RE:Kypselos 2

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
unvollständig  
Dieser Text ist noch nicht vollständig. Hilf mit, ihn aus der angegebenen Quelle zu vervollständigen! Allgemeine Hinweise dazu findest du in der Einführung.
Tyrann von Korinth
Band XII,1 (1924) S. 119126
Kypselos in der Wikipedia
GND: 1322041806
Kypselos in Wikidata
Bildergalerie
Register XII,1 Register kl
Link für WP   
* {{RE|XII,1|119|126|Kypselos 2|[[REAutor]]|RE:Kypselos 2}}        

2) K., Tyrann von Korinth.

Zeit. Regierungsantritt nach der überlieferten Chronologie 657 v. Chr. Diod. VII frg. 7 (Eueeb. vers. Ann. 658. Hieron. 659), Regierungszeit 30 Jahre, Arist pol. V 1315 b. Herodot. V 92, 6. Nic. Dam. frg. 58 = FH GIII393; eingehende Behandlung der Chronologie bei Duncker Gesch. d. Altert.⁵ VI 37, 1. B u s 11 Gr. Gesch.² I 638, 1. Ed. Meyer Gesch. d. Altert. II 622f. Kritik der überlieferten Ansätze bei Beloch Gr. Gesch.² I 2, 2748., der mit teilweise sehr beachtenswerten Gründen (die Berufung auf die Κ.Lade sollte ausscheiden, s. u.) den Anfang der Herrschaft des K. herunterrückt und auf etwa 610 v. Chr. ansetzt; ihm stimmt zu Porzio I Cipselidi (Bologna 1912) 119ff.

Emporkommen und Regierung. Kritik der Überlieferung und früheren Literatur bei Knapp Korr.-Bl. f. d. Gel. u. Realsch. Württ. 1888, 28β. 938. und (sehr umständlich) bei Porzio a. a. O. Der letztere geht in der Annahme, daß die gesamte Überlieferung über K. und Periander, mit Ausnahme etwa der Angaben über die Kolonisation aus Erzählungen zu-eammengesetzt sei, die teils die Legitimität des Hauses erweisen (1958.), teils ein Bild des guten oder schlimmen Fürsten zeichnen (2018.) sollen, vielleicht zu weit, hat aber darin recht, daß wir nirgends eine gesicherte Überlieferung vor uns haben, daß es also müßig ist, über die Gründe einzelner Maßnahmen der Tyrannen Vermutungen aufzustellen. Es liegen in der Hauptsache zwei Traditionen vor: Herodot V 92 und Nic. Dam. frg. 98f. (der letztere ohne Zweifel nach Ephoros).

Herkunft und Jugend. NachHerodot. a. a. O., einer Erzählung, wie sie typisch ist für die Kindheit großer Männer, stammt seine Mutter Labda aus dem Hauoe der Bakchiade® (s. o. Bd. II S. 2784); sie war lahm und wurde deshalb außer dem Geschlechte an Eetion, der vom Lapithen Kaineus stammte, verheiratet (über die Bedeutung von Labda s Etym. M. s. βλαισός Phot. Lex. 151 b 25). Orakelsprüche legten den Bakchiaden nahe, das Kind der Labda umzubringen; es wurde in einer κυψέλη (über die eigentliche Bedeutung des Worts = r u n d e r Behälter, nicht Truhe, s. Furtwängler Meisterwerke 7258.) wunderbar errettet–durchsichtige ätiologische Deutung des Namens, vgl. Paus. V 17, 5. Porzio a. a. O.195 vermutet, daß der Plut. corv. sept. sap. 21 im Zusammenhang mit dieser Erzählung erwähnte Epiker Chersias an der Ausbildung der Legende beteiligt gewesen sei. Bei Nie. Dsm. a a. O. erscheint die Überlieferung des Herodot rationalisiert und mit dem [120] XB>J

Zusatz, daß der Knabe zuerst in Olympia unter dem Schutz des Gottes, dann in Kleonai aufgewachsen sei. Nach Paus. II 4, 4. V 18, 7. 8 war K. ein Nachkomme des Melas, des Sohns des Antasos, der von Aletes (s. o. Bd. I S. 1369, 5) als Mitbewohner in Korinth aufgenommen wurde; nach Diog. Laert. I 7, 94 ein Heraklide (vielleicht nur, weil er mütterlicherseits angeblich Bakchiade war, diese aber ihren Stammbaum auf Aletes 10 zurückführten).

Begründung der Tyrannis. Während Herodot nur kurz berichtet, daß K., auf ein Orakel von Delphi gestützt, die Tyrannis gewonnen habe, gibt Nic. Dam. frg. 58 eine ausführliche Erzählung, wonach K. mit Benützung seines Amts als Polemarch die Gunst der Bürgerschaft gewonnen, den Bakchiaden Hippokleides (oder Patrokleides, beide Namen im selben Fragment), der das Amt eines βαοιλευς bekleidete, 20 getötet und sich so der Herrschaft bemächtigt hätte. Die Möglichkeit, daß hier ein Kern echter Tradition (Polemarehenliste?) vorliegt, ist wohl zuzugeben (dafür Knapp a. a. O. 41f.; dagegen Busolt a. a. O. 636). Die Angabe des Aristoteles pol. 1310b. 1315b, daß K. durch Demagogie zur Herrschaft gelangt sei, geht wohl auf dieselbe Quelle (Ephoros) zurück.

Die Regierung, a) Im Innern. Nach Herodot führte K. ein tyrannisches Regiment 30 (der Zusammenhang bedingt eine Hervorhebung der schlimmen Seiten der Tyrannis); nach Nic. Dam. frg. 58f. war sein Regiment mild; die Bakchiaden allerdings wurden verbannt; eine dabei von K. angewandte List bei Polyaen. V 31 (über Demarat vgl. o. Bd. II S. 2787, 3); ihre Güter wurden eingezogen. K. hatte keine Leibwache, Nic. Dam. frg. 58, 7. Arist. pol. 1315b. Möglich ist, daß K. das vorher von den Bakchiaden bekleidete Amt eines βααιθύς weiter-40 geführt hat, Herodot. V 92 a. Nic. Dam. frg. 58 in. 59 in. Swoboda Klio XII 346. Daß erst Periander im Gegensatz zuK. tyrannisches Wesen angenommen habe, wird, wohl ebenfalls nach Ephoros, auch bei Arist. pol. 1313a, Heracl. 5 bei FHG II 212, Diog. Laert. I 98 berichtet. Diese Angaben können teilweise indirekt der Schilderung Herodots von der Regierung des Periander entnommen sein, Busolt a. a. O. 640, 1. Die Behauptung eines Archetimos aus 50 Syrakus, daß die 7 Weisen bei K. zusammengekommen seien (Diog. Laert. I 1, 40), ist natürlich ohne jeden geschichtlichen Wert.

b) Nach außen (die Angaben stammen wohl sämtlich aus Ephoros, s. Oberhummer Akarnanien 74, 1), K. entfernte die ihm nicht genehmen Korinthier durch Kolonisation; so wurden durch seine unehelichen Sohne Pyladcs und Echiades Lenkas und Anaktorion besiedelt, Nic. Dam. frg. 58, 7. Strab. X 452; nach letzterer 60 Angabe wurde der Isthmos zwischen Lenkas und dem Festland durchstochen. K.s unechter Sohn Gorgos (Namensform und Verwandtschaftsverhältnis nicht einheitlich überliefert, vgl. P o r z i o a. a. O. 155) besiedelte Ambrakia, Scymn. 453–455. Strab. VII 325. Ant. Lib. 4; vgl. Oberhummer a. a. O. 72ff.

c) Weihgeschenke. Auf K. wird zurückgeführt das Schatzhans der Korinthier in [121] 121 AJpWlW}}

Delphi mix dem Palmbaum, Plut. conv. sept. sap. 21; quaest. symp. VIII 4, 4, in dem auch die Weibgeschenke des Midas, Gyges, Kiotpss und Euelthon aus Salamis aufgestellt waren, Herodot.

I 14, 50, IV 162. Nach Olympia weihte er ein Kolossalbüd des Zeus aus getriebenem Gold, wozu angeblich die reichen Korinthier zehn Jahie lang je ein Zehntel ihres Vermögens beideuein mußten, PR-Aiist. oec. II 1346 a b, vgl. Plat. Phaedr. 236 b. Arist. pol. 1313 b. Strab. VIII 353.: 358. Plut. de Pyth. or. 13. Phot. Suid. e. Κυψελώῶν ἀνάθημα; doch wurde dieses Weihge-echenk von andern (Didymos) dem Periamdter zu-geschrieben, Dicg. Laert. I 96, Phot. Suid. a. a. O., oder den Söhnen des Periander, Schol. Plat. Runken 340 D. Eine Inschrift auf Stein am Schatzhaus der Sykonier in Olympia Βοῶν Κυψ ist (in Erneuerung) vielleicht auf K. zu beziehen, Röhl IGA add. 27d. Daß die berühmte K.-Lade (s. u.) ein Weihgeechenk des K. sei, ist vielleicht nur eine durch Mißdeutung des Worts entstandene Periegetenerfindung später Zeit; weder Herodot noch Ephoros noch Plutarch berichten von ihr; der erste, der sie nennt, ist Dio Chrysost. XI 45; ausführliche Beschreibung bei Paue. V 17–19; vgl. (Knapp bei) Furtwängler a. a. O. 726. K. hinterfieß seine Herrschaft seinem Sohne Periander. K. hieß auch ein Sohn des Gordios, Diog. Laert. I 7, 94. Nic. Dam. frg. 60; ferner der Vater des älteren Miltiades. Daß er der Sohn einer Tochter des Tyrannen ist, nimmt Duncker a. a. O. VI 45 an; auch Toeppfer Att. Geneal. 277 glaubt an eine Verschwägerung der beiden Familien mit Berufung auf Herodot. VI 128. Außer Duncker, B u s 11, E. Meyer a. a. O. vgl. Plaß Tyran-nisI150ff. Pöhlmann Gr. Gosch.⁶ 81 und die u. Korinth angegebene Literatur. [J* Miller.]

Die sog, Lade des Kypselos (Paus. V 17. 2–19, 10. Dio Chrys XI p. 325 R.). Im Opisthodom des Heraions von Olympia stand eine Lade (λάυναξ Paus., κιβωτός Dio) aus Zedernholz, die in späterer Zeit als Weihgeschenk des Kypselos (Dio) oder der Kypseliden (Paus.) galt. Sie wurde identifiziert mit der κυψέλη, in der der Sage nach K. als Kind verborgen worden war (s. o.), obwohl eine κυψέλη rund, eine 1άρνα rechteckig ist (weshalb Paus. behauptet, die Korinther hätten damals die loaxe; κυψέλαι genannt). Ein authentisches Zeugnis über die Stifter war offenbar nicht vorhanden, die Zuweisung ist erfolgt nach dem früher ebenfalls im Heraion aufgestellten Koloß, aus dessen Epigramm man K. oder die Kypseliden als Stifter erschließen konnte. Doch muß die Lade nach Inschriften und Darstellungen tatsächlich in das Korinth der Kypselilenzeit, gegen 600 v. Ohr., gehören. Paus. beschreibt sie nach Autopsie, aber mit Heranziehung von ἐξηγηταί, die hier wohl eine schriftliche Quelle bedeuten (Blümner zu Paus. 141, 2). Die Lade war mit figürlichen Reliefs geschmückt, die teils aus dem Holz herausgeshnitzt – und wohl bemalt – teils aus Gold und Elfenbein aufgesetzt waren. Sie waren zum großen Teil durch Inschriften erläutert, die bei Paus. nicht immer richtig wiedergegeben sind, was sich aus Mißverständnis der archaischen (korinthischen) Schriftzeichen erklärt. Sie waren nach archaischer [122] AX J pOQlVQ-}}

