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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band | |
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sind die Leser geführt worden: auf die Juliussäule und in den Louvre (Bd. IX), vor das Rathaus, in den Dom der Notre-Dame und die Kirche Saint Sulpice, auf den Revolutionsplatz, den Kirchhof Père la Chaise und in die Salpetrière (Bd. X), zur Börse, in die Morgue, vor den Triumphbogen de l’Etoile, in die Tuilerien, vor die Napoleonssäule und in die Kirche St. Germain d’Auxerre (Bd. XI), zum Obelisken von Luxor, vor den Palast der Ehrenlegion und in das Opernhaus (Bd. XII), nach St. Germain und Neuilly, vor das Pantheon, nach Versailles und Vincennes, zur Münze, in die Sorbonne und zum Luxemburg-Palast (Bd. XIII), vor die Akademie der schönen Künste, in die Elisée’schen Felder und zum Präsidentschaftspalast, nach St. Cloud und zur Porte St. Denis (Bd. XIV), vor das Hotel des Princes, in den Hof der Tuilerien, in das Innere der Kirche St. Etienne du Mont (Bd. XV) und zuletzt noch zu einer Soirée in den Tuilerien (Bd. XVI); dann durchwandelten wir mit einander die Räume des Industrieausstellungspalastes (Bd. XVIII) und stehen nun mitten über der uralten Seine, auf der Königsbrücke (Pont Royal). Vor uns verbindet die Caroussel-Brücke die Gallerie der Tuilerien mit dem Palais der schönen Künste; jenseits derselben spannen sich die neun gußeisernen Bogen der Brücke der Künste über denStrom, und oberhalb dieser führt Pont neuf vor Heinrichs IV. Reiterbild und zum Justizpalast; ihm zurRechten erheben sich die Thürme von Notre-Dame und über alles Bauwerk der Nothwendigkeit und der Pracht ragt das Pantheon empor mit der mächtigen Kuppel.
Was beginnen wir hier? Die Seine mag eine reiche Geschichte haben, die reichste, soweit Paris sich in ihr spiegelt. Dort preisen sie Tausende als ihre Lebensader, wie sie schon Tausenden zum Grab geworden ist. Aber die Gräber schweigen, am stillsten die tiefen, nassen; und das Leben und Treiben auf dem trägen Flusse ist gegen den hohen Wogenschlag der Geschichte in dem Häusermeere jenseits der Ufer so geringfügig, so verschwindend, daß wir diese „Schlange“ (Squan) der alten Celten, die einst hier hausten, nur als Schmuck im Bilde, nicht als Bild selbst betrachten können. Gehen wir denn in unserem Studium der Stadt einen Schritt weiter und streben nach einem Gesammtbilde von ihr.
Das Pantheon winkt uns zu lockend; wir steigen hinauf auf seine Kuppel. Auf dieser Höhe, 480 Fuß über dem Spiegel der Seine, legt sich das umfassendste Rundgemälde der Stadt und ihrer Umgebung nach allen Seiten vor uns hin und tritt die in den Bauwerken ausgeprägte Eigenthümlichkeit des verschiedenen Lebens in den einzelnen Gliedmaßen des Riesen uns mit überraschender Klarheit vor das Auge. Wir freuen uns eines schönen Abends; die Luft ist rein. Die Seine spielt mit blitzenden Lichtern, so oft sie zwischen den Mauern und Häusern, Brücken und Bäumen hindurch zu uns herausblicken kann. Das Irrgewinde der Straßen zeigt sich uns in scharfen Zügen, das Durcheinanderlaufen wie das Ausgreifen in verschwimmende Ferne, und die Höhen ringsum
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_19._Band_1857.djvu/13&oldid=- (Version vom 24.12.2025)