Kurs:Elementare Algebra/21/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 4 | 3 | 2 | 3 | 3 | 5 | 10 | 3 | 3 | 2 | 2 | 3 | 3 | 1 | 4 | 4 | 3 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Die Ordnung einer endlichen Gruppe .
- Eine Körpererweiterung.
- Die Einheitengruppe in einem Ring .
- Ein Integritätsbereich.
- Eine Linearkombination in einem - Vektorraum .
- Eine Fermatsche Primzahl.
- Die Ordnung der Gruppe ist die Anzahl der Elemente von .
- Es sei ein Körper und ein Unterkörper von . Dann heißt die Inklusion eine Körpererweiterung.
- Die Einheitengruppe in ist die Teilmenge aller Einheiten in .
- Ein kommutativer, nullteilerfreier, von null verschiedener Ring heißt Integritätsbereich.
- Es sei eine Familie von Vektoren in . Dann heißt der Vektor
eine Linearkombination dieser Vektoren
- Eine Primzahl der Form , wobei eine positive natürliche Zahl ist, heißt Fermatsche Primzahl.
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Das Irreduzibilitätskriterium für Polynome von kleinem Grad über einem Körper.
- Der Isomorphiesatz für Gruppen.
- Der Satz über den algebraischen Abschluss von zu einer Körpererweiterung .
- Ein Polynom vom Grad zwei oder drei ist genau dann irreduzibel, wenn es keine Nullstelle in besitzt.
- Es seien
und
Gruppen
und sei
ein surjektiver Gruppenhomomorphismus. Dann gibt es eine kanonische Isomorphie
- Es sei eine Körpererweiterung und sei der algebraische Abschluss von in . Dann ist ein Unterkörper von .
Aufgabe (4 (2+2) Punkte)
Es sei
.
Betrachte das
Monoid
, das aus allen Abbildungen von nach besteht mit der
Hintereinanderschaltung
von Abbildungen als Verknüpfung.
a) Beschreibe die Elemente in und erstelle eine Verknüpfungstabelle für .
b) Bestimme sämtliche Untermonoide von und entscheide jeweils, ob sie kommutativ sind und ob es sich um Gruppen handelt.
a) Es gibt vier Abbildungen der zweielementigen Menge in sich selbst, nämlich die Identität , die Vertauschung , die durch festgelegt ist, und die beiden konstanten Abbildungen, die wir mit bzw. bezeichnen. Die Verknüpfungstabelle, bei der im Kreuzungspunkt von der -Zeile mit der -Spalte die Verknüpfung (also zuerst angewendet) steht, sieht folgendermaßen aus:
b) Die Identität ist das neutrale Element des Monoids, jedes Untermonoid muss dieses Element enthalten.
Das kleinste Untermonoid ist , das ist eine kommutative Gruppe.
ist ebenfalls eine kommutative Gruppe, da zu sich selbst invers ist.
ist ein kommutatives Untermonoid, wegen und , aber keine Gruppe, da es kein inverses Element zu gibt.
ist ebenfalls ein kommutatives Untermonoid und keine Gruppe (gleicher Grund).
ist ein Untermonoid, da es unter der Operation abgeschlossen ist. Es ist keine Gruppe, da und nicht invertierbar sind. Es ist nicht kommutativ, da und ist. Wenn man zu noch ein Element dazu tut, so ist wegen auch das andere drin. Daher gibt es nur noch das volle Untermonoid , das weder kommutativ noch eine Gruppe ist.
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei eine endliche Gruppe. Zeige, dass jedes Element eine endliche Ordnung besitzt, und dass die Potenzen
alle verschieden sind.
Da endlich ist, muss es unter den Potenzen zu den positiven Exponenten
eine Wiederholung geben, sagen wir mit . Wir multiplizieren diese Gleichung mit und erhalten
Also ist die Ordnung von maximal gleich . Mit dem gleichen Argument kann man die Annahme, dass es unterhalb der Ordnung zu einer Wiederholung kommt, zum Widerspruch führen.