Art βονατροφηδάν geschrieben und feilten in Windungen die Zwischenräume zwischen den Figuren. Es waren teils einfache Namen, teils Verse (epische Hexameter, nur im 2. und 4. Streifen), die bei Paus. ohne sicheren Anhalt dem Eumelos (s. o. Bd. VI S. 1080 Nr. 12) zugeschrieben werden. Die Reliefs waren in fünf Streifen (χώροι) übereinander angeordnet. Die einzelnen Szenen eines Streifens waren höchstens im 2. und 4. Streifen 10 äußerlich voneinander getrennt Wahrscheinlich war nur die Vorderseite mit Reliefs geschmückt, wogegen allerdings die von Paus. gebrauchten Ausdrücke περιέναι und περίοδος sprechen. Eine λάρναξ mit Reliefbildern – metopenartig – auf einem archaischen Terracottarelief von Locri: Ausonia III 215 ßg. 68. Die Szenen sind aneinander gereiht ohne Streben nach genauerer Symmetrie. Auch inhaltlich sind keine Beziehungen der Darstellungen untereinander oder (mit Aus-20 nähme von II 7) zu Korinth oder den Stiftern zu suchen. Zn vielen der Szenen linden sich Parallelen auf gleichzeiiigen Kunstdenkmälern, auch auf korinthischen Vasen, ohne daß man diese immer für direkt von der Lade abhängig denken müßte, wenn auch ein solch hervorragendes, an einem dem allgemeinen Besuch zugänglichen Orte aufgestelltes Werk auf das Handwerk anregend gewirkt haben wird. Vgl. Buschor Gr. Vasenmalerei² 91. Andererseits besteht kein Grund, 30 fremden, insbesondere ionischen Einfluß auf den Künstler anzunehmen, wie ihn namentlich G. Loeschcke vermutet hat (vgl. M. Heinemann Landschaft!. Elemente in d. griech. Kunst 37). Paus. beschreibt die unterste Reihe von rechts nach links (er geht hin und her also bei der 1. 3. 5. Reihe von rechts nach links, bei der 2. und 4. von links nach rechts): 1. Oinomaos verfolgt Pelops, der Hippodameia auf einem von Flügelrössen (die Beflügelung deutet die Eile an, hat 40 keine mythologische Bedeutung) gezogenen Wagen entführt (beide mit Zweigespannen). Entsprechende Darstellungen nicht erhalten. Robert Griech. Heldensage 209 ff. 2. Auszug des Am-phiaraos (nach rechts bewegt) mit Darstellung seines Hauses (nur e i n Gebäude) und der Familie. Parallelen auf korinthischer (Berlin 1655), ionischer (München 838) und attischer (Florenz 3773; Milani Mus. archeol XL 2 [123] sage 57. 4. Herakles (ohne Inschrift) bekämpft mit dem Bogen die Hydra, dabei Athena. Iolaos, der den Wagen des Herakles hielt, hat Paus. fälschlich zur vorhergehenden Szene gezogen. Er befand sich anf der rechten Seite der Hydra, von wo er dem links kämpfenden Herakles später zu Hilfe kommt (wie auf der korinth. Vase Monum. III 46, 2. Rossbach Festgruß z. 40. Philol. Vers. S. 5). Der Gegenstand in der archaischen Kunst nicht selten (Furtwängler bei Roscher I S. 2198). Abweichend der Bogen als Waffe des Herakles, während der der Hydra helfende Krebs von Paus. übersehen sein kann. Robert Griech. Heldensage 444. 5. Phineus (beim Mahl) und die Söhne des Boreas, die die Harpyen (nach links hin) von ihm vertreiben und (über das Meer durch die Luft) verfolgen. Derselbe Typus auf der ionischen Schale in Würzburg (Furtwängler-Reichhold Tat. 41), wo nur Erichtho, des Phineus Gattin, und zwei Horen zugefügt sind, die Paus. gewiß genannt hätte, wenn er sie gesehen hätte. Im zweiten Streifen sah Paus. von links nach rechts: 1. Die Nacht, auf dem rechten Arm den weiß gebildeten Schlaf, anf dem linken den schwarzen Tod, beide als Knaben, mit geschlossenen Augen, διεστραμμένους τοὺς πόδας, was nur .mit verrenkten Füßen* heißen kann, wenn auch Paus. vielleicht für Absicht gehalten hat, was nur Ungeschicklichkeit des Künstlers war. Vgl. K. Heinemann Thanatos (München 1913) 55. Genaue Parallelen sind nicht erhalten, die Gruppe hat man sich zu denken nach Art der von Loeschcke Arch. Zeit. XIV 113/4 Anm. 17 verglichenen (Frau mit Kindern, meist in dionysischer Umgebung; vgl. a. die Journ. hell. Stud. XIII 284f. erwähnte Scherbe der Akropolis, Aphrodite mit Himeros und Eros). 2. Dike schlägt die häßlich gebildete Adikia mit einem Stock und würgt sie. Zu vergleichen eine Wiener Vase (Masner 319; Brunn Kl. Schriften III 45ff.; frührotfigurig, Art des Pamphaios), wo die Waffe ein Hammer ist. Vgl. o. Bd. V S. 577, 65ff. 3. Zwei Frauen mit Mörserkeulen in Mörsern stampfend. Paus. sah kein Epigramm. Die Deutung ist ungewiß. Nach Paus. glaubte mau, sie bereiteten φάρμακα, Zaubermittel. Jedenfalls wird man auch hier individuell benannte Gestalten erwarten, doch ist die Erklärung als Moiren haltlos. Zum Typus hat man richtig verglichen die Vase in Petersburg (JahnBer. sächs. Ges. 1867 Taf. I 4), wo beide Frauen in einem Mörser stampfen (auch hier nicht sicher, daß eine ,Genreszene* gemeint ist). Vgl. auch einen ionischen Dinos in Boston (Fairbanks Amer. Journal of Archaeol. XXIII 1919, 279ff.), Mann und Frau in einem Mörser stampfend, dabei Flötenbläser, Leute mit Opfergeräten und Tänzer. 4. Idas führt die Marpessa, die ihm Apoll geraubt hatte, zurück. Inschrift in zwei Hexametern. Kunstdarstellungen nicht gesichert (Gerhard Auserl. Vas.-Bilder 46?). Robert Griech. Heldensage 313. 5. Zeus reicht Kylix und Halsschmuck der Alkmene. Robert Griech. Heldensage 613. Fraglich, ob mit Loeschcke so zu deuten das Relief der spartanischen Stele Brunn-Bruckmann 226 (Tod u. Wace Catal. of the Sparta Mu*, p. 133, 1), auf deren Kehrseite der Typus der folgenden Szene wiedergegeben scheint: 6. Mcnelaos bedroht Helena [124] .U.

