Akbar’s Grabmal bei Secundra
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AKBAR’S MAUSOLEUM bei SECUNDRA
IN INDIEN.
Das Schwert des Eroberers ist in seiner Politik immer am konsequentesten. Die geforderte Macht begründet es am dauerhaftesten durch die Gewalt des eisernen Willens und den Gehorsam am festesten in den Formen der Subordination der Kriegsgenossen. Dem Begriff und dem Bedürfniß des Schutzes entspricht für den großen Haufen der Muth, die heroische Kraft und das Geschick des Feldherrn und darum gibt die Menge sich ihm willig hin zu blinder Unterwerfung.
[134] Im siegreichen fremden Herrscher sieht sie einen Schirmherrn, im Heere seiner Getreuen einen Panzer gegen die verhaßte Gewalt und Ungebühr, die sie unter dem alten Regimente bedrückten; sie findet eine Genugthuung in dem schadenfrohen Gedanken, daß Diejenigen, welchen sie sich früher unterthänig beugen mußte, nun, durch das fremde Schwert bezwungen, selbst zur Dienstbarkeit erniedrigt wurden. Aber für die Dauer Dessen, was der Eroberer schafft, ist selten Gewähr zu finden. Genöthigt, die wirksamsten Elemente der alten Staaten, die sein Schwert zerschlägt, in einer andern Zusammensetzung zu seinem Neubau zu verwenden, und tausend Bänder um ihn her zu schlagen, daß er nicht wieder in’s Chaos auseinander falle, muß er, soll sein Bau bestehen und Beifall verdienen, auch als Organisator und Weltweiser sich nicht kleiner zeigen, denn als Held in den Schlachten. Seine Persönlichkeit muß eine Sonne der Geister seyn, eine Mitte des Alls, ein Quellpunkt alles Lebendigen – und unter der Decke des strengen Herrschers muß ein Meer warmer Liebe wogen, welche zusammenhält, was das Schwert vereinigt: – unter dem stahlharten Panzer darf das fühlende Herz nicht fehlen, von dem aus sich Lebenswärme pulsirend über alle Theile seiner Schöpfung verbreiten soll. Einen Plan für Staatsgröße und Volksglück unwandelbar verfolgend, wird seine Persönlichkeit zum Born aller Thätigkeiten werden, die er für die Ausbildung seines Reichs aufruft. Er wird noch eine Stufe höher steigen müssen, denn als Sieger und Eroberer; er wird die Völker geheimnißvoll an sein Daseyn knüpfen, indem er ihnen die Bürgschaften der Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt, er wird sich zur Ursache von Wirkungen erheben, welche die Völker als Segen empfangen; er wird die innerste Wurzel werden einer Kette von Ueberlieferungen, welche, auf die Nachwelt übergehend, ihm als Heros gleichsam die Götterbrücke in die Ewigkeit hinüber schlägt.
Aber nur Wenige aus der Raçe der Eroberer haben diesem Ideale zugestrebt, und noch wenigere haben es erreicht. Unsterblich stehen die meisten auf blutrothen Blättern der Geschichte, ewiger Fluch lastet auf ihnen im Gedächtniß der Völker, die sie unterjochten und niederstampften; andere haben nur blasse Nacherinnerungen hinterlassen und was sie schufen fiel hinter ihnen so schnell wieder ein, als sie es aufgebaut. Nicht lichtumflossene Himmelsgeister sind sie gewesen; finstere Dämonen, der Erde angehörend und aus der Nacht geboren, brach kein Strahl von oben durch ihr geschichtliches Wirken; es hatte keine Heiligung und für das Reich Gottes war es unfruchtbar – man müßte denn einen negativen Nutzen ihres Daseyns in der Möglichkeit suchen, daß sie Zuchtruthe und Geißel in der Hand des Allmächtigen gewesen.
Aus Hochasien, aus der Wiege der Menschheit, sind die Propheten und Eroberer, die Großgeister des Himmels und der Erde, die Engel und Titanen in die Welt gekommen und haben das empfangene Licht und die empfangene Macht hinausgetragen unter die Völker. So entstanden die Sternennächte, welche die Menschen erfreut [135] haben, und in denen die Saaten neuer Hoffnungen sprießten; so die lodernden Feuerflammen, welche die Völker fraßen und die geängstigte Welt mit dem Untergang des Geschlechts und dem Ende aller Zeiten bedroheten. Namentlich ist das von dein asiatischen Alpengürtel eingeschlossene Plateau der Mongolei der geschichtliche Boden, welchem die Meteore entstiegen, die von Zeit zu Zeit verheerend die alte Welt durchtobten und mit Entsetzen erfüllt haben. Von dort zogen einst aus die zahllosen Reiterschaaren, das römische Reich zu verwüsten; von dort kam Tschingis-Khan, die Geißel Gottes, unter dessem Tritt die Kulturblüthen einer halben Welt verdorrten; dort stieg der gewaltige Timur, der Mann von Eisen, aus dem Kreise der Hirten zum Welteroberer hinan, – ein zweiter Mohammed, in der einen Hand die Brandfackel und das Schwert, in der andern den Koran, um die heidnische und christliche Menschheit zu bekehren oder auszurotten. So siegreich und glücklich als Alexander, unterwarf er Rußland, und machte das heilige Moskau zum Aschenhaufen; seine Horden überflutheten das Reich von Byzanz; Syrien und Aegypten fühlten seine Geißel, Bagdad und ganz Mesopatamien bis zur Mündung des Euphrat machte er zur Wüste und aus den Köpfen von 90,000 Erschlagenen richtete der Furchtbare auf der Brandstätte des alten Khalifensitzes eine Pyramide auf; Indien bis zum Delta des Ganges wurde seine Beute; dazu Persien und der Pontus, und als er in der Ebene von Ancyra (1402) wider den Sultan der Türken mit 800,000 Mann vollkommen gesiegt, letzteren gefangen und in einem ehernen Käfig eingesperrt hatte, zog er mit einer Million Krieger gegen China aus, um die Eroberung des Welttheils zu vollenden. Er starb auf diesem Zuge und das ungeordnete Reich zerfiel nach seinem Tode in mehrere Staaten, unter denen nur einer eine große und dauernde Rolle gespielt hat – Hindostan. Timurs Enkel war der Schöpfer und Begründer des Reichs des Groß-Moguls, dessen Ordner und Erhalter. Geboren im Jahr 1542 faßte Akbar schon als Jüngling den Herrscherzügel mit eiserner Hand und Willenskraft, schlug die Empörung zu Boden, dehnte in langen, furchtbaren Kriegen mit den Nachbarn seines Reiches Grenzen über Indien und Caschemir mit einer Bevölkerung von 80 Millionen aus, und als er sich innen und außen den Frieden errungen, machte er eine gute Organisation und gewissenhafte Verwaltung des Staats zur Aufgabe seines übrigen Lebens. Seinen Beamten war er ein Schrecken, wie er es früher dem Feinde war; seinem Volke war er ein Abgott. Unter seiner langen Regierung gedieh das Reich zu einer Blüthe, wie sie Indien niemals wieder gekannt hat. Die Staatseinkünfte stiegen auf 1000 Millionen Franken, und er konnte mit Leichtigkeit ein Heer von 600,000 Mann besolden, das die Grenzen bewachte und die Gelüste der räuberischen, stets zu Einfällen geneigten Nachbarn eben so im Zaum hielt, als die Unruhestifter im Innern. Er baute Agra als seine Residenz mit beispielloser Pracht und machte es zum Mittelpunkt des Staatslebens, wo sich die Coryphäen der Poesie, Wissenschaft und Kunst versammelten, und von wo aus sich ein freundliches Licht in allen Richtungen verbreitete. Sich selbst den Vorschriften des Korans als strenggläubiger Mohammedaner willig unterwerfend, [136] übte er doch des großen Friedrichs Grundsatz: „in meinem Reiche soll jeder nach seiner Façon selig werden dürfen,“ und alle Kulten, heidnische, jüdische und christliche, genossen Duldung und Schutz. Akbar starb im Jahre 1606 und wurde bei Secundra, in einem goldenen Sarkophage begraben. – Dort erbaute ihm sein Nachfolger jenes unermeßliche Mausoleum mit 100 Thoren, – gleichsam als sollte ein ganzes Volk einziehen können, um die Asche des Mannes zu verehren, den es im Leben als Vater gepriesen und angebetet hatte. Millionen pilgerten zu seinem Grabe und lange Jahre blieb es ein besuchter Wallfahrtsort. Aber mit dem Glanz der mohammedanischen Herrscher ist auch der Glanz des Mausoleums verblichen, und seit Timurs Descendenten herabgesunken sind zu britischen Pensionären, ist Alles, was an die mohammedanische Herrschaft erinnert, geflissentlich dem Verfall überlassen. Auch Akbar’s Mausoleum theilt das allgemeine Geschick und ehe ein Jahrhundert vergeht, wird es Ruine seyn.