Zur Geschichte des George Bähr-Hauses

Die Stimmung der Dresdner Bürger im Schmalkaldischen Kriege 1546–47 Zur Geschichte des George Bähr-Hauses (1910) von Carl Hollstein
Erschienen in: Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912)
Löwen in Dresden 1568
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Zur Geschichte des George Bähr-Hauses.
Von Carl Hollstein.


In seinem Werke über die Kunstdenkmäler Dresdens (S. 681) nimmt Cornelius Gurlitt an, daß George Bähr selbst der Erbauer seines kürzlich leider abgebrochenen Hauses an der Ecke der Seestraße und An der Mauer Nr. 2 (Brandkat. Abt. A. Nr. 463) gewesen sei. Hierüber geben die Kontrakt- und Kauf-Bücher[1], welche die Vorläufer der durch das sächsische Gesetz vom 6. November 1843 vorgeschriebenen Grund- und Hypothekenbücher waren, abweichende Aufschlüsse.

Am 4. Oktober 1686 hatte Martin Schütze, ein Wagner, das Grundstück sub hasta erstanden. Als es dessen Kinder Joh. George Schütze, Wagner, und Frau Johanne Rosine, Eheliebste des Wagners Martin Hillner, geb. Schütze erbten, heißt es im Lehnschein vom 15. Juli 1705[2]: „Allermaßen sie nun aus dem gerichtlichen Scheine de dat. 4. Oct. 1686 dargethan, daß ermelten ihren Vater daßelbe Haus um 140 Gulden adjudicieret worden, er aber hernach solches ganz neu erbauet und keine Kinder mehr als anfangs erwähnte 2 Persohnen hinterlassen . . .“ Am 21. Februar 1711 überließ die Frau Hillner das Haus ihrem Bruder Joh. George Schütze allein für 1200 Taler bar[3]. Durch Vertrag vom 21. März 1711[3] kaufte Herr George Bähr, E. E. Hochw. Raths Zimmermeister, von Joh. George Schütze sein väterliches Haus und Hof auf der Seegasse für 1250 Taler bar; weiter sagt dieser Vertrag: „Inmittelst hat Verkäufer dem Käufer die Posseß im Hauße durch Übergebung des Hauß-Schlüßels eingeräumt“. Von dem Kaufgelde hat Bähr [125] laut Quittung vom 4. April 1711 30 Taler an Schütze und, weil die Frau Hillner gegen den Verkauf protestiert hatte, mit ihrer Einwilligung vom 25. April beim Rat 1220 Taler hinterlegt, in einem auf den 26. Februar angesetzten Termin scheinen sich die Geschwister „mit einander in Güte“ verglichen zu haben.

