Gemein-Nachrichten 1770,2
Wir würden unsre lieben, theils nach Suriname, theils nach den Carybischen Insuln bestimmten Brüder und Schwestern dem Herrn und dem Worte Seiner Gnade, welches mächtig ist, sie zu erhalten und durch zubringen, kindlich empfehlen u. ihnen nicht erst eine Instruction aufsezen, wenn wir nicht um leztres wären gebeten worden, und uns die Erfahrung gelehrt hätte, daß solches zuweilen sehr nüzlich, wo nicht nöthig gewesen.
Wir wollen also eines, u. das andre was unsern lieben Geschwistern, theils auf der Reise, theils an dem Orte, wo sie hingehen, dienlich ist, in Liebe mittheilen, in der Hoffnung, es werde von ihnen einfältig u. Brüderlich aufgenommen werden.
Da bitten wir dann unsre Lieben Brüder und Schwestern überhaupt und ein jedes von ihnen insonderheit, daß sie ihrem [2] Beruf zu der Arbeit unter den Heiden, und die unverdiente Gnadenwahl, die auf sie gefallen, in ihrem Herzen veste machen und darinne gewiß werden und bleiben mögen. Denn, wenn es dem Feinde gelingt, daß er sie darüber in Zweifel bringen und sie in Ungewißheit sezen kan; so hat er es nicht schwer, sie auch in Zaghaftigkeit und Muthlosigkeit zu bringen. Was wird aber ein Bruder, oder Schwester unter den Heiden gutes schaffen, wenn er muthlos und zaghaftig wird.
Hiernächst rathen wir ihnen aus treuem Herzen, daß sie sich im Geiste ihres Gemüths erneuern, und sich dem lieben Herrn, der Sein Leben für sie gegeben u. Sein Blut für sie vergoßen hat, ohne einige Ausnahme ergeben u. aufopfern. Denn wenn jemand sein eigen Leben schonen u. etwas in Schuz nehmen und behalten wolte, das aus dem Verderben herkommt u. zu dem Verderben gehört, der würde sich selbst nicht nur einen sehr schweren Gang machen, sondern auch in Gefahr kommen, ein Pfeil zu werden, welcher zu boden fällt, ehe er das Ziel erreicht hat.
Ach möchte sich doch ein jedes so an den Heiland [3] gewöhnen, daß es ihm unausstehlich würde, eine Stunde zu zubringen, ohne zu wißen, daß der Heiland mit ihm zu frieden sey.
Wer durch Seine Gnade so vertraulich mit Ihm wird, daß er alles in Sein treues Herz schüttet, was ihm von Stund zu Stunde vor kommt, es sey Klein oder Groß, schlecht oder gut, und sich von Ihm rathen und helffen läßt, in aller Noth und Gefahr, welche uns nach Leib und Seel beflecken können: Der mag hinkommen, wohin er will, so kan man seinetwegen ruhig seyn, und er wird nicht zu Schanden werden. Ach möchte doch ein jedes, das zu dieser Gesellschafft gehöret, auf die Stimme des heiligen Geistes, welchen uns der Herr zu unserm Beystand gegeben, recht aufmercksam seyn.
Wenn wir unsern lieben Brüdern u. Schwestern 600 gute Lehren und Gottes-Warheiten aufschrieben und mit gäben, auf die Reise, so würde solches doch den Nuzen nicht schaffen, den ein aufmercksames Herz in der Schule des heiligen Geistes, tag täglich von Seinen Lehren u. Erinnerungen hat.
Ein kindlicher und getroster Zugang zu dem Vater unsers Herrn Jesu Christi (:der auch durch Ihn unser Vater ist:) läßt uns in keinen schwern Umständen Rath- und Trostlos. Denn wir wißen, daß Er uns so lieb hat, und so für uns sorget, [4] daß ohne Seinen Willen auch kein Haar von unserm Haupte auf die Erde fallen kan. Wie könte Er uns laßen, wenn wir unsre Zuflucht zu Ihm nehmen?
Die Geschwister werden wohl thun, wenn sie auf der Reise, wo es seyn kan täglich etwas aus der Bibel mit einander lesen. Sie können auch eine Liturgie mit einander halten, oder auch mit Gesang Gott loben, u. dancken und sich untereinander erbauen. So klein auch die Gesellschaft ist, so nöthig scheints doch zu seyn, daß jemand ernannt werde, der sich dieselbe laße empfohlen seyn. Es werden also die Brüder Caspar Penner und Meerboth sich der ganzen nach Suriname gehenden Gesellschaft überhaupt, u. die Schwester Anna Paulin ins besondre der Ledigen Schwestern, so wie Bruder Kühn von Holland aus, der Thomaser-Gesellschaft, auf der Reise annehmen.
Ueberhaupt aber wird es Lieblich seyn, wenn eines dem andern mit Ehrerbietigkeit und Dienstwilligkeit auf der ganzen Reise zuvor kommt und jederman gerne der erste ist, andern zu helfen und zu dienen.
Daß ja niemand was Zollbares oder Verbotenes bey sich, oder unter seinen Sachen habe! [5] er kan sonst, wenn er deswegen befragt wird u. es nicht sagt, der ganzen Gesellschafft Ungelegenheit, und wenn ers sagt, Versäumniß zu ziehen.
Was der See-Reise halber gesagt werden möchte; solches ist in einem diesem Aufsaz beygefügten Pro Memoria zu ersehen.
Der Heiland gebe nur Gnade, daß die Geschwister auf ihrer Reise, so wol zur See als zu Lande, Ein Herz und Eine Seele seyn, und sich in ungefärbter Bruder-Liebe als Kinder-Gottes beweisen mögen.
Bringt Er euch glücklich an Ort u. Stelle, wie wir wünschen u. hoffen; so laße Er euch den dortigen Geschwistern zur Freude, zum Trost und zur Hülfe werden.
Wir wollen euch aber gebeten haben, daß ihr ja nicht dencken möget, ihr müßtet es in den Carybischen Inseln, oder in Suriname im äußerlichen so finden, oder haben, wie ihrs in euren Chorhäusern gewohnt worden seyd. Es ist solches nicht möglich, und wenn es jemand erwartet und hernach nicht so haben kan; so wird er Confus und hernach zu dem, was er da für den Heiland thun soll, ungeschickt u. untüchtig.
Die Geschwister nehmen wol etwas Arzney mit auf die Reise, u. wenn sie der Heiland nach [6] West-Indien und Süd-America bringet, so finden sie da Brüder und Schwestern, die ihnen aus Erfahrung sagen können, wovor sie sich in Acht zu nehmen haben, u. wie sie ihr sterbendes Gebeine sonderlich auch in Kranckheiten zu bedienen haben; u. es ist gut, wenn man sich sagen läßt, von denen, die aus Schaden klug worden sind.
Es kommen aber in den warmen Ländern Kranckheiten vor, die niemand recht versteht; und da werden unsre Brüder u. Schwestern nicht vergeßen, daß Gott unser Heiland selbst gesagt hat: Ich bin der Herr, dein Arzt! Wer ein Vertrauen zu Ihm faßt und seine Hülfe bey Ihm sucht, der wird damit weder beschämt noch zu Schanden werden.
Es ist von Anfang unsrer Missionen unter
den Heiden, darauf angetragen worden,
daß die dazu gehörigen Brüder u. Schwestern,
mit ihren Händen etwas arbeiten und
etwas zum durchkommen der Haushaltung
verdienen sollen. Je mehr nun die Brüder
und Schwestern, mit ihren Händen etwas arbeiten
und etwas zum durchkommen der Haushaltung verdienen
sollen bey dieser u. jener Mission sich
solches haben angelegen seyn laßen, desto mehr
hat sich der liebe Heiland zu ihnen bekannt, nicht
[7] nur bey den Heiden, sondern auch bey denen,
die zur Christlichen Religion gehören.
Wir wollen also unsre lieben Brüder u. Schwestern die nun ihre Reise zu den Heiden vor sich haben, aufs herzlichste Bitten, sich auch in dem Theil willig finden zu laßen; und ihr möglichstes zu thun, daß sie die dortige Haushaltung thätlich unterstüzen, und ihr durchkommen erleichtern helfen. Es gehört das zu der Heiden-Boten ihrem Ruhm an Christo, den Paulus so hoch zu schäzen wußte, daß er lieber sterben, als den verlieren wolte.
Unsre lieben Brüder u. Schwestern werden auch wenn sie zu den Heiden-Gemeinen kommen, sich in Acht nehmen müßen, daß sie dieselben nicht nach unsern Gemein-Orten in Deutschland meßen. Denn ob sie gleich in Absicht auf den Glauben an Christum und die Liebe unter einander einerley Regel mit uns haben; so sind doch ihre Umstände so verschieden von den unsrigen, daß man unverständlich handlen würde, wenn man unsre Gemein-Ordnungen bey ihnen einführen wolte.
Des Heilands Barmherzig- u. Geduldig seyn Sein Viel Vergeben, Tragen u. Verschonen ist auch ungemein Groß bey ihnen. Und wenn [8] wir so mit ihnen handeln, wie unser Herr Jesus Christus mit ihnen umgehet; so haben wir gewiß die beste Methode.
Wolten unsre lieben Brüder u. Schwestern die nun zu den Heiden gehen; ihren ganzen Gang vor dem Herrn bedencken, u. alles das noch vorher, ehe sie zu ihnen kommen, in die See begraben, was sie von dem verderbten Genio und der verkehrten Art zu dencken, zu reden u. zu handeln, noch an sich finden; so würden sie, nicht nur dem Heiland brauchbarer, sondern auch den Geschwistern, zu denen sie kommen, gesegneter und erbaulicher seyn. Paulus enthielt sich nicht nur der Dinge, die an sich sündlich waren, sondern auch aller solcher Sachen, die er Macht zu thun hatte, und worinne er kein Unrecht fand, die aber doch nicht frommeten.
Wenn unsre lieben Brüder und Schwestern, die nun im Namen Gottes abreisen, den Geschwistern in West-Indien u. Süd-America welche vor ihnen da gewesen u. die schon manches erfahren haben, mit vieler Ehrerbietung entgegen gehen und von ihnen lernen was sie gutes an ihnen finden; so wirds ihnen selbst ein Segen seyn, u. die andern [9] werden dadurch gereizt werden, das gute auch zu erkennen, und sich darnach zu bestreben, das sie an den zu ihnen kommenden Geschwistern wahrnehmen. Das ist nach dem Ausdruck der Schrifft ein Lehren ohne Wort.
Der gute Hirte der Schaafe laße euch selbst auf gesunder Weide starck werden.
Gott und der Vater der Gemeine habe euch lieb und behalte euch in getreuer hut; und der heilige Geist erfülle eure Herzen mit Seinen Früchten, und mache euch zu gesegneten Dienern des Lammes; so werden wir mit euch Seinem Namen ewiglich dancken.
1.) In Absicht auf die See-Reise ist zu wünschen, daß unsre Geschwister ein gutes Schiff und Capitain finden mögen. Sie mögen auch darüber den Heiland kindlich ansehen.
2.) Mit dem Logiren auf dem Schiffe hat man sonderlich auf die Schwestern zu sehen, nicht sowol in Absicht auf die Commoditaet, als vielmehr in Absicht auf die Umstände, die was unschickliches veranlaßen könten.
3.) Alles beständig reinlich zu halten ist unter andern Ursachen auch darum nöthig, weil es zur Gesundheit dienet. Denn sonst kan der Schimmel u. üble Geruch würcklich nachtheilig seyn.
[10] 4.) Gute Ordnung mit allen Sachen, die man um und bey sich hat, ist darum mit zu rathen, weil man sonst Schaden leiden kan. Die Kleinigkeiten sezt man veste, daß sie nicht hin und her fahren, sonst zerschlagen sie sich, die Küsten u. Kasten macht man veste mit Nägeln; sonst können sie einem auf den Leib fallen. Es ist gut wenn man zu dem Ende mit eisernen Nägeln und Hacken, auch Stricken und Bindfaden sich versiehet ehe man aufs Schiff gehet. Wenn man das alles thut, ehe das Schiff in starcke bewegung kommt, so ists am sichersten.
5.) Mit dem Feuer und Licht muß man sehr behutsam umgehen; denn es ist nirgend so gefährlich, als auf der See. Daher wird es nöthig seyn, eine Blecherne Laterne mit zu nehmen.
6.) Das süße waßer braucht man nicht zu allen Dingen, wie mans auf dem Lande zu thun pflegt. Wenn man darinne nicht sparsam ist, kan man Leicht Verdruß haben vom Schifs-Volck.
7.) Man kan nirgend so bald, als auf der See hartleibig werden. Wer darum nicht [11] trincket weil ihm das Waßer nicht schmeckt, der macht sichs in dem Theil schwer. Wer sich täglich Mühe gibt, die Natur in ihrer Ordnung zu halten, der hats am leichtesten.
8.) Wer so lange in seiner Cabine will liegen bleiben, bis er von der See-Kranckheit nichts mehr fühlt; der ist gemeiniglich lange Seekranck. Wer sich so viel als nur möglich in die frische Luft macht, der erleichtert und verkürzt sich die Seekranckheit.
9.) Wenn man einen heißen Tag gehabt und wacker geschwizt hat, und man bleibt abends wenn es kühle wird; lange auf der Schifs-Decke, so kan man sich manchmal eine Beschwerliche Kranckheit zu ziehen.
10.) Wenn sich die Brüder und die Schwestern immer etwas beschäftigen; so haben sie unter andern, den Nuzen davon, daß ihnen die Zeit nicht lang wird. Denn dieses kan einem sonst verdrießlicher werden, als die See-Reise an sich selbst ist.
11.) Wenn man am Tage schläft, so wird einem hernach die Nacht lang und ofte sehr beschwerlich. Wer am Tage sich immer zu thun macht und in einer gewißen Geschäftigkeit bleibet, der hats in der Nacht leichter.
12.) Mit dem Schiffs-Volck freundlich und [12] bescheiden umgehen, ihm auch nach Gelegenheit Liebes und Gutes erweißen, ist Kindern Gottes gemäß. Wenn sie aber in ihre Leichtsinnige Spiele kommen, so thut man allemal am besten, wenn man auf die Seite gehet.
13.) Wenn Sturm, oder doch starcker Wind ist, thut man wol am Besten, nicht auf die Decke zu gehen, sondern unten zu bleiben; man kan aus Curiositaet, zu sehen, wie es aussieht, in Gefahr kommen.
14.) Auch haben die Geschwister sich unten zu halten, wenn die Segel aufgezogen und geändert werden; sie können sonst zu Schaden kommen. Besonders haben sie das zu observiren wenn das Schiffs-Volck sie daran erinnert, und nicht wieder ihren Willen oben zu bleiben.
15.) Die Geschwister haben nicht zu probiren, wies die Matrosen thun, an dem Mast in die Höhe zu steigen; es wäre ein unnöthig in die Gefahr begeben und sie müßen auch gewärtig seyn, daß sie von den Matrosen vest gebunden werden, sich lösen müßen und ausgelacht werden.
16.) Wenn sie Seekranck werden, müßen sie sichs nicht zu gefährlich vorstellen; so übel es einem wird, so ist es doch nicht von Consequenz.
[13] 17.) In gewißen Gegenden haben die Matrosen die Gewohnheit, die, so zum erstenmal dahin kommen, wie sies nennen zu taufen; wobey allerley unordentliche Dinge vorfallen. Die Geschwister thun am besten in solchen Fällen mit dem Capitain freundlich zu reden und ihn zu ersuchen, es mit den Matrosen abzu thun. Es ist gut etliche Bouteillen Brandwein mit auf die Reise für die Matrosen zu nehmen, und ihnen so dann ein oder ein Paar bey so einer Gelegenheit, durch den Capitain geben zu laßen.
18.) Wenn sie dem Koch manchmal ein Gläßgen Brandtwein geben; so werden sie ihn so freundlich erhalten, daß ihr Thee-Keßel immer Plaz am Feuer hat.
19.) Wenn sie mit dem Boot ans Schiff gehen, so müßen sie sich ja hüten, nicht mit den Händen am board des Schiffs an zu halten; weil man sonst gar leicht gegen das Schiff gequetschet werden kan und Hand oder Finger verlieren kan.
1.) In diesem Monat hatten wir verschiedene ganz besonders Distinguirte Gnaden-Tage in der ganzen Gemeine so wol, als [14] deren besondern Abtheilungen; als
a.) Am 2ten der Lehrtag für alle Chöre, welcher mit einer herzlichen Rede über den Text begangen wurde.
b.) Am 3ten wurde der AbendMahls-Gemeine ein sehr angenehmes Praesent mit den revidirten Liturgischen Gesängen gemacht, und so gleich das Trisagion, unter einem ausnehmend schönen und seligen Gnaden- und Geistes-Wehen gesungen. So wurde auch Sontags d. 6ten die revidirte kostbare Kirchen-Litaney mit angethanheit des Herzens der Gemeine, zum ersten mal gebetet.
c.) Am 4ten beging das ledige Schwestern-Chor, nachdem die AbendMahls-Schwestern Tags vorher, den Beschluß des zurück gelegten Chor-Jahres mit einem seligen Pediluvio gemacht, und unser lieber Herr sich zu diesen Seinen armen Sündern die zu Seinen Füßen um Absolution über ihre Sündigkeit, zurück bleiben, Mängel und Gebrechen weinten, aufs tröstlichste und gnädigste bekannt hatte, ihr Chorfest, sünderhaft froh und selig. Alle ihre Fest-Versammlungen, der Morgensegen, die Aufnahme von 10 Mädgen ins Chor, das Fest-LiebesMahl, [15] wobey ein Lieblicher Psalm, mit zärtlicher Zustimmung aller Herzen gesungen wurde, die Chor-Homilie und Gemeinstunde waren mit der innigsten Nähe unsers lieben Herrn begleitet. Das Siegel aber, auf alle genoßene Gnaden und den Beschluß dieses wahren Segens-Tages machte der über allen Ausdruck gehende Genuß des Leibes und Blutes unsers Herrn im heiligen AbendMahl, für alle Communicanten des Chors.
Die Hennersdorfschen und Berthelsdorfschen ledgen Schwestern hatten am 6ten in Catharinenhof eine gesegnete Nachfeyer dieses Festes.
d.) Am 9ten May erinnerte sich die Gemeine in einer Lieblichen und gesalbten Liturgischen Singstunde, des Heimrufs des seligen Jüngers vor 10 Jahren.
e.) Am 12ten hatten wir ein sehr liebliches und gesegnetes Gemein-Fest. So wol die erste Früh-Versammlung, als Nachmittags die Agapen der ganzen Gemeine, welche mit Absingung des Psalms von anno 68 und mit Communication einer kurzen Historischen Nachricht von den Merckwürdigkeiten dieses Tages, vergnüglich unterhalten wurde; ingleichem der Lobe- und [16] Verbindungs-Kelch der AbendMahls Gemeine und Abends die Gemein-Stunde, in welcher die nach Suriname und Thomas bestimmten 3 Verehlichte und 4 ledige Schwestern Eva Ros. Pennerin, Anna Ros. Meerbothin, Margaretha Kühnin, Anna Elisabeth Paulin, Sus. Grillichin, Anna Maria Fritschin u. Anna Ros. Beutelin, zur Acoluthie angenommen und die 2 Brüder Johann Caspar Penner und Christian Heinrich Meerboth, von Bruder Johannes und Joseph, mit Assistenz der Brüder Schmidt und H. H. Thiel zu Diaconis ordinirt wurden, waren mit einer sehr seligen empfundenen Freundlichkeit unsers Herrn begnadigt.
Die Wittwen erinnerten sich auch danckbarlich an die Grundstein-legung ihres Hauses vor 11 Jahren. Etwas sehr angenehmes waren auch der Gemeine die 2 Loosungen welche unser lieber krancker Bruder Friedrich v. Watteville derselben zum heutigen Fest-Tage unter der Früh-Versammlung aufgeschlagen, und die er mit seinem herzlichsten Gruß beym Fest-LiebesMahl, auf welchem er in der Loge gegenwärtig seyn konnte, selbiger Communiciren ließ; nehmlich [17] vom 18ten und 23ten August.
f.) So wol am 14ten, als vorher am 8ten May wurde die Gemeine zur herzlichsten Theilnehmung an den Missionen, durch erfreuliche Nachrichten von der Ankunft unsers Bruder Westmanns und seiner Gesellschaft in Guinea, Bruder Bergmanns und Schneiders in S. Thomas u. Bruder Antes in Cairo sehr angenehm ermuntert.
g.) Am 19ten hatte die Gemeine den unbeschreiblich seligen Genuß des Leibes und Blutes unsers Herrn im heiligen Abend-Mahl. Unser lieber Herr v. Treyden sahe das lezte mal und ein groß Mädgen das erstemal dabey zu.
h.) Am Tage der Himmelfahrt unsers lieben Herrn d. 24ten wurde in einer Früh-Versammlung der Gemeine die rührende Geschichte des Tages gelesen und lieblich besungen und bey den Worten: Da beteten sie an! geschahe solches auch von der Gemeine mit thränenden Augen und unter fühlbarem Innewerden Seiner nahen Gegenwart.
Abends wurde mit den Acoluthen ihr heutiger Gedenktag durch den Lobe- und Verbindungs-Kelch Solennisirt, [18] woran auch noch mehrere im Dienst der Gemeine u. ihrer Chöre stehende Geschwister vergnüglichen Antheil bekamen.
i.) So wol in der Gemeine, als dem EheChor wurde diesen Monat angefangen von denen neuerlich revidirten Reden des seligen Jüngers einen gesegneten Gebrauch zu machen.
2.) Am 16ten May wurde durch die Brüder der Unitaets-Aeltesten-Conferenz eine gesegnete Prediger Conferenz allhier gehalten, dazu sich 8 Prediger bey uns eingefunden hatten.
3.) Der Loebauer District von Diaspora-Geschwistern hatte am 6ten seinen Besuch-Tag allhier und es wurden in ihrer allgemeinen Versammlung 8 Personen zur Societaet hinzu gethan.
So hatten auch am 18ten in Berthelsdorf die Dasiger und Hennersdorffischen unsrer Diaspora-Geschwister ihren Bettag im Segen und ein Liebes Mahl dabey.
4.) Getraut sind worden 3 Paare, nehmlich am 6ten Geschwister Penners und Meerboths und am 21ten im Schloß zu Hennersdorff der Herr v. Treyden [19] mit der Comteße Johanna Dorothea Reuß.
5.) Heimgegangen sind 3 Personen; Geschwister Eichlers Söhnlein von 8 Tagen und die 2 Wittwen Reg. Schwarzin am 11ten und die Schwester Romannin am 19ten May.
6.) Von andern Gemeinen sind auf kürzere oder längere Zeit, hier angekommen:
a.) Friedrich v. Watteville mit seiner lieben Liesel am 1ten May von Neuwied.
b.) Der ledige Bruder Schramm aus Zeist, als Schreiner-Meister, ins hiesige Brüder-Haus d. 6ten.
c.) Die Wittwe Böttgerin mit ihren 2 Töchtern von Gnadau am 21ten
d.) Der Knabe Meyer von Niesky zum hiesigen Goldschmied. d. 21ten
e.) Bruder Ludwig Krügelstein am 21ten von Hanover, woselbst er verschiedene Jahre bey Bruder Ziesenis gewesen, welcher d. 28ten auch zum Besuch kam.
f.) Die Schwester Sternbergin von Berlin, nebst den Brüdern Ortmann und Gretschofsky am 30ten
des gleichen Geschwister Eschers mit ihren [20] Töchterlein und einer ledigen Schwester von Ebersdorff, auf der Reise nach Gnadenfrey.
7.) Von hier sind abgereist: 1 lediger Bruder 1 Wittwe und 2 ledige Schwestern nach Niesky. 4 ledige Schwestern nach Gnadau. 3 Mädgen nach Gnadenberg u. Barby. Die Brüder Schnürer und Nicolaus Müller nach St. Thomas und Bruder Mente nach Suriname am 10ten, nachdem sie Abends vorher, in der Singstunde der Gemeine ins segnende Andencken waren empfohlen worden.
Am 17ten Abends wurde den nach Suriname und Thomas abzureisen im Begriff stehenden 10 Pilgern: Penners, Meerboths, Kühns und den 4 unterm 12ten May erwehnten ledigen Schwestern zum Abschied aus unsrer Mitte, und weil sie nicht bis übers AbendMahl bleiben konnten, das heilige Sacrament Seines Leibes und Blutes in Gegenwart der AbendMahls-Gemeine, unter einem aus nehmend seligen Gefühl, wobey auf allen Seiten viele stille Thränlein floßen, angedienet.
Zur Zeit der Singstunde wurde der ganzen Gemeine die schöne Instruction, [21] welche gedachte liebe Heiden-Boten aus der Unitaets-Aeltesten-Conferenz schrifftlich mit bekommen, communicirt. Alles Volck segnete sie mit angethanem Herzen zu ihrem wichtigen Gange und empfahl sie mit süßem Gesang der heiligen DreyEinigkeit, auf ihre Reise und alle künftige Stunden ihres Lebens; und so reisten sie am 18ten im Friede Gottes ihre Strase.
Am 21ten reisten auch Geschwister Kremsers ihrem Ruf zu Folge, auf ihren Posten ins Hanöversche ab; und mit ihnen die Schwester Seebaßin zur Verheurathung mit dem Bruder Samuel Krause. Die Schwester Johanna Schlumbergerin retournirte am 21ten nach Liefland. Eben dahin gingen am 25ten die Brüder Hildebrand und Walther, ihrem Ruf zu Folge, und am 26ten sezten die von Holland gekommene Geschwister Stöhrs ihre Reise auf ihren neuen Posten nach Pablowizky fort.
8.) Uebrigens war diesen Monat vielmalige Ursach vorhanden, bey allem Lob und Danck für die [22] unbeschreibliche Güte und Treue unsers Herrn, besonders in den Singstunden, fleißig den Seufzer zu Ihm aufsteigen zu laßen: Laß dein Volck werden dein Lob auf Erden, daß Gnade unter uns throne und Einfalt und kindliche Gestalt; und daß wir von Herzen einander lieben und im Friede auf Einem Sinne bleiben, zu deinem Preis, Amen!
1.) In diesem Monat sind in Barby 2 Kinder geboren u. getauft worden, nehmlich am 3ten die Anna Elisabeth Ebersin und am 4ten der Johann Friedrich Riegelmann.
2.) Die ledige Schwester Magdalena Suslandin wurde in einer Versammlung der AbendMahls-Geschwister Confirmirt, und genoß mit ihrem Chor, welches am 4ten sein Chorfest seliglich beging zum ersten mal den Leib und Blut unsers Herrn im heiligen AbendMahl.
[23] An eben dem Tage wurde die Elisabeth Breidingin ins ledige Schwestern-Chor aufgenommen.
3.) Am 13ten kamen von Herrnhuth die 4 ledige Schwestern Elisabeth Heilin, Catharina Köpgen, Anna Ros. Gneußin und Anna Elisabeth Noakin, bey uns an; die den Tag darauf nach Gnadau zogen, und daselbst von ihren Chor-Verwandten in herzlicher Liebe auf genommen wurden. Desgleichen kamen am 26ten von Herrnhuth, die ledige Schwester Erdmuth Weinelin und das Mädgen Sophia Cunowin zu ihren Eltern.
4.) Am 19ten sahe der Jüngling Andreas Heße in Gnadau, beym heiligen AbendMahl zum ersten mal als Candidat zu.
5.) Da die Gemeine in Barby kein apartes Gemein-Fest feyert, so erinnerte sie sich am 12ten May an die, an der Gemeine zu Herrnhuth bewiesene Gnade, als zu gleich an ihr geschehen, mit herzlichem Danck, und die AbendMahls-Gemeine [24] trunck deswegen den Lobe- und Verbindungs-Kelch.
6.) Am 9ten sang die Gemeine das
Lied von der vollendeten Gemeine,
und erinnerte sich dabey der
Geschwister die von uns schon
bey Ihm daheime sind, und sonderlich
an den seligen Jünger,
deßen Andencken beym Brüder-Volck,
unvergeßlich bleiben
wird.
7.) Am Himmelfahrts Tage d. 24ten beteten wir vor unserm zur Rechten Gottes erhöheten Herrn an, und baten Ihn Seine Verheißung, bey uns zu seyn, täglich in Erfüllung gehen zu laßen.
Die Acoluthen hatten an diesem Fest ein Liebes-Mahl, und erneuerten ihren Bund, Seine ganz ergebene und treue Diener und Dienerinnen zu seyn.
8.) Diesen Monat haben wir vielen Besuch gehabt, so wol von Diaspora als durchreisenden Pilger-Geschwistern.
9.) Bruder Samuel Krause aus Hanover [25] wurde d. 29ten mit der Schwester Seebaß in Gnadau zur heiligen Ehe verbunden.
10.) Die Brüder Enniquist u. Plattin sind nach Schweden mit unserm Segen abgereißt.
D. 4ten feyerten die ledigen Schwestern ihr Chorfest sehr vergnügt und unter fühlbarer Nähe des Heilands. Zum Beschluß dieses Tages hatte die ganze Abendmahls-Gemeine den Bundes-Kelch, in Rücksicht auf den Lehr-Tag aller Chöre am 2ten.
D. 10ten reiste Bruder Rinck nach Gnadau und Herrnhuth ab, und am 17ten 3 ledige Schwestern nach Zeyst. Bruder Hastfer begleitete sie bis Neuwied.
Aus Gelnhausen besuchte uns d. 12ten der Postmeister Fabricius und am 15tn der Syndicus Herr Radefeldt und wohnte der Mittags-Versammlung bey.
[26] In der Singstunde am 12ten wurde die loosung auf diesen Gedencktag der Brüder-Kirche applicirt und diese Materie mit vieler Gnade besungen. Darauf blieb die Haus-Gemeinlein beysammen, welchem nach einem herzlichen Gruß von der Aeltesten-Conferenz der Unitaet, die gehörige Nachricht von den revidirten Liturgien gegeben und dieselben so dann ausgetheilt wurden. Es war eine recht vergnügte, selige Versammlung, die mit dem Vers: O daß Ihn doch jedes mit fröhlichem Geiste – liebte und lobte u. preiste p. beschloßen wurde.
Am Sontag d. 13ten wurde die revidirte Kirchen-Litaney und der Gesang: Es segne uns Gott unser Gott p. zum ersten mal gebraucht, und zwar mit neuer fühlbarer Gnade und Segen für die Herzen.
Die Freude über diese Liturgische Gesänge war allgemein.
D. 18ten bey einem starcken Regen des Nachmittags geschahen 2 Donnerschläge von deren lezten 2 unsrer [27] eingespannten Ochsen auf dem Felde umfielen, und einer starb. Die Brüder waren nicht weit davon im Busch, wohin sie sich vor dem Regen retirirt hatten, und einer von ihnen war kurz zuvor, bey den Ochsen gewesen. Wir waren für die Bewahrung unsrer Brüder von Herzen danckbar.
D. 20ten hatten wir das heilige AbendMahl, wobey sich unser lieber Herr, wie auch bey den übrigen Versammlungen, sehr nahe fühlen ließ. D. 24ten war uns der Himmelfahrts-Tag, ebenfalls ein sehr seliger Fest-Tag, an dem zugleich das lesen der Harmonie mit wahrem Segen geendiget wurde.
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[29]Es hat unser lieber Heiland auch in diesem Monat, uns samt und sonders Seine theure Gnade und Segen verliehen, und es an Seinem Gnaden-Besuche, an Zurechtweisung, Bewahrung und Begnadigung nicht ermangeln laßen.
Was insonderheit das Ehe-Chor anlanget, so hat der Heiland einen aus ihnen, den Caspar Januschek heimgenommen, deßen Hütte am 1ten May zu ihrer Ruhestätte gebracht wurde. Er war anno 1715 in Böhmen, im Dorfe Horke Leutomischler Herrschaft geboren. Sein Vater wuste noch von den Mährischen Brüdern, die zu seinem Gros-Vater gekommen waren und da Versammlung gehalten hatten.
Seine Eltern erzogen ihn in der Zucht und Vermahnung zum Herrn, den er auch oftmals mit Thränen um Vergebung bat, wenn er was unrechtes [30] gethan hatte. Als ein Bruder der Anno 1733 ausgegangen war, nachher wieder zum Besuch nach Böhmen kam, ging er mit seiner Mutter und 3 Schwestern (:Der Vater war schon selig verschieden:) mit ihm auch aus, nach Gerlachsheim. Da brachte ihn der Geist Gottes noch mehr auf sein Herz. Er warf sich als ein armer Sünder zu Jesu Füßen, bat um Vergebung seiner Sünden, erlangte sie, und sein Herz glaubte, daß er mit Christi Blut versöhnt und von allen Sünden abgewaschen sey. Anno 1737 kam er mit andern Böhmen nach Berlin und trat 1739 in die Ehe. Da anno 1744 Bruder Jaeschke anfieng sich der hiesigen Böhmen anzunehmen, nahm ers mit vielem Danck an, redete mit ihm offenherzig aus und kam balde unter die AbendMahls genoßen und Stundenbeter. Auf dem Grunde der Versöhnung durch Christi Blut, stund er veste, bekannte sich als seinen Sünder, und erkannte mit Schmerz, wo er schuldig blieb. Er war von besondrer Leibes-Stärcke, und konnte für mehr als einen Mann arbeiten, thats auch nach [31] allem Vermögen, und ließ sichs sauer werden. Besonders erschöpfte er seine Kräfte durch tragung seiner gewebten Cattune, auf die Jahrmärckte. Der Herr hatte ihn von außen und innen gesegnet; doch hat er dabey ofte mit Schmerzen erkannt, daß er sich zu tief in Sorgen der Nahrung eingelaßen. Er krigte endlich einen verhärteten Schaden im Leibe, der ihm seit dem Anfang dieses Jahrs, viel zu leiden brachte. Doch legte er sich nicht eher, als seine letzten 8 Tage. Unter großen Schmerzen war er stille und gläubig wartend auf seine Auflösung, u. man nahm ein einfältiges, am Heiland hangendes Herz bey ihm war bis ans Ende, welches am 29ten Apr. erfolgte.
Am 3ten May hörten die Ehe-Leute eine Rede des seligen Jüngers lesen und mit einem und dem andern, wurde wegen der Kinderzucht gesprochen. Beym Sprechen zum Abendmahl zeigten sich zu unserm Trost und Freude, manche Früchte des Glaubens-Lebens in Christo.
An unserm lieben Bruder Sternberg und [32] seine Botschafts-Reise nach Grönland, haben wir oft und viel, besonders und in der Gemeine mit Gebet und Fürbitte gedacht. Unsre liebe Schwester Sternbergin ist am 25ten nach Herrnhuth gereist. Der Heiland gebe ihr da viel Gnade Liebe und Freude zu genießen, u. bringe sie gestärckt wieder zu uns.
Eine Familie mit 6 Kindern, ist von Rixdorff in unsre Nähe, in einen Garten vor dem Hallischen Thor gezogen, wo sie ihr durchkommen haben.
Eine Schwester hatte, bey Gelegenheit der sonst unruhigen Revüe-Zeit[WS 1], durch göttliche Providenz die Freude zu erfahren, daß ihre Eltern zu Schmiedeberg in Schlesien noch leben, die sie schon 15 Jahr vor verstorben gehalten. Es traf just ein Soldat zu ihnen ins Quartier, der nur ein Paar Häuser von ihnen wohnt und nach der Revüe, auch wieder dahin ging.
Das ledige Brüder-Chor hat sich in seinen Haus-Versammlungen bey Gelegenheit der Loosungen und Texte die Gründe ihres Heils auf den Fels-Christum und die Heiligung durch den Gott des Friedens, zu Herzen genommen.
[33] Bey Gelegenheit der Revüe, waren 9 wendische Soldaten, auch einige von Franckfurth und Potsdam bey uns zum Besuch und genoßen verschiedene Versamlungen mit.
Unsre Jugend hat diesen Monat Unterricht gehabt, von den Ständen der Erniedrigung und der Erhöhung Christi, von Seinen Dienern, von Seinen Schaafen, und von dem Straf-Amte des heiligen Geistes. Ihr Gemeintag war mit einem seligen Gnaden-Wehen gesegnet.
Unsre Wittwen hörten eine Rede aus den Wochen, und hatten eine Homilie von dem Liebes- und Gnaden-Bunde des Heilands mit ihnen.
Die Ledigen Schwestern hatten ein begnadigtes Chor-Fest, das sie mit dem Kelch der Dancksagung beschloßen. Es waren ihrer über 60, ohne die großen Mädgen, und die deutschen Schwestern. Sie gelobten Gott ihrem Heiland aufs neue, Seine zu seyn, und zu bleiben, und baten sich Seine Heiligung u. Blutbesprengung dazu aus. 7 Mädgen wurden in ihr Chor auf genommen.
Die Gemeine hat der Heilige Geist [34] mit dem selig machenden Evangelio treulich geweidet. Die Gemeintags und wöchentliche Nachrichten haben wir mit danckbarem und Brüderlichen Theilnehmenden Herzen angehört. D. 12ten May erinnerte sich die AbendMahls-Gemeine, mit Danckbarkeit, daß wir die Gnade haben, an das erneuerte Brüder-Kirchlein auch mit angeschloßen zu seyn, u. zu bleiben, welches den Gnaden-ruf vom Herrn hat zur Heiden-Predigt so wol, als zur Verkündigung des Lautern Worts von der Versöhnung durch den Todt Jesu unter der Christenheit.
Das Himmelfahrts-Fest war auch ein ausgezeichneter Gnaden-Tag. Unsre Herzen fühlten Ihn in ihrer Mitten, sahen Ihm sehnlich nach, gen Himmel fahren; und wir empfahlen uns Seiner Gnade und daß uns Sein Gebet um die Bewahrung der Seinen vor der Argen Welt zu gute kommen möge. Die Acoluthen erneuerten ihre Uebergabe an den Heiland und Sein Volck zum Dienst, beym Lobe- und Bundes-Kelch. Es waren ihrer in [35] Berlin 33. und in Rüxdorff 15.
Geschwister Johns und Bruder Gottfried Mann sind nach Pottsdam und Brandenburg gereißt, zum Besuch der dasigen Geschwister. Übrigens sind wir dem himmlischen Vater von Herzen danckbar für unsern Frieden und Bewahrung mitten unter der Bösen Welt. Von Rüxdorff melden sie noch apart, daß Bruder Grasmann der Gemeine bey Gelegenheit des Textes: „Siehe, hie bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat“! die Kinder besonders ans Herz gelegt hat; daß sie sich d. 12ten May auch ihrer Theilhaftigkeit mit und an der Brüder-Kirche danckbarlich erinnert, und sich die Memorabilia der Unitaets-Aeltesten-Conferenz vom vorigen Jahr gelesen haben, daß ihre Bibel-Lectionen gesegnet sind und die Gnade des Herrn mächtig unter ihnen waltet.
D. 1ten May gingen unsre Geschwister Dupps, auf einen Besuch der Diaspora in Francken. Am 2ten als am Lehrtage aller Chöre, wurde die Loosung [36] mit Gefühl der Gemeine ans Herz gelegt. Die ledigen Schwestern hatten am 3ten das Pedilavium u. d. 4ten feyerten sie ihr Chor-Fest mit vieler Gnade und hatten ein seliges Abend-Mahl. 6 Mädgen wurden in ihr Chor aufgenommen. D. 5ten hatten auch die Wittwen und d. 6ten die Wittwer selige Chor-AbendMahle. Am 12ten wurden in einer aparten Versammlung der AbendMahls-Geschwister und Aufgenommenen die erhaltenen revidirten Liturgien ausgetheilt, und gesungen: Tritt her, O Gemein p. Es war viel Freude, und ein seliges Gefühl auf dem Saal, und wir wünschten, daß der Heiland und Sein Geist zur Revision der übrigen Liturgien viel Gnade geben wolle. In der Gemeinstunde erinnerten wir uns des heutigen Gedenktages der Brüder-Kirche, und die Beter-Gesellschaft hatte nachher den Lobe- und Bundes-Kelch.
Am 13ten waren der Herr Graf Heinrich XII von Schlaiz, unsre gnädigen Frau Gräfin der XXVIten Herr [37] und einige andre, mit auf unserm Saal und bey einem Begräbniß auf dem Gottes-Acker.
D. 18ten fieng Bruder Scholler an, auch den Knaben im Brüderhause, den Unterricht in den Heils-Warheiten zu ertheilen und wird wöchentlich damit Continuiren.
D. 19ten hatten wir ein seliges Abend-Mahl, welches einige Geschwister aus unsrer Diaspora, als Gäste mit uns genoßen.
D. 23ten traten Geschwister Keßlers samt ihrem Söhnlein, ihre Reise nach Liefland, mit dem Segen der Gemeine an; desgleichen am 25ten Bruder Maßalin gleichfalls nach Liefland u. Sarepta.
Am Himmelfahrts-Tage unsers Herrn d. 24ten ward manches Liebes- und Sehnsuchts-Thränlein geweint. Wenn kommt die angenehme Stunde, die solche Tage wieder bringt p. dachten und sungen wir mit zartem Gefühl. In diesem Monat erfreuten uns verschiedene Pilger-Geschwister auf ihrer Durchreise mit ihrem Besuch.
Heimgegangen sind
[38] 1.) Am 10ten May die ledige Schwester Marg. Barb. Pflaumerin. Sie ward Anno 1738 zu Weißenburg am Sand geboren, kam Anno 68 hieher zur Gemeine, lernnte sich gründlich kennen und krigte einen wahren Eindruck vom blutigen Verdienst Jesu. Anno 68 und 69 wurde sie der Gemein-Gnaden zu ihrer Freude theilhaftig u. ging einen seligen Gang. Da sie ihrer Wallfahrt Ziehl vor sich sahe, wiederholte sie öfters: Laß mich nur, Herr Jesu, bis zum Erblaßen, dich unverrücklich ins Auge faßen p. Amen, ja Herr Jesu! komm, bleib nicht lange p.
2.) Am 31ten das große Mädgen Anna Marg. Sprügelin. Sie war anno 1753 zu Anspach geboren, kam anno 66. hieher zur Gemeine u. gelangte darauf zum Genuß der Gemein-Gnaden. Sie hatte ein treues, zärtliches, und an den Heiland anhängliches Herz und weidete in Seinem Verdienst u. Leiden.
3.) In unsrer Diaspora ist am 17ten May in Bayreuth, der Hof-Cantor Distler, selig entschlafen, im 50ten Jahr seines Alters. Er hat verschiedene mal in Ebersdorf besucht, las die Gemein-Nachrichten und hatte den Heiland u. Sein Volck lieb. Geschwister Dupps besuchten ihn vor seinem [39] Heimgang mit vielem Vergnügen. Seine lezte Worte waren: In meines Herzens-Grunde, dein Nam und Creuz allein, funckelt all'zeit und Stunden p. Den durch Bruder Buttler ihm ehemals ans Herz gelegten Spruch aus Röm. 4,5. hatte er zu seinem Leichentext verordnet, wobey der Herr Consistorial-Rath bezeugte, daß nur Christi Blut, nur Jesu Wunden, nur seines Heilands Todt, das Element des seligen gewesen sey. Bey Verlesung der Personalien, weinte der Redner und die Zuhörer u. man hörte das Bekenntniß: Das sey ein wahrer evangelischer Glaube!
Den grösten Theil dieses Monats, waren die seligen Besuche Jesu unter Seinen Jüngern in den 40 Tagen nach Ostern, die favorite Materie fürs Herz; sonderlich reßentirten sich davon einige Singstunden, auf eine besondre Weise. Ueberhaupt hat unser lieber Heiland Sein Wort: „Wo zwey oder drey in meinem Namen versammlet sind, da will ich mitten unter ihnen seyn“, in diesen Tagen auch an Seiner hiesigen Gemeine, gar selig wahr gemacht.
Am Himmelfahrts-Tage trösteten wir einander bey der Wehmuth über Seine leibliche Abwesenheit, mit den Worten: Der Herr ist nahe, Er ist bey uns bis ans Ende der Tage.
An eben diesem Tag erinnerten sich 128 Geschwister [40] als angenommene Acoluthen bey der Brüder-Kirche, ihres bey ihrer Annahme gethanen Versprechens, Leib und Seel und Glieder willig herzuleihn, Jesum zu erfreuen u. erneuerten diesen Sinn, bey einem seligen Kelch der Verbindung.
Am Lehrtage aller Chöre d. 2ten May führten wir uns die seligen Grund-Principia unserer Heiligung an Leib und Seele, von neuem zu Gemüthe, und erinnerten ein ander daran, was unser lieber Herr nach dem seligen Licht der Erkenntniß, das Er uns in dieser Materie gegeben, billig von uns erwarten könne.
Den ledigen Schwestern machte der liebe Heiland d. 4ten May zu einem wahren Festtag u. Sein Gnadenblick war ihnen fühlbar u. tröstlich. Ihr Chor wurde an dem Tage, mit 2 großen Mädgen vermehrt.
Hingegen versezte der Heiland aus ihrem Mittel, in diesem Monat, 2 Schwestern ins gesunde Reich.
Das große Mädgen Cornelia Hornin am[WS 2] 3ten und also gerade am heiligen Abend vor dem Feste, welches vom ganzen Chor als ein besondrer Gnaden-Besuch angemerckt wurde; u. am 15ten die ledige Schwester Johanna Maria Hamrichin.