nach der Einnahme Troias mit dem Schwert. Die Szene öfters auf schwarzfigurigen Vasen (o. Bd. VII Sp. 2835, 41). 7. Hochzeit des Iason und der Medea. Sie thront (als Braut: Studniczka Juhrb. d. Inst. XXXIV 131) in der Mitte, zur Hechten steht Iason, zur Linken Aphrodite. Inschrift in einem Hexameter. Zur Darstellung, die für Korinth von besonderer Bedeutung ist, keine bildlichen Parallelen bekannt. 8. Apoll 10 und die Musen (Zahl ungewiß) singend. Erläu

terung in zwei Hexametern (im ersten hat Paus. das Vau verlesen). Nichts deutet darauf, daß diese Szene noch zur Hochzeit der Medea gehöre. Keine genauen Parallelen erhalten. 9. Atlas trägt den Himmel und hält die Apfel. Herakles droht mit dem Schwert, um ihn zur Herausgabe zu zwingen. Erläuterung durch einen Hexameter. Eher als eine andere Form der Sage, nach der Atlas selbst der Hüter der Apfel wäre (vgl.o. Suppl.-Bd. III S.1074, 20 18), wird man Zusammenfassung der ganzen Geschichte durch den Künstler annehmen: die Bedrohung des Atlas durch Herakles konnte nur so anschaulich gemacht werden. Auf den erhaltenen Denkmälern (schwarzfigurige Lekythos des 5. Jhdts., Journ. hell. Stud. XIII pl. III) trägt Herakles den Himmel. Robert Griech. Heldensage 494. 10. Enyalios, bewaffnet, führt Aphrodite. Gleiche Darstellung nicht bekannt. 11. Peleus greift Thetis, von deren Arm eine Schlange (An-30deutung ihrer Verwandlung) Peleus angreift. Zahlreiche Darstellungen auf attischen schwarzfig. Vasen (korinthisch bis jetzt nur die vorhergehende Szene, Peleus der Thetis auflauernd: Jahrb. d. Inst. I Taf. 10, 1). Robert Griech. Heldensage 64. 12. Die geflügelten Gorgonen verfolgen den fliegenden Perseus. Die getötete Medusa fehlte ebenso wie auf der Darstellung, die der Dichter der hesiodeischen Aspis 216ff. vor sich hatte, und einigen der häufigen Darstellungen 40 auf Vasen (keine korinthischen). Die Bewegung wie auf diesen gewiß nach rechts. Robert Griech. Heldensage 224, 1. Im dritten Streifen fehlten Beischriften. Dargestellt waren Krieger zu Fuß und auf Zweigespannen, die sich anscheinend von beiden Enden nach der Mitte zu bewegten. Ein Kampf war nicht dargestellt, so daß es fraglich blieb, ob es sich um ein friedliches oder feindliches Zusammentreffen handelte. Eine bestimmte Geschichte hat der Künstler gewiß nicht 50 darstellen wollen; die Erklärungen, die Paus. in seinen Quellen fand und die, die er selbst gibt, sind willkürlich. Zu vergleichen die Reiterfriese der korinthischen Vasen. Der vierte Streifen enthielt wieder mythologische Szenen: 1. Boreas (mit Schlangenschwänzen) raubt Oreithyia. Ein Typenzusammenhang mit den attischen, wohl erst nach Einbürgerung der Sage in Attika (480) entstandenen (vgl. Furtwängler-[Reichhold] Vasenmalerei II S. 189) Vasen besteht nicht. Ro-60 bert 168. Zu den Schlangenbeinen vgl. Furtwängler S.-Ber. Akad. Münch. 1905, 452. 2. Herakles kämpft gegen den dreigestaltigen Geryones. Ob man aus dem Ausdrucke τρεις ἄνδρες ἀλλήλοις προσεχόμενοι unbedingt auf Darstellung dreier vollständiger Körper schließen muß, ist fraglich. Der Typos stände dann im Gegensatz zu dem der chalkidischen Vasen, drei Oberkörper auf einem Unterkörper, und entspräche [125] LAV-

