Schloß Brunn (Prunn) im Altmühlthale

Las Posas auf Cuba Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band (1857) von Friedrich Hofmann
Schloß Brunn (Prunn) im Altmühlthale
St. Charles am Missouri
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SCHLOSS PRUNN im ALTMÜHLTHALE
(BAYERN)

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Schloß Brunn (Prunn) im Altmühlthale.




Die schöne Kriemhild im Burgundenland, des Nibelungenliedes Heldin, hat vieler herrlicher Ritter Tod verschuldet, aber keiner derselben wird in unserem kostbarsten Nationalepos schmerzlicher beklagt, als der Markgraf Rüdiger von Bechlaren.

Das ist von allen traurigen Geschichten, die uns die alten Sagen und Dichtungen von der deutschen Vorzeit bewahrt haben, die schönste. Siegfried, der tapfere, starke Königssohn aus den Niederlanden, war nach Worms im Burgundenland gekommen, hatte durch kühne Thaten die Freundschaft des Königs Gunther und seiner Brüder Gernot und Giselher gewonnen, die ihm Kriemhild, ihre Schwester, zum Weibe gaben. Gunther selbst hatte Brunhild, die mächtig starke Königin auf Island, mit Siegfrieds Hülfe bewältigt und heimgeführt nach Worms. Siegfried aber zog mit Kriemhilden auf seine Burg zu Xanten. Einstmals aber kamen sie zum Besuch nach Worms. Da erhub sich ein Neid und Streit zwischen den beiden Königinnen über ihren Vorrang und die Vorzüge ihrer Männer, sie sagten sich harte Worte, und die wurden Siegfrieds Tod. Denn Königin Brunhild gewann den tapferen, bösen Ritter Hagen, und der erschlug den schönen Siegfried im Walde. Dazu holte Hagen später durch List und Tapferkeit Siegfrieds großen Schatz, den er einst den Nibelungen abgekämpft, den berühmten „Nibelungenhort“, und versenkte ihn heimlich in den Rhein. Da ward die Rache groß in Kriemhilden gegen Hagen und ihren eigenen Bruder Gunther und sein Weib Brunhild. Sie zog mit ihrer Mutter Ute in das Kloster zu Lorsch, nahm den Leichnam ihres Gemahls mit, begrub ihn in „einem langen Sarg“ und beweinte ihn in der Einsamkeit dreizehn Jahre lang.

Da kam frohe Botschaft in’s Burgundenland. Rüdiger von Bechlaren war gesandt, um für Etzel, den König der Heunen (Attila, den Hunnenkönig) zu werben um die schöne Kriemhild. Sie widerstand scheinbar, aber ernstlich widerrieth der kluge, kühne Hagen dem König Gunther, Kriemhild ziehen zu lassen zu dem mächtigen Etzel. Er fürchtete Rache. Und um der Rache willen ging Kriemhild mit Rüdiger und seinen Helden, nachdem sie in geheuchelter Freundschaft von den Ihrigen Abschied genommen hatte. Aber das Lied sagt:

„Ich wæne, der übel vâlant Kriemhilt daz geriet,
daz si sich mit friuntschefte von Gunthere schiet.“ –


(„Ich wähne, der üble Teufel Kriemhilden das rieth,
Daß sie sich in Freundschaft von König Gunthern schied.“ –)

[59] Der treue, edle Rüdiger wußte nichts von dem bösen Sinn der schönen Frau. Recht in Freude über den gelungenen Dienst für seinen Lehnsherrn führte er die Königsbraut auf seine Burg Bechlaren, wo Kriemhilden von seiner Gattin Götelinde und seinem lieblichen Töchterlein „vil michel dienest“ ,„gar freundlicher Dienst“ bereit war. Zu Zeißenmauer geschah dann die Begrüßung Kriemhildens durch Etzel, und dann ward zu der Königsburg an der Donau gefahren und die Hochzeit gefeiert siebzehn Tage lang.