Ein Haupt Umstand ef in diesem Monat ist auch,
daß wir in demselben die neu revidirten Liturgien,
[41] zu allgemeiner Freude bekommen haben,
und wie man beym Gebrauch derselben
fast durchgängig wargenommen; so hat sich
der Geist der Gemeine, zu denselben bisher
noch lieblich bekannt. Ach! möchte unser lieber Herr,
bey dieser Gelegenheit, auch über diesen schönen
Theil der Gottes Dienste Seines Volckes eine
neue Gnade aufgehen laßen!
Unsre lieben Kinder haben am 5tn einen seligen Gemeintag gehabt. Zwey aus ihrem Mittel wurden in die Kinder-Gemeine aufgenommen, und versprachen dabey, unter Vergießung vieler Thränen dem lieben Heiland ihr ganzes Herz hin zu geben.
Hiebey wollen wir auch anmercken, daß Bruder Koehler der eigentlich die Information in der Knäbgen-Anstalt besorgt, in diesem Monat mit zum Kinder-Stundenhalten ist gebraucht worden, u. der Heiland ist mit ihm.
Bruder Stegmann ist seinem erhaltenen u. angenommenen Ruf zu Folge, als Gehülfe des Pastor Loskiels in Curland, über Amsterdam, am 15ten dahin abgereist; so wie am 29ten unsre liebe Schwester Dorothea Gambs nach Neuwied, als Chor-Helferin der dortigen ledigen Schwestern. Mit ihr ging die ledige Schwester Anna Petschin, zum bleiben dahin.
[42] Dagegen sind von Marienborn 3 ledige Schwestern zum bleiben hieher gekommen, nemlich Dor. Mar. Großin, Ernestine Limbertin u. Cath. Franzisca Junkerin.
Vom 22ten bis 31ten waren unsre lieben Geschwister Johann Nitschmanns, auf einen Besuch der Gemeinlein in Amsterdam und Harlem; sahen und sprachen die Geschwister an beyden Orten u. halfen in den vorseyenden Angelegenheiten, das beste rathen.
Im Ehe-Chor ist in diesem Monat, der im lezten Synodo recomendirte Besuch im Chor, regulirt, u. nunmehro der Anfang damit gemacht worden.
Sonst ist auch in dem Monat, eine Holländische Stunde eingerichtet worden, welche seitdem wöchentlich, des Donnerstags gehalten wird.
Der sehnliche Wunsch nach mehreren Frucht des Zeugnißes, von Jesu Todte, an den Seelen in dieser Gegend, ist bey der Gelegenheit, von neuem wieder rege worden.
In die Gemeine ist in dem Monat, die ledige Schwester Henriette Meyerboth, aufgenommen worden.
In diesem Monat ist ein Extract aus dem Diario u. Verlaß des lezten Synodi, den AbendMahls-Geschwistern zum Segen Communicirt worden.
[43] Der ledigen Schwestern ihr Morgensegen, Liebes-Mahl und Chor-Viertelstunde am 4tn May, war mit einer besondern Nähe des Heilands begleitet, u. ihnen dieser Tag, ein wahrer Segens-Tag.
Am 6ten schenckte der Heiland den Geschwistern Jacob Strohmanns ein Söhnlein, welches d. 7ten in Seinen Todt getauft wurde, mit Namen Folkers.
D. 10ten wurde der ledige Bruder Johannes Jacob Hünerwadel mit der Ledigen Schwester Alie Pieters Brouer, zur heiligen Ehe verbunden.
Sowol dieser, als der Tauf-Actus, war mit einer außerordentlichen Nähe des Heilands begleitet.
Am 19ten hielten wir nach einem LiebesMahl u. Gnadenvollen Absolution das Mahl des Herrn, welches der Verehlichte Bruder Heinrich Ricker, nach geschehener Einsegnung, zum ersten mal mit uns genoß.
Am Himmelfahrts-Tage war unser ungesehener, aber zärtlich geliebter Herr, so wol in der Frühstunde, als Allgemeinen Abend-Versamlung, recht fühlbar nahe in unsrer Mitte. Auch wurde eine Chor-4telstunde für die hiesigen Wittwen angefangen, welche alle 14 Tage Continuiren wird.
D. 30ten als am hiesigen Land-Buß u. Bettag, waren auch unsre Herzen sünderhaft gerichtet zu dem Menschen-Sohn, der gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist.
[44] Uebrigens sind in dem Monat, so wol die Allgemeine, als der Abendmahls-Geschwister ihre Versammlungen, im Segen fort gegangen, mit herzlichem Wunsch, daß die Friedens-Gedanken unsers Herrn über Norden immermehr in Erfüllung kommen mögen.
daß an dem selben Tage, der Bruder Joh. Boehlo mit der Wittwe Hantschin, daselbst zur heiligen Ehe versprochen worden.
In Niesky sey vergangenes Jahr ein Wohnhaus erbaut worden und zur Kirche daselbst wurden die Bau-Materialien angeschaft, und solle mit Gottes Hülfe dis Jahr daran gebauet werden. Auf solle dies Jahr, an dem WestEnde in S. Crux, für ein Paar Geschwister, ein Wohnhaus, und dann eine Kirche gebauet werden. Der liebe Heiland habe ihn /: Bruder Kremser :/ mit Seiner lieben Nähe begleitet u. getröstet, und ihm Gnade gegeben, daß er den Negern die große Liebe und Erbarmen des Heilands, wie ers selbst für seine Person erfahren, mit einem warmen Herzen verkündigen können; und das Wort dringe in die Herzen, so daß man alle Tage Beweiße davon sehe.
[45]
Da ich Gelegenheit nach Pittsburg habe; so kan ich nicht umhin, meine liebe Geschwister an unsrer Freue Theil nehmen zu laßen; denn der Heiland hat uns eine Freude geschenckt an unsern Indianern. Am 3ten Dec. nehmlich haben wir die erste Taufe gehalten, wobey sich der Heiland sehr kräftig an den Herzen bewieß, und Seine Gegenwart besonders fühlen ließ. Es wurde nehmlich Lucas seine Frau Paulina und Israel ihr Kind von 8 Monaten in Jesu Todt getauft, und am 28ten der Chief Allemewi, gleichfalls unter einem besondern Gnaden-Wehen des heiligen Geistes und fühlbarer Nähe des Heilands. Er wurde Salomo genannt. Ich hatte sie schon seit fast einem Jahre, als Candidaten dazu angesehen, es war mir aber immer so, daß es mit der Taufe noch nicht Zeit sey. Ich hatte vorm Jahre und noch im vergangenen Frühjahre groß Bedenken [46] gehabt, hier jemanden zu taufen, und hatte geglaubt, das wäre die Perle vor die Säue geworfen, weil die Heiden nur ihren Spott mit unsrer Taufe getrieben haben. Nun aber zeigt sich das Gegentheil und die Taufe predigt unter den Indianern. Die ärgsten Feinde sind ganz stille und es darf keiner seinen Mund gegen uns auftuhn. Andre in Goschgosching bejammern und bereuen es nun, daß sie nicht bey uns wohnen, sondern unter dem wilden und argen Volck. Nun der, der angehoben hat, Seine Barmherzigkeit zu erzeigen, und uns Seine arme und Blöde gnädiglich angesehen hat, der sey dafür gelobet und angebetet. Er hat hier in dieser finstern Gegend angefangen und wird es auch hinaus führen, daß Er Preis und Ehre davon haben und seine Gemeine Freude daran erleben wird. Wir wohnen hier ganz in der Ruhe und Friede, und niemand störet uns. Wenn auch die Wilden zum Besuch herkommen, so sind sie bey uns ganz zahm, und man glaubt kaum daß es dieselben waren, wie sie in Goschgosching sind. Es scheint der Heiland will sich ein kleines Häuflein hier heraus lesen, die wir mit uns an unsern destinirten Ort nehmen sollen, den wir zwar noch nicht recht [47] wißen, den Er aber schon weiß. Daß unser Salomo getauft ist, das wird unter den Chiefs predigen; denn er ist unter allen sehr wohl bekannt und sie nehmen besondre Notiz von ihm. Er ist allezeit unter ihnen als ein rechtschaffener Mann angesehen gewesen, deßen Worten sie geglaubt haben. Wir haben leztens eine Glocke von Bethlehem über Pittsburg glücklich erhalten, worüber sich unsre Indianer gar sehr gefreut haben.
Unterm 21ten Febr. 1770 thut er noch hin zu: Am 21ten Januar. wurden noch getauft Jeremias und seine Frau Anna Caritas, ein paar liebe Leute. Unsre getaufte Geschwister sind uns zur Freude, u. gehen ihren Gang selig fort. Sie verkündigen nun andern, was der Heiland an ihrer Seele gethan, mit Freuden, so oft sie nur Gelegenheit haben; und unter den Ungetauften, die bei uns wohnen, Continuirt die Arbeit des heiligen Geistes. Wir fangen nun allmählig an uns zum Abzug nach Kaskaskunk zu praepariren, welcher etwa anfangs April geschehen soll. Ich bin diesen Monat sehr kräncklich gewesen, und habe große Schmerzen in meinen Gliedern gehabt, wovon mich [48] unsre Indianer Geschwister durch die Hülfe des Heilands, Gottlob! nunmehro curirt haben; und wie wol ich noch nichts thun oder vornehmen kan, so beßerts sichs doch von Tag zu Tag. Vor etwa 5 Tagen konte ich noch nicht die Feder führen, denn meine Arme und Hände waren ganz gelähmt.
Wir haben seit dem Januar. 1769 keine Taufe gehabt, und es scheint, daß izt die Zeit ist, das Nez auszuwerfen, aber nicht die Fische auszusondern. Die Zeit hiezu wird nach und nach auch kommen. Unterdeß ist uns die kleine Anzahl Brüder und Schwestern in Warheit zur Freude, und allen denen, die sie kennen, zur Erbauung. Der Heiland legt einen besondern Segen auf die Verkündigung des Evangelii. Wir säen die Saat aus und die Erndte wird zu der gehörigen Zeit auch eingesammlet werden. Es liegt uns an, daß wir vom Heiland mögen geleitet und geführet werden, und ich muß bekennen, ich habe Seine leitung und unmittelbare Hand nie so deutlich wargenommen als hier in [49] Barbadoes in Seiner Sache. Ich bin gewiß und überzeugt, daß Er hier alles dirigirt und wir wollen Ihm daher treulich folgen, und keine Gelegenheit vorbey gehen laßen, ein Zeugniß von Seinem Todt und Blutvergießen für die Sünde der Welt abzulegen. Sein Geist legitimirt unser Zeugniß in den Herzen der Weißen u. Schwarzen Leute, und viele haben die tröstliche Hofnung des ewigen Lebens durch Seinen Todt empfangen. Das mit meinen Augen zu sehen und mit meinen Ohren zu hören, ist mir eine große Freude, und ich weiß zuverläßig, daß es sich so verhält.
Ueber mich selbst bin ofte gar sehr beschämt, denn ich weiß, daß ich ein armer, elender Sünder bin, und wünsche dem Heiland immer mehr zur Freude zu werden. Wenn ich andern predige, daß der Heiland die Sünder liebt und sie gern annimmt: solte ich dasselbe nicht an mir selbst erfahren? Ich dencke, Ja, und Gottlob! ich kenne Seine theure Wunden u. empfinde die Kraft Seines Blutes an meinem Herzen, und zwar so, daß ich deßelben noch viel mehr benöthigt bin, als irgend einer von den Negern denen ich predige. [50] Ich bin dem Heiland sehr dankbar, daß liebe und Einigkeit unter uns regirt, und Er Sein Gnaden-Werck so kräftig in unsern Herzen fortsezet, daß der Feind das Liebes-Band unter uns nicht auflösen kan. Auf die Ankunft der verheuratheten Geschwister, die zu uns kommen solten, haben wir alles praeparirt und erwarten sie mit verlangen.
Ich habe zwar viel zu thun in meinem Geschäfte, und es will mir manchmal zu schwer werden, aber mein Herz ist dabey vergnügt und selig in der Nähe meines besten Freundes. Alles was Er an mir armen thut, ist mir groß und wichtig. Das schwarze Volck habe ich lieb, und wenn ich zu ihnen rede, so geschiehet es in der Nähe meines lieben Heilandes mit weichem Herzen und naßen Augen.
Es hat dem lieben Heiland gefallen, unsern lieben Bruder Johann Jacob Brey, auf eine geschwinde Weise zu sich heimzu nehmen, Zu einer Zeit, da uns sein [51] Dienst noch sehr nöthig war. Die Gelegenheit dazu war die: Er ritt d. 26 Apr.7 May zu Mittag in der 12ten Stunde sein Pferd zur Schwemme in die Sarpa, u. wurde noch von verschiedenen Geschwistern gesehen, die zu Mittag in die Versammlung gehen wolten. Unterdeß aber, daß die Gemeine beysammen war, kam sein Pferd ganz naß von der andern Seite der Sarpa, zum Thor herein, welches einigen Brüdern bedencklich auffiel. Man suchte daher sorgfältig nach ob er etwa zu Schaden gekommen seyn möchte, u. da man ihn nicht fand und vermuthen mußte, daß er mit seinem Pferde einen zu tiefen Ort in der Sarpa getroffen, hinein gestürzt und ertruncken seyn möchte, so wurden alle mögliche Anstalten gemacht, ihn darinn zu suchen, wobey uns unsre Rußen gute Dienste thaten. Die Zeit verlief so geschwinde, daß er erst nach Verlauf von beynahe 5 Stunden gefunden und aus dem Waßer gezogen wurde. Man brachte ihn darauf in ein nahe dabey stehendes Gebäude, machte ein großes Feuer, und Bruder Wier ließ ihm an verschiednen Orten zur Ader [52] und wendete überhaupt alle mögliche Hülfs-Mittel an, in Hofnung daß er wieder zu sich kommen solte, und er fieng auch an recht schön auszusehen, wie einer der in sanftem Schlafe lieget. Nachdem man bey nahe 3 Stunden allerley probirt, so wurde er auf heiß gemachten Sand gelegt und damit überschüttet, u. damit bis Mitternacht continuirt, da man aus einigen Veränderungen mercken konnte, daß seine Seele in die Arme ihres Erlösers schon über gegangen sey. Wegen warmer Witterung wurde seine Hütte folgenden Tages d. 8ten May gegen Abend auf unsern Gottes-Acker beerdiget, wobey alle Geschwister mit einem gerührten und theilnehmenden Herzen zu gegen waren.
Wir haben an unserm seligen Bruder Brey einen sehr brauchbaren Bruder verloren, und sind bekümmert, wie wir seine Stelle wieder werden besezen können. Bruder Muschbach der 7 Monat sein Gehülfe in der Licht-gießerey gewesen, wird die Profeßion inzwischen fort sezen, so gut sichs thun läßt.
Unsre Brüder Neiz u. Hamel werden [53] in diesem Jahr nicht mit den Calmuken ziehen, sondern hier bleiben, es wird aber bedacht drauf genommen werden, daß sie immer Gelegenheit haben mögen, mit den Calmucken in Bekantschaft zu bleiben und fernerhin in der Sprache zu profitiren. Bruder Hamel ist zu dem Ende in den Laden gekommen und vor Bruder Neiz wird sich auch noch eine schickliche Arbeit finden. Bruder Kutschera befindet sich in der Lein Weberey und Bruder Grabsch bey der Beutlerey wohl und vergnügt. Wir wißen noch nicht, wie balde sich eine Gelegenheit machen wird, daß sie beyde nach den Caucasischen Gebürgen gehen können; wir werden aber auch darinn keine Zeit versäumen. Weil meine bisherige Meisterschaft in der Schreinerey mir in vieler Absicht zu schwer wurde und meine Kräfte nicht mehr dabey zureichen wollen, so habe zu Ostern dem Bruder Haecker die Meisterschaft ganz übergeben und ich behalte nun nebst meinen übrigen Geschäften die Glaserey.
Unsre Anzahl ist überall zu gering und wenig, so daß wir oft ins Gedränge kommen; und doch solten wir auch bey der äußerlichen Arbeit nie vergeßen [54] daß wir ein Zeugen-Volck sind, und es solte uns nie fehlen, daß wir, wenn es nöthig ist, unserm Herrn willige und brauchbare Brüder zu Seinem Dienst unter den Heiden abgeben könnten. Er bekennt sich im übrigen gnädig zu uns und hat uns bisher bey der Lehre von Seiner Versöhnung, Marter und Todte erhalten, und uns Leben und Seeligkeit für unser Herz drinnen finden laßen.
Von hiesiger Gemeine können wir berichten daß unser lieber Herr beym Eintritt in dieses Jahr sich sehr gnädig und kräftig zu derselben bekannt hat. Seine tröstende Nähe gab allen Herzen die frohe Versicherung, daß Er des hebens und Tragens u. Verschonens noch nicht müde sey, sondern mit dem alten Erbarmen über uns zu walten fortfahren werde.
Am Heiden-Fest nahm die Beter-Gesellschaft in ihrer gewöhnlichen Versammlung besondern Antheil, betete zu den durchborten Füßen Jesu an über alle die Gnade, die in unsern Tagen den armen Heiden [55] wiederfahren, und empfahl Ihm sein Werk unter ihnen und alle, die an demselben arbeiten, aufs angelegentlichste. Am Sontage darauf wurde durch Verlesung verschiedener Heiden-Diarien, die ganze Gemeine zum Lobe und Danck u. zur thätigen Theilnehmung an diesem großen Wercke Gottes gereizt.
Unser Knaben-Chor beging am 8tn Jan. sein Fest im Segen. So ist auch unsern lieben Wittwern und Wittwen ihre Fest-Feyer am 2ten Febr. in danckbarem Andenken.
Am 25ten Merz als dem Gedencktag der Empfängniß unsers Herrn in dem Leibe eines Jungfräuleins, hatte die Gemeine einen sehr begnadigten Morgen-Segen, darinn sie ihm für Seine Menschwerdung und Todt auf den Knien danckte. Gegen Abend weyheten so wol sämtliche Schwestern, als sämtliche Brüder ihrem Mensch gewordenen Schöpfer ihr Sterb-Gebeine zur Ähnlichwerdung mit dem Seinen unter einem mit Seiner innigsten Nähe begleiteten Anbeten. Das Mädgen-Chor beging an dem Tage noch apart sein Fest.
Uebrigens müßen wir zum Preise unsers guten Herrn bekennen:
[56] 1.) In allen Versammlungen, die in gewöhnlicher Ordnung gehalten worden, ist unser Gottes-Lämmelein in unsrer Mitte gewesen; Einen ganz besondern Segen aber hat es Ihm gefallen, auf die Lection Seiner Worte und der Geschichte von Ihm zu legen.
2.) An unserm Gemeintag im Febr. ist der Knabe David Denter und im Merz Fr. Wiedemann in die Gemeine aufgenommen worden.
3.) Einen Monat nach dem andern erfuhren wir Seine Einleibung im Sacramente. Im Febr. sahen dabey 2 Schwestern u. im Merz 1 Bruder als Candidaten zu.
4.) Zwey Seelen ist es geglückt, zu schauen Sein Antliz klar, nehmlich am 18tn Januar der ledigen Schwester Elis. Jaquilard und am 25ten Merz nahm er die kleine Louise Dorothea Elisabeth zu sich, die im verwichenen Sept. unsern lieben Geschwistern Friedrich v. Watteville hier geboren worden.
5.) Ein paar ist unter einem seligen Gefühl getraut worden; nehmlich am 10tn Merz der Bruder Lanzer mit der Schwester Christine Großin.
6.) Abgegeben haben wir aus unsrer Mitte:
a.) Geschwister Albrecht Dietrichs am 29tn Januar mit welchen zugleich die liebe Schwester Johanna [57] Dorothea Comtess Reuß und die Lingin aus dem hiesigen Chorhaus nach Herrnhuth abreisten.
b.) Geschwister Kühns, die am 26ten Febr. von uns auf ihren Posten nach Basel abgingen und den Knaben Jeremias Ralliard auf Verlangen seiner Eltern, wie auch den Benedict Weber der seine Mutter in Geneve besuchen will, mit nahmen.
7.) Bey uns sind angekommen: Geschwister Friesens am 21ten Febr. zum Dienst der hiesigen Gemeine, u. am 7ten Mart Geschwister Macraits von ihrem Posten in Basel.
8.) Pilger haben wir unter andern beherberget: a) Den Bruder Jacob Aigler, der am 6ten Januar von seinem Besuch im Würtembergischen und am 26ten Febr. seinem Ruf zu Folge in die Elsaßische und Würtembergische Diaspora abgereiset[WS 3] ist.
b.) Der Bruder Jens Haven, der nach einem vergnügten Aufenthalt von etlichen Monathen am 7ten Merz von uns nach Holl- und England abging, um nebst verschiednen andern Brüdern von da die recognoscirungs Reise nach Labrador zu machen.
9.) Aus der mit uns Connectirenden Diaspora haben wir in diesem Vierteljahre [58] viele erfreuliche Nachrichten erhalten. Das besonderste ist, daß der Heiland nun auch in Mühlhausen einen Zeugen Seines Todes erwecket hat. Dem dasigen Häuflein sind die Evangelischen Predigten des Herrn Pfarrer Vogels zu vielem Segen und großer Freude.
10.) Unsre liebe Obrigkeit fährt in guter gesinnung gegen uns fort. Bey der ersten Aufwartung in diesem Jahr bezeugte der regirende Herr, daß er die Heiden-Diaria, die ihm Communicirt würden, mit vieler Erbauung lese.
D. 11ten Merz begleiteten alle unsre Herrschaften mit einem zahlreichen Gefolge den Prinzen von Ysenburg und General Le Fort, die gestern in den Chorhäusern mit Satisfaction sich umgesehen, auf unsern Saal, und wohnten der deutschen Predigt mit großer Attention bey.
Die Predigt, so wol auf unserm Saal, als in der Nachbarschaft ist in [59] diesen Monaten mit Segen begleitet gewesen. D. 13ten Nov. feyerte die Gemeine mit einem LiebesMahl und Anbeten, und die Abendmahls-Geschwister hatten den Bundes-Kelch. Von der seligen Feyer der Christnacht haben wir von Kindern und Erwachsenen liebliche Äußerungen gehört. Bey den heiligen Abendmahlen die wir in diesem Monat gehabt, bekannte sich der Herr besonders gnädig zu uns, 4 Geschwister sind zum Genuß des hohen Gutes zum ersten mal mit uns gelangt.
Bruder Latrobe, welcher d. 29tn Dec. zu uns kam, und mit uns einen seligen Beschluß des Alten und Anfang des Neuen Jahres machte, publicirte mit Anfang des Jahrs, der Gemeine den Synodal-Verlaß mit Eindruck auf die Herzen, richtete die verschiedene Conferenzen unter uns ein, und reiste d. 3ten Jan. wieder von uns.
