Der Khosanpaß im Kaukasus
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DER ENGPASS KOSAN
Das Innere des Kaukasus verbirgt uns unbekannte Wunder. Noch nicht der zwanzigste Theil dieses Hochgebirgs ist erforscht, und was uns Koch, Bodenstedt und andere Reisende davon erzählen, ist doch nur Das, was sie in der Nähe der wenigen Straßen gesehen haben, welche den Kaukasus überhaupt zugänglich machen. Was außer den Heerwegen liegt, ist für den Europäer noch eine völlige terra incognita.
Die Zugänge zu dem wilden, schroffen Berglande winden sich durch tiefe Schluchten oder an steilen Bergwänden hin und sie werden häufig zu bloßen Pässen, wo eine Handvoll entschlossener Männer hinreicht, ein ganzes Heer aufzuhalten. Diese Terrainschwierigkeiten sind so starke Schutzwehren der Freiheit für die Kaukasusvölker, als ihre [178] angeerbte Tapferkeit. Sie machen das Land unüberwindlich und haben alle Unterjochungsversuche der Mongolen, Perser, Türken und Russen seit Jahrhunderten vereitelt.
In unserm Bilde ist eine Paß-Scenerie in der Gegend von Keschaur dargestellt. In dieser Region ragen die höchsten Häupter des Kaukasus: schroffe, zackige, ungeheuere Berggipfel, kahl und baumlos, und nur an den südlichen Wänden mit spärlichem Strauchwerk und magerem Gras bewachsen. Auf den höchsten Bergen herrscht ewiger Winter, und an der Nordseite hängen Gletscherwände bis tief in die dunkeln Schluchten hinab. Viele derselben entbehren des Sonnenstrahls und der Tageshelle das ganze Jahr. Lachende Naturbilder wie in der Schweiz, die herrlichen Seelandschaften, die Gieß- und Staubbäche, die Kaskaden und Katarakten in grünen, blühenden Thalgründen sind im Kaukasus nicht zu suchen. Statt der landschaftlichen Heiterkeit, welche die Schweizer-Alpen zum schönsten Gebirge der Erde macht, ist finsterer Ernst des Kaukasus Ausdruck und Majestät sein Diadem. Jeder, der die kaukasischen Riesenberge sah, gesteht, daß ihr Anblick etwas Erdrückendes habe; erheitert fühlt sich Keiner, und wer je in der Schweiz gewesen ist, oder in Tyrol, oder in Salzburg, wird, wie Jacquemont bei dem Anblick des Himalaya, ausrufen: