RE:Manlius 76
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Manlii Torquatii. Hier sind aufgeführt fünf Manlii Torquatii aus sullanischer | |||
| Band XIV,1 (1928) S. 1194–1199 | |||
| Bildergalerie | |||
| Register XIV,1 | Register m | ||
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76) A. Manlius Torquatus. Eine Beihe von Zeugnissen aus sullanischer und ciceronischer Zeit lassen sich auf einige wenige Manlii Tor-quati beziehen, die einander nach Alter, Verwandtschaft und Parteistellung nahestehen, einen Aulus, zwei Lucii, zwei Titi. Die Untersuchung geht von dem ersten aus und führt die Darlegungen von Schwabe Quaest. Catull. 337–339 weiter (vgl. auch Mommsen Ges. Schr. Vin 204f.). Zur Zeit des Sieges Sullas standen folgende Manlier, deren Vornamen gesichert sind, auf seiner Seite: 1. A. Manli(us) A. f. Q(uaestor) prägte Denare und Goldstücke mit der Reiterstatue Sullas und der Aufschrift: L. Sullfae) Feli-(ci) dieftatori), also im J. 673 = 81 (Mommsen Röm. Münzw. 593ff. Nr. 224 d; Trad. Blacas II 440ff. Nr. 232 d. B a b e 1 ὁ n Monn, de la rép. rom. II 178f. G rue ber Coins of the roman rep. II 463f. Bahrfeldt Die röm. Goldmünzenprägung [Halle 1923] 25). 2. L. Manli(us) pro ¹ q(uaestore) prägte ebenfalls Denare und Goldstücke im griechischen Osten für L. Sulla imp(e-rator), und zwar schon in Erwartung des freilich erst 673 = 81 gefeierten Triumphs, also in den unmittelbar vorhergehenden Jahren (Mommsen Münzw. Nr. 224a; Trad. Nr. 232 a. Babe-lonII177f. G r u e b e r II 461f. B ah r f e 1 d t 26–28). 3. L. Manlius, Proconsul in Gallia Nar-bonensis 676 = 78, also Praetor unter der Herrschaft Sullas und von ihm zum Statthalter be-
1 stimmt, zu unterscheiden von dem Proquaestor, der jünger war und als L. Manlius Torquatus L. f. betrachtet werden darf (s. Nr. 30 und 79). 4. T. Manlius T. f. auf einer delischen Ehreninschrift um 674 = 80, die gleichzeitig mit der für einen Proquaestor M'. Aemilius M’, f. Lepidus ist; T. Manlius wird eine ähnliche Stellung gehabt haben wie Lepidus (s. Nr. 40.85). Von diesen vier Manliern waren Aulus der Sohn des Aulus, [1195] 1195 Manlius (Torquatus)
Titus der Sohn des Titus und der jüngere Lucius um das J. 674 = 80 in quaestorischem Alter, rund 30 Jahre alt, der andere Lucius als Praetor etwa ein Jahrzehnt älter. Während dieser letztere mehr für sich steht, sind jene Angehörige derselben Generation und waren um das J. 684 = 70 reif zur Praetur. Bis in diese Zeit führt Cic. Planc. 27 zurück, wo 5. ein zweiter T. (Manlius) Torquatus von ähnlichem Alter erscheint. Hier heißt es von dem Angeklagten Cn. Plancius im J. 700 = 54: Aduleseentulus cum A. Torquato profeetus in Africain sie ab illo gravissimo et sanctissimo atque omni laude et honore dignis-simo ciro dilectus est, ut et contubernii necessi-tudo et adulescentis modestissimi pudor postulabat, quod, si adesset, non minus Ute declararet, quam hie illius frater patruelis et soeer, T. Torquatus, omni Uli et virtute et laude par, qui est quidem cum illo maximis vinclis ct propinquitatis (als trater patruelis) et affinitatis (als soeer) con-iunctus, sed ita magnis amoris, ut illae neees-situdinis eausae leves esse videantur. Fuit in Creta postea eontubernalis Saturnini, propinqui sui, miles huius Q. Metelli. Da Q. Metellus, unter dem Plancius seinen zweiten Kriegsdienst auf Kreta leistete, diese Provinz im J. 686 = 68 übernahm, so ist A. Torquatus, der erste Vorgesetzte des jungen Mannes, wahrscheinlich im vorhergehenden Jahre 685 » 69 Statthalter von Africa und noch ein Jahr früher, 684 = 70 unter dem ersten Consulat des Pompeius Praetor gewesen. Unbedenklich kann dieser Praetor A. Torquatus von 684 = 70 mit dem Bullanischen Quae-stor A. Manlius A. f. von 673 = 81 gleichgesetzt werden, aber auch mit einem Legaten des Pompeius im Seeräuberkriege von 687 = 6.7. Allerdings wird von dem Legaten nur der Name Manlius Torquatus ohne Vornamen überliefert (Flor. I 41, 9: Torquatus. Appian. Mithr. 95: Μάθλιος Τορκονατος), und deswegen hat Groebe Klio X 381) seine Gleichsetzung mit L. Torquatus Consul 689 = 65 Nr. 79 vorgezogen; da er aber die Säuberung des Meeres bei den Balearischen Inseln, zwischen Hispania Citerior und Africa, zu leiten hatte, so ist es wahrscheinlicher, daß der Auftrag dem A. Torquatus zuteil wurde, der soeben erst das benachbarte Africa verwaltet hatte, als dem meistens im griechischen Osten beschäftigten L. Torquatus. Für diesen läßt sich die Führung der Praetur 686 = 68 und der Statthalterschaft von ! Asien 687 = 67 annehmen, so daß in der Tat zwei der Männer, die in der sullanischen Zeit Quaestoren waren, nun um dieselbe Zeit in richtigem Abstande als Praetoren erscheinen. Von Cicero wird Aulus im J. 700 = 54 öffentlich gravissimus et sanetissimus vir genannt (Planc. 27 s. o.) und genau ebenso Lucius im vorhergehenden Jahr 699 = 55 gravissimus et sanetissimus vir (Pis. 47), und wenn diese etwas farblosen Komplimente nicht viel lehren, so geht der f Parallelismus noch weiter, indem Lucius vir omni dignitate ornatissimus heißt (Pis. 44) und Aulus omni laude et honore dignissimus vir (Planc. 27 s. o.), nämlich deshalb, weil Lucius das Consulat (und den Imperatortitel) wirklich erlangt, Aulus aber es zwar verdient, aber nicht erlangt hat. In diesem Punkte steht Aulus wiederum gleich mit dem dritten der Altersgenossen, der [1196] Manlius (Torquatus) 1196
Quaestorier sullanischer Zeit, mit T. Torquatus T. f.: cui si vita suppeditavisset, sublato ambitu consul Cactus esset (Cic. Brut. 245); auch dieser Mann muß um 684 = 70 oder bald darauf die Praetur geführt haben und um 689 = 65 zum Consulat befähigt gewesen sein, hat es aber ebensowenig erreicht wie Aulus. Von ihm verschieden ist der zweite T. Torquatus, der von Cicero Planc. 27 als frater patruelis et socer des Aulus einge-10 führt wird. Erstens ist T. Torquatus T. f. um 691 = 63 gestorben, dieser T. Torquatus aber noch 700 = 54 am Leben; zweitens hat T. Torquatus T. f. es ebenso wie Aulus und in derselben Zeit bis zur Praetur gebracht, dieser T. Torquatus aber nicht, denn er ist dem Aulus, dem omni laude et honore dignissimo Tiro nach Cic. Planc. 27 (s. o.) nur omni et virtute et laude par, nicht auch honore, d. h. ein ebenso vortrefflicher Mensch, aber von geringerem Bange, vielleicht überhaupt 20 nicht in die Amterlaufbahn eingetreten. Dieser T. Torquatus muß einen Vater mit anderm Vornamen gehabt haben und war selbst frater patruelis et socer des Aulus (Cic. Planc. 27); da dessen Vater nach den sullanischen Münzen ebenfalls Aulus hieß (s. o.), so könnte auch der Großvater dasselbe Pränomen geführt haben, und daraus folgt die Vermutung, daß der noch im J. 700 = 54 lebende T. Torquatus sich von dem damals schon verstorbenen T. Torquatus T. f, als A. f. 30 unterschieden habe (s. auch Nr. 85). Dieser zweite Titus muß als Vatersbruder und Schwiegervater des Aulus etwas älter gewesen sein als die drei Torquati Aulus, Lucius und Titus, die gegen 674 = 80 in quaestorischem und gegen 689 = 65 in consularischem Alter waren, und damit rückt er in gleiche Linie mit dem zweiten L. Manlius, der rund ein Jahrzehnt älter war. Bei dem Versuche, diese Persönlichkeiten unter Berücksichtigung aller gesicherten und wahrscheinlichen Da-40 ten und unter Einführung von möglichst wenig unbekannten Größen miteinander in Verbindung zu bringen, ergibt sich das in Stammtafel IV entworfene Bild.
