Kurs:Elementare Algebra/24/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 2 | 3 | 4 | 1 | 3 | 3 | 3 | 4 | 5 | 4 | 8 | 2 | 6 | 3 | 3 | 2 | 2 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Der Betrag einer komplexen Zahl .
- Ein Gruppenhomomorphismus zwischen Gruppen und .
- Ein Radikal in einem kommutativen Ring .
- Die eulersche Funktion zu .
- Die Dimension eines -Vektorraums ( besitze ein endliches Erzeugendensystem).
- Eine konstruierbare Zahl .
- Der Betrag einer komplexen Zahl ist durch
definiert.
- Eine
Abbildung
heißt Gruppenhomomorphismus, wenn die Gleichheit
für alle gilt.
- Ein Ideal in einem kommutativen Ring heißt Radikal, wenn folgendes gilt: Falls ist für ein , so ist bereits .
- Zu einer natürlichen Zahl bezeichnet die Anzahl der Elemente von .
- Unter der Dimension eines Vektorraums versteht man die Anzahl der Elemente in einer Basis von .
- Eine Zahl heißt konstruierbar, wenn sie aus der Startmenge
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über die Beziehung zwischen prim und irreduzibel in einem Integritätsbereich .
- Der Chinesische Restsatz für .
- Der Satz über die Restklassendarstellung zur erzeugten Algebra zu einem algebraischen Element bei einer Körpererweiterung .
- In einem Integritätsbereich ist ein Primelement stets irreduzibel.
- Es sei eine positive natürliche Zahl mit kanonischer Primfaktorzerlegung . Dann induzieren die kanonischen Ringhomomorphismen
einen Ringisomorphismus
- Es sei das Minimalpolynom von . Dann gibt es eine kanonische -Algebraisomorphie
Aufgabe (2 (1+1) Punkte)
a) Das stimmt, da ja die Verknüpfung wohldefiniert ist und die gleiche Operation auf das gleiche Element angewendet wird.
b) Das stimmt nicht. Wir betrachten die Multiplikation in mit
und
.
Dann ist
Aufgabe (3 Punkte)
Man bestimme sämtliche komplexen Nullstellen des Polynoms
und man gebe die Primfaktorzerlegung von diesem Polynom in und in an.
Zunächst ist eine Nullstelle und daher ist ein Linearfaktor. Division mit Rest ergibt
Wir müssen also noch die komplexen Nullstellen von bestimmen. Dazu ist
Damit ist
und somit sind die weiteren Nullstellen
Die Faktorzerlegung über ist somit
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei ein Körper und seien verschiedene Zahlen und Zahlen gegeben. Zeige, dass es ein eindeutig bestimmtes normiertes Polynom vom Grad gibt, das für alle erfüllt.
Nach dem Interpolationssatz für Polynome gibt es ein Polynom vom Grad mit für alle . Wir betrachten das Polynom
Dieses ist ein normiertes Polynom vom Grad , das an den Stellen den Wert annimmt. Deshalb ist
ein normiertes Polynom vom Grad mit
womit die Existenz gezeigt ist. Zum Nachweis der Eindeutigkeit seien und normierte Polynome vom Grad mit . Dann besitzt einen Grad , das an den Stellen den Wert besitzt. Deshalb ist es nach Korollar 5.6 (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) das Nullpolynom und somit ist .
Aufgabe (1 Punkt)
Man finde ein Polynom mit , , und .
Das Polynom erfüllt offenbar diese Eigenschaften.
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei eine natürliche Zahl. Zeige, dass die folgenden Aussagen äquivalent sind.
- ist teilerfremd zu .
- ist teilerfremd zu für ein .
- ist teilerfremd zu für jedes .
- Die Endziffer von im Zehnersystem ist oder .
Wegen
bedeuten (1), (2) und (3) jeweils, dass in der Primfaktorzerlegung von weder noch vorkommt. Wegen
mit der Endziffer zwischen und ist ein Vielfaches von (bzw. von ) genau dann, wenn das für die Endziffer gilt. Dies sind aber genau die geraden Ziffern oder die . Dass weder ein Vielfaches der noch der ist, ist somit äquivalent dazu, dass die Endziffer gleich oder ist.
Aufgabe (3 (2+1) Punkte)
Es sei eine natürliche Zahl.
- Bestimme den größten gemeinsamen Teiler von und .
- Bestimme das kleinste gemeinsame Vielfache von und .
- Es ist
und
Daher ist ein gemeinsamer Teiler der beiden Zahlen. Die beiden anderen Faktoren, also bzw. sind teilerfremd, da ihr Abstand ist. Somit tragen diese Faktoren nicht zum größten gemeinsamen Teiler bei und daher ist der größte gemeinsame Teiler gleich .
- Nach
Lemma 21.3 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2022-2023))
und Teil (1) ist das kleinste gemeinsame Vielfache der beiden Zahlen gleich
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme in mit Hilfe des euklidischen Algorithmus den größten gemeinsamen Teiler von und .
Wir setzen und und führen die Division mit Rest durch durch. Es ist (in )
Für diese Zahl ist eine beste ganzzahlige Approximation, wir nehmen also und erhalten . Wir drehen also die Sache um und erhalten
Das Ergebnis ist also eine ganze Gaußsche Zahl, und teilt daher . Also ist der größte gemeinsame Teiler.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise das Kernkriterium für die Injektivität eines Gruppenhomomorphismus
Wenn injektiv ist, so darf auf jedes Element höchstens ein Element aus gehen. Da auf geschickt wird, darf kein weiteres Element auf gehen, d.h. . Es sei umgekehrt dies der Fall und sei angenommen, dass beide auf geschickt werden. Dann ist
und damit ist , also nach Voraussetzung und damit .