Die erste Bibel-Lection hatten wir am 12tn Jan. Sie continuirt wöchentlich und es ruhet ein eigener Segen darauf. Mit den Knaben beging Bruder [60] Parminter ihr Chorfest mit vieler Gnade. Die ledigen Schwestern die in den vorigen Monaten viel gekränckelt, erholten sich im Nov. zu unsrer Freude wieder.
Dagegen aber musten sich im Dec. verschiedene ledige Brüder im Chorhause am Fieber legen. Ein kranckes Mädgen fragte einmal den Doctor: ob er dächte daß sie Heimgehen würde? und als er es bejahete, erwiederte das Kind: Sie müßen nicht dencken, daß ich aus Furcht vor dem Sterben darnach gefragt habe, nein, mich verlangt gar sehr zum Heiland zu gehen, denn Er hat mich mit Seinem Blut erlöset. Und that hinzu: Er hat auch sie Herr Doctor, erlöset, so gut wie mich, und wünschte ihm, daß er auch ein Bruder werden möchte. Als er einwendete, daß er seinem Geschäfte nachgehen müße, antwortete sie: Das meine ich nicht, sondern mein Sinn ist, daß sie ihr ganzes Herz dem Heiland geben sollen. Das Kind ist nachher wieder gesund worden.
Heimgegangen sind:
1.) Die ledige Schwester Mar. Andrews [61] aus Yorkshire gebürtig. Sie wurde auf ihrem kranckenbette in die Gemeine aufgenommen, und konte nicht genug bezeugen, wie gnädig und freundlich sich der Heiland auf dem selben an ihrem Herzen bewiesen, und wie sehr sich ihr Geist Gottes ihres Heilands freue, den sie nun erst recht habe kennen lernen, als einen Freund und Liebhaber ihrer Seele.
2.) Der Bruder Wiljam Aspden aus Lancashire gebürtig, welchem am Tag seiner Beerdigung
3.) Seine Frau Mar. Aspden selig nachfolgte. Sie heyratheten einander anno 32 und weil die Frau zu erst um ihre Seligkeit bekümmert und darauf mit Brüdern bekannt wurde, nahm sie ihren Mann mit in die Versammlungen, worinnen er auch für den Heiland gewonnen wurde. Da sie sonst vorher in vieler Uneinigkeit gelebt hatten, so wurde nun Friede und Einigkeit unter ihnen hergestellt. Er wohnte ehedem an einem Plaze, wo die Brüder öfters zu Predigen pflegten; da aber dieses nicht mehr von dem Herrn des Orts gedultet wurde, verließ er [62] sein Haus und Hof um des Evangelii willen und zog an einen andern Ort woselbst die Brüder hernach 7 Jahre in seinem Hause geprediget haben.
Anno 1750 wurden sie beyde in die Gemeine Aufgenommen, und anno 55. gelangten sie zum heiligen Abendmahl. Anno 61. zogen sie nach Dukenfield und im Nov. dieses Jahres legten sie sich beyde am Fieber. Sein Alter war 70 und ihres 68 Jahre.
Auch ging im Januar. eine Schwester in Mobberly die die Geschwister seit vielen Jahren treulich bewirthet hatte, unvermuthet zum Heiland. Sie war zu einem Doctor gegangen, um sich bey ihm in ihrer Kranckheit Raths zu erholen, und redte da mit ihrem Manne, wie selig sie durch die Erlößung des Blutes Jesu sey, wünschte ihm die Kraft des Blutes Jesu an seinem Herzen auch zu erfahren, u. verschied so über dem Bekäntniß der ihr wiederfahrnen Gnade.
D. 28ten Dec. reisten Geschwister Nathanaels u. d. 29ten Bruder Latrobe von uns ab, nach dem leztrer mit der hiesigen Aeltesten-Conferenz [63] einen lieblichen Abschied gemacht, u. die Abendmahls-Gemeine den Kelch zu neuer Verbindung gehabt hatte. Das Aufseher-Collegium war zu Anfang des Monats Dec. zum ersten mal bey sammen und wir müßen überhaupt anmercken, daß in den verschiedenen Conferenzen Liebe und Einigkeit regirt u. denselben das Wohl der Gemeine am Herzen liegt. Am 17tn Jan. kamen Geschwister Syms an Geschwister Worthingtons Stelle u. Geschwister Moriz v. Dohna mit Bruder Dietrich bey uns an. Das öffentliche Zeugniß von unsers Herrn blutigen Marter und Todt ist so wol an den Herzen der Gemeine, als an auswärtigen besuchenden mit Segen begleitet. Leztre finden sich hauptsächlich an Sontagen die Menge hier ein und wir haben, sonderlich zur Christnacht und den Weyhnachts Feyertagen eine ganz ungewöhnliche Anzahl Attenter Zuhörer von ihnen bey uns gehabt. So wie wir das alte Jahr im Friede unsers Herrn seliglich beschlossen haben, so fiengen wir auch darinn das neue Jahr an, und empfahlen uns sowol in den Gemein- als Chor-Versammlungen der Gnade unsers lieben Herrn Jesu Christi und der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des heiligen Geistes. Auch war am Neu-Jahrs-Tage abends [64] die erste Bibel-Lection mit Segen.
Am Heidenfest gedachte die Gemeine mit vieler Angelegenheit des Herzens, der Heiden und unsrer Boten unter denselben, u. die Nachrichten, die von dem Wercke Gottes unter denselben nachgehends an Gemeintagen gelesen wurden, waren ihr zu vieler Freude u. Erbauung. Im heiligen Abendmahl hat der Heiland in diesen Monaten Seine Gemeine mit Seinem Leib und Blut aufs seligste gelabet u. gestärckt. Eine ledige Schwester u. 1 groß Mädgen sind zum Genuß deßelben gelangt und zur Aufnahme in die Gemeine 3 ledige Schwestern u. 2 große Mädgen. Im ledgen Brüder und ledige Schwestern Chore sind die Gesellschafften und bey den Wittwen die Claßen mit erneuerter Gnade wieder angefangen worden. Unter den Mädgen in der Anstalt merckt man ein wahres Verlangen, dem Heiland ganz zur Freude zu werden, und bey ihrem täglichen Singen ist ein liebliches Gefühl. Den Knäbgen in der Anstalt ist der Neu-Jahrs Tag ein besonders gesegnetes Andencken. Das Fest der großen Knaben wurde d. 18ten Merz nachgefeyert. Es waren ihrer 100 beysammen und sie wurden dem Herzen Jesu angelegentlich zum Segnen empfohlen. 5 AbendMahls-Knaben hatten den Bundeskelch. [65] Zu den verwittweten Geschwistern bekannte sich der Heiland an ihrem Chor-Fest im Febr. besonders gnädig, und sie Verbanden sich beym Lobe-Kelch zu neuer Treue gegen den Heiland. Am Fest aller Chöre im Merz hatten alle Abtheilungen der Gemeine begnadigte Anbeten, besonders aber war es den großen Mädgen ein Tag der Freuden und des Segens.
Heimgegangen sind: d. 24tn Jan. die ledige Schwester Sally Creek, und im Febr. der ledige Bruder Dorabrook u. die ledigen Schwestern Grace Thornton u. Elis. Thornton.
Von den Land-Gemeinen ist überhaupt anzumercken: daß sich der Heiland gnädig zu ihnen bekannt. In Mirfield hatten sie im Monat Merz die erste Aufnahme in die Gemeine, da 5 Personen diese Gnade wiederfuhr, und war für die ganze Gemeine ein anmercklicher Tag. In Gumersal ist eine ledige Schwester zum erstmaligen Genuß des heiligen Abendmahls gelangt u. eine in die Gemeine aufgenommen worden. In Wyk ist eine Wittwe heimgegangen, und überhaupt sind verschiedene Personen außer den Societaeten aufs Verdienst Jesu selig verschieden. Im Febr. Brachte Bruder Zander seinen Sohn Johannes Friedrich von Wyke in die [66] Knäbgen-Anstalt nach Fullnek, u. erfuhr unterwegens eine besondre bewahrung, da ihm das Kind aus den Armen vom Pferde fiel, ohne Schaden zu nehmen.
D. 25ten deßelben Monats schenckte der Heiland den Geschwister Zanders wieder ein Söhnlein, welches in der heiligen Taufe Joseph Ignatius genandt[WS 4] wurde. In Fullneck ist den Geschwistern Cliffords im Merz gleichfalls ein Söhnlein geboren worden, welches in der Taufe den Namen Jeremias bekommen hat.
ist zu ersehen, daß der Gemeine so wol der etlichtägige Besuch der Geschwister Nathanaels im Monat Jan., als auch Bruder Latrobens Aufenthalt vom 5ten bis 12tn ej. sehr angenehm gewesen; leztrer communicirte den Verlaß des Synodi und richtete die Conferenzen ein. Auch kamen am 5ten Geschwister Worthingtons von Fullnek hier an, um der Gemeine an Geschwister Syms Stelle zu dienen, u. am 5ten Merz bruder Peter Angel von London. Am 19tn Jan. war die erste Bibel-Lection aus dem Evangelisten Lucas.
[67] Zum Genuß des heiligen Abendmahls, welches die Gemeine in den Monaten 3 mal seliglich begangen, wurde im Januar ein lediger Bruder confirmirt.
In der Paßions-Zeit hat sich der heilige Geist besonders kräftig an den Herzen der Geschwister bewiesen, u. hat sonderlich am 25ten Merz der Gemeine einen neuen lebendigen Eindruk von Jesu Menschwerdung und Todt gegeben; dafür sie mit gebeugten Herzen angebetet haben. Die großen Mädgen feyerten ihr Fest d. 26ten nach, mit einem vergnügten Liebesmahl, Homilie und Anbeten.
Am 17ten Jan. beging die Gemeine den Gedencktag ihrer Einrichtung vor 25 Jahren, mit Freude und Danck für alles gute, das ihr der Heiland hat zufließen laßen. Beym Liebesmahl erinnerte man sich unter andern, daß seit dem Anfang dieser Gemeine im Jahr 1745, 258 Personen in die Gemeine aufgenommen 138 Kinder geboren [68] und getauft, und 123 Personen zum Heiland heimgerufen worden.
Zum Schluß des Tages verband sich die Abendmahls Gemeine beym Lobe-Kelch, dem Heiland ewig treu zu seyn.
Die öffentliche Bibel-Lection nahm d. 3ten Jan. mit dem Evangelisten Johannes ihren Anfang. Die Sontags-Predigten und Gemeintage werden von vielen Fremden starck besucht, und der Heiland legt Seinen Segen drauf, so wie Er sich überhaupt zu unsern gewöhnlichen Versammlungen mit Seiner lieben Nähe gnädiglich bekennt.
2. Mädgen sind in die Gemeine aufgenommen worden.
Vom 6ten bis 26ten Jan. waren Geschwister Nathanaels zum Besuch hier, da sie weiter nach London gingen. Eben dahin begaben sich d. 3ten Febr. die ledigen Brüder Reizenbach, Betling, und Dancke, welche sich 3 Monate hier auf gehalten hatten. Am 25ten Merz wurde das Fest der Menschwerdung unsers Herrn mit Segen begangen. So war auch ins besondre den Wittwen ihr [69] Chorfest im Febr. sehr gesegnet, und sie verbanden sich beym Kelch der Dancksagung, ihrem ewigen Manne treue Seelen zu seyn. Im Ehe-Chor sind die Besuche real und angenehm gewesen.
In Risely, woselbst die Versammlungen von Zeit zu Zeit von Bedford aus besorgt und mit Gnade gehalten worden, sind 2 junge Weibsleute selig heimgegangen. Vom 19ten bis 24ten Mart. wurde in Bedford ein zum Tode verurtheilter von den Brüdern im Gefängniß besucht. Er blieb bis ans Ende dabey, daß er in Absicht auf den Straßen-Raub, deswegen man ihn verurtheilet habe, zwar unschuldig sey, sonst aber viele Sünden begangen habe und bezeugte solches 2 Stunden vor der Execution gegen einen Bruder, u. that hinzu: Er habe den Herrn Jesum von Herzen um Gnade und Vergebung aller seiner Sünden gebeten; es sey ihm ganz wohl zu Muthe und er sey des Friedens mit Gott versichert und daß Er seine Seele aus Gnaden zu Sich nehmen werde. Er bezeugte sich überhaupt jedes mal danckbar gegen die Brüder für [70] ihren Besuch in seiner betrübten Situation, und wir hoffen, daß das Wort der Versöhnung, das er gehört, an ihm nicht verloren seyn wird. Da er auf dem Richt-Plaz war, that er noch ein öffentliches Bekäntnis von seiner Unschuld in Absicht auf den Strassen-Raub: daß er allen denen, die an seinem Todte Schuld wären, gerne vergebe, und daß er im Friede mit Gott und allen Menschen sterbe. Seine lezten Worte waren: Herr Jesu! nimm meine Seele zu dir!
Im Monat Januar sind uns die 2 Abendmahle am NeuJahrs-Tage und am 26ten, da wir zugleich den Gedencktag der Einrichtung der Gemeine in Bristol vor 15 Jahren begingen, besonders anmercklich. Bruder Latrobe war an dem Tage zu unsrer Freude bey uns. Die Communication des Verlaßes des lezten Synodi, machte einen seligen Eindruck auf die Herzen der Geschwister. Im Febr. machte Bruder Voelkel bekantschaft [71] mit einem Apothecker, der ein Baptist ist. Er gab ihm die Hand darauf, daß er nirgends als in Jesu Blut sein Heil und Seeligkeit suchen wolte, und besucht seit dem fleißig im Brüder Hause.
Eine fremde Person, die leztens einmal in unsrer Predigt gewesen, bezeugte nach her: Sie dancke Gott, für das, was sie gehöret habe und sagte: Sie hätte nie vorher eine solche wahre weyde für ihr Herz gehabt und sie sey versichert, daß wenn sie auch der gleichen Worte nie wieder hören solte, sie dieses doch bis an ihr Ende nie vergeßen werde.
Das Fest der Verwittweten Geschwister so wol, als der großen Mädgen, wurde im Febr. und Merz mit Gnade begangen. Die öffentliche Bibel-Lection fiengen wir im Monat Merz an, und der Heiland läßt so wol dabey, als in unsern [72] übrigen Versammlungen viel gutes und seliges wiederfahren.
In Bath sind Geschwister Yarrels an Geschwister Rice Stelle eingetreten, welche der dasigen Gemeine 7 Jahre treulich gedient haben. Das Gemeinlein hatte bey der Gelegenheit den Kelch der Dancksagung; und verband sich aufs neue beym Creuze zu bleiben, und die Marter Gottes zu treiben. Daselbst ist ein Kind geboren und getauft worden, und in Kingswood 2 Kinder, und eine verehlichte Schwester ist am leztern Orte selig heimgegangen.
[73]
Daß mich der Heiland aufs neue zu Seinem Dienst angenommen hat, ist mir groß und wichtig und ich freue mich mit Beugung meiner Gnadenwahl. Der liebe Heiland wolle mir einen getrosten Muth und Freudigkeit geben, mich aus Gnaden bey Seinen Wunden erhalten, u. Ihm und Seiner Gemeine zur Ehre u. Freude seyn laßen. Auf meiner Reise hieher ist es sehr gut gegangen u. der Friede Gottes hat mich seliglich begleitet, und ich habe das Zutrauen zum Heiland, daß Ers auch ferner thun wird.
daß er mit seiner Gesellschaft an demselben Tage in Texel angekommen und sie d. 3ten nach Paramaribo abzusegeln hoffen. Der liebe Heiland hätte sie bis daher mit Seiner Nähe begleitet; das Gebet [74] und Andencken der Gemeine, würden sie zu ihrem Trost inne, versprächen sichs auch ferner, und ihr Anliegen wäre, daß das Band der Liebe und des Friedens durch die Gnade des Heilands immer vester, und Sein Ruhm an ihnen nicht geschmälert werden möge. Ihr Capitain wäre ein guter alter deutscher Vater, und er habe versprochen, er wolle sich der 4 ledigen Schwestern ins besondre aufs beste annehmen.
3.) Bruder Kühn meldet unterm 6tn Jul. aus Zeyst, daß er mit seiner Frau am 13ten Jun. daselbst glücklich und wohl angekommen; mit ihrer weitern Reise nach S. Thomas aber verziehe es sich noch, und es schiene als würden sie den ganzen Monat Jul., wenn nicht noch länger, in Zeyst bleiben müßen; indeß gehe es ihnen in der Gemeine wohl.
Ich bin mit meiner Gesellschaft allhier d. 1ten Jun. gesund und wohl angekommen, und hatte am 2ten darauf die Gnade, das Chor-Abendmahl, das die ledigen Brüder hatten mit zu genießen. [75] Ich stund beschämt da vor meinem lieben Herrn über der Gnade, danckte Ihm für die neue Stärckung und Erquickung, u. Er drückte mir ein neues Siegel Seiner Liebe und Barmherzigkeit auf mein Herz. Ich werde täglich gewahr, wie arm und verdorben ich bin, und wie nöthig es ist, in einer wahren bekanntschaft mit dem Heiland zu stehen, und ein von Seinem Blut warmes Herze zu haben. Dabey lerne ich aber Sein Herz immer beßer kennen und Verstehn, und mein Trost ist, daß ich aus Erfahrung weiß, daß Er sich an armen, schwachen Kindern verherrlichen will. Es ist mir eine große Gnade, daß Er mich armen würdiget, in meinem geringen Theil, Ihm unter den Heiden zu dienen. Meine bitte dabey, ist täglich zu Ihm, daß Er mir den wahren Glauben an Ihn bevestige, mein Herz die Besprengung mit Seinem Blut immer fühlen laße, mir einen getrosten Muth erhalte, und mich durch Seinen heiligen Geist in alle Wahrheit leite.
Mein lieber Heiland hat mich auf der [76] ganzen Reise bis hieher seliglich geleitet und geführet. In Großenhayn verabscheidete ich mich mit meiner Reise-Gesellschaft, und ging über Leipzig nach Ebersdorf, woselbst ich d. 19ten May mit der Gemeine das Heilige Abendmahl genoß, zur Stärckung auf meinem Pilger-Gang[WS 5]. Von da ging ich nach Bayreuth, blieb 1½ Tage da, u. hatte Gelegenheit, einem in der Irre gehenden den Sünder-Freund anzupreisen, der auch Gaben empfangen hat, für die Abtrünigen. Auch bey meinen leiblichen Geschwistern, hatte ich Gelegenheit[WS 6], ein Zeugniß von meinem in Liebe verwundeten Heiland, mit Gefühl des Herzens ablegen zu können. D. 27ten kam ich über Bamberg u. Würzburg nach Marienborn und hatte mit Bruder Oldendorp eine vergnügte Unterredung, der mir zu meinem Posten über verschiedenes Auskunft gab.
D. 31ten kam ich zu Waßer in Neuwied an, und nach einem sehr gesegneten Auffenthalt von etlichen Tagen, in welchen das Pfingstfest war, langte ich d. 9ten Jun. hier in Zeyst an, wo ich unsrer weitern Reise mit Verlangen entgegen sehe, mir es aber übrigens in der Gemeine [77] wohl gehen laße. Er gebe mir Gnade, daß ich Ihm ein Brauchbarer Pfeil in Seinem Köcher seyn möge. Mein ganzes Vertrauen seze ich auf Ihn, der mich bewahren, heiligen und stählen kan, und der mir alles das geben wird, so wol was ich für mein eigen Herz, als zum Dienst bey dem lieben Neger-Volcke brauche.
Ich und wir alle wünschen von herzen, daß doch heuer uns ein Bruder auf ein Jahr besuchen möchte, es wird gewiß ein Segen seyn, so wol für uns, als das ganze hiesige Werck des Herrn. Ich zweifle nicht daran, daß auf dem vorjährigen Synodo ganz besonders an uns wird gedacht worden seyn, und wir erwarten was vor Gutes uns wird mitgetheilt werden. Unser Gemeinlein hat sich im äußern gut durch gebracht und sie und wir sind gesund und vergnügt. Ich lege mich kein mal zur Ruhe, ohne dem Heiland zu dancken, daß Er mir wieder so weit geholfen hat, daß ich alles thun kan, wozu er mich beruffen hat. Ob ich [78] gleich eine gebrechliche Hütte habe, so lebt doch mein Herz in Seinem Verdienst und leiden, und das besonders in dieser Paßionszeit.
Wir stehen in sehnlicher Erwartung, zu erfahren, was unser gnädiger Heiland im Vergangnen Jahr an Seinem Brüder-Volcke gethan hat. Daß man unsrer auf dem Synodo ganz besonders gedacht hat, das hat uns der Heiland fühlen laßen. Ein jedes von uns hat sich an die Marter Jesu gehalten, so viel Er uns Gnade dazu gegeben hat, und unser Gemeinlein hat innerlich und äußerlich ein gesegnetes Jahr gehabt. 18 Erwachsene und 6 Kinder sind diesen Winter getauft worden u. verschiedene andre sind Candidaten dazu. Im Octobr. vorigen Jahrs kamen aus der Gräden-Fiorde 11 Seelen bey uns an, von denen bereits etliche getauft sind. Ueberhaupt hat sich unser Gemeinlein zu Anfang des Winters mit 39 Seelen vermehret. An den Kaufmann haben unsre Grönlander dismal über 100 Tonnen Speck abgegeben. Das schöne Provianthaus, [79] wofür wir insgesammt herzlich dancken, hat für sie so viel ausgetragen; Zu Anfang Sept. richteten wirs auf, und in 5 Wochen waren wir so weit fertig, daß sie ihren Proviant hinein bringen konnten. Im Aug. resolvirten wir ein Grönländisches Brüder-Haus zu bauen, und diesen Winter haben an die 40 Brüder drinne gewohnt.
c.) Bruder Matheus Stach, bezeugt gleichfalls in seinem Schreiben unterm 1ten Sept. 1769 aus Lichtenfels, daß er sehnlich verlange, daß balde ein Bruder zur Visitation zu ihnen kommen und sie in den neuen Gnaden-Gang darinnen sich die Brüder-Gemeinen befinden, einleiten möge.
Es fällt mir gar oft ein, ob wir nicht einen Besuch aus der Gemeine zu erwarten haben, und ich dencke, daß diese Hofnung in dem Jahre nicht fehl[WS 7] schlagen wird. Der Heiland wird gewiß Seinen Segen drauf legen. Beym heiligen AbendMahl hat Er sich an unserm Gemeinlein besonders [80] gnädig erzeigt. Getauft sind worden am 19ten Jan. 4 Personen und am 11ten Merz abermals 4. In den Monaten Dec. Jan. und Febr. hatten es unsre Geschwister wegen sehr harten Wetters im äußerlichen zimlich schwer, doch gab sichs im Monat Merz und sie konten ihre Nahrung wieder suchen. Zum Schluß des Jahrs 69 bestand die Grönländische Gemeine mit allen, die hier wohnen, aus 540 Seelen.
Da unsre Geschwister vor gut befunden haben, daß ich und Bruder Hammel bey Sarepta überwintern möchten; so haben wir unsre Kibitke beym Vorwerck aufgeschlagen, wo eine Calmuckische Familie sich aufhält. Der Mann von dieser Familie kan lesen und schreiben, und wir machen uns ihn in der Absicht zu Nuze.
Wir haben, so schwer es auch hält einige Schriften von ihm bekommen; und sie dienen uns dazu, daß wir manche Ausdrücke in geistlichen Dingen, [81] welche man sonst sehr schwer von ihnen erfragen mußte, drinnen finden.
Diese Schriften enthalten mehrentheils alte Geschichte von ihren Helden, die Menschen und Götter zugleich gewesen seyn, sehr große Kriege geführt, und lauter abentheuerliche Wunder gethan haben sollen. Sie haben auch eine Art von Sitten-Büchern worinnen alle Untugenden und Tugenden der Menschen mit Namen beschrieben sind, u. zugleich gezeigt wird, was vor Wohl und Weh auf eine jede folget. Ihre gröste Heiligkeit besteht darinn, daß sie eine Menge von diesen Schriften auswendig herbeten können, und daher laßen sehr viele, die from seyn wollen, ihren Rosen-Kranz nie aus der Hand. Sehr selten erreicht jemand nur den geringsten Grad der Vollkommenheit im auswendig lernen; weil der Schrifften von allerley Art eine große Menge ist. So bald es aber praestirt und nach ihren Sitten und Lehrsäzen einher geht, daß er z. E. beständig betet, keine lebendige Creatur ums Leben bringt, den Armen [82] Gutes thut u. s. w. so wird er ein Gott und in die Zahl der Götter versezt. Ihre Schrifften ehren sie wie ihre Götzen, und daher machen sie sichs zur Sünde, wenn sie dieselben jemanden in die Hände geben, der die Ceremonien nicht damit macht, wie sie. Auch communiciren sie dieselbe nicht gerne; wenn sie nicht wißen, ob es als Wahrheit angenommen wird. Zu uns haben sie gesagt: Wenn wir ihre Schrifften verstehen würden, und was vor Kostbarkeiten darinnen sind, so würden wir uns sehr verwundern, und wol gar die Calmuckische Religion annehmen. Wir haben ihnen geantwortet, sie wüsten freylich viel, das vornehmste aber, welches das Wohl seyn der sündigen Seele /:wie sie sich ausdrücken:/ in Zeit und Ewigkeit beträfe, wüßten sie nicht, und wir wolten, wenn wir ihre Sprache beßer könnten, es ihnen ausführlich sagen.
Auf die Frage: Was es denen, die keine Schrift verstehen hülfe, daß die, so dieselbigen verstünden, selig würden? [83] antworteten sie: es wird für sie gebetet, und wenn sie nur fleißig opfern, so hat es mit ihnen keine Noth. Ueber der Schöpfung der Welt, haben sie sich gegen uns so erklärt: Es sey schon vor dieser eine Welt gewesen, und die sey im Waßer unter gangen. Da sey nur ein einiger Mensch, ein großer Heiliger, Lama, der zugleich ein Gott gewesen, übrig geblieben, und der habe einige der Menschen, die auf der vorigen Welt gelebt hätten, wieder zu Menschen gemacht.
Weil zu der Zeit noch keine Sonne gewesen sey, so hätten sie einen solchen hellen Glanz um sich gehabt, daß sie damals keine Sonne nöthig gehabt hätten. Da aber die Menschen schlechter geworden, habe sich der Glanz verloren u. darauf sey erst die Sonne worden. Das menschliche Alter sey damals auf 80000 Jahr gekommen, und die Menschen wären von ungemeiner Größe gewesen, und so auch das Vieh nach Proportion, so daß die länge eines Pferdes 193 Klafter gewesen sey. Das menschliche Alter nehme alle 100 Jahre um 1 Jahr ab, und das sey izo schon so weit gekommen, daß das höchste Alter 100 Jahr sey und das [84] würde so fort gehen, bis die Menschen nur 10 Jahr alt würden. Und so nehme auch die Größe der Menschen und des Viehes ab. Als denn aber werde die Welt im Feuer untergehen, außer ein gewißes Land Schambolla genannt, welches ein Land des Wohllebens sey. Da werde ein gewißer Sohn Gottes auf die Welt kommen und der werde alle Calmucken, die hier auf dieser Welt fleißig gebetet und heilig und from gelebt haben, vors erste zu sich versammlen; dann kämen auch die übrigen nach, nachdem sie ihre Strafe in der Hölle ausgestanden hätten. Die würden aber arm seyn, und die, welche auf dieser Welt schlecht gelebt hätten, würden gar nicht wieder zu Menschen, sondern zu Vieh werden. Wie sie denn glauben, daß dasjenige Vieh und alle lebendige Creaturen in der vorigen Welt, schlechte Menschen gewesen wären. Und das ist auch der Grund, warum sie es vor Sünde halten, eine Creatur zu tödten.
Wir haben es nicht mangeln laßen, ihnen bey Gelegenheit das Wort der [85] Versöhnung durch Jesu Blut anzupreisen, so viel uns der Heiland Gnade dazu gegeben hat, und so weit wir mit der Sprache haben fort kommen können. Ihre Erklärung darüber ist gemeiniglich: Es ist sehr schön, u. kommt bey nahe dem gleich, was in unsern großen wichtigen Schriften stehet. Wenn ihr unsre Sprache und Schrifft recht verstündet und ihr könntet mit unsern großen gelehrten davon reden, sie würden euch eben auch solche süße Worte aus unsern Schrifften sagen können und würden sich freuen, wenn sie hören, daß ihr auch solche schöne Sachen wißet. Hieraus kan man leicht sehen, wie es in der Absicht mit den Calmucken bewandt ist. Das alles aber, macht mich nicht muthlos, sondern ich sehe den Heiland an, der die Seelen mit Seinem Blute erkaufet hat, lege Ihm mich u. das arme Volck an Sein Herz und bitte Ihn, daß Er Seine Stunde balde über dasselbe wolle schlagen laßen, und ich Ihm in Seiner Sache [86] nichts verderben möge.
Was das lernen der Sprache betrifft, so sind wir so weit, daß wir zimlich alles, was im gemeinen Leben vor kommt, mit ihnen reden können.
Der Tochmut, seine Familie u. wer uns kennet, haben uns mit Respect und Liebe behandelt. In der Lebens-Art, die freylich von der deutschen sehr verschieden ist, haben wir auch profitirt. Die Sprache gründlich zu lernen wird freylich etwas langsam gehen. Der Stilus in ihren Schrifften und besonders in geistlichen Materien, ist von der gemeinen Redensart so verschieden, daß man ohne eine aparte beschreibung der fremden Worte und Aus drücke nichts verstehen kan.
Wenn man also einen solchen Gelehrten nicht bey sich hat, der es selbst versteht, /:denn die meisten verstehen es selber nicht:/ so ist freylich nicht viel zu machen. [87] Ich hoffe aber, daß es ins künftige geschwinder gehen wird, weil wir doch bereits das schwerste überstanden haben.
Ich bin durch meines lieben Heilands Gnade und Erbarmung die Zeit her selig und vergnügt gewesen. Nichts als Jesu Christi Gnade, Nichts als Sein Verdienst allein, war mir armen Wurm und Made, besonders verwichenen Sommer in der Calmucken-Horde, mein einziger Trost, Rath und Selig seyn. Verwichenen Winter standen wir mit dem Tochmut nicht weit von Sarepta, auf einer kleinen Insel, und im FrühJahr sind wir, mit ihm in der Steppe zum erstenmal zur Horde gezogen. Wir haben zwar dabey von außen allerley beschwerlichkeiten erfahren, wir können aber auch dem Heiland dancken für die gnädige Bewahrung in würcklichen Gefahren. Der Calmucken ihre Abgöttereyen [88] und ihre gewiß recht verworrene Gözen-Dienste haben wir etwas mehr kennen lernen. Eben da ich dieses schrieb, kam ein Calmuck zu mir, und schrieb einige tongutische Worte auf Papier; Ich fragte ihn: Was er schriebe? er antwortete: In dem Holze, das wir verbrennen, pflegen zuweilen Würmer zu seyn, die dann mit verbrennen. Und weil wir dafür halten, daß wir, die wir die Schrift verstehen /:es war ein Geistlicher:/ keine einige Creatur aus Leben bringen sollen, und auf diese Art doch die Würmer durch unsre Schuld ihr leben verlieren können; so bitten wir den Banchan /:das heist so viel als Gott; sie haben aber viele Götter und fast in jeder Absicht einen andern:/ daß es den Seelen wohl gehe und sie balde wieder in ihrer Art zum leben geboren werden mögen, uns aber die Sünde, daß wir sie ums Leben gebracht, vergeben werde. In diesen aufgeschriebenen Worten bekennen wir unsre [89] Sünde, und bitten um Erlaßung der selben. Das Papier hängen wir in der Kibitke übers Feuer, und beym Ansehen deßelben beten wir: O mani, bat me chun! Dieses ist tangutisch und soll so viel heißen: als Gott erbarme dich über uns! Dergleichen Aberglauben ist bey ihnen sehr viel. Wenn ich sie ansehe, wie sie dem Teufel und seinem Wesen dienen, und drüber so veste halten und glauben, daß sie die alleinigen sind, welche Gott rechtschaffen dienen, so wird mir wehe ums Herz, u. kan nicht anders, als mit weinen sie dem Erbarmer an Sein auch für sie verwundtes Herz legen, mit dem sehnlichsten Wunsch, daß Er balde viele, wo nicht alle von diesen Heiden, Zum Genuß Seiner Wunden bringen möge; Ein andermal lacht mirs Herz, wenn ich sie ansehe und ich dencke: Ach, wie wird Er sich freuen, wenn ihr Ihn als euren Erlöser, der aus Liebe zu euch Sein Blut vergoßen, kennen werdet, und [90] wie werdet ihr Ihm für eure Errettung und befreyung vom Satan dancken und Loben können! Auch möchte es der Barmherzige Heiland bald in Erfüllung bringen, daß sie Ihn als ihr einziges Heil kennen lernen, und Er für Sein Leiden und Sterben sich auch an Calmucken erlaben[WS 8] könne! Könnte ich in meinem Theil dazu etwas beytragen, wäre es mir die gröste Gnade. Mein Leib u. Leben ist ja Seine, und das will ich um Seinet Willen gerne dran sezen. Bis daher läßt sich noch keine Spuhr sehen, daß sich ein Calmuck bekehren will. Jedoch haben wir bey einigen eine Unruhe wahrgenommen, wenn wir ihnen gelegentlich ihr schlechtes Leben zu Gemüthe geführt, da sie dann nicht mehr wie zuvor, mit Ruhe nach ihren gewohnheiten mit machen konnten. Unser alter Tochmut hat uns und die Gemeine in Sarepta noch immer von Herzen lieb, u. hält uns für ein aufrichtiges, ehrliches Volck. Den Bruder Johann Nitschmann nennt er seinen Vater, und bezeugt große liebe zu [91] ihm, und so ist auch seine Frau. Es sind wenige ihres gleichen unter dieser Nation anzutreffen, und wir glauben fäst, daß Er als ein vom Herrn gewonener, am Ende in Seine Arme hinein laufen wird. Unser Zug mit der Horde ging mehrentheils immer am Don hinunter und wir kamen fast Rostow gegen über, welches auf jener Seite liegt. Wenn wir noch einen Tag weiter gezogen wären, hätten wir, wie uns die Calmuken sagten, die Caucasischen Gebürge sehen können. Vom schwarzen Meere wären wir eben auch nicht mehr weit. In Erlernnung der Calmuckischen Sprache glauben wir jezt über das schwerste weg zu seyn. Wir bemühen uns nun von ihren Schrifften zu krigen um daraus ihre geistliche Ausdrücke zu lernen, u. sind jezo mit abschreiben eines ihrer Gesez-Bücher beschäftiget. Ihre Bücher sind alle in der Mongulischen Sprache geschrieben, und so alt, daß sie viel Calmucken selber nicht verstehen können.
[92] Außer unserm täglichen Gemein-Gang, den Sein Friede auch diesen Monat hindurch selig begleitet hat, waren insonderheit die Pfingsttage der ganzen Gemeine; den 2ten Jun. insonderheit den ledigen Brüdern, durch eine Gnadenreiche Chor-Communion, und der 24te als der Gedächtniß-Tag Johannis des Täuffers, unsern lieben Knäbgen ausgezeichnete Gnadentage. Am ersten Pfingsttage war hier nach etlichen Jahren, wiederum die erste Niederdeutsche Predigt, und seit dem wird alle Sontag in dieser Sprache einem zahlreichen u. attenten Auditorio von Einheimischen u. Fremden das Evangelium verkündiget. Aus der Hollsteinischen und Schwedischen Diaspora hielten sich einige Brüder etliche Wochen zum Besuch bey uns auf, und gingen mit einem gesegneten Eindruck wieder nach Hause. Sonst haben wir auch das vergnügen gehabt, die Gesellschaft, der nach Suriname Reisenden einige Zeit in unsrer Mitte zu haben, u. die nach S. Thomas bestimmte Gesellschaft ist dermalen noch bey uns.
Der ledige Bruder Johann Daniel Köhler, der
zum Gehülffen des Bruder Liebisch, bey der
[93] unt Arbeit unter den Jünglingen und
Knaben ernennt worden, wurde ihnen
hiezu vorgestellt, und herzlich gesegnet.
Mit durchgängiger Freude haben wir
in dem Monat den Anfang gemacht,
die ersten Gemein-Nachrichten vom Jahr
1770 so wie sie nunmehro, der lezten
Synodal-Abrede zu Folge, abgefaßt sind,
in der Gemeine zu lesen. Sonst ist
in diesen Tagen auch die Uebernahme
des hiesigen ledigen Schwestern Hauses von
dem Zeyster Gemein-Credit, zu reciproquen
vergnügen vollzogen worden.
Bruder Schlieser hat mit Approbation der
hiesigen Gemein-Conferenz, den Anfang
gemacht, ein Haus für sich zu bauen,
und zwar auf einen der Leeren Baustellen,
zwischen dem Laden und Bruder
Skangels Hause.
Bey unserm Gemein-Abendmahl am 16ten wurde der ledige Bruder Heinrich Christoph Helmholt, als erstmaliger Mitgenoße deßelben confirmirt. Noch ist anzumercken, daß der ledige Bruder Jon. Siegerströhm, auf eigenen Antrieb in seine Heimmath nach Schonen in Schweden gereißt ist, um daselbst als ein Kind Gottes in der [94] Stille zu leben und zu sehen ob er unter den Bauer-Kindern durch Schulhalten einigen Nuzen stiften kan.
Die schmerzlichste Betrübniß in diesem Monat machte uns einer, der nach vieler an ihn gewandten Gedult u. Treue endlich die Resolution faßte, sich von uns zu entfernen. Der liebe Heiland der schon so manches verirrte Schaaf wieder zum Besinnen gebracht hat, thue auch an diesem, diese Barmherzigkeit und Treue.
Der Heiland hat uns recht begnadigte und selige Pfingst-Feyertage geschenckt. Wir haben in allen unsern Versammlungen die Gemeinschaft des heiligen Geistes und die Nähe unsers lieben Herrn innig gefühlet. Insonderheit war uns das Anbeten Gottes des heiligen Geistes am ersten Feyertage eine sehr gesegnete Versammlung, und unser Gemeintag am 2ten war auch recht gefühlig.
[95] Zur Verkündigung Seines Wortes
hat Er sich in diesen Tagen ganz
besonders besonders bekannt. Es
war auch ein so starcker Besuch
hier, daß die Zuhörer oben in der
Kirche nicht Plaz hatten.
D. 9ten Jun. Abends fiengen wir das lesen der heiligen Schrifft wieder an und zwar mit der Apostel-Geschichte, nachdem vor den Feyertagen die Harmonie der 4 Evangelisten war geendigt worden. Es continuirt der eigen auf dieser Versammlung ruhende Segen.
D. 17ten hatten wir das heilige Abendmahl 37 Personen an der Zahl.
D. 24ten da der Johannis Tag auf den Sontag fiel, so wurde deßelben besonders gedacht, und in der Predigt von der Zubereitung der Herzen auf den Heiland durch Johannem und von dem Wercke, das der Heiland nachher ausgeführt hat [96] mit Gnade geredt.
D. 29ten kamen von Schweden über Holland die 2 Brüder Flügare und Loße auf ihrer Besuch-Reise, nach Herrnhuth, zu uns, und blieben die Nacht bey uns.
Und da sich Geschwister Meyers entschloßen mit dieser Gelegenheit und Gesellschaft, ihre schon lange nach Barby vorgehabte Reise anzutreten; so machte in der Liturgie den Geschwistern solches bekandt, und nahm herzlichen Abschied. Die Gemeine segnete sie dazu und d. 30ten reisten sie mit erwehnten 2 Brüdern von uns.
Sonst sind wir auch diesen Monat von einigen erweckten Leuten besucht worden, die noch nicht hier gewesen.
[97]
Ich werde nun balde meinem Ruf zu folge meine Reise nach Antigoa antreten. Ich habe das Zutrauen zum lieben Heiland Er werde Sein Gnaden-Werck, das Er hier angefangen, ferner fort sezen und alle Geschwister die jemals hier wohnen werden, vor Mißverständniß und Uneinigkeit bewahren, welche in einem warmen Climate von schlechtern Folgen sind als in einem kalten, und man hat daher hier zu Lande doppelte Gnade nöthig. Da ich nach Barbadoes kam, war meine erste bitte, daß mich der Heiland möchte, wie Jacob vor seinem Bruder Esau Gnade finden laßen, vor schwarzen und Weißen Leuten. In den 2 ersten Monaten schien meine Bitte nicht erhört zu werden, ich fuhr aber fort, darum zu bitten, und ich kan nun mit Freuden sagen, daß der Heiland mehr gethan hat als [98] ich gebeten. Auch war mein Anliegen, daß meine Worte und Handlungen, sich bey denen, die mich sehen und hören, als ein Geruch des Lebens beweisen; und auch dieses ist in einem größern Grad erfüllet worden, als ich mir je vorgestellt. Mit dem Anliegen und Gebet gehe ich nun auch nach Antigoa u. traue dem Heiland zu, Er werde mich erhören. Man kan leicht dencken, wie sehr ich mich freue, daß die brüder hier auf dieser Insel so wohl eingerichtet sind u. daß die Predigt von Jesu Todt und Leiden einen so gesegneten Fortgang hat, und es ist gewiß eine Materie zum loben und dancken, daß wir ein liebes Gemeinlein von 13 getauften hier haben.
In Christ-Church-Praish haben wir eine Versammlung für Tauf-Candidaten angefangen. Es sind 2 Männer und 4 Weiber. Verwichenen Charfreytag war für unsre Neger ein sehr gesegneter Tag, es wurden von mir getauft: William, Hanna u. Jane; von Bruder Bennet Magdalena u. Rebecca, von Bruder Weigel Martha, zusammen 6 Personen.
[99]
Ich bin wol ein armes Wesen u. Voller Mängel und Gebrechen; aber der liebe Heiland bekennt sich zu mir und Er hat einen Hunger und Durst nach der Bekehrung der Neger in mein Herz gelegt. Unsre Augen sehen es und unsre Herzen fühlen es, daß Er sich ein Gemeinlein hier sammlen will, das Sein Herz erfreuet. Uebrigens bezeugt Bruder Bennet wie nahe es ihm gehe, daß Bruder Brukshaw von ihnen weg nach Antigoa komme.
Daß ihm zwar die Erlernung der Englischen Sprache noch schwer werde; unterdeßen habe ihm der Heiland doch so weit geholfen, daß er den Getauften habe ihre Versammlungen halten können. Die Neger wären froh darüber und hätten bezeugt, daß sie ihn gut verstanden hätten. Es sey ihm eine große Gnade, daß der Heiland ihn aufgerufen, Seinen Todt zu verkündigen und der liebe Heiland laße ihn dabey seine liebe Nähe und Unterstüzung fühlen. Die Neger-Schwestern warten sehr sehnlich auf die Ankunft der nach Barbadoes bestimmten Geschwister u. dencken, so[WS 9] [100] oft sie ein Schiff in[WS 10] den Hafen einlaufen sehen und die Canonen hören, daß sie mit gekommen sind.
Unserm lieben Bruder Antes sagt die hiesige
Luft recht gut zu und er ist von
seinem in Cyprus aufgelesenen schlimmen
Fieber ohne alle Medicin völlig wieder
hergestellt worden. In seiner Profeßion
hat er bisher noch immer zu thun gehabt
und es scheint, die Leute sind mit seiner
Arbeit zu frieden. Macht er gute Arbeit,
so wird es an Kundleuten nicht
fehlen; und so kan er hier in Cairo als Uhrmacher vielmehr,
als wenn er ein Tischler wäre, verdienen. Im
Arabischen hat er nun auch einen Anfang
gemacht. Es gefällt ihm sonst ganz gut
in Cairo, außer daß er hier, wie in
einem Gefängnis leben muß, u. nicht
sicher allein aufs Feld gehen kan. Und
das ist würcklich hier ein verdrüßliches
Ding, Wer kans aber ändern?
Er wird nun vom 17ten Apr. an, unser
Diarium führen.
Unser lieber Bruder Danke ist auch hübsch gesund und munter, und arbeitet fleißig auf [101] seiner Profeßion. Er wünscht öfters, daß er mehr darinnen gethan hätte; ich bitte ihn aber nur keine Arbeit anzunehmen, die er nicht versteht. Er ist sehr darauf gestellt, diesen Sommer nach Ober-Egypten zu gehen und da er nun so viel Arabisch versteht, als zum nothwendigen durchkommen erforderlich ist; so wollen wir es ehenstens vor dem lieben Heiland überlegen und sehen, ob Er es approbirt. Mir ist sein gehen nach Ober-Egypten ganz gemüthlich, denn hier in Cairo hat doch niemand Ohren zu hören u. es ist alles Steintodt. Wir hatten uns große Hofnung von einem ledigen Coptischen Tischler, Ghali gemacht. Er hatte ein wenig mehr Geschicklichkeit u. Erkenntniß als andre Copten und hätte gerne gesehen, daß wir ihn deswegen bey seinem ganz todten Herzen für unsern Bruder gehalten hätten; und da wir das nicht thun konnten noch wolten, so besucht er uns izt nur gar selten. Der Herr schencke uns Gedult und Glauben der Heiligen. Ach Sein theures Blut, ist ja doch auch die Zahlung und das Lösegeld für die Egyptier, so [102] wie für uns und alle Welt. An Abysinien können wir für das Jahr nicht dencken. Ich für meine Person habe vor jezo, so wie alle andre hiesige Medici, weil es eine sehr gesunde Jahres Zeit ist, sehr wenig in der Medicin zu thun. Verdiene daher wenig und meine 2 Brüder verdienen izt mehr als ich. Mit den Türckischen Weibern, bey welchen ein Medicus ihre Kranckheit aus dem Puls errahten[WS 11] soll, mache ichs izo so: Ich spreche: Das verstehe ich nicht und so werde ich ihrer los. Vorigen Winter habe ich in Ansehung meiner gesundheit sehr leidlich zugebracht, allein seitdem es nun Warm zu werden anfängt, spüre ich wieder allerhand Symptomata und befinde mich öfters schwächer, als ichs meinen Brüdern sage, wo sie mir es nicht ansehen. Sonst leben wir hier in einer lieblichen Harmonie zusammen, lieben uns herzlich u. ermuntern und trösten einander, so gut wir können; und der treue Heiland läßt uns täglich fühlen und erfahren, daß wo 3 in Seinem Namen versammlet sind, Er mitten unter ihnen seyn will.
[103]
Wir haben zu befürchten, daß die Pest, welche seit geraumer Zeit in Alexandria wütet; so daß in so einer kleinen Stadt, täglich 70 bis 80 Menschen wegsterben, endlich auch hieher gebracht und wir genöthigt werden möchten, uns bis zu Ende Jun. einzuschließen. Bis hieher ist aber noch gar keine Spur davon hier zu mercken, und wir wollen dem Heiland sehr danckbar seyn, wenn wir damit verschont bleiben, weil unser Haus sich gar nicht zu einem Lazareth schickt.
Meine 2 Brüder befinden sich sehr wohl, ich aber fange an mich manchmal sehr schwächlich in meiner Hütte zu fühlen. Aber mein Geist freuet sich Gottes meines Heilandes und sehnet sich täglich nach Ihm und nach einem tiefern Eindruck von Seiner Marter und Todt u. Ihm sey Preiß, Er gibt mir ihn auch aus Gnaden.
(:NB. ihr Diarium vom Aug. 1769 bis [104] 13ten Febr. 1770. ist noch nicht eingegangen:)
D. 14ten Febr. wurde Bruder Hocker zum Mustapha Effendi, Ali Bays ersten Secretair geruffen, weil er kranck war.
Abends sangen wir unsre Chor-Liturgie. D. 13ten und 16ten krigte Bruder Antes seine erste Arbeit in seiner Profeßion. Diesen Abend sangen wir: O Haupt voll Blut und Wunden p. u. d. 17ten Unschuldigs Gottes-Lamm p. d. 18ten beteten wir früh die Kirchen-Litaney und lasen mit vielem Segen in den Briefen, die Bruder Antes aus der Gemeine mit gebracht. Abends weideten wir uns in des seligen Jüngers Reden, womit wir künftig Sontags, u. noch ein paar mal in der Woche continuiren werden. Die übrigen Tage aber lesen wir izt alle Abend in den Gemein-Nachrichten, wobey uns ofte sehr wohl ist u. wir sind dem Heiland und unsern Geschwistern für dieses Present sehr danckbar.
D. 20ten bekam Bruder Antes Arbeit in seiner Profesion von einem Türcken, namens Osman Aga. Dieser Türck ist der Herr des Hauses von Mr Clemens, wo wir eine Zeitlang logirt haben. Er hat uns da kennen gelernnt, ist immer unser [105] guter Freund geblieben und läßt keine Woche vorbey gehen, da er uns nicht besucht; sagt auch oft, daß er uns lieb hat, als ob wir seine Brüder wären. Das beweißt er auch und dient wo er kan. Dem Bruder Antes hat er schon manchen braven Kundmann zu gewiesen, und er versichert die Leute, daß sie sich auf unser Wort verlaßen können. Wir haben ihn auch lieb, und wünschen, daß er seinen Erlöser kennen möchte. Ich /:Bruder Danke:/ habe ihm, wenn ich mit ihm alleine war, schon etliche mal was vom gecreuzigten Meßias gesagt. Allein, soll dieses Zeugniß bey einem Türcken Eingang finden, so muß gewiß zu vor, was besonders bey ihm vorgehen. Ein französischer Kaufman ersuchte heute den Bruder Hocker, ihm einen Brief ins Englische zu übersezen, welcher an einen Englischen Herrn Namens Bruce, der sonst Consul in Algier gewesen, nach Aethiopien gehen soll. Bruder Hocker thats gerne und es war uns Lieb, daß wir bey der Gelegenheit erfuhren, welche von den hiesigen Kaufleuten nach [106] dortiger Gegend Correspondenz haben. Gedachter Engländer ist vom verstorbenen Herzog von York dahin geschickt worden und nach seinem Tod hat sich der Englische Hof erboten, die Reis-Kosten zu tragen. D. 20ten machte ich vor den Französischen Herrn einen Pack-Kasten, der an den Englischen Herrn nach Aethiopien gehen soll, und wir hörten bey der Gelegenheit, daß dieser Engländer, kurz vor unsrer Ankunft allhier abgereist sey und sehr viel nach Bruder Hoker gefragt habe.
D. 22ten besuchten Bruder Hocker u. Antes den Griechischen Patriarchen, der Medicin brauchte. Er bewieß sich sehr freundschaftlich gegen sie und freute sich besonders den Bruder Antes kennen zu lernen.
In diesen Tagen versammelte sich
die große Caravane die nach Mecca
geht, und zog zu Ende dieser Woche
dahin ab. D. 23ten hatten wir eine gesegnete,
sünderhafte und offenherzige Unterredung
mit einander, so wol den
täglichen Umgang des Herzens mit dem
Heiland, als auch unsern äußern Handel
und Wandel unter dem verkehrten Geschlecht,
[107] darunter uns der Heiland hingestellt hat,
betreffend. D. 24ten hatten wir ein niedliches
LiebesMahl, und nach einer gnädigen
Absolution von allen uns drückenden
Mängeln genoßen wir den Leib
und das Blut unsers Herrn im heiligen
Abendmahl, auf eine unbeschreiblich
selige Weise. Tags darauf hatten
wir unsre Communion-Liturgie. Bruder
Hocker mußte heute den Mustapha
Effendi und andre Patienten mehr
besuchen. D. 27ten machte ich etwas
in die Catholische Kirche. Auch arbeitete
ich diese Woche an Bruder Antes
seiner Werckstadt. D. 2ten Merz bekam
Bruder Hocker eine Jüdin, wie auch
eine Catholickin in die Cur. D. 3ten
sangen wir das Lied: Wir blicken
nach der Höhe p. Ueberhaupt besangen
wir in dieser seligen Paßions-Zeit
in unsern Singstunden Gottes Marter
gar oft mit sehr gerührtem herzen.
D. 5ten war es ein Jahr, daß Bruder
Hocker und ich in Cairo angekommen,
u. wir hielten in der Absicht heute
ein LiebesMahl, wobey wir unserm
lieben Herrn für alle bisherige
[108] gnädige Durchhülfe kindlich danckten.
Wir hatten eine Conferenz mit einander
über unsre Haushaltung, worinn uns
recht wohl war, und wir verbanden
uns, durch die Gnade unsers Herrn,
in allem kindlich, gerade und offenherzig
mit einander Haus zu halten, wie es
Brüdern zu kommt, die ihrem Herrn u.
Seinem Volck Ehre machen wollen.
D. 6ten brachte Osman Aga einen Ansehnlichen
Türcken zum Bruder Antes, der
eine Repetier-Uhr von ihm kaufen wolte.
Und da er weder so eine, noch andre
Uhren zu verkaufen hatte, so bat der
Türck ihm eine aus London zu verschreiben.
D. 8ten fieng Bruder Antes an
auf seiner Profeßion zu arbeiten
und hat vor die Zeit viel zu thun.
Da wir erst kürzlich alle wöchentliche
Nachrichten vom Synodo zusamen
bekommen hatten; so lasen wir sie
d. 11ten alle durch, und unsre herzen
wurden dabey aufgeregt, unserm
lieben Herrn auch unser armes Gratias
zu bringen, für das was Er aufs
neue an Seinem Hause u. Volck gethan hat.
[109] In unsern Singstunden, darinnen wir
die schönen Texte von unsers Gottes tiefen
Erniedrigung und Marter besangen, wurden
unsre Augen gar oft naß. D. 130ten bestelte
ein Copte zum ersten mal Arbeit bey
mir. Ich freue mich, wenn ich hie oder
da, Gelegenheit finden kan, unter
den Copten bekannt zu werden. D. 14ten
ließ der Venetianische Consul den Bruder
Hocker grüßen und fragen: ob er oder
jemand von uns mit zu den großen
Pyramiden gehen wolte; weil so wol er
selbst als andre Kaufleute von der
Französischen und Venetianischen Nation
morgen dahin gehen würden. Bruder Hocker
der schon da gewesen, fand vor gut,
daß Bruder Antes und ich diese schöne Gelegenheit
nicht versäumen möchten, um
diese Alterthümer, wovon in der ganzen
Welt so viel gesprochen wird, auch
zu sehen. Wir gingen dann diesen Abend
nach Schiesa Giza, einem Dorfe, welches jenseit
des Nilus, Alt-Cairo gegen über
lieget, wo sich die ganze Gesellschaft
versammlete und über Nacht blieb.
D. 15ten sehr früh, ritten wir dann, unser 32 an der Zahl, die Bedienten u. Eselstreiber [110] nicht mit gerechnet, mit unsern Eseln unter Anführung zweyer Arabischer Schegs zu Pferde, die uns vom Ali Bay zur Bedeckung mit gegeben waren, von Schiesa ab. Von diesem Dorfe bis zu den Pyramiden ist eine gute deutsche Meile. Das Land ist flach, der Prospect schön und der Geruch im Felde war erquickend. Das Korn stand herrlich einiges war noch ganz grün, an anders könte die Sichel bald gelegt werden. Der Flachs der hier in großer Menge gebauet wird, stand zum Theil in der schönsten Blüthe und zum Theil war er reif. Hie und da sieht man ein kleines dörfgen im Felde liegen, die sich aber nicht anders praesentiren als eine Menge von schwarzen Thon aufgebauten Back-Oefen. Auch paßirten wir 6 Horden von wilden Arabern, dicht vorbey; die in Zelten wohnen und mit ihrem Vieh von Ort zu Ort ziehen und fürchterlich aussahen. Viele von ihnen kamen aus ihren Zelten zu uns gelaufen und fragten, woher wir kämen, und wohin wir wolten? Da ihnen unsre Schegs sagten, daß sie vom Ali Bay wären, waren sie sehr stille, denn der Name ist in ganz Egypten sehr respectirt. [111] Früh um 7 Uhr kamen wir dann bey den Pyramiden an. Sie stehen auf einem kahlen Sand-Hügel und zwey davon sind von ungeheurer Größe. Man kan aber nur in die größeste hinein gehen oder Vielmehr kriechen; denn der Eingang ist etwa nur 4½ Fuß ins Gevierte. Wenn man ohngefehr 50 Schritte hinein ist, muß man auf dem Bauch kriechen und hat noch große Mühe durch zu kommen. Wenn der Sand darinnen beßer weggeräumt wäre, so mag der Eingang über all wol eine Weite haben. Ist man etwa 60 Schritt weit auf diese Weise gekommen und zwar Berg unter, dann gehts wieder 50 bis 60 Schritt Berg auf und da hat der Gang seine erste Weite wieder. Darauf kommt man in eine Kammer, etwa 25 Fus lang und 15 Breit. Sie hat schöne glatte Granit-Steine, sonst ist nichts drinnen. Von da kommt man an einen überaus hohen aber schmalen Gang, der sehr steil berg auf geht, sehr glat und gefährlich zu steigen ist. Ist man darinnen an die 100 Schritt hin auf geklettert; so kommt man [112] wieder in eine Kammer welche größer als die untre ist, und eben auch aus glatten Granit bestehet. An einem Ende derselben steht ein Grabmahl, von sehr glattem Granit, welcher, wenn man dran schlägt, einen Klang giebt, wie eine Glocke. Von einer Marmornen Säule aber, die dieses verursachen soll, ist nichts zu sehen, man findet noch verschiedene Abwege drinnen, weil sie aber über die Helfte mit Sand verstopft sind, so getraut man sich nicht hinein. Auf dem halben Wege zur ersten Kammer, befindet sich auch ein sehr tiefer Brunnen; in allen diesen Gängen und Kammern ist eine sehr gepreßte Luft, weil dieselbe nirgends hinein kan, als bey dem gedachten engen Eingang. Man muß alles bey Lichtern darinnen besehen, welche bald einen starcken Dunst machen. Dieser und der Viele Staub, der beym hinein kriechen entsteht, macht, daß man sich nicht lange drinn aufhalten kan, und wir hörten auch von den Arabern, daß man oft Leute vor toot heraus gezogen hat. Die Pyramiden [113] sind Stuffenweise von weißen ungeheuren Sand-Stein gebaut, die so dicht zu sammen gefügt sind, daß kein Waßer dazwischen kan. Die Stufen selbst sind wenigstens 2½ Fuß hoch und hie und da sehr beschädigt. Die Höhe ist außerordentlich und es muß einer, der hinauf steigen will, die höhe gut vertragen können. In unsrer Gesellschaft waren wenige, die sich nur halb, vielweniger ganz hinauf wagten. Der Französische Consul von Rasetta, der auch mit war u. ich stigen ganz hinauf und hatten eine gute halbe Stunde daran zu klettern. Oben ist die Luft sehr rein, und es liegen Steine da, deren Länge wenigstens 8 und die Breite 5 Fuß beträgt. Alt- und Neu-Cairo, der Nil und das schöne flache Land mit allerley Farben, praesentirt sich einem wie der allerschönste Garten. Die Pyramiden sind viereckigt und eine Seite davon beträgt 300 gute Schritte; nicht weit davon steht noch ein ungeheurer großer Sphinx und viele Ruinen von andern Pyramiden und Gebäuden worinnen Steine von 8 bis 10 Fuß ins gevierte sind. Nachdem wir [114] dieses alles besehen, kamen wir Nachmittags um 2 Uhr wieder nach Schiesa zurück, wo wir noch mit dem Venetianischen Consul speißten und so dann zu unserm lieben Bruder Hocker nach Cairo retournirten. D. 18ten besuchte uns ein Copte, Namens Ibrahim, ein alter, verständiger, freundlicher Mann. Bruder Hocker sagte ihm ein Wörtgen von Gottes Menschwerdung, Marter und Todt und er schien nicht wiedrig dagegen zu seyn. Er freute sich besonders darüber, daß wir nicht unter dem römischen Pabst stünden und sagte: er glaube, daß wir rechtschaffene Christen wären. Er versprach uns fleißig zu besuchen, ist aber noch nicht wieder gekommen. Bruder Antes bekam dieser Tagen viel auf seiner Profeßion zu thun. D. 22ten hatte Bruder Hocker einen starcken Anfall vom Fieber und war etliche Tage sehr matt. D. 24ten segneten wir unsern lieben Bruder Joh. Antes zu seinem 31ten Geburts-Tag, freuten uns Nachmittags bey einem LiebesMahl mit ihm über seine Gnaden-Wahl und Abends hatten wir den seligsten Genuß des Leibes u. Blutes unsers Herrn im heiligen Abendmahl.
D. 25ten als am Fest aller Chöre in der
[115] Gemeine, hielten wir zu erst eine selige
Communion-Liturgie und Abends lasen wir eine
zu diesem Fest schön paßende Rede des seligen
Jüngers, und prosternirten uns vor unserm
im Fleisch geoffenbarten Schöpfer, u. weyheten
Ihm unser Leib und Seel aufs neue. Auch hatten
wir heute eine gesegnete Unterredung
mit einander über Aethiopien so wol als Egypten
und munterten einander auf, daß ob
wir gleich noch nichts vor uns sehen, wir
doch unsern Muth nicht wollen sincken laßen;
sondern festiglich im Gebet und Flehen Zum
Herrn anhalten, und uns einer den andern
so wol, als auch den finstern Posten
wo Er uns hingestellt hat, Ihm an Sein
treues Herz legen. Wir kamen auch wieder
ins besondre auf Ober-Egypten zu reden,
und es wurde uns allen so, vor unserm
Herrn reiflich zu überlegen, ob es Sein
Wille ist, daß ein Besuch dahin geschehe?
Bruder Hocker sagte dazu: Wir wollen
nicht sorgen, wo wirs Brodt hernehmen,
kein äußerlicher Gewinst, und wenn ich
auch meine Kleider verkaufen solte,
soll uns davon abhalten, denn wir sind
dazu da, Seelen für den Heiland aufzusuchen.
D. 29ten hatten wir die lezte
[116] Lection aus unserm izigen Vorrath von Gemein-Nachrichten;
wie auch aus den Auszugs-Reden
über die Bücher Mosis, und
danckten dem Heiland für den Segen,
den wir aus beyden Stücken gehabt
haben. Wir fingen dann d. 31ten an,
den 3ten Theil der Auszüge der Reden
des seligen Jüngers, über die 4 Evangelisten
zu lesen, und finden auch darinn
eine schöne Weide für unsre Herzen.
D. 1ten Apr. speißte Bruder Hocker beym
Französischen Consul zu Mittage. D. 2ten
nahm Bruder Antes und ich auch wieder einen
Arabischen Sprachmeister an. D. 6ten war
der Türcken ihr großes Opfer-Fest, welches
3 Tage währt. Außer unsern gewöhnlichen
Liturgien besangen wir in unsern Singstunden
das Blutige Leiden Jesu mit
gefühligen Herzen. D. 8ten zum Eintritt
in die selige Marterwoche fingen wir
an die Geschichte des Menschen-Sohnes
von diesem Tage zu lesen, u. continuirten
in dieser Herzdurchdringenden
Materie die folgende Tage dieser
Woche. Die über alles tröstende
Nähe unsers für uns leidenden Herrn,
machte gar oft unser Herz u. Augen
[117] dabey übergehen. D. 9ten bestellte der
Venetianische Consul neue Arbeit bey mir
und verschiedene Alte Sachen muste ich
ihm repariren[WS 12]. D. 10ten brachte ich zu
einem Kaufmann einen neuen Uhr Kasten,
der ihm sehr wohl gefiel und er
bestellte gleich noch einen. Meines
lieben Bruder Antes Unterweisung kommt
mir bey der Arbeit sehr zu statten.
Bruder Hocker mußte auf begehren
einen sehr krancken Türcken besuchen.
D. 11ten hatten wir eine sehr gesegnete
Herzens-Unterredung, wobey
wir ein ander abfühlten, daß
wahre Bruder Liebe unter uns regieret,
welches sich auch in unserm
täglichen Umgang mit einander so beweiset.
Da wir Abends die Geschichte
unsers Herrn von diesem
Tage mit einander lasen, und wir an
die Worte kamen: So nun ich euer
Herr und Meister euch die Füße gewaschen
habe, so solt ihr auch euch unter
einander die Füße waschen; ein
Beyspiel habe ich euch gegeben, daß
ihr thut, wie ich euch gethan habe; stunden
wir auf und dienten ein ander das
[118] Pedilavium an, wobey uns ein unbeschreiblicher
Gottes-Friede umgab. So dann continuirten
wir in der Lection der Worte unsers Herrn.
Am grünen Donerstag d. 12ten genoßen
wir Seinen Leib und Blut im heiligen
AbendMahl, das Er uns in Seinem
Testament vermacht hat. Am Char-Freytag
d. 13ten lasen wir die Geschichte
dieses Tages in 3 Abtheilungen. Bey
den Worten: Er neigete Sein Haupt
und verschied! und bey denen: Ein
Kriegs-Knecht öfnete Seine Seite mit
einem Speer! Beteten wir an
auf den Knien, unter Vergießung
vieler Liebes-Thränen. Abends sangen
wir: Ehre sey deiner Ruh p. Am großen
Sabbath d. 14ten hielten wir Nachmittag
ein LiebesMahl und gegen Abend eine
Liturgie zur Leiche Jesu und in unserm
Abendsegen erbaten wir uns in einem
herzlichen Gebet zu unsern Schlaf und
Ruhestunden den Segen Seiner verdienstlichen
Ruhe im Grabe. Und so beschloßen
wir diese, für unsre arme
Herzen sehr gesegnete Woche. D. 15ten
beteten wir mit Sonnen Aufgang
die Oster-Liturgie mit seligem Gefühl
[119] und lasen nach her die Geschichte der Auferstehung
Jesu. Da die hiesigen Landes-Christen
heuer ihre Ostern mit uns zu gleich hatten;
so gratulirten wir Nachmittags so wol dem
Coptischen als Griechischen Patriarchen. Leztrer
hatte uns bereits gestern durch einen Griechischen
Priester u. Archidiaconarum zum Fest
gratuliren laßen. Am 2ten Oster-Feyertag
d. 16ten beteten wir die Kirchen-Litaney
und lasen uns wie gestern, Reden vom
seligen Jünger mit Segen.
Hiemit schließen wir vor dis mal unser Diarium und empfehlen uns und unsern noch sehr finstern Posten bestens dem Gebet und Andencken der lieben Gemeine vor unserm Herrn.
Wenn wir auf den dermaligen Gang der Gemeine sehen, so treten wir vor unsern lieben Herrn und singen aus der tiefe unsers Herzens, einmal übers andre: Kyrie Eleison! Gott heiliger Geist, Du Tröster werth, gib Deinem Volck einerley Sinn auf Erd, daß wir uns von Herzen einander lieben und in Friede auf einem [120] Sinne Bleiben. O stünden wir wie ein Mann vor dem Herrn! wie balde würde so manche drückende Noth gehoben seyn! Denn Er ist barmherzig und hilft gerne. Unser Trost ist bey gegenwärtigen Umständen, daß wir in unsern Versammlungen auf dem Saal, Sein Wandeln unter uns fühlen, wodurch Er die Herzen zu reizen sucht, von allen andern Dingen ab u. allein auf Ihn zu sehen.
Am ersten Tage der Pfingsten erfüllte unsern Tempel ein sanftes seliges wehen, da die Gemeine mit angethanem Herzen, das Veni Sancte Spiritus, anstimmte die Chöre erschienen auch nach einander und gaben Gott dem heiligen Geist die Ehre der Anbetung und viele Thränen floßen aus den Augen der Sünder und Sünderinnen, die auf dem Angesicht lagen.
