Putschversuch in der Türkei 2016

Putschversuch in der Türkei 2016
Datum 15. bis 16. Juli 2016
Ort Ankara, Istanbul, Marmaris
Ausgang gescheitert
Konfliktparteien
Befehlshaber

unbekannt;
beschuldigt werden:

Vermutete Unterstützung von:

Verluste

24 bis 104 getötete Personen

  • mind. 62 getötete Polizisten,
  • mind. 5 getötete Soldaten
  • 179 Zivilisten
Insgesamt über 290 Tote

Der Putschversuch in der Türkei 2016 in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 war ein gescheiterter Putsch von Teilen des türkischen Militärs mit dem Ziel, die türkische Regierung mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und dem Kabinett Yıldırım (AKP) zu stürzen.

In Ankara und Istanbul kam es zu schweren Angriffen und Zusammenstößen mit Zivilisten. Es gelang jedoch, einen Teil der Putschisten am weiteren Vorstoß zu hindern, indem sich viele Bürger, oft in Gruppen, ihren Panzern in den Weg stellten. Dies trug entscheidend dazu bei, dass der Putsch niedergeschlagen werden konnte. Parallel zu den Kampfhandlungen griff ein Teil der Putschisten das Parlament, den Geheimdienst Millî İstihbarat Teşkilâtı (MİT) und das Dezernat für Sondereinsätze der türkischen Polizei in Ankara an.

In den Morgenstunden des 16. Juli 2016 flog eine Sondereinheit der Putschisten nach Marmaris, um Präsident Erdoğan zu töten oder festzunehmen, der dort mit Familie und Stab gerade Urlaub machte. Erdoğan entkam dem Anschlag, bei dem zwei Sicherheitskräfte ums Leben kamen und sieben verletzt wurden.

Nach ersten Meldungen gab es 249 Todesopfer. Die Zahl der Verletzten wurde mit über 2000 angegeben. Im Juli 2019 ging die türkische Staatsanwaltschaft von einer Beteiligung von 8000 Soldaten mit 35 Kampfflugzeugen, 37 Helikoptern, 74 Panzern und 246 Panzerwagen aus.

Dem Scheitern des Staatsstreichs folgten radikale Maßnahmen der Regierung, darunter Massenentlassungen in zahlreichen staatlichen und nichtstaatlichen Bereichen. Allein beim Militär wurden mehr als ein Drittel der Offiziere im Generals- und Admiralsrang, 3185 von insgesamt rund 600.000 Armeeangehörigen, darunter auch 248 Kampfpiloten, verhaftet oder unehrenhaft entlassen (Stand August 2016).

Ermittlungsbehörden und staatliche Stellen beschuldigen Fethullah Gülen, den Umsturzversuch mit Anhängern der Gülen-Bewegung, die in der Türkei als FETÖ (Fethullahçı Terör Örgütü, „Fethullahistische Terrororganisation“) bezeichnet wird, geplant und durchgeführt zu haben. Auch die Regierungspartei AKP und Teile der Opposition sehen Gülen in der Verantwortung.

