Der Leipziger Markt
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DER MARKT IN LEIPZIG
„Zwölf Eier werden nächstes Jahr theurer seyn, als ein Dutzend deutsche Fürsten,“ das Wort kann wahr werden. Noch schwebt der Geist über den Wassern; noch treibt’s und fluthet’s chaotisch durch’s deutsche Reich; so viel aber ist doch schon deutlich, daß das Neugestalten der deutschen Dinge, wie es in Olmütz, Potsdam und München gewünscht und in Frankfurt gutgeheißen wird, auf Kosten der Mindermächtigen zu Gunsten der Mächtigsten geschehen soll, und alle kleinern deutschen Staaten aufgehen sollen in der Solution des großen germanischen Reichs. Die Krähen sollen gespeist werden von den Adlern! Als der Bundestag noch den Schlüssel zu den Handschellen des Volks führte, damals sollten 38 Staaten, so verschieden an gegenseitiger Macht zu einander, wie an Werth der Pfennig zum Thaler, in vollkommener Freiheit, Gleichheit und Unabhängigkeit neben einander bestehen, Keiner dem Andern an Berechtigung überlegen und das Stimmrecht gleich seyn für die freie Stadt wie für den mächtigsten Fürsten. Das war die Theorie; die That strafte sie Lügen. Das Recht des Stärkern ist allemal ein Recht; und ist ihm die öffentliche Berechtigung versagt, so macht er sie im Verborgenen geltend. Aber was im Verhältniß des alten Staatenbundes nicht seyn konnte, das ist im neuen deutschen Bundesstaate kein Hinderniß. Die Gleichberechtigung der Schwächern neben den Stärkern wird in demselben so sicher zur Thatsache, als im demokratisch wohlgeordneten Staate die Gleichheit aller Bürger, trotz alles Unterschieds an materiellem und geistigem Vermögen. Das ist ja eben das eigentliche Wesen und der Vorzug des Föderativstaats, daß er dem schwächsten Gliede der Genossenschaft sichern Bestand neben dem stärksten gewährt. Ist aber der Fortbestand kleinerer Staaten der Bundeseinheit kein Hinderniß, so wird er auch von der Gerechtigkeit gefordert. Die Kleinern haben dieselben Ansprüche und Rechte in den Märztagen sich errungen als die Größern; sie haben sich als die allerersten erhoben und haben mit nicht geringerm Muth für die Freiheit gekämpft und Opfer gebracht. Jeder Stamm hatte seinen Theil an der Arbeit ; also ist auch jeder gleich berechtigt zu den Früchten. Wenn die Stärkern die Schwächern zwingen wollen, ihr eigenthümliches, während Jahrhunderten entwickeltes Leben aufzugeben und unterzugehen in Anderer Daseyn: so ist das ein Mißbrauch der Stärkern, und an die Stelle gemeinsamer Freiheit tritt für den schwächern Theil Unterdrückung und Knechtung der empörendsten Art. Denn keine wird schmerzlicher ertragen, als diejenige, welche von Gleichberechtigten ausgeht. Stammfeindschaft ist stets die unversöhnlichste. Daß man sich hüte, sie in
[157] Deutschland zu entzünden! Wenn das Aufgehen aller kleinern Staaten und Stämme in den größern geschehen soll, so verliert die deutsche Bewegung ihre sittliche Würde, Bedeutung und Macht, und die Nation würde durch die so hergestellte Einheit nur ihre Schwäche vergrößern, sowohl nach Innen, als nach Außen. Die Revolution sänke herab zum mißbrauchten Werkzeug für ein Paar Dynastien, um ihr Ländergebiet zu vermehren und ihre Habsucht zu befriedigen; der finstere Geist der Gewaltthat setzte sich an die Stelle des Genius der Gerechtigkeit. Der deutschen Nation Ursprung, ruhend auf einer folgerecht entwickelten und durch zwei Jahrtausende getragenen Stämmebildung, dieser Kern des deutschen Wesens würde mehr und mehr verloren gehen, und wenn einmal dem Gewaltrecht über die Schwächern Anerkennung gegeben ist, so würde am Ende nichts übrig bleiben, als die Herrschaft Habsburg und die Herrschaft Hohenzollern, bis auch eine von diesen zweien im letzten gegenseitigen Vernichtungskampfe unterläge. Eine Einheit würde dann allerdings in Deutschland seyn: – die Einheit der Despotie; denn welche Gefahr die Freiheit läuft, wenn die ganze Kraft der Nation in eine Regentenfamilie oder in zwei gelegt würde, lehrt die Geschichte in tausend Büchern. Wer schützte denn während unserer dreiunddreißigjährigen Bundesnacht die Keime deutscher Freiheit vor gänzlicher Vernichtung? Die kleinern Staaten einzig und allein. Und was wäre während jener Zeit aus Deutschland geworden, wenn die 38 schon im Jahr 15 aufgegangen wären in ein Preußen und ein Oesterreich? Ein absolut beherrschtes Deutschland, auf das die Februarrevolution so wenig Einfluß geübt hätte, als auf das russische Czarenthum.