Den 2ten Pfingsttag, da wir unsern Gemeintag hielten wurde die Gemeine durch die Aufnahme des Ledigen Bruders Jacob Daniel Reichel, des Knaben Christ. Reich und der Ledigen Schwestern An. Ros. Arnoldin u. Magd. Schusterin, vermehret. [121] Am 3ten Feyertag bekannte sich unser lieber Herr gar gnädig zur Bedienung des Neu-Kircher-Diaspora-Districts, welcher sich hier versammlet hatte und ließ sich gefallen, daß dem verbundnen Häuflein aufs neue 16 Personen einverleibt wurden. An dem unaussprechlichen Genuß des Heiligen AbendMahls, nahmen das erste mal Theil unser lieber Bruder v. Treyden, die ledigen Schwestern Soph. Albrechtin, Johanna u. Ros. Tobiassin, Zwillinge, und die Mädgen: Agnes Zeidlerin und Elis. Gewinnin; der ledige Bruder Jacob Daniel Reichel, 1 ledige Schwester und 2 Mädgen sahen als Candidaten und 2 Knaben als Confirmandi zu.
2. Kinder sind in diesem Monat in Jesu Todt getauft worden, nehmlich das Knäblein Johann Daniel Gambs am 17tn u. Friedr. Jacob Reuter d. 28tn huj. 2 Paare sind nach vorher gegangener Abkündigung zur heiligen Ehe verbunden worden, nehmlich der Bruder Johann Christian Kinne mit der Schwester Cath. Marg. Willin am 10ten und Bruder Hans Christian Alexander v. Schweiniz mit der Schwester Marie Theresie v. Marschall am 28tn huj. Die kleine Sophie Henriette Elis. Reuß von ¼ Jahr ist vom Heiland Heim gerufen worden.
[122] Bruder Lüdeke hat nach seinem hier gendigten besuch seine 3 und der Geschwister Jac. Müllers ein Töchtergen mit nach Neudietendorff genommen, daß sie die Erziehung ihrer lieben Eltern[WS 13] daselbst genießen.
Unsre Knäblein, derer 67 waren, begingen d. 24ten ihr Fest in Gnade. Sie wurden in ihren Claßen gegrüßt, ihnen eine Homilie gehalten u. beteten zu Jesu Füßen an. An eben dem Tage wurde in einer Conferenz vest gesezt, daß die Berthelsdorfer Societaet kein Separates AbendMahl mehr haben sollen, sondern[WS 14] gleich andern Societaeten öffentlich Communiciren soll. Dieses ist den nächsten Sontag darauf, vor der ganzen Kirchfahrt mit einem Beweiß mächtiger Gnade geschehen. Die offentliche Bibel-Lection auf welcher ein aparter Geist ruhet, wurde diesen Monat aus der Apostel-Geschichte fortgesezt. So hatte auch der Unterricht Geistlicher Lehre, bey den großen Knaben, Mädgen und Kindern, gesegneten Fortgang.
D. 29tn Abends von 7 bis nach 9 Uhr war [123] der Gemein-Rath versammlet. Es wurde demselben angezeigt, was beym Entwurf des Receßes von der Orts-Obrigkeit zu gestanden, oder erinnert worden. Auch wurden die Statuten, nach dem sie 2 Monaten allerley Monita paßirt und hie und da geändert worden, ganz gelesen und erhielten endlich so wie auch der Receß die Approbatia des Gemeinraths und werden also bey einer schicklichen Gelegenheit vollzogen und zur Unterschrifft vorgeleget werden.
Nachdem d. 21ten durch ein Schreiben der Unitaets-Aeltesten-Conferenz nicht nur der hiesigen Aeltesten- und Helfer-Conferenz, sondern auch dem großen Gemein-Rath bekannt gemacht worden war, daß nach Anweisung unsers lieben Herrn die 3 Brüder Gregor, Lorez u. Hans Christian Alexander v. Schweiniz nächsten Herbst als eine Deputation nach Nord-America gehen werden, Bruder Kohler aber an des ersten Stelle zum hiesigen Gemein-Helfer ernannt sey und Bruder Joseph den Auftrag zum Ober-Lausizischen Provinzial-Helfer ad interim ex Commissione bekommen habe [124] so wurde gehöriger maßen, von Seiten der Aeltesten-Conferenz darauf geantwortet und wir empfingen d. 30ten ein herzliches Schreiben von unserm lieben Bruder Joseph, darinnen er sich über den neuen Auftrag zum Provincial-Helfer sünderhaft gläubig erklärt. Dieses Schreiben wurde der AbendMahls-Gemeine vorgelesen, welche die 2 lieben Brüder Joseph u. Kohler unserm lieben Herrn zu neuer Gnade und Salbung empfahl. Sonst haben wir diesen Monat viele angenehme Besuche gehabt, theils von Geschwistern aus Gemeinen und Diasporis, theils fremden Personen, die Herrnhuth gerne sehen wolten. Darunter waren aus Böhmen der Herr Graf Theen, deßen Gemahlin und Sohn; aus Dresden die Generalin v. Diernar, Kammerherr v. Golz, Rittmeister v. Tielau u. General-Auditeur Lieutnant Fritsch; von Görliz Senator Hartmann und sein Bruder der Syndicus p. Auch hat uns der junge Graf Lijnar besucht. Mit Geschwister Abraham v. Gersdorffs jun. reiste die Schwester Henrietta Postar u. [125] Brigitta Forstbergin ins Hirschberger Bad. Die lieben Geschwister v. Treyden traten d. 17ten ihre Reise nach Curland an und nahmen die Schwester Krügelsteinin mit, nachdem sie vorher dem Andencken des Ehe-Chors empfohlen worden.
Hieher kam von Barby Bruder Hübner und übernahm die Information und Aufsicht der 2 Knaben Heiniz und Goldenberg.
Wir können von diesem Monat zum Preise der Gnade Jesu nichts anders sagen, als daß wir Seine Liebe zu uns gefühlt u. ein Gottes-Friede, so wol in Pfingsten, als am Johanistage, dem Fest der Knäbgen, die Herzen apart erquickt hat.
29 Personen waren an erstrem aus der Niederlausiz hier zum Besuch der Gemeine. Von Fremden waren diesen Monat hier: Der Herr Graf v. Rioucour nebst dem Trierischen Gesandten am Sächsischen Hof. Sie kamen am ersten Pfingsttage, hörten in der Predigt attent zu, besahen [126] nachher die Chorhäuser und bezeugten sich beym Abschied Satisfait; d. 18ten war der junge Herr Graf v. Lynar auf etliche Stunden und d. 27tn der Herr Rector Vogt von Camenz hier, der sich recht freundschaftlich äußerte.
Diesen Monat haben wir verschiedene pilgernde Geschwister bey uns zu sehen, die Freude gehabt, welche das PfingstFest gefeyert und dann ihre Pilger-Straße[WS 15] theils nach Liefland und ins Hanöversche, theils nach Herrnhuth fortgesezt haben. Unter den leztern waren Geschwister Jens Hoyers mit den ledigen Schwestern Dorothea Biedermannin und Dorine Backerin.
Aus der Diaspora sind in den Pfingst-Feyertagen an die 100 Personen in Barby und Gnadau zum Besuch gewesen. Sie bezeugten beym weg gehen, daß ihnen wohl gewesen und waren für den großen Segen danckbar.
Das LiebesMahl, das am 2ten Feyertag [127] mit ihnen und den Societaets-Geschwistern gehalten worden, war vergnüglich und gesegnet, wie überhaupt die Predigten und Gemein-Versammlungen, denen sie fleißig beygewohnt. Unser lieber Bruder Hübner der 10 bis 11. Jahr im Brüder-Collegio allhier gewesen und den Studirenden Brüdern mit seinem Unterricht gedienet, reiste seinem Ruf zu folge nach herzlich gemachtem Abschied d. 7ten nach Herrnhuth ab. Hingegen traf d. 15ten unser lieber Bruder Christian Salomo Dober von Niesky in Gesellschaft des Bruder Ziesenis an des ersten Stelle bey uns ein und zu Ende dieses Monats wurde das Ledige Brüder Haus in Gnadau mit dem Bruder Friedemann, von Herrnhuth, einem Sattler, vermehrt. So kamen auch aus England die Geschwister Pyrlaeußons über Hull u. Altona wohl behalten bey uns an. In Hull haben sie 5 Wochen auf guten Wind warten müßen, übrigens aber ging ihre Reise geschwind u. glücklich. Ihrer Anweisung zu folge gingen sie d. 17ten nach Gnadau vor diese Zeit daselbst [128] wohnen.
An eben diesem Tage erinnerte sich Gnadau an seine erste Grundlegung vor 3 Jahren, in sünderhaft gebeugtem Gefühl und in der gläubigen Hofnung, daß es bey noch so geringem Anschein, doch noch was seliges von innen und außen werden wird.
Es hatte Vormittag einen Fest-Morgensegen und Nachmittags ein LiebesMahl und Abends des heilige AbendMahl, auf eine selige Weise.
Auf dem LiebesMahl wurde folgendes Liedgen abgesungen:
- Gnadau stell dich heute dar
- Dem Versöhner deiner Sünden,
- Um Ihm auf dem Danck-Altar,
- Ein Lob-Opfer anzuzünden,
- Für die Treue die gewiß,
- Dich bisher bestehen ließ.
- Mit wie viel Barmherzigkeit
- Hat Er dich bisher getragen
- Und du must warhaftig heut
- Ihn zum Preiß u. Ehre sagen,
[129]
- Daß Er sich zu dir bekennt
- Und nicht von dir abgewendt.
- Ward dein Glaube manchmal schwach
- Dachtest du, wie wird es gehen?
- Wird denn, Heiland! Deine Sach
- Hier in Gnadau auch bestehen?
- Sah man ofte keinen Rath:
- So half Er durch Seine Gnad!
- Er hat dich auch schon gemehrt
- Und in Schwachheit wachsen laßen;
- Ja das ist Anbetungs-Werth
- Und mit in dein Lob zu faßen,
- Doch was Er für dich bedacht,
- Ist noch nicht zu End gebracht.
- Sein Herz, das nur Liebe schlägt,
- Hat für dich viel guts Beschloßen,
- bist du in Gedult gelegt,
- Ey so sey nur unverdroßen,
- Daß die Sorge und die Müh’
- Nicht das Herz vom Heiland zieh’.
- Arm und Elend fühlst du dich
- Und es fehlt auf allen Ecken;
- Sey getrost, ermanne dich,
- Laß dein Herze nicht erschrecken,
- Halte dich nur an Sein Wort
- Glaube nur und mache fort.
[130]
- Ja die Proben Seiner Treu’
- daß Er immer hilft zur Stunde,
- Stärcken deinen Muth aufs neu,
- daß du glaubst von Herzensgrunde:
- Herr du hilfst noch ferner hier!
- Und schon danckst voraus dafür.
- Ist izt gleich dein Jubel-Ton
- Noch gedämpft und steigt dein Sehnen:
- Kyrie Eleison!
- Untermengt mit Sünder-Thränen
- In Sein Heiligthum hinauf,
- Weist du doch, Er merckt darauf!
- Ja dein sachtestes Gewein
- Wird sehr laut vor Ihm erschallen;
- Und es wird kein Zährelein
- Unerhörlich vor Ihm fallen;
- Er wird inn’ und äußerlich
- Dir durchhelfen seliglich.
- Und wenn sich die Schwachheit regt,
- Wenn das Menschliche Gebrechen
- Deine Hofnung niederschlägt,
- Und den Glauben dir will schwächen:
[131]
- O so weißt du wo man Rath
- Für der gleichen Dinge hat.
- Nun vereinigt euch dazu
- Seine Elenden und Krancken,
- Ihn in diesem selgen Nu
- Zu erheben, Ihm zu dancken
- Für das, was wir schon gesehn,
- Und was uns noch soll geschehn.
- Womit werden wir den Danck
- Wol werckthätiger beweisen
- Und wie wird der Lob-Gesang,
- Ihn wol eclatanter preisen?
- Als wenn wir uns Ihm von neu’m
- Ganz zum Eigenthume weyh’n!
In Barby war das heilige Abendmahl Tags vorher, welchem Bruder Ziesenis von Hanover als Gast bey wohnte.
D. 21ten wurde den Geschwistern [132] Friedrichs im Amts-Hofe ein Söhnlein geboren, welches in der Gemeinversammlung in den Todt Jesu von Bruder Cunow getauft und Johann Christian genanndt wurde.
D. 24ten wurde der ledige Bruder Carl Hansen mit der ledigen Schwester Dorothea Hamelin zur heiligen Ehe versprochen.
D. 25ten erinnerten wir uns an die Uebergabe der Augspurgischen Confession mit herzlicher Danckbarkeit für den dadurch geschehenen Segen und lasen die 21 Lehrartickel derselben in der Gemeine.
[133]
Wir haben mit danckbarem Herzen erkannt, daß der General-Synodus hat wollen so viele Notiz von uns nehmen. Die in der Synodal-Committee unsers äußern durchkommens wegen vorgekommene Anmerckungen sind gut und practicable. Daß wir uns mehr auf die Viehzucht als aufs Baumwollen Pflanzen legen sollen, dazu haben wir uns schon seit einiger Zeit resolvirt gehabt. Aber so lange unser Vieh-Stock noch nicht so starck ist, daß er unsre Familie unterhalten kan, und wir noch immer auf die Vermehrung deßelben dencken müßen, so müßen wir was anders haben, was uns durchbringt. Wie wir dieses Jahr durchkommen werden, weiß ich noch nicht. [134] Es ist gewiß eines der härtesten Jahre, die jemand in Jamaica erlebt hat.
Die große Dürre im lezten Jahr und nun in diesem, da wir seit dem Anfang Novbr. kaum einen oder 2 Regen gehabt haben, hat alles so ausgetrocknet, daß nichts wachsen kan, sondern auch das Vieh leidet gewaltig, und hat kaum so viel, daß es das Leben erhalten kan. Wir haben Gottlob! noch nichts verloren, dagegen in manchen Estaten, zumal an der See-Seite, täglich 8–10 Stücke sterben.
Wir sind auch in diesem Monat gewahr worden, daß der innere Gang der Gemeine unter der Leitung und Arbeit des heiligen Geistes, u. der Gnädigen und Heilwärtigen Nähe unsers lieben Herrn, bey aller uns oft schmerzlichen Mangelhaftigkeit doch immer darauf gegangen ist, sich in seinem Elend und den Heiland in der Kraft Seines Todtes u. Blutes [135] beßer zu erkennen, und ganzer zu erfahren. Das haben wir so wol in Gemein als Chor-Versammlungen an unsern Herzen gefühlt, und dazu ist uns die Feyer des Pfingst-Festes, und das Fest der heiligen DreyEinigkeit gesegnet gewesen.
Unsre Jugend haben wir dem lieben Heiland und Seinem Geist besonders empfohlen, daß sie auf ihr Seeligwerden mehr mercken, und auch den Grund ihres Heyls in Ihm legen möchten.
Ihr Unterricht war in dem Monat vom selig machenden Glauben durchs Wort Gottes, von der Leitung des Heiligen Geistes, und von der Hoffnung des ewigen Lebens.
Das Fest der Knäblein wurde in Ruxdorff gefeyert, wo ihrer 38 zusammen ein LiebesMahl, Homilie und Anbeten hatten. Die ledigen Schwestern fiengen die Chor-Versammlung der AbendMahls-Schwestern, die eine Zeitlang aufgehoben worden war, wieder an, mit Gebet um neue Segen und Treue in ihrem Chorbunde.
[136] D. 29ten war es 19 Jahre, daß sie ihre Chor-Wohnung bezogen. Von denen etlich 30, mit denen angefangen worden, waren nur noch 5 da, welche ein LiebesMahl hielten, und dem Heiland Danck und Gebet für Seine Gnade mit naßen Augen brachten. 3 ledige Schwestern und 1 groß Mädgen kamen von Gnadenberg zurück, wo sie viele Gnade und Segen 3 Jahre danckbarlich mit genoßen.
In Potsdamm haben Geschwister Johns und Bruder Gottfried Mann besucht und gesegnete Pfingst-Feyertage gehalten. Sie besuchten auch von da aus in Brandenburg und fanden da 8 Personen, die sich gerne an die Brüder anschließen wollen.
In Rixdorf hat am 3ten Pfingst-Feyertage Bruder Raasch eine erweckliche Predigt gehalten.
Eine Schwester ist zum heiligen Abendmahl readmitirt und ein paar Geschwister, die vor 8 Jahren von uns abgegangen, wieder in die Gemein-Pflege aufgenommen worden. Eine Familie ist nach eigenem Willen nach [137] Schlesien zu den dasigen Böhmen gezogen.
Heimgegangen ist d. 26ten die verehlichte Schwester Catharina Krystkin. Sie war in Böhmen geboren und von klein auf bey Leuten in Diensten gewesen, die eine Erkenntniß vom Heiland hatten. In ihrem 25ten Jahre trat sie in die Ehe mit Martin Pechatschek, der ein Nachkömling der alten Böhmischen Brüder war. Nachdem sie gründlich erweckt worden war; bat sie ihn auszugehen, welches anno 42 geschah. Ihr Mann hatte ein weiches Herz gegen den Heiland und ging balde aus der Zeit. Nach 8 Jahren trat sie wieder in die Ehe mit dem Nunmehrigen Wittwer, wurde Anno 57 in die Gemeine aufgenomen und anno 61. zum heiligen Abendmahl mit genommen. Bey ihrem fast 16 jährigen Kränckeln hielt sie sich um so näher an den Heiland. Vor etlichen Jahren ging ihr Mann durch Anregung andrer von den Brüdern ab, welches sie sehr schmerzte. Sie bat ihn anhaltend, sich wieder zu besinnen, und der Heiland machte [138] ihr die Freude, daß er wieder kam, und ihr in den lezten 4 Jahren, da sie fast immer liegen müßen, viele Liebe und Treue gethan.
Das Pfingstfest wurde mit seligem und Danckbarem Herzen gegen den heiligen Geist, und deßen treue Mutter-Pflege begangen, und Ihm dafür manch Sünder und Danck-Thränlein auf dem Angesicht gebracht, und die Gemeine verband sich beym Bundes-Kelch deßen gute und Gehorsame Kinder zu seyn. Am 2ten Pfingsttage war Gemeintag, an welchem der Bruder Friedrich Adolph Procop in die Gemeine aufgenommen wurde. D. 22ten hatte die Aeltesten-Conferenz mit dem Bruder Klose, der seinen Abruf erhalten, ein Abschieds-LiebesMahl und in der Gemein-Versammlung wurden demselben zu seinem künftigen Posten in Jamaica Segens-Wünsche gesungen, nach Anleitung der Texte, mit welchen er von hier abreiset: Gutes und die Barmherzigkeit werden mir folgen p. Mit seinem Chore hielt er noch den Bundes-Kelch, [139] und reiste dann nach Herrnhuth ab. Die besorgung der Chor-Diaconie, dabey er 5 Jahre alle Treue bewiesen, übernimmt indeß Bruder Gebauer. Am Johannis-Tage waren unsre 4 Knäbgen zum erstenmal bey einem LiebesMahl beysammen. Aus den Gemeinen sonderlich aus den Schlesischen und aus der Diaspora haben wir in dem Monat verschiedene angenehme Besuche gehabt.
In den für unsre Herzen gesegneten Pfingst-Feyertagen danckten wir Gott dem Heiligen Geist, der uns durchs Evangelium beruffen, mit Seinen Gaben erleuchtet, und bey Jesu Christo in wahrem Glauben erhalten. Zum Genuß des Leibes und Blutes unsers Herrn im heiligen Abendmahl gelangten zum ersten mal mit der Gemeine die ledigen Brüder[WS 16] Johann Bernhard Höfendahl und Christian Daniel Thiel, u. der Knabe Ernst Ludwig Kobelt. Als Gäste gingen mit der Obrist-Lieutnant v. Vormann aus Jauer und die Schwester Römerin aus Königsberg.
[140] D. 12ten kamen unsre lieben Brüder Georgius und v. Heithausen von ihrem Besuch in Herrnhuth und Hennersdorff glücklich und wohl wieder bey uns an.
Geboren und getauft sind worden 1 Knäblein und 1 Mägdlein und Heimgegangen ist d. 12ten der Wittwer Georg Fried. Kobelt.
Er war anno 1723 zu Lichtenwalde geboren, wo seine Eltern Frey-Häußler waren. Als die Brüder nach Gnadenberg kamen, besuchte er da fleißig und sahe gar bald ein, daß sein Christenthum noch nicht rechter Art, sondern nur in eigener Gerechtigkeit und Selbstwürcken bestehe. Er redte mit einem Bruder darüber ganz aus, der ihm den Weg zum Versöhner unsrer Sünde wieß, kam darauf ins Geraume und krigte einen Blick ins Vollgültige Opfer Jesu. Von da an hielt er sich ganz zur Brüder-Kirche und gelangte im Jahr 1745. zu den Gemein-Gnaden.
Zur Feyer des Pfingst-Festes fanden sich verschiedene unserer entfernten Geschwister, und unter denselben Christian Friedrich [141] v. Seidliz aus Pablowizky ein. Eine schöne Einleitung in die Fest-Materie gab uns eine von Bruder Clemens d. 2ten Jun. über die Tages Texte gehaltene Rede, u. die Tags vorher angefangene öffentliche Lection der Apostel-Geschichte, welche in den folgenden Versammlungen zum Bibellesen bey großer attention der Zuhörer continuirt hat. Am Pfingstfest waltete in allen Versammlungen eine mächtige Gnade. Die Communicanten theilten den Lobe- und Bundes-Kelch unter sich. In die Gemeine wurden aufgenommen, der ledige Bruder Joh. Andr. Riemer, der Knabe Joh. Gottfried Bornemann, die Wittwe Mar. Helmichin, die ledige Schwester Mar. Treutlerin, und das Mädgen Johanna Eleonora Dierigin.
Die Communication eines wehmüthigen Abbitte Briefes von einem Bruder der vor einem halben Jahre das Chor-Haus verlaßen, solches aber nun bereuet und um wieder Annahme bittet, welche ihm auch nach dem er vom Aufseher Collegio gesprochen worden, gewährt wurde, machte einen heilsamen [142] Eindruck in manche noch ungegründete Herzen. D. 6ten kam Seine Excellenz der dirigirende Minister, Herr v. Hayn[WS 17], anher, und besahe das Brüder- und Schwestern-Haus, den neuen Saal und im Laden die hier fabricirte Cattune mit wohlgefallen.
