Kurs:Lineare Algebra/Teil I/31/Klausur mit Lösungen



Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21
Punkte 3 3 2 4 1 3 3 3 4 1 3 2 2 2 2 5 5 4 3 5 4 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Die leere Menge.
  2. Eine injektive Abbildung
  3. Der Spaltenrang einer - Matrix über einem Körper .
  4. Der Polynomring über einem Körper (einschließlich der darauf definierten Verknüpfungen).
  5. Die geometrische Vielfachheit von einem Eigenwert zu einer linearen Abbildung

    auf einem endlichdimensionalen - Vektorraum .

  6. Eine Fahne in einem - dimensionalen - Vektorraum .


Lösung

  1. Unter der leeren Menge versteht man diejenige Menge, die kein Element besitzt.
  2. Die Abbildung

    ist injektiv, wenn für je zwei verschiedene Elemente auch und verschieden sind.

  3. Man nennt die Dimension des von den Spalten erzeugten Untervektorraums von den (Spalten-)Rang der Matrix .
  4. Der Polynomring über einem Körper besteht aus allen Polynomen

    mit , , und mit komponentenweiser Addition und einer Multiplikation, die durch distributive Fortsetzung der Regel

    definiert ist.

  5. Man nennt

    die geometrische Vielfachheit des Eigenwerts.

  6. Eine Kette von Untervektorräumen

    heißt eine Fahne in .


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die mathematische Struktur der Lösungsmenge eines homogenen linearen Gleichungssystems.
  2. Der Satz über die Beschreibung des Signums mit Fehlständen.
  3. Der Satz über die Charakterisierung einer diagonalisierbaren Abbildung.


Lösung

  1. Die Menge aller Lösungen eines homogenen linearen Gleichungssystems

    über einem Körper ist ein Untervektorraum des

    (mit komponentenweiser Addition und Skalarmultiplikation).
  2. Sei und sei eine Permutation auf . Es sei die Anzahl der Fehlstände von . Dann ist das Signum von gleich
  3. Es sei ein Körper und es sei ein endlichdimensionaler - Vektorraum. Es sei

    eine lineare Abbildung. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.

    1. ist diagonalisierbar.
    2. Es gibt eine Basis von derart, dass die beschreibende Matrix eine Diagonalmatrix ist.
    3. Für jede beschreibende Matrix bezüglich einer Basis gibt es eine invertierbare Matrix derart, dass

      eine Diagonalmatrix ist.


Aufgabe (2 Punkte)

Man erläutere das Prinzip, dass viele Bedingungen zu einer kleinen Lösungsmenge korrespondieren, anhand eines alltäglichen und anhand eines mathematisches Beispiels.


Lösung erstellen


Aufgabe (4 (2+1+1) Punkte)

Folgende Aussagen seien bekannt.

  1. Der frühe Vogel fängt den Wurm.
  2. Doro wird nicht von Lilly gefangen.
  3. Lilly ist ein Vogel oder ein Igel.
  4. Für Igel ist 5 Uhr am Morgen spät.
  5. Doro ist ein Wurm.
  6. Für Vögel ist 5 Uhr am Morgen früh.
  7. Lilly schläft bis 5 Uhr am Morgen und ist ab 5 Uhr unterwegs.

Beantworte folgende Fragen.

  1. Ist Lilly ein Vogel oder ein Igel?
  2. Ist sie ein frühes oder ein spätes Tier?
  3. Fängt der späte Igel den Wurm?


Lösung

  1. Lilly ist ein Igel. Beweis durch Widerspruch. Nehmen wir an, dass Lilly kein Igel ist. Dann ist sie nach (3) ein Vogel. Da Lilly nach (7) um Uhr schon unterwegs ist, ist nach (6) Lilly ein früher Vogel. Nach (1) fängt Lilly also den Wurm. Da nach (5) Doro ein Wurm ist, wird er von Lilly gefangen im Widerspruch zu (2).
  2. Nach dem ersten Teil ist Lilly ein Igel, und nach (7) steht sie um 5 Uhr auf. Dies ist nach (4) für Igel spät, Lilly ist also ein später Igel und somit ein spätes Tier.
  3. Da nach dem zweiten Teil Lilly ein später Igel ist und sie nach (2) Doro, die nach (5) ein Wurm ist, nicht fängt, fängt der späte Igel im Allgemeinen nicht den Wurm.