Sowohl A. Torquatus wie L. Torquatus haben dem Cicero in den Zeiten seiner Bedrängnis 696 = 58 freundschaftlich beigestanden; das hat dieser in der Öffentlichkeit nur von dem Consular als dem Angeseheneren gerühmt (Pis. 77f., s. Nr. 79); in vertraulichen Gesprächen (fin, II 72) >6 und Briefen (fam, VI 1, 7. 4, 5) hat er es ebenso von Aulus erwähnt, den er ja gleichfalls als einen seiner ungefähren Altersgenossen ansah (fam. VI 4. 4 im Einklang mit den bisherigen Ergebnissen). Zur Zeit des Prozesses des Cn. Plancius 700 = 54 war A. Torquatus nicht in Rom, wurde aber von Cicero dabei besonders ehrenvoll erwähnt (Planc. 27 s. o.). Nachdem er seit langen Jahren kein Amt mehr bekleidet hatte, wurde er im Frühjahr 702 = 52 als Quaesitor mit der >0 Leitung des Prozesses gegen Milo wegen Ambitus beauftragt; das ist nicht etwa befremdlich, so daß es gegen die Identifizierung geltend zu machen wäre, sondern es ist gerade erklärlich aus der damaligen Umgruppierung der Parteien* (Ed. Meyer Caesars Monarchie 231). Denn unter dem ersten Consulat des Pompeius 684 = 70 war A. Torquatus Praetor gewesen, und jetzt war Pompeius zum drittenmal und allein zum [1197] 1197 Manlius (Torquatus)
Consul bestellt worden, um die Ordnung im Staate wiederherzustellen, und dazu erkor er den alten Genossen als Helfer. Als Vorsitzender der Quae-stio, die dem Ambitus wirklich ein Ende machte (Mommsen Strafr. 867), war ein Praetorier, der selbst keine Aussichten mehr auf erfolgreiche Bewerbung ums Consulat hatte, gewiß geeignet, weil von ihm unerbittliche Strenge erwartet werden durfte. Er hat am ersten Verhandlungstermin, 4. April 702 = 52, auf Antrag des M. Mar-1 cellus dem Milo einen Aufschub bewilligt, bis das gleichzeitig wegen der Ermordung des Clodius gegen Milo eingeleitete Verfahren vor der Quae-stio de vi erledigt sein würde( Ascon. Milon. 34 K.-S. = 35 Stangl); nachdem hier am 8. April die Verurteilung des Angeklagten erfolgt war, leitete er am folgenden Tage, 9. April, den Prozeß wegen Ambitus und beendete ihn ebenfalls mit der Verurteilung Milos; doch war dieser zu der Verhandlung gar nicht mehr erschienen (ebd. 2 48 K.-S. = 45 St.). Anfang Mai 703 = 51 begleitete A. Torquatus den nach Kilikien abreisenden Cicero bis Minturnae (Cic. ad Att. V 1, 5, vgl. 4. 2), wo er vermutlich ein Gut hatte, da er auch zwei Jahre später in der Nachbarschaft von For-miae verweilt zu haben scheint (ebd. IX 8, 1 s. u.). Während Ciceros Statthalterschaft 708/4 = 51/50 empfahl er ihm einen M. Laenius (Bd. XIII S. 421 f. Nr. 2) zur Anstellung in der Provinz, jedoch ohne Erfolg (Cic. ad Att. V 21, 10. VI ί 1, 6). Beim Ausbruch des Bürgerkrieges schloß er sich selbstverständlich sofort an Pompeius an, ging mit ihm Mitte Januar 705 = 49 von Rom nach Capua (ebd. VII 14, 2), verweilte dann anscheinend im Februar im latinisch-campanischen Küstengebiet und suchte den bei Formiae zögernden Cicero zu bestimmen, mit Pompeius Italien zu verlassen (fam. VI 1, 5), wie er selbst es An-fangMärztat. Darüber schrieb Cicero am 