Kurs:Elementare Algebra/22/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 4 | 1 | 6 | 2 | 6 | 4 | 7 | 3 | 4 | 5 | 6 | 4 | 4 | 2 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Der Imaginärteil einer komplexen Zahl .
- Eine zyklische Gruppe .
- Eine -Algebra , wobei einen kommutativen Ring bezeichnet.
- Eine Nebenklasse zu einem Ideal in einem kommutativen Ring .
- Das Minimalpolynom eines Elementes in einer endlichen Körpererweiterung .
- Eine konstruierbare Zahl .
- Zu einer komplexen Zahl nennt man den Imaginärteil von .
- Eine Gruppe heißt zyklisch, wenn sie von einem Element erzeugt wird.
- Eine -Algebra ist ein Ring mit einem fixierten Ringhomomorphismus .
- Eine Teilmenge der Form mit heißt Nebenklasse.
- Das Minimalpolynom von (über ) ist das normierte Polynom von minimalem Grad mit .
- Eine Zahl heißt konstruierbar, wenn sie aus der Startmenge
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über die Norm im Ring der Gaußschen Zahlen.
- Der Satz über die Faktorisierung für einen Ringhomomorphismus.
- Der Satz über das Minimalpolynom und Irreduzibilität bei einer Körpererweiterung .
- Im Ring der Gaußschen Zahlen ist die Normfunktion eine euklidische Funktion.
- Es seien
und
kommutative Ringe und es sei
ein Ringhomomorphismus. Dann gibt es eine kanonische Faktorisierung
- Es sei
eine
Körpererweiterung
und sei
ein
algebraisches
Element. Dann gelten folgende Aussagen.
- Das Minimalpolynom von über ist irreduzibel.
- Wenn ein normiertes, irreduzibles Polynom mit ist, so handelt es sich um das Minimalpolynom.
Aufgabe (4 (0.5+0.5+1+1+1) Punkte)
Wir betrachten die Verknüpfung
die einem Paar diejenige Zahl zuordnet, die entsteht, wenn man im Zehnersystem die Zahl -fach hintereinander schreibt.
- Bestimme .
- Bestimme .
- Ist die Verknüpfung kommutativ?
- Ist die Verknüpfung assoziativ?
- Besitzt die Verknüpfung ein neutrales Element?
- Es ist
- Es ist
- Die Verknüpfung ist nicht kommutativ, es ist , aber .
- Die Verknüpfung ist nicht assoziativ, es ist , aber besteht aus Zweien.
- Die Verknüpfung besitzt kein neutrales Element. Von links ist zwar
,
daher ist der einzige Kandidat, von rechts ist aber im Allgemeinen
(beispielsweise für
)
Aufgabe (1 Punkt)
Es sei eine Gruppe. Es seien Elemente mit
- Was ist das Inverse von ?
- Was ist das Inverse von ?
- Was ist das Inverse von ?
- Was ist das Inverse von ?
- Das Inverse von ist .
- Das Inverse von ist .
- Das Inverse von ist .
- Das Inverse von ist .
Aufgabe (6 Punkte)
Beweise das allgemeine Distributivgesetz für einen kommutativen Ring.
Wir machen eine Doppelinduktion nach und nach . D.h. wir beweisen die Aussage für jedes feste durch Induktion nach (innere Induktion) und erhöhen dann in einem eigenen Induktionsdurchgang (äußere Induktion). Bei ist nichts zu zeigen, da dann die Summen links und rechts leer sind, also gleich . Es sei also , sodass der linke Faktor einfach eine fixierte Zahl ist. Wir wollen die Aussage in dieser Situation für beliebiges zeigen. Bei ist die Aussage klar. Es sei die Aussage nun für ein
schon bewiesen. Dann ist
nach dem Distributivgesetz und der Induktionsvoraussetzung.
Es sei die Aussage nun für ein festes und jedes bewiesen. Dann ist wieder mit dem Distributivgesetz und der Induktionsvoraussetzung
Aufgabe (2 Punkte)
Berechne das Quadrat des Polynoms
Es ist
Aufgabe (6 Punkte)
Es sei ein Körper und sei der Polynomring über und sei ein Polynom, das eine Zerlegung in Linearfaktoren besitze. Es sei ein Teiler von . Zeige, dass ebenfalls eine Zerlegung in Linearfaktoren besitzt, wobei die Vielfachheit eines Linearfaktors in durch seine Vielfachheit in beschränkt ist.
Wir arbeiten mit normierten Polynomen und schreiben
mit verschiedenen und führen Induktion über den Grad von . Die Teilbarkeitsbeziehung bedeutet die Existenz eines Polynoms mit
Damit ist insbesondere
Aufgrund der Nichtnullteilereigenschaft in einem Körper gilt oder . Nach Lemma 5.5 (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) bedeutet dies, dass oder von geteilt wird. Im zweiten Fall schreiben wir
Aufgrund der Nichtnullteilereigenschaft im Polynomring folgt daraus
und wir können auf die Induktionsvoraussetzung anwenden. Im ersten Fall ist
woraus sich
und somit
ergibt. Die Induktionsvoraussetzung angewendet auf bedeutet, dass in Linearfaktoren zerfällt und dass nur Linearfaktoren aus mit einer Vielfachheit vorkommen, die durch die Vielfachheit von beschränkt ist. Da die Vielfachheiten zu in und in für übereinstimmen und die Vielfachheit von sich um reduziert, dies aber auch beim Übergang von nach zutrifft, folgt die Aussage.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise das Lemma von Bezout für einen Hauptidealbereich.
