Rendsburg (Meyer’s Universum)

DCLXI. St. Jakob bei Basel Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Vierzehnter Band (1850) von Joseph Meyer
DCLXII. Rendsburg
DCLXIII. Der Thronsaal im Königspalaste zu München
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RENDSBURG

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DCLXII. Rendsburg.




Auf dem Marschlande der Eider, auf der Nordgrenze Holsteins, zum Theil auf einer Insel des Stroms, zum Theil auf dem Südgestade desselben, eingehüllt in einen weiten Mantel von hohen Bastionen, tiefen Gräben, Wällen, Mauern und Verschanzungen, steht das alte Rendsburg. – Es hat fünf Jahrhunderte lang die Nordmark des deutschen Reichs treu gehütet. Jetzt ist es eine dänische Festung, eine Zwingburg gegen das deutsche Land. Alle Festungswerke, welche nicht dieser Bestimmung nützlich sind – das Kronenwerk und die Verschanzungen [219] auf der Schleswiger Seite, – werden nun abgetragen. Den deutschen Schild schmiedet der Däne zum dänischen Schwerte um, er verkehrt die Waffe des Schutzes und der Abwehr in das Werkzeug der Unterdrückung oder des Angriffs. Der Däne thut’s und fragt dabei Nichts nach Deutschland; – Deutschland sieht zu und duldet’s. –

Rendsburg ist durch seine Lage im Mittelpunkt einer fruchtbaren und reichen Landschaft und als Schlüssel des großen holsteinischen Kanals sehr bevorzugt. Die Stadt ist wohlhabend durch Handel und Schifffahrt, und in beiden, so wie in der Garnison und in den vielen Civil- und Militärbehörden, finden die bürgerlichen Gewerbe ihre Unterstützung. Eigentliche Fabrikthätigkeit ist wenig da. Einige Tabacks- und Papierfabriken und Zuckerraffinerien bestehen zwar; große Geschäfte sind es jedoch nicht. Die Bevölkerung Rendsburgs ist verhältnismäßig bedeutend; vor der Revolution war sie auf 12,000 angewachsen; seitdem ist sie im Sinken. Ber dem eisernen Dänendruck in den Herzogthümern ausweichen kann, thut’s; wer gehen kann, geht. Der Holsteiner, sonst der seßhafteste, heimathlichste, der Auswanderung abgeneigteste unter den deutschen Stämmen, hat in den letzten 2 Jahren 6000 Männer und mindestens 8 Millionen Thaler Kapital durch die Emigration verloren.