Kurs:Lineare Algebra/Teil I/48/Klausur mit Lösungen



Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
Punkte 3 3 1 3 2 2 4 4 4 3 4 4 2 5 3 10 3 1 3 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine surjektive Abbildung
  2. Eine Linearkombination in einem - Vektorraum .
  3. Die Dualbasis zu einer gegebenen Basis in einem - Vektorraum .
  4. Ein Hauptideal in einem kommutativen Ring .
  5. Eine Streckung auf einem - Vektorraum .
  6. Die Dimension eines affinen Raumes .


Lösung

  1. Die Abbildung heißt surjektiv, wenn es für jedes mindestens ein Element mit gibt.
  2. Es sei eine Familie von Vektoren in . Dann heißt der Vektor

    eine Linearkombination dieser Vektoren

  3. Man nennt die Linearformen

    die durch

    festgelegt sind, die Dualbasis zur gegebenen Basis.

  4. Ein Ideal in einem kommutativen Ring der Form

    heißt Hauptideal.

  5. Unter einer Streckung auf versteht man die lineare Abbildung

    die durch die Multiplikation mit einem Skalar gegeben ist.

  6. Man nennt die Dimension von , wenn es in eine affine Basis mit Elementen gibt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über den Basiswechsel.
  2. Der Satz über isomorphe Vektorräume.
  3. Der Satz über Eigenwerte zu einem Endomorphismus und einer Matrix.


Lösung

  1. Es sei ein Körper und ein - Vektorraum der Dimension . Es seien und zwei Basen von . Es sei

    mit den Koeffizienten , die wir zur - Matrix

    zusammenfassen. Dann hat ein Vektor , der bezüglich der Basis die Koordinaten besitzt, bezüglich der Basis die Koordinaten

  2. Es sei ein Körper und es seien und endlichdimensionale - Vektorräume. Dann sind und zueinander isomorph genau dann, wenn ihre Dimension übereinstimmt.
  3. Es sei ein Endomorphismus auf dem endlichdimensionalen - Vektorraum und es sei eine Basis von . Es sei die beschreibende Matrix zu bezüglich dieser Basis. Dann ist genau dann ein Eigenvektor zu zum Eigenwert , wenn das Koordinatentupel zu bezüglich der Basis ein Eigenvektor zu zum Eigenwert ist.


Aufgabe (1 Punkt)

Beurteile die Snookerweisheit „Ein Snookerspiel kann man in der ersten Session nicht gewinnen, aber verlieren“ vom logischen Standpunkt aus.


Lösung

Es spielen zwei Spieler gegeneinander, der eine gewinnt genau dann, wenn der andere verliert. Wenn einer also in der ersten Session verlieren kann, so kann auch einer (nämlich der andere) in der ersten Session gewinnen. Die Weisheit ist also unlogisch.


Aufgabe (3 Punkte)

Illustriere die dritte binomische Formel durch eine geeignete geometrische Figur.


Lösung erstellen


Aufgabe (2 Punkte)

Lucy Sonnenschein befindet sich in Position (die Koordinaten seien mit und bezeichnet) und schaut in die positive -Richtung. Alle folgenden Angaben beziehen sich auf ihre jeweilige Position und ihre Ausrichtung, der Uhrzeigersinn bezieht sich auf die Draufsicht. Lucy führt hintereinander folgende Bewegungen aus. Sie macht einen Schritt nach rechts, dann zwei Schritte nach hinten, sie dreht sich um Grad, macht drei Schritte nach links, macht eine Vierteldrehung im Uhrzeigersinn, macht vier Schritte nach rechts und zwei Schritte nach hinten, dreht sich um Grad und macht einen Schritt nach links.

Wo befindet sie sich nach der Gesamtbewegung und in welche Richtung schaut sie?


Lösung

Sie befindet sich in Position und schaut in die positive -Richtung.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei ein Körper mit zwei Elementen. Wie viele Teilmengen des mit zwei Elementen sind Untervektorräume, wie viele nicht?


Lösung

Der enthält vier Elemente, darin gibt es

Teilmengen mit zwei Elementen. Ein Untervektorraum muss das Nullelement enthalten. Wenn man dazu ein weiteres Element (also oder oder hinzufügt), so ist dies ein Untervektorraum. Es gibt also drei Untervektorräume mit zwei Elementen und drei Teilmengen mit zwei Elementen, die keine Untervektorräume sind.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz über die Existenz von Basen in einem endlich erzeugten - Vektorraum .


Lösung

Es sei , , ein Erzeugendensystem von mit einer endlichen Indexmenge . Wir wollen mit der Charakterisierung aus Satz 7.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025))  (2) argumentieren. Falls die Familie schon minimal ist, so liegt eine Basis vor. Andernfalls gibt es ein derart, dass die um reduzierte Familie, also , , ebenfalls ein Erzeugendensystem ist. In diesem Fall kann man mit der kleineren Indexmenge weiterargumentieren.
Mit diesem Verfahren gelangt man letztlich zu einer Teilmenge derart, dass , , ein minimales Erzeugendensystem, also eine Basis ist.


