Trapani und der Berg Eryx
| Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig. |

TRAPANI
„Einst die Kornkammer Roms, jetzt oft selbst Mangel leidend; Wüsten statt bebauter Felder, kahle verbrannte Strecken statt baumreicher Haine und umgestürzte Säulen und Tempel als einzige Gegenstände der Aufmerksamkeit, Forschung und Bewunderung, während die Gegenwart nichts bietet als schwarze, sich über das Ganze hinlagernde Schatten, damit das Bild durch den Gegensatz nur noch dunkler und erschreckender werde! Woher dieser unselige Verfall?“ – – F. v. Raumer.
|
Im lichten Abendschein eines südlichen Frühlingstages standen wir auf dem Deck unseres kleinen Dampfers, der rüstig die glatten tiefblauen Wellen durchpflügte, und hefteten unsere Blicke auf die am Rande des Horizontes scharf sich abzeichnende Westküste Siciliens. Unsere Sehnsucht hätte so gern den Räderschwung des Schiffs beflügelt, denn wir konnten den Augenblick nicht erwarten, die schöne Trinacrie, die „dreigezackte“ Wiege der hellenischen Götter, die Ernährerin der weltherrschenden Roma, die Geliebte der Araber, wie der deutschen Hohenstaufen lockende Sirene, – diese beklagenswerthe Insel zu betreten und die Spuren aufzusuchen, welche die Herrschaft von zwölf Völkern, dreien Welttheilen entstammt, in den letzten drei Jahrtausenden ihr hinterlassen hat.
Da schwankte das Boot hart um die Spitze einer Landzunge, im glühenden Abendroth lag Trapani vor uns in sicherer Bucht, hinter ihm erhob der mythenreiche Eryx, der Parnaß Siciliens, sein gekröntes Haupt – wir standen versunken in den überraschenden Anblick; noch ein paar Ruderschläge, und wir lagen im Hafen, der Anker rasselte nieder und die königlichen Zollbeamten überstiegen die Ballustrade des Boots, ihre quälende, unsere Geduld auf die Probe stellende Arbeit zu beginnen. Die von Neapel her uns verhaßten Uniformen, die lästigen inquirirenden Fragen, zu welchen eine dünkelhafte Polizei sich überall befugt glaubt, zwangen unsere Gedanken bald in eine andere Richtung, als die Bewunderung der uns umgebenden Naturreize, und mit der historischen Bedeutung des nahen Leuchtthurms (Scaglio del mal Consiglio), welcher die Versammlungen der Verschworenen der sicilianischen Vesper unter Procida’s Anführung beherbergt hatte, drängte sich das düstere Bild vom Schicksal der schönen Insel und dem Jammerzustand seiner Bewohner unabweislich vor die Seele. Die Laune der Beamten ließ uns [154] Zeit, unsere Reflexionen zu beenden und der schweren Leidensgeschichte von Anfang bis zu Ende zu gedenken, welche die Perle des Mittelmeers so tief in Staub getreten hat, daß kaum mehr Spuren ihres Glanzes zu erkennen sind. Welche finsteren Gewalten konnten diesen Garten der Erde wüst legen und seine blühenden Städte entvölkern, welche dämonischen Mächte vermochten den milden friedlichen Sinn, der über die alte Welt Segen spendete, in gährend Drachengift zu verwandeln, dieses glückliche Inselvolk, gleich seiner Leidensschwester im Norden, „grün Erin“, dem Schicksal der Niobstöchter preiszugeben und dieses einstige Eden des Friedens zum Verderben drohenden Herd der Empörung und zum Schauplatz ewigen Blutvergießens zu machen? Ein Gang durch Siciliens Geschichte gibt die Antwort.
Sicilien, von den Kulturvölkern der alten Welt, Phöniciern, Griechen und Karthagern, kolonisirt und zu einem mächtigen Ackerbau- und Handelsstaat geschaffen, mit Wissenschaften und Künsten in herrlicher Ausbildung geziert, stand in seiner schönsten Blüthe, als es die Beute der eroberungssüchtigen Römer wurde. Diesen aber war Sicilien nur die reiche, einträgliche und nützliche Provinz, welche, wie Cicero’s Anklageakte gegen den raubgierigen Präfekten Verres sagt, „nicht nur die Kornkammer Roms und die Ernährerin des römischen Volks war, sondern dessen größte Heere kleidete, nährte und ausrüstete.“ In jenen Zeiten war die Insel überall angebaut und mit vielen blühenden Städten und Dörfern bedeckt. Ackerbau war stets die Hauptquelle ihres Reichthums, das bezeichnet deutlich ihr altgriechisches, durch alle Stürme der Zeit gebliebenes Wappen: ein Kopf mit drei Beinen und zwischen jedem eine Kornähre – die Gebirgszüge, welche Sicilien in drei Hauptthäler scheiden mit dem Symbol der überall herrschenden Fruchtbarkeit. Nachdem die Insel von den Römern fast sieben Jahrhunderte lang methodisch ausgesogen und verarmt, dann von den Vandalen erobert und verheert war, fiel sie unter die schlaffe Herrschaft der byzantinischen Kaiser, deren despotische und habsüchtige Statthalter ihren Ruin vollendeten. Nun erschienen die Araber, das gesittetste Volk des frühesten Mittelalters, herbeigerufen von einem Christen zur Unterjochung seiner Glaubensgenossen. Dieser Verrath aus Liebe gleicht der That, welche Spanien den Ungläubigen überlieferte. Euphemius, ein junger Grieche aus reicher und angesehener Familie in Sicilien, liebte die schöne Anna, die Tochter eines mächtigen Hauses, und wurde von ihr eben so glühend wieder geliebt, als er von ihren Verwandten gehaßt wurde. Als diese Anna hinter den festen Mauern eines Klosters verborgen hielten, drang Euphemius mit Gewalt in dasselbe ein und entführte die Geliebte in die Sicherheit einer seiner Felsenburgen. Anna’s rachsüchtige Familie wußte aber durch ihren Einfluß am Hofe zu Konstantinopel einen Befehl des Kaisers Michael, des Stammlers, an den Statthalter von Sicilien zu erwirken, dem Euphemius als Klosterschänder die Nase und dann den Kopf abhauen zu lassen. Euphemius, welchem nun nichts übrig blieb, als in offener Empörung sein Heil zu versuchen, ließ, unterstützt von Verwandten und Freunden, sich zum Kaiser ausrufen, flüchtete aber, der [155] Macht des Statthalters nicht gewachsen, nach dem nahen Tunis, wo Hassan, der fast unabhängige Emir des Khalifen Mamun, herrschte. Schon lange mit gierigem Auge die schöne Insel betrachtend, willfahrte er gern den Bitten des Euphemius um Beistand, und übergab ihm 40,000 seiner Krieger unter Führung seines Feldherrn Alhakem, welche mit Hülfe spanischer Araber in wenigen Jahren ganz Sicilien eroberten. Allein Euphemius sollte die Früchte seines Verraths nicht genießen, seine übermächtigen Bundesgenossen hatten die lockende Beute nicht für ihn erobert, sie wollten, ungeachtet aller glänzenden Versprechungen, aller Drohungen der Griechen, nicht weichen, und nach einer scheinbaren Versöhnung, bei der Belagerung der letzten Griechenveste, Syrakus, wurde Euphemius von Alhakem hinterlistig erdolcht. Nun war der Christen Herrschaft in Sicilien erloschen, und fast dritthalb Jahrhunderte triumphirte dort der Halbmond über das Kreuz; aber man muß gestehen, es war eine der glücklichsten Zeiten der Insel, als ihre Herrscher Allah und Mohammed, seinen Propheten, anriefen. Nach der reinen Lehre des Koran hatten die Araber den Griechen die Annahme des Islam oder Unterwerfung als Zinspflichtige mit Beibehaltung ihres Glaubens angeboten, und nur diejenigen getödtet oder zu Sklaven gemacht, welche in der Schlacht ihnen entgegentraten. Fast alle Einwohner wählten Unterwerfung und lebten fortan ungestört in ihrem Glauben unter der milden und gerechten, dabei für ihr Wohl sorgenden Regierung des Großemirs, welcher seine Residenz in Balirmu (Palermo), dem alten Panormus, gebaut hatte. Die fleißigen Araber, dem Ackerbau und der Viehzucht ergeben, bekannt mit vielen Industriezweigen und den schönen Künsten nicht abhold, liebten Sicilien als ein Land, das in Klima und Erzeugnissen ihrer Heimath ähnlich war. Hier fanden sie ihre Lieblingsgewächse, die Dattelpalme, den Orangen- und Citronenbaum, die Rose, den Jasmin und Oleander, hier fanden sie die üppigen Kornfelder Nordafrika’s wieder. Unter der Araber Herrschaft hob sich der Ackerbau Siciliens zu seiner frühern Blüthe wieder empor, gefördert durch das von ihnen eingeführte System regelmäßiger Bewässerung der Felder, und dieser Segen besteht eben so wie im Süden Spaniens, nach den von ihnen erlassenen Verordnungen, noch heutigen Tages unverändert fort. Sie führten zuerst dort den Olivenbaum ein, und wenn jetzt der Fremde einen der uralten Olivenbäume in Palermo’s Umgebung bewundert, so wird der geringste Mann ihm erzählen, daß dieser Baum von den Saracenen selbst gepflanzt sei. So vergißt das Volk auch nach einem Jahrtausend empfangene Wohlthaten nimmer, und die Araber sind bei den Sicilianern im dankbarsten Andenken geblieben. Sie machten dort noch das Zuckerrohr und die Melone einheimisch, führten ihr Lieblingsthier, das Kameel, und die Brieftauben ein, unter ihren Händen gedieh auf den fruchtbaren Weiden die Schafzucht, sie gründeten viele Wollenfabriken und Färbereien, und belebten Handel und Schifffahrt. Straßen, Brunnen und Wasserleitungen entstanden unter ihrer Herrschaft, stolze Moscheen, Burgen und Landhäuser stiegen überall empor, die schönsten in und um Palermo, ihrem begünstigten Lieblingssitze; Gerechtigkeit wurde streng, [156] aber unparteiisch dem Moslem wie dem Christen, jedem nach seinem Gesetze zugemessen, Wohlstand und Frieden kehrten zurück, eine Sicherheit des Eigenthums und Lebens herrschte auf der ganzen Insel, wie sie weder vorher, noch später und jetzt gar nicht zu finden ist, weshalb Sismondi in seiner vortrefflichen Geschichte der italienischen Freistaaten mit Wahrheit hervorheben kann, daß Sicilien seit Besiegung der Araber nie wieder eine wohlgeordnete Regierung gehabt habe. Die letzten Jahre ihrer Herrschaft trübten sich; Fehden unter den Emirn zerrütteten das Land und waren die nächste Veranlassung ihres Untergangs durch die abenteuernden Normannen. Hier findet sich ein unwiderleglicher Beweis von Dankbarkeit der sicilianischen Christen für die vielen Segnungen, welche die Araber ihnen gebracht, indem die Geschichte sie die vielen blutigen Schlachten ihrer mohammedanischen Beherrscher gegen die Normannen tapfer ausfechten sah. Sie mochten ihr künftiges Schicksal ahnen; die eiserne Faust des heftigen, raubgierigen Normann, die Einführung seines starren Feudalsystems mit harter Leibeigenschaft der Besiegten, nebst Unduldsamkeit gegen die Araber, zerstörten bald wieder die Blüthe und den Wohlstand Siciliens, welche die kurze Herrschaft der mildern und toleranten Hohenstaufen, besonders des großen, aber unglücklichen Kaisers Friedrich II., nicht wieder heben konnte. Unter der Herrschaft der Anjou und der Spanier kehrte, begleitet von der triumphirenden Geistlichkeit und den Schrecken der Inquisition, die alte Anarchie und Verarmung zurück, den Oesterreichern und Bourbons war die Insel stets nur ein ungeliebtes, vernachlässigtes Stiefkind, der Laune und Willkür habgieriger Statthalter untergeben, und so ist es kein Wunder, daß Siciliens unerschöpflich reicher Boden, großentheils verödet liegend, jetzt nicht einmal mehr seine decimirte Bevölkerung ernähren kann, und daß das Volk, wenn gleich von Natur intelligent und thatkräftig, verarmt, verdummt, entartet und entehrt einhergeht.
Die Tiefe des politischen und in Folge dessen socialen Elends, in das das schöne Sicilien durch die Schuld seiner Regenten gestürzt wurde, ist schwer zu ergründen, das unglückliche Land wieder zu erheben und seine Leiden radikal zu heilen, aber wohl so gut wie unmöglich.
Vor Allem wichtig sind die Verhältnisse des Grundeigenthums und der Landwirthschaft. Die Normannen theilten Sicilien nach der Eroberung in große Lehne für die Krone, den Adel und die Geistlichkeit, und knüpften daran Frohndienste, die von jeder der verschiedenen Nationen, welche die damalige Bevölkerung bildeten (Griechen, Araber, Normannen) nach ihrem Brauche abgeleistet wurden. Die reichern und mächtigern Vasallen wußten die Zahl ihrer Güter im Laufe der Zeit in’s Kolossale zu vermehren. Die Geistlichkeit verstand dies nicht minder, und Anhäufung von Grundbesitz erzeugte in Sicilien wie fast überall eine Stabilität in der Art der Bewirthschaftung, welche Verbesserungen gewöhnlich ausschließt. Den Städten gelang es erst im spätern Mittelalter, einiges Grundeigenthum zu erwerben. Die Normannen kannten nur Mannlehne, und von jeher [157] erhielten die nachgebornen Söhne des Adels Abfindungen aus den Gütern. Diese ergreifen höchst selten erzeugende Gewerbe, sondern werden in der Regel Advokaten, Mönche oder Soldaten und bilden einen zahlreichen niedern Adel. Der gesammte Adel Siciliens, welcher jetzt 127 Fürsten, 78 Herzöge, 130 Marquis und eine unendliche Menge Grafen zählt, wovon begreiflich die meisten unbemittelt, viele arm sind, wird auf 2500 Personen angegeben. Die Zahl der Geistlichen, der Mönche und Nonnen ist übermäßig groß und beträgt mehr als 40,000, so daß also auf 50 Einwohner eine geistliche Person kommt, und alle leben auf Kosten der erwerbenden Bevölkerung.
Unser anfänglicher Vergleich mit Irland paßt thatsächlich auf Siciliens ökonomische Verhältnisse, denn hier wie dort verpachten die Grundeigenthümer stets ihre Güter einem oder etlichen Spekulanten, diese verafterpachten solche an mehrere Andere, und so geht die Verafterpachtung herab, bis ein Gut von vielleicht hundert und mehr kleinen Pächtern kultivirt wird, welche die ganze Last dieses unseligen Verhältnisses tragen und froh sein müssen, wenn nach Bezahlung des Pachtgeldes ihnen der nothdürftigste Lebensunterhalt übrig bleibt. So haben die Grundbesitzer, von welchen viele ihre Einkünfte außerhalb Sicilien verzehren, kein anderes Interesse an ihren Gütern, als daß sie von dem Generalpächter die Pachtsumme richtig erhalten, und letzterer, sowie alle Zwischenpächter, leben mehr oder minder einträglich von dem dem Schweiße des kleinsten Afterpachters abgepreßten Gelde. Dieser ist das ganze Jahr hindurch zum fleißigen Anbau des Bodens gezwungen, wenn er seine stets nur auf wenige Jahre zugestandene Pacht behalten und dabei nicht verhungern will; ein anderes Interesse knüpft ihn nicht an das Grundstück, welches er kultivirt, oder an dessen Herrn. Obwohl nun der Boden ein so unerschöpflich reicher ist, daß er in vielen Gegenden achzigfältiges Korn ergibt, so ist doch der Getreidebau aus den angegebenen Gründen nicht mehr lohnend.
Ungeheure Striche durchgängig fruchtbaren Bodens, man gibt mehr als ein Drittel der ganzen Grundfläche an, liegen im Innern der Insel gänzlich brach und werden höchstens zu Viehweiden benutzt, weil sich keine Pächter finden, welche die so vielfach belastete Kultur übernehmen wollen, und weil bei dem Mangel an schiffbaren Flüssen und Fahrstraßen der Absatz der Produkte aus dem Innern zu kostbar, oft so gut wie unmöglich sein würde. Deshalb die vielen Einöden im Innern Siciliens, wo man oft in 4 bis 5 Stunden weder Dorf noch Haus, noch Menschen sieht. Alle diese Verhältnisse zusammengenommen machen es erklärlich, daß, während das übrige Europa überall Getreide in Menge erzeugt, Sicilien, welches einst Jahrhunderte lang die Kornkammer des römischen Weltreiches gewesen, jetzt bedeutender Getreidezufuhr bedarf, ja oft Mangel leidet und so dem Auslande einen starken, jährlichen Tribut entrichtet. Die Küsten und die Umgebung der daran liegenden größern Städte werden allein noch mit Fleiß angebaut, da dort allein vortheilhafter Absatz der Produkte zu [158] finden ist. Indeß sind bloß die größten Städte der Insel, Palermo, Messina und Catania, durch eine Fahrstraße verbunden, und zwar die einzige der Insel, obwohl seit 1839 behufs Chausseeanlagen 1½ Procent der Grundsteuer bewilligt, auch die Erlaubniß ertheilt ist, eine Million Dukaten dazu anzuleihen. Wem die Schuld beizumessen, daß dennoch Nichts geschah, dem schlechten Willen der Regierung oder der Lethargie und Indolenz der Sicilianer, wagen wir nicht zu entscheiden, anscheinend fällt die Schuld auf Beide. Der Taglöhner in der Umgebung der größern Städte würde sich besser stehen als der kleine Pächter, weil der Arbeitslohn so hoch ist, daß er in zwei Tagen den Unterhalt für die ganze Woche ohne übermäßige Anstrengung verdienen kann; allein wenn er so viel erworben hat, so denkt er nicht daran, noch mehr zu arbeiten, um sich Etwas zu ersparen, wie der Nordländer thut, sondern er gibt sich der Faulheit hin, die stets die Frucht der Unterdrückung ist, und weiß, daß die leichte Arbeit in der nächsten Woche ihm wieder so viel einträgt, als er zu seinem einfachen und mäßigen Leben bedarf. Jedenfalls bleibt ihm die Bettelei übrig, und eine Unzahl von Menschen fristet damit in Sicilien ihre Parasiten-Existenz. Man gibt, und das spricht die ganze Verworfenheit des Volkes aus, ein Drittel aller Einwohner als von Almosen lebend an.
Nun die politischen Verhältnisse! Mit vollkommener Wahrheit sagt v. Raumer darüber: „Wer die Leiden, das Verderbniß kennen lernen will, was da entsteht, wenn alle und jede Formen der Verfassung willkürlich bei Seite geworfen werden, und eine unverständige, eigennützige Bureaukratie sich auf den Thron setzt, der gehe nach Sicilien. Dazu rechne man, daß Abneigung, Haß und Verachtung zwischen beiden Hälften des Reichs sich offenbart, welche ohne rasche, wesentliche Hülfe selbst den gesundesten Staat auflösen und zu Grabe führen müßten.“
Schon gegen das Ende des 18. Jahrhunderts geriethen der Adel und die Geistlichkeit wegen ihrer alten Vorrechte in Opposition gegen die Regierung, welche einige zeitgemäße Reformen einführen wollte, die freilich nicht in’s Leben traten. Deshalb wandte sich später, als England den Protektor der Insel spielte, der Adel dorthin, um durch eine der englischen ähnliche Konstitution in einem mächtigen Oberhause Schutz gegen den König und dessen Minister und Erhaltung seiner Privilegien zu finden; die unter Englands Garantie im Jahre 1812 entstandene Verfassung mit einem Oberhause von Baronen und Bischöfen und einem Unterhause gewählter Deputirten entsprach aber in ihrer Wirksamkeit weder den Hoffnungen des Adels, noch des Volks. Das Parlament erklärte freilich die politische Trennung Siciliens von Neapel und die Aufhebung des Lehnswesens, allein sonst wurde dadurch Nichts erreicht, denn verschiedene in Vorschlag gebrachte nützliche Gesetze blieben unausgeführt. Niemand fand in der Verfassung die geträumten Vortheile für sich, das Volk, anfangs derselben enthusiastisch ergeben, wurde immer gleichgültiger, weil zu seinem Wohle doch Nichts geschah, und so wird es leicht erklärlich, [159] daß der König im Jahre 1816 die Verfassung, ohne den geringsten Widerstand zu finden, aufheben konnte. Das kurze Zwischenspiel der Revolution in Neapel vom Jahre 1820 hatte in Sicilien noch schrecklichere Folgen als dort; Einkerkerung vieler Tausende, Gesetzlosigkeit, Ruin alles Wohlstandes, Vermehrung der Staatsschuld um mehr als 6 Millionen Dukaten, Elend aller Art häuften sich hier; dazu kamen im Jahre 1823 die großen Zerstörungen, welche heftige Erdbeben und Ueberschwemmungen, und in Palermo eine furchtbare Feuersbrunst anrichteten. Der König erließ kurz nach der Rückkehr in seine Hauptstadt am 26. Mai 1821 ein Verfassungsdekret für sein Reich, welches mit Aufhebung aller frühern Verfassungen Nichts mehr bestimmte, als Einrichtung eines Staatsraths, besondere Staatsversammlungen (Consulta di stato) für Neapel und Sicilien, deren Mitglieder vom Könige ernannt wurden, um Gesetzentwürfe und finanzielle Maßregeln zu berathen, und Provinzialräthe behufs Repartition der direkten Steuern. Zugleich wurde den Gemeinden die Verwaltung ihres Vermögens unter Oberaufsicht der Regierung gestattet. Ein königlicher Statthalter, stets ein Neapolitaner, wurde an die Spitze der Verwaltung Siciliens gestellt, allein ohne alle selbstständige Macht, und einem besondern Staatssekretär in Neapel untergeben.
Dieses Schattenbild einer Verfassung, welches keinem einzigen der bestehenden unzähligen Mängel abhalf, kam erst 1824 in Thätigkeit. In der Zwischenzeit war aber ein neues, von Geistlichen entworfenes Lehrsystem in allen Schulen eingeführt, Mönche und Jesuiten erhoben überall ihr Haupt, zahlreiche Klöster wurden wieder hergestellt, der Unterricht kam fast ganz in die Hände der Geistlichkeit, besonders der Jesuiten, strenge Censur und hohe Besteuerung ausländischer Bücher gingen Hand in Hand mit obigen Maßregeln, geistliche Uebungen, zumal der Jugend, wurden eben so streng, als politische Gesinnung durch Spionenschaaren überwacht; daraus folgte eine Unzahl von Verhaftungen und Hochverrathsprozessen mit den grausamsten Bestrafungen, z. B. Todesstrafe durch Spießruthen, und von der despotischen Willkür rücksichtslos gehandhabt. Fremde Soldaten, erst Oesterreicher, dann Schweizer, mußten das überall murrende Volk im Zaume halten, dessen Erbitterung in mehrfachen partiellen Aufständen ausbrach. Zu allen diesen Leiden kamen noch schwere Prüfungen über das unglückliche Sicilien. Schrecklich wüthete dort die Cholera im Jahre 1837, so daß in den Städten ein Sechstel der Bevölkerung dadurch weggerafft wurde, in Palermo 26,000, in Messina 10,000 Menschen, und der zahlreiche Pöbel benutzte die Seuche zu einem furchtbaren Aufstande, welcher, von den Vornehmen vergebens angefacht, um Sicilien von Neapel loszureißen, nur Blutvergießen und noch größeres Elend zur Folge hatte. Die Regierung nahm daraus den Vorwand, Sicilien noch mehr zu unterjochen, und dazu diente hauptsächlich die gänzliche Verschmelzung seiner Verwaltung mit der von Neapel. Damit verschwand der letzte Schatten jener [160] sogenannten Verfassung von 1821, und das einst in seiner Verwaltung selbstständige Sicilien blieb seitdem einer Schaar von der Regierung abhängiger Beamten übergeben. Für das materielle Wohl der Insel war unter den angedeuteten Verhältnissen seit 1816 von der Regierung nur wenig gesorgt. Seit 1819 wurde eine den französischen Gesetzbüchern nachgebildete Rechtsverfassung, Codice per il regno delle due Sicilie, mit öffentlichem Verfahren, jedoch ohne Geschworne, auch in Sicilien eingeführt, welche viele treffliche Bestimmungen enthält, aber durch Bestechlichkeit der Richter und die unendliche Menge blutsaugerischer Advokaten ihren Zweck verfehlen ließ. Sodann ward an die Stelle einer frühern Lokalpolizeimiliz die Gendarmerie eingeführt, welche, höchst unvollkommen organisirt, der Unsicherheit, die besonders im Innern der Insel herrscht, nicht abhilft, wenn auch durchschnittlich 12,000 Menschen in den Gefängnissen Siciliens sich befinden, und welche vom Volke als Hauptwerkzeug seiner Unterdrückung bitterer als irgendwo gehaßt wird. Ferner wurde Sicilien Befreiung von Militärkonskription gestattet, jedoch unter der Verpflichtung, zwei Regimenter Infanterie zu stellen, die durch Werbung und Pressen von Bettlern, Vagabonden und dem Auswurfe der Gefängnisse zusammengebracht werden. „Besser ein Schwein als Soldat“ heißt ein Volkswort; Beweis, in welchem Kredit der neapolitanische Kriegsdienst bei’m Sicilianer steht. Diese sicilianischen Regimenter garnisoniren in Neapel, während die Insel nur von neapolitaschen Truppen besetzt gehalten wird, die es an Anlässen zu blutigen Raufereien nicht fehlen lassen.
Die nächstdem zur Reife gekommene Frucht dieser Mißverwaltung war die noch frisch in unserm Andenken stehende Revolution von 1847, welche als der Ausgangspunkt der zündenden Bewegung angesehen werden kann, die in den zwei folgenden Jahren über ganz Europa entbrannte.
Nur fünf Vierteljahre währte der Triumph der sicilianischen Unabhängigkeit. Die Diplomatie Englands und Frankreichs, welche während des Kampfs zu Gunsten der Sicilianer intervenirt hatte, zog sich auf halbem Wege zurück und überließ das unglückliche, für seine Vertheidigung schlecht organisirte, in träumerischer Sicherheit sich wiegende Inselvolk der unbändigen Rache des neapolitanischen Herrschers. Mord, Brand, Verwüstung, jedweder Greuel bezeichneten an der ganzen Küste die Bahn des siegreichen Heeres, Kriegsgerichte hielten reichliche Nachlese, was verschont blieb, floh; im März 1849 lag das ohnmächtig verblutende Sicilien wieder zu den Füßen des Königs von Neapel.
Es wird diese nicht die letzte Erhebung des gebeugten Siciliervolks gewesen sein, ob aber aus einem dauernden Sieg, aus einer gänzlichen Abschüttelung des neapolitanischen Joches je wieder gedeihliche Zustände für die Insel hervorgehen werden, ob die politische Unabhängigkeit es je wieder auf die Bahn inneren Fortschritts, sittlicher Erhebung und zur Wiedergeburt seiner materiellen Wohlfahrt führen wird, muß Jeder bezweifeln, der [161] die bodenlose Gesunkenheit der Massen des Volks kennen gelernt hat. Selbst der humane Raumer verhehlt die Ansicht nicht, daß Siciliens Zukunft noch weit hoffnungsloser als die Irlands sei und eine so gänzliche Umgestaltung in Landvolk, Städten, Adel, Geistlichkeit, Klosterwesen, Verwaltung, Verfassung, kurz in Allem innen und außen, wie es seine Rückkehr zur Kulturentwickelung erheischt, außerhalb menschlicher Berechnung läge. Es dürfte sich an diesem unglücklichen Land zumeist erkennen lassen, was von den romanischen Stämmen im Allgemeinen befürchtet wird, daß mit ihrem dürren Holz eine Regeneration nicht mehr verträglich sei und die konvulsivischen Bewegungen, geräuschvollen Explosionen, unter denen ihre äußeren Lebenserscheinungen sich uns zeigen, das fieberhafte Umhertaumeln aus einer Staatsform in die andere, aus einem Ideenkreis in den andern, mehr den Kämpfen gleichen, welche dem Entweichen aller selbstständigen politischen Lebensfähigkeit, der staatlichen und nationalen Auflösung vorausgehen, als dem gewaltigen, aber zielbewußten Ringen um den Besitz der höchsten Güter und dem konsequenten Streben nach Emancipation und freier staatlicher Entwickelung. Indeß wer von den Propheten und Gelehrten, die der Zeit so emsig den Puls fühlen, mag sich vermessen, jetzt schon die Symptome ihrer Krankheit zu deuten?
Vom Hafen führt die ebene Straße über lange Dämme, an denen links das behufs der Salzgewinnung hereingeleitete Meer sichtbar wird, rechts erscheint bis zum Eryx eine alte Wasserleitung mit unzähligen Bogen, und bald befinden wir uns zwischen den Außenwerken der Festung Trapani. Ueber starke Zugbrücken fahren wir durch’s Festungsthor ein in das alte Drepanum, wo der aus Troja geflüchtete Aeneas seinen Vater Anchises begrub und festliche Spiele an dessen Grabe veranstaltete. Die ziemlich große, gegen 24,000 Einwohner zählende Stadt hat schöne breite, mit großen Platten gepflasterte Straßen, an denen mancher hübsche Palast mit maurischen und normännischen Verzierungen liegt; außerdem herrscht großes Leben auf den Straßen, das Auf- und Abladen der großen Waarenballen, die ihre Seeprodukte ausrufenden und handelnden Fischer, die Unmasse Korallenläden, alles das kündet die Handels- und Seestadt an, die doch dabei durch große Reinlichkeit in den Straßen und Häusern auffällt. Das überwiegende Interesse an dem nahen, uns zum Besuch einladenden ehrwürdigen Berg Eryx ließ uns der Stadt jedoch gleichgültig enteilen, und nach kurzer Rast brachen wir aus ihren Mauern wieder auf. Weiter kamen wir an den fast die ganze Stadt umgebenden Salinen vorbei, wo vortreffliches Salz auf die leichteste Art gewonnen wird. Man führt das Meerwasser mittelst Schleußen in große flache Bassins, wo es dann unter der mächtig wirkenden Sonnengluth verdampft, das schönste Salz auskrystallisirt und zugleich bleicht, worauf das fertige Produkt, in Magazine oder auch in großen Bergen zusammengeschaufelt, gleich Pyramiden sich rings herum erhebt und so im Freien stehen bleibt. Viele hundert solcher Bassins sieht man hier, die sich [162] Jeder anlegen kann, und dadurch bekommt die Umgegend der Stadt einganz merkwürdiges Ansehen. Am Karmeliterkloster begrüßten uns die Mönche, dann ging es seitwärts ab, und die mit enormen Kosten den Eryx hinaufgebaute neue Chaussee nach St. Giuliano. Obgleich nicht lange erst fertig geworden, zeigte sich dieselbe schon sehr schadhaft; vorzüglich in der Mitte des Berges war die immer im Zickzack führende Straße durch Regen- und Bergwasser, trotz der aufgerichteten Steinpfeiler, um 8–10 Ellen herabgerutscht, so daß sie kaum mehr fahrbar war. Außer Feigencactus und enormen Aloëstauden war das Terrain fast ohne alle Vegetation. Nur um das ziemlich auf der Mitte des Berges gelegene Kapucinerkloster waren prächtige Cypressen, Pinien und ein paar wunderschöne Palmen zu sehen. Das Kloster hat eine Art Katakomben, in welche die durch Zugluft mumisirten Leichen, mit Namen, Titeln u. s. w. behangen, dicht neben einander aufgerichtet sitzen oder auch hängen. Ueber zwei Stunden hatten wir zugebracht mit Ersteigen dieses 5000 Fuß über dem Meer hohen Berges, und als wir in St. Giuliano, der alten Stadt Eryx, eintraten, glaubten wir uns allerdings in eine andere Welt versetzt; etwas so ganz Fremdartiges in der Bauart, so Eigenthümliches in der Luft und so ganz Originelles in der Tracht der Männer und Frauen war uns noch nie vorgekommen. Oede und kahl ist das ganze Hochplateau, auf dem diese merkwürdige Stadt gebaut ist und der weltberühmte Tempel der Venus stand, von dem Virgil schon singt:
Da war der Venus Idalia, dort auf dem Gipfel des Eryx,
Hoch zu den Sternen ein Tempel geführt, und dem Grab des Anchises,
Rings umher ein heiliger Hain und ein Prister geweiht.
Einen auffälligen Charakter trägt jetzt noch dieser mythenreiche Boden, wo Aeneas geweilt, wo der vielgeprüfte Odysseus seine Abenteuer bestanden haben soll, wohin selbst das Abenteuer des Odysseus mit dem Cyclopen versetzt wird. Nach Homer war es der westliche Theil der Insel, und hier der einzig hohe Berg der Eryx, sowie die beiden Felsblöcke, die der Cyclop schleuderte, noch als die beiden vor den ägatischen Inseln liegenden Felsen im Meer bezeichnet werden. Pompeji, sowie es jetzt ausgegraben ist, nothdürftig wieder eingerichtet und bevölkert, könnte vielleicht einen Begriff von St. Giuliano zu geben im Stande sein. An schmalen Straßen, mit dem an den Seiten erhöhten Fußpfad, stehen einstöckige Häuser, aus dem grauen Kalkstein des Berges locker zusammengefügt, hie und da ein Fenster von kleinster Dimension, glatte vorspringende Dächer, auf denen grüne Gräser hervorsprossen; so sieht ein Haus wie das andere aus, und man glaubt keines bewohnt, denn nirgends läßt sich ein Gesicht aus denselben erblicken. Erst als wir weiter in das Innere der Stadt kamen, standen uns größere Häuser entgegen, auch Fenster erschienen, aber Alles grau verwittert, hie und da einzelne [163] schöne architektonische Verzierungen maurischen Ursprungs, ein prächtiges Kirchenportal, an andern griechische Inschriften, und da kamen auch neugierige Bewohner aus ihren Häusern; aber wie seltsam erschienen sie! Die Männer in lange schwarze Mäntel gehüllt, mit einer eigenen Art Kapuze, die nur einen kleinen Theil des Gesichts frei läßt; noch weniger sieht man von den Frauen, denn diese tragen bis zu den Füßen herabreichende schwarze Schleier, so daß nur die Augen hervorblitzen, welche allerdings an Schwärze dem Schleier selbst nichts nachgeben, und wenn man daraus auf das übrige Gesicht schließen dürfte, so muß der schon im Alterthum verbreitete Ruf von der Schönheit der Eryxinerinnen wohl begründet gewesen sein.
Als wir die Stadt durchwandert und das alte Saracenenschloß, welches sich höchst malerisch aufbaut, erreicht hatten, übersahen wir die westliche Küste der Insel. Da lag Trapani, in’s Meer hinaus gebaut, umgeben von seinen Salinen; weiter war Marsala in seinen Weinfeldern sichtbar; die ägatischen Inseln stiegen aus dem Meer empor, und aus dem Innern der Insel trat das eigenthümlich unterbrochene Terrain hervor. Lange freilich blieb der Anblick auf diese prächtige sonnenbeschienene Landschaft nicht, bald zog sich der Nebel wie ein dicker Vorhang um den Gipfel des Berges. Wir betraten die schon verfallenden Räume des Kastells, in dessen ziemlich großem Hof zwischen starken Eisengittern aus ihren Gefängnissen, die, weder mit Fenstern noch Laden verschlossen, in dieser neblichen Abendluft einen besonders unheimlichen Aufenthalt gewähren müssen, mehre schlimm aussehende Gesichter hervorsahen und um Almosen baten. Einige ungeheure Substruktionen, die dort zu Tage treten, sind das Einzige, was von dem hochberühmten alten Tempel der Venus, der, wie selten einer im Alterthum, so hohen Ruhm genossen, übrig ist. Während wir uns an diesem wunderbaren, mit üppigstem Epheu und Schlingpflanzen überwachsenen alten Mauerwerk erfreuten, theilte sich plötzlich der Nebel, und an dem steil abfallenden Berge kam zu unsern Füßen die reizendste Landschaft zum Vorschein. Kleine Orte, rings von Oliven- und Orangenbäumen umgeben, dicht an das brandende Meer grenzend, lagen in hellster Sonnenbeleuchtung vor uns, doch nur einen Moment vermochte der Blick diese Pracht festzuhalten, im nächsten war der Nebel schon wieder vorgezogen und wie in einer laterna magica dieses Zauberbild wieder verschwunden. Langsam fuhren wir den Zickzackweg des Berges herab, in dichtesten Nebel gehüllt; erst als wir auf der Hälfte waren, kamen wir aus dieser Region heraus, und im wunderbarsten Sonnenschein that sich die Landschaft auf, der Spiegel des Meeres blendete die Augen, und in schönsten Formen tauchten die ägatischen Inseln hervor. Die Luft war die mildeste, der ganze Himmel blau, nur der Eryx hatte sein Haupt verhüllt, gleichsam als wollte er uns das Traurige in dieser so heitern anmuthigen Landschaft verdecken. Als wir wieder durch das Festungsthor nach Trapani einfuhren, kehrten auch die Spaziergänger in die Stadt zurück; das Getreibe in den Straßen wurde [164] lebendiger. In einer wunderschönen gothischen Rosette über dem Hauptportal einer einfachen gothischen Kirche spiegelte die Gluth der untergehenden Sonne prächtig wieder. An den Häusern und Cafés standen mit langen weißen Schleiern bekleidet die Frauen; doch ebenso wenig wie die Schönheit der Eryxinerinnen war es uns vergönnt, die der Trapaneserinnen zu schauen.