Dies mein Votum über den Plan, die an den edelsten Blüthen so reichen kleinern deutschen Staatsleben zu Gunsten der größern zu ermorden[1].
Man braucht inzwischen auch nicht zu ängstlich zu seyn. Die Könige, die machen ihre Rechnung; die Völker, die streichen sie durch. Auch jene treulose und falsche Rechnung wird durchstrichen werden. Ueber dem trüben, schlammigen deutschen Wasser schwebt doch der Geist Gottes. Das warnende, rathende Wort ist auch noch allgegenwärtig und die Nation ist auf der Hut. Die deutsche Revolution stirbt ganz gewiß nicht an der seidenen Schnur der Könige. Zur rechten Stunde wird sie ihre rechten Kinder zeugen – Männer mit Herkulesnaturen, deren Kraft die Stärke von hundert gemeinen Tyrannen aufwiegt. Wenn dann jene an die Spitze der Nation treten, so wird diese alle Gefahren ihrer [158] Freiheit überwinden und die Anschläge, welche ihre Feinde mit eben so viel Bosheit als Klugheit schmieden, vernichten.
Ein kleines Fleckchen von Deutschland ist dieser Markt von Leipzig und doch so geschichtsreich! Seit einem Jahrhundert ist Leipzig der einflußreichste Mittelpunkt für den geistigen Verkehr der Erde und Bildung und Wissen machen hier Propaganda für die ganze Welt. Kein Plätzchen ist auf unserm Planeten, der im reineren Lichte glänzte und dessen Strahlen wärmender und belebender auf die Menschheit wirkten. Nicht nur Alles, was die deutsche Literatur erzeugt, auch ein großer Theil der Werke, die im Auslande erscheinen, macht von Leipzig aus, oder durch Leipziger Vermittelung, seine Wanderung in alle Länder; ja in die dunkelsten Winkel des Planeten bringt von hier aus Guttenbergs Erfindung das Licht der begabtesten Geister. Mit den Büchern gehen die Erzeugnisse des Fleißes, der Künste und der Gewerbe durch die Lander; denn die Messen geben Leipzig Rang und Platz unter den Städten, wo der Welthandel seine Zelte aufgeschlagen hat. Nicht minder groß ist Leipzig in geschichtlicher Beziehung. Ein Kreuzpunkt vieler Völkerstraßen war es vielmal schon der Schauplatz von Ereignissen, welche die Geschicke der Staaten regelten und der Politik neue Bahnen anwiesen. Welches Volk in Europa hat nicht schon seine Fahnen entfaltet in Leipzigs Ebenen und den Boden mit seinem Blute getränkt? Welches versuchte hier nicht einmal das Glück des eisernen Würfelspiels? Reiche sanken hier von ihrer Höhe, andere stiegen aus dem Dunkel zu Glanz und Ansehen empor, bis vielleicht auch ihr Stern, nach einem gewagten neuen, unglücklichen Wurf auf diesem Spielbret Europa’s wieder erblich oder erlosch. Der Leipziger Chronik sind viele der inhaltschwersten Blätter der Weltgeschichte eingebunden und ein Stammbuch der Stadt ist ein Ehrenbuch für ganz Deutschland.
