Gemein-Nachrichten - Beylagen 1771,5: No. VIII
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Ueberhanpt ist zum Preise Gottes zu melden, daß die verbundnen Häuflein ihren Gang in Ruhe fort gegangen, und ihre Versammlungen ungestört und im Segen halten können. Die Geschwister bezeugen, daß viele ihrer Prediger nicht allein das Evangelium fleißig verkündigen, wodurch ihre Herzen öfters sehr gerührt würden, sondern ihnen auch liebreich und freundlich begegnen, u. insonderheit im Beichtstuhl und wenn sie zum Heiligen AbendMahl gehn, wie mit neuer Kraft angethan sie zum Heiland weisen und die Versöhnung in seinem Blute anpreisen.
In einem Bericht vom Monat Julii heist es: da jezt das Wort von der [2] Versöhnung Jesu, die durch Sein Blut und Todt geschehen ist, so deutlich u. reichlich verkündiget wird; so macht das viele Rührungen an den Herzen der Menschen, auch in unserm Ort, und man hat es wol für eine Gnade und vor einen aparten Zeitpunckt anzusehen. Doch muß man, leider, an sich selbst und andern erfahren, wie die Eigenheit so geneigt ist, viel Geheimniße zu hören und durch die Vermunft sich begreiflich zu machen, wodurch man aber von der Einfalt in Christo Jesu abkommen und Schaden leiden kan.
Von Nieder-Cunersdorf wird berichtet, Eine vor einiger Zeit zu uns gekommene Person erklärte sich bey einer Schwester auf die Weise: Sie habe die Woche vor Mariä Heimsuchung an ihrem Herzen eine ganz aparte Rührung verspürt; sie hätte mit innigem Gefühl gehört, wie der liebe Heiland all sein Blut für die armen sündigen Menschen vergoßen hat, zur Versöhnung für alle Menschen, und sie hätte glauben können, daß das auch gewiß für sie geschehen sey. Sie ist darauf mit dem Häuflein gemeinschaftlich zum [3] heiligen Abendmahl gegangen, und den Abend drauf mit beym Anbeten gewesen, und sagte nachher: Ach was ist das für ein großer Unterschied, von wichtigen Sachen reden hören, oder am Herzen erfahren. Von einem andern Ort heist es: Der 2te Jul. war uns ein gesegneter Tag. Da ich dem HErrn St. besuchte, dankte er mit aufgehobnen Händen dem Heiland, daß Er ihm das hätte wegegenommen, was er noch schlechtes über die Gemeine hatte dencken müßen; er hätte noch immer geglaubt, die Gemeine verwürfe die Bibel, da er aber zu einem Bruder in die Stube gekommen und seine Frau in der Bibel hätte lesen sehen; so hätte er sich sehr geschämt und gedacht: Lieset sie mitten am Tage in der Bibel, so muß sie ihr auch wol wichtig seyn. Er hätte auch immer geglaubt, was er in Gegenschriften gelesen hätte, daß nehmlich die Herrnhuther glaubten, wer in ihrer Gemeine wohne, der werde selig, er möchte sonst leben wie er wolle; nun hätte ers anders gehört, auf was es ankäme und was sie glaubten.
Seit Pfingsten, /: schreibt ein andrer Bruder :/ [4] hat der Heiland unserm Örtgen seine Gnaden-Beweise gar gnädig unter uns zu Tage gelegt. Ohne sein Nahe und da seyn gehts nicht gut. Wie wohl aber ist mir, wenn der treue Freund mich besucht! Gar ofte wird der Hunger u. Durst nach Ihm rege, zumal wenn man in den schönen Loosungen solche Göttliche Verheißungen für arme Sünder findet. Es ist wahr, ich bin ein Grundverdorbener Sünder; aber das giebt auch rechte Gelegenheit, beschämt und gebeugt zu seinen Füßen hin zu kriechen, u. Ihn anzuflehen, mir Gnade wiederfahren zu laßen. Leztens erzehlte mir ein Mann, der um seines Dienstes willen nicht zu uns kommen kan, wie erfreulich es ihm sey, wenn seine Frau nach Hause käme und ihm von dem erzehle, was vorgekommen sey; bezeugte mit thränenden Augen, daß er uns herzlich liebe, und nahm mit den Worten Abschied von uns: Ich bin ein Glied an Jesu Leib, des tröst ich mich von Herzen p. Auch hab ich in der Zeit unsren Prediger besucht. Die Gelegenheit dazu war diese: [5] Er beschrieb einmal die Kinder Gottes, und warum sie verfolgt würden, nehmlich erstlich darum, weil sie Gottes Kinder wären; Zweitens, Weil sie Jesum zum Bräutigam haben; und sagte dabey: Ein Bräutigam kleide gern seine Braut in seine Leibfarbe, und so kleide auch der himmlische Bräutigam seine geliebte Braut in den Purpur-Gewandt, in seine blutige Gerechtigkeit ein; und wer ist die Braut? Antwort: Alle Brüder und Schwestern in aller Welt zerstreut p. Dadurch bekam ich Muth, mehr Bekandtschaft mit ihm zu machen, und erzehlte ihm meinen ganzen Gnaden-Gang.
Wie nahe ihnen ihre Kinder am Herzen liegen, darüber drückt sich ein Bruder so aus: Wir haben etliche Gesellschaften gehabt, hauptsächlich wegen unsrer lieben Kinder. Wir sind sehr verlegen über sie, weil man sieht und fühlt, daß so gar wenig Leben vom Heiland in ihren Herzen ist. Das macht uns manchen Kumer, wir wollen sie aber dem treuen Heiland recht fleißig empfehlen.
In einem eingelaufenen Schreiben [6] von einem ehemaligen Würtembergischen Soldaten, der nunmehr in Alt-Brandenburg an der Havel wohnt, heist es: der liebe Heiland hat mir zwar vergönt, eine Gemeine zu besuchen und kennen zu lernen, und mein Herz hat öfters Seine Nähe in ihrer Mitte verspürt: aber leider, hab ich mich Ihm niemals ganz überlaßen wollen, und bin daher 15 Jahr meiner Eigenheit überlaßen worden. Dieses Frühjahr aber hat der Heiland noch einen Ruf an mich ergehen laßen; und darum bitte ich meiner im Gebet zu gedenken. Meine Augen sollen nach Ihm weinen, bis ich ganz Sein eigen bin. Ich habe zwar seit meinem Besuch in der Gemeine gleich wieder die Brüder aufgesucht; aber mit einem halbierten Herzen kan man nicht gedeyen. Nun danke ich Ihm für seine an mir bewiesene Barmherzigkeit. Ach gewiß, es ist ewig wahr: Hätt Er sich nicht selber an mich gehangen, u. wäre mir so nach gegangen; so müste ich ewig unglücklich seyn. Meine tägliche Sache soll bleiben: Ich gebe mich heute dir ganz von neuem hin zu einer Beute p.
[7] In einem andern Brief meldet ein Bergmann folgendes von sich: Ich bin in Steuermarck geboren und in der katholischen Religion erzogen. Von Jugend auf lebte ich in aller üppigen Welt-Freude; mein treuster Seelenhirten aber ist mir unwürdigen Creatur immer nach gegangen, u. wolte Sein kostbares Blut und Todt, Seine Schmerzen und Marter nicht an mir armen Schäflein verloren seyn laßen, sondern suchte mich mit großer Mühe und Fleiß auf den rechten Weg zu bringen. Ich hatte meine Freude und Lust am Bibel lesen /: wie wol ichs heimlich thun mußte :/ und kam einmal über die Worte: Suchet in der Schrift, denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darinn, und sie ists, die von mir zeuget. Das ging mir tief zu Herzen u. ich dachte: Warum ist doch ein solcher Seelen-Schaz in der katholischen Religion verboten? Als ich in das Reich, Arbeit zu suchen, ging, und auch nach Sachsen kam, glaubte ich in der Evangelisch-Lutherischen Religion einen sichern und geraden Weg zur Seeligkeit zu erlangen, verließ daher meine Religion u. begab [8] mich zur Lutherschen, und wurde anno 60. zum Heiligen Abendmahl gelaßen. Allein durch diese Veränderung meiner Religion wurde doch mein Herz nicht geändert; ich fühlte die Last der Sünden, und hatte keine Kraft, umzukehren u. ein andrer Mensch zu werden. Endlich hörte ich durch Veranlaßung meines Hauswirths das Evangelium in Neukirch und Herrnhutn, und mein Herz wurde gleich in der ersten Predigt, so von der Gnade des Heilands durchdrungen, daß ich mich von der Stunde an entschloß, in wahrer Demuth dem Heiland alles abzubitten, und durch seinen göttlichen Beystand ein neues Leben anzufangen. Seit dem Besuch in Herrnhutn ist die Arbeit des Heiligen Geistes an meinem Herzen weiter fort gegangen. Als ich an einem Tage sehr betrübt war und gern wißen wolte, ob ich den lieben Heiland zu meinem Freunde hätte und ich Sein liebes Kind wäre? so brach ich darüber in häufige Thränen aus, fiel auf meine Knie und bat Ihn, Er möchte sich doch an meinem Herzen offenbaren, u. Sein theures Blut auch an mir nicht laßen verloren [9] seyn. Und den Augenblick ließ Er mich Seine allerheiligste Gegenwart fühlen, mit dem Trostwort: Du hast Gnade funden vor meinen Augen! Nun brennt und wallt mein Herz vor Liebe gegen meinen Seelen-Freund und Erlöser, und ich wünsche Tag u. Nacht, denselben immer mehr zu lieben u. Ihm zu gefallen.
Im Nieder-Cunersdorfer Bericht wird folgendes angeführt: Eines Bruders Kind von 8 Jahren ging mit seiner Mutter schlafen. Dieselbe schlief nach dem gewwöhnlichen Gebet bald ein; der Vater aber war noch wach und merckte, wie das Kind allein für sich betete: Lieber himmlischer Vater, ich bitte dich demüthiglich durch Deinen Sohn Jesum Christum, erbarme dich über uns, erbarme dich über die Gemeine in Herrnhutn, auch über Niesky, erbarme dich über alle Gemeinen in der ganzen Welt. Ich bitte dich demüthiglich, erbarme dich über die ganze Christenheit, erbarme dich über alle Creaturen. Ich bin auch eine Creatur, erbarme dich auch über mich und mache mich selig. [10] Laß mich ein Schmerzens-Lohn Jesu werden und nicht verloren gehen. u. s. w.
Aus Dresden schreibt ein Bruder: Wir sind zwar arme Sünder, die dem Heiland noch manches Betrüben machen, aber Er läßt sich nicht abhalten, uns zu vergeben und uns zu umarmen; seine Güte ist alle Morgen neu, u. seine Treue ist groß. Ich kans mit Wahrheit sagen: Wo wäre ich, wenn nicht ein solcher lieber Heiland wäre? Ich bin beschämt, aber auch erfreut über alles, was Er mein armes Herz erfahren läßt.
Im Eibauer Bericht heist es: Es ist eine Frau zu uns gekommen, die sehr verlegen war um ihre Seeligkeit. Ihre Leibes-Kräfte hatten sie verlassen, und sie hatte weder Arbeiten, noch schlafen können. Ihr Mann muste des Nachts oft aufstehen, und mit ihr Beten und singen. Er ist auch oft beym Doctor gewesen und hat Arzney geholt. Aber das alles wolte nicht helfen. Sie hegte den Gedanken bey sich, sie habe die Sünde wieder den Heiligen Geist begangen, und nun sey kein Rath mehr. [11] Einmal aber kam sie zu einer Schwester in Eibau und erzehlte ihr ihre Umstände. Ihr Mann, der ein Bruder ist, sagte dann zu ihr: Meine liebe Frau, daß ihr so sündig seyd, das sagt euch der heilige Geist selber, ihr dürft gar nicht anders denken, als daß der Heilige Geist an eurem Herzen arbeitet; Er sagt euch, daß ihr eine Sünderin seyd p. Ach, antwortete sie, das hat mir noch kein Mensch so gesagt, mein Herz wird mir ganz leichte. Sie wurde dann einfältig zum Heiland gewiesen und versichert, daß der Herr Jesus für Sünder und Gottlose gestorben sey. Und nun ist die Frau recht vergnügt, und bey den Geschwistern in Eibau.
Zum Schluß des Jahrs 1770 danken die auf Jesu Todt und Schmerzen verbundene und mit Herrnhuth in Gemeinschaft stehende Gesellschaften in diesem Lande, Gott ihrem Heiland von Herzen, daß Er ihnen das Geheimniß der Gottseligkeit geoffenbaret, verbindungen unter ihnen gestiftet, sie in Connexion mit der Brüder-Gemeine gebracht hat, und auf Seine Marter und Todt vester gegründet. [12] Man hat neue Spuhren, daß der Segen der Grönländischen Historie continuirt, und Männer die abgeneigt waren, mit ihren Herzen zu den Brüdern gelenckt hat, daß sie Jerusalem Glück wünschen. Andre hingegen sind nicht zu frieden, wenn Brüder die Lesung derselben befördern. In einem Dorfe hat sich eine neue Erweckung hervor gethan: die Gemeinschaft in der selben zu stören, sind Versuche geschehen; bis dato aber micht reusirt weil es Gottes Sache ist. Die Zahl der in Einem Bunde stehenden Geschwister ist dieses Jahr mit 61 vermehrt worden.
In Berthelsdorf stehen in der Pflege der Geschwister 397 Personen. In Catharinenhof wohnen 103 Personen u. das ganze Häuflein in Hennerdorf macht 228 Seelen aus. In Neukirch sind 200, und in Taubenheim 27 Seelen. Der Geschwister u. Kinder in allen Orten zusammen sind gegen 2000, die alle den Wunden Jesu empfohlen werden.
Ein Hanptzweck meiner disjährigen Besuche war, die kurze Nachricht vom lezten Synodus an die Diaspora überall zu communiciren. [13] Ich habe gemerckt, daß diese Nachricht vielen eine rechte Freude war, und glaube, daß sie zu einem bleibenden Segen seyn wird. Viele haben mich gebeten, ihre herzliche Danckbarkeit dafür zu bezeugen. Bey jedesmaligem Vorlesen hat Gnade gewaltet, und ich habe sie an den meisten Orten 2 bis 3 mal Verlesen, und ihnen beym wieder Besuchen, sie mehrmals zu wiederholen versprechen müßen. Unterm Verlesen hielt ich oftmals inne, und wir schickten unsre Herzens Seufzer ins Herz des Heilands, um die uns vom Synodus erbetene, gewünschte u. genannte aparte Gnaden und Segen, mit einem auf die resp. Materie passenden Choral. Auch hatte ich die Geschwister gebeten, daß wenn ihnen etwas nicht deutlich genug vorkäme, sie es sagen möchten. u. s. w. Solches gab Gelegenheit zu realen discoursen und viele äußerten sich gefühlig und dankbar über die Gnade, mit der Gemeine auf das Blutige Versöhn-Opfer Jesu als arme Sünder gewiesen worden zu seyn, und wie ihr Anliegen [14] sey, noch vester auf den Felsen-Grund des Todtes Jesu gegründet zu werden, und nach der einen Regel aller Kinder Gottes mit Treue einher zu gehen. Außerdem ist noch folgendes anzuführen:
In S. war mein Besuch den dortigen
lieben Leutgen zur Freude, und der
Heiland ließ mich Seine liebe Nähe unter
ihnen fühlen. Sie müßen viele Schmach
tragen; aber eine Hand Gottes hat
bisher über ihren Versammlungen gehalten.
In die allgemeine Versammlung kommen
über 40 Personen. Unter den neuen
ist ein Mann, dem der reformirte
Inspector, der der vornehmste Geistliche
in der Stadt ist, selbst gerathen
hat, in die Versammlung zu gehen. Dieser
Mann erzehlte, daß er seit geraumer
Zeit in großer Unruhe und Angst
gewesen wäre, und sich manchmal
grausam vor der Hölle gefürchtet
hätte. In dieser Angst sey er auf
sein Angesicht gefallen und habe gebetet:
Gott solte sich seiner erbarmen!
Da wären ihm 3 Götter vorgemahlt
worden, und er hatte nicht gewußt
zu welchem er beten solle. Der Inspector
[15] habe ihm dann geantwortet darüber
wäre er noch ängstlicher geworden, und
wäre voller Schrecken zum Inspector
gelaufen, und hätte sich befragt, an
welchen er sich wenden solle. Der
Inspector habe ihm dann geantwortet:
Er solle sich zu dem Gott am Creuz
wenden, der wäre der wahre
Gott, und der einige Heiland der
armen verlornen Menschen; und
dann solle er sich zu der Gesellschaft,
die in dem Hause des N. N. Versammlungen
hielte, halten. Die Leute
hätten den rechten Weg, u. er hätte
schon 6 seiner Kirch Kinder, die auch in
dergleichen Umständen gewesen und
sich jezt wohl befänden, dahin gewiesen.
In Gotha sprach ich mit einem Mann und seiner Frau, die ehemals in der Gemeine gewohnt. Seine Äußerung war gefühlig. Er sagte: er mußte wol fühlen, was er jezt entbehren müße; er wende aber unzählige mal sein Angesicht nach Herrnhuth u. dem Pläzgen wo er so manches selige vom Heiland alleine und mit dem Volck Gottes genoßen.
