Kurs:Elementare Algebra/23/Klausur mit Lösungen


Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Punkte 3 3 3 2 3 3 7 6 6 7 4 6 2 2 2 5 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine Gruppe .
  2. Der Realteil einer komplexen Zahl .
  3. Ein Primideal in einem kommutativen Ring .
  4. Der Kern eines Gruppenhomomorphismus
  5. Der Quotientenkörper zu einem kommutativen Ring .
  6. Der Grad einer endlichen Körpererweiterung .


Lösung

  1. Eine Gruppe ist ein Monoid, in dem jedes Element ein inverses Element besitzt.
  2. Zu einer komplexen Zahl nennt man den Realteil von .
  3. Ein Primideal ist ein Ideal, wenn ist und wenn für mit folgt: oder .
  4. Man nennt das Urbild des neutralen Elementes unter einem Gruppenhomomorphismus den Kern von .
  5. Zu einem Integritätsbereich ist der Quotientenkörper als die Menge der formalen Brüche

    mit natürlichen Identifizierungen und Operationen definiert.

  6. Bei einer endlichen Körpererweiterung nennt man die - (Vektorraum-)Dimension von den Grad der Körpererweiterung.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Lösbarkeit von Gleichungen in einer Gruppe .
  2. Der Satz über den Kern eines Ringhomomorphismus.
  3. Der Satz über die Winkeldreiteilung.


Lösung

  1. Zu je zwei Gruppenelementen besitzen die beiden Gleichungen
    eindeutige Lösungen .
  2. Der Kern zu einem Ringhomomorphismus ist ein Ideal.
  3. Es ist nicht möglich, einen beliebig vorgegebenen Winkel mittels Zirkel und Lineal in drei gleich große Teile zu unterteilen.


Aufgabe (3 Punkte)

Man bringe das Konzept eines inversen Elementes in einer Gruppe mit der Reversibilität von Prozessen in Verbindung.


Lösung erstellen


Aufgabe (2 Punkte)

Beweise den Satz über die Beziehung zwischen prim und irreduzibel in einem Integritätsbereich .


Lösung

Angenommen, wir haben eine Zerlegung . Wegen der Primeigenschaft teilt einen Faktor, sagen wir . Dann ist bzw. . Da kein Nullteiler ist, folgt , sodass also eine Einheit ist.


Aufgabe (3 Punkte)

Führe in die Division mit Rest durch “ für die beiden Polynome und durch.


Lösung

Es ist insgesamt


Aufgabe (3 Punkte)

Man finde ein Polynom

mit derart, dass die folgenden Bedingungen erfüllt werden.


Lösung

Die Bedingungen führen auf das lineare Gleichungssystem

führt auf

also

In eingesetzt ergibt sich

Das gesuchte Polynom ist also


Aufgabe (7 Punkte)

Betrachte auf der Produktmenge

die Relation

Zeige, dass dies eine Äquivalenzrelation ist. Es sei die Menge der Äquivalenzklassen. Definiere auf eine Addition , die die Eigenschaft

erfüllt (der Querstrich bedeutet dabei die zugehörige Äquivalenzklasse) und die zu einer kommutativen Gruppe macht.


Lösung

Die Relation ist trivialerweise reflexiv, da die Addition in kommutativ ist. Auch die Symmetrie ist direkt klar. Zur Transitivität sei

d.h.

Damit ist insgesamt

Hier können wir beidseitig abziehen und erhalten , was bedeutet.

Wir definieren nun die Addition durch

Wir müssen zeigen, dass diese Addition wohldefiniert ist. Sei dazu

und

Wir müssen zeigen, dass

ist. Dies folgt aber aus

Wenn die hintere Komponente beidesmal ist, so wird in der ersten Komponente einfach wie in addiert. Die Verknüpfung ist assoziativ, da die komponentenweise Addition auf der Produktmenge assoziativ ist und sich dies auf die Verknüpfung auf den Äquivalenzklassen überträgt. Daraus folgt auch sofort, dass das neutrale Element ist. Die Kommutativität der Verknüpfung ist ebenfalls klar. Zu einem Element ist

das inverse Element. Es ist ja

wobei die letzte Gleichung sich direkt aus der Definition der Relation ergibt.


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise den Homomorphiesatz für Gruppen.


Lösung

Wir zeigen zuerst die Eindeutigkeit. Für jedes Element gibt es mindestens ein mit . Wegen der Kommutativität des Diagramms muss

gelten. Das bedeutet, dass es maximal ein geben kann.
Wir müssen zeigen, dass durch diese Bedingung eine wohldefinierte Abbildung gegeben ist. Es seien also zwei Urbilder von . Dann ist

und somit ist . Daher ist . Die Abbildung ist also wohldefiniert. Seien und seien Urbilder davon. Dann ist ein Urbild von und daher ist

D.h. ist ein Gruppenhomomorphismus.


Aufgabe (6 (4+2) Punkte)

  1. Finde den kleinsten Exponenten derart, dass die Potenzierung

    die Identität ist.

  2. Was bedeutet dies für die Endziffer im Zehnersystem beim Potenzieren von natürlichen Zahlen?


Lösung

  1. Wir gehen die Exponenten

    durch und schauen, ob die Abbildung

    die Identität ist oder nicht. Alle Rechnungen werden in durchgeführt.

    Wegen

    ist dies nicht die Identität.

    Wegen

    ist dies nicht die Identität.

    Wegen

    ist dies nicht die Identität.

    Es ist

    Für zwischen und gehört zum bereits untersuchten Bereich und es ist

    Daher ist die fünfte Potenzierung die Identität. Der minimale Exponent ist somit .

  2. Die Endziffer im Zehnersystem ist einfach der Rest modulo . Daher bedeutet das Ergebnis, dass die Endziffer der fünften Potenz einer natürlichen Zahl stets mit deren Endziffer übereinstimmt, und dass dies nicht für die zweite, dritte oder vierte Potenz gilt.


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise den chinesischen Restsatz für einen Hauptidealbereich.


Lösung

Wegen gelten die Idealinklusionen und daher gibt es kanonische Ringhomomorphismen

Diese setzen sich zu einem Ringhomomorphismus in den Produktring zusammen, nämlich

Wir müssen zeigen, dass dieser bijektiv ist. Zur Injektivität sei derart, dass es in jeder Komponente auf abgebildet wird. Das bedeutet für alle . D.h. ist ein Vielfaches dieser und aufgrund der Primfaktorzerlegung folgt, dass ein Vielfaches von sein muss. Also ist in .
Zur Surjektivität genügt es nach Aufgabe 15.17 (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) zu zeigen, dass alle Elemente, die in einer Komponente den Wert und in allen anderen Komponenten den Wert haben, im Bild liegen. Es sei also vorgegeben. Wegen der Eindeutigkeit der Primfaktorzerlegung sind und teilerfremd. Daher gibt es nach dem Lemma von Bezout eine Darstellung der Eins, sagen wir

Betrachten wir . Das wird unter der Restklassenabbildung in der ersten Komponente auf und in den übrigen Komponenten auf abgebildet, wie gewünscht.


Aufgabe (4 Punkte)

Löse das inhomogene lineare Gleichungssystem


Lösung

Wir eliminieren zuerst die Variable , indem wir die zweite und die dritte Gleichung übernehmen und hinzunehmen. Dies führt auf

Nun eliminieren wir die Variable , indem wir (bezogen auf das vorhergehende System) und ausrechnen. Dies führt auf

Mit ergibt sich

und

Rückwärts gelesen ergibt sich

und


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei ein endlicher Körper der Charakteristik ungleich . Zeige unter Verwendung der Isomorphiesätze, dass genau die Hälfte der Elemente aus ein Quadrat in ist.


Lösung

Wir betrachten die Abbildung

der Einheitengruppe in sich. Diese schickt auf und wegen handelt es sich um einen Gruppenhomomorphismus. Der Kern dieser Abbildung besteht aus den mit , also aus den Nullstellen des Polynoms . Dessen Nullstellen sind gerade und , weitere Nullstellen kann es nicht geben, da die Anzahl der Nullstellen durch den Grad des Polynoms beschränkt ist. Bei wäre , was aufgrund der Charakteristik ausgeschlossen ist. Also besteht der Kern genau aus zwei Elementen. Nach dem Isomorphiesatz ist das Bild isomorph zum Urbild modulo Kern. Das Bild ist genau die Menge der Quadrate in der Einheitengruppe, und diese ist isomorph zu . Jede Nebenklasse besitzt daher zwei Elemente und die Anzahl der Nebenklassen ist daher . Die Hälfte der Einheiten sind also Quadrate.


Aufgabe (2 Punkte)

Wir betrachten den Unterring

Berechne

Zeige dabei insbesondere, dass das Ergebnis wieder zu gehört.


Lösung

Es ist, unter Verwendung von


Aufgabe (2 Punkte)

Zeige, dass die reelle Zahl eine Nullstelle des Polynoms ist.


Lösung

Es ist

und

Somit ist


Aufgabe (2 Punkte)

Bestimme die Koordinaten der Schnittpunkte des Einheitskreises und der Diagonalen in der Ebene .


Lösung

Die Punkte auf der Diagonalen haben die Form  mit , die Punkte auf dem Einheitskreis erfüllen die Gleichung . Zusammengenommen kommt man auf die Gleichung

also

Die beiden Schnittpunkte sind also und .


Aufgabe (5 Punkte)

Beschreibe eine konstruierbare Zahl auf dem komplexen Einheitskreis, die keine Einheitswurzel ist.


Lösung

Wir betrachten die Zahl , die zu gehört und insbesondere konstruierbar ist. Dann ist auch der Schnittpunkt der Geraden durch diesen Punkt und den Nullpunkt mit dem Einheitskreis konstruierbar. Wenn dieser Schnittpunkt eine Einheitswurzel wäre, so wäre eine bestimmte Potenz davon gleich . Dies würde bedeuten, dass eine bestimmte Potenz von reell wäre. Es ist

Der Koeffizient vor ist bei gerade gleich

und bei ungerade gleich

Diese Zahlen sind definitiv nicht , da größer als die Summe aller kleineren Zweierpotenzen ist.