14. März ad Att. IX 8, 1: De L. Torquato quod quaeris, -non modo Lucius sed etiam Aulus profectus est, f alter multos; der Sinn war jedenfalls, daß der jüngere Lucius, der als Praetor dazu verpflichtet war (s. Nr. 80) schon vor vielen Tagen aufgebrochen sei, aber vor wenigen auch der ältere und daher mit Cicero selbst in gleicher Lage bennd-liche Aulus. Im Winter 708/9 = 46/5 während des spanischen Krieges lebte dieser noch in Ungewißheit über sein künftiges Schicksal in Athen und empfing dort von Cicero mehrere Trostbriefe, die ersten und ausführlicheren der vorliegenden im Dezember und Januar (fam. VI 1. 3. 4), den letzten und kürzeren im April (ebd. 2). Die Briefe zeugen davon, daß nach dem Ende vieler näherer Freunde die überlebenden, auch ohne daß sie früher sonderlich eng befreundet waren, sich als Altersgenossen fester miteinander verbunden fühlten, Aulus in Athen mit dem in Caesars Dienst getretenen Ser. Sulpicius Rufus (1, 6. 4, 5; vgl. über ihn in dieser Zeit Sternkopf Herm. XLVII 329) und über das Meer hin mit Cicero (z, B. 1, 7, vgl. fin. II 73). Dessen Tröstungen bewegen sich in allgemeinen Gedanken und Betrachtungen, die stets wiederkehren (z. B. 1, 1 = 4, 3. 1, 4 = 3, 4 = 4, 2 = 2, 3), zumal da bei schriftlichen Herzensergüssen damals eine gewisse Vorsicht angebracht war (vgl. 2, 3) und gelegentlich mündliche Ergänzung durch Boten, wie durch [1198] Manlius (Torquatus) 1198
einen vertrauten Sklaven oder Freigelassenen des Aulus, Philargyrus, möglich war (1, 6; vgl. zudem Namen Herzog Tesserae nummulariae 16). Am meisten bedrückte den Aulus die Trennung von seiner in Rom zurückgebliebenen Familie (tui 1, 1. 3, 4. 4, 1. 3. 5. tui liberi 1, 7), praesertim ab iis pueris, quibus nihil potest esse festivius (4, 3). Im folgenden Sommer 709 = 45 bemühte sich Cicero, die Verwendung Dolabellas für einen 0 Torquatus zu gewinnen, ohne Zweifel für diesen
Aulus, und zwar bei dem aus Spanien heimkehrenden Caesar. Allerdings meldet die erste briefliche Äußerung vom 18, Juni (ad Att. XIII 9, 1), an die sich die weiteren, kürzer gefaßten anschließen (ebd. 21, 2, 45, 2. 47), den persönlichen Besuch eines Torquatus an diesem Tage auf dem Tuscula num: Ἐγκαίρως ad me venit, cum haberem Dola-bellam, Torquatus humanissimeque Dolabella quibus verbis secum egissem exposuit. Commodum 10 enim egeram diligentissime; quae diligentia grata est visa Torquato. Schwerlich wird Aulus gewagt haben, vor Caesars Entscheidung nach Rom zu kommen (vgl. den ähnlichen Fall des M. Marcellus Bd. III S. 2763); aber wenn aus diesem Grunde er selbst nicht jener Besucher gewesen sein kann, so kann es um so eher einer seiner jungen Söhne gewesen sein, die gewiß alles zur Erlangung seiner Heimkehr aufboten. Damit vereinigt sich aufs beste die Tatsache, daß ein als 10 optimus adulescens bezeichneter T. Torquatus im