Aus diesen urkundlichen Stellen geht hervor, daß das Haus in der Zeit zwischen Oktober 1686 und Juli 1705 Mart. Schütze erbauen ließ. Man muß annehmen, daß der Nachbesitzer Bähr das Haus nach so kurzer Zeit nicht schon wieder abgebrochen hat. Jedoch hat er es wahrscheinlich im Innern umgebaut und den Schmuck der Fassade geschaffen. Denn im Lehnschein für George Bährs Erben vom 1. April 1740[4] heißt es: „Wie nun aus dem uns in originali vorgelegten Kauffbriefe[5] zu ersehen gewesen, daß der Hr. Erblaßer angeregtes Haus am 21. Mart. 1711 für 1250 Thlr. erkauffet; die völlige Kauff Summa bezahlet und die Lehn am Hauße sofort bey uns erlanget, hiernächst derselbe solches nach der Zeit dergestalt melioriret, daß es von unsern Baugewerken besage ihres sub dat. den 19. Jan. 1739 ausgestellten Scheins auf 3500 Thlr. taxieret worden“. In dem Lehnschein werden als George Bährs Erben genannt: seine zweite Ehefrau[6] und Witwe Johanna Juliana, welche inzwischen Bährs Vetter, Schüler und Nachfolger Joh. George Schmidt (Schmied), damals Hof-Zimmermeister, geheiratet hatte, geb. Wehlin (dieser Mädchenname findet sich erst in einem Lehnschein vom Jahre 1775[7]), und sechs unmündige Kinder, nämlich Christian Heinrich, George Wilh., Bernhard Leberecht, Esther Sophie, Brigitta Juliana und Christiana Concordia Bähr, deren Vormund Joh. Tobias Lehmann, Bürger und Mäurermeister zu Neustadt bei Dresden, und später 1752 Jacob Krause, Bürger und Hofböttcher, waren. Aus der gerichtlichen Bestätigung vom 4. Februar 1752 zu dem am 6. November 1750 geschlossenen Kaufvertrage[8] zwischen Bährs Witwe und Kindern einerseits und deren zweitem Ehemann bez. Stiefvater Joh. George Schmidt anderseits erfahren wir, „daß die Communion (der Bährschen Erben) darum nicht länger bestehen könne, weil die Zinsen, so die Kinder von der Kauff-Summe zu ihrem Antheile zu erwarten, die Nutzungen des Haußes überstiegen und der Käuffer davor über unserer Baugewerken Taxe 500 Thlr. mehr zu bezahlen versprochen, und ob man dieses Kauff Pretium bei einer Subhastation erlangen möchte, ungewiß, und dieselbe sonst bedenklich wäre“. Die von Joh. George Schmidt versprochene Kaufsumme betrug 4250 Taler, wovon 1250 Taler zu Tilgung des gemeinschaftlichen Vorschusses nach der Kommun-Rechnung bis Mich. 1748 flg und zu Bezahlung gemeinschaftlicher Passiven angewendet und vom Käufer berechnet werden sollen, „3000 Thlr. sollen auf dem Hause gegen gerichtliche Hypothek stehen bleiben und bis jedes Kind, nach vorgängiger obrigkeitlicher Approbation, seinen Antheil nötig hat, mit 5 Prozent verzinst werden“. Ein im Lehnschein von 1740 erwähntes, für die hiesige Kreuzschule darauf sichergestelltes Kapital von 400 Taler scheint zurückgezahlt worden zu sein, denn es wird in dem Kaufvertrag nicht angeführt. Spätere Quittungen aus den Jahren 1752, 1757, 1758, 1759, 1761 und 1770[9] belegen die Art der einzelnen Teilzahlungen und Tilgung der Hypothek für Bährs Erben und die Lebensstellungen der inzwischen mündig gewordenen Kinder Bährs. Noch sei erwähnt, daß die zur Tilgung des gemeinschaftlichen Vorschusses bestimmten 1250 Taler auch auf dem Hause der Witwe Bährs in Neustadt bei Dresden am Kohlmarkte[10] sichergestellt waren und daß Bernhard Leberecht Bähr, laut Registratur vom 15. Januar 1761 Conducteur, 678 Taler 14 Gr. 74/9 Pf. Vaterteil sowie „seinen Anteil von denen 500 Thlr. so das gesammte Bährische Erbe annoch aus der Frauen-Kirchen-Bau-Rechnung bekommen, mit 45 Thlr. benebst Intereßen nach und nach bezahlt erhalten“ hat. Die Söhne Christian Heinrich und George Wilhelm (dieser wird 17. September 1770 Steinmetz-Meister genannt) waren laut Registratur vom 22. Juni 1753 schon mündig, ebenso wie die Tochter Esther Sophie, welche mit Christoph Joseph Tietze (Dietze), Kauf- und Handelsmann in Budissin, verehelicht war; am 13 Januar 1758 wird „Christian Heinrich Bär, jetzt Hof-Conducteur in Weymar“ als 29 Jahr alt bezeichnet. Im gleichen Jahre finden wir Brigitta Juliana als Ehefrau des Christoph Benjamin Otto, Pastors zu Börnersdorf bei Gottleuba, später laut Quittung vom 17. September 1770 Pfarrer zu Fürstenwalde und Fürstenau. Die jüngste Tochter Christiana Concordia war im Jahre 1759 nach Ausweis einer Registratur vom 11. Januar 24 Jahre alt und mit Joh. Jacob Rößler, Ober-Amts-Registrator (1770 Canzelist) im Markgrafentum Ober-Lausitz zu Budissin verehelicht.