Wir wollen heute ein einziges Blatt dieses Ehrenbuchs betrachten. Ich darf dieß um so eher thun, da ich schon früher (Band IV, Seite 21) Leipzig im Allgemeinen beschrieb. Das Blatt, – es ist schwarz berändert; die Aufschrift ist: – Robert Blum. – Und die letzten Zeilen lauten:
- „Mittelst standrechtlichen Urtheils vom 8. November ist Robert Blum, ein Buchhändler aus Leipzig, überwiesen durch sein eigenes Geständniß, wegen aufrührerischer Reden und bewaffneten Widerstands gegen die kaiserlichen Truppen in Folge der von Sr. Durchlaucht dem kaiserlich königlichen Herrn Feldmarschall Fürsten zu Windischgrätz unterm 20. und 23. Oktober erlassenen Proklamationen zum Tode verurtheilt und das Urtheil am 9. November Morgens um halb 8 Uhr bei Wien, im Augarten, mit Pulver und Blei vollzogen worden.
[159] Stille, stille! daß der Aufschrei des empörten Gefühls die Henker nicht in ihrem Werke störe; denn sie haben noch viel zu thun und „mit Pulver und Blei“ ihr Maß zu füllen. Sie werden’s gewißlich voll machen. Und dann? Nun dann ist ihr Gerichtstag vorüber. Und dann? Nun – „Wie du richtest, so wird man dich wieder richten.“ So sagt die Bibel. –
Mit der Hinrichtung des hervorragendsten und gefeiertsten Mannes der deutschen Reichsversammlung, die den Mantel der Unverletzlichkeit um ihre Mitglieder warf, um sie vor der Barbarei von Oben wie von Unten zu schützen, ist der letzte Strahl der Märzsonne erloschen. Was weiter kömmt, das ist Wetter und Sturm in grauenvoller Nacht. Das Vermitteln ist nun aus. Die Fäden der Versöhnung sind zerhauen. Der Engel des Friedens flieht verhüllt aus dem deutschen Lande und ein anderer hält Einzug mit dem flammenden Schwerte. Nicht um aufzubauen, sondern um zu zerstören; nicht um zu schützen, sondern um zu rauben; nicht um zu verzeihen, sondern um zu rächen kommt er. So weit ist’s im Vaterland gediehen! Seine Sterne – sie erlöschen. Für immer? Wer denkt daran! Die Trostlosigkeit gilt nur der nächsten Zeit.
Als in den Märztagen die Throne verlassen waren von ihren Satelliten, damals, als jedes Soldatenherz erwärmt war von der Morgensonne der Freiheit und kein Gewehr losging gegen die Bürger und der Rachen der Kanonen den Königen die Stimme versagte: – damals, als das Volk über das Leben aller seiner Feinde gebot, aber es schonte und Keinem ein Haar krümmte in überschwenglicher Großmuth: da dachten edle Männer daran, diese Tugend des Volks zum Gesetz zu erheben, damit, wenn die Macht wieder an jene käme, die nie Erbarmen gehegt und die nie geschont haben, sie ihren Rachedurst wenigstens nicht mit Blut sollten stillen dürfen. Die Nationalversammlungen schafften daher die Todesstrafe für politische Verbrechen ab. Doch der Tyrannen Glück liegt ja eben in der Hoffnungslosigkeit der Unglücklichen: – sie können nicht herrschen ohne Tod. Sie wissen nur mit Leichenhaufen ihre Throne zu stützen, wenn sie wanken. Darum würden sie das Gesetz nicht achten, das ihnen den Mordstahl gegen überwundene Feinde entwindet, und hätte es Gott selbsteigen besiegelt. O, die Unglückseligen! Für wen denn reißen sie die Schranken wieder nieder, welche die menschlichen Gesetzgeber der Nation um die rächenden blutschnaubenden Leidenschaften gezogen haben? Für wen denn? Liegt nicht das Buch von 92 und 93 aufgeschlagen vor ihnen? Für wen wurden denn damals die Schaffotte aufgerichtet und blank geschliffen die verrosteten Beile der Henker? – Ahnet denn Keiner dieser Gewaltigen, welche Bürgerblut zum Kitt ihrer aus den Fugen gehenden Throne in Strömen vergießen: – ahnet denn kein Einziger, daß das furchtbare Standrecht, mit dem sie nach dem Siege wehrlose Ueberwundene ohne Erbarmen „mit Pulver und Blei“ in den Orkus schicken, auch einmal eine andere Anwendung erhalten könnte, als gegen besiegte Streiter für der Völker Recht und Freiheit? Werden sie immer auf die Großmuth der Nationen zu rechnen haben? Ich zweifle. Wenn das Blatt sich wendet, dann mögen sie mit Entsetzen ihres Irrthums inne werden und Blum’s Geist ihnen schreckend vor Augen treten.
[160] Robert Blum – der Mann der Erfahrung, des Wortes und der That, der Märtyrer für das Volk – ist ein Mann aus dem Volke. Seine Wiege stand auf ungedieltem Boden. Die bitterste Armuth war seine beständige Begleiterin in der Jugend. Auch als Mann ist die Sorge um das äußere Daseyn nie von ihm gewichen. Blum ist von Geburt Rheinländer. In Mainz kam er als Lampenputzer an’s Theater. Das war freilich ein enges Pförtchen zum Tempel der Bildung, und doch hat er, der damals kaum lesen konnte, ihr Allerheiligstes erreicht. Des Abends schneuzte er die Lichter und der helle Morgen traf ihn noch über den Büchern. Sein Wissensdurst war unersättlich und keine Anstrengung war ihm zu groß, ihn zu befriedigen. Inzwischen avancirte er zum Billeteur, zum Rollenabschreiber, zum Souffleur, endlich zum Sekretär. Sein Genie erwarb ihm Bewunderer; sein Herz Freunde; sein Charakter Achtung bei Allen. Schon damals – die politische Nacht lag noch schwer auf Deutschland – kam sein für Freiheit und Recht erglühender Geist öfters in Konflikt mit der Philisterei und Gemeinheit, obschon es immer sein oberster Grundsatz war, daß es der Sache gelte, nicht den Menschen. Er verschonte Jeden; er wurde nie verschont; er verfolgte Keinen, ihn haben Viele verfolgt; Freiheit und Humanität waren ihm das Heiligste und in ihrem Liebesdienst opferte er Alles. Immer schlagfertig zu ihrer Vertheidigung, war er ein Löwe beim Angriff ihrer Feinde; aber sich selbst zu vertheidigen, dazu war seine Seele zu groß. Alle Blitze seiner Beredsamkeit gebrauchte er für Andere; für sich selbst war er gewöhnlich stumm. Hätte Blum seine Kraft so gebrauchen wollen gegen seine Feinde, wie er sie anwendete für die Sache, deren Streiter und Apostel er war: wahrlich, Keiner hätte ihn anzugreifen gewagt. Es ging ihm wie allen Oberpriestern im Tempel der Menschheit: – er diente den Göttern und vergaß sich selbst. Das ist sein schönstes Zeugniß und das L. S. seines Seelenwerths. Was Blum später in Leipzig als Literat, Buchhändler, Gemeindevorstand, als Repräsentant des Deutsch-Katholizismus, dessen Idee ihn begeisterte und für den er den harten Kampf mit der Intoleranz und dem Jesuitismus siegreich durchfocht, gewirkt hat, brach ihm den Weg in des Volkes Herzen, und sein Ruhm war schon längst über Sachsens und Deutschlands Grenzen gedrungen, als ihm Leipzig den Ehrensitz in der Paulskirche votirte. Was er dort gethan – im Vorparlamente, im Fünfziger-Ausschuß, in der Nationalversammlung, – das steht geschrieben mit Flammenzügen in jeder von Freiheitsgefühlen schwellenden deutschen Brust, es ist eingegraben auf die besten Tafeln der deutschen Geschichte. Wenn man einst fragen wird: wer war unter Allen, die in Frankfurt tagten und kämpften, der Edelste, der Tapferste, der Geistreichste, der Muthigste: – so wird sein Name genannt werden vor allen Andern. Das erste deutsche Parlament war das Fußgestell seines Ruhms, und im Vertrauen, der Hochachtung und der Verehrung des Volks fand er seinen Lohn.