Aufgabe (4 (2+1+1) Punkte)

Wir betrachten die reelle Matrix

und den Vektor


a) Berechne die Bilder


b) Zeige, dass eine Basis von ist.


c) Bestimme die beschreibende Matrix bezüglich der Basis aus b).


Lösung


a) Es ist

und


b) Es ist

und

Da dies eine Basis ist, ist auch die Ausgangsfamilie eine Basis.


c) Bezüglich der neuen Basis wird die lineare Abbildung durch die Matrix

beschrieben.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei eine lineare Abbildung

mit

gegeben. Berechne


Lösung

gegeben. Berechne

Wir lösen zuerst das lineare Gleichungssystem

Die Zeilenoperation führt auf

und führt auf

Damit ist

und

und

Also ist


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme die inverse Matrix zu


Lösung


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz über die Dualbasis.


Lösung

Es sei

mit . Wenn wir diese Linearform auf anwenden, so ergibt sich direkt

Die sind also linear unabhängig. Nach Korollar 13.12 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) besitzt der Dualraum die Dimension , daher muss bereits eine Basis vorliegen.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestätige den Determinantenmultiplikationssatz für die beiden Matrizen


Lösung

Es ist

und

Es ist

Die Determinante davon ist

was mit dem Produkt der beiden Determinanten übereinstimmt.


Aufgabe (2 (1+1) Punkte)

Betrachte die Permutation , die durch die Wertetabelle

gegeben ist.

a) Berechne und .


b) Bestimme die Fehlstände von und das Vorzeichen (Signum) von .


Lösung


a) besitzt die Wertetabelle

und besitzt die Wertetabelle


b) Die Fehlstände sind

Das sind Fehlstände und damit ist das Signum gleich .


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei eine reelle Zahl. Zeige, dass die folgenden Eigenschaften äquivalent sind.

  1. Es gibt ein Polynom , , mit ganzzahligen Koeffizienten und mit .
  2. Es gibt ein Polynom , , mit .
  3. Es gibt ein normiertes Polynom mit .


Lösung

Die Implikation (1) (2) ist unmittelbar klar, da ganze Zahlen rational sind und man somit nehmen kann.

Es sei (2) erfüllt und sei

mit , und . Wegen ist auch eine rationale Zahl. Wir multiplizieren mit und erhalten

Dies ist ein normiertes Polynom, die Koeffizienten sind nach wie vor rational und es ist auch

Es sei nun (3) erfüllt, und

mit und . Es ist

mit , . Wir setzen

Dieses Polynom hat ganzzahlige Koeffizienten, ist nicht das Nullpolynom und es ist nach wie vor


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme in mit Hilfe des euklidischen Algorithmus den größten gemeinsamen Teiler von und .


Lösung

Der Euklidische Algorithmus liefert:

Der größte gemeinsame Teiler von und ist also .


Aufgabe (10 Punkte)

Beweise den Satz von Cayley-Hamilton.


Lösung

Wir fassen die Matrix als eine Matrix auf, deren Einträge im Körper liegen. Die adjungierte Matrix

liegt ebenfalls in . Die einzelnen Einträge der adjungierten Matrix sind nach Definition Determinanten von -Untermatrizen von . In den Einträgen dieser Matrix kommt die Variable maximal in der ersten Potenz vor, sodass in den Einträgen der adjungierten Matrix die Variable maximal in der -ten Potenz vorkommt. Wir schreiben

mit Matrizen

d.h. man schreibt die einzelnen Einträge als Polynome in und fasst dann die Koeffizienten zu zu einer Matrix zusammen. Aufgrund von Satz 17.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) gilt

Wir können auch die Matrix links nach den Potenzen von aufteilen, dann ist

Da diese zwei Polynome übereinstimmen, müssen jeweils ihre Koeffizienten übereinstimmen. D.h. wir haben ein System von Gleichungen

Wir multiplizieren diese Gleichungen von links von oben nach unten mit und erhalten das Gleichungssystem

Wenn wir die linke Spalte dieses Gleichungssystem aufsummieren, so erhalten wir gerade . Wenn wir die rechte Seite aufsummieren, so erhalten wir , da jeder Teilsummand einmal positiv und einmal negativ vorkommt. Also ist .


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei ein Körper, ein - Vektorraum und

eine lineare Abbildung. Es sei ein - invarianter Unterraum von . Zeige, dass zu einem Polynom der Raum ebenfalls -invariant ist.


Lösung

Zunächst ist auch invariant bezüglich jeder Hintereinanderschaltung . Es sei

und . Dann ist

und dies gehört zu , da es ja eine Linearkombination von Elementen aus ist.


Aufgabe (1 Punkt)

Zeige, dass die komplexe Matrix

nilpotent ist.


Lösung

Es ist


Aufgabe (3 Punkte)

Beschreibe die affine Gerade

als Urbild über einer affinen Abbildung .


Lösung

Der Richtungsvektor gehört jeweils zum Kern der beiden linear unabhängigen Linearformen und . Daher machen wir den Ansatz

Für den Aufpunkt ergibt sich die Bedingung

also ist und . Somit ist

eine affine Abbildung mit Urbild über wie gewünscht.