Der Ausstellungs-Palast für Industrie und Kunst in München
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DAS INDUSTRIE-AUSSTELLUNGS-GEBÄUDE IN MÜNCHEN
in München.
Der Mensch ist der Gast Gottes auf der Erde. Sie ist ein herrliches Haus und der Hausherr wohl werth, daß die Gäste ihm mit Ehrfurcht begegnen und Sitte und Anstand nicht verletzen. Wenn aber patzige, rohe Buben hereindrängen, lärmen wie in einer Schenke und den Hausherrn wie einen prellenden Kneipenwirth lästern, da sträubt sich das Gefühl des bescheidenen Gasts und er schämt sich Derer, die, gleich ihm, die Gastfreundschaft ansprechen, aber sie mit ihrer Gemeinheit schänden.
Und Solches geschieht vor unsern Augen. Der Frevel ist frecher und schamloser als je zuvor. Wie die Wogen des Wildbachs, den ein Bergsturz stauete, das Thal von Stunde zu Stunde grimmiger verwüstet, so von Jahr zu Jahr schwellender und unbändiger dringt schmutzige Pöbelfluth in das Gotteshaus und tobt gegen Alles an, was die Größten und Erleuchtetsten unter den Menschen zu allen Zeiten als heilig geachtet haben und hochgepriesen. Arges Volk lästert den hohen Herrn, möchte ihn vor die Thüre setzen und sich selber in dem Thronsessel schaukeln. Der Schemen macht sich zum Gott, die Eintagsfliege Mensch setzt sich auf den Altar und proklamirt die „Selbstanbetung“ als eine gar herrliche Frucht des emanzipirten Geistes. – Tollhausphantasien, welche dem gedankenlosen Haufen die Köpfe verrücken und, wie im Herbst der Wirbelwind das dürre Laub, Alles im Kreise drehen, was nicht fest auf dem Boden der Vernunft steht! Wann werden diese Schmäher und Leugner des Weltregierers und seiner ewigen Gesetze, die ihr winziges Ich für so groß ausgeben, zur Erkenntniß ihrer Narrheit kommen? – Zwar mag diese Zeit noch fern seyn; denn die Fluth ist noch im Wachsen – noch tanzen die dürren Blätter ihren Veitstanz: aber kommen wird der Tag gewiß, wo die dümmste Idee eines Kretins und die absurdeste eines Bedlamiten nicht so albern und abgeschmackt erscheinen werden, als die Lehre, welche, angethan [6] mit dem Nimbus philosophischer Weisheit, den Menschen zum Götzen macht mit dem Marktschreierrufe: – Das ist der wahre alleinige Gott und neben diesem gibt’s keinen andern. –
Seitdem die Geschichte den leidigen Beruf ausübt, die menschlichen Irrthümer und Thorheiten in ihre Tafeln einzugraben, ist kein verächtlicherer Baalsdienst erfunden worden, als diese Adoration des menschlichen Ichs. Nie hat der irrende Gedanke einen tollern Begriff erzeugt, nie hat größerer Unsinn um Jünger und Gläubige geworben. Welche Demüthigung für die hochfahrende und dünkelvolle Gegenwart, wenn man einst ihre Periode mit der Aufschrift bezeichnet: „Zeitalter der Götter mit Fleisch und Bein, in Blouse und schwarzem Frack!“ –
Gestattet mir, ihr stolzen Götter des Tags, daß ich euch einen Spiegel vorhalte, eure Riesengestalten darein zu schauen. Tretet hinaus mit mir in die Nacht, unter den Azur des Firmaments mit seinen Milliarden Welten. Dort in dem Sternenring, in dessen milchweißem Schimmer der Glanz von Millionen Sonnen aufgeht, in ihm dreht sich auch unsere Sonne mit ihrer Erde, und dort, wo die Alcyone ihr funkelndes Licht in den Weltraum wirft, da ist die Axe für jenes schimmernde Weltenrad, die Centralsonne nämlich, welche jenem prächtigen Sternengürtel die Bedingungen seines Gesammtlebens und seiner Bewegung verleiht. Jedes Sonnenjahr, – ich meine die Zeit, in welcher unsere Sonne einmal ihre Kreisbahn um die Alcyone vollendet, – faßt 180 Millionen Erdjahre. Sechs tausend der letztern zählt unsere Geschichte, d. h. so lange zählt das Menschengeschlecht seit dem ersten Erinnerungsschein aus seiner Kindheit: und dieses Kinderlallen von sechs Jahrtausenden, das nennt der Mensch bei dem prächtigen Namen: Weltgeschichte. Dreißig tausend solcher, das ganze Menschheitsleben seit der ersten Sage umfassenden Zeiträume machen aber erst ein einziges Sonnenjahr. Wie wird nun dem Sonnenbewohner der ganze Zeitraum unserer Weltgeschichte erscheinen? eine Viertelstunde. Und die Menschheit? eine Ephemere. Und der Mensch? die Vergleichung fehlt mir; kein Maßstab ist so klein, es auszudrücken. Und das Menschenleben? ein Augenschlag.