Beym Sprechen der Geschwister zum heiligen Abendmahl zeigte sich deutlich, daß man über den innern Gnadengang derselben in guter Hofnung stehen kan. Vieler Erklärungen waren so beschaffen, daß denen Geschwistern, mit denen sie sich unterredeten besonders wohl dabey war. Ein Bruder, der Kranckheit halber, die Pfingsten über in keine Versammlung gekommen war, seinen Mitkrancken aber, durch seine sünderhafte und kindlichen Unterredungen mit dem Heiland bey Tag und Nacht zum Eindruck gewesen, bezeugte unter einer Menge von Thränen, wie ihm in seiner Kranckheit die Reden des Heilands, daß der Heilige Geist Ihn verklären, uns in alle Warheit leiten und uns von der Kindschafft Gottes versichern werde; so lebendig u. kräfftig gewesen, daß er nun nie ohne Thränen [143] daran dencken könne. Seine Äußerungen waren mit denen in den Pfingst-Versammlungen vorgetragenen seligen Wahrheiten so übereinstimmend, als wenn er alle denselben selbst bey gewohnt hätte. Sonst fanden sich unter den ledigen Brüdern 6 die ohne von einander zu wißen, gleichsam aus einem Herzen u. Munde bezeugten, daß sie den Trieb, sich zum Dienst des Heilands herzu geben, nicht länger verborgen halten könten.
Zum ersten mal genoßen das heilige Abendmahl mit der Gemeine, die verehlichten Geschwister Martin Holms, Johann Georg Günthers, Johann Heinrich Klose und der ledige Bruder Friedrich Wilhelm Stumpf.
Die Geschwister Stöhrs, welche zu Anfang dieses Monats noch bey uns waren, gingen d. 6ten auf ihren Posten nach Pablowizky ab. Dagegen bekamen wir gegen das Ende des Monats einen angenehmen besuch von Geschwister Clemensens aus Klein-Welcke und einigen andern Geschwistern aus Herrnhuth.
Zur heiligen Ehe sind verbunden worden,
der ledige Bruder Georg Bedau mit der
[144] ledigen Schwester An. Ros. Stuklerin,
beiderseits aus Peile. Zwey geborne Knäblein
und 2 Mägdlein aus Habendorf und
Peile haben das Bad der heiligen Taufe
empfangen. Zur Gemeine ist gekommen
das Fräulein An. Cath. v. Stojentin aus
Cassuben.und Geschwister Röslers und die
ledige Schwester Anna Foslerin sind auf
einen Besuch ins Ölseische abgereißt.
Die ledige Schwester Elis Eichnerin aus Habendorf u. 2 kleine Kinder aus Peile.
In den Liturgien, in den Versammlungen zum Stunden-Gebet und in den Conferenzen ist die Nähe und gegenwart unsers Herrn warzunehmen. Dabey ist aber unser sehnlicher wunsch die Harmonie zwischen den Collegiis der Diener der Gemeine mehr und mehr befördert zu sehen und daß unser guter und treuer Herr alle Hinderniße in dieser hochnöthigen Sache balde heben u. aus dem wege räumen wolle.
[145]
1.) Die Brüder-Gemeine hat, seitdem ich derselben einverleibt zu seyn, die Gnade habe, unter einer im Staube anzubetenden Bewahrung ihres Herrn und Hauptes, zwey große Sichtungen durchgestanden;
Wenn wir gegenwärtig dächten, über alle Sichtung aufs künftige weg zu seyn, so wären wir schon mitten in der Sichtung drinne.
2.) Wir müßen nicht nur auf einer Seite die unaussprechliche und seit dem ersten Pfingsttage des neuen Testaments kaum erhörte Gnade, die uns durch die persönliche[WS 18] Offenbarung Jesu Christi, u. zwar als gecreuzigt wiederfahren ist, [146] sondern auch auf der andern Seite vor Augen haben, daß wir in der Grund-Suppe der Welt leben und würcklich aus dem nach dieser Proportion verschlechterten Menschen-Geschlecht die schlechtesten sind.
3.) Wir müßen uns nicht auf den Fuß sezen, uns immer über lauter Segen und Seligkeiten in der Gemeine freuen u. divertiren zu wollen, sondern der Mutterschmerz über den Schaden Josephs und die Erkenntniß und bekenntniß deßelben muß uns auch nicht entgegen seyn.
4.) Wir müßen als Wächter auf den Mauren Zions in gleichem Eyfer den künftig möglichen Schaden verwarnnen, u. den gegenwärtigen heilen.
5.) Eine weit gefährlichere Sichtung als die vorigen Beyden, würde seyn, wenn aus Göttlicher Zulaßung und eigenem Undanck, Eigennuz und Baurenstolz der schmälige Character des grösten Theils unsrer Gemein-Bürger und Glieder würde.
6.) Ich nenne diese Sichtung weit gefährlicher als die vormaligen. Mit jenen konte es nicht in die länge dauren. Der Charme[WS 19] /: Das verborgene Triebwerck :/ muste plazen, und zwar balde. Diese [147] hingegen ist ein schleichendes Uebel, und kan sich unter der Decke des äußern Gemein-Habitus, und einer auch vor den Arbeitern unbescholtene Aufführung gar füglich und lange verbergen.
7.) Man möchte fragen: Wie ist aber ein solches Unglück möglich, so lange wir über dem Wort von Jesu Leiden halten? Antwort: Es ist möglich, wenn aus diesem unschäzbaren Worte, ein locus Communis, oder eine solche Lehre wird, die der Lehrer ohne weitere Bemühung bey der Hand zu haben und anzubringen gedenckt, u. der Zuhörer Negligirt und gewohnet.
8.) Es kan diesem unschäzbaren Worte begegnen, daß Christus aus Neid beständig geprediget wird.
9.) Der Vortrag eines Göttlichen Lehrers muß überhaupt nicht aus einem Gewebe von Gemein-Redens-Arten, und purer Gemein-Beredsamkeit bestehen; sondern vom Heiligen Geiste angethan bringt er aus dem guten Schaze seines Herzens hervor, was man noch nie gehört und zu hören erwartet hat.
10.) Es solte der Heiland nicht bloß als ein Heiland, der uns beystehet, sondern [148] wie Er sich Selbst geprediget, als ein Heiland, der in uns wohnet, geprediget werden. Ich in ihnen und sie in Mir. Bleibet in Mir! Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Creatur.
11.) Es sind mehrere Aussprüche des heiligen Geistes: So jemand sich läßet einen Bruder nennen, und ist ein Hurer oder ein Geiziger p. mit demselben solt ihr auch nicht eßen.
Es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet! Die solten mit Gottes-Kraft an die Herzen gelegt werden. So jemand den Herrn Jesum Christum nicht lieb hat, ist der Gemeine gesagt; Die Welt kan Ihn nicht lieb haben, ist darum nicht Anathema.
12.) Das Principium: Wer erst des Heilands Blut erfahren, bey dem folgt die Heiligung von selbst! ist gewiß richtig, aber die unrichtige application schädlich. Die Apostel haben es auch gewust, und doch dabey reichlich auf die Früchte des Geistes gedrungen, aus Christo in Christo und durch Christum. Man braucht das Zeugniß vom Tode Jesu nicht einen Augenblick zurück zu laßen, um wahre Heiligung zu treiben.
13.) Ich wünsche mir fein viel Geschwister [149] zu sehen, bey welchen die blutige Gnade ihren verdorbenen Natur-Character warhaftig getödtet und abgethan hat. Bestehet er in einen Sparren zu viel oder zu wenig, oder in einem Temperaments-Gebrechen: so ist er erträglich. Ist er aber Vollheit von sich selbst, Schlangenhaftigkeit, Niederträchtigkeit, Eigenuz p. so ist er eine Schmach der Wunden Jesu. Vor der Schmälerung des Ruhms an Christo, behüte uns lieber Herre Gott!
Der gute Hirte hat seine hiesige kleine Heerde mit vieler Gnade geweidet, so wol in den täglichen Versammlungen, als an einigen besonders ausgezeichneten Gnaden-Tagen, darunter wol der allerseligste genuß Seines Leibes und Blutes im heiligen Abendmahl vornehmlich anzumercken ist.
Die Historischen Umstände vom Monat May sind folgende: D. 2ten kamen Geschwister Jacob Müllers, ihrem Ruf zu folge hier an, grüßten d. 3ten erstlich die Kinder in ihrer Versammlung und dann Abends die Gemeine, und in der Versammlung des Ehe Chors wurden sie von Bruder Lüdecke dem Chor als Helfer vorgestellt und dazu herzlich [150] gesegnet. D. 4ten begingen die ledigen Schwestern ihr Chorfest aufs seligste, und hatten eine begnadigte Chor-Communion. Zwey große Mädgen wurden ins Chor auf genommen. An eben dem Tage entschlief der ledige Bruder Joh. David Sommer.
D. 6ten waren bey seiner Beerdigung unter dem zahlreichen Gefolge auch viele besuchende von hohem Stande. Nach derselben war die Taufe des den Geschwistern Schlegels gestern gebornen Söhnleins Johann Friedrich; und d. 18ten wurde der Geschwister Siegerists Töchterlein Anna Maria getauft. Der ledige Bruder Philipp Samuel Nonhebel wurde d. 8ten mit der ledigen Schwester Mariane Mengershausin zur heiligen Ehe verbunden. D. 22ten wurde die Gesellschaft der Stundenbeter mit etlichen Geschwistern vermehrt und sie verbanden sich beym Kelch zu neuem Fleiß u. Treue in dem ihnen aus Gnaden angewiesenen seligen Geschäfte.
D. 23ten reisten Geschwister Verbeeks mit ihrem Söhnlein zum besuch ihrer Eltern nach Zelle ab. Bruder Block machte in diesem Monat 2 gesegnete Besuche in [151] der Diaspora dieses landes. Sonst hatten wir in dem Monat verschiedene Besuche, z. E. vom Herr Amtmann von Seebergen und seiner Familie, dem Herr v. Brandenstein, und dem Würtembergischen Lieutnant Knola aus Ludwigsburg p.
Von uns reiste d. 30ten der ledige Bruder Hellmeyer, um über Barby weiter nach Liefland zu seinen Eltern zu gehen. Im Monat Jun. war uns die Feyer des Pfingstfestes besonders gesegnet. Wir danckten Gott dem heiligen Geist für die große Gnade und Barmherzigkeit der Verklärung der Marter Gottes, und für Sein treues Pflegen und Ziehen, baten um Vergebung alles Ungehorsams gegen Seine liebreiche Erinnerungen, und versprachen Ihm auf dem Angesicht neue Treue und Attention. Aus der Diaspora waren über 120 Geschwister zum Besuch gekommen, und kehrten nach den Feyertagen froh und danckbar an ihre Orte zurück. Die Wittwe Faupelin wurde in die Gemeine aufgenommen. Am 10ten hatte die eine Helfte der Gemeine u. d. 17ten die andre den seligen Genuß des Leibes und Blutes Jesu in der Kirche. Beym leztern [152] Abendmahl administrirte zugleich mit Bruder Frühauf, unser lieber Nachbar der Herr Pfarrer Tiersch von Sülzbrücken.
D. 11ten gegen Mitternacht entschlief sanft und selig unser lieber Bruder Adam Werner Koch, im 60ten Jahr seines Alters. Er war hier unser Gerichts-Schulze und einer der ersten hiesigen Einwohner, der in den mancherley schweren Umständen und Veränderungen, die das hiesige Häuflein betroffen haben, immer treulich ausgehalten, u. als ein brauchbarer Bruder seit verschiedenen Jahren der hiesigen Gemeine treue Dienste geleistet hat.
D. 23ten kam unser lieber Bruder Lüdecke, der seit dem 11ten May von uns abwesend gewesen, zu unsrer Freude von Herrnhuth wieder bey uns an, mit seinen 3 Töchtern, der kleinen Johanna Magd. Müllerin, der Schwester Eva Wilhelms und dem Bruder Eckberg. D. 21ten feyerten die Knäblein ihr Fest mit einem frölichen und gesegneten LiebesMahl und Wurden der Gemeine in der Abendstunde zum Segnen empfohlen. Unter andern waren in diesem Monat zum Besuch bey uns: [153] Von Weimar der Herr Rath Neuberger, in Gesellschaft des Herr Consistorial-Rathes und Hof-Predigers Gottschalck, deßen Frau und Sohn; von Erfurt der Waysenhaus-Inspector nebst andern Geistlichen und etlichen catholischen Professoren von Erfurt; ferner der Herr General-Lieutnant Nepita, der in hiesiger Gegend die Truppen musterte, und mit besondrer Satisfaction hier besuchte.
Für die selige Feyer des Pfingst-Festes in diesem Monat dancken wir dem Heiland kindlich. Die Abendmahls-Gemeine hatte den Bundes-Kelch, in dem Sinne, daß wir gehorsame Kinder seyn und uns von Herzen einander Lieben wollen. An die 60 besuchende Geschwister aus der Diaspora hatten ein LiebesMahl. In die Gemeine wurde der ledige Bruder Martin Bleibel aufgenommen. Der ledige Bruder Stephan Bartholomäus Schulze ging d. 7ten mit unserm Segen ins Fränckische ab, [154] und will sehen, ob er als ein Anachoret Gelegenheit findet, verlegene Seelen zu Jesu zu weisen.
D. 21ten wurde der ledige Bruder Joh. Philipp Jacob Neisser mit der ledigen Schwester Augustine Elis. Ellenbergin, und der ledige Bruder Johann Adolph Catterfeld mit der ledigen Schwester Anna Cath. Klinckmeyerin zur Ehe verbunden. Es sind künftige Einwohner von Ebersdorf, die Gott segne!
D. 28tn ging unsrer gnädigen Herrschaft 2ter Sohn Herr Heinrich LIIIte Graf Reuß in seinem 6ten Jahre aus der Zeit. Auf veranlaßung der Herrschaft wurde es durch die Posaunen aus dem Gemein Hause angezeigt, u. mit unsern Glocken verschiedene Tage geläutet. Unsers Bruder Eschers Stelle im Aufseher Collegio wurde durch Bruder Eiterneck ersezt, und zur großen Helfer-Conferenz Bruder Feiler hinzu gethan.
Aus unserm Mittel ist Heimgegangen d. 7tn Jun. die ledige Schwester Mar. Tyrholm, aus Dramon in Norwegen, im 58tn Jahr ihres Alters.
[155]
Die Tage der Marter-Woche und des Osterfestes waren für uns besondre Zeiten der Erquickung, da unser Barmherziger Heiland uns festmäßig besuchte, und manche Seele mit neuer Gnade anfaßte. Am 2ten Ostertage wurde hier durch Bruder Loskiel die erste Holländische Predigt gehalten vor einem Auditorio, das wir hier noch nie so starck gesehen haben. D. 29ten wurde die ledige Schwester Maria de Mureau von Harlem in die Gemeine aufgenommen. Vom 22 bis 31ten May hatten wir einen gesegneten besuch von unsern lieben Geschwistern Johann Nitschmanns. Bey der deutschen Predigt d. 27ten May über die Worte: „Ich habe wieder dich daß du die erste Liebe verläßest. Gedencke wovon du gefallen bist“! hatte sichs getroffen, daß gerade ungewöhnlich viele von ehemaligen Mitgliedern der Gemeine zu gegen gewesen. D. 2ten Jun. hatten die ledigen Brüder eine selige Chor-Communion. Das Pfingstfest feyerten wir in sünderhafter Freude.
Eine eigene kindliche Freude, machte uns
[156] auch dieses, daß wir unsern erweiterten
Gemein-Saal dabey zum ersten mal gebrauchen
konnten. Unser lieber Vater im
Himmel bekommt ofte für dieses Pläzgen
in dieser Stadt, ein manigfaltiges
kindliches Gratias. D. 9ten ging
der verheurathete Bruder Joh. Dan.
Erdmann der etliche Jahre seine eigene
Wege gegangen war, seit etlicher Zeit
aber seine eigene Wege gegangen Herz
wieder gefunden und Gnade u. Vergebung
bey dem Barmherzigen Hohenpriester
Jesu Christo gesucht u. gefunden,
auch darauf von den Brüdern absolvirt,
und das heilige Abendmahl empfangen
hat, als ein getrösteter Sünder selig
in Jesu Arme über. D. 26ten wurde
der Anfang gemacht den ins Holländische
übersezten Extract des Synodal-Verlaßes,
den Abendmahls-Gschwistern vor zu lesen.
Unsre Sontägliche Versammlungen so wol als auch die Niederteutschen Stunden in der Woche werden fleißig besucht und der Heiland segnet das Wort des Zeugnißes von Seiner Versöhnung an manchen Seelen.
[157] D. 10ten Apr. hatte Bruder Klawe einen freundschaftlichen Besuch von einem gewißen, ehedem mit den Brüdern Verbundenen Prediger, der hernach eine Bittere Schrifft gegen die Brüder-Gemeine ausgehen laßen. Bruder Klawe hatte Gelegenheit, mit ihm auf diese Schrift zu kommen, und bezeugte ihm, daß er beßer würde gethan haben, wenn er nach dem Exempel Daniels u. andrer auf sein Angesicht gefallen wäre, und dem Barmherzigen Heiland für die Brüder gebeten hätte, von welchen er geglaubt, daß sie in einer Sichtung stünden; denn das wäre treu gehandelt gewesen. Er bejahete solches, versicherte, daß er die Brüder lieb hätte u. gab dem Bruder Klawe die Hand zu neuer Freundschaft.
Vom 23ten Apr. – 17ten May waren Geschwister Klawens auf einem Besuch ihrer Schwieger-Mutter in Norden. Die Arbeiter von Amsterdam bedienten indeß das Gemeinlein in Harlem mit Segen.
D. 26ten u. 27ten hatten wir einen herzlichen Besuch von Geschwister Johann Nitschmanns; Er sahe die hiesigen Communicanten, so wol als auch die übrigen Geschwister [158] theils einzeln, und theils in Gesellschafften, und hielt bey uns ein begnadigtes Abendmahl.
daß sich der liebe Heiland zu beiden Häuflein in Gnaden bekennet. Besonders ist Er ihnen in Seiner Leidens-Woche herz empfindlich nahe gewesen. D. 8tn May ging die Schwester Fettie Simonin selig zum Heiland. In den ersten Tagen des Monats May hat Bruder Zander in Blockzyl besucht und ist den dortigen Geschwistern zum Trost gewesen. Von Leuwarden haben sie etliche mal besuch gehabt, und es scheint, daß noch immer ein Saame des Evangelii daselbst verborgen lieget.
In den Pfingst-Feyertagen war in unsern Versammlungen ein selig Gnadenwehen. Wie denn der liebe Heiland überhaupt in diesem Monat unsre Versammlungen gesegnet hat. Eine besondre Freude machten uns die reviderten Liturgischen Gesänge, welche d. 11tn den Geschwistern ausgetheilt wurden.
[159] D. 16ten hatten wir ein seliges Abendmahl. Von Neudietendorf kam d. 20ten der ledige Bruder Joh. Dietrich Böse wohl und munter bey uns an.
8.) Aus Irrland wird von den Gemeinen in Gracehill, Ballenderry, Drumargon, und Coothill vom Monat May 70. gemeldet:
Der liebe Heiland wandelt ungeachtet unsrer Mängel und Gebrechen, die uns oft vor Ihm weinen machen, gnädig in unsrer Mitte u. läßt uns unverdienter Weise viele Segen zu fließen. Sonderlich erfuhren wir Sein gnädiges Bekentniß zu uns, zu der Zeit, da alle Arbeiter aus dem Nördlichen Theil von Irrland in Gracehill zu einer Conferenz beysammen waren, welche vom 9ten bis 12ten May gehalten wurde, u. allen Anwesenden zur Satisfaction gereichte, und zu deren Schluß wir uns beym Bundes-Kelch verbanden, seine treue Diener in unserm geringen Grade zu seyn. Die ledigen Schwestern hatten eine gesegnete Feyer ihres Chor-Festes. In Ballenderry hatten sie den Bundes-Kelch, u. in Gracehill ein selig Chor Abendmahl, zur [160] Erneurung ihres Chor-Bundes, in welchen sie an leztern Orte 2 große Mädgen aufnahmen. Am Himmelfahrtstage fühlten wir unsern ungesehenen Freund kräftig in unsrer Mitte u. Sein Wort: Ich bin bey euch alle Tage, bis an der Welt Ende; tröstete uns mächtig. In Drumargon u. Coothill wurde an dem Tage die erste Helfer-Conferenz gehalten unter einem besonders lieblichen Gefühl. An dem Tage ging auch Bruder Anton seinem im Synodo erhaltenen Auftrage zu folge, mit Bruder Browne auf einen Besuch nach Schottland. Zum heiligen Abendmahl ist in Ballenderry ein verehlichter Bruder gelangt. Daselbst ist auch ein Kind und in Gracehill 4 Kinder geboren und getauft worden. Eine verehlichte und eine ledige Schwester sind in Gracehill Heimgegangen. Auch ist in dieser Gemeine eine Knaben- und Mädgen-Schule angefangen worden, welche von einem ledigen Bruder und einer ledigen Schwester in den Chorhäusern gehalten wird. Der Kinder sind an die 50, welche auch wöchentlich eine Versammlung haben, da ihnen ein Vers zu lernen gegeben wird. An Bruder Cossards-Hause ist in dem Monat zu bauen angefangen worden.
[161]
Es hat uns zwar in den Conferenzen an schweren Materien nicht gefehlt; doch spielt sich auch was liebliches drein, das getrost macht und bey gutem Muth erhält. Am 2ten Jul. hatten 7 Schwangre Schwestern ein vergnügtes LiebesMahl und eine Fest-Homilie. An dem selben Tage fand sich eine Anzahl von 185 Mädgen aus der hiesigen Diaspora hier ein. Sie wurden in Claßen gesehen, speisten gemeinschaftlich, hatten ein schönes LiebesMahl und wurden nach einer Rede an sie, auf den Knien dem Heiland empfohlen.
Unsre hiesigen lieben Kinder hatten am 7ten ihren Bettag. Bruder Gregor betete mit ihnen ihre Litaney redete nach ihrem LiebesMahl herzlich mit ihnen und übergab sie den segnenden Händen Jesu. Der Besuch in den Familien ist zum Vergnügen der Geschwister Continuirt worden. Am Gemeintag d. 29ten wurde die ledige Schwester [162] Lisette Kloz und das Mädgen Anna Louisa Christophin in die Gemeine aufgenommen. Am 8ten hatte der Hennersdorffer und d. 22ten der Görlizer Diaspora-Districh einen sehr gesegneten Tag allhier. Erstre Societaet wurde mit 6 und leztre mit 7 Personen vermehrt. Am 14ten hielt die Gemeine das Mahl des Herrn, daran zum ersten mal mit derselben die ledige Schwestern Anna Rosina Paulin und Johanna Schulzin und das Mädgen Anna Johanna Kastenhuberin participirten. Am 15ten wurden Geschwister Gottlieb Klosens zur heiligen Ehe verbunden.
Der Ledige Bruder Daniel Dürninger am 4ten Der Wittwer Mathias Grön am 19ten. Erstrer im 59tn u. leztrer im 62stn Jahr u. der kleine Johann Friedrich Pohlmann, 6 Wochen alt.
Samuel Hilmer ist nