Kurs:Lineare Algebra/Teil II/21/Klausur mit Lösungen



Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19
Punkte 3 3 0 5 0 4 3 4 4 4 3 4 2 2 4 4 4 5 2 60




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Das Standardskalarprodukt auf dem .
  2. Der Abstand von nichtleeren Teilmengen in einem metrischen Raum .
  3. Eine symmetrische Bilinearform auf einem reellen Vektorraum .
  4. Die Ordnung eines Elementes in einer Gruppe .
  5. Die Quotientenmenge zu einer Äquivalenzrelation auf einer Menge .
  6. Eine eigentliche Symmetrie einer Teilmenge eines euklidischen Vektorraumes .


Lösung

  1. Das Standardskalarprodukt auf dem ist durch

    gegeben.

  2. Man nennt

    den Abstand der beiden Teilmengen.

  3. Es sei ein Körper, ein -Vektorraum und eine Bilinearform auf . Die Bilinearform heißt symmetrisch, wenn

    für alle gilt.

  4. Man nennt die kleinste positive Zahl mit die Ordnung von . Wenn alle positiven Potenzen von vom neutralen Element verschieden sind, so setzt man .
  5. Man nennt

    die Quotientenmenge von .

  6. Eine eigentliche Isometrie

    mit heißt eigentliche Symmetrie von .


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Koeffizienten zu einer Orthonormalbasis in einem Vektorraum mit Skalarprodukt.
  2. Der Satz über Normalteiler und Restklassengruppe.
  3. Der Satz über die universelle Eigenschaft des Tensorprodukts.


Lösung

  1. Es sei ein - Vektorraum mit Skalarprodukt und sei , , eine Orthonormalbasis von . Dann ergeben sich die Koeffizienten eines Vektors bezüglich dieser Basis durch
  2. Es sei eine Gruppe und ein Normalteiler. Es sei die Menge der Nebenklassen (die Quotientenmenge) und

    die kanonische Projektion. Dann gibt es eine eindeutig bestimmte Gruppenstruktur auf derart, dass ein Gruppenhomomorphismus

    ist.
  3. Es sei ein Körper und seien Vektorräume über .
    1. Die Abbildung

      ist - multilinear.

    2. Es sei ein weiterer - Vektorraum und

      eine multilineare Abbildung. Dann gibt es eine eindeutig bestimmte - lineare Abbildung

      mit .


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen


Aufgabe (5 (3+2) Punkte)


a) Es sei

eine eigentliche Isometrie. Zeige, dass für das Kreuzprodukt die Gleichung

gilt.


b) Zeige, dass diese Gleichung bei einer Isometrie nicht gelten muss.


Lösung


a) Es sei

und

Da eine Isometrie ist, bilden die

nach Lemma 33.7 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) ebenfalls eine Orthonormalbasis, und da die Isometrie eigentlich ist, gilt

Deshalb kann man Lemma 33.4 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) anwenden und erhält


b) Wir betrachten die Isometrie, die durch , , gegeben ist. Es ist

und somit

aber


Aufgabe (0 Punkte)


Lösung erstellen


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz, dass eine Linearform auf einem euklidischen Vektorraum einen eindeutigen Gradienten besitzt.


Lösung

Die Aussage folgt aus dem Zusatz. Es sei also eine Orthonormalbasis gegeben und sei . Dann ist für jedes

D.h. die beiden linearen Abbildungen und stimmen auf einer Basis überein, sind also nach Satz 10.10 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) identisch. Für jeden anderen Vektor ist der Wert der zugehörigen Linearform an mindestens einem Basisvektor von verschieden, daher liegt Eindeutigkeit vor.


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei ein (nichtausgeartetes) Dreieck und eine Gerade in der Ebene gegeben, wobei die Gerade durch keinen Eckpunkt des Dreiecks verläuft. Zeige, dass die Gerade höchstens zwei Seiten des Dreiecks trifft. Verwende, dass eine Gerade die Ebene in zwei disjunkte offene Halbebene zerlegt, die beide konvex sind.


Lösung

Es seien und die beiden offenen Halbebenen, die durch die Gerade getrennt werden. Die drei Eckpunkte liegen in , da die Gerade selbst durch keinen Eckpunkt verläuft. Wenn zwei Eckpunkte in (oder in ) liegen, so gehört wegen der Konvexität auch die Verbindungsstrecke dieser beiden Eckpunkte (die ja die zugehörige Dreiecksseite ist) ganz zu und hat deshalb mit keinen Schnittpunkt.


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei eine symmetrische Bilinearform vom Typ auf einem reellen Vektorraum der Dimension . Es sei ein Untervektorraum mit der Eigenschaft, dass die Einschränkung der Form auf positiv definit sei. Zeige, dass es einen -dimensionalen Untervektorraum mit derart gibt, dass die Einschränkung auf ebenfalls positiv definit ist.


Lösung

Es sei eine Orthogonalbasis von . Diese ergänzen wir zu einer Orthogonalbasis von . Die Gramsche Matrix der Form auf wird bezüglich dieser Orthogonalbasis durch eine Diagonalmatrix beschrieben, deren Diagonaleinträge gleich , , sind. Nach dem Trägheitssatz von Sylvester ist die Anzahl der positiven Einträge der Diagonalelemente gleich . Da die ersten Einträge positiv sind, gibt es noch (das kann sein) weitere Positionen, wo eine positive Zahl steht. Nach Umnummerierung können wir annehmen, dass die ersten Einträge positiv sind. Wir betrachten den -dimensionalen Untervektorraum

Dieser enthält als Untervektorraum, und die Einschränkung der Form darauf ist positiv definit, da man diese Eigenschaft auf einer Orthogonalbasis überprüfen kann.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme mit dem Eigenwertkriterium den Typ der durch die Matrix

gegebenen symmetrischen Bilinearform.


Lösung

Das charakteristische Polynom der Matrix ist

Das Polynom hat an der Stelle einen negativen Wert, deshalb besitzt es eine positive und eine negative Nullstelle. Da eine weitere Nullstelle des charakteristische Polynoms ist, besitzt dieses positive und eine negative Nullstelle. Daher ist der Typ der Bilinearform gleich .


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei ein endlichdimensionaler - Vektorraum mit Skalarprodukt und es sei ein Untervektorraum mit der orthogonalen Projektion

Es sei

eine lineare Abbildung und sei der zugehörige adjungierte Endomorphismus. Zeige die Beziehung


Lösung

Es ist

und ebenso

Für gilt

Deshalb erfüllt die charakteristische Eigenschaft des adjungierten Endomorphismus von und stimmt daher mit diesem überein.


Aufgabe (3 Punkte)

Beweise die universelle Eigenschaft der Quotientenmenge zu einer Äquivalenzrelation.


Lösung

Es sei gegeben. Die einzige Möglichkeit für ist zu setzen. Es muss aber gezeigt werden, dass diese Abbildung überhaupt wohldefiniert ist, also unabhängig von der Wahl des Repräsentanten ist. Es sei hierzu , also . Dann ist nach der Voraussetzung an aber .


Aufgabe (4 Punkte)

Betrachte die rationalen Zahlen als kommutative Gruppe. Es sei eine endlich erzeugte Untergruppe. Zeige, dass zyklisch ist.


Lösung

Es werde von den rationalen Zahlen , ... , erzeugt. Durch Übergang zu einem Hauptnenner können wir annehmen, dass

ist. Es sei der größte gemeinsame Teiler der Zähler . Nach dem Lemma von Bezout kann man diesen als ganzzahlige Linearkombination dieser Zähler ausdrücken, d.h. gehört zu . Da die Vielfache von sind, gehören zu der von erzeugten Gruppe, also ist


Aufgabe (2 Punkte)

Beweise den Satz, dass der Kern eines Gruppenhomomorphismus ein Normalteiler ist.


