Der neue Bundespalast in Bern
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Der BUNDESPALAST in BERN
Schiller.
Das Universum war von jeher mehr als ein Bilderbuch. Seine Bilder waren umrahmt von Betrachtungen, in welchen sich der Geist unserer Zeit spiegelte und die in der Brust seiner Leser einen lauten Wiederhall fanden. Der Schreiber des Buchs scheute sich nicht, die Rolle des trockenen gewissenhaften Cicerone mit der des Predigers zu vertauschen, der so unerschrocken wie unberufen seinen Eindrücken und Eingebungen, die er von dem einen oder andern Bild empfing, die Freiheit der Aeußerung gestattete und dessen Beredsamkeit dennoch es gelang, auch Diejenigen zu fesseln, welchen nur die Schaulust sein Buch in die Hände gegeben hatte. Hat sein Nachfolger auch nur bescheidenen Gebrauch von diesem ererbten Gewohnheitsrecht gemacht, auf dasselbe verzichten will er nicht, am wenigsten, wenn er beim Antritt eines neuen Jahrgangs auf die 20 geschlossenen Bände seines Buchs zurückblickt und auf das sonnig schimmernde Bild vor sich, welches das erste Blatt dieses Bandes schmückt.
Es umfassen jene 20 Jahrgänge eine Zeit gewaltigen Gestaltungsdrangs nach Formen, die der bildende Menschengeist noch nicht gefunden hat, eines Kampfes um Ziele, die noch nicht zum vollen Bewußtsein der Kämpfer gereift sind, einer geistigen und sittlichen Gährung, deren trüber Gischt wie vom jungen Most noch auf der Oberfläche treibt und den prüfenden Kennerzungen noch keinen Wohlgeschmack verrathen will. Die dreißiger Jahre, in denen der Bilderkrämer des Universums seine Wanderung antrat, fanden die zersetzenden Elemente, welche die französische Revolution in die deutsche Ideenwelt geworfen hatte, schon am Boden unserer Zustände gewaltige Verheerungen anrichtend. Der Feudalstaat lag in den letzten Zügen; von der gelösten Zunge fluthete die Verkündigung der Wahrheit und drang zu Ohren und Herzen ein; das Schwert, welches Deutschland von der Fremdherrschaft befreit hatte, ruhte in der Scheide, aber Männer standen auf und zerschlugen mit der Schärfe des Gedankens das morsche Zopfthum, welches an die Stelle der französischen Eroberer zurückgekehrt war. Vorwärts, dem dämmernden Lichte der Freiheit zu! rief’s in den Reihen der Einen, Halt! gebot’s in den Reihen der Andern, die sehnsüchtig rückwärts schauten nach dem entfliehenden dunklen Schatten der Wiege [4] ihrer Macht und ihres Daseins. Da trat die Lüge dazwischen mit der Larve des Friedens, der Gerechtigkeit und der Menschenliebe und schuf den deutschen Konstitutionalismus, das Asyl, in dem die Einen wie die Andern Zuflucht suchen und zur Versöhnung sich die Hände reichen sollten. Koncessionen den Einen, Vorrechte den Andern, das sollte in vorgeschriebener Mischung der heilsame Trank sein, von dem beiden aus offenen Wunden blutenden Gegnern: dem verletzten historischen Rechte und der beleidigten, zum Selbstbewußtsein gelangten Menschenwürde, Heilung verheißen ward. Die 20 Jahrgänge des Universums bezeichnen ungefähr die Lebensdauer dieser Lüge und haben es bereits selbst erlebt, daß ihr nachgerade die mächtigere Wahrheit die Larve vom Angesicht riß. Der Antagonismus ist geblieben, die Wunden bluten heftiger als je, die Waffen kreuzen sich wieder in heißer Kampfbegier – das Experiment des deutschen Schein-Konstitutionalismus ist mißlungen. Ist’s nicht so? Oder war die Erschütterung des Jahres 48 etwas Anderes, als eine Explosion in der Retorte des faulen Konstitutionalismus, und sind, so sorgfältig der lecke Apparat auch wieder geflickt wurde, seitdem die feindlichen Elemente, welche er gefesselt hält, der gehofften Verbindung näher gerückt? Hat sich irgend etwas einer Lösung Aehnliches geklärt in den Fragen der Zeit oder brausen nicht vielmehr ihre Atome noch mit ungeschwächter Leidenschaft gegen und durcheinander? Auf keiner Seite fehlt die Erkenntniß, daß es so sei, daher einerseits die Gewaltthaten, Umstürze, Oktroyirungen, Staatsstreiche und sonstigen Regierungsmittel, um das unbequeme Instrument entweder ganz bei Seite zu werfen oder ungefährlich zu machen, oder wenigstens bequemer zu handhaben; andrerseits die ohnmächtige Auflehnung, Klage um das Verlorne, Geringschätzung, Gleichgültigkeit gegen das Verstümmelte. Und die faule Frucht des mißlungenen, weil mißleiteten Experiments? Vollständige Depravation des deutschen Volksgewissens nach innen, Feigheit und stumpfsinnige Resignation nach außen, Ehrgeiz im Servilismus oder blöder Verzicht auf alles staatliche Selbstbewußtein. Wie wär’s sonst denkbar, daß in einer Zeit, wie der unserigen, auf der Schwelle welterschütternder Ereignisse, in Mitten drohender Gefahren für nationale Selbstständigkeit, Nichts als banales Maulheldenthum das Feld behauptet, Nichts als Zänkereien zwischen Süd und Nord die Luft erfüllen, Jeder nur feige für sich und das Seinige zittert, das Ach und Weh des bedrängten, mißhandelten Bruders Nichts als Mitleid erntet, die Faust sich höchstens in der Tasche ballt und es in Deutschland schon aussieht, wie nach einer verlorenen Schlacht? Aber wer kann es bessern, fragen wir? Die Monarchie? die Demokratie? Keine ohne die andere. Kann aber die eine mit der andern sein, können Beide unter einem Dache wohnen, kann es in Deutschland wirklich einen Konstitutionalismus geben, unter dem des Volkes Glück gedeihe? Es kann, wenn Monarchie und Demokratie davon abstehen, einen Vernichtungskampf gegen einander zu führen, der nur mit dem Untergang des Volks enden, es nur dem Raub eines Dritten preisgeben muß; es kann, wenn in der Monarchie die Ehre, in der Demokratie die Tugend an das Steuer ihrer Triebe treten, wenn die Erkenntniß die Berechtigung der Einen wie der Andern zugesteht, wenn die Gerechtigkeitsliebe verhütet, daß [5] die Eine wieder nehme, was sie gegeben, die Andere mißbrauche, was sie erworben hat, wenn die Weisheit die Rechte der Einen wie der Andern gleichmäßig beschränkt, ihre Macht gleichmäßig vertheilt, – dann wird die Bahn offen für den Prinzipienkampf, nicht mehr wird die Wucht der Gewalt auf der Ohnmacht lasten, nicht mehr des Erlegenen Zähneknirschen den Uebermuth des Siegers herausfordern; dann wird der Kampfplatz der Gedanken frei, dann erproben die Ideen den Muth!
Und damit es solches vollbringe, so baue auch unser Volk seinem Parlamente ein Dach, so groß, so hoch, so fest und so wohl geschützt, wie das an den Ufern der Aar.
Bern’s neuer Bundespalast ist ein einfacher, aber desto soliderer, nicht weitläufiger, aber desto zweckmäßigerer Bau von Stein, in einer der schönsten Lagen der Stadt und der Schweiz überhaupt, und wurde erst im vorigen Jahr von den gesetzgebenden Versammlungen und obersten Behörden der Konföderation bezogen. Die Geschichte, die seine Mauern gesehen haben, ist also eine noch zu junge, um Erwähnung zu verdienen; die Geschichte aber, der er seine Entstehung verdankt, ist die Geschichte der Schweiz; so klein auch ihr Schauplatz, so groß ihre Bedeutung für Europa; mehr noch, sie ist eines der wichtigsten und lehrreichsten Stücke aus dem Kultur- und staatlichen Leben der Menschheit.
Nichts ist von der Natur mit schärferen Zügen vorgezeichnet, als die Bestimmung der Menschheit, und doch ist keine Schrift weniger verstanden, gegen keine mehr gesündigt worden. Die Zeit, in welcher der Geist des Menschen zur Erkenntniß der Natur gelangte, war eine so späte, daß er Jahrtausende lang die Regeln seines Lebens nicht da zu suchen gelernt hatte, wo sie ihm täglich entgegentraten, sondern aus unnahbaren Fernen herbeizuholen sich bemühte, die sich seiner Anschauung und Prüfung entzogen. So entstanden die der Natur entfremdeten Gesetze, durch welche die Menschheit in die Nacht der Blindheit des Glaubens und Gehorchens eingeschlossen wurde, und es sollte unermeßliche Summen Unglücks und Ströme Blutes kosten, ehe die künstliche Wand durchbrochen und dem Lichte des Himmels die Bahn geöffnet werden konnte.
Der an sich so einfache Gang der Natur mußte auf dem dornenvollen Umweg der Geschichte vollbracht werden; die bittersten Erfahrungen allein waren im Stande, die Blicke der Forscher in die Nähe, auf die eigene Flur, in die Straßen und Gassen, in die Häuser und in die Herzen des Volks zu lenken, um da den ewigen Zusammenhang zu ergründen, in welchen alles Geschaffene durch unwandelbare Gesetze vom Anbeginn gebracht ist; Jahrhunderte sollten vergehen, ehe erkannt wurde, daß nur aus dem Zerreißen dieser Gesetzesbande die Quelle alles Unglücks der Staaten und Familien entsprang.
Und auch die Geschichte war eine langsame Lehrerin mit verfälschten oder unverstandenen Büchern. Ihre Lehren glichen den Blumen, die auch Gift enthalten, und es gehörte der feine Sinn der Biene dazu, um aus [6] ihnen den erquickenden Honig zu sondern. Sie lehrte in Beispielen, die sich in den Dienst jedes Zweckes fügten, bis es nach unsäglichen Mühen gelungen war, aus ihnen die Grundwahrheiten emporzuheben, auf welchen glückliche Völker die Baue der Freiheit errichten konnten.
Das schärfste Gift aus jenen Blumen zog die Herrschsucht und bereitete daraus das wirksamste Mittel ihrer Macht: sie erfand den Krieg und mit ihm die Feindschaft der Nationen. Diese Feindschaft galt fortan als ein unumstößliches Naturgesetz. Vergeblich rangen erleuchtete Geister nach der Herrschaft besserer Einsicht; vergeblich zeigten sie auf die Natur hin, wie selbst bei Thiergeschlechtern die angeborene Feindschaft durch Erziehung zu mildern und zu überwinden sei; vergeblich wiesen sie nach, wie es nur der Ausbildung der edlen Gaben des Menschen bedürfe, um die bestialische Lust am Rohen, am Morden und Zerstören zu ersticken; vergeblich stellten sie das erhabenste Bild der Einigkeit im Streben nach dem wahren Glück der Menschheit dar; vergeblich zeigten sie, wie der Stern der Wahrheit und Freiheit allen Nationen in demselben Lichte glänze; vergeblich riefen sie endlich die Religion um Hülfe in ihrem hoffnungslosen Kampfe an: die Herrschsucht ward auch des Glaubens Herr und verwandelte ihn in die gefährlichste und häßlichste aller Waffen und Ketten der Knechtschaft. Wer schreibt das Buch der wahren Märtyrer? Stellt nur ihre Denksäulen auf an den Pfaden durch die Länder, und die Gegenwart wird schaudern über den entsetzlichen Reichthum!
Die Feindschaft der Nationen wird bestehen, so lange es Tyrannen auf Erden gibt. Und Tyrannen werden bestehen, so lange jene Blindheit in den Massen erhalten wird, die ihnen das Gängelband zum Bedürfniß macht.
Die Einigkeit der Nationen wird nur möglich durch Bildung und Freiheit, deren Mutter die Wahrheit ist. Nur wo die Wahrheit unverhüllt und ungefesselt einhergehen darf, da führt sie ihre Kinder in das Leben ein, und die Feindschaft der Nationen wird verschwinden überall, wo nicht die Hand falscher Priester religiösen Haß in den Mantel der Nationalität hüllt.
Die Geschichte solcher Siege der Bildung würde ein herrliches, aber ein sehr kleines Büchlein füllen. Sie hätte die höchsten gleichzeitigen Blüthen einzelner Völker zu sammeln. Wir wollen uns begnügen, mit unserm Bilde in der Hand wenigstens auf ein Fleckchen Erde hinzuweisen, auf welchem vor unsern Augen der Beweis geliefert ist, daß Nationen, die, Dank der gekrönten Gewalt, die feindseligsten in Europa’s Mitte gewesen sind und ihr Blut in unzähligen Schlachten vergossen haben, unter dem Hute der Freiheit einträchtig neben und mit einander leben können:
„Als Demuth weint’ und Hochmuth lacht’,
Da ward der Schweizer-Bund gemacht“–
und dieser ist es, dessen wunderbaren Aufbau und große Bestimmung gerade in unseren Tagen jeder Freund des Lichts so werth halten muß.
[7] Ein braver Mann, dem einst das Schreiben untersagt war, weil er für das Volk schrieb, erzählt in seiner „Geschichte für alle Völker“: „In dem Mittelpunkt der hohen Alpen, wo die Grenzmarken der Germanischen und Gallischen Länder gegen Italien sind, wo die Quellen der mächtigsten Flüsse Europa’s springen und in unzugänglichen Felsenthälern grüne Triften mit Todesgefilden zusammenstoßen: da erwählte sich die vor den Gewaltigen des Erdtheils flüchtende Freiheit eine verborgene Zufluchtsstätte. Der wichtigste Punkt von Europa, die unbezwingliche Naturfeste, von welcher aus, wenn ein Herrscher Italiens, Deutschlands oder Frankreichs sie als eigen besessen hätte, leicht alle Völker umher wären erschreckt und gefesselt worden, die Kernmasse des Alpengebirgs sollte frei, selbstständig und die schirmende Scheidungslinie sein zwischen den Hauptnationen und großen Mächten der Erde.“
In diesen wenigen Worten ist die hohe Weltbedeutung des freien Schweizerbundes ausgesprochen. Denn eine Weltbedeutung hat die Schweizer-Eidgenossenschaft in zweierlei Hinsicht: erstens wegen ihrer centralen Lage zwischen und ihrer Zusammensetzung aus jenen drei Nationen, von denen jede in der Weltgeschichte einzelne Blätter voll eines Glanzes besitzt, der über die Erde strahlte. Italiens Kunst und Papstthum, Deutschlands Kaisermacht und Wissenschaft, Frankreichs Tapferkeit und Geschmacksgewalt übten einst oder üben noch ihre Herrschaft über alle Völker europäischer Kultur aus; denn jede der drei Nationen stand schon einmal in der Blüthenpracht ihres eigenen Wesens. Betrachten wir, zweitens, ihre innere Entwickelung, das im schweren Kampf der Vergangenheit für die Gegenwart Errungene und das staatliche Bild dieser Gegenwart im freien Alpenlande, so tröstet uns für unser und vieler anderer Nationen Mißgeschick der Gedanke, daß die Geschichte Lehrvölker aufgestellt hat, von deren Beispiele die anderen lernen sollen. Solche Lehrvölker der Geschichte sind die alten Griechen und die Schweizer: sie gingen den Weg zur Freiheit für alle Völker voran, die ihnen zu folgen den Geist und den Muth haben, und darum öffneten sie in der That der Freiheit eine Gasse!
Diese hohe Bestimmung der Schweiz ist allerdings von dem Schweizervolke selbst am spätesten erkannt worden. Auch dort ging das in seiner Einfachheit erst so großartige freie Volksleben unter den gebrochenen Herrenschlössern in eine Verkünstelung kleinlicher Herrenschaft über, oder es wucherte vielmehr das alte Unkraut der aristokratischen und reichsfreien Vielherrschaft unter dem deutschen Kaiserthume in der Mißgestalt republikanischer Oligarchie in jedem der kleinen Staaten und Gemeinden des Bundes empor. Seiner Abhängigkeit vom deutschen Reiche, der Lehensverfassung und dem Faustrechte hatte nämlich die Schweiz jene „bunte Zerstückelung in vielgestaltige geistliche und weltliche Herrschaften, Stadtgemeinden, mittelbare und unmittelbare Hoheitsbezirke“ u. dergl. zu verdanken, ferner jene mannichfaltige Mischung von Reichs- und Provinzverhältnissen, nach Gebieten, Rechten, Ansprüchen und Freiheiten der Gemeinden, Familien, Landschaften, Aebte, Bischöfe und königlichen Statthalter, durch welche Helvetien vielgetheilter und vielherrischer, als jedes andere Reichsland, geworden war. [8] Mitten in diesem Durcheinander von Herrschaften vermochten sich aber gerade die reichsfreien Städte, Flecken und Dörfer am sichersten, wenn auch unter unaufhörlichen Kämpfen, zu entwickeln, um endlich kampfgestärkt den Feuern zu folgen, welche die Waldstädte Schwyz, Uri und Unterwalden, als die rechte Zeit gekommen war, der Freiheit auf ihren Bergen leuchten ließen.
Ueber ein halbes Jahrtausend ist seitdem verflossen, aus allen Stürmen des Erdtheils hat die Schweiz ihre Unabhängigkeit gerettet, aber des Volkes innere Freiheit lag mehr als einmal tiefer, als in allen Nachbarländern, darnieder.
Der Verfall des freien Volkslebens in der Schweiz ging mit dem Schicksale des Staatslebens in ihren großen Nachbarländern Hand in Hand, weil die kleinen Tyrannen der Kantone nur in den großen jenseits der Schweizergrenze ihre Stützen fanden. Die vorherrschenden nachbarlichen Geschenke waren: aus Italien das Pfaffenthum, aus Deutschland das Judenthum und aus Frankreich Beides oder die Revolutionen. Diese fremden Einflüsse fraßen am gierigsten an den Wurzeln des verhaßten Freiheitsbaums, und sie waren es auch, welche den Parteikämpfen in der Schweiz ihre ätzende Schärfe und Bitterkeit verliehen. Es rief hier wirklich nur gar zu oft der Verrath fremde Hülfe an, um der rücksichtslosesten Selbstsucht den Sieg über Volksrechte und Nationalehre zu sichern. Und um so schwerer war der Kampf, je weniger diese beiden Güter bei den Nachbarn galten. Die Schweiz konnte nicht allein frei sein zwischen unfreien Staaten; aber das Streben der Nachbarn nach Freiheit genügte schon, um die Schweiz in der That frei zu machen. Erst nachdem die fremden Stützen der kleinen Gewalthaber gebrochen waren, ward die Gasse wieder frei. Und so liegt die Schweiz jetzt vor uns als ein beneidenswerthes Stückchen Erde, wo der wahre Mann seinen Hut allezeit auf dem Kopfe tragen kann, während wir ringsumher Geßlers Hut noch auf hundert Stangen aufgesteckt und von Tausenden barhaupt verehrt sehen.
Darum können wir das Bild vor uns nur mit inniger Theilnahme betrachten, wir können nur wünschen, daß die Männer, welche in diesem Palaste über des Schweizervolkes Gesetze wachen, immerdar mit dem Glück scharfer Augen und fester Herzen gesegnet seien, daß jeder Blick aus den Fenstern dieser Volksburg sie mahne an die Größe ihrer Pflicht für Gegenwart und Zukunft, eingedenk des Wortes unseres Rotteck: „Die Schweizer Freiheit ist weder streng eigenes Besitzthum der Eidgenossenschaft, noch die Wirkung eines persönlichen Verdienstes, sondern sie ist mehr: sie ist ein Geschenk der Natur, eine Wohlthat des Schicksals und ein gemein-europäisches Gut.“