AJpaViVD

dem der attischen Vasen und eines Bronzereliefs (Fouilles de Delphes V, XX Ï p. 123 nr. 674), das vielleicht die beste Beschauung von der Szene der Lade gibt (Herstellungsort unbekannt, sicher nicht Korinth). Nebenfiguren sind nicht anzu* nehmen. Vgl. o. Bd. VII S. 1292f. Robert 466. 3. Theseus mit Lyra und Ariadne mit Kranz, den für beide charakteristischen Attributen. Gleiche Darstellung aus älterer Zeit nicht bekannt, ein Typenzusammenhang mit der Schale des Kach-rylion (Brit. Mus. E 41. Myth. Lex. V 708; Ariadne mit Blüte) kaum anzunehmen. 4. Kampf des Achill und Memnon in Gegenwart ihrer Mütter. Der Gegenstand ist in der archaischen Kunst sehr beliebt, auf korinthischen Vasen vollständig noch nicht bekannt: auf dem Krater Berlin 1147 (Mon. d. Inst. II 38f.), dessen Alphabet zudem nicht korinthisch ist, fehlen die Mütter. Vgl. Lung Memnon (Diss. Bonn 1912) 28ff. Lippold Münch. Arch. Stud. 432. 5. Melanion und Ata-lante, die ein Hirschkalb hält. Gleiche Darstellung nicht erhalten. Robert Griech. Heldensage 95. 6. Zweikampf des Hektor und Aias. Zwischen ihnen die häßlich gebildete Ker. Gleiche Darstellung vielleicht auf dem Bronzerelief Olympia IV 700; vgl. St. Jones Journ. Hell. Stud. XIV 75). Sonst in archaischer Kunst nicht nachzuweisen. 7. (auch von Dio beschrieben), Die Dioskuren (der eine ohne Bart) tragen zwischen sich die Helena. Aithra in schwarzem Gewände, auf den Boden geworfen, wird von Helena am Haar geschleift. Beischrift in einem Hexameter und dem überschüssigen Namen des Ortes, von dem Helena weggeführt wird. Diesen las Paus. (und wohl auch Dio) als Athen, wofür man aus sagengeschichtlichen Gründen meist, aber kaum mit Recht, seit Bergk Aphidna einsetzt (s.o.Bd. VIIS. 2828, 63). Gleiche Darstellungen nicht erhalten. Robert Griech. Heldensage 700. 8. Zweikampf .des Agamemnon (rechts; Schildzeichen: Phobos mit Löwenkopf) und Koon Über der Leiche des Iphidamas. Beischriften in zwei Hexametern, über Iphidamas und auf dem Schild Agamemnons. Keine Parallelen bekannt. 9. Hermes führt Hera, Athena und Aphrodite dem Alexandros (der mit dargestedt war) zum Urteil vor. Inschrift in zwei Hexametern. Der Gegenstand in archaischer Kunst sehr beliebt, auf korinthischen Vasen noch nicht bekannt, dagegen auf der protokorinthischen (sikyonischen?) Kanne Chigi, Ausonia VIII tav.VIII und einer ionischen Amphora derselben Gattung wie die zum ersten Streifen 2. 3. verglichenen (Furtwängler-Reichhold Griech. Vasenmalerei Taf. 21). 10. Artemis, geflügelt, in der Rechten Panther, in der Linken Löwe. Häufiger Typus in archaischer Kunst, auch in korinthischer. Vgl. o. Bd. II S. 1413, 52ff. und Poulsen Der Orient und die frühgriechische Kunst 114. 11. Aias der Lokrer reißt Kassandra vom Bild der Athena weg. Ein Hexameter als Erläuterung. In archaischer Kunst oft dargestellt, auf korinthischen Vasen noch nicht bekannt, dagegen auf dem zu 2. erwähnten Bronzerelief und einem ähnlichen Olympia IV Taf. XXXIX nr. 705; vgl. Max Schmidt Troika (Diss. Göttingen 1917) 51. Robert Mitt. röm. Inst. XXXIII 1918, 31 ff. 12. Eteokles dringt auf den ins Knie gesunkenen Polyneikes ein. Hinter diesem die Ker, mit gorgo- [126] J*·*.

