RE:Livius 13
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Drusus Vermutliche Person: praetor z. Zt. des M. Curius Dentatus um 283 v. Chr. | |||
| Band XIII,1 (1926) S. 853–855 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XIII,1 | Register lf | ||
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12. 13) Livius Drusus. Das Kognomen Dru-sus ist keltischen Ursprungs (s. Holder Altcelt. Sprachsch. I 1335ff.) und begegnet auf italischem ‘ Boden südlich des alten keltischen Gebietes im umbrischen Tuder (Todi), wo in republikanischer Zeit eine lateinisch und keltisch abgefaßte und doppelt eingemeißelte Inschrift von einem Coisis Drütei (bezw. Druti) f(ilius) = koisis trutiknos seinem ältesten Bruder gesetzt ist (CIL l² 2103 = XI 4687). Die römischen Livier haben es in den Keltenkriegen des 4. Jhdts. v. Chr erworben. Darüber berichtete ihre Familienüberliefe-rung nach Suet. Tib. 3, 2: Drusus hostium -duce Drauso commîmes trucidato sibi posteris· que suis cognomen invenit. Offenbar bezieht sich die Nachricht auf den Drusus, der nach den Fasten des Hydat. und des Chron. Pasch. (CIL I² p. 130) Magister equitum des Diktators L. Papirius Cursor im J. 430 = 324 war und auch bei Suet. Tib. 3, 1 mit dem der Gens Livia zugehörigen, sonst nicht nachweisbaren Magister equitum gemeint ist. Die Erzählung von dem siegreichen Zweikampf als Grund des Beinamens hat sachlich und zeitlich ihre nächstverwandten Gegenstücke an den entsprechenden von T. Manlius Torquatus und M. Valerius Corvus; in den Kriegen jener Zeit, in denen die ritterliche Kampfweise noch üblich war, sind derartige Zweikämpfe zwischen keltischen Häuptlingen und römischen Reiteroffizieren gewiß öfter vorgekommen und sowohl im Volksmunde wie in der Familientradition verherrlicht worden, lange bevor Geschichtswerke entstanden und sie aufnahmen. Später ist der Zweikampf des M. Marcellus mit einem Keltenfürsten sogar von Naevius in einem Drama gefeiert worden (o. Bd. III S. 2738f.), und ist nach dem Vorbild jener Erzählungen eine recht törichte über den ersten Iulius mit dem Kognomen Caesar aufgebracht worden (o. Bd. X S. 464 Nr, 140). Daß ein späterer Livier (Nr. 29) als Führer der Auxiliarreiterei in einer Keltenschlacht [854] Livius
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die Entscheidung gab (Liv. XXXV 5, 8f.). mag jene alte Überlieferung neu belebt haben, hat aber nicht etwa sie erst ins Leben gerufen. Jedoch Sueton hat, weil er die Familiengeschichte der Livier stark zusammendrängt, mit dieser Erzählung eine andere verbunden, indem er fortfährt (Tib. 3. 2): traditur etiam pro praetore ex provincia Gallia rettulisse aurum Senoni-bus olim in obsidione Capitolii datum nec, ut .Ofama est, extortum a Camillo, eius abnepos ob eximiam adoersus Gracchos operam patronus senatus dictus cet. (vgl. Nr. 17). Diese mit Vorbehalt (traditur I) wiedergegebene Darstellung verrät ihre späte Entstehung schon durch die Polemik gegen die weitverbreitete, aber junge Form der Camillussage (o. Bd. VII S. 336) und bietet nicht allein durch die Anachronismen pro praetore und provincia Gallia, für die Suetons Flüchtigkeit verantwortlich sein wird (Momm-20 s e n Röm. Forsch. II 340; ungenau auch adver-sus Gracchos statt C. Gracchum s. Nr. 17), sondern als Ganzes Anstoß. Dennoch knüpft auch sie an etwas Tatsächliches an. Die Rechnung nach Generationen führt von dem Ururenkel, dem Volkstribunen von 632 = 122, bis zum Ahnherrn nicht auf den um 200 Jahre älteren Magister equitum, sondern höchstens bis in die Zeit der Vernichtung der Senonen durch M.’ Curius Den-tatus 471 = 283 (o. Bd. IV S. 1842. Bd. II A 50 S. 1477), und erlaubt die Folgerung, daß ein Praetor Livius Drusus damals existiert und an den Kämpfen teilgenommen habe. Diese Vermutung läßt sich noch weiter stützen: Nach der Vernichtung der Senonen legte der Sieger in ihrem Gebiete die Kolonie Sena an; im J. 486 = 268 folgte die Gründung des nördlich davon gelegenen Ariminum, und in der Zwischenzeit wird das mitten zwischen Sena und Ariminum gelegene Pisaurum (j. Pesaro) besiedelt worden 40 sein. Daß hier im Senonenkriege gekämpft worden ist, kann geschlossen werden, wenn man die euetonische Erzählung mit einer bei Serv. Aen. VI 825 erhaltenen kombiniert: CamÜlus... Gallos iam abeuntes secutus est: quibus inter· emptis aurum omne recepit (et signa, was Servius selbst nach Verg. Aen. a. O. einflickt); quod cum illic appendisset, civitati nomen dedit: nam Pisaurum diciiur. quod illic aurum pen-saium est (vgl. dazu o. Bd. VII S. 336. 337).
50 In Pisaurum sind aus einem heiligen Haine 14 Kalksteincippen mit sehr alten lateinischen Weihinschriften ans Licht gekommen, die hauptsächlich weiblichen Gottheiten und von Frauen gesetzt sind (CIL I² 368–381 = Dessau 2970–2983) und sehr wohl bis in die Zeit der ersten Ansiedler hinaufreichen können (Mommsen im Kommentar). Auf einem davon steht: Iunone regiinat) ] matronafe*?] | Pisauresefs] | dono dedrot (378 = 2980) und auf einem anderen (379 60mit Abb. = 2981) ganz ähnlich: Maire) Matuta) dono dedro | matrona; aber auf dem letzteren ist nachträglich hinzugefügt: M.’ Curia | Pola Livia | deda (unsicher zu deutendes Wort, ygl. Bücheler im Kommentar). Es ist schwerlich ein Zufall, daß von diesen zwei Frauennamen M.’ Curia unmittelbar an den Senonensieger M.’ Cu-rius erinnert und der Geschlechtsname Livia an den zweiten Römer, dessen Beteiligung an diesen [855] 855 Livius (Drusus)
Kämpfen aus den sagenhaften Erzählungen erschlossen ist, einen vielleicht gerade bei Pisau-rum siegreichen Praetor Livius Drusus. Die Verbindung der Familie mit dieser Stadt wird bestätigt durch die spöttische Bezeichnung des letzten Sprößlings der Familie bei seinem ersten Auftreten als Drusus Pisaurensis bei Cic. ad Att. II 7, 3 (s. Nr. 19). Sogar bei dem Entschluß des M. Livius Salinator im J. 547 = 207, dem Hasdrubal am Metaurus, zwischen Sena und Pisaurum entgegenzutreten (s. Nr. 33), mögen die Beziehungen der Familie zu dieser Gegend mitgesprochen haben. Vielleicht ist der Praetor Livius Drusus nach 471 = 283 sein Großvater gewesen und hat dann ebenfalls das Pränomen M. geführt; der Volkstribnn M. Drusus der Gracchen-zeit Nr. 17 wäre dann nicht, wie Sueton meint, der Ururenkel dieses Mannes gewesen, sondern von ihm noch durch eine weitere Generation getrennt.