Widdin

DCCLXXVII. Des Teufels Backofen am Mississippi Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band (1856) von Joseph Meyer
DCCLXXVIII. Widdin
DCCLXXIX. Marathon
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WIDDIN

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DCCLXXVIII. Widdin.




Der erste Akt des westöstlichen Trauerspiels ist zu Ende, der Vorhang ist gefallen und die Spieler ruhen von ihren Anstrengungen aus. Nicht auf dauerhafte Eselshaut, sondern auf dünnes „Papier Napoleon“ geschrieben, wandert der Friedenspakt, mit den schweren Kapseln der Staatssiegel behangen, in die Archive, um die tausend Urkunden des „ewigen Friedens“ um eine zu vermehren, das Publikum horcht pflichtschuldigst auf die erbaulichen Reden von der Frömmigkeit, Humanität und Uneigennützigkeit der paktirenden hohen Herrschaften und die ganze Brut jener Sophisten, welche, der Zeit ächte Kinder, ihr feiles Talent jeglicher Gewalt verschreiben, ist an das Tageslicht gekrochen, um den Ruhm ihrer Gebieter in Epopöen zu verherrlichen. Von der Vorstellung ihrer Größe erfüllt, haben sich die Herren auf den Kothurn gestellt, und allerlei Livree- und Lumpenvolk ist auch bereit, sie zu [84] begaffen, zu bewundern und zu beklatschen. Die Marionetten der Könige, welche bisher Würgens spielten, sie liegen einander als Zechbrüder in den Armen und erdrücken sich, gehorsam der erhaltenen Parole, in den Gefühlen gegenseitiger Liebe, Freundschaft und Bewunderung; – die Tartüffs und Schalksnarren der Politik aber, die Diplomaten, sitzen wieder oben auf, und die kastrirte öffentliche Meinung, der glatten Lüge gewöhnt, und der rauhen Wahrheit abhold, läßt sich das Blendwerk gefallen. Ist nicht schlechtes Druckpapier überall willig, der dummdreisten Flunkerei im Kleid der schönen Phrase seine Spalten zu öffnen und baaren Lohn dafür zu empfangen? Hat die privilegirte Lüge noch vom Todtengericht der Lebenden etwas zu fürchten? Die Bureaux des esprit public sind an die Stelle der kritischen Vehme getreten und in dem Maße, als das öffentliche Urtheil gefesselt und vergiftet wird, erhalten die Herren des Preßbengels Sicherheit und Freiheit, das Schwarze weiß zu nennen und das abgestorbene dürre Braun des Herbstes als frisches Lebensgrün anzupreisen.