Und du – Mensch! – willst den allen Herrgott schelten, du Erdengast des Augenblicks willst den Vater der Ewigkeit vor die Thüre werfen und dich selbst zum Herrgott proklamiren? – Wie? kann denn ein Stäubchen, das einen Moment im Sonnenstrahle zuckt, die Sonne aus ihrer Bahn verdrängen? – Erröthest du nicht vor diesem Spiegelbilde, und erschrickst du nicht vor der entsetzlichen Bornirtheit, die es dir möglich gemacht hat, dich zum Anhänger und Gläubigen der absurdesten Lehre zu entehren, welche je ein philosophischer Narr den Menschen aufgeheftet hat? Ein Blick in’s Universum, dessen Vorhang dem gesunden Menschenverstande immer aufgezogen erscheint, reicht hin, alle menschliche Hoffart und ihre Ausgeburten unfehlbar zu zerstören. Von allen Gaben Gottes an die Menschen ist die Fähigkeit dieses In-den-Weltraum-Schauens, dieses Berechnens, Fassens [7] und Begreifens der Weltordnung und der Wirkungen ihrer Gesetze nach Raum und Zeit die allergrößte, und der Spruch eines Weisen des alten Bundes:
gilt noch heute wie vor vier tausend Jahren.
Wen aber das liebe Angesicht Gottes am Himmelszelt nicht erfreuen und erwärmen kann, und auch seine Stimme im Sternenchor nicht bekehrt; – kurz, wer von seiner Narrheit nicht lassen will, dem ist freilich anders nicht zu helfen, als durch die Zwangsjacke des ewigen Sittengesetzes, das er vergebens verleugnet. Wer bricht den ungebärdigen Geistern die Gewalt, wenn sie, ihrem Wahne sich hingebend, alles Maß vergessen, alle Schranken überspringen? Wer hängt das Blei an ihre Fittige, wenn sie ihren Flug jenseits der Grenzen der Vernunft, des Rechts und der Wahrheit richten? Eben Das, was sie verspotten. Bei allen Wandlungen in den Anschauungs- und Vorstellungsweisen der Zeit wird sich immer wieder die Erfahrung geltend machen: daß, um so hoffärtiger der Mensch in seinem Wahne ist, um so tiefer er fällt, und je heftiger und frecher er sich auflehnt gegen die Gesetze der sittlichen Welt, je gewisser ist seine Demüthigung. Aller Emancipationsdrang gegen Gottes Gebot endigt in Schmach und Verwirrung. So ist’s geschehen in den frühesten Tagen und so wird es seyn in den spätesten Zeiten.
Also nicht Dieses, daß Gefahr drohen könnte den unwandelbaren Grundlagen der sittlichen Welt aus dem Wahnwitz, welcher Gott verleugnet und der Moral und dem Rechte spottet, – darf uns beunruhigen, sondern um der Narren selbst willen soll uns ihre Narrheit bekümmern. So lange das Auflehnen gegen Gott und seine Weltordnung Sache der Schule war, so lange blos der Philosoph die Schellenkappe trug, so lange hatte es wenig zu sagen. Das Betrübende aber ist, daß die Lehre der Negation Dessen, was wir für heilig und unwandelbar achten, arglistig unter das Volk ausgestreut wurde, daß sie die Vorstellungsweise der Massen vergiftet und da Verwüstungen anrichtet, wo ihnen wahre Bildung keinen solchen Damm entgegen setzen kann, wie in den vornehmern Zirkeln der Gesellschaft. – Indem die Apostel und Verbreiter jener Lehre arglistig den Landbewohnern und Arbeiterklassen weiß machen, daß man blos bestrebt sey, sie in den Kreis der höhern Civilisation zu ziehen, ruft man die Waffen des rohen Verstandes und einer ungezügelten Phantasie zur Bekämpfung des Edeln in der Menschennatur auf und stachelt die wilden Gelüste zur Ausrottung der Begriffe von Gott, Recht und Tugend. Die tonangebenden Geister – jene Menschen ohne Gott, ohne Glauben, ohne Tugend, ohne Ehre, ohne Trost im Herzen – mißbrauchen die Gewalt des schriftlichen Worts, um unter dem Vorwand, das [8] Geheimniß der höhern Bildung und Geistesemancipation zu verrathen, die Proletarier und Bauern zu entsittlichen und in den Abgrund der Corruption herabzustürzen, in welchem sie selbst sich wälzen. Man bietet den Massen das Schlechteste an, was die Schlechten der vornehmen Stände brandmarkt: – Sittenlosigkeit, Rechtsverhöhnung und Atheismus. Man sagt ihnen, wenn sie die Laster jenes Auswurfs der Höherstehenden kennen gelernt und sich angeeignet haben, daß sie nun den praktischen Kern vornehmer Bildung besitzen. Von den Gütern ächter Civilisation lassen jene Apostel der Vernichtung keinen Brosamen in das Volk fallen, und wenn es darnach verlangen sollte, so sagen sie ihm, es sey nicht der Mühe werth, darnach zu greifen. Kann es unter diesen Einwirkungen ein Wunder nehmen, daß sich das Streben nach Anarchie in allen Richtungen der Lebensverhältnisse und der tiefe Haß gegen die gesellschaftlichen Gesetze unter den untersten Klassen immer heftiger kund gibt? Der Mensch, der die ewige Wahrheit verspotten gelernt hat, der keinen Gott mehr im Herzen hegt, als sein eigenes schmutziges Ich, dem die Tugend nur noch ein Popanz ist für Kinder und das Eigenthumsrecht eine Fiktion – der kann auch die gesellschaftliche Ordnung überhaupt nur noch als eine nichtswürdige Fessel ansehen, und er muß streben, sie zu zerbrechen. Ist das Menschliche ausgezogen und die Bestialität der Natur allein noch geltend, so wird der Mensch, sobald er sich befreit hat, als Bestie wüthen. Das ist aber volles Wasser auf die Mühle Derer, die am entgegengesetzten Ende stehen und die Völker mündeln, zwingen und knechten, nicht von Gottes Gnaden. Wo das Dämonische die Massen bewegt, da ist despotisches Gelüst und mittelalterliches Gewaltrechtsstreben um Rechtfertigung nie verlegen, und bereitwillig stellt sich die Furcht vor den Gräueln der Anarchie unter den militärischen Gehorsam. Jene Furcht – sie hängt in unserer Zeit als die schwerste Last dem Genius des Fortschritts zur Freiheit und Humanität an den Füßen. –
So leben wir einerseits unter den Symptomen einer schreckenerregenden Verwilderung, deren unheimlicher Geist die Menge mit seinem Hauche vergiftet hat, – eine Erscheinung, die die allertrostloseste ist von allen traurigen der Gegenwart und namentlich in Deutschland Zustände herbeiführt, ähnlich denen, unter welchen Frankreich kurz vor dem Ausbruch der französischen Revolution seufzte, – andererseits unter den wahnwitzigen Bestrebungen einer mit Blindheit geschlagenen Kaste, welche Begriffe, Wesen und Institutionen des Mittelalters auf die Gegenwart zu pfropfen und die Völker auszubeuten trachtet wie Heerden, statt sie zu beglücken. Nur zwischen diesen Extremen waltet ruhiges Schaffen und Leben als erfreuliches Zeichen, daß darum die Menschheit nicht stille stehe auf dem Kulturpfade, weil es Leute gibt, die vom alten Gott der Psalmen die Abdikation fordern, oder die Rechtlosigkeit der Völker behaupten. – Es ist die stille, ruhige Entfaltung der Wissenschaften, die Vermählung derselben mit dem praktischen Leben, welche uns, ohne daß wir es fordern, ja ohne daß wir es uns recht bewußt werden, mit den Elementen für ganz neue Zustände und Wandlungen beschenkt, die dem [9] Geschlecht, in nächster Zukunft bevorstehen. Schon hat sie durch Eisenbahnen und Dampf dem Menschenleib Flügel verliehen und durch die Elektrotelegraphie der Gedankenmittheilung die Schnelligkeit des Blitzes;– noch ein Jahrzehent und eine Fahrt um die Erde, das weite Völkerhaus, wird ein fashionabler Sommerausflug seyn. Der Geist des Umgestaltens dringt in alle Verhältnisse. Wissenschaft und Kapital vereinigen ihre Kräfte und ziehen ein in die Gewerbe; diese sprengen die alten Formen und wachsen zu Riesen auf, welche, indem sie die Nachfrage nach Arbeitskräften steigern, allmählig für die Arbeiter selbst einen höhern Lohn und der hervorragenden Geschicklichkeit ein besseres und ehrenvollereres Daseyn verschaffen müssen. Was man noch vor wenigen Jahrzehenten für unmöglich hielt – daß nämlich Rang und Geburt aus den höchsten Zirkeln herabsteigen würden in den Kreis der Gewerbe, – ist That geworden vor unsern Augen. Regierende Häupter sind in die Reihen der Gewerbsleute getreten, Fürsten schmieden die Nägel für die Schuhe ihrer Bauern, und große Staatsmänner erröthen nicht, daß man ihren Namen, der unter Friedensschlüssen und Kriegserklärungen glänzt, auch einem Flanellstück einwebt, aus dem die Magd ihren Rock näht. Wer sieht noch eine Demüthigung darin, wenn der Herzog von Meiningen für das Dach des ärmsten Häuslers seines Landes Schiefer brechen läßt, wenn man dem Esel den Huf beschlägt mit herzoglichem Eisen, wenn Metternich für eine neue Schrotmühle ein Patent löst, oder wenn ein Erzherzog des Kaiserhauses die rauhe Hand des Hammerschmieds drückt und den Mann vor allem Volk seinen Collegen nennt? Das gehört zur neuen Ordnung und ist nicht werth, davon zu reden. Es ist indessen nicht das Kleinste unter dem Großen, was die Gegenwart uns vor Augen führt. Denn indem die Großwürdenträger der Völker sich zu den Fabrikanten gesellen, ist der Gewerbfleiß selbst zu Ehren gekommen, und er nimmt mit jedem Jahre allgemeiner, entschiedener und fester die Stellung und Geltung ein, welch, ihm zukommen, aber während dem letzten Jahrhundert bei dem Verfall des Zunftwesens gänzlich verloren gegangen waren. Laßt nur erst eure Repräsentanten, ihr Arbeiterschaaren, denjenigen Platz erlangen im Staate, den sie einnehmen wollen und einnehmen werden, – laßt sie nur erst den Kampf mit ihren Gegnern, dem Kathederdünkel, der Beamtenherrschsucht und den Vertretern des Junkerthums siegreich ausgekämpft haben, dann wird auch dem Proletariat Das werden, was es auf dem Wege der Gewalt und Eigenmacht nie erlangen kann: – ich meine Erfüllung seiner billigen Ansprüche auf ein besseres Daseyn, auf den erweiterten Mitgenuß der menschlichen Güter, auf ein sorgloseres Alter, auf ein größeres Maß von Hülfsmitteln gegen die Noth und die Widerwärtigkeiten des Lebens. Mit dem wilden, raubsüchtigen Gelüste nach „des Nächsten Haus, Hof, Weib, Gut und Allem, was fein ist,“ das die falschen Freunde der Proletarier aufstacheln, ist denselben nicht geholfen, und noch weniger mit Fourier’schen und und Weitling’schen Phantasien, deren Unpraktisches jeder Vernünftige begreift. Von uns – von den Männern, welche in ihren Arbeiter-Phalanxen nicht blos die Stützen ihres Reichthums und ihrer [10] Macht sehen, sondern auch einen Quell der Pflicht und des Berufs, Menschenglück mit Menschenarbeit zu verbinden, – von uns, sage ich, hat das Proletariat die Erfüllung seines gerechten Anspruchs auf genügende Geltung im Staate, Gleichheit der Berechtigung und die Befreiung von dem demüthigenden Druck zu erwarten, der auf den Arbeiterklassen mehr oder weniger überall noch lastet. Bereits wird dafür vielseitig angebahnt. Immer mehr Stimmen werden aus dem Kreise der Fabrikanten selbst laut, welche für die Arbeiter ein besseres Loos und menschlichere Fürsorge begehren, und da und dort wird auch das Wort zur guten That. – Allerdings ist an Uebereinstimmung im Prinzip unter den Arbeitsgebern noch nicht zu denken, und noch entfernter liegt die allgemeine Anwendung. Aber sie wird kommen und dann kann auch der Staat nicht länger ein passives Verhalten in einer Frage fortsetzen, welche so tief in sein Leben eingreift. Er hat sich bisher begnügt, das Produkt der Arbeiter, das Erzeugniß zu ehren. Er that’s aus wirthschaftlichen Motiven. Das ist der Anfang. Er wird damit endigen, auch den Erzeugern gerecht zu werden, und wo er es nicht freiwillig thut, da wird die Nöthigung nicht ausbleiben.
Ein Ehrentempel der Arbeit ist’s, was die erste Seite des neuen Bandes meines Buches schmückt; ein Tempel der neuen Zeit – ihr erster in Deutschland. Als der Herrscher Preußens in seinem ersten Regierungsjahre die Erzeugnisse der deutschen Arbeit zu einer Schaustellung in seiner Hauptstadt sammelte, wies er – (sollte es eine Allegorie seyn?) – den ernsten Kriegsgott hinaus aus seiner alten Wohnung und bot sie dem heitern Genius des Gewerbfleißes an, dem Schützling des Friedens. Das Schauspiel ging vorüber und das Berliner Zeughaus ward seiner Bestimmung zurückgegeben. Anders der Bayernkönig Ludwig. Es ist schicklich, – meinte er – daß, wenn ich Kunst und Gewerbfleiß zu mir einlade, ich sie einziehen lasse in ihr eigenes Haus, wo sie es bequemer haben, als in einer Kaserne.
Die Lage dieses Prachtgebäudes für Ausstellungen ist der Glyptothek gegenüber, und seine Formen versetzen in die beste Zeit der altgriechischen Architektur, deren schönste Denkmäler neu in’s Leben zu führen sich Ludwig I. zu einer Hauptaufgabe seiner Kunstunternehmungen gemacht hat.
Wie in der Wallhalla und der Halle des Ruhms die ernste dorische Ordnung ihre schicklichste Anwendung gefunden hat und die ionische in der Glyptothek, so wurde der korinthische Styl für das Ausstellungsgebäude gewählt. Die alte Kunst hat in demselben nur kleine Gebäude aufgeführt und seine Anwendung meist auf den Säulenschmuck von Portiken und Hallen beschränkt. Hier galt es, ein großes, umfassendes Gebäude in der Anordnung des Tempelbaus ganz in diesem Style auszuführen, eine Aufgabe, die schwer war.
[11] Der erste Blick läßt erkennen, daß dem Meister die Lösung seiner Aufgabe glückte. Es ist ihm gelungen, für die feinen und reichen korinthischen Formen überall jene Kombination zu finden, welche den wohlgefälligen Eindruck hervorbringt, der nur aus der vollkommenen Harmonie entspringt. Massenhaft und mächtig steigt der Unterbau empor, auf dem der breite Oberbau mit seinem schlanken, zierlichen Verhältniß gleichsam zu schweben scheint. Zu ihm führen zwei und zwanzig Stufen in der ganzen Breite der Vorhalle – angemessen dem Bedürfniß der Menschenmassen, welche zu den Zeiten der Ausstellungen sich auf und ab bewegen. Die Umfassungsmauern des Gebäudes sind ohne Fenster; Oberlicht, im Dache angebracht, erhellt die Räume. Die prachtvolle Vorhalle wird nach außen von 8 korinthischen, kannelirten, 42 Fuß hohen und 4½ Fuß dicken Säulen getragen und schirmt den Zugang zu dem Innern, welchen prachtvolle, eherne Flügelthüren verschließen. Der Giebel von 14 Fuß Höhe und 95 Fuß Breite schließt an beiden Ecken mit den bayerischen Löwen und in der Höhe mit einem Phönix ab, dem Sinnbilde ewiger Verjüngung; denn Verjüngung bedingt Leben und Fortschritt in der Kunst wie in den Gewerben. Den innern Giebelraum schmückte Schwanthalers Meißel mit Gruppen von Marmorfiguren aus, welche auf die Bestimmung des Gebäudes Bezug haben.
Durch die geöffneten Pforten von Erz tritt man aus der Vorhalle in das Vestibül. Es ist ohne Schmuck. Rechts und links führen Treppen in die obern Räume des Mittelbaus, welche mit zu den Ausstellungen dienen. Ein Thor leitet aus dem Vestibül in den Hauptsaal. – Nicht die Pracht der Verzierung blendet das Auge; denn dekorirender Flitter wäre hier übel angebracht: es erfreut edle Einfachheit und das Ebenmaß der Verhältnisse. An den Hauptsaal reihen sich zu beiden Seiten die übrigen Räume.
Die Gesammtlänge des Gebäudes ist 224 Fuß bei einer Tiefe von 74 Fuß. Für eigentliche Kunstausstellungen bietet es hinlänglichen Platz dar; für allgemeine Gewerbeausstellungen aber ist es wohl zu beschränkt. Es soll in der Absicht des Königs liegen, für solche einen zweiten, noch viel größern Bau auszuführen, dessen Räume weit genug sind, um die Gewerbserzeugnisse des Vaterlandes in angemessener Menge zur Anschauung zu bringen.
Das Münchener Ausstellungsgebäude wurde 1845 vollendet. Das Material ist Sandstein, bekleidet mit gelblichem, Eichstädter Marmor. Der Baumeister ist Friedrich Ziebland, und er darf stolz auf sein Werk seyn.