Nach sieben Jahren gebar Kriemhilde dem König Etzel einen Sohn, und im dreizehnten Jahre ihrer Ehe gedachte sie an die Ausführung ihrer Rache an Hagen und den Burgunden. Sie klagte eines Nachts dem König, daß sie von ihren hohen Verwandten noch nicht besucht worden sei, so daß die Leute im Lande sagten, sie sei nur eine Landverwiesene. Der liebevolle Etzel sandte sogleich seine Fiedelleute, Werbel und Swemmel, gen Worms, wohin sie auch Rüdigers Grüße mitnahmen. Abermals warnte Hagen den König und die Seinen vor Kriemhildens Rache; als aber kein Warnen half, begleitete er selbst die Helden auf ihrer letzten Fahrt. Nach vielen Abenteuern kamen sie zu Rüdigers Burg Bechlaren, wo sie herrlich empfangen und bewirthet wurden und wo Kriemhildens jüngster Bruder Giselher Rüdigers Töchterlein erfreite und für die Heimfahrt zum Weib erhielt. Aber Niemand fuhr wieder heim, denn schon die Weise „wie Kriemhild Hagenen empfing“, bereitete den Vernichtungskampf zwischen den Burgunden und den Heunen vor. Kriemhild’s Racheplan siegte, der geschürte Haß verkehrte die Turnierspiele in blutigen Kampf und den Bankettsaal in ein Schlachtfeld. In wenigen Tagen lagen 7000 Helden erschlagen. Da schwur auch Etzel allen Burgunden den Tod und Kriemhild ließ Feuer legen unter den Saal, den die Ihrigen vertheidigten. Die Schaaren der Heunen waren schrecklich gelichtet. Da mußte auch Rüdiger in den Kampf gegen seine Gastfreunde und den Bräutigam seiner Tochter. Die Lehnstreue gegen seinen König und die Treue gegen seine Freunde stritten in seinem Herzen. Er klagte bitterlich:

Owê mich gotes armen, daz ich ditz gelebet hân!
aller mîner êren der muoz ich abe stân,
triwen unde zühte, der gotan mir gebôt.
owê got von himele, daz mih’s niht wendet der tôt!


(O weh mir Gottverlaßnen, daß ich dies sollt’ erleben!
Aller meiner Ehren muß ich mich nun begeben,
Aller Treu und Züchten, die Gott mir angebot.
Weh mir, o Gott vom Himmel, daß mich entledigt nicht der Tod!)

Aber die Lehnstreue siegt über die Freundespflicht. Er scheidet von seinen Freunden, die nun seine Feinde sein müssen, mit den ergreifendsten Klagen, beschenkt Hagen noch mit seinem eigenen Schild, und dann führt er seine Mannen zum Verzweiflungskampf. Reihen der Helden sinken vor seinem starken Arm, die Kämpfer waten im Blute, der Seinen liegen schon viele erschlagen zu seiner Linken und Rechten, und endlich fällt auch er. – Um des Helden Leichnam, wie um ein heiliges Kleinod, beginnt der letzte Kampf, und der endet mit dem Tode aller Mannen Dietrichs von Bern, und mit Gunthers, Gernots, des jungen Giselhers, des bösen Hagens und auch der schönen Kriemhild Tod. „Hie hât daz mær ein ende. ditze ist der Nibelunge nôt.“

[60] Wie konnte aber unser Bild uns zu den „alten mæren“ führen und zu Rüdiger von Bechlaren? Der Anblick dieser Felsenburg in der Mondnacht könnte schon an sich an die Mondscheinhelle unserer Sagenwelt und die Felsenfestigkeit ihrer Heldengestalten gemahnen, wenn auch nicht des edlen Rüdigers Nachkommen die Herren dieses Schlosses wären. Nach dem alten Stammhause an der Donau Alt-Bechlarn oder Pöchlarn nannte ein Grafengeschlecht sich Pecklarn, später Pöcklar und seit 1500 Pückler. Es zerfiel in die lausitzer und die fränkische Linie. Letztere, jetzt Pückler-Limpurg, besitzt außer Burg-Farnbach etc. auch Schloß Brunn, das, wohl erhalten, eine Zierde des an romantischen Reizen reichen Thales der Altmühl in Bayern ist.