Der Grundbesitz der Familie Dinglinger
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In diesen Blättern brachte Professor Paul Moritz Rachel in seiner Abhandlung über die Dresdner Goldschmiede-Innung[1] eine kurze Nachricht über des Hofjuwelier Johann Melchior Dinglingers Haus auf der Frauengasse[2], welches Dinglingers Schwiegervater anscheinend vorübergehend besessen habe. Als Ergänzung dazu haben sich bei Durcharbeitung der Kauf- und Kontraktbücher des vormaligen Stadtgerichts[3] einige für die Geschichte der Familien Rachel und Dinglinger bemerkenswerte Tatsachen gefunden. Das bisher unbestimmte Datum der Ansässigmachung Dinglingers wird durch den am 29. Oktober verhandelten und am 31. Oktober 1697 vom Bürgermeister und Rat konfirmierten Kaufvertrag[4] festgelegt. Die Verkäufer sind „Herrn Moritz Rachels vornehmen Jouaillir hinterlassene Herren und Frauen Erben“ und zwar die Witwe und 9 Kinder, unter denen „Frau Anna Dorothea Dinglingerin, hernach gemelten Käufers Eheliebste“ mit erwähnt wird. Den Kaufpreis von 4000 Thlr. bezahlte Dinglinger „in unzertrennter Summe baar“. Zu dem Hause gehörte ein halbes Weißeritz-Röhrwasser, und 175 volle Steuerschocke lasteten darauf. Nach Dinglingers Tod werden acht Kinder und drei Enkel als seine Erben namhaft gemacht[5]. Nach Bestimmung des väterlichen Testamentes übernahm der älteste Sohn Dinglingers, der Hofjuwelier Johann Friedrich Dinglinger[6], das Haus nebst den Möbeln für 8000 Thlr. Der Vertrag datiert erst Dresden den 16. und Leipzig den 19. September 1740 und wurde in Dresden am 11. Februar 1741 konfirmiert[7]. Am 2. November 1748 verkaufte dieser das Haus nebst der Mandel oder Rolle und „den auf den außen Altan vorhandenen Blumen und anderen Gewächsen“ an seine Schwester Frau verw. Anna Maria Sartorius, Witwe des med. pract. Dr. Friedrich Sartorius, für 8000 Thlr. bar[8]. Aus dem zwischen diesen Geschwistern abgeschlossenen Vertrag geht der Grund des Verkaufes, auch ein dem Johann Friedrich Dinglinger eingeräumtes Wohnungs- oder Nutzungsrecht nicht hervor, eine Hypothekenbelastung wird ebenfalls nicht erwähnt, so daß wenigstens hieraus nicht auf eine bedrängte Lage des Verkäufers[9] geschlossen werden kann. Am 30. März 1768 wurden fünf Schwestern Dinglinger mit dem Grundstück ihrer am 6. März 1760 verstorbenen Frau Muhme beliehen, gemäß dem am 19. Januar 1760 errichteten Testamente. In dem Lehnschein[10] wird das Haus als bei dem Bombardement 1760 mit abgebrannt[11] und nunmehr zum Teil wieder erbaut bezeichnet. Darauf hafteten 37 Thlr. 21 gr. 8 ₰ preußische Kontributionsgelder vom Jahre 1758 und 1800 Thlr. Hypothek. Als das Haus am 18. Februar 1792[12] an den Schwertfegermeister Chn. Immanuel Eichler für 6500 Thlr. Conv. Geld verkauft wurde, war es mit 5000 Thlr. Hypothek belastet, während die preußischen Kontributionsgelder von den Verkäuferinnen abgeführt wurden. Hierbei werden von den Schwestern Dinglinger zwei als vermählt bezeichnet, nämlich Anna Christiane als Ehefrau des Kammerherrn und Berghauptmanns Carl Wilhelm Benno v. Heyniz, verwitwet gewesene Obristleutnant [95] Poppe, und Johanne Magdalene als Ehefrau des Obrist von der Armee Friedrich Gottlob v. Haugwitz. Nach zweimaliger Vererbung des Grundstücks unter den Nachkommen des Chn. Immanuel Eichler erwarben es die Gebrüder Carl Gottlob und Ernst August Klepperbein am 27. Januar 1823 zu dem schon 102 Jahre ihrer Familie gehörenden Nachbarhaus für 14000 Thlr. hinzu.
Auch dieses Nachbarhaus, nach der Galeriestraße zu gelegen, hat der berühmte Johann Melchior Dinglinger drei Jahre besessen. Es war im Besitz des Goldarbeiters Joh. Friedr. Neumann im April 1718 subhastiert, von dem Advokaten Chn. Wilh. Ziegra erstanden worden, dieser trat am 16. April 1718 sein Recht an Dinglinger für den Erstehungspreis von 2500 Thlr. bar ab[13]. Schon am 29. April 1721 kaufte der Materialist Otto Klepperbein das Haus für 4000 Thlr. bar[14], welches Dinglinger „seinem unlängst seelig verstorbenen Hrn. Bruder“, dem Kgl. Hofemailleur George Friedrich Dinglinger und dessen Familie zu bewohnen eingeräumt hatte. Zu dem Hause gehörte ein halbes Weißeritz-Röhrwasser, die Brauberechtigung zu jährlich 1½ Gebräu Bier, „zwei kupferne Kessel hinten in der Badstube, 2 eyserne Windöfen und einige Schränke auf den Gängen“; 172 Steuerschock ruhten darauf. Auch dieses Haus brannte im Juli 1760 mit ab. Im Besitz der Firma C. G. Klepperbein wurden später beide Häuser vereinigt und erhielten die gemeinsame neue Brandkataster-Nummer 245 und die Hausnummer Frauenstraße 9.
Bei Gurlitt, Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen Heft 23, Seite 683 wird das zweite Haus, welches bis 1839 die alte Brandkataster-Nummer 398 trug und das Dinglinger tatsächlich erst 1718 erwarb, offenbar mit dem von mir eingangs behandelten Haus, das Dinglinger bis zu seinem Tode besaß und das die älteste Brandkataster-Nummer 399 führte, verwechselt[15].
Das andere als Dinglinger-Haus bekannte Grundstück Jüdenhof 5, Ecke Sporergasse[16], kaufte der Goldarbeiter George Christoph Dinglinger[17], ein Bruder des berühmten Melchior Dinglinger, am 22. April 1716 von dem Kgl. Hof-Einkäufer Abraham Thäme, welcher es „von Grund aus neu erbaut“ hatte, für 7000 Thlr.[18]. Die Zahlung erfolgte in zwei Raten von je 3000 Thlr. zur Oster- und Michaelismesse 1716, die dritte Rate wurde zu Ostern 1717 mit 1000 Thlr. bezahlt. Zu dem Hause gehörte ein halbes Hoch-Plauisches Röhrwasser und die Brauberechtigung zu jährlich zwei Bieren; 175 Steuerschocke ruhten darauf. Am 9. Oktober 1747 wurde der Sohn des Besizers, der Goldarbeiter Friedrich Dinglinger, und dessen Muhme Frau Sabine Elisabeth Hofmann, Ehefrau des Dr. jur. und pract., späteren Akzisrat und Akzis-Kommissar Christian Gotthold Hofmann, laut Testament mit dem Hause beliehen[19]. Frau Hofmann war die Enkelin des Erblassers. Die Witwe des George Christoph Dinglinger, Frau Marie Catharina Dinglinger, erhielt als ihr eheliches Einbringen 2000 Thlr. Hypothek an dem Haus zugeschrieben, wovon sie 1200 Thlr. am 17. April 1748 an den Ratsmaurermeister J. Chph. Berger abtrat. Wegen einer von dem Kauf- und Handelsmann Joh. Gottfried Müldner ausgeklagten Schuld wurde das Grundstück am 22. August 1768 von dem Advokat Friedr. Aug. Ermel sub hasta erstanden[20], dieser trat sein Lizitationsrecht am 13. Oktober desselben Jahres an den Hofbeutler Carl Gottlob Schräger ab für den Erstehungspreis von 6250 Thlr.[21]
Zum letztenmal treffen wir den Namen Dinglinger in den Kauf- und Kontraktbüchern am 1. Februar 1768, wo die Witwe des Juweliers Johann Gottfried Dinglinger, Frau Christina Elisabeth Dinglinger geb. Behnisch, das Haus Kleine Brüdergasse 6, welches sie am 20. Dezember 1762[22] erkauft hatte, dem Schneider Joh. Michael Glaser käuflich für 2100 Thlr. überließ[23]. Der Erwerber hatte das Haus schon am 1. Dezember 1764 mit Vorbehalt des Wiederkaufsrechtes für die Verkäuferin zunächst auf vier Jahre für 1800 Thlr. gekauft[24]. Bei diesem Besitzwechsel lasteten auf dem Hause 600 Thlr. Hypothek, sowie 1315 Thlr. Forderung des Käufers und 105 Thlr. Prozeßkosten.
Auch in der Pirnaischen Vorstadt war die Familie Dinglinger kurze Zeit ansässig, denn am 2. Januar 1711[25] kaufte Frau Catharina Barbara, Herrn George Friedrich Dinglingers[26], Königl. Poln. und Kurf. Sächs. Amalirers Eheliebste geb. Gutermann, von dem Knopfmacher J. George Philipp sein zwischen Sekretär Nothnagel und Posthalter Mierisch auf der Pirnaischen Gasse vor dem Pirnaischen Tore innen gelegenes Haus, Hof und Garten für 450 Thlr., davon 60 Thlr. an bisherigen Baukosten. Der Nachbar, Posthalter Joh. Michael Mierisch, kaufte das Grundstück für 500 Thlr. baren Geldes von dem hinterlassenen unmündigen Sohn Georg Friedrich Dinglinger, Sohn der Frau Catharina Barbara Dinglinger, und zwar mit Vollwort seines [96] Vormundes des Kurf. Jouvelier Joh. Michael Dinglinger am 30. Juli 1722[27]. Aus dem Nachlaß ihres Vaters kaufte am 28. September 1733 Frau Johanna Maria, Eheliebste des Kammer-Kommissar Joh. Christian Stößel, geb. Mierisch, „das zwischen Hrn. Bildhauer Kretzschmar und dem sogen. Post-Stall gelegene Haus, wie es ihr Vater durch bauen und sonst meliorieret“, für 1200 Thlr.[28]. Bei Anzündung der Pirnaischen Vorstadt brannte das Haus am 30. August 1758 mit ab. Nachdem die Tochter der Frau Kammer-Kommissar Stößel, Frau Postamtssekretär Johanna Christiana Bonand, 1781 die Brandstelle geerbt hatte, erstand sie der Kurf. Finanz-Kalkulator J. W. Müller am 29. März 1784 für 261 Thlr. Nach Einführung der Brandkataster-Nummern erhielt das Grundstück die Nummer 272, die 1839 umgewandelt wurde in Vorstadt Nummer 1268 und die Hausnummer 38 der äußeren Pirnaischen Gasse, seit 1859 Abt. Ba. Nummer 419 und führt seit 1890 die Hausnummer 50.
So können wir auch aus den Kaufurkunden das Aufblühen und Welken bekannter Bürger- und Adelsfamilien früherer Jahrhunderte erkennen und interessante Einzelheiten zur Geschichte der Häuser unserer Stadt gewinnen. [29]
- ↑ Bd. IV S. 57-68.
- ↑ Ebenda S. 63.
- ↑ Im Archiv des Kgl. Amtsgerichts Dresden-Altstadt.
- ↑ Kaufbuch 1697 Bl. 26.
- ↑ Kaufbuch 1740 Bl. 553.
- ↑ Seit 1748 Geh. Kämmerier.
- ↑ Kaufbuch 1740 Bl. 554.
- ↑ Kaufbuch 1748 Bl. 86.
- ↑ Vgl. Rachel S. 68.
- ↑ Kaufbuch 1768 Bl. 77.
- ↑ Hasche, Umständliche Beschreibung Bd. 2 gibt 8000 Thlr. Verlust an, das ist der vorige Kaufpreis.
- ↑ Kaufbuch 1792 Blatt 60.
- ↑ Kaufbuch 1717 Bl. 398.
- ↑ Kaufbuch 1720 Bl. 416.
- ↑ Siehe auch ebenda S. 691.
- ↑ Gurlitt, Bau- und Kunstdenkmäler Heft 23 S. 687.
- ↑ Gestorben 1745.
- ↑ Kaufbuch 1714 Bl. 448. Thäme hatte das Grundstück 1708 erkauft.
- ↑ Kaufbuch 1747 Bl. 172.
- ↑ Rachel, S. 68.
- ↑ Kaufbuch 1768 Bl. 307 u. 308.
- ↑ Kaufbuch 1763 Bl. 43.
- ↑ Kaufbuch 1768 Bl. 241.
- ↑ Kaufbuch 1765 Bl. 141.
- ↑ Kontraktbuch des vorm. Stadtgerichts im Archiv des Kgl. Amtsgerichts, 1710 Bl. 367.
- ↑ Bruder des Joh. Melch. Dinglinger, † 24. Dezember 1720.
- ↑ Kontraktbuch 1721 Bl. 421.
- ↑ Kontraktbuch 1738 Bl. 514.
- ↑ Richter, Atlas zur Geschichte Dresdens, Plan 23.