Der Dom zu Magdeburg

DLVII. Ajaccio Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band (1847) von Joseph Meyer
DLVIII. Der Dom zu Magdeburg
DLIX. Marseille
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DIE DOMKIRCHE IN MAGDEBURG

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DLVIII. Der Dom zu Magdeburg.




Wer in den schönen Herbsttagen dieses Jahres von einem unserer Berge hinabblickte in die Thäler und Ebenen, wo allenthalben Fleiß und Lust sich um den reichen Erntesegen tummelten und eine neue Erntehoffnung ihre grüne frische Pracht auf hundert Aeckern entfaltete, der wird sich wehmüthiger Gedanken nicht haben erwehren können, wenn über dieser friedlichen Herrlichkeit der Natur der Kampf unserer wildbewegten Zeit ihm vor das Auge trat. Die ewige Ordnung der Welt, der stete Gang der Naturgesetze, ihre Unwandelbarkeit, die feste Bestimmung, die jedem Geschaffenen wird, vom Planeten des Himmels bis zum kleinsten Wurm der Erde, und daneben – der Mensch! – der Mensch, der allein seine Bestimmung so schwer erkennt, daß seine Verirrungen immer den breitesten Raum einnehmen im Buch der Weltgeschichte.

Wo ist die schwärzeste Quelle des menschlichen Elends? – Im Menschen selbst: eine uralte Wahrheit, von tausend Glücklichen anerkannt, von tausend Unglücklichen geleugnet und verworfen. Gott hat in des Menschen eigner Brust Himmel und Hölle neben einander gefügt und ihm die Schlüssel zu beiden gegeben: Vernunft und Willen. Zu beiden Thurm führt der Weg am warnenden Gewissen vorüber. Gott hat das Seine gethan. Dein ist die Schuld, hast du die falsche Thür erwählt, oder gar den Schlüssel zu deinem Himmel verloren. –

Doch nicht allein im einzelnen Individuum, auch in den Ideen, die eine ganze Zeit beherrschen, kann die Quelle großen Jammers lebendig seyn. Zu allen Zeiten war der Kampf um Glauben und Ueberzeugung der heißeste und in seinen Ausartungen der furchtbarste, weil er von Blinden geführt wird: denn die Leidenschaft beginnt und schürt ihn, und die Leidenschaft macht blind allemal. Nicht der bloße Streit um das Mein und Dein, um Recht und Unrecht hat jene haarsträubenden Martern erfunden, mit denen der fromme Glaube sich bewaffnete, um sich den Sieg zu erhalten; Scheiterhaufen und Guillotinen wurden aufgerichtet von Fanatikern für das Heiligste auf Erden, für Religion, Recht und Freiheit! – Und ist erst der Fanatismus in die Massen geworfen, dann werden Selbstsucht, Herrschsucht und Bosheit ihre feilen Führer besudeln und die Völker mit Blut und Schande.

Keine Verwirrung der Geister ist aber gefährlicher für das Wohl Aller, und keine drückt die Menschenwürde tiefer herab, als wenn die Glieder eines Volkes im Meinungskampfe sich zerfleischen: da wanken [144] und stürzen die mächtigsten Staaten, Sitte und Glück sinken von den Altären des Hauses und der Gemeinde in den Staub, Wohlstand und Bildung fliehen, die Humanität verhüllt ihr Antlitz, und mit Trauer und Abscheu wendet sich der Blick der kommenden Geschlechter ab von den grausenhaften Bildern solcher Zustände der allgemeinen Verwilderung. Und leider! sind sie nicht selten. Der Nationen sind wenige, deren Geschichte frei ist von des Brudermords besudelten Blättern, fast jedes Volk wanderte einmal durch das rothe Meer solcher Blutschuld. Auch das deutsche Volk schleppt an ihr eine furchtbare Last. Sie füllt eine ganze Periode seiner Geschichte aus: seinen dreißigjährigen Krieg. Sie hat – ich schreibe während deutsche Geschütze das deutsche Wien zerschmettern – eine neue Periode begonnen, deren Dauer Keiner ermißt. – Zu einem Nachtbild aus jener ältern Schreckenszeit führt uns der herrliche Bau, den uns der Stahlstich vergegenwärtigt.

Ja, herrlich bist du, Magdeburger Gotteshaus! und Der dich zusammengefügt und aufgerichtet hat, der gab Zeugniß von seiner Meisterschaft für kommende Jahrtausende. Wer dich aber anschaut mit dem rechten Geist und dem rechten Herzen, dem bist du, so lange deine Mauern stehen, doch nur ein Blatt mit schwarzem Rand, mit den Trauerzeichen über den Wahn, der zu allen Zeiten Millionen beherrscht, ihre Seelen vergiftet und zu Thaten getrieben und gehetzt hat, die jeden göttlichen Schimmer an der Menschengestalt vernichten.

Wie das jüngste Blatt der deutschen Geschichte mit schwarzem Rande die Ausschrift führt: „Windisch-Grätz und Wien“; so jenes ältere die von „Tilly und Magdeburg.“ Betrachte den Dom, von welcher Seite du ihm zuerst nahst, dieses Blatt und diese Inschrift stellen sich zwischen dich und die künstlerische Trefflichkeit. Das Unmenschliche jenes blutigen Mai’s verdeckt, was du Menschlich-Schönes suchen wolltest, und selbst im Innern des Heiligthums dringt zitternd und klagend jenes Tedeum in dein Ohr, welches über Leichenhaufen und dem Gestöhne Gemordeter und Sterbender dem Munde der rasenden Schlächter entquoll, jenes Tedeum, das den von Magdeburgs Flammen bemalten Himmel, zu dem es emporstieg, errüthen machte vor Scham und vor Zorn.

Aber weniger die Erinnerung an das unmenschliche Morden und Verwüsten ist’s, was den Schreiber dieses Aufsatzes die Brust mit Grimm und Entrüstung erfüllt: – Leichenhaufen und Brandstätten hinterläßt jeder Krieg, das ist des Krieges Art; der Friede baut und pflanzt und pflegt wieder, das ist seine Art. Anders jedoch bei der Magdeburger Hochzeit. Hier liegt das Abscheuliche gerade darin, daß diese Gräuelthat noch nach Jahrhunderten Katholiken wie Protestanten dazu dienen mußte, den Glaubenshaß fortzuschüren. Das ist der schwarze Rand am Trauerblatt, daß Kindern eines Vaterlandes, einer Zunge, eines Glaubens dieses eine Ereigniß dort als fluchwürdiges Verbrechen, hier als glorreiche That hingestellt wird und daß man dadurch Millionen Kindern bald gegen die Katholiken, bald gegen die „Ketzer“ einen Haß in die Seelen streute, den sie durch ihr ganzes Leben tragen. Und von wem geschieht es? von den Menschen, die da vorgeben, sie seyen die Träger [145] und Pfleger der Lehre Desjenigen, dessen Leben und Kreuzestod Liebe, Duldung und Versöhnung predigen; – von den Menschen, die von sich rühmen, Gott habe sie auf den sittlichen Richterstuhl gesetzt, Er habe sie erkohren zu Ausspendern seiner ewigen Gerechtigkeit; – von den Menschen sage ich, die sich ausgeben als die Hüter der Gewissen und als die Schlüsselhalter des Himmels; –von den Menschen, die, mögen sie Kutte, Skapulier oder Priesterrock tragen, unter allen Heuchlern meinen tiefsten Haß und meine meiste Verachtung haben: den Pharisäern und Pfaffen, welche sich zu den ächten, ehrwürdigen Priestern Gottes verhalten, wie die Lüge zur Wahrheit. Wo ist ein Pfaff, der nicht Christus verfolgt mit falscher Lehre? der die Völker nicht betrügt mit verdummendem Unsinn? der nicht willig eingeht in jeden Plan zu ihrer Knechtung und Ueberlistung? Wo ist ein Pfaff, der den brutalen Aberglauben von der Kanzel und dem Altare peitscht; der verkündigt, daß der schmähliche christliche Götzendienst ein Ende nehmen müsse; der nicht länger rauschen mag in den dürren Blättern seines Breviers oder seiner Liturgie; der gewillt ist, das Menschenherz durch eine wahre, werkthätige, auch den Verstand befriedigende Menschenliebe zu erwärmen? Nennt mir einen Einzigen unter den Zehntausenden in ganz Deutschland, der sprossendes Leben und hellen Geist wieder in die todten Formen des Glaubens zurückzubringen aufrichtig bemüht ist, nennt einen Einzigen, der dem Vorwärts der Völker aufrichtig zugethan sey, oder Einen nur, der das Wunder richtig deutet, welches der Herr in Deutschland im März gethan hat und der wahrhafte Begeisterung im Herzen trüge für die Ideen, welche sich kund gegeben in dieser großen Zeit: – nennt mir diesen Einzigen, und ich will meinen Haß bezwingen und sagen, es ist dem Pfaffenvolk durch mein Urtheil zu viel geschehen! –

Ich führe nun euern Blick auf die Schauerscenen, deren Mittelpunkt vor 220 Jahren der Magdeburger Dom gewesen ist. – Gustav Adolf, der Held des Glaubens und der Freiheit, hatte mit der Magdeburger Bürgerschaft Bündniß geschlossen. Das kaiserliche Heer nahete. Der König sandte der Stadt zur Unterstützung seinen Obersten Falkenberg, der jedoch nur mit 500 Mann Schweden einziehen durfte und sich vielfachen, sein militärisches Walten eifersüchtig bewachenden Beschränkungen unterwerfen mußte. Tilly erschien im Dezember 1630. Er berennte die Stadt. Ihre eigentliche Belagerung begann im April 1631. Besatzung und Einwohnerschaft wehrten sich mit standhaftem Muthe, obgleich die Vertheidigung durch Uneinigkeit öfters geschwächt war. Aber auch die Belagerer waren tapfer – täglich fast stürmten sie eines oder das andere der Außenwerke, und nach Verlauf von 6 Wochen, als auch der Hunger die Besatzung dezimirte, welche das ununterbrochene Feuer der Kaiserlichen schon sehr geschwächt hatte, mußte der Bürger Widerstand brechen. Nur schwedischer Entsatz konnte sie noch retten. Gustav Adolf hatte sein Versprechen gegeben, „sich ihrer königlich und fürstlich anzunehmen und sie in keiner Noth zu verlassen“. Doch im kritischen Augenblick zog er das rettende Schwert [146] nicht, denn er fürchtete, bei der großen Minderzahl seines Heers, und gegenüberstehend dem größten Feldherrn seiner Feinde, die große Sache, die er verfocht, in offener Feldschlacht zu gefährden. Magdeburg – ein Kleinod in der Krone des Protestantismus – gab Gustav Adolf Preis mit blutendem Herzen.

Und so geschah denn das Unvermeidliche. Tilly, der die Stadt als wahrscheinliche künftige Residenz des Kaisersohns Leopold Wilhelm zu schonen wünschte, schien, nach vielen vergeblichen Aufforderungen zur Ergebung, endlich am 19. Mai sein Ziel erreicht zu haben. Der Magistrat war auf Tilly’s Kapitulationsbedingungen eingegangen; nur Falkenberg suchte den Abschluß noch zu verzögern. Inzwischen erfolgte er dennoch. – Während nun der Schreiber auf dem Rathhause mit dem Kopiren der Kapitulationsurkunde beschäftigt war, gab Tilly, zornig über die Zögerung, Befehl, zu stürmen. Und damit war das Loos des Verderbens über Stadt und Bevölkerung geworfen.

Es war am 19. Mai Nachmittag. Der Kampf rasete auf den Wällen und in den Gräben. Die Verzweiflung gab den Vertheidigern zehnfache Kraft. Während die Belagerer die Wälle erkletterten, spieen 200 Feuerschlünde Tod und Verwüstung gegen Mauern und Stadt aus. Plötzlich ließ das Feuer der Belagerer nach. Eine Batterie nach der andern verstummte. Die stürmenden Kolonnen wichen zurück. Die Belagerten erstaunten. Auf einmal hörten sie Stimmen aus den feindlichen Reihen: Die Schweden kommen! und jauchzend hallte es tausendstimmig wider in der Stadt: Der Retter naht! Wir sind gerettet! Die Freude bestrickte die im langen Kampfe ermatteten Sinne. Gegen den Morgen des 20. Mai waren die meisten zum Tode müden Vertheidiger auf den Wällen und daheim in tiefen Schlaf versunken, um – zum Tode zu erwachen.

Denn mit Tagesanbruch ließ Tilly seine ganze Macht in Sturmkolonnen mit Leitern und Hacken gegen die Mauern rücken, um die Frucht seiner Kriegslist zu pflücken. Der allgemeine Sturm begann um sieben Uhr. Täuschung und Schrecken brachen die Kraft der Bürger. Noch vor Mittag waren alle Festungswerke in der Gewalt der Kaiserlichen. Und nun erfolgte das Schlachten und Morden der Wehrlosen, das Plündern und Brennen. Wie die Horden des Attila wütheten die vom Fanatismus ergrimmten Schaaren. Es waren nicht Krieger mehr, es waren Hyänen. In weniger als zwölf Stunden hatten die von vier Seiten zugleich eindringenden wilden Haufen Pappenheims mit Feuer und Schwert eine der schönsten und reichsten Städte des Vaterlandes in eine Wüste verwandelt, wo rauchende Trümmer und Schutt und Asche und Blut und Leichen durch einander stürzten. Für drei lange Tage hatte Tilly den Seinen das Werk der Vernichtung zugesagt, und drei Tage lang feierte das wüthende Heer mit Brennen, Plündern, Morden und Schänden diese Magdeburger Hochzeit. Noch nach zwei Jahrhunderten sträubt sich das Haar vor den kannibalischen Szenen jener Tage. – Ehe Tilly am 12. Mai über die dampfenden Schutthaufen seinen Einzug in die noch vom Gewimmer der Sterbenden [147] und der verwaist umherirrenden Kinder erfüllten Ruinen halten konnte, mußten 6900 Leichen in die Elbe geworfen werden; die Zahl aller Hingemordeten – Tausende hauchten unter den gräßlichsten Verstümmelungen, Qualen und Martern ihr Leben aus – war 30,000! Von der ganzen Bevölkerung der Stadt, in welche sich viele Bewohner des umliegenden flachen und schutzlosen Landes geflüchtet, waren kaum 5000 übrig geblieben, darunter über 4000, die sich in den Dom eingeschlossen und drei Tage ausgeharrt hatten, umgeben von allen Schrecken der Vernichtung und überschüttet mit dem Fürchterlichsten, was die Natur den Menschen zu leiden geben kann. Als Tilly an den Dom kam, öffnete sich das Thor und der ehrwürdige und glaubensmuthige Prediger Bake sank dem finstern Sieger zu Füßen mit den Worten: „Gekommen ist Magdeburgs letzter Tag und sein unausweichbares Schicksal! Wir waren Magdeburger! Dahin ist Magdeburg und all seine Herrlichkeit!“ – Tilly – (der Teufel selbst muß ja endlich ermüden in seinem Werke) – schenkte den Aermsten das Leben. Und als sie heraustraten aus dem Gotteshause, diese abgemarterten Gestalten, zählte das Auge der Suchenden von der großen Stadt noch hundert kleine Häuser armer Leute, zu denen die Flamme nicht hatte hinuntergreifen und in denen die Raubsucht nicht hatte plündern mögen.


Tilly und sein Vorgänger Alba gehen über die Bühne der Geschichte wie Pest und schwarzer Tod. Wenn wir auch der Zeit billige Rechnung tragen, in welcher die Magdeburger Schauertragödie spielt; wenn wir auch erwägen, wie die Menschen in dem dreizehnjährigen Kriegszustand verwildern mußten; ferner: mit welchem Volk von Tilly der Krieg geführt wurde und wie dazu trat die Kunst der Pfaffen, um die rohen Kriegerbanden zum äußersten Fanatismus zu verhetzen, der im Ketzermord ein Gott gefälliges Werk sah: – so bleibt doch von alle Dem die Thatsache unangefochten, daß Tilly es war, der das dreitägige Schlachten und Brennen und Plündern seinem Heere versprochen und ohne diesen Freibrief zu aller Unthat bei der sonst so strengen Disziplin des kaiserlichen Feldherrn Magdeburgs entsetzlicher Untergang gar nicht möglich gewesen wäre. In dieser Thatsache ist Tilly’s Schuld unaustilgbar begründet und alle Versuche, ihn rein zu waschen, müssen erfolglos seyn. Wie einst Alba, so hat auch Tilly eifrige und gewandte Vertheidiger gefunden in Menge. Es sind dies Pfaffen und Fürsten, die nimmer müde werden, an der blutigen Hand ihres Werkzeugs zu wischen, welche darum doch ewig roth bleibt. Hat ja sogar noch in unsern Tagen ein König, – der für den großen Luther in seiner Ehrenhalle keine Stätte fand, – sich nicht entblödet, dem Tilly eine erzene Bildsäule des Ruhms aufzustellen! Er bedachte nicht, daß, hätte er auch an jeder Straßenecke seiner Hauptstadt ein solches Standbild aufgerichtet, das Wörtchen „Magdeburg“, an ihre Fußgestelle mit der Bleifeder geschrieben, sie alle in Schandsäulen verwandelt haben würde. –

[148] Nein, ihr Könige und Kunst du, als Königsmagd: die Sprüche der Geschichte fälscht ihr nimmer mit euern Lügen von Erz und Stein, und das Schandglöckchen der Vergangenheit macht ihr nimmer zum Ehrengeläute für die Verbrecher an Volk und Freiheit, an Humanität und Gesittung. Wer gerichtet ist durch seine Thaten, wie Tilly, der bleibt gerichtet für immerdar. Erhöbet ihr solche Menschen auch bis in den Himmel: die Welt wird in ihnen immer nur Völkerschlächter sehen und – verabscheuen.

Daß ihr aber, Monarchen! aus solchen kraftvollen Werkzeugen eures Willens gern unsterbliche Halbgötter gießen und meiseln lassen möchtet, ist euch nicht zu verübeln. Denn ihr braucht solche Leute. Ihr brauchtet sie gestern, ihr braucht sie heute. – Oder ist’s nicht so? Neapel, Mailand, Messina, Wien – gebt Antwort! –


Magdeburg’s Dom ist unter den Denkmälern der gothischen Baukunst in Norddeutschland eines der edelsten und es war der Restauration wohl werth, auf welche der vorige König nicht weniger als 300,000 Thaler verwendete. Nachdem die uralte Kathedrale im Jahre 1207 vom Feuer zerstört worden war, hatte man im folgenden Jahre den Grundstein zu dem jetzigen Bau gelegt, zu dem der Meister Bohnensack die Risse entwarf. 155 Jahre beschäftigte das Werk die Steinmetzen; erst im Jahre 1363 wurden die Bauhütten abgebrochen und das Arbeitervolk entlassen. Die Länge des Gotteshauses mißt über 300 Fuß; das mittlere Schiff hat 106 Fuß Höhe und die prächtigen Kreuzgewölbe ruhen auf zwei und zwanzig mit Spitzbögen versehenen Bündelsäulen. Jedes der Seitenschiffe ist von 16 Fenstern beleuchtet und eben so viele, aber größere Fenster sind in der hohen Wand des Mittelschiffs angebracht. Kostbare Glasmalereien schmücken mehre, und eine Menge prachtvoller Grabmonumente, welche teilweise aus dem Schutt des ältern Doms gerettet und später hier aufgestellt worden waren, machen das Gebäude wichtig für das Studium der deutschen Kunst in uralter Zeit. Die sehenswerthesten sind die Marmor-Grabmäler des Kaisers Otto und seiner Gemahlin Editha, der angelsächsischen Königstochter, aus dem 10. Jahrhundert.