Aufgabe (2 Punkte)
Es sei
Bestimme .
Es ist
Aufgabe (3 Punkte)
Die Bedingungen führen auf das lineare Gleichungssystem
führt auf
und führt auf
also
und somit
Das gesuchte Polynom ist also
Aufgabe (3 Punkte)
Berechne in
( bezeichne die Restklasse von ).
Es ist
und
Daher ist
Aufgabe (5 Punkte)
Es sei ein Körper und der Polynomring über . Zeige unter Verwendung der Division mit Rest, dass ein Hauptidealbereich ist.
Es sei ein von verschiedenes Ideal in . Betrachte die nichtleere Menge
Diese Menge hat ein Minimum , das von einem Element , , herrührt, sagen wir . Wir behaupten, dass ist. Die Inklusion ist klar. Zum Beweis von sei gegeben. Aufgrund von Satz 5.3 (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) gilt
Wegen und der Minimalität von kann der erste Fall nicht eintreten. Also ist und ist ein Vielfaches von .
Aufgabe (10 (2+2+5+1) Punkte)
Wir betrachten auf die Relation , die durch
festgelegt ist, falls eine Potenz von und eine Potenz von teilt.
- Zeige, dass eine Äquivalenzrelation ist.
- Bestimme, welche der folgenden Elemente zueinander äquivalent sind, welche nicht.
- Es sei die Quotientenmenge zu dieser Äquivalenzrelation und es sei die Menge der Primzahlen mit der Potenzmenge . Zeige, dass es eine natürliche Abbildung
gibt, die zu einer injektiven Abbildung
führt. Ist surjektiv?
- Wie sieht ein besonders einfaches Repräsentantensystem für die Äquivalenzrelation aus?
- Die Reflexivität ist klar, da die erste Potenz
teilt. Die Symmetrie ist von der Formulierung her klar. Zum Nachweis der Transitivität sei und . Dann ist ein Teiler von für ein gewisses und ist ein Teiler von für ein gewisses . Dann ist
und
und daraus folgt
sodass eine Potenz von teilt. Die umgekehrte Teilbarkeitsbeziehung ergibt sich genauso.
- Es ist offenbar (es kommen jeweils die Primfaktoren und vor) und , darüber hinaus sind und nur zu sich selbst äquivalent. Dies ergibt sich aus der Charakterisierung der Relation mit Primteilern aus dem folgenden Teil.
- Wir betrachten die Abbildung
die einer natürlichen Zahl die Menge der in der Primfaktorzerlegung von vorkommenden Primzahlen zuordnet. Es sei . Da in einer Potenz (zu einem positiven Exponenten) die gleichen Primfaktoren vorkommen (nur ihre Vielfachheit ändert sich) folgt aus der Eigenschaft, dass eine Potenz von teilt, dass die Primteiler von in den Primteilern von enthalten sein müssen. Aus folgt also, dass die Primteiler der beiden Zahlen überhaupt gleich sind. Nach Lemma 39.13 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2022-2023)) gibt es daher eine zugehörige Abbildung
Diese ist injektiv, da wenn von und die Primteiler übereinstimmen, dann eine hinreichend große Potenz von teilt und umgekehrt. Diese Abbildung ist nicht surjektiv, da nur endliche Teilmengen der Primzahlen im Bild liegen, es aber unendlich viele Primzahlen gibt.
- Ein Repräsentantensystem besteht aus allen natürlichen Zahlen mit der Eigenschaft, dass sämtliche Exponenten in ihrer Primfaktorzerlegung gleich sind.
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei
Wegen . ist . Es seien . Das bedeutet und . Dann ist
und daher .
Es sei nun und beliebig. Dann ist
also ist .
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme das inverse Element zu in .
Der euklidische Algorithmus liefert
Somit ist
Daher ist
das inverse Element zu in .
Aufgabe (2 Punkte)
Es sei eine Primzahl. Man gebe einen Körper der Charakteristik an, der unendlich viele Elemente besitzt.
