Die Salzbergwerke von Wielitzka

DXIII. Ein Karavanserai in Skutari Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band (1844) von Joseph Meyer
DXIV. u. DXV. Die Salzbergwerke von Wielitzka
DXVI. Die neue Börse in London
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WIELITZKA
(Der Michalowiec-Saal)

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KAMMER PRZYKOS
in den Salzbergwerken von Wielietzka.

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DXIV. u. DXV. Die Salzbergwerke von Wielitzka.




Am nördlichen Abfall des karpathischen Vorgebirgs, im Hintergrunde eines freundlichen Thals, zwei Stunden von der Stadt Krakau entfernt, liegt Wielitzka, umgeben von Anlagen und hübschen Gärten. Mehre Kunststraßen und zwei im Bau begriffene Eisenbahnen, die eine von Wien, die andere von Breslau herkommend, führen dicht an der nett gebauten, mit reinlichen und regelmäßigen Straßen versehenen kleinen Stadt vorüber, unter welcher sich die Salzbergwerke befinden, die ihren Namen weltberühmt gemacht haben: denn es sind die größten, ausgedehntesten auf der ganzen Erde.

Ehe wir sie befahren, wollen wir ihre geognostischen Verhältnisse betrachten und einen Blick auf ihre Geschichte werfen.

Das ganze Steinsalzgebirge, das sich auf der Nordseite der Karpathen über 12 Meilen weit ausdehnt, gehört zur Formation des Jura. Unmittelbar unter dem obersten aufgeschwemmten Lande treten mächtige Thonschichten auf, in welchen Steinsalz von verschiedener Güte, Farbe und Reinheit in ungeheuern, meistens rundlichen Massen eingebettet liegt, und diese sind es, welche den Gegenstand des großartigen Bergbaus ausmachen, der seit länger als 700 Jahren umgeht. Schon im zehnten Jahrhundert wurde hier Salz gegraben, und unter der Regierung Boleslaus (um das Jahr 1240) bekam der Bergbau Regelmäßigkeit und Bedeutung. Seitdem galt Wielitzka als eine unversiegbare Goldquelle der polnischen Könige, und eine solche, noch größere, ist sie für Oesterreich geworden, seitdem diesem Staate in der Theilung des polnischen Reichs mit Gallizien der Schatz zufiel. Wassersnoth brachte mehrmals die weitläufigen Werke zum Erliegen und zweimal wurden sie durch Feuersbrünste gänzlich verheert. Die erste brach im Jahre 1515 durch die Bosheit eines Arbeiters aus und bei derselben verloren mehre Hundert Bergarbeiter auf jammervolle Weise das Leben; die zweite entstand 1644; Menschen und Pferde kamen um, der Brand dauerte ein ganzes Jahr, die unterirdischen Räume stürzten meist ein, und ein Theil der Stadt selbst versank in den Abgrund. Seitdem ist durch treffliche Löschanstalten und strenge Grubenpolizei die Wiederkehr solcher Unfälle verhindert worden.

Von der außerordentlichen Größe dieser unterirdischen Bauwerke kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man erfährt, daß alle Strecken, Gänge und ausgehauenen Räume eine Gesammtlänge von 120 Stunden haben [146] und Derjenige, welcher sie alle befahren wollte, mindestens 14 Tage dazu verbrauchen würde. 14 Schächte dienen zur Förderung der gewaltigen Steinsalzmassen, welche in der Tiefe gewonnen werden. Sie reichen größtentheils bis zur Sohle des Salzgebirgs nieder; einige tiefer als 100 Lachter. Von den Schächten aus laufen in gewissen Abständen horizontale Hauptgänge (Strecken) fort, die mit einander in Verbindung stehen. Es theilt sich dadurch der ganze Bau in vier Stockwerke ein und jedem sind die in seiner Ebene liegenden Steinsalzmassen zuständig, welche, durch Suchörter aufgefunden, so weit sie bauwürdig erscheinen, d. h. so weit sie aus reinem Salz bestehen, ausgehauen und abgebaut werden. Durch den Abbau selbst entstehen hohle Räume (hier Kammern genannt) von zuweilen sehr großer Ausdehnung, hoch und weit wie die Kirchen. Viele sind zur gelegentlichen Aufnahme des kaiserlichen Hofs, der dieses bewundernswürdige Bergwerk manchmal besucht, in regelmäßige Säle umgewandelt worden, verziert mit Säulen und Statuen und sonstigem architektonischen Schmuck aus Steinsalz, und selbst die Zugänge zu denselben sind oft reich dekorirt. Manche stellen Triumphpforten, manche die Thore von Festungen vor, und schlanke Obelisken ragen da und dort mit ihren Spitzen zu den Decken auf, welche, überzogen mit großen Salzkrystallen, beim Lampen- oder Fackelschein wie Edelgesteine in allen Farben strahlen. – Die Salzstöcke selbst sind von verschiedenen Qualitäten. Die obern, dem ersten Etagenbau zugehörend, bestehen aus sogenanntem Grünsalz; tiefer liegen die Stöcke des Spizasalzes, noch tiefer eine großblätterige, sehr geschätzte Gattung, Szibik genannt. Alles Salz ist sehr fest und darum bedürfen die ausgehauenen Weitungen keiner Verzimmerung. Die Wasser gehen größtentheils auf Stollen ab und nur aus den tiefsten Punkten werden sie durch mechanische Kraft auf die Stollensohle gehoben. Uebrigens ist der Andrang der Wasser nicht groß; vielmehr ist Trockenheit hier, wie auf vielen andern Salzwerken, bemerklich. Die Grubenbaue reichen bis zu 280 Fuß Tiefe unter dem Meere. Alle Berge rund um Wielitzka bestehen aus jüngern Sandflötzen, dem sogenannten Karpathensandstein. Dieser gehört zur Gruppe des karpathischen Jura. In den Thonlagern, oft mit dem Salz selbst untermengt, kommen Braunkohlen, und letztere an manchen Stellen wohl zwei Fuß mächtig, vor. Sie werden indeß bei der Menge und Wohlfeilheit des Holzes um Wielitzka nicht benutzt.

Die Besichtigung der Werke ist Jedermann gestattet. Es bedarf dazu blos der Anmeldung bei dem Inspektor, und gewöhnlich wird einer der Offizianten selbst beauftragt, die Fremden zu begleiten, um ihren Zweck zu erleichtern. – Im Ankleidezimmer eines der Schachthäuser wird die ganze Gesellschaft mit reinlichen, weißen Bergkitteln versehen, und den Fremden ist die Wahl freigestellt, ob sie auf Treppen, die von den Schächten niederführen, hinabsteigen, oder, schneller und nicht weniger sicher, mittelst des Taues eingelassen seyn wollen. Die Treppe hat viele Absätze und Ruhepunkte und ist selbst für Damen bequem. Dennoch wählt die Mehrzahl die hurtigere Seilfahrt.

[147] In diesem Fall werden die Grubengäste unter die Kaue eines Hauptschachts geführt, an dessen Mündung sich der Göpel mit dem Fahrapparat befindet. Das über eine sehr dicke Welle laufende Tau trägt, über der Mitte des Fahrschachts hängend, eine dreifache Reihe von Gurtsitzen. Auf der ersten nimmt eine Schaar schwarzbekittelter Grubenjungen Platz, mit Lampen in den Händen; ihnen folgen, auf der zweiten Sitzreihe, ein Steiger und zwei Bergknappen, und die dritte nehmen die Gäste ein. Ist dies geordnet, so stimmen, auf einen Wink des Steigers, die Grubenjungen ein Bergmannslied an, die Welle geräth in Bewegung, bebend schwankt die Menschenlast über den finstern Abgrund: es rasselt das Tau – ein Augenblick noch! und hinab fährt’s mit reißender Schnelligkeit. Nach zwei angstvollen Minuten fühlt man wieder festen Boden unter seinen Füßen, man steht dreihundert Fuß tief im finstern Schooß der Erde.

Anfänglich sind die Sinne befangen und betäubt, und es gehört für den Neuling solcher Szenen einige Zeit dazu, um sich zu fassen und Herr der Eindrücke zu werden, welche das wundervolle Schauspiel um ihn her veranlaßt. Der Berggesang ist verstummt; ein helles „Glückauf!“ erschallt, es hallt in den Strecken und Räumen vielfach wieder, und die Führer fordern zur unterirdischen Wanderung auf. Jeder Gast bekommt ein Grubenlicht in die Hand und die Reise beginnt. Man befindet sich in der ersten Etage des unterirdischen Baus. Bald auf breiten, bald auf schmalen Gängen, bald Treppen auf, bald Treppen ab geht’s fort aus einem Saale, aus einer Grotte in die andere. Salzstalaktiten hängen an Decken und Wänden und in den tausend und aber tausend Krystallspiegeln bricht sich das Grubenlicht funkelnd in allen Farben. Es ist ein feenartiger Anblick, der die Sinne bezaubert. Der Glanzpunkt dieser ersten Etage ist die Antonius-Kapelle. Sie ist ganz aus dem reinen, weißen Steinsalz gehauen. Schmuck und Ausstattung derselben bestehen aus rosenrothem Salzfels; so die Säulen, der Altar, die Kanzel, die Statuen der Heiligen, die Chorstühle, Skulpturen und Dekorationen. Man kann sich nichts Imposanteres denken, als wenn 100 Wachskerzen dieses Gotteshaus erleuchten und die in reinlicher, kleidsamer Tracht versammelten Bergknappen dem großen Bergherrn ihren Lobgesang darbringen, oder die schwarzen Männergestalten, im weiten Halbkreise um den administrirenden Priester knieend, in tiefer Andacht ein stilles Gebet verrichten.

Aus der Antonius-Kapelle führt ein langer, hoher Gang am Füllort des Antoniusschachts vorüber, wo das rege Treiben des Grubenlebens zu der ernsten Szenerie am Orte der Andacht einen schneidenden Kontrast bildet. Peitschenknall und Pferdegewieher schallen, auf eisernen Wegen knarren die schwerbeladenen Förderwagen vorbei, und ganze Reihen von Berghunden, hoch mit Salz befrachtet, rasseln daher, an jedem ein Lämpchen hängend und hinter jedem ein Junge, der ihn keuchend vor sich hinstößt. Ihnen entgegen kommen die leeren Züge mit ihren jauchzenden Begleitern, und das Zurufen der Anschläger und der Premser in den Strecken und [148] am Füllort vermehrt den chaotischen Lärm. Doch herrscht bei allem scheinbaren Gewühl der Geist der Ordnung vor; Jeder wirkt für den Zweck, wie in einer gut construirten Maschine das einzelne Rad.

Durch ein gemauertes, bei Feierlichkeiten prächtig erleuchtetes Portal gelangt man zu einem Gang, der auf 120 in Salz gehauenen Stufen zu der Kammer Michalowic hinführt.

Ihr Anblick setzt in Erstaunen. Das an den Schein der Grubenlampe nicht gewöhnte Auge bemüht sich vergeblich, den Raum zu fassen; nur rathend schweift es in den dunklen Fernen. Im tiefen Hintergrunde hängt ein ungeheuerer Kronleuchter, auf dem 400 Kerzen Platz finden. Er ist ganz aus weißem Krystallsalz gefertigt. Bei Anwesenheit hoher Gäste wird er angezündet, und auf in der Höhe angebrachten Balkonen sind dann Musikchöre und die Liedertafel der Bergknappen plaçirt. Wunderbar ist die Wirkung der Töne in dieser Halle, denn indem sie an den harten Salzwänden abprallen, wie von einem natürlichen Resonanzboden, so verschmelzen sie so in einander, daß der Zuhörer kaum errathen kann, von welcher Seite sie eigentlich herkommen. –

Durch eine Stiege leitet der Führer in die tiefste Sohle des ungeheuern Raums, und von da wieder Treppen hinan und über Terrassen hin, unter dem großen Lüstre weg, zu einer mit Geländer versehenen Empore. Neuer, überraschender Anblick! Schwalbennestern ähnlich kleben Bühnen an den senkrechten, oder überhängenden Felswänden in schwindelnder Höhe, durch gebrechliche Leitern mit einander verbunden. Von jeder Bühne blinken Grubenlichter, wie Sternchen, und es dröhnen die Schläge zum Spalten des Gesteins, das prasselnd auf den Boden herabfällt. Ueberall ist’s lebendig. Von Sprosse zu Sprosse sieht man auf den schwindlichen Fahrten die behenden Bergleute hinauf und hinab klimmen, in einer Hand die Lampe, mit der andern die Leiter fassend. Dunkle, niedrige Gänge öffnen sich da und dort an den Wänden, Gestalten erscheinen und verschwinden in denselben, man denkt unwillkührlich an Berggeister und Rübezahl.

Die ganze Pracht dieses Saals offenbart sich dann, wenn, wie bei feierlichen Anlässen geschieht, bengalisches Feuer denselben erleuchtet. Sein Eindruck wird nie aus der Erinnerung schwinden.

Eine enge Treppe hinab leitet nun der Führer in den 330 Lachter langen Querschlag Lichtenfels, welcher mit einer Reihe geräumiger Kammern, in denen eine Menge Bergleute beschäftigt sind, in Verbindung steht. An einer Stelle, von einer hölzernen Brücke, blickt man mit Grausen durch einen Abgrund in den dritthalbhundert Fuß tiefer liegenden Verhau Kloski, wo die Knappen nur wie handlange Gnomen erscheinen und ihre Grubenlichter wie Diamanten funkeln. – Durch Strecken und Verhaue, Stiegen auf und ab, wird die Kammer Hrdina erreicht, wo das Steinsalz so fest ist, daß es nur durch Sprengen mit Pulver gewonnen werden kann. Aus weiter Ferne schon hört man das Schießen wie dumpfen Kanonendonner, und in der Nähe wird es so schreckhaft, daß Jeder eilt, fortzukommen. Weit lieber weilt man da, wo die Häuer die verschrämten Salzwände [149] mit Keilen und großen Hämmern ablösen und ein letzter Schlag hinreicht, um Massen von vielen Tonnen herabzustürzen. – Auf der weitern Fahrt wird dem Gaste eine große Ueberraschung durch den Anblick eines unterirdischen Salzsees, an dessen acherontischem Ufer eine Gondel zur Ueberfahrt einladet. Man steigt ein, vier rüstige Bergknappen ergreifen die Ruder, die Ufer verschwinden, und aus dem ruhigen Wasserspiegel glitzern die Grubenlichter herauf, wie die Kerzen aus einem Feenschloß. Der See ist an 6 Klafter tief, und am andern Ende desselben drückt sich das hohe und weite Gewölbe zu einer so niedrigen und schmalen Kluft zusammen, daß sie kaum groß genug ist, den Nachen zu fassen. Die Vorstellung einer Höllenfahrt erscheint hier als Wirklichkeit; bebend und ganz verdutzt beugt sich der Tourist auf den Boden des Nachens nieder und läßt sich willenlos durch den Schlund rudern, bis ihn der Führer erinnert, daß die Wasserfahrt zu Ende sey. Er sieht sich nun in einer Grotte, von deren Wänden die frisch angeschossenen Salzkrystalle wie Rubinen und Smaragden strahlen. In einer Nische steht eine Statue. Ueber ihrem Haupte hängt eine Lampe und das von den Spiegelflächen der Salzkrystalle zurückgeworfene Licht umgibt die Bildsäule mit einem Heiligenscheine, der die Gläubigen zur Ehrfurcht hinreißt. Oft sieht man hier Bergleute im Gebet knieen. –

Den Beschluß der Grubenfahrt macht gewöhnlich der große Saal Letow, der, aus reinem Salz ausgehauen, durch sechs Lüstres aus Krystallsalz erleuchtet wird. Ueber einem prächtigen Portal ist eine Gallerie, auf welcher 200 Musikanten Platz finden. Dieser Raum dient bei der Anwesenheit des Kaisers zum Banket- und Ballsaale; er faßt über 1500 Menschen. Ein solches Fest, tief im Bauche der Erde, wo bei der glänzendsten Beleuchtung sich die Pracht und der Schmuck eines kaiserlichen Hofs entfaltet, ist keine Feder zu beschreiben im Stande. Die Ausfahrt aus diesem Saale folgt entweder mittelst des Seils durch den Tageschacht Danielowic, oder durch die bequeme Wechselstiege im Schachte Francisci.

Es ist sehr zu bedauern, daß gegenwärtig die Krone aller Wunder Wielitzka’s, die berühmte Kammer Przykosz mit ihrem großen Salzsee, ohne Gefahr nicht mehr fahrbar ist, indem sie, 1834, theilweise mit Bergen verstürzt werden mußte. Da sie aber wohl später wieder aufgeräumt werden wird, so findet die Beschreibung eines Besuchs derselben hier eine passende Stelle. – „Es ist ein unermeßlicher Saal, dessen Wölbung in einer, dem Auge unsichtbaren Höhe verschwindet. Ein See von gesättigter Soole, schwarz von Farbe, nimmt den ganzen untersten Rand ein; überhängende Salzfelswände, die mehre hundert Fuß hoch scheinen, umschließen sein Ufer. Nichts ist weiter vorhanden, als eine Art Damm mit einer Brustlehne. Der Kahn wird bestiegen, er stößt ab, gleitet ohne Schwanken auf der spiegelglatten Oberfläche hin und verliert sich in einer tiefen, düsteren Schlucht, wo er landet. Da hebt erst ganz leise, dann aufsteigend zu immer kräftigern Tönen, eine schwermüthige Musik an; es sind Töne, die aus einer andern Welt zu kommen scheinen, denn das [150] Auge müht sich vergeblich ab, ihre Urheber zu entdecken. Kaum hat das Adagio geendigt, so öffnet sich ein Höllenrachen in der Tiefe, Flammen züngeln heraus, er sprudelt Feuergarben gegen die glitzernden Wände. Das bengalische Feuer wandelt die Finsterniß in die Helle des Tags, auf den Bühnen rufen, in festlicher Tracht aufgestellt, Knappen ihr dreimaliges Glückauf! und dann beginnen sie mit kräftigen Männerstimmen ihren Berggesang. Er schweigt – die Feuer erlöschen: – da steigen noch einmal tausend Raketen vom See auf, beleuchten die Wölbung und enthüllen auf Augenblicke die unermeßliche Höhe. Auch sie erlöschen und alles sinkt in Finsterniß zurück.“

Solche Schauspiele bietet Wielitzka dann dar, wenn ein Knappenfest gefeiert wird, oder hohe Gäste anwesend sind. Uebrigens ist es nichts weniger als angenehm, die Fahrt bei einem großen Andrang von Besuchern zu machen, denn die Gefahren sind alsdann keine eingebildeten mehr. Die Menge drückt sich in den engen Passagen und Strecken, man wird fortgeschoben und eingezwängt, so daß man ersticken möchte, und selten geht ein solcher Tag ohne Unheil vorüber.

Wielitzka liefert jährlich etwa 2 Millionen Zentner Salz, mit dessen Gewinnung 1300 Bergleute beschäftigt werden. Die Produktionsfähigkeit des Werks ist aber viel größer; ja es würde die ganze österreichische Monarchie mit Vortheil versehen können, sobald die Eisenbahnen eine billige Verfrachtung in weite Entfernung gestatteten. Seit 300 Jahren sind an 500 Millionen Zentner Salz, im Verkaufswerthe von mehr als 1000 Millionen Gulden, hier erbeutet worden, und doch ist, wenn man die Mächtigkeit und die Ausdehnung der Lagerstätten erwägt, dieß ungeheuere Quantum erst ein Tropfen aus dem vollen Eimer. Mutter Natur ist überall dieselbe. In ihren besten Gaben ist sie am überschwänglichsten, ihre Mannakörner streut sie nirgends karg und einzeln aus: mit vollen Händen hat sie solche in den Schooß der Erde gelegt. Aber ist es Recht, wenn Diejenigen, welche sich das Eigenthum derselben angemaßt, mit Zehntner- und Zöllnerhänden die Manna sammeln und um den Ueberfluß den Stachelgürtel schlagen, damit sich Niemand dessen freuen könne? Wie viele Frohn- und Steuertage stehen neben jedem Aerndtetage und wie selten trinkt der den Wein, der den Weinberg mit seinem Schweiße düngt und mühsam die Trauben keltert! Die Erde ist so schön und so reich und wohl überall ein Paradies zu nennen, wären nicht immer so viele Hände thätig, sie schwarz auszuschlagen und das lichte Herrgottshaus zu einem Trauersaal zu machen.

Doch die Völker sind wie die Kinder. Wenn es auch möglich wäre, die ganze Erde in einen Gottesacker zu verwandeln, sie würden sich doch ihr Gärtchen hinein bauen, und betröge man sie um die Seligkeit in der Gegenwart, sie bauten sich ihren Himmel in die Zukunft. Kinder haben keine Nemesis zu fürchten, denn sie sind unschuldig; wehe aber Denen, die ihnen Uebles thun; denn schon die Schrift sagt: „Wer einem Kinde Leid anthut, der ist vor Gott dreifach schuldig.“