Blum’s stärkste Waffe war das Wort, dessen Kraft in der höchsten Begeisterung für die Freiheit wurzelte. Seine Rede war ein Schwert, das in’s Herz drang, wenn er vernichten, ein Feuerbrand, wenn er erwärmen, ein Blitz, wenn er zerschmettern, ein Sturm, wenn er fortreißen wollte. Er war ein geborner Redner, wie Demosthenes [161] und Cicero, wie Burke und Sheridan, wie Danton und Vergniaux es waren. Die Paulskirche hat nie einen größern gesehen. Blum war unbestritten der Erste der ganzen Versammlung und selbst seine Feinde erkannten das an. Als Haupt und Führer der Linken – der Partei, welche will, daß der Nation ihr Recht und ihre Freiheit ganz werde, und welche die republikanische Staatsform anstrebt zu ihrem Schutz und zu ihrer Sicherheit, – ist Blum durch keinen Andern zu ersetzen.
Etwas drückte Blum und er gestand es seinen Vertrautesten: „Man feiert mich als den Mann des Worts – dem Mann fehlt die That. Leonidas, Winkelried, Washington, Körner, waren die Glücklichern!“ Und dann sprach er begeistert von dem Glück, für die Freiheit seines Volks zu streiten und zu sterben. Es konnte ihn recht unglücklich machen, wenn Einer an seinem Muthe zweifelte, und seine Feinde benutzten in unedler Weise nicht selten diese Reizbarkeit. „Ich weiß, was ich dem Volke werth bin, und ich kenne meine Pflicht, mich ihm zu erhalten. Kommt aber der große Augenblick, wo mein Beispiel auf der Barrikade mehr nützt, als mein Reden hier auf der Tribüne – dann bleibe ich nicht.“ Und der Augenblick kam. Wien erhob entschlossen die Hand zum großen Wurf für die Freiheit Deutschlands. Blum eilte bei der ersten Kunde hin mit ein Paar treuen Freunden, und in der Wiener Schlachtwoche war er der Erste und der Ausdauerndste. Blum hat die letzte Barrikade vertheidigt.
Die Würfel sind anders gefallen, als die Freunde der Freiheit gehofft hatten. Die Knechte jubeln, die Knechte auf und unter den Thronen, und das Urtheil der Menge flattert mit den Fahnen. Noch einmal hat das beherzte Wien sein Herzblut in breiten Strömen umsonst vergossen. Umsonst? Nicht doch! Auch diese letzte, furchtbarste aller Erfahrungen nach so vielem erduldeten Betrug und Verrath war ihm noch Noth und ist ihm beschieden zu seinem Heile. Auch die letzte Larve mußte fallen, damit das höllische Ungethüm in seiner ganzen Scheußlichkeit erkannt werde! In Wiens Flammen ist der Altar des Götzen aufgelodert, und mit jedem Männerherzen, welches dort ausschlägt unter den Füsiladen eines Henkers, – löscht der Aberglaube aus in Millionen Herzen und sie öffnen sich einem neuen, bessern Kultus.
Blum, der Mann des Worts, er hat vollendet als Mann der That; als Heros geht er durch die deutsche Zeit! Wer so gestorben ist, wie Blum starb, der ist zu beneiden, nicht zu beklagen. Er war der Auserkorene. Was er in der Paulskirche nie gekonnt hätte, das hat er im Wiener Augarten gethan: er hat den Freibrief seines Volks mit Blut geschrieben und mit seinem Tode besiegelt.
Den 9. November aber schreibe – deutsches Volk! – künftig roth in deinen Kalender, denn er ist ein Feiertag.
- ↑ Da die Sympathien für die Fürsten im Volke täglich mehr verschwinden, so löse man doch lieber die größern Staatskomplexe, Preußen, Bayern und Oesterreich, in ihre Elemente – in Stammgebiete – auf. Geschähe dies, so würden eben so viel Republiken daraus werden, und dies des Reichs Umgestaltung in die „Vereinigten Freistaaten Deutschlands“ anbahnen, ein Ziel, vor dessen Erreichung eine Beruhigung und Entwickelung des deutschen Staatslebens nach meiner Ueberzeugung gar nicht möglich ist.