Aufgabe (1 Punkt)

In der Klasse ist es sehr laut. Frau Maier-Sengupta sagt „Bitte nicht gleichzeitig sprechen“. Bringe diese Aussage mit dem Konzept von disjunkten Mengen in Verbindung.


Lösung

Die Forderung von Frau Maier-Sengupta bedeutet, das die Sprechzeiten der Kinder paarweise disjunkt sein sollen.


Aufgabe (3 Punkte)

Wenn man die Gesamtgoldmenge der Welt auf alle Menschen aufteilt, so erhält jeder Mensch einen Goldwürfel, dessen Seitenlänge Zentimeter beträgt. Gold wiegt Gramm pro Kubikzentimeter. Der Wert von einem Kilogramm Gold beträgt ca. Euro im Jahr . Wie viel Euro besitzt jeder Mensch in Gold?


Lösung

Es ist

das ist die Goldmenge pro Person in Kubikzentimetern. In Gramm ist dies

Ein Gramm ist Euro wert, also besitzt jede Person

Euro in Gold.


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Wir betrachten die durch die Wertetabelle

gegebene Abbildung

a) Bestimme das Bild von unter .

b) Bestimme das Urbild von unter .

c) Erstelle eine Wertetabelle für


Lösung

a) Das Bild von ist .

b) Das Urbild von ist .

c)


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise die Nichtnullteilereigenschaft für einen Körper .


Lösung

 Nehmen wir an, dass und beide von verschieden sind. Dann gibt es dazu inverse Elemente und und daher ist . Andererseits ist aber nach Voraussetzung und daher ist nach Lemma 3.5 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025))  (1)

 sodass sich der Widerspruch

ergibt.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei der Körper der rationalen Funktionen über . Löse das lineare Gleichungssystem


Lösung

Wir multiplizieren die zweite Gleichung mit und erhalten

Wir ziehen diese Gleichung von der ersten ab und erhalten

bzw.

und damit

Dies ergibt wiederum


Aufgabe (1 Punkt)

Beweise den Satz über die Dimension des Standardraumes.


Lösung

Die Standardbasis , , besteht aus Vektoren, also ist die Dimension .


Aufgabe (3 Punkte)

Beschreibe typische Problemstellungen, die unter den Begriff Dreisatz fallen, durch geeignete Beispiele.


Lösung erstellen


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei eine lineare Abbildung

mit

gegeben. Berechne


Lösung

Wir lösen zuerst das lineare Gleichungssystem

Die Gleichung ist

also ist

und

Also ist


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei ein Körper und seien Vektorräume über . Es seien

lineare Abbildungen. Zeige, dass dann auch die Verknüpfung

eine lineare Abbildung ist.


Lösung

Für ist

und für , ist

was insgesamt die Linearität der Hintereinanderschaltung bedeutet.


Aufgabe (2 Punkte)

Bestimme die inverse Matrix zu


Lösung

Die inverse Matrix ist also .


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei ein - Vektorraum über einem Körper . Zeige, dass die Skalarmultiplikation

bilinear ist.


Lösung

Bei fixiertem Skalar ist die

die Streckung mit , die linear ist. Bei fixiertem Vektor ist die Abbildung

wegen der Vektorraumaxiome

uns

ebenfalls linear.


Aufgabe (5 Punkte)

Beweise die Cramersche Regel zur Lösung eines linearen Gleichungssystems.


Lösung

Für eine invertierbare Matrix ergibt sich die Lösung für das lineare Gleichungssystem , indem man anwendet, d.h. es ist . Unter Verwendung von Satz 17.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) bedeutet dies . Für die -te Komponente bedeutet dies

Der rechte Faktor ist dabei die Entwicklung der Determinante der Matrix im Zähler nach der -ten Spalte.