Die Geheimlehre der Monarchie ist kein Geheimniß mehr. Ihre Offenbarung ist Gemeingut der Welt geworden. Die feiste, bleiche Asphodilblume im Schattenlande ist entfaltet, die Verheißungen der Propheten und die dunkeln Sagen eines neuen tausendjährigen Reichs, welches im Moder der Gräber fußt und die alte Zeit wieder jung machen will, sollen in Erfüllung gehen. Die modernen Cagliostro’s, welche mit ihren Galvanisirungsexperimenten dem Publikum Kurzweil machten, wollen nun alles Ernstes die Erneuerer der Zeiten seyn, und statt aus dem frischen, Hellen, fröhlichen Leben zur Himmelspforte höherer Erkenntniß hinanzusteigen, soll der Mensch hinabgeführt werden in’s Unterreich, er soll, statt im geistigen Licht, in der Finsterniß wandeln, er soll die Heiterkeit und Unbefangenheit des Lebens hingeben zur Sühne einer Schuld, von welcher der Weltheiland nichts gewußt. – Die da sich weiß machen, daß sie die Zeit beherrschen, die da wähnen, daß sie die ruinenbedeckten Todtenhügel der alten Welt nur mit einem eisernen Meer des blinden Glaubens zu umgießen brauchen, um ihrer Macht und Herrlichkeit für eine lange Zukunft ganz sicher zu seyn, die in ihrem Uebermuth so gern ein Jahrtausend aus der Geschichte rissen, um es, im Ketzerhemde, den Flammen hinzugeben, sie, die ihre eingebildete Untrüglichkeit und Heiligkeit an den Platz der gesunden Vernunft gestellt haben – sie, die Odinszauberer, welche der Menschheit die längst abgestreiften Naturhüllen wieder anziehen möchten, und sich unterfangen, den Strom der Geschichte über Stürze und Wasserfälle zurück zu seinem Ursprünge fließen zu machen, sie werden’s doch nicht durchsetzen. Der alte Meister des Höllenzwangs ist stärker als sie. Ob ihn Gott selbst in der edlen Kunst unterwiesen, oder ob Satanas, wie die Gegner sagen, sein Lehrmeister gewesen ist, darauf kommt’s nicht an; genug, der Schatz des Wissens, der als Barrengold wohlverschlossen im Tempel lag, er ist ausgemünzt, er ist in Umlauf, die Wissenschaft hat Kapital zu Kapital geschlagen, hinabgedrungen ist ihr Licht in alle Schichten der Gesellschaft und in unendlicher Entwickelung schafft sie fort und fort. Mag man auf die freie Forschung die Hunde und den wilden Jäger hetzen; mögen Despotismus [85] und Pfaffenthum im engsten Bunde alle Pest-Miasmen über dieselbe ausgießen; möge der finstere Zelotismus seine Furien gegen sie loslassen; möge die Gewalt das Schwert gegen sie ziehen; mögen alle Söldner der Arglist und Perfidie gegen sie ausgeschickt werden, sie zu bezwingen: doch wird der Kampf für sie mit dem endlichen Siege endigen, doch wird der Zukunft die Gewißheit erobert werden, daß keine Tyrannei ferner in der Geschichte geduldet wird. Die Hoffnungen der künftigen Geschlechter knüpfen sich an diesen Sieg. Er liegt zwar noch fern im Morgenroth; Abend ist’s und Mitternacht ist noch nicht hereingebrochen; noch hat die höllische Leidenschaft nicht ausgetobt. Die Trugkünste der Gewalt sind noch nicht bankerott geworden, die Nichtswürdigkeiten der Hof- und Kirchen-Politik tragen noch unverholen die Häupter stolz empor, und ihr Streben, den Geist entweder dem Fleische, oder dem Aberglauben und der Unvernunft dienstbar zu machen, stellt sich unverholen zur Schau, als sey ihnen das Ziel unfehlbar. Wird doch sogar schon Das, was die äußerste Mäßigung an Reformen begehrt, als hochverräterische Anmaßung betrachtet, weiß sich doch, im Uebermuthe des Selbstgefühls, die Reaktion nicht mehr zu halten, entwickelt sie doch eine Zerstörungskraft, die furchtbarer in ihren unausbleiblichen Folgen ist, als die Revolution selber. Da hilft kein Warnen mehr. Einem finstern dämonischen Geschicke verfallen, gräbt sie sich selbst den Abgrund, der sie verschlingen wird, wenn einst geschieht, was nicht ausbleiben kann, nachdem es zum Aeußersten gekommen.

Oder kann, frage ich, je eine billige Mitte gefunden werden zwischen Denen, die nichts gestatten und Denen, die Alles fordern? deren Habsucht nach Allem gelüstet, und Denen, die jede Forderung verneinen? zwischen den Leidenschaften, die sich beständig einander herausfordern und sich verfolgen? zwischen der Gewalt und Denen, welche die Gewalt fürchten? zwischen Tücke und Bosheit, zwischen Argwohn und Arglist? zwischen Denen, die das Recht der freien Selbstbestimmung negiren und in Ketten legen und Jenen, die auf gänzliche Unbotmäßigkeit hinarbeiten? Wenn man thöricht den Ideen entgelten läßt, was die Menschen verschuldet haben; wenn man, statt mit Vorsicht alles Brandige auszuschneiden und die heilende Salbe auf die Wunde zu legen, mit unverständigem Messer in den gesunden Lebenstheilen wühlt; wenn man, anstatt die streitenden Elemente der Gesellschaft durch eine schonende und gerechte Würdigung und durch Weisheit zu versöhnen, sie zur höchsten Erbitterung gegen einander aufstachelt; wenn man die Gegensätze derselben auf die Spitze treibt, so daß sie, äußerlich wie innerlich gespalten, aus einander reißen müssen: so wird und muß der Tag kommen, wo die alte Gesellschaft vor der Zeit an ihren Wunden verblutet, ehe der Lebenskeim der neuen stark genug geworden ist, um zum kräftigen Stamme aufzuschießen. Und dann wird die Gesittung still stehen auf lange Zeit, und während durch der Anarchisten Vandalen-Hände ihre alten Formen in Trümmern gehen, wie durch die Barbaren in den letzten Tagen Roms es geschah – so werden Völker und Dynastien einem Geschicke verfallen, an das man ohne Grauen nicht denken kann.

[86] Kein Zweifel ist es, daß das Kriegs-Drama, welches in dem orientalischen Streit seinen ersten Akt eben beschlossen hat, den Austrag der gesellschaftlichen Frage für Europa viel näher herbei geführt hat, als sich Viele träumen lasten. Der Welttheil ist nach zwei Richtungen prinzipiell geschieden und durch die neue Gruppirung der Staaten, welche auf den Pariser Frieden folgt, wird dies recht deutlich werden. Dieselben Gährungsstoffe, welche zur Reformationszeit die eine der beiden christlichen Hauptkirchen in zwei Reiche, in ein mitternächtliches und ein mittägliches, ein protestantisches und katholisches, gespalten haben, dieselben Gährungsstoffe, welche im Glaubensterritorium zur Trennung führten, sie haben auch auf dem politischen und socialen Gebiete eine Krisis vorbereitet. Die Bewegung der treibenden und schwingenden Kräfte wird mit jedem Tage intensiver, die Pulse schlagen schneller, voller, gespannter. Der neue, fließende Besitz hat den alten, festen wandelbar gemacht; der persönliche Reichthum hat über den ererbten das Uebergewicht erhalten, die Aristokratie des Geldes herrscht über die Aristokratie der Geburt, der Ackerbau hat seine Natur verändert und ist mehr Gegenstand der Spekulation und der Fabrikation geworden, der alte Handel hat im neuen Weltsinn die Stütze gefunden, deren er, gegenüber der riesenhaft entwickelten Industrie, nicht mehr entbehren konnte. Selbst die Waffenehre gehört dem Adel nicht mehr allein; denn die allgemeine Wehrhaftigkeit hat dem Bauernstand und Bürgerthum ein Selbstgefühl gegeben, welches die Dressur zum willenlosen Gehorsam nie ganz unterdrücken kann, und das sich in den Krisen großer Revolutionen stets als das entscheidende Element bewähren wird. Und wie sieht es aus mit der alten Volkspoesie, die so lebendig durch die Jahrhunderte ging? Sie ist verstummt, der Sänger Mund feiert die Ehre der Dynastien und Geschlechter selten mehr; und wenn er’s einmal thut, so ist’s bezahlte Arbeit: denn die Fäden sind zerrissen, im Gedächtniß des Volks ist ihre Geschichte ausgelöscht, es begreift nicht mehr, worauf das Fürstenthum, seine Ansprüche auf Macht und Herrlichkeit gründen mag anders, als auf den faktischen Besitz der Gewalt und die Mittel, letztere zu behaupten. Das Volk von heute ist überall ein anderes als das Volk von ehedem und das Benehmen der Gewalt, den Ansprüchen und Bedürfnissen einer gänzlich veränderten neuen Zeit zagend, störend und hindernd entgegenzutreten, ist nicht dazu angethan, den schon fest gewurzelten Volkshaß gegen das Historische zu besänftigen und zu mindern. Das Gefühl des Unzureichenden in den alten, gelockerten Verhältnissen, des Widersinnigen in den Bestrebungen, diese Verhältnisse zu restauriren und zu befestigen, ist ein allgemeines, und durch die plumpe Flickarbeit der Rückschrittsparteien wird ihr gänzlicher Einsturz nur beschleunigt. Die Wiedereinführung einer doppelten Aristokratie in Kirche und Staat, die als Panacee gegen die inneren Gährungselemente, deren gewaltige Bewegung man so allgemein und so ängstlich fürchtet, da und dort versucht wird, kann unmöglich zur Befestigung und Stärkung der königlichen Macht dienen; die Geschichte hat vielmehr von ihren Wirkungen nur Zeugnisse im entgegensetzten Sinne gegeben. Die erstrebte Dreieinigkeit der Gewalten, Königthum, Adel und Kirche, ist noch allemal in Uneinigkeit ausgegangen, und sie hat zum Oeftern schon den Untergang herbeigeführt, indem sie die Revolution hervorrief. Wenn das Königthum [87] den Beistand der Kirche und des Adels für große Opfer erkauft, so wird es doch immer nur so lange auf dieselben rechnen dürfen, als beide, Adel und Kirche, des Königthums noch bedürfen, um ihre Machtstellung zu befestigen. – Wer hat die alte Herrlichkeit des deutschen Kaiserthums zertreten? Durch wen gerieth es in jenen Zustand tiefster Erniedrigung und Ohnmacht, in dem es, zum Unglück des Vaterlandes, bis zum Tage seiner Auflösung verharrte? Hat die Autorität es schon vergessen, daß es thöricht ist, in dieser Zeit, wo alle Schwerpunkte der Gesellschaft sich verrücken, sich selbst die Hebelarme zu verkürzen und zu schwächen, deren äußerste Stärke kaum hinreichen wird, das gestörte Gleichgewicht auf einige Zeit wieder herzustellen? Soll das Bibelwort: wen der Herr verderben will, den schlägt er mit Blindheit, immer vergeblich predigen? – –


