Kurs:Lineare Algebra/Teil II/19/Klausur mit Lösungen


Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Punkte 3 3 2 3 2 6 4 5 1 2 9 4 2 9 7 2 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Das Standardskalarprodukt auf dem .
  2. Eine eigentliche Isometrie

    auf einem euklidischen Vektorraum .

  3. Ein Minkowski-Raum.
  4. Ein Normalteiler in einer Gruppe .
  5. Eine beschränkte Teilmenge in einem metrischen Raum .
  6. Die aus einer - linearen Abbildung

    durch einen Körperwechsel gewonnene -lineare Abbildung.


Lösung

  1. Das Standardskalarprodukt auf dem ist durch

    gegeben.

  2. Eine Isometrie heißt eigentlich, wenn ihre Determinante gleich ist.
  3. Ein reeller Vektorraum der Dimension mit einer Bilinearform vom Typ heißt Minkowski-Raum.
  4. Ein Untergruppe ist ein Normalteiler, wenn

    für alle ist.

  5. Die Teilmenge heißt beschränkt, wenn es eine reelle Zahl mit

    gibt.

  6. Die Abbildung

    heißt die durch Körperwechsel gewonnene lineare Abbildung.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Kosinussatz.
  2. Der Spektralsatz für selbstadjungierte Endomorphismen.
  3. Der Charakterisierungssatz für stabile Endomorphismen.


Lösung

  1. In einem Dreieck mit den Seitenlängen und dem Winkel an gilt
  2. Es sei ein endlichdimensionaler - Vektorraum mit Skalarprodukt und sei

    ein selbstadjungierter Endomorphismus. Dann gibt es eine Orthonormalbasis von aus Eigenvektoren

    zu .
  3. Es sei ein endlichdimensionaler -Vektorraum und

    ein Endomorphismus. Dann sind folgende Eigenschaften äquivalent.

    1. ist stabil.
    2. Zu jedem ist die Folge , , beschränkt.
    3. Es gibt ein Erzeugendensystem derart, dass , , beschränkt ist.
    4. Der Betrag eines jeden komplexen Eigenwerts von ist kleiner oder gleich und die Eigenwerte mit Betrag sind diagonalisierbar, d.h. ihre algebraische Vielfachheit ist gleich ihrer geometrischen Vielfachheit.
    5. Für eine beschreibende Matrix von , aufgefasst über , sind die Jordan-Blöcke der jordanschen Normalform gleich

      mit oder gleich mit .


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei ein Vektorraum über mit einem Skalarprodukt und der zugehörigen Norm . Zeige, dass die Beziehung

gilt.


Lösung

Es ist

Division durch ergibt die Behauptung.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei

eine ebene Achsenspiegelung. Zeige, dass ein normierter Eigenvektor zum Eigenwert von ist. Verwende die Verdoppelungsformeln

und


Lösung

Mit gilt

Als Punkt des Einheitskreises ist der Vektor normiert.


Aufgabe (2 Punkte)

Zeige, dass die Gruppe der räumlichen Drehungen nicht kommutativ ist.


Lösung

Die beiden Matrizen und sind orthogonal und besitzen Determinante , sie beschreiben Raumdrehungen. Wegen

und

ist die Gruppe der Raumdrehungen nicht kommutativ.


Aufgabe (6 (1+2+3) Punkte)

Es sei der Ursprungspunkt des und der (euklidische) Kreis mit Mittelpunkt und Radius .

a) Bestimme den Abstand zwischen den beiden Mengen und bezüglich des euklidischen Abstandes und in welchen Punkten von dieser Abstand angenommen wird.


b) Bestimme den Abstand zwischen den beiden Mengen und bezüglich der Maximumsnorm und in welchen Punkten von dieser Abstand angenommen wird.


c) Bestimme den Abstand zwischen den beiden Mengen und bezüglich der Summennorm und in welchen Punkten von dieser Abstand angenommen wird.


Lösung

  1. Der Abstand ist , und er wird in jedem Punkt von abgenommen.
  2. Es sei mit ein Punkt des Kreises . Der Maximumsabstand von zum Ursprungspunkt ist das Maximum von und . Für

    ist dieser Abstand gleich und dies ist der Abstand zwischen und . Er wird in den vier Punkten angenommen.

  3. Es sei mit ein Punkt des Kreises . Der Summenabstand von zum Ursprungspunkt ist

    Wir behaupten, dass das Minimum über alle für oder angenommen wird, der Abstand zwischen und ist also gleich und er wird in den vier Punkten angenommen. Für zwischen und ist nämlich

    da dies äquivalent zu

    und zu

    bzw. zu

    äquivalent ist, was in diesem Intervall stimmt.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Höhensatz mit Hilfe des Kathetensatzes.


Lösung

Es sei das rechtwinklige Dreieck mit dem rechten Winkel an und es sei der Höhenfußpunkt von auf der durch und gegebenen Geraden. Wegen der Rechtwinkligkeit liegt dieser zwischen und , d.h. es ist

Nach dem Satz des Pythagoras (angewendet auf das rechtwinklige Dreieck mit rechtem Winkel an ) und nach dem Kathetensatz ist

und dies ist die Aussage des Höhensatzes.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei ein Körper, ein - Vektorraum und eine symmetrische Bilinearform auf . Es sei ein eindimensionaler Untervektorraum von , und sei endlichdimensional der Dimension . Zeige, dass der Orthogonalraum zu die Dimension oder die Dimension besitzt.


Lösung

Es sei eine Basis von . Wir setzen

für . Es sei die Teilmenge derjenigen mit . Der Untervektorraum gehört zum Orthogonalraum. Wenn dies der Gesamtraum ist, so besitzt der Orthogonalraum die Dimension . Es sei also

und sei . Für jedes , , ist dann

ein Vektor mit

Die Vektoren , , , sind linear unabhängig, da sie zusammen mit eine Basis von bilden. Der Untervektorraum

besitzt also die Dimension und gehört zum Orthogonalraum.


Aufgabe (1 Punkt)

Zeige, dass für eine hermitesche Form auf einem - Vektorraum die Werte zu stets reell sind.


Lösung

Für eine hermitesche Form gilt

Somit ist speziell

und damit ist reell.


Aufgabe (2 Punkte)

Eine komplexe Zahl definiert einen Endomorphismus . Skizziere in der Ebene diejenigen komplexen Zahlen mit der Eigenschaft, dass eine Isometrie, selbstadjungiert, eine selbstadjungierte Isometrie bzw. normal ist.


Lösung erstellen


Aufgabe (9 (2+4+3) Punkte)

Es sei eine irrationale Zahl und sei


a) Zeige, dass eine Untergruppe von ist.


b) Zeige, dass es kein Element mit

gibt.


c) Zeige, dass es in kein positives minimales Element gibt.


Lösung


a) Das Nullelement ergibt sich für , wegen

ist unter der Addition abgeschlossen und wegen

gehören auch die Negativen dazu.


b) Nehmen wir

mit einem an. Dann ist einerseits

mit gewissen und andererseits

mit einem , . Daraus folgt

Aus der Irrationalität von ergibt sich

also

Dann ist

also

Dann wäre

mit einem was wegen der Irrationalität von nicht möglich ist.


c) Nehmen wir an, es sei das minimale positive Element aus . Wir behaupten, dass dann

wäre, was nach Teil (2) nicht sein kann. Es sei also

positiv (bei negativ geht man zum Negativen davon über). Dann ist nach Voraussetzung

Wir betrachten bis wir zu einem mit

angelangen. Wegen muss

sein, also .


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise das Kernkriterium für die Injektivität eines Gruppenhomomorphismus


Lösung

Wenn injektiv ist, so darf auf jedes Element höchstens ein Element aus gehen. Da auf geschickt wird, darf kein weiteres Element auf gehen, d.h. . Es sei umgekehrt dies der Fall und sei angenommen, dass beide auf geschickt werden. Dann ist

und damit ist , also nach Voraussetzung und damit .