nenartigem Gesicht und Krallen. Die Szene kommt sonst in der archaischen Kunst nicht vor. Vgl. Robert Oidipus 224f. 13. Der bärtige Dionysos, in langem Chiton, mit goldenem Becher, liegt in einer Grotte, darum Weinstöcke, Apfel· und Granatbäume. Genaue Parallelen fehlen; die nächsten Analogien finden sich erst auf schwarzfigurigen attischen Vasen; vgl. Heinemann Landschaftl. Elemente 37 und 60 (wo ohne Grund Abhängigkeit 10 von ionischer Malerei angenommen wird). Auch

im fünften Streifen waren Gegenstände der Sage dargestellt, aber ohne Inschriften, die von Paus. oder seinen Quellen gefundenen Deutungen daher nicht gesichert. 1. In einer Höhle schlafen Mann und Frau auf einer Kline; davor Dienerinnen. Da deren Zahl, vier, und Beschäftigung dem Hom. Od.X 348ft. Berichteten entspricht, hat Paus. in dem Paar Odysseus und Kirke gesehen. 2. Ein Kentaur mit menschlichen Vorderbeinen (Chiron), 20 Frauen auf Zweigespannen von Rossen mit gol

denen Flügeln; einer von ihnen übergibt ein hinkender Mann (Hephaistos), hinter dem ein Diener mit der Feuerzange steht. Waffen. Von Paus. auf Übergabe der Waffen an Thetis gedeutet; auf den Wagen Nereiden. 3. Zwei Frauen auf einem Maultiergespann, die eine als Lenkerin, die andere mit Kopfschleier, nach Paus. Nausikaa. Die drei Szenen werden jetzt meist zusammengefaßt und als Hochzeit des Peleus und der 30 Thetis erklärt. Dagegen spricht, daß das Bei

lager schon vollzogen wird, daß Hephaistos, der doch nicht abwesend gedacht werden kann, die Waffen selbst überbringen müßte. Paus. könnte den primitiv angedeuteten θάλαμος der Kirke für eine Höhle versehen haben. Für 2 ist jedenfalls die Deutung des Paus. vorzuziehen, wenn auch Chiron schwer zu erklären ist. 5. Herakles schießt mit dem Bogen auf die Kentauren (mit vier Pferdebeinen zu denken), von denen einige bereits tot 40 sind. Häufiger Typus schon der älter archaischen

Kunst. Robert Griech. Heldensage 499, 3 (vgl. auch die zu I 2, 3 genannte ionische Vase). – Literatur bei Blümner-Hitzig Paus. II 395ff. Klein Gesch. d. griech. Kunst I 106. lllff.