weiße Witwe

weiße Witwe (Deutsch)

Substantiv, f, Wortverbindung, adjektivische Deklination, Redewendung

starke Deklination ohne Artikel
Singular Plural
Nominativ weiße Witweweiße Witwen
Genitiv weißer Witweweißer Witwen
Dativ weißer Witweweißen Witwen
Akkusativ weiße Witweweiße Witwen
schwache Deklination mit bestimmtem Artikel
Singular Plural
Nominativ die weiße Witwedie weißen Witwen
Genitiv der weißen Witweder weißen Witwen
Dativ der weißen Witweden weißen Witwen
Akkusativ die weiße Witwedie weißen Witwen
gemischte Deklination (mit Possessivpronomen, »kein«, …)
Singular Plural
Nominativ eine weiße Witwekeine weißen Witwen
Genitiv einer weißen Witwekeiner weißen Witwen
Dativ einer weißen Witwekeinen weißen Witwen
Akkusativ eine weiße Witwekeine weißen Witwen

Alternative Schreibweisen:

Schweiz und Liechtenstein: weisse Witwe

Worttrennung:

wei·ße Wit·we, Plural: wei·ße Wit·wen

Aussprache:

IPA: [ˌvaɪ̯sə ˈvɪtvə]
Hörbeispiele:

Bedeutungen:

[1] umgangssprachlich veraltend: Ehefrau eines emigrierten Italieners, der im Ausland eine zweite, illegitime Familie gegründet hat

Herkunft:

Bei der ab den 1960er[1] Jahren bezeugten Wendung handelt es sich um eine Entlehnung des gleichbedeutend italienischen vedova bianca  it.[2]

Sinnverwandte Wörter:

[1] grüne Witwe, lustige Witwe, politische Witwe, Strohwitwe

Beispiele:

[1] „Giovanna Jabichella ist eine der annähernd 500 000 sogenannten weißen Witwen Italiens, deren Männer auf Arbeitsuche ins Ausland gingen, dann noch eine Zeitlang schrieben und zumeist auch Geld schickten, schließlich aber nichts mehr von sich hören ließen.“[3]
[1] „Mit solchen Schrifttafeln wiesen Demonstranten auf den Marktplätzen südlicher Städte in den Wochen vor der Volksabstimmung über die Ehescheidung auf die menschlichen und sozialen Probleme dieses Exodus und das Schicksal der ‚weißen Witwen‘ hin.“[4]
[1] «Man nannte die italienischen Saisonniers damals auch ‹rondini›, Schwalben, weil sie im Winter in den Süden zogen (ziehen mussten) und weil man im Frühling ihr Singen auf den Bauplätzen hörte. Die in Italien gebliebenen Frauen der Saisonniers hiessen ‹weisse Witwen›[5]
[1] «Er hat die jungen Männer alle gehen sehen, oft ohne ihre Frauen, von denen etliche zu weissen Witwen werden sollten – ‹vedove bianche›, aus den Augen und aus dem Sinn ihrer ausgezogenen Männer, die in der Ferne neue Familien gründeten.»[6]

Übersetzungen

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Witwe«.

Quellen:

  1. Nach Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Witwe«.
  2. Nach Tullio De Mauro: Il Nuovo de Mauro. Digitalisierte Ausgabe basierend auf dem Grande Dizionario Italiano dell’Uso (1999), Stichwort »vedova bianca«.
  3. Weiße Witwen. In: DER SPIEGEL. Nummer 13, 21. März 1966, ISSN 0038-7452, Seite 163.
  4. Michael Jungblut: Das Loch im Stiefel. In: DIE ZEIT. Nummer 19, 3. Mai 1974, ISSN 0044-2070, Seite 39 (Archiv-URL, abgerufen am 22. Februar 2026).
  5. Altwerden nach einem Leben in der Emigration. Ausländer zwischen Integration, Fremdbleiben und Rückkehr. In: Neue Zürcher Zeitung. 3. November 2001, ISSN 0376-6829, Seite 15.
  6. Wenn die Welt über das Dorf kommt. In: Tages-Anzeiger. 14. August 2010, ISSN 1424-0262, Seite 6.