Wir starten mit , das ist ein Körper der Charakteristik . Dazu betrachten wir den Quotientenkörper des Polynomrings . Der Polynomring und sein Quotientenkörper enthalten , sodass ebenfalls die Charakteristik besitzt. Ferner enthält die unendlich vielen Potenzen , , die alle untereinander verschieden sind.
Aufgabe (2 Punkte)
Es sei ein Körper und ein - Vektorraum.
Zu einer Familie von Vektoren in heißt bekanntlich
der von diesen Vektoren erzeugte Untervektorraum.
Wäre auch die folgende formal ähnliche Begriffsbildung sinnvoll:
„Zu einer Familie von Skalaren in heißt
der von diesen Skalaren erzeugte Untervektorraum“?
Diese Begriffsbildung ist zwar korrekt, aber mathematisch nicht sinnvoll. Wenn alle sind, so ergibt sich der Nullraum. Sobald ein ist, handelt es sich bereits um den Gesamtraum . Man kann ja dann jeden Vektor als
schreiben.
Aufgabe (3 Punkte)
Die Summe der vier Vektoren ist
Daher gehört zu dem von den Vektoren erzeugten Untervektorraum. Daher gehören auch die Differenzen
und
also die Standardvektoren, zu dem erzeugten Untervektorraum. Daher wird der ganze erzeugt und die Dimension ist .
Aufgabe (3 Punkte)
Beweise den Satz über die Anzahl eines endlichen Körpers.
Der endliche Körper kann nicht die Charakteristik besitzen, und als Charakteristik eines Körpers kommt ansonsten nach Lemma 13.5 (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) nur eine Primzahl in Frage. Diese sei mit bezeichnet. Das bedeutet, dass den Körper enthält. Damit ist aber ein Vektorraum über , und zwar, da endlich ist, von endlicher Dimension. Es sei die Dimension, . Dann hat man eine -Vektorraumisomorphie
und somit besitzt gerade Elemente.
Aufgabe (1 Punkt)
Wir interessieren uns für zwei Kreise, die sich in genau einem Punkt schneiden. Skizziere wesentlich verschiedene Konfigurationen von zwei Kreisen mit dieser Eigenschaft.
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei eine Gerade gegeben, auf der zwei Punkte als und ausgezeichnet seien, sodass man diese Gerade mit den reellen Zahlen identifizieren kann. Es seien zwei Zahlen und auf gegeben. Beschreibe, wie man die beiden Zahlen durch eine geometrische Konstruktion mit Zirkel und Lineal miteinander multiplizieren kann, sodass das Produkt wieder auf liegt (dabei darf die Konstruktion von Parallelen und Senkrechten verwendet werden). Skizziere die Situation.
Man zeichnet eine senkrechte Gerade zu durch den Nullpunkt. Mit dem Zirkel schlägt man Kreise mit dem Nullpunkt als Mittelpunkt durch , und und markiert die entsprechenden Punkte auf als , und . Dabei wählt man als einen der beiden Schnittpunkte und und müssen dann auf den entsprechenden Halbgeraden sein. Jetzt zeichnet man die Gerade durch und und dazu die parallele Gerade durch . Diese Gerade schneidet in genau einem Punkt . Für diesen Punkt gilt nach dem Strahlensatz das Streckenverhältnis
Aufgabe (4 Punkte)
Bestimme die Koordinaten der beiden Schnittpunkte der Geraden und des Kreises , wobei durch die Gleichung und durch den Mittelpunkt und den Radius gegeben ist.
Die Kreisgleichung ist
Wir lösen die Geradengleichung nach auf und erhalten
Dies setzen wir in die Kreisgleichung ein und erhalten
also
bzw.
Somit ist
Bei
ist
der erste Schnittpunkt ist also
Bei
ist
der zweite Schnittpunkt ist also
Aufgabe (3 Punkte)
Wie kann man anhand einer (schulrelevanten) Situation die Beziehung zwischen Geometrie und Algebra erläutern?