Lösung

Eine Untergruppe liegt aufgrund von Lemma 44.21 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) vor. Wir verwenden Lemma 46.11 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)). Es sei also beliebig und . Dann ist

also gehört ebenfalls zum Kern.


Aufgabe (2 Punkte)

Bestimme die Ordnung der Matrix

über dem Körper mit Elementen.


Lösung

Es ist

und

Letztere Matrix hat die Ordnung , deshalb hat die Ausgangsmatrix die Ordnung .


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme die eigentliche und die uneigentliche Symmetriegruppe eines jeden Großbuchstabens

A,B,C,D,E,F,G,H,I,J,K,L,M,N,O,P,Q,R,S,T,U,V,W,X,Y,Z.

Diskutiere bei Zweifelsfällen die möglichen Interpretationen.


Lösung

  1. Keine Symmetrie außer der Identität:
    F,G,J,L,P,Q,R.
  2. Keine eigentliche Symmetrie außer der Identität, eine Achsenspiegelung
    Horizontale Achse
    B,C,D,E,K.
    Vertikale Achse
    A,M,T,U,V,W,Y.
  3. Eigentliche Symmetrien: Identität und Halbdrehung, keine uneigentliche Symmetrie:
    N,S,Z.
  4. Eigentliche Symmetrien: Identität und Halbdrehung, zwei Achsenspiegelungen:
    H,I,O,X.

Zweifelfälle: Wenn man bei K den Strich nach rechts oben als kürzer als den nach rechts unten versteht, gehört K zur ersten Kategorie.

Wenn man X als eine rechtwinklige Überkreuzung versteht, so gibt es zusätzlich die Vierteldrehungen und die Spiegelungen an den Strängen.

Wenn man O als kreisrund versteht, so ist die Symmetriegruppe die volle Symmetriegruppe der Ebene.


Aufgabe (4 Punkte)

Beweise den Satz über die Charakterisierung von orientierungstreuen Abbildungen mit der Determinante.


Lösung

Es sei eine Basis von . Wegen der Bijektivität von bilden auch die Bilder

eine Basis von . Es sei

sodass

die beschreibende Matrix der Abbildung bezüglich der Basis ist. Diese Matrix ist auch die Basiswechselmatrix . Die Positivität der Determinante dieser Übergangsmatrix bedeutet nach Definition, dass die beiden Basen die gleiche Orientierung repräsentieren.


Aufgabe (4 Punkte)

Der Matrizenraum sei mit der Summennorm (bezogen auf die Einträge) versehen. Zeige, dass -Matrizen die Abschätzung

erfüllen.


Lösung

Es sei

und

Die Produktmatrix

besitzt die Einträge

Die Summennorm des Produktes ist also

Das Produkt der Summennormen der einzelnen Matrizen ist

Dies ist zumindest so groß wie die zuerst genannte Summe, da hier überhaupt alle Betragsprodukte vorkommen, während in der ersten Summe gewisse Indexbedingungen erfüllt sein müssen.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei eine Körpererweiterung, endlichdimensionale - Vektorräume und

eine - lineare Abbildung. Zeige, dass es eine natürliche Isomorphie zwischen und gibt.


Lösung

Aus der Untervektorraumbeziehung

folgt nach Proposition 56.7 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)), dass eine Untervektorraumbeziehung

vorliegt. Es ist zu zeigen, dass dieser Untervektorraum mit dem Kern von übereinstimmt. Dabei ist die Inklusion

klar, da ja die Gesamtabbildung

die Nullabbildung ist und sich dies auf das Tensorprodukt mit überträgt. Wir können auch durch den Bildraum

ersetzen und haben dann die surjektiven Abbildungen

bzw.

Nach Proposition 56.13 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025))  (5) ändern sich die Dimensionen bei Tensorierung nicht. Daher folgt die Gleichheit

aus der Dimensionsformel.


Aufgabe (2 Punkte)

Vereinfache in den Ausdruck


Lösung

Es ist