November 709 = 45 in Caesars Palaste bei der Verhandlung als Zeuge anwesend war, wo über die Begnadigung des Deiotarus entschieden werden sollte und möglicherweise auch über andere ähnliche Fälle, und daß er kurz vorher die hochangesehenen Männer Cn, Domitius Calvinus (Bd. IV S. 1419ff.) und Ser. Sulpicius Rufus auf-gesucht hatte (Cic. Deiot. 32), die als Consulare auf Caesars Seite getreten und deshalb bei ihm 40 besonders einflußreich waren, und von denen Sulpicius bis vor wenigen Monaten mit A. Torquatus in Athen freundschaftlich verkehrt hatte (fam. VI 1, 6. 4, 5 s. ὁ.). Dieser junge T. Torquatus wird eben einer der für die Rückkehr des A. Torquatus arbeitenden Söhne sein. Es ist verständlich, daß Cicero, obgleich er sie noch im Anfang des Jahres dem Vater gegenüber familiär als pueri zusammengefaßt hat (ebd. 4, 3 s. o.), den einen jetzt bei wichtigem Anlaß Öffentlich schon als adulescens 50 gelten läßt; es paßt ferner, daß der Jüngling, obgleich er nicht den Vornamen des Vaters und väterlichen Großvaters Aulus führt, so doch Titus heißt, denn das war das Pränomen seines mütterlichen Großvaters, der zugleich von Vaterseite sein Großoheim war (Cic. Planc. 27 s. O-), und war daher sicherlich das Pränomen, das selbst dann, wenn nicht mehr als zwei Söhne vorhanden waren, dem einen beigelegt werden mußte. Ob dem Vater A. Torquatus von Caesar 60 die Rückkehr gestattet wurde, ist unbekannt;
jedenfalls ist er nach dessen Ermordung gleich Cicero wieder auf die Seite der überzeugten Republikaner getreten. Denn mit Hinzufügung des Pränomens nennt Nepos den A. Torquatus sowohl unter denen, deren Geldgeschäfte Atticus besorgte, neben Cicero, Cato, Hortensius (Att. 15, 3), als auch unter denen, die sich aus der Niederlage der Caesarmorder bei Philippi 712 = 42 nach Sa- [1199] 11 y y Manlius (Torquatus)
mothrake retteten und hier der Unterstützung des Atticus erfreuten, neben L. Livius Ocella (ebd. 11, 2), der als Praetorier ihm im Bange gleichstand und ebenfalls ein von Caesar begnadigter Pompeianer und dann Genosse seiner Mörder war (Bd. XIII 8. 887 Nr. 25). Wenn es gelungen ist, aus dürftigen und versprengten Notizen ein glaubhaftes Gesamtbild herzustellen, so ist dieses nicht ohne Wert für die Kenntnis der spätrepublikanischen Gesellschaft. A. Torquatus war neben L. Torquatus Vater und Sohn (Nr. 79f.), die er beide überlebt hat, in den vier Jahrzehnten von Sulla bis zu den Triumvirn der hervorragendste Vertreter seiner Familie. Es ist ihm nicht geglückt, für sie das einst besessene, dann längst verlorene höchste Staatsamt wiederzugewinnen, und weil er nicht Consular war, spielte er im öffentlichen Leben und in der Geschichte seiner Zeit keine Rolle. Aber das Oberhaupt eines alten Adelshauses, das an dessen ehrenwerten Über- lieferungen mit Treue festhielt, war dennoch eine Persönlichkeit, mit der man rechnen mußte, und in die freundschaftlichen Beziehungen, die Männer wie Cicero (vgl. u. a. fin. II 72) und Atticus von Jugend auf bis ins Alter mit ihm unterhalten haben, mischt sich trotz eigener Überlegenheit an Rang und Reichtum, Einfluß und Bedeutung immer noch etwas von der unwillkürlichen Hochachtung des emporgekommenen Kleinbürgers vor dem patrizischen Uradel.