Digestensystem

Das Digestensystem (auch als Codexsystem bezeichnet) ist eine nach einem weitgehend einheitlichen Schema übersichtlich geordnete spätantike Sammlung von Rechtstexten und Kaiserkonstitutionen des römischen Rechts. Erfasst werden von dem System alle Rechtsgebiete. Der Begriff wird nach allgemeiner Auffassung für die spätantiken Codices Gregorianus, Hermogenianus, Theodosianus', Iustinianus und die Digesten gebraucht.

Die Bezeichnung Codexsystem bietet sich ebenfalls an, weil in das Gliederungsprinzip Kaiserkonstitutionen aufgenommen waren. Die teils (erheblich) gekürzten Werkstexte folgen keiner heute gebräuchlichen Systematik, die Ordnung ist eher lose gestaltet und fügt sich in hergebrachte Muster ein. Immer wieder sind Abweichungen von dieser Technik auffällig. Damit geht die Strategie weiter auseinander als etwa die von Scaevola und Julian oder Celsus und Marcellus geschaffenen Systeme.

  1. Stellvertretend für den Meinungsstand, diesen selbst aber kritisch hinterfragend, Detlef Liebs: Das Codexsystem. Neuordnung des römischen Rechts in nachklassischer Zeit. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Romanistische Abteilung. Band 134, Heft 1, 2017, S. 409–443, hier S. 409–413 (409); 413 ff.
  2. So schon Detlef Liebs: Hermogenians Iuris Epitomae. Zum Stand der römischen Jurisprudenz im Zeitalter Diokletians. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1964, S. 26–28 und 115–130.
  3. Detlef Liebs: Das Codexsystem. Neuordnung des römischen Rechts in nachklassischer Zeit. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Romanistische Abteilung. Band 134, Heft 1, 2017, S. 409–443, hier S. 439; Jean Gaudemet: Tentatives de systématisation du droit à Rome, Index 15 (1987) S. 90 f. nannte sie „aléatoires“ (Zufallsprodukte).