Deutsch-Sowjetischer Krieg

Der Deutsch-Sowjetische Krieg (im NS-Staat als Russland- oder Ostfeldzug bezeichnet, in der früheren Sowjetunion, dem heutigen Russland und einigen anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion als Großer Vaterländischer Krieg, russisch Великая Отечественная война Welikaja Otetschestwennaja woina) war Teil des Zweiten Weltkrieges. Er begann am 22. Juni 1941 mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht in Berlin. Die Ostfront war bis Juni 1944 (Invasion in der Normandie) die alleinige Hauptlandfront der Alliierten im Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten.

Ein Krieg gegen Russland zur Eroberung von „Lebensraum“ für die „arische Herrenrasse“ und zur Vernichtung des „jüdischen Bolschewismus“ gehörte zu den grundlegenden, bereits in seiner Programmschrift Mein Kampf formulierten Zielen Adolf Hitlers. Den endgültigen Entschluss zum Angriff gab er dem Oberkommando der Wehrmacht (OKW) am 31. Juli 1940 bekannt und befahl am 18. Dezember 1940 mit der Weisung Nr. 21, ihn bis Mai 1941 unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ militärisch vorzubereiten. Dies war ein bewusster Bruch des am 24. August 1939 geschlossenen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes. Das NS-Regime plante, große Teile der sowjetischen Bevölkerung zu vertreiben, zu versklaven und zu töten. Es nahm daher den millionenfachen Hungertod sowjetischer Kriegsgefangener und Zivilisten bewusst in Kauf, ließ sowjetische Offiziere und Kommissare auf der Basis völkerrechtswidriger Befehle ermorden und nutzte diesen Krieg, der große Teile der jüdischen Bevölkerung Europas in seine Reichweite brachte, zur so genannten „Endlösung der Judenfrage“.

Nach anfänglichen deutschen Erfolgen leiteten sowjetische Siege in der Schlacht um Moskau Ende 1941 und vor allem in der Schlacht von Stalingrad 1942/43 Deutschlands vollständige Niederlage ein. Nachdem im Sommer 1943 das deutsche „Unternehmen Zitadelle“ gescheitert war, ging die Initiative endgültig auf die Rote Armee über. Nach dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944, der auf die Eröffnung der lange erwarteten „Zweiten Front“ in Westeuropa (Operation Overlord) durch die westlichen Alliierten der Anti-Hitler-Koalition folgte, war die Wehrmacht militärisch geschlagen und konnte nur noch hinhaltenden Widerstand leisten. Dennoch waren auch die letzten Kriegsmonate noch von äußerst verlustreichen Kämpfen geprägt.

Vor allem wegen der von Deutschen geplanten und ausgeführten Massenverbrechen an der Zivilbevölkerung starben im Kriegsverlauf zwischen 24 und 40 Millionen Bewohner der Sowjetunion. Dieser Krieg gilt wegen seiner verbrecherischen Ziele, Kriegsführung und Ergebnisse allgemein als der „ungeheuerlichste Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg, den die moderne Geschichte kennt“.

Das Kriegsende am 8./9. Mai 1945 wird in vielen Ländern als Tag der Befreiung, in Russland als Tag des Sieges begangen. In der sowjetischen und russischen Erinnerungskultur markiert der deutsche Überfall auf die Sowjetunion oftmals den Beginn des Zweiten Weltkriegs, weil sie für gewöhnlich den Zweiten Weltkrieg mit dem „Großen Vaterländischen Krieg“ gleichsetzt und frühere Kriegsereignisse, wie den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt, den sowjetischen Einmarsch in Polen, die Besetzung von Lettland, Litauen, Estland und von Bessarabien weitgehend ausblendet oder umdeutet.

  1. Hannes Heer, Christian Streit: Vernichtungskrieg im Osten. Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik. VSA Verlag, Hamburg 2020, ISBN 978-3-96488-039-0.
  2. Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Erstausgabe. Piper Verlag, München 1963, S. 436.