Landgrafschaft Thüringen

Die Landgrafschaft Thüringen war ein Reichsfürstentum des Heiligen Römischen Reichs. Es entstand im Hochmittelalter unter der Herrschaft der Ludowinger als den Landgrafen von Thüringen.

Der Landgraf hatte in des Königs Namen den Landfrieden in Thüringen zu sichern. Er übte zudem die höchste richterliche Gewalt über den thüringischen Adel aus, wodurch der Landgraf eine übergräfliche, herzogsgleiche Stellung in Thüringen hatte. Als Gründungsjahr der Landgrafschaft Thüringen kann das Jahr 1131 gelten, in welchem der Sohn Ludwigs des Springers († 1123), Ludwig I. wohl auf dem Hoftag in Goslar von König Lothar III. († 1137) die Landgrafschaft Thüringen als Lehen erhielt. Eine unverdächtige Königsurkunde Lothars III. vom 29. März 1131 betitelt Ludwig als lantgravius de Thuringia.

Die folgenden Generationen der Ludowinger wussten den landgräflichen Rang im Gefolge der staufischen Kaiser zu stärken sowie Besitz und Macht ständig zu erweitern. Der letzte Ludowinger in direkter männlicher Linie, Heinrich Raspe IV. († 1247) war Landgraf von Thüringen, Pfalzgraf von Sachsen, Graf in Hessen und Herr des Lands an der Leine. Er wurde 1241 Reichsgubernator und 1246 schließlich König des Heiligen Römischen Reichs gegen Friedrich II. († 1250). Nach Heinrich Raspes Tod erbte sein Neffe, der Wettiner Heinrich III. († 1288) die Landgrafschaft Thüringen und die Pfalzgrafschaft Sachsen, während Hessen und das untere Werragebiet seine Nichte Sophie († 1275) bzw. deren Sohn Heinrich I. († 1308) erbten. 1292 wurde auch die Landgrafschaft Hessen von Adolf von Nassau († 1298) zu einem Reichsfürstentum erhoben.

Da die Wettiner nicht nur Landgrafen von Thüringen und Pfalzgrafen von Sachsen, sondern auch Markgrafen von Meißen und Herren des Osterlandes waren, verlagerten sich die Zentren der wettinischen Regentschaft der Landgrafschaft Thüringen zunehmend weg von der einst zentralen Residenz Eisenach mit der Wartburg und dem landgräflichen Oberhof. Weimar wurde unter Friedrich IV. zur bevorzugten Residenz. Der Macht und Besitzzuwachs der Wettiner durch die Verleihung der Kurwürde mit dem Herzogtum Sachsen 1423 führte schließlich zur Leipziger Teilung 1485, mit der die Landgrafschaft Thüringen letztlich zerschlagen wurde.