Aufgabe (2 Punkte)

Es seien und Mengen und sei eine Abbildung. Zeige, dass durch die Festlegung

wenn

eine Äquivalenzrelation auf definiert wird.


Lösung

Da der Funktionswert eindeutig bestimmt und die Gleichheit reflexiv ist, gilt offenbar . Wenn ist, so bedeutet das und wegen der Symmetrie der Gleichheit folgt , was wiederum bedeutet. Wenn und ist, so bedeutet dies einerseits und andererseits . Wegen der Transitivität der Gleichheit folgt , was bedeutet.


Aufgabe (9 (3+3+3) Punkte)

Es sei die eigentliche Symmetriegruppe des achsenparallelen Würfels. Man gebe explizite (in Matrixbeschreibung) innere Automorphismen der Würfelgruppe an, die die folgenden Isotropiegruppen zu Halbachsen ineinander überführen. Welche Matrizen entsprechen dabei welchen Matrizen?

a) Die Isotropiegruppe zur positiven -Achse und zur positiven -Achse.


b) Die Isotropiegruppe zur Raumdiagonalen und zur Raumdiagonalen .


c) Die Isotropiegruppe zur Kantenmittelpunktsachse und zur Kantenmittelpunktsachse .


Lösung


a) Man braucht (im Sinne von Fakt *****) eine Würfelbewegung, die die positive -Achse in die positive -Achse überführt. Das wird durch die Matrix

erreicht (Viertelderehung um die -Achse). Der zugehörige innere Automorphismus ist

und dieser führt die Isotropiegruppe zur positiven -Achse in die Isotropiegruppe zur positiven -Achse über. Unter dieser Abbildung wird

und

zugeordnet.


b) Die Matrix (Vierteldrehung um die -Achse) bildet auf ab. Der zugehörige innere Automorphismus ist

Unter dieser Abbildung werden die Isotropiegruppen über

und

ineinander überführt.


c) Die Matrix (Halbdrehung um die -Achse) bildet auf ab. Der zugehörige innere Automorphismus ist

Unter dieser Abbildung werden die Isotropiegruppen über

und

ineinander überführt.


Aufgabe (7 (2+5) Punkte)

Der sei mit der euklidischen Norm versehen, wir betrachten die zugehörige Maximumsnorm auf dem Homomorphismenraum

  1. Zeige, dass eine Matrix über die Zuordnung

    eine quadratische Form auf dem definiert.

  2. Es sei die zugehörige quadratische symmetrische Matrix zur quadratischen Form aus (1), und es sei der größte Eigenwert von . Zeige


Lösung

  1. Es sei . Dann ist

    Wenn man dies ausmultipliziert, so ergibt sich ein Ausdruck der Form , also ein homogenes quadratisches Polynom vom Grad in den Variablen .

  2. Es geht darum, welchen maximalen Wert die quadratische Form aus Teil (1) auf der Einheitssphäre annimmt. Die Quadratwurzel davon ist das Maximum der euklidischen Norm und damit nach Definition gleich der Maximumsnorm. Nach Satz 43.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) gibt es eine Orthonormalbasis des derart, dass die quadratische Form bezüglich dieser Basis die Form besitzt, wobei die die Eigenwerte der zugehörigen quadratischen symmetrischen Matrix sind. Da die quadratische Form eine Summe von Quadraten ist, müssen alle sein. Ohne Einschränkung sei . Die euklidische Norm kann man nach Aufgabe 32.15 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) in jeder Orthonormalbasis berechnen. Es ist dann für jeden Punkt auf der Einheitsspäre
    Da dieser Wert für auch angenommen wird, handelt es sich um den maximalen Wert. Daher ist die Maximumsnorm.


Aufgabe (2 Punkte)

Vereinfache den Ausdruck in :


Lösung

Sobald ein Standardvektor in einem Dachprodukt mehrfach vorkommt, ist der Term gleich . Daher ist