind; Positionsangaben solcher Art bezeugt freilich das Schob Basil. Pasquali's (Götting. Gel. Nachr. 1910, 196. 227), aber Dittmann hat 51, 47 eine Berührung mit Hipparch nachgewiesen, die den Gedanken an späteren Ursprung nahelegt; auch sind in der Weise, die 50 wir aus Hipparch in Arat. kennen (s. o. nr. 1), die Äquatorzwölftel nach den Tierkreiszeichen benannt. Und daß Eratosthenes für geographische Ortsbestimmungen die Hexekontaden-teilung zugrunde gelegt hat - die übrigens erstmals bei ihm nachzuweisen ist - (s. Müllen-hoff D. Altertumsk. I 25.9f. 296. Berger Geogr. Fragm. d. Eratosth. S. 108 - 113), und sogar die Breite der tropischen Zone nicht in Graden, sondern in einer Bruchzahl ( des größten Kreises θθ ausgedrückt hat, die entweder aus Bruchteilen der Hexekontaden oder durch Kettenbruchverfahren direkt aus dem Verhältnis des Abschnittes zum ganzen Kreis errechnet ist (s. Tannery 79), spricht auch nicht eben für die Annahme, daß er die 360-Teilung gekannt habe. Wie wenig das uns Gewohnte auch das Selbstverständliche [2328] ist, zeigt uns noch der Brauch Hipparchs (z. B. in Arat. I 9 p. 90, 10 M., bei Strab. II p. 75. 135 C., bei Ptolem. Synt. VII 1 p. 4, 16. 6, 11. IX 7 p. 267, 14H., dazu Manitius Übers. 407), der neben der 360-Teilung noch eine auf der Teilung des größten Kreises beruhende, dann aber als Einheitsmaß auch für Stücke kleinerer Kreise angewandte Messung nach πήχεις zu 2° und δάκτυλοι, deren 24 auf den πήχῦς gehen, 0 an wendet (s. Tannery Rev. archéol. VII [1886] 34). Immer hat sich ferner in der Erdkugelgeographie bei den Alten der Brauch erhalten, die Teilung der tropischen Kreise durch den Horizont in Verhältniszahlen statt in Graden auszudrücken (daß übrigens in dem Tiefsinn, den Hygin ÏV 2 p. lOOf. B. anläßlich des Verhältnisses 5: 3 vorbringt, Beziehungen zur Achtteilung der Astrologen, der ὀκτάτοπος [vgl. Bouché-Leclerqs L’astrol. grecque 279. Cat. codd. astr. 0 VIII 3. 101. 117; dazu weit ausgreifend Boll Wochenschr. f. kl. Phil. 1913, 123ff] vorliegen, ist kaum glaublich. Für die Astronomie ist die Lehre bedeutungslos). Auch die Hexekontaden des Eratosthenes haben ein zähes Leben gehabt (s. den Gebrauch z. B. bei Hipparch Strab. II p. 113 C., bei Geminos p. 1641f.; späte Nachklänge bei Rehm 38, 1. 85).

Κυκλώπείον, τό (Wiegand Milet I nr. 150, 81), eine Höhle im Latmosgebirg im kleinasia-I tischen Ionien.

[Rehm. ]