grüne Witwe

grüne Witwe (Deutsch)

Substantiv, f, Wortverbindung, adjektivische Deklination, Redewendung

starke Deklination ohne Artikel
Singular Plural
Nominativ grüne Witwegrüne Witwen
Genitiv grüner Witwegrüner Witwen
Dativ grüner Witwegrünen Witwen
Akkusativ grüne Witwegrüne Witwen
schwache Deklination mit bestimmtem Artikel
Singular Plural
Nominativ die grüne Witwedie grünen Witwen
Genitiv der grünen Witweder grünen Witwen
Dativ der grünen Witweden grünen Witwen
Akkusativ die grüne Witwedie grünen Witwen
gemischte Deklination (mit Possessivpronomen, »kein«, …)
Singular Plural
Nominativ eine grüne Witwekeine grünen Witwen
Genitiv einer grünen Witwekeiner grünen Witwen
Dativ einer grünen Witwekeinen grünen Witwen
Akkusativ eine grüne Witwekeine grünen Witwen

Worttrennung:

grü·ne Wit·we, Plural: grü·ne Wit·wen

Aussprache:

IPA: [ˌɡʁyːnə ˈvɪtvə]
Hörbeispiele:

Bedeutungen:

[1] umgangssprachlich scherzhaft veraltend: (zumeist am Stadtrand, in einer Satellitenstadt oder außerhalb der Stadt lebende) Ehefrau, die sich tagsüber langweilt und einsam fühlt, während ihr Ehepartner außer Haus (auf Arbeit oder unterwegs) ist
[2] umgangssprachlich scherzhaft veraltend selten: erst kürzlich verwitwete Frau

Herkunft:

Beide Bedeutungen sind ab 1960 bezeugt.[1] In der ersten Bedeutung konnotiert das adjektivische Attribut grün das Sememaußerhalb der Stadt lebend, nicht urban[2] (vergleiche im Grünen, ins Grüne); in der zweiten steht grün für ‚unerfahren‘.[1]

Sinnverwandte Wörter:

[1] lustige Witwe, politische Witwe, Strohwitwe, weiße Witwe

Oberbegriffe:

[1] Ehefrau
[1, 2] Frau
[2] Witwe

Beispiele:

[1] „Von seiner Frau als ‚Tier‘ zurückgewiesen, suchte der angelernte Fabrikarbeiter aushäusige Abwechslung: Als ‚Mister Johnson‘ klingelte er bei den grünen Witwen Suburbias, versprach ihnen gutbezahlte Neben-Jobs als Photomodell und wollte Maß nehmen.“[3]
[1] „Indes, eine Arbeiterfrau im – jüngsten – Stadtteil Detmerode beklagt die mangelnden Kontaktmöglichkeiten, sie ist, was man eine ‚grüne Witwe‘ nennt. Ihr Mann ist ‚im Werk‘, sie ist allein, noch nicht verwurzelt mit ihrem Standort, weil sie, wie viele andere, erst kurze Zeit dort lebt.“[4]
[1] „Sie führte das typische Leben einer grünen Witwe am Rande der Stadt, abgeschnitten von allen menschlichen Kontakten, […].“[5]
[1] „Es waren die Schriftsteller, die Soziologen, die Psychologen, die das Unglück der Schlafstädte und ihrer grünen Witwen, ‚die Unwirtlichkeit‘ unserer neuen Städte zuerst feststellten, nicht die Städtebauer.“[6]
[1] „Es gibt auch heute noch Frauen, die sich im Verlauf einer Familienphase vom Leben abgeschnitten fühlen. Aber sie haben offenbar mehr Möglichkeiten als früher. Jedenfalls spricht niemand mehr von der grünen Witwe. Der Begriff ist verschwunden, weil sich die Lebensverhältnisse verändert haben.“[7]
[1] „Hinzu kommt die Isolierung vieler Hausfrauen von Freunden und Bekannten, die als ‚grüne Witwe mit Kindern‘ Angst haben, eine ‚kinderlose grüne Witwe‘ zu werden, wenn den Kindern etwas zustößt, aber auch wenn sie heranwachsen.“[8]
[2] „‚Die Redewendung »Er hat einen grünen Rock« heißt, dass er gestorben ist und unterm Klee liegt, über den er dann von seiner grünen Witwe gelobt werden kann‘, erzählte Tillmann.“[9]

Übersetzungen

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Duden online „Witwe
[1] Redensarten-Index „grüne Witwe
[1] Günther Drosdowski, Werner Scholze-Stubenrecht et al.: Duden, Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 1. Auflage. Band 11, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1992, ISBN 3-411-04111-0, Stichwort »grün: grüne Witwe«, Seite 278 (Google Books).
[1] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0, Stichwort »Witwe«.
[1, 2] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Witwe«.

Quellen:

  1. 1 2 Nach Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Witwe«.
  2. Nach Christine Palm: Phraseologie. Eine Einführung. 2., durchgesehene Auflage. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1997, ISBN 3-8233-4953-8, Stichpunkt »2.1.1.1.3 Die Problematik der Idiomatizität und die wichtigsten Idiomatizitätsfaktoren«, Seite 14 (Google Books; Erstauflage 1995).
  3. Ich, das Ungeheuer. In: DER SPIEGEL. Nummer 47, 14. November 1966, ISSN 0038-7452, Seite 148.
  4. Gartenfeste und folkloristische Tänze. In: DIE ZEIT. Nummer 46, 17. November 1967, ISSN 0044-2070, Seite 11 (Archiv-URL, abgerufen am 22. Februar 2026).
  5. Helga Dierichs, Margarete Mitscherlich: Männer. Zehn exemplarische Geschichten. S. Fischer/Goverts, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-10-013905-4, Seite 159.
  6. Die verhängnisvollen Irrtümer. In: Süddeutsche Zeitung. 31. August 1993, ISSN 0174-4917, Seite 14..
  7. Dieter Schnack, Thomas Gesterkamp: Papa kommt später heute. In: DIE ZEIT. Nummer 14, 29. März 1996, ISSN 0044-2070, Seite 67 (Archiv-URL, abgerufen am 22. Februar 2026).
  8. Karl König: Angst und Persönlichkeit. Das Konzept vom steuernden Objekt und seine Anwendungen. 6. Auflage. Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-45656-5, Seite 134 (Google Books; Erstauflage 1981).
  9. Zehn Anmerkungen zur giftgrünen Farbe. In: Rheinische Post. 17. Januar 2004.