Aufgabe (5 (1+2+2) Punkte)


a) Es sei ein Polynom über einem Körper der Form

mit und . Zeige, dass die als einzige Nullstelle besitzt.


b) Es sei ein Polynom mit der Eigenschaft, dass die einzige komplexe Nullstelle von ist. Zeige, dass die Form

mit und hat.


c) Man gebe ein Beispiel für ein reelles Polynom mit der Eigenschaft, dass die einzige reelle Nullstelle von ist, dass aber nicht die Gestalt aus Teil (1) besitzt.


Lösung


a) Die angegebenen Polynome haben die gewünschte Eigenschaft über jedem Körper nach Lemma 3.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)). Aus folgt zunächst und daraus .


b) Es sei ein Polynom mit der angegebenen Nullstelleneigenschaft. Wenn konstant ist, so besitzt bei jedes Element als Nullstelle und bei überhaupt keine Nullstelle. Der Grad von muss also zumindest sein. Nach dem Fundamentalsatz der Algebra besitzt eine Faktorzerlegung

mit . Die sind die Nullstellen von . Da diese alle sein sollen, ist


c) Wir betrachten

das nicht die Form aus Teil (1) besitzt. Eine Nullstelle dieses Polynoms ist die Nullstelle eines Faktors. Das Polynom ist reell immer positiv und somit nullstellenfrei, also ist die einzige Nullstelle von .


Aufgabe (4 (1+3) Punkte)

Es sei ein Körper und sei der - Vektorraum aller Polynome vom Grad . Zu bezeichne die Auswertung an , also die Abbildung


a) Zeige, dass linear ist.


b) Es sei

Zeige, dass keines der Untervektorraumaxiome erfüllt.


Lösung


a) Für Polynome und Skalare und ist

was die Linearität bedeutet.


b) Die Nullform lässt sich nicht als Auswertung realisieren, da am Polynom nicht den Wert besitzt. Daher sind wegen

die Auswertungen auch nicht abgeschlossen unter skalarer Multiplikation. Die Auswertungen sind auch nicht abgeschlossen unter der Addition. Die Auswertung an der ergibt den konstanten Term des Polynoms, das Doppelte davon also das Doppelte des konstanten Terms. Wenn dies gleich einer Auswertung wäre, so müsste

und auch

sein, was nicht sein kann.


Aufgabe (3 (1+1+1) Punkte)

Es sei


a) Bestimme das charakteristische Polynom von .


b) Bestimme eine Nullstelle des charakteristischen Polynoms von und klammere den entsprechenden Linearfaktor aus.


c) Begründe, dass das charakteristische Polynom von zumindest zwei reelle Nullstellen hat.


Lösung


a) Es ist


b) Es ist eine Nullstelle des charakteristischen Polynoms und es ist


c) Die Nullstelle haben wir bereits gefunden. Wir betrachten den zweiten Faktor . Da es sich um ein Polynom ungeraden Grades handelt, muss es eine reelle Nullstelle besitzen. Da keine Nullstelle davon ist, gibt es also eine weitere reelle Nullstelle.


Aufgabe (5 Punkte)

Man gebe ein Beispiel für eine lineare Abbildung mit der Eigenschaft, dass und die einzigen - invarianten Untervektorräume sind. Verwende, dass irrational ist.


Lösung

Wir betrachten die Matrix

und die zugehörige lineare Abbildung . Das charakteristische Polynom ist

Dieses Polynom besitzt über keine Nullstelle, da die einzige reelle Nullstelle bei vorliegt, und dies nicht zu gehört. Daher besitzt die Matrix keine Eigenwerte, keine Eigenvektoren und keine eindimensionalen - invarianten Untervektorräume. Nehmen wir an, dass es einen zweidimensionalen -invarianten Untervektorraum gibt. Dann kann durch eine Matrix der Form

beschrieben werden. Doch dann zeigt das charakteristische Polynom, dass ein Eigenwert ist, was nicht sein kann.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Festlegungssatz für affine Abbildungen.


Lösung

Es sei . Es gibt nach Satz 10.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) eine eindeutig bestimmte lineare Abbildung

mit

für alle . Dann ist

eine affin-lineare Abbildung mit der gewünschten Eigenschaft. Es ist ja

und

Umgekehrt ist eine solche affine Abbildung durch den linearen Anteil und durch den Wert an einem einzigen Punkt eindeutig festgelegt, sodass

sein muss.