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D. 112ten Jan. ließ sich ein jedes ganz Speciell vom Heiland segnen, und empfahl sich zum neuen Jahr Seinem treuen Herzen, auf die künftgen Stunden. D. 2ten waren 2 Calmucken in unsrer Versammlung zu gegen. Der eine versteht deutsch, u. ist vor etlichen Tagen von dem Obristen Donduk in Janetefka, der ein Rußisch getaufter Calmuck ist, bey dem er als Dollmetscher steht, hieher geschickt worden, ein und anders hier machen zu laßen. D. 3ten machte Bruder Marcus Thede die erste Probe mit Brantwein brennen. Die 3 Familien im Gemeinhause fingen ihre eigene Oeconomie an. D. 4ten besuchte uns der Saifang Jochmat. Er wolte uns eine Calmucken Familie von 5 Selen vor 75 Rubel versezen; wir konten uns aber nicht so gleich dazu entschliesen. D. 6ten begingen wir mit der griechischen Kirche das Heidenfest und gedachten mit ganz besondrem Gefühl der in unsrer Nachbarschaft befindlichen [54] Heiden. D. 7ten gegen Abend sahen wir in der Gegend von Czarizin ein großes Feuer; und weil wir nicht anders vermuthen konten, als daß es würklich in Czarizin seyn müßte: so schickten wir den Bruder Christian Hamel nebst einigen Cosaken dahin, um dem HErrn Comendanten unser Theilnehmen zu bezeugen. Er brachte uns Tags darauf die betrübte Nachricht, daß daselbst 34 Kaufmanns-Buden abgebrandt. Der HErr Commendant hatte sich sehr freundschaftlich über unser Theilnehmen bezeugt. Auf ihrem Wege nach Astracan kamen 200 Mann Recruten an; 100 davon logirten für Baares Geld im Gasthof, und die andre wurden in eine Casarme gewiesen. Ein Theil davon marchirte d. 8ten weiter; der andre hielt noch Rasttag bis zum 9ten. Von Kaufleuten, die von Ischornojar kamen, hörten wir, daß die Calmuck, den großen Tartarischen u. Armenischen Basar /: Marckt :/ in der großen Chanischen Horde geplündert u. gänzlich ruinirt hätten; wobey verschiedene von den Kaufleuten theils geblieben, [55] theils sehr übel zugerichtet, und alle Buden verbrant worden. D. 9ten erhielten wir durch einen Expreßen ein Schreiben vom HErrn Commendanten in Czarizin, darinn er uns berichtet, daß vorgestern just zu der Zeit, da es in Czarizin brante, etliche Kaufleute, die gegen Czarizin über auf der andern Seite der Wolga standen, um mit den Calmucken, wie gewöhnlich, zu handeln, von den daselbst stehenden Calmucken plözlich überfallen und erbärmlich zerschlagen, und dann rein ausgeplündert worden, woraus man nicht anders, als auf eine Rebellion unter ihnen argwohnen könte. Zugleich warnte er uns, in Ansehung der in unsrer Nähe stehenden Calmucken auf unsrer Hut zu seyn. Nachmittag kamen selbst 4 von den Kaufleuten, die noch durch die Flucht entkommen, und sich von Fischern hatten übersezen laßen. Sie waren würcklich jämerlich zugerichtet. Wir hörten von ihnen die ganze begebenheit. 2 von ihren Cameraden sollen mit fort geschleppt seyn. Erwehnter [56] Seite:GN.A.159 Gemein-Nachrichten 1771,5.pdf/60 [57] Seite:GN.A.159 Gemein-Nachrichten 1771,5.pdf/61 [58] Seite:GN.A.159 Gemein-Nachrichten 1771,5.pdf/62 [59] Seite:GN.A.159 Gemein-Nachrichten 1771,5.pdf/63 [60] Seite:GN.A.159 Gemein-Nachrichten 1771,5.pdf/64
Am 2ten Sept. 1770 hielt Bruder Brukshaw die Predigt mit Kraft und Gnade. In der drauf folgenden Versammlung der Getauften, fiel er mit ihnen auf die Knie, und empfahl sie in einem mit vielen Thränen begleiteten Gebet, dem treuen Herzen Jesu. D. 6ten gingen die Brüder Brukshaw und Bennet in die Stadt zum begräbniß der Aeltesten Tochter des HErrn Piggots. Sie wurde in der S. Thomas Kirche beygesezt. Der Prediger verlangte, daß Bruder Brukshaw ihm beym Leichen-Gefolge Gesellschaft leisten möchte. Er fragte ihn vieles, die Brüder-Gemeine betrefend, und war mit seinen Antworten recht wohl zu frieden. So wol diesen Plaz, als auch eine schöne Plantage hat der General Cadrington einer gewißen Societaet in London zur Ausbreitung des Evangelii geschenkt. Der Pfarrer, sagte:
Anmerkungen (Wikisource)