Bei Weisskirchen im Banate
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Bei WEISSKIRCHEN im BANATE
(Neramündung)
Im südlichen Theile Ungarns macht die Donau die Landesgrenze auf einer Strecke von fast fünfzig deutschen Meilen. Am linken Ufer breiten sich die schwachbevölkerten Sümpfe und Hügel des Banats aus; am rechten die schönen Landschaften des türkischen Serbiens mit den zahlreichen Städten und Vesten. Schon bei Semendria hat die Donau alle großen Nebenströme aufgenommen, und nun wälzt sich jene in der Breite von 2000–4000 Fuß an der Neramündung vorüber nach Orsova und dem eisernen Thore hin, wo sie den ungarischen Boden für immer verläßt. – Hier in den von serbischen Stämmen bewohnten südlichen Theilen des Banats war es, wo zuerst jener grausame Raçenkampf angezettelt wurde zwischen Slaven und Magyaren, welcher Gelegenheit gab, um die freiheitstolzeste Nation in’s Joch zu schmieden, was Habsburg’s Streben schon seit zwei Jahrhunderten gewesen war; und hier war es auch, wo Kossuth (am 15. August 1849) seinem verrathenen Vaterlande das letzte erschütternde Lebewohl zurief! –
Kossuth! Bleicher Held, die Gluth des Seelenschmerzes gab Deinen Worten Feuer;– Dein „Ade“ war das größte Wort, das Du gesprochen. Deinem Seherauge war die Bahre des Vaterlandes die Wiege seiner einstigen Auferstehung. O, ihr Kleingläubigen, lernt von Kossuth, – und wenn die schwarzen Wetterwolken eure Hoffnungsfelder niederhageln, denkt der Sonne, die jene verbergen. – Kossuth’s letztes Wort stehe hier zu seiner Ehre.
[99] Vaterland, Heimath der Magyaren! Gott mit dem Land aller Leiden! Du, heiliger Boden! welche Gebete erhoben sich von dir zu dem Allmächtigen! welche Milliarden Thränen ergossen sich in deine Tiefe, um selbst der Hölle Hülfe anzurufen gegen deine Dränger! Und dennoch bist du ein Sklave geworden, und aus deinen Eingeweiden wird man eherne Ketten schmieden für deine Söhne!
Mein Gott! mein Gott! Wenn du dein Volk liebst, dem du den Sieg gabst in so vielen Schlachten: Erniedrige es nicht! Wenn das Schicksal mit blutigen Lettern das Wort Vernichtung an seine Stirn geschrieben hat, sey es vernichtet: aber, Herr Gott! Erniedrige es nicht! –
O Erde, Erde so lieb! Du sogst deiner Söhne Blut so viel ein, daß für dich kein Erbarmen mehr ist. Du zogst mit deinem Fette den Landesverräther groß, und deshalb ist das Glück von dir gewichen! – Erde – du stürzest unter meinen Füßen. Nation – allertreueste Du! – du fielst von eigener Hand! Nicht die Waffen der heranstürmenden Feindesheere, nicht die von 14 Völkern gegen dich gerichteten Geschütze besiegten dich; nein! verrathen und verkauft wurdest du, mein Heimathland; es war dein Todesurtheil schon vorher gesprochen von Dem – o hatte ich doch lieber an Gottes Daseyn gezweifelt, als ihm vertraut! – der geschworen hatte, dich zu vertheidigen bis zum letzten Hauche seiner Seele. Er ward zum Landesverräther, – werthloses Erz war ihm theurer, als Gott und Vaterland! Dein Fluch verfolge ihn! Fluche, mein Volk, der Brust, die nicht versiegte, als sie ihm zum ersten Male Lebenskraft gereicht. –
Sterbe nun hin, mein Volk; aber sterbe, wie die Lilie stirbt, die im folgenden Lenze neue Blüthenstengel treibt! Dein Winter ist hereingebrochen – bete das Vaterunser des Todes; aber bete es hoffend! Der Winter geht vorüber und die Lilie blüht wieder!
Ich gehe von dir. Ich führe mit mir die Kleinodien, die du so treu bewahrt hast seit Jahrhunderten, und die du setztest auf Häupter, die eingriffen in Gottes Rechte: denn Gott sagt: Ich habe die Menschen zur Freiheit geschaffen.
Aber der langmüthige Gott weiß, was er thut. Verzage nicht! Sey treu in dem Glauben an Gott und an seinen Freiheitsengel.
Magyaren, seyd stolz! Um die „Rebellen“ zu beschwichtigen, mußten die Löwen Europa’s sich erheben.
Volk der Magyaren! Gottes, der da herrschet über alle Völker, Segen über dich! – Mein Volk! Glaube! Hoffe!
Und es hallt wieder in allen Zonen: