Rustschuk

DCCXCV. Der Eßlinger Dom Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band (1856) von Joseph Meyer
DCCXCVI. Rustschuk
DCCXCVII. Die Elkhornpyramide
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RUSCHTSCHUK
(IN BULGARIEN)

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DCCXCVI. Rustschuk.




Wer eine der türkischen Donaufestungen von Belgrad bis Braila gesehen hat, hat sie alle gesehen. Wer sich aber die Mühe nahm, jede besonders zu betrachten, konnte – wenigstens vor dem türkisch-westmächtischen Krieg gegen Rußland – in jeder einzelnen das Bild des osmanischen Reichs wieder finden, das Bild des gewesenen Kriegerstaats: ungeheuere Kanonenmassen mit verfaulten Lafetten auf wankenden Wällen. Nur von Außen und besonders von Weitem macht jede dieser Städte einen imponirenden Eindruck. So auch Rustschuk. Von Silistria heraufkommend, wendet man den Blick von der Gegend, wo die Stadt ihre Kuppeln, Thürme und Minarets über die blendendweißen Mauern emporhebt, ungern ab und nach der anderen Seite des Stroms hinüber, wo, jenseits einer Donauinsel, an einem schlammigen Kanal, Giurgewo hinter den Resten einiger alter Festungswerke steckt. Je mehr man sich dem schönen, in gewisser Entfernung wahrhaft reizenden Bilde nähert, desto mehr verliert es. Es ist Dekorationsmalerei mit gröbstem Pinsel. Nur von Weitem sollte man vorüber kommen, denn, sagt ein reisender Militär, „was dem Laienauge als gesunder Zustand dort erscheint, ist nur Tünche, welche den inneren Moder zudeckt“ – und innen ist’s fürchterlich. Da theilen sich Schmutz und Staub in die Herrschaft der Straßen, jener in der inneren Stadt, dieser in den weitläufigen Vorstädten vorwaltend.

Das Sehenswertheste von Rustschuk ist sein herrlicher Springbrunnen auf dem Marktplatze; er und die Haine und Bäder sind das Labsal der Einwohner. Die Zahl der letzteren übersteigt 30,000, wovon die Hälfte [163] Griechen, die übrigen Türken, Juden und Armenier; alle haben zahlreiche Gotteshäuser, die zum Hauptschmuck der Stadt gehören. Das Schloß wird theilweise als Kaserne benutzt.

Die Bevölkerung ist so regsam, als es die Zustände erlauben und die Noth es gebietet. Die hiesigen Corduan-, Woll-, Seiden-, Baumwollen- und Leinwandfabriken konnten ihre Produkte sogar auf den Weltausstellungen sehen lassen, der Handel von Rustschuk beschäftigt sehr viele Hände und viele nimmt die Kahnfahrt auf der Donau in Anspruch.

Auch die Lage von Rustschuk ist anmuthig; die Ebenen nach Süden sind ziemlich angebaut und die Straßen werden gut erhalten. Trotzdem ist hier nichts nöthig, als daß sehr Vieles anders werde, wenn der ferne Balkan je auf glückliche Völker herabblicken soll.