Das großherzogliche Schloß in Schwerin

König Johann’s I. Grabmal in Batalha Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band (1857) von Friedrich Hofmann
Das großherzogliche Schloß in Schwerin
Leon in Mittel-Amerika
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DAS GROSSHERZOGL. SCHLOSS in SCHWERIN

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Das großherzogliche Schloß in Schwerin.




Die stolze Burg der Obotriten, die Seefeste der mächtigen Wendenkönige, einst ein Bollwerk des slavischen Heidenthums gegen die germanischen Kreuzritter, durch Spaten, Schwert und Hammer der Jahrhunderte umgewandelt in eines der prächtigsten deutschen Fürstenschlösser, eben so ausgezeichnet durch den Reiz der Lage wie durch die Großartigkeit des Baues, es steht vor uns in einem Bilde voll malerischer Anmuth.

Die Schlösser deutscher Fürstenhäuser von älterem Fundamente haben für die Gegenwart eine doppelte Bedeutung, eine landesgeschichtliche und eine kunstgeschichtliche. – Beide Bedeutungen sind an sich klar und bedürfen keines Beweises. Von den Häuptern der Völker gingen die Bewegungen aus, welche bis in die fernsten deutschen Zeiten zurück die großen Körpermassen der Völker in der Geschichte uns lebendig, kräfteregend, zielerstrebend zeigen, ob im Schaffen oder im Streiten, ob es ein Kampf der Häupter gegen einander oder der Massen gegen ein Haupt war. Je ferner der Gegenwart, je weniger Licht fällt auf die großen Völkerkörper, bis in der fernsten Zeit die Häupter allein über den dunkelen Massen vom Strahl der Geschichte erhellt sind und wie leuchtende Wegsäulen die Stelle bezeichnen, wo wir die Völker im Weltgang des Schicksals zu suchen haben. Und selbst in näheren Tagen, als die Rathhäuser der Hansa Schlösserhöhe erreichten und die Dome der freien Reichsstädte alle Schloßkirchen und Burgkapellen überragten, war es wieder der Kampf mit den Häuptern der Nachbarvölker, der diese fort und fort zu jener Lichthöhe der Geschichte erhebt, in deren Widerstrahl wir die Regungen der Masse erkennen. Es ist aber natürlich, daß da, wo die Häupter wohnten, auch die Geschichtsgruppen aus dem Leben der Völker am engsten beisammen stehen, und darin liegt der eigenthümliche Werth, den solche Wohnungen aus alter Zeit in den Augen der Völker haben; darin liegt der Zauber, der das Herz eines Volks sogar an eine Ruine fesseln kann. – Für die Kunstgeschichte stehen solche Bauwerke als Dokumente da für die Bildungsstufe der Zeit oder der Geister, denen sie ihre Entstehung verdanken oder vorwerfen; es sind die unverfälschlichen und untrüglichen Ehrendiplome oder Armuthszeugnisse derselben.

Das Schloß von Schwerin bietet die besondere Eigenthümlichkeit, daß die Glanzzeit seines landesgeschichtlichen Interesses längst vorüber ist, ehe das kunstgeschichtliche beginnt. Jene sehen wir im Anfang und auf der Höhe des Mittelalters, diese springt vom Ende desselben mit wenigen Sägen sogleich zur Gegenwart herein.

[16] Wie wir den stattlichsten Bau der Mecklenburger vor uns sehen, ist er ein Werk, das im sechzehnten Jahrhundert begonnen und in unseren Tagen vollendet wurde. Nur der Grund , der Burgwall, auf dem das Schloß steht, zeigt noch die Machtspuren der Obotritenkönige. Von diesen ist Mistizlaw der erste, als dessen Feste (Castrum Zuerin) Schwerin genannt wird; beide Namen erscheinen als einzelne Lichtpunkte in der Dämmerung des elften Jahrhunderts. Erst in der Mitte des zwölften Jahrhunderts tritt mit dem Wendenkönig Niklot die Burg in den Zusammenhang der Geschichte. Sie war der stärkste Schutzwall dieses heidnischen Helden gegen die deutschen Ritter, die mit dem Schwerte für das Kreuz fochten. Der Kampf für die alten Götter war nirgends blutiger, als hier, wo die Völker mit dem alten Glauben ihre alte Freiheit und Unabhängigkeit von den deutschen Herrschern vertheidigten. Die pariser Bartholomäusnacht und die sicilianische Vesper hatten in den Marken der Ostsee längst ihr Vorspiel, das an Gräßlichkeit der Würgescenen beide übertrifft. Nach jeder Unterwerfung rissen die unbändigen Slaven sich von Neuem los, jede Grausamkeit der Sieger schärfte die Waffen der Empörung, und in König Niklot erreichte der Haß gegen das Christenthum seine Spitze. Da begann der Sachsenherzog Heinrich der Löwe seine Kreuzzüge gegen die wendischen Heiden. Niklot ließ seine Burgwälle erhöhen und befestigen, vor allen die von Schwerin. Nach sechzehnjährigem Kampfe und nachdem er, der Uebermacht Schritt vor Schritt weichend, seine Burgen Schwerin, Mecklenburg, Dobin und Illow niedergebrannt hatte, fand er vor seiner letzten Feste, Werle, den Heldentod, im Jahre 1161. Damit brach die letzte Säule des Widerstandes; im Lande war längst ein großer Theil der Bevölkerung ausgerottet und der Rest geflohen oder unterjocht. Heinrich der Löwe war Herr. Er baute die Burg Schwerin wieder auf und gab sie sammt einem Theile des Obotritenlandes dem tapferen braunschweigischen Ritter Gunzelin von Hagen im Jahre 1166 als Grafschaft zu Lehen. Zugleich ward Gunzelin des Löwen Statthalter im Wendenlande. In diese Zeit fällt die Gründung der Stadt Schwerin, in welche schon 1167 der Bischofssitz von Mecklenburg verlegt wurde. Die Grafen von Schwerin blieben im Besitz der, jedenfalls nach deutscher Weise wiederhergestellten Burg fast zweihundert Jahre. Gunzelins nächster Nachfolger, der kühne Graf Heinrich, nahm Theil an einem Kreuzzug in’s Morgenland, machte nach seiner Heimkehr durch seinen vernichtenden Sieg über König Waldemar der Dänenherrschaft an Deutschlands Küsten ein Ende und verschönerte und bereicherte Schwerin und die Burg durch Stiftungen und Bauten, von denen – keine Spur mehr vorhanden ist.

Dagegen grünt Niklots, des Heidenhelden, Stamm noch heute. Selbst ein Heinrich der Löwe war nicht stark genug gewesen, des Slavenvolkes Kraft vollständig zu brechen. Er hatte durch versöhnende Thaten den Troß beugen, er hatte Niklots Sohn, Pribislav, erst mit einem Theil und endlich mit dem ganzen Erbe seines Vaters belehnen müssen. Pribislav ward, mit Beseitigung der wendischen Königswürde, der erste Fürst von [17] Mecklenburg; er trat 1170 als Pribislav II. in die Reihe der deutschen Fürsten ein, bekannte sich zum christlichen Glauben, erhielt sogar die Tochter Heinrichs des Löwen zur Frau und ist der erste christliche Ahnherr der Regentenfamilie, die noch jetzt in Mecklenburg das Scepter führt. Derjenige seiner Nachkommen, welcher der erste Herzog von Mecklenburg heißt, Albrecht, brachte die Grafschaft Schwerin an sein Haus zurück, verlegte die Residenz von Wismar nach Schwerin und machte das alte Grafenschloß zum ersten Fürstensitz des Landes, dies Alles um das Jahr 1359.

Fast um anderthalb hundert Jahre später beginnt die Baugeschichte der noch jetzt stehenden Ueberreste des alten Schlosses; von allen Bauten aus den Zeiten der Wenden-Könige, der schweriner Grafen und der ersten mecklenburger Herzöge bis gegen das Jahr 1500 ist längst jede Spur verschwunden. – Sogar die geschichtlichen Nachweise über Ausdehnung, Art und Weise der früheren Bauten sind spärlich; was wir hierüber wie über die spätere Baugeschichte Ausführliches und Zuverlässiges besitzen, verdanken wir dem fleißig forschenden Archivar Lisch in Schwerin, dem wir getrost folgen dürfen.

Nach unserem Gewährsmann unterliegt es keinem Zweifel, daß das jetzige Schloß genau die Stelle der alten obotritischen Königsburg einnimmt. Die Wenden, sagt er, welche Ziegel und Kalk nicht kannten, suchten nicht hinter festen Mauern Schutz, sondern fanden ihre Befestigung in tiefen Morästen oder in Seen, in denen sie Burgwälle, gleich Inseln, aufschütten ließen, deren einziger schmaler Zugang vom Lande her durch persönliche Tapferkeit vertheidigt ward. Mitunter wählten sie auch kleine, nahe am Ufer liegende Inseln in großen Seen zur Aufschüttung ihrer Burgwälle. Die Burg Schwerin war nach beiden Grundsätzen aufgebaut. Sie liegt auf einer kleinen Insel zwischen dem großen schweriner und dem Burg-See. Die obotritischen Burgwallbauten gaben der ursprünglich niedrigen und flachen Insel ihre schöne terrassenförmige Erhebung. Wie der abbrennbare Theil jener ältesten Burgen beschaffen war, weiß man nicht; ebenso wenig, ob schon Graf Gunzelin mit deutschen Baumeistern den Ziegelbau in Mecklenburg eingeführt habe. Sogar von den Gebäuden, welche Herzog Magnus II., an der Grenze des Mittelalters,um 1500, vollendete, sind jetzt in dem Mauerwerke nur noch Ueberreste vorhanden. Man setzte im Mittelalter die Schlösser aus einzelnen selbstständigen Bauten zusammen, von denen bald dieser, bald jener nach Noth oder Bedürfniß erneuert wurde, so daß von einem ganz neuen Schloßbau erst die Rede seyn konnte, als eine entschiedene Hand den Plan einer Um- und Neugestaltung der gesammten Burgbaulichkeiten ergriff. Dies that Herzog Johann Albrecht I. (1547, † 1576) und gilt daher als der eigentliche Erbauer des schweriner Schlosses, welches bis zu dem gegenwärtigen Neubau stand.

Der eigenthümliche Styl, den jene Bauten tragen, ist der der Renaissance, angewendet mit Rücksicht auf das in Mecklenburg allein herrschende Baumaterial, die gebrannten Thonziegeln. Als Muster dieses Styls gilt [18] der Fürstenhof zu Wismar. Man nahm hier die großartigen Raumverhältnisse und die horizontalen Linien des Renaissance-Baues und schmückte die einzelnen Theile und Oeffnungen durch Abgrenzungen und Einfassungen mit Bildungen aus gebranntem Thon. So entstand Das, was die Männer im Lande nicht ungern den „mecklenburgischen Styl“ nennen hörten.

Die vom Herzog Johann Albrecht vollendeten Bauten sind das lange Haus, nach dem großen See hin, das Zeughaus, nach dem Burgsee, beide mit Reliefs aus gebranntem Thon verziert, ferner das neue Haus, als eine Verlängerung des langen Hauses nach der Richtung des Kalkwerder hin, und an der andern Seite die Schloßkirche, deren Ziegelreliefs die spätere Zeit unter Kalkputzlagen versteckt hat. Die Befestigungen des Schlosses führte der italienische Baumeister Francesco a Bornau aus.

Von 1576 bis 1617 stand der Bau sich selbst überlassen da. Rasche Regentenwechsel, Residenzverlegungen und die immer näher rückende Noth schwerer Zeiten verursachten das. Adolf Friedrich I. (1608, † 1658) war es, der zuerst wieder die zum Theil noch öden Räume der Feste Schwerin mit den Restaurationsplänen durchschritt, die sein Baumeister, der Kapitän Gert Evert Piloot aus Ostfriesland, entworfen hatte und die noch vorhanden sind. Die Ausführung derselben gedieh jedoch nicht weiter, als zum Abbruch einiger alten Gebäude, den Fundamentalarbeiten zu neuen und zum Abputz und neuer Verzierung der aus Johann Albrechts Zeit noch wohlerhaltenen. Was von dieser Restauration zu Tage gefördert wurde, zeigt bereits den Uebergang vom Renaissancestyl zu dem Rokkoko der nächstfolgenden Periode. – Der dreißigjährige Krieg zerriß alle Pläne, auch die des ephemeren Herrschers in diesen Landen, des Herzogs von Friedland, den das Schwert des Schwedenkönigs früher erreichte, als seine Baulust das Schloß von Schwerin. Nach dem Kriege stand das Schloß mitten im Elend des Landes und machte keine Ansprüche auf ein besseres Schicksal. Ueber hundert Jahre später entfaltete sich in den, einem „besorglichen Verfall“ zueilenden Räumen eine zwar rasch vorübergehende, aber doch edle Kunstblüthe: die berühmten Schauspiele unter Herzog Christian Ludwig II., welche einen Schönemann, Eckhof und Ackermann auf die Breter führten. Dem Schlosse selbst kamen jedoch nur die nothdürftigsten Reparaturen zu Gute. Noch schlimmere Zeiten brachte ihm die Regierung des Herzogs Friedrich und seines Nachfolgers. Das war die Zeit, wo für das kleinste Paris ein entsprechendes Versailles geschaffen werden mußte; Ludwigslust wurde das Versailles von Schwerin. Die schlimmste Aussicht stellte endlich Großherzog Paul Friedrich der alten Inselburg durch den in großartigen Verhältnissen begonnenen Bau eines neuen Residenzschlosses am Ende des Alten Gartens. Kaum waren aber die Grundmauern aus der Erde erstanden, als er, 1842, unerwartet starb und hinabgelegt wurde zu Johann Albrecht in die Heiligen-Bluts-Kapelle des schweriner Doms.

Erst der gegenwärtige Regent, Großherzog Friedrich Franz II., schloß die Thore der alten Burg wieder [19] auf und faßte, die volksthümliche Bedeutung eines solchen Hauptdenkmals der schicksalreichen Vergangenheit eines Landes richtig würdigend, den Beschluß, das ganze Schloß zu einem großen geschichtlichen Kunstwerke für Mecklenburg zu erheben. Die Ausführung dieses Beschlusses begann im Herbst 1843, und im Herbst 1855 war der äußere Bau des Schlosses, wie unser Stahlstich ihn dem Leser vor Augen führt, vollendet. Man ist dem Gedanken, den Styl der neuen, den Schloßhof vollkommen schließenden Bauten möglichst dem der erhaltenen Gebäude anzuschmiegen, im Ganzen treu geblieben, und der Erfolg tritt besonders wohlthuend da hervor, wo man der Bauweise Johann Albrechts sich am meisten genähert hat. Als Vorbild für die Neubauten diente das durch den edelsten Renaissancestyl berühmte französische Schloß Chambord bei Blois, unter König Franz I. vollendet. Baumeister mit Rath und That waren: Demmler, Willebrand, Stüber und, für die Schloßkirche, Zwirner, der Meister vom kölner Dom.

Das Schloß von Schwerin besteht jetzt im Aeußern wesentlich aus fünf verschiedenen Theilen, welche ein unregelmäßiges, verschobenes, mit zwei rechten Winkeln nach den beiden Seen hin vorspringendes Sechseck bilden. Diese Theile sind 1) das „Lange Haus“, das die Fronte dem großen See zuwendet, von Herzog Magnus in Mauerwerk errichtet, von Johann Albrecht ausgebaut und restaurirt und gegenwärtig geschmückt mit reichen Thon-Ornamenten aus der großherzoglichen Musterziegelei auf dem Klätterberg vor Schwerin. Die rothen Reliefs auf den grauen Wandflächen machen einen wohlthuenden Eindruck. Nach der Seeseite hin steht an der rechten Ecke desselben ein hoher neuer Thurm. Die Aussicht von diesem „langen Hause“ über den See und seine Umgebung ist entzückend; hier schlug die fürstliche Familie ihre Wohnungen auf. – 2) Das „Neue Haus“ Johann Albrechts, im Restaurationsstyle des Herzogs Adolf Friedrich vor 1620 wieder hergestellt, rechts an das „Lange Haus“ sich anschließend. – 3) Die Schloßkirche, von Johann Albrecht 1563 vollendet, jetzt durch den Anbau eines Chors vergrößert. Diese nach Zwirners nur wenig verändertem Plane aufgeführte Altarkirche, wohl der einzige Kirchenbau aus Sandstein im ganzen mecklenburgischen Lande, zeigt im Aeußern wie im Innern den Reichthum in Formen, welchen der reine Spitzbogenstyl des vierzehnten Jahrhunderts, namentlich in den rheinischen Kirchen, entfaltet. Von großer Bedeutsamkeit ist die innere Ausschmückung der Kirche durch die Glasmalerei, Bildhauerei und Wandmalerei; sie wird dadurch zugleich zur Schatzkammer der größten Werke kirchlicher Kunst in Mecklenburg erhoben. Die Einweihung derselben geschah am 14. Oktober 1855 durch den Oberkirchenrath Kliefoth, welchem man auch den Plan zur Ausschmückung des Inneren verdankt. – 4) Die Flügel nach dem Schloßgarten und dem Burgsee, Neubauten nach dem Muster des Schlosses Chambord, enthalten in der Hauptsache den Tanzsaal, den Speisesaal, die große Hoftreppe und Gemächer des Großherzogs. – Endlich 5) der von einer großen Kuppel überragte Mittelbau nach der Stadtseite, mit der Einfahrt, ein Werk nach dem Plane [20] Stübers. Vom Schlosse Chambord unterscheidet sich das von Schwerin, seine großartigste Nachbildung, dadurch, daß es in den Flügeln kürzer ist und über den Souterräns und dem Erdgeschoß drei Stockwerke, also einen höher strebenden Charakter hat. Deshalb sind auch die Eckthürme schlanker und zierlicher und das Ganze mit den verschiedenen Häusern, Giebeln und Thürmen gewährt ein wechselvolleres, burgartiges, imposanteres Bild.

Wie im Innern der Kirche arbeiteten in und am ganzen Schlosse Bildhauerei und Malerei an einer würdigen künstlerischen und geschichtlichen Ausstattung. Die Bildhauerarbeiten an den Außenwänden des Schlosses haben die Bestimmung, dem Beschauer die Hauptperioden der Geschichte desselben und des Landes zu vergegenwärtigen durch Statuen, Büsten, Wappen und Inschriften. Die Glasmalerei hatte auf den 18 Fenstern des großen „Hofsaals“ (auch Hofdönsk oder Hofdornitz genannt) die 18 bekanntesten und hervorragendsten Regenten Mecklenburgs darzustellen. Der Oelmalerei endlich wurde der Thronsaal zur Aufstellung einer Ahnengalerie zugewiesen.

Nicht bloß die Geschichte und die Kunst, auch die Sage hat im Schlosse von Schwerin einen Sitz. Sie führt den Burggeist, „Petermännchen“ um Mitternacht durch die Gänge und Hallen. Das ist aber kein ernster, spitzbogiger, gothischer Geist, sondern ein Gespenst ebenfalls aus der Uebergangszeit von der Renaissance zum Rokkoko, ein putziger Zwerg, runzeligen Angesichts, mit spitzem, weißem Bart, kurzen, krausen Haaren, langem, schwarzem Rock mit engen Aermeln, großen und vorne breiten Schuhen, – offenbar ein verwünschter Hofnarr, der aber leider nichts spricht, sondern nur die Menschenkinder verlacht, ohrfeigt und ihnen die gestohlenen Lämmerbraten entwendet. Es ist nichts mit Dir, Petermännchen! Du hast keine Ahnung davon, wie gut es für die schönen Schlösser wäre, wenn in jedem ein treuer „Kunz von der Rosen“ als wahrheitseliger Geist umginge! Aber reden müßte er, wie der muthige Kunz mit seinem Kaiser geredet hat, nicht bloß Allotria treiben, wie Du, Petermännchen!