Es sei das von den Elementen erzeugte Ideal. Da wir in einem Hauptidealring sind, handelt es sich um ein Hauptideal; es gibt also ein Element mit . Wir behaupten, dass ein größter gemeinsamer Teiler der ist. Die Inklusionen zeigen, dass es sich um einen gemeinsamen Teiler handelt. Es sei ein weiterer gemeinsamer Teiler der . Dann ist wieder , was wiederum bedeutet. Die Darstellungsaussage folgt unmittelbar aus .
Im teilerfremden Fall ist .
Aufgabe (7 Punkte)
Beweise den Satz über die Körpereigenschaft der Restklassenringe .
Bei ist der Restklassenring gleich selbst und kein Körper. Bei besteht der Restklassenring aus nur einem Element und es ist . Dies ist bei einem Körper explizit ausgeschlossen, und ist keine Primzahl. Es sei also von nun an . Wenn keine Primzahl ist, so gibt es eine Darstellung
mit kleineren Zahlen
Im Restklassenring bedeutet dies, dass die Restklassen und nicht sind, dass aber ihr Produkt
ist. Das kann nach Satz . (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) in einem Körper nicht sein.
Sei nun eine Primzahl. Wir müssen zeigen, dass jede von verschiedene Restklasse , , ein inverses Element besitzt. Da prim ist, sind und teilerfremd. Nach dem Lemma von Bezout gibt es ganze Zahlen mit
Dies führt im Restklassenring zur Identität
die besagt, dass und invers zueinander sind.
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme das inverse Element zu in .
Der euklidische Algorithmus liefert
Somit ist
Daher ist
das inverse Element zu in .
Aufgabe (4 Punkte)
Sind die reellen Zahlen linear unabhängig über ?
Aufgabe (5 Punkte)
Es sei ein -dimensionaler - Vektorraum ( ein Körper) und seien Untervektorräume der Dimension und . Es gelte . Zeige, dass ist.
Es sei eine Basis von und eine Basis von . Wir betrachten die Familie der Vektoren
Wegen kann diese Familie nicht linear unabhängig sein, da es sonst einen -dimensionalen Untervektorraum von geben würde. Also gibt es Koeffizienten , die nicht alle sind, mit
Dieser Vektor gehört zu . Er ist nicht , da andernfalls beidseitig alle Koeffizienten sein müssten.
Aufgabe (6 Punkte)
Wir setzen die beiden Ringe zueinander in Bezug, indem wir zeigen, dass beide Ringe isomorph zu sind (daher sind sie auch Körper). Das definierende Polynom zu schreiben wir als
Das Element (die Restklasse von in sei ) besitzt also die Eigenschaft, dass sein Quadrat gleich ist, und dies bedeutet, dass das Quadrat von gleich ist (d.h. dass in die Rolle von spielt). Das definierende Polynom zu schreiben wir als
Das Element besitzt also die Eigenschaft, dass sein Quadrat gleich ist, und dies bedeutet, dass das Quadrat von gleich ist.
Mit dem Ansatz, dass sich die beiden Elemente, deren Quadrat gleich ist, entsprechen sollten, gelangt man zur Korrespondenz
Deshalb gehen wir vom Einsetzungshomomorphismus
aus. Dieser ist surjektiv, da getroffen wird. Der Kern muss aufgrund der bisherigen Überlegungen gleich sein. Dies kann man auch direkt aus
ablesen und daraus, dass dies ein irreduzibles Polynom ist. Der Isomorphissatz ergibt die Isomorphie
Aufgabe (4 (1+1+2) Punkte)
a) Skizziere die prinzipiellen Möglichkeiten, wie sich eine Gerade und ein Kreis in der Ebene zueinander verhalten können.
b) Mit welchem algebraischen Sachverhalt besteht ein Zusammenhang?
c) Begründe diesen Zusammenhang.
a)
b) Es besteht ein direkter Zusammenhang zu der Frage, ob eine gewisse quadratische Gleichung in einer Variablen keine, eine oder zwei Lösungen besitzt.
c) Die Kreisgleichung besitzt die Form
und die Geradengleichung besitzt die Form
Die Kreisgleichung kann man nach (bei , andernfalls nach ) auflösen und erhält eine Gleichung der Form
Wenn man in der Kreisgleichung durch ersetzt, so erhält man eine quadratische Gleichung in der einzigen Variablen . Deren Lösungen ergeben die -Koordinaten der Schnittpunkte von Kreis und Gerade.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise den Satz, dass man zu einer positiven reellen Zahl ihre Quadratwurzel mit Zirkel und Lineal konstruieren kann.
Der Punkt sei auf einer Geraden gegeben, auf der auch Punkte und markiert seien. Wir zeichnen den Kreis mit Mittelpunkt durch und markieren den zweiten Schnittpunkt dieses Kreises mit als . Wir halbieren die Strecke zwischen und gemäß Lemma 25.6 (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) und erhalten den konstruierbaren Punkt . Der Abstand von zu als auch zu ist dann . Wir zeichnen den Kreis mit Mittelpunkt und Radius und markieren einen der Schnittpunkte des Kreises mit der zu senkrechten Geraden durch als . Wir wenden den Satz des Pythagoras auf das Dreieck mit den Ecken an. Daraus ergibt sich
Also repräsentiert (der Abstand von zu) die Quadratwurzel aus .
Aufgabe (2 Punkte)
Beschreibe verschiedene intellektuelle Entwicklungsstufen, wie man den Raum verstehen kann.