Kurs:Lineare Algebra/Teil II/25/Klausur mit Lösungen



Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
Punkte 3 3 1 3 7 0 6 6 0 5 2 3 0 0 7 0 2 0 2 50




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Eine Orthonormalbasis in einem - Vektorraum mit Skalarprodukt.
  2. Der Schwerpunkt zu einer Menge von Punkten in einem affinen Raum .
  3. Eine symmetrische Bilinearform auf einem reellen Vektorraum .
  4. Ein Gruppenhomomorphismus zwischen Gruppen und .
  5. Eine abgeschlossene Menge in einem metrischen Raum .
  6. Der Spektralradius zu einem Endomorphismus

    auf einem endlichdimensionalen - Vektorraum .


Lösung

  1. Eine Basis , von heißt Orthonormalbasis, wenn

    gilt.

  2. Die baryzentrische Kombination

    heißt der Schwerpunkt der Punkte.

  3. Es sei ein Körper, ein -Vektorraum und eine Bilinearform auf . Die Bilinearform heißt symmetrisch, wenn

    für alle gilt.

  4. Eine Abbildung

    heißt Gruppenhomomorphismus, wenn die Gleichheit

    für alle gilt.

  5. Eine Teilmenge heißt abgeschlossen, wenn das Komplement offen ist.
  6. Der Spektralradius von ist


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über das Schmidtsche Orthonormalisierungsverfahren.
  2. Der Satz über die Struktur winkeltreuer Abbildungen auf einem euklidischen Vektorraum .
  3. Der Spektralsatz für normale Endomorphismen auf einem komplexen Vektorraum.


Lösung

  1. Es sei ein endlichdimensionaler - Vektorraum mit Skalarprodukt und es sei eine Basis von . Dann gibt es eine Orthonormalbasis von mit
    für alle .
  2. Es sei

    eine winkeltreue lineare Abbildung auf dem euklidischen Vektorraum .

    Dann gibt es eine Isometrie

    und eine Streckung

    mit

  3. Es sei ein endlichdimensionaler komplexer Vektorraum mit Skalarprodukt und sei

    ein Endomorphismus.

    Dann ist genau dann normal, wenn es eine Orthonormalbasis aus Eigenvektoren

    zu gibt.


Aufgabe (1 Punkt)

Bestimme eine Basis für das orthogonale Komplement zu .


Lösung

Die Vektoren und stehen offenbar senkrecht auf der gegebenen Geraden und sind zueinander linear unabhängig. Daher ist dies aus Dimensionsgründen eine Basis des orthogonalen Komplementes.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme diejenigen Vektoren im , deren euklidische Norm gleich und deren Maximumsnorm gleich ist.


Lösung

Es sei

Die beiden Bedingungen sind

und

Wenn

ist, so muss

sein. Unter Berücksichtigung der Symmetrien ergeben sich die acht Lösungen


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise den Satz über die eigentlichen Isometrien in der reellen Ebene.


Lösung

Es seien und die Bilder der Standardvektoren und . Unter einer Isometrie wird die Länge eines Vektors erhalten, daher ist

Da unter einer Isometrie die Senkrechtsbeziehung erhalten bleibt, muss

gelten. Bei folgt daraus (wegen ) . Dann ist und wegen der Eigentlichkeit muss das Vorzeichen dasselbe wie von sein. Es sei also . Dann gilt

Da die beiden Vektoren die Länge haben, muss der skalare Faktor den Betrag haben. Bei wäre und die Determinante wäre . Also muss und sein. Die beschreibende Matrix bezüglich der Standardmatrix hat also die Form

Insbesondere ist eine reelle Zahl zwischen und und , d.h. ist ein Punkt auf dem reellen Einheitskreis. Der Einheitskreis wird bekanntlich durch die trigonometrischen Funktionen parametrisiert, d.h. es gibt einen eindeutig bestimmten Winkel , , mit



Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (6 Punkte)

Es sei ein (nichtausgeartetes) Dreieck und eine Gerade in der Ebene gegeben, wobei die Geradedurch keinen Eckpunkt des Dreiecks verläuft. Zeige mit Hilfe von baryzentrischen Koordinaten, dass die Gerade höchstens zwei Seiten des Dreiecks trifft.


Lösung

Die Eckpunkte des Dreiecks seien , und es sei vorausgesetzt, dass die Gerade die Dreieckseite zwischen und und die Deiecksseite zwischen und trifft. Es ist zu zeigen, dass die Gerade nicht auch die Dreiecksseite zwischen und trifft. Die Schnittpunkte der Geraden mit den erwähnten Seiten seien

mit (diese Bedingungen bedeuten, dass die Gerade die beiden Seiten echt zwischen den Punkten trifft). Die Punkte der Verbindungsgeraden dieser beiden Schnittpunkte hat die baryzentische Beschreibung

Es ist

Damit dieser Punkt auf der durch und gegebenen Geraden liegt, muss der Koeffizient vor gleich sein. Das ergibt die Bedingung

Bei kann man dies nicht erreichen. Es sei also und folglich

Ohne Einschränkung sei . Die Koordinate von ist . Dies ist negativ, was bedeutet, dass der Schnittpunkt von mit der dritten Seitengeraden außerhalb der Seite liegt.


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei ein - dimensionaler reeller Vektorraum und eine symmetrische Bilinearform auf . Zeige (ohne den Trägheitssatz von Sylvester), dass die Bilinearform genau dann nicht ausgeartet ist, wenn sie vom Typ (mit einem ) ist.


Lösung

Es sei der Typ und es sei ein Untervektorraum von der Dimension derart, dass die Einschränkung der Form auf positiv definit ist, und es sei ein Untervektorraum von der Dimension derart, dass die Einschränkung der Form auf negativ definit ist. Es ist

Der Untervektorraum besitzt die Dimension . Es geht also dadrum, zu zeigen, dass die Form genau dann nicht ausgeartet ist, wenn ist. Wenn diese Gleichheit stimmt, und die Form ausgeartet wäre, so wäre der Ausartungsraum nicht null. Es sei

mit und ein nichttrivialer Vektor im Ausartungsraum. Dann ist einerseits

und andererseits

Dies bedeutet, dass einerseits positiv und andererseits negativ ist (es ist ). Es sei umgekehrt

und sei eine Orthogonalbasis von derart, dass und gilt. Wir setzen

und behaupten, dass die Basisvektoren aus zu jedem Vektor orthogonal sind. Da eine Orthogonalbasis vorliegt, gilt direkt

für . Wäre , so wäre es entweder positiv oder negativ. Im positiven Fall wäre ein größerer Untervektorraum, auf dem die eingeschränkte Form positiv definit wäre, was ausgeschlossen ist. Entsprechend im negativen Fall.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (5 Punkte)

Bringe das reelle quadratische Polynom

auf eine Standardgestalt.


Lösung

Der rein-quadratische Term des quadratischen Polynoms wird durch die symmetrische Matrix

beschrieben. Das charakteristische Polynom dazu ist

Die Eigenwerte sind also

Ein Eigenvektor zu Eigenwert ist

und ein Eigenvektor zu Eigenwert ist

Normierte Eigenvektoren und sind somit und . Es seien die Koordinatenfunktionen zu dieser neuen Basis. Zwischen den Koordinaten besteht die Beziehung

wobei wir diese Übergangsmatrix nennen. Somit ist


Aufgabe (2 (0.5+0.5+0.5+0.5) Punkte)

Wir nennen zwei Flüsse in Europa äquivalent, wenn sie letztlich in das gleiche Meer entwässern, wobei wir die Einteilungen der Karte übernehmen.

  1. Wie viele Äquialenzklassen gibt es?
  2. Ist der Rhein zur Donau äquivalent?
  3. Ist die Hase zur Themse äquivalent?
  4. Man gebe zwei Repräsentanten für die Äquivalenzklasse Ostsee an.


Lösung

  1. Es gibt Äquivalenzklassen gemäß der Karte: Atlantik, Nordee, Ostsee, Polarmeer, Mittelmeer, Adria, Schwarzes Meer, Kaspisches Meer.
  2. Donau und Rhein sind nicht äquivalent, da die Donau in das Schwarze Meer und der Rhein in die Nordsee fließt.
  3. Themse und Hase sind äquivalent, da sie beide (die Hase über die Ems) in die Nordsee fließen.
  4. Oder und Weichsel sind Repräsentanten für Flüsse, die in die Ostsee fließen.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei eine endliche Gruppe. Zeige, dass jedes Element eine endliche Ordnung besitzt, und dass die Potenzen

alle verschieden sind.


Lösung

Da endlich ist, muss es unter den Potenzen zu den positiven Exponenten

eine Wiederholung geben, sagen wir mit . Wir multiplizieren diese Gleichung mit und erhalten

Also ist die Ordnung von maximal gleich . Mit dem gleichen Argument kann man die Annahme, dass es unterhalb der Ordnung zu einer Wiederholung kommt, zum Widerspruch führen.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (7 Punkte)

Beweise die numerische Bedingung für endliche Symmetriegruppen im .


Lösung

Für zwei gegenüberliegende Halbachsen und gilt . Dagegen gilt für zwei Halbachsen und , die nicht zur gleichen Achse gehören (also insbesondere verschieden sind), die Beziehung , da eine Isometrie mit zwei Fixachsen die Identität sein muss. Da die Vereinigung aller , ist, liegt eine Vereinigung

vor, wobei rechts jedes Gruppenelement genau zweimal vorkommt. Daher ist

Die Halbachsenklasse enthält Elemente. Daher ist

Mittels Division durch ergibt sich die Behauptung.


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (2 Punkte)

Berechne für die Matrix

die Maximumsnorm, wenn der beidseitig mit der Maximumsnorm versehen ist.


Lösung

Es ist

Die Maximumsnorm ist das Maximum der Beträge der beiden Einträge für die Menge

also .


Aufgabe (0 Punkte)


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Aufgabe (2 Punkte)

Es seien Untervektorräume mit den Restklassenräumen . Gibt es eine kanonische Isomorphie


Lösung

Dies kann es schon aus Dimensionsgründen nicht geben. Wenn und zweidimensional sind und die Untervektorräume eindimensional, so ist nach Korollar 55.13 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) vierdimensional und eindimensional. Somit ist nach Lemma 47.19 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) die linke Seite dreidimensional, aber die rechte Seite eindimensional.