  1. Karsten Polke-Majewski, Tilman Steffen, Alexandra Endres, Kai Biermann: Was wir über den Putschversuch in der Türkei wissen. Zeit Online, 16. Juli 2016, abgerufen am 19. Juli 2017.
  2. Alina Schadwinkel, Michael Stürzenhofecker, Ragnar Vogt: Türkei – Der gescheiterte Putsch. Zeit Online, 16. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016.
  3. Militärischer Umsturzversuch – Putsch gescheitert, Türkei beschädigt (Memento vom 17. Juni 2017 auf WebCite), spiegel.de, 16. Juli 2016, von Hasnain Kazim.
  4. Melanie Denzinger: Der „18-Stunden-Coup d’état“ – Der Putschversuch in der Türkei. Face2Face, 21. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016.
  5. 1 2 Wolfgang Ratzel: Über den Doppel-Putsch in der Türkei. derFreitag, 19. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016.
  6. Dramatische Nacht in der Türkei. T-Online, abgerufen am 27. Juli 2016.
  7. Türkei: Militär-Putsch gegen Erdogan. Bonnier, 16. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016.
  8. Karsten Polke-Majewski, Tilman Steffen, Alexandra Endres, Kai Biermann: Was wir über den Putschversuch in der Türkei wissen. Zeit Online, 16. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016.
  9. Putschversuch in Türkei: Erdogan ruft zum Widerstand auf – Gefechte zwischen Polizei und Militär. Thüringer Allgemeine, 16. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016.
  10. Timo Steppat: Nach dem Putschversuch: Die Stunde der Rache. Frankfurter Allgemeine, 16. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016.
  11. Reuters: Turkey Has Demanded Arrest of Cleric Gulen in U.S.: Justice Minister, New York Times vom 19. Juli 2016
  12. Erdogan-Rivale Gülen bestreitet Verwicklung in Putsch. Bonnier, 16. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016.
  13. Maximilian Popp: Militäraufstand in der Türkei: Der Plan der Putschisten. Spiegel Online, 17. Juli 2016.
  14. Abu Dhabi links with Israel exposed in leaked emails. Abgerufen am 13. Juni 2017 (englisch). 
  15. UAE allegedly funneled $3B to topple Erdoğan, Turkish government. Abgerufen am 13. Juni 2017 (englisch). 
  16. UAE ambassador's hacked emails 'show' alleged role in Turkey coup. Abgerufen am 13. Juni 2017 (englisch). 
  17. In Egypt, Many Leaders Quietly Cheered Turkish Coup Plotters. Abgerufen am 16. Juli 2016 (englisch).
  18. Ismail Numan Telci: Middle Eastern supporters of Turkey's failed coup. Al Jazeera, abgerufen am 14. Juli 2017 (englisch).
  19. 1 2 3 4 Frank Zeller, Stuart Williams: Turkey shuts 1,000 schools, arrests wanted cleric’s nephew. The Times of Israel, 23. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016 (englisch).
  20. Turkey PM: Attempted coup leaves 265 people dead auf Al Jazeera online, aufgerufen am 17. Juli 2016.
  21. Death toll in failed Turkey coup rises to more than 290. Reuters, 17. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016 (englisch).
  22. Death toll from attempted coup in #Turkey climbs to 290 people
  23. 1 2 3 Berk Esen & Sebnem Gumuscu: Turkey: How The Coup Failed (Memento vom 19. Juni 2017 auf WebCite) (englisch; PDF), Journal of Democracy, 28, Nr. 1, Januar 2017.
  24. Ludwig Schulz, Helge Tolksdorf, Ayşe Yüreklí, Erdal Yalcin, Galina Kolev: Die schwierige Beziehung der EU zur Türkei: Wie sieht die Zukunft der Türkei aus? (PDF) ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, Vol. 69, Iss. 21, S. 3–25, 19. November 2016, abgerufen am 6. April 2018.
  25. Versuchter Staatsstreich – Erdogan zog in der Putschnacht nicht die Fäden (Memento vom 1. August 2016 auf WebCite), faz.net, 1. August 2016, Rainer Hermann. Cf. Das Drama einer Nacht. Der Putschversuch in der Türkei war lange vorbereitet: Warum er trotzdem gescheitert ist, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. August 2016, S. 10, von Rainer Hermann.
  26. 1 2 Tages-Anzeiger: Von der Putsch-SMS an Erdogan zur Inkognito-Landung in Istanbul, abgerufen am 21. Juli 2016
  27. Türkei: Mutmaßliche Drahtzieher des Putsches vor Gericht – In der Türkei sind mehr als 200 mutmaßliche Organisatoren des Umsturzversuches vom vergangenen Sommer angeklagt worden, darunter auch zahlreiche ranghohe Offiziere. Sie sollen eine maßgebliche Rolle gespielt haben (Memento vom 27. Mai 2017 auf WebCite), dw.com, 22. Mai 2017 (cgn/hf (afp, ap, dpa)).
  28. Türkei-Putsch – Erdogans Rivale Gülen beteuert: Ich wollte nicht putschen – In der Türkei beginnt das Gedenken an den Putschversuch. Präsident Erdogan plant Feiern mit viel Pathos. Nun meldet sich sein Rivale (Memento vom 12. Juli 2017 auf WebCite), abendblatt.de, 12. Juli 2017 (dpa/rtr).
  29. Andre Partmann: Aufstand gegen Erdogan: Was blieb vom Putschversuch in der Türkei vor drei Jahren? Neue Osnabrücker Zeitung, 15. Juli 2019, abgerufen am 10. August 2019.
  30. Gralshüter im Büssergewand, NZZ, 18. August 2016
  31. Özgür H. Çınar, Tolga Şirin: Turkey’s human rights agenda. In: Research and Policy on Turkey. Band 2, Nr. 2, 2017, S. 133143, doi:10.1080/23760818.2017.1350354 (englisch). (Online veröffentlicht am 22. August 2017).