Aufgabe (5 Punkte)
Man gebe eine vollständige Liste aller kommutativen Ringe mit Elementen.
Es sei ein kommutativer Ring mit sechs Elementen und sei der kanonische Ringhomomorphismus, der auf schickt. Die (additive) Ordnung der in (also die Charakteristik von ) ist ein Teiler von . Die Ordnung eins ist nicht möglich, das wäre der Nullring. Bei Ordnung (oder ) wäre eine (bzw. -)Algebra, also insbesondere ein Vektorraum über diesem Körper. Dann müsste aber die Anzahl eine Primzahlpotenz sein, was nicht der Fall ist. Also ist die Ordnung und der kanonische Homomorphismus ist surjektiv, also , und dies ist der einzige kommutative Ring mit sechs Elementen.
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei und der zugehörige Restklassenring. Zeige, dass genau dann eine Einheit modulo ist, wenn und teilerfremd sind.
Sind und teilerfremd, so gibt es nach Satz 20.1 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2022-2023)) eine Darstellung der , es gibt also ganze Zahlen mit
Betrachtet man diese Gleichung modulo , so ergibt sich in . Damit ist eine Einheit mit dem inversen Element .
Ist umgekehrt eine Einheit in , so gibt es ein mit in . Das bedeutet aber, dass ein Vielfaches von ist, sodass also
gilt. Dann ist aber wieder und und sind teilerfremd.
Aufgabe (8 (2+2+4) Punkte)
Es sei ein
endlicher Körper
mit Elementen.
a) Es sei ein - Vektorraum der Dimension . Wie viele Elemente besitzt ?
b) Zeige, dass ein
-
Vektorraum
genau dann endlich ist, wenn er
endlichdimensional
ist.
c) Wie viele Basen besitzt ein -dimensionaler -Vektorraum?
a) Da es eine Basis gibt, ist isomorph zu . Dieser Raum besteht aus allen -Tupeln und besitzt damit Elemente.
b) Wenn endlichdimensional ist, so folgt die Endlichkeit der Menge direkt aus a). Wenn endlich ist, so kann man ganz als endliches Erzeugendensystem wählen. Eine Teilmenge davon bildet eine endliche Basis. Also ist endlichdimensional.
c) Wir überlegen uns, auf wie viele Arten wir eine Basis zusammenstellen können. Damit müssen wir nur beachten, dass jeweils nicht im dem von den erzeugten Untervektorraum liegt. Durch diese Bedingung besitzt dieser Untervektorraum insbesondere Elemente. Das bedeutet, dass man für genau Auswahlmöglichkeiten hat. Daher gibt es insgesamt
Basen.
Aufgabe (2 Punkte)
Berechne
Es ist
Aufgabe (6 Punkte)
Beweise die „Gradformel“ für eine Kette von endlichen Körpererweiterungen .
Wir setzen und . Es sei eine -Basis von und eine -Basis von . Wir behaupten, dass die Produkte
bilden. Wir zeigen zuerst, dass diese Produkte den Vektorraum über aufspannen. Es sei dazu . Wir schreiben
mit Koeffizienten ausdrücken. Das ergibt
Daher ist eine -Linearkombination der Produkte .
Um zu zeigen, dass diese Produkte
linear unabhängig sind, sei
angenommen mit . Wir schreiben dies als . Da die linear unabhängig über sind und die Koeffizienten der zu gehören folgt, dass ist für jedes . Da die linear unabhängig über sind und ist folgt, dass ist für alle .
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme die Schnittpunkte des Einheitskreises mit der durch
gegebenen Geraden.
Der Einheitskreis ist durch
gegeben. Darin setzen wir
ein und erhalten
Also ist
und damit
Somit ist
Die Schnittpunkte sind also und .
Aufgabe (3 Punkte)
Beschreibe eine Situation, an der man den Unterschied zwischen einer koordinatenfreien Geometrie und einer Geometrie mit Koordinaten erläutern kann.
Aufgabe (2 Punkte)
Ist es möglich, zum Einheitsquadrat einen flächengleichen Kreis mit Zirkel und Lineal zu konstruieren?
Dies ist nicht möglich. Das Einheitsquadrat hat den Flächeninhalt . Der Radius eines flächengleichen Kreises müsste die Bedingung
also
erfüllen. Wäre dies konstruierbar, so wäre nach Lemma 25.8 (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) auch der Kehrwert konstruierbar, was aber die Quadratur des Kreises bedeutet würde.
Aufgabe (2 Punkte)
Charakterisiere mit Hilfe von Fermatschen Primzahlen (ohne Beweis) diejenigen natürlichen Zahlen , für die das reguläre -Eck konstruierbar ist. Wende diese Charakterisierung für zwischen und an.
Zu einer natürlichen Zahl ist das reguläre -Eck genau dann konstruierbar, wenn die Primfaktorzerlegung von die Gestalt hat
mit verschiedenen Fermatsche Primzahlen . Dabei ist eine Fermatsche Primzahl eine Primzahl der Form . Für das Zahlenintervall von bis sind nur die Fermatschen Primzahlen relevant, und daher sind lediglich die regulären -Ecke für
konstruierbar.