Toulouse in Frankreich

DCII. Das Pantheon in Paris Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Dreizehnter Band (1848) von Joseph Meyer
DCIII. Toulouse in Frankreich
DCIV. Bugia: – die Republik
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TOULOUSE

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DCIII. Toulouse in Frankreich.




Es gibt Städte, die für ihre Dauer einen Pakt mit der Ewigkeit zu haben scheinen. Toulouse ist eine solche. Schon lange vor der Römerzeit glänzt sie als Hauptstadt des südlichen Galliens. Jahrtausende mit ihren Stürmen des Kriegs, der Eroberung, der Revolutionen und des Wechsels von Reichen und Dynastien [136] sind über sie hingeschritten; doch unter mancher Wandlung und Verjüngung blühte sie fort bis auf den heutigen Tag. Toulouse, im schönen Garonnethale, zählt in seinen Mauern fast 9000 Häuser und eine fleißige, industrielle und wohlhabende Bevölkerung von fast 70,000. Die winkligen, öfters sehr engen und dunkeln Straßen mit ihren uralten Häusern, die Klostergebäude und Kirchen, welche zum Theil aus römischen Tempeln entstanden, mehre antike Wasserleitungen und die Ruinen von Amphitheatern, Bädern u. s. w. drücken der Stadt das Gepräge des grauen Alterthums auf. Eine Brücke führt über die Garonne, fast 1000 Fuß lang, die schönste des südlichen Frankreichs. Der erzbischöfliche Palast, das Rathhaus, das Theater, der Dom und eine Menge anderer Kirchen so wie mehre Privatgebäude sind Muster der Baukunst des Mittelalters, jener großen Zeit, wo Toulouse als Sitz des Parlaments und einer weltberühmten Universität als das Emporium der Wissenschaften in Westeuropa galt. Noch immer genießen diese einer sorgfältigen Pflege durch eine Menge Anstalten und Vereine. Die Universität hat sich kürzlich verjüngt und zählt berühmte Lehrer; die Sternwarte ist nach der Pariser die beste Frankreichs; große Bibliotheken sind dem allgemeinen Gebrauche zugänglich und der botanische Garten ist einer der reichsten in Europa.

Auch die bürgerlichen Gewerbe, begünstigt durch die vortreffliche Lage der Stadt inmitten einer produktenreichen Gegend und durch die Wasserwege der Garonne und des Languedockanals, der die wohlfeilste Kommunikation mit beiden Meeren und dem Innern des Reichs erlaubt, gedeihen und großer Handel hat seit undenklichen Zeiten in Toulouse seinen beständigen Wohnsitz. Die Manufakturen von feinen Tüchern und Seidenstoffen, schon zur Zeit der Kreuzzüge in Ruf, sind von Bedeutung.

In der neuern Kriegsgeschichte ist Toulouse durch die Schlacht berühmt geworden, in welcher Wellington das französische Heer unter Soult am 10. April 1814 besiegte. Der Schlag traf einen – Wehrlosen; denn Napoleon hatte schon mehre Tage vorher in Fontainebleau seine Abdankungsurkunde unterzeichnet, und nur ein Zufall war es, der die Nachricht davon „zu spät“ in’s Hauptquartier Wellington’s brachte. – Dies „Zu spät“ kostete 20,000 braven Kriegern beider Heere das Leben. –