Eine Donaufahrt von Wien nach Galatz war noch vor 50 Jahren ein bedeutendes und gar beschwerliches Unternehmen, welches 5 bis 6 Wochen Zeit kostete und nicht ohne Gefahr zu bestehen war; der Zauberer Dampf hat’s zu einem komfortabeln Ausfluge von ein paar Tagen gemacht. Selbst das „eiserne Thor“ an der türkischen Grenze hat seine Schrecknisse verloren, seitdem Oesterreichs Ingenieure die Felsen gesprengt haben, welche den engen Kanal gefährlich machten, den sich der Strom durch das Gebirge sägen mußte, ehe er zur bulgarischen Ebene gelangen konnte. Auch die 23 Wasserwirbel bei dem Orte Sip, so gefürchtet in früheren Zeiten und wo so viele Fahrzeuge ihren Untergang, so viele Menschen ihren Tod fanden, sind durch Sprengungen und Ausfüllungen unschädlich geworden, und der Reisende vernimmt sorglos aus dem Munde der Schiffer die Sagen von den Geisterschaaren der Verunglückten, welche um Mitternacht bei Vollmondlicht auf den glitzernden Wogen tanzen. In einem schiffbaren Kanal, den die Römer, zur Umfahrung dieses Punktes, einst gegraben hatten, weiden jetzt Heerden unter dem Schatten prächtiger Bäume. Cladova ist die erste Stadt auf türkischem Gebiete. Malerisch schmiegt sich der kleine Ort an den Strom, umgeben und kaum geschützt von verfallenen Wällen und einem alten Römerkastell auf der nächsten Höhe. Trachten, Sitten und Gebräuche des Lebens, die Bauart der Häuser und die Physiognomien der Menschen tragen den orientalischen Typus und lassen erkennen, daß man die Völkerscheide des Abend- und Morgenlandes betreten hat. Die Natur selbst nimmt Theil an dieser Verwandlung. Die Donau ist aus dem Gebirgslande in die große walachisch-bulgarische Ebene getreten, in ein weites, fruchtbares, einförmiges Land, mit unabsehlichen Getreidefeldern, – der Kornkammer zweier Welttheile. Rebengelände erheben sich da und dort auf der bulgarischen Seite, bald erblickt man den letzten Thurm vom alten Severinum und ein paar Pfeiler der Brücke, welche Kaiser Trajan über den Strom erbauen, Hadrian aber aus Furcht vor den Einfällen der Barbaren bald wieder zerstören ließ. Ein herrliches Werk war es mit seinen 20 Granitbogen, welche den Strom in einer Breite von mehr als 2000 Fuß überspannten. Hinter Cladova, eine Stunde weiter abwärts, wird das bulgarische [88] Ufer felsig; auf steiler Höhe ragt malerisch über ein Baumgewölbe die Ruine einer alten Römerburg und zu ihren Füßen kauert ein Dörfchen, über dessen niedrigen Dächern in der Ferne die Minarets und Thürme einer großen Stadt am Horizonte schimmern. Es ist Widdin. Mit seinen Brückenkopf Kalafat auf walachischer Seite ist es, nach Belgrad, das festeste Bollwerk der türkischen Donauländer.

Widdin, wie alle Städte Bulgariens, ist seit Jahrhunderten in Wohlstand und Bevölkerung zurückgegangen, und so prächtig es aus der Ferne sich ausnimmt, so häßlich erscheint es, wenn man ihm näher in’s Gesicht schaut. Schmutz, Vernachlässigung und Verfall machen sich überall kenntlich. Desto schöner ist die Natur der Umgebung. Wäldchen von Cypressen und Terebinthen mahnen an die Nähe des Südens, auf den Felsterrassen des Donauufers klettert die Rebe fast ohne Pflege empor, und ihre Trauben liefern den feurigsten Wein. Der majestätische Strom wälzt seine Wogen wie ein fließendes Meer meilenbreit dahin, und große und kleine Eilande tauchen aus dem Gewässer empor, bald flach, niedrig und mit haushohem Rohr bewachsen, bald mit dichtem Wald bedeckt. Legionen von Wasservögeln streiten sich mit den Wölfen und Ebern um deren Besitz. Auf und in dem Strome aber wimmelt ein buntes Leben, vom mächtigen Stör und Hausen an bis zum goldschuppigen Gründling, und den Dampfer umkreisen Schwärme von Pelikanen und Züge von Kranichen, während Adler in den Lüften kreisend nach Beute spähen.

In den ersten Scenen des letzten Kriegs hat Widdin mit Kalafat eine wichtige Rolle gespielt. – Von dort aus hielt Omer Pascha mit der türkischen Hauptarmee das ganze Invasionsheer der Russen in Schach, und Kalafats Verschanzungen und ihre Umgebungen wurden 4 Wochen lang täglich mit dem Blute der Kämpfenden und Stürmenden getränkt. In dem erbitterten Ringen gingen die besten Kräfte beider Armeen zu Grunde, und als die Russen, erschöpft, den Plan, von Widdin über Sophia nach Konstantinopel zu dringen, aufgeben und die kleine Walachei räumen mußten, waren die Türken zu schwach, den vernichtenden Schlags auf den Feind zu führen, welcher, wenn er damals geschehen wäre, den Völkern eine Million ihrer Söhne und einige Milliarden ihres Gelds erhalten und dem Welttheil einen dauerhaftem Frieden gegeben haben würde, als die doch nur kurze Waffenruhe, welche man jetzt der Leichtgläubigkeit als einen ewigen Frieden anrühmt. Wer heißt die kurze Frist der Waffenruhe am lautesten willkommen, und wer hofft sie am gründlichsten auszubeuten? Doch nur die Phantasten, welche alles Erstorbene historisch, alles Starre, Todte und den öden Buchstaben als das allein Urkundliche und allein Berechtigte angesehen wissen wollen und in der Wiederkehr „der alten guten Zeit des Mittelalters“ die Erlösung von der sündigen Gegenwart schauen. Aber jede Narrheit wirkt nur stoßweise in der Geschichte und auf Augenblicke, und Falstaff tröstet: „laßt sie nur machen!“