St. Rupertskloster bei Bingen
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ST RUPERTUS KLOSTER
bei Bingen.
Durch den Hader wird alles Leben geboren, und wenn nur die zusammenhaltende Liebe nicht fehlt, findet jeder Zwist seine Beruhigung wieder, ehe er in Zerstörung endigt. Indeß gibt es Dinge so dämonischer und verwerflicher Art, daß kein Vergleich mit ihnen zu schließen ist. Brechen muß man mit ihnen ganz und gar. Man muß mit ihnen streiten, um sie zu verderben.
Ein solches Ding ist das Mönch- und Pfaffenwesen in Deutschland. Mit ihm ist kein Vertrag mehr zu machen. Der Spruch ist gethan, der Stab ist gebrochen. Fort mit ihm auf die Armesünderbank und was noch übrig ist, ist Henkersarbeit! Will es um Gnade bitten: es soll ihm nichts helfen. Der Volksgeist, [62] der richtende, hat es erkannt in seiner Verworfenheit, hat es verurlheilt, hat es verdammt, – er wird es vernichten.
Wohl hatte sie es weit gebracht, die hierarchische Hyder, im Laufe so vieler Jahrhunderte in der Herrschaft über das verdummte und verfinsterte Volk! Sie hatte sich ein Haus gebaut, dessen Grundfesten im Felsleib der Erde steckten, während seine Thürme die Wolken des Himmels umzogen. So fest war’s, so innig gegliedert und tüchtig verbunden, daß, obschon der Grund selbst, der fromme Glaube, längst unterwühlt war, der Bau doch noch einige Jahrhunderte zusammen halten konnte, ehe er aus einander fiel. Erst seit künftig Jahren erscheint uns das Mönch- und Pfaffenthum wie das Klosterbild auf unserm Stahlstich – als Ruine. Dachlos seit längerer Zeit sind endlich eingestürzt die Gewölbe von dem Regen des Himmels, auf den Pfeilern strecken die Bogenarme sich in die Leere hinaus, Gras und Büsche wachsen in dem Heiligthum und die Vögel nisten in den Mauerspalten. Zu bessern ist da nichts mehr. – Restaurationsversuche, wie sie in unsern Tagen ein Bayern-König machte, sind Thorheiten und fruchten – wie die Arznei dem Todten.
Auch der Räuber und Mörder findet seinen Advokaten und das Mönch- und Pfaffenthum hat noch eifrige Vertheidiger und Fürsprecher bis auf den heutigen Tag. Wenn aber gefragt wird: Thue uns kund, was du vollbracht hast und lege uns aus, was du gebildet und gebaut, damit wir erkennen, was dir gebührt, – ob du das Urtheil verdient hast, oder ob dir damit zu viel geschehen sey! und du, Pfaffenthum, nun aus einander breitest den Reichthum deiner Schlechtigkeit von Anbeginn an und die Armuth deiner Tugend: – wie ist es dann mit dir bestellt? Man wird dir sagen müssen: Sieh! du hast deine Thaten mit beredtem Mund erzählt und deine Herrlichkeit uns angepriesen: aber bei der Prüfung hat ihr Gehalt sich nicht bewährt. Was du als Gold vorgezeigt, ist Katzengold, und dein Juwelenschmuck war schlechtes Glas. All dein Verdienst löst sich in Nichtigkeit auf. Heuchelei ist deine Frömmigkeit, dein Glaube Unglaube, dein Wissen Unwissenheit, deine Enthaltsamkeit Unzucht, deine Tugend Laster, und unter deinem ruhigen Aeußern birgst du fressende Flammen; – zerstörend ist dein ganzes Wesen, Unfrieden säen deine Freude und Niederreißen deine Stärke.
Hattest du aus der Erbschaft so vieler Jahrhunderte nicht Reichthümer gehäuft und was hat der Welt die Dotation geholfen? Wie hast du Haus gehalten mit deinem Pfunde? Mit all dem unermeßlichen Besitz hast du nichts gethan, als deinen faulen Leib gemästet und Bettler gefüttert! Der Schatz der Wissenschaft stand dir offen von Anbeginn und, entrückt aller irdischen Last und Sorge, ward dir recht eigentlich das Amt, den Schatz zu mehren alle Tage; und was hast du vollbracht? Geist und Leben hast du der Wissenschaft genommen, du hast sie abgeschieden von ihrer Wurzel, und wie ein Gespenst, als wesenloser Schatten, mußte sie umgehen in deinem Kreise, unzugänglich für das Volk und dem Volke ungenießbar. Selbst den Glauben, als dessen berufenen Hüter du dich ausgibst, hast du verkehrt und verderbt durch und durch, deine Schlechtigkeit hat sein Reich verwüstet, [63] deine Treulosigkeit ihm die Macht genommen, und indem du ihn in deinen Schmutz herabgezogen, hast du die Herzen von ihm abgewendet. Den reinen Strahl der Wahrheit hast du in allen Farben gebrochen und verfinstert, und was in Liebe sich vereinte, das hast du mit rastloser Arglist in unversöhnlichen Hader geschieden. Ja, die Kirche selbst, deinen Abgott, hast du ihrer überirdischen Abkunft entkleidet, in den gemeinen Dienst der Sinnenwelt gezogen und zu einem Schemen herabgewürdigt; den Priesterdienst aber zu einem groben Frohndienst gemacht, zu einem Wortgemenge des Unsinns, zu einer Schauspielerfertigkeit, die immer und immer wieder dasselbe Spiel wiederholt, zu einem Larventanz und Mummenschanz ohne Inhalt, Tiefe und geistige Bedeutung. Kurz: dein Thun ist die Lehre und Praxis das absoluten Nichts; deine Kunst eitel Buchstabenwerk, dein Wissen leerer Dunst, dein Streben mit der Zeit im Widerspruch, deine Seelsorge ist auf Verdummung der Geister und Despotismus gerichtet, deine Klugheit ist Lug und Trug, dein ganzes Treiben ein ehrloses Verhüllen und Vertuschen der Lügen, die du dem Volke vorpredigst, ein Bemänteln und Berücken, ein Hadern mit dem gesunden Menschenverstand ohne Kraft, ohne Macht und ohne Würde. Darum ist das ganze Pfaffenwesen nur ein einziger Widerspruch und keineswegs ein erhaltendes, sondern vielmehr ein chaotisches, auflösendes Element in der heutigen Gesellschaft, die den Stab über dasselbe gebrochen hat.
Aus dem Tode des Pfaffenthums, und nur aus seinem Tode, wird und kann das bessere, das neue religiöse Leben keimen. Nicht auf den ersten Wurf wird es erwachsen; nicht über Nacht wird sich aufbauen die neue Kirche: brausend, zischend, gährend werden die Kräfte noch lange Zeit durch einander fahren; sich noch in manchen mißlungenen oder halbgelungenen Schöpfungen versuchen; aber die Zukunft wird nicht umsonst nach dem großen Tempel fragen, der den gesitteten Theil der Menschheit zu einer religiösen Gemeinschaft vereinigt. Schießt nicht die Idee dieser Glaubens-Einigkeit und Verbrüderung schon hin und her in den hellsten Geistern wie die Strahlen des Lichts von Stern zu Stern? Ja, sie wird, sie muß sich verwirklichen; denn sie ist in Harmonie mit der Idee der Verbrüderung aller Völker unter dem Obdach der Freiheit, und der Missionsberuf des Christenthums – den es im Kampfe mit dem Heidenthum von Gott erhalten – erfüllt sich durch sie allein. Die Devise auf dem Heerschild des künftigen Völkerglücks wird seyn: „Religion und Freiheit“. –
Die Klosterruine St. Rupert ist ein malerisches Plätzchen des Rheingaues unterhalb der Binger Brücke über die Nahe. Stifterin war, zur Zeit der Kreuzzüge, die heilige Hildegard, welche in so vielen Sagen und Legenden des Rheinvolks fortlebt und deren Wirken so hoch gepriesen wird. Im Bauernkriege wurde Abtei verbrannt; der Staat zog die Güter ein und ließ die Gebäude in Ruinen.