Am 28. Juli 1774 starb Joh. Schmidt als „Eines Hoch Edlen Raths Bau- und Zimmermeister, 67 Jahre alt in seinem eignen Hause[11] und hinterließ seine Witwe Joh. Juliana verw. gew. Bähr, geb. Wehlin und einen, wie es heißt, einzigen Sohn Carl August Schmidt, [126] welcher durch Erbvergleich mit seiner Mutter vom 7./14. Dezember 1774 und Konfirmation vom 1. Februar 1775[12] das Eckhaus auf der Seegasse erhielt, später Kaufmann war und am 15. Februar 1784 starb.

Carl Aug. Schmidts Witwe Joh. Sophia, geb. Ostertag, später anderweit verehelicht mit dem Kauf- und Handelsmann Joh. Christian Sauermann[13], erbte 3/9 Anteil und ihr unmündiger Sohn Carl Ferdinand Schmidt, 6/9 Anteil unter dem 16. November 1785[14]. Den Anteil der Schmidtschen Witwe erhielten am 2. November 1791[15] ihr Sohn erster Ehe Carl Ferdinand Schmidt, ihr zweiter Ehemann und der minderjährige Sohn zweiter Ehe Joh. Eduard Ludwig Sauermann zu je 1/9 Anteil in Lehn.

Am 21. September 1801 erstand der Zuckerbäcker Ludwig Theophilus Conradi in freiwilliger Versteigerung der Schmidtschen Erben das auf 3500 Taler gewürdete Haus, es wurde ihm für das höchste Gebot von 3440 Taler zugeschlagen[16].

Mit diesem Besitzwechsel schieden die Erben Bährs und Schmidts von dem Grundstück. Nach Conradis Tode (25. September 1807) ging es zunächst in den Besitz seiner Witwe Johanna Dorothea, geb Meyer, dreier Söhne und einer Tochter[17] über, welche 1808 gemäß dem väterlichen Testamente das auf 5200 Taler gerichtlich taxierte völlig schuldenfreie Haus dem jüngsten, noch unmündigen Sohne Carl Heinrich Conradi, später auch Zuckerbäcker, für 4500 Taler in Anrechnung auf sein vom Vater vorläufig auf 6000 Taler festgesetztes Erbteil überließen[18]. Dieser verkaufte es 1822 für 5000 Taler weiter und erwarb von seiner Mutter am 25. September 1839 das unten genannte Eckhaus am Altmarkt.

Dieselbe bekannte Zuckerbäcker-Familie, wohl aus Waldenburg stammend, besaß seit Dezember 1795 das Haus Schloßstraße Brandkat. Nr. 252, jetzt Abt. A Nr. 675, Große Brüdergasse Nr. 1, bis 1816 und ferner durch die oben genannte Frau Joh. Dor. Conradi seit 30. September 1805 das große Eckhaus an Altmarkt und Seestraße (bis 1839 Brandkat. Nr. 33), jetzt Seestraße Nr. 1, wovon 1884 auf einem Trennstück ein Neubau, jetzt Brandkat. Abt. Nr. 451B, Seestraße Nr. 3 errichtet wurde, in dem bis Juli 1910 die Conradische Konditorei bestand.


  1. Im Archiv des Königl. Amtsgerichts Dresden-A.
  2. Contract-Buch de ao. 1704, Bl. 222.
  3. a b Contract-Buch de ao. 1710, Bl. 95 flg.
  4. Contract-Buch de ao. 1739, Bl. 518.
  5. Siehe Anm. 3.
  6. Alfr. Barth, Beiträge zur Baugeschichte der Dresdner Kreuzkirche, bezeichnet S. 14 Bährs Witwe als seine zweite Ehefrau.
  7. Siehe weiter unten unter Anm. 12.
  8. Contract-Buch de ao. 1751, Bl. 224.
  9. Contract-Buch de ao. 1751, Bl. 227b, 228, 240 u. 260.
  10. Seit 1865 Körnerstraße.
  11. Barth, Beiträge S. 13.
  12. Contract-Buch de ao. 1775, Bl. 159.
  13. In „Dresden zur zweckmäßigen Kenntnis seiner Häuser und Bewohner“ 1797 S. 11 und 1799 S. 243 ist er Lauermann genannt.
  14. Contract-Buch de ao. 1785, Bl. 453.
  15. Contract-Buch de ao. 1791 Bl. 327.
  16. Contract-Buch de ao. 1801, Bl. 355.
  17. Contract-Buch de ao. 1808, Bl. 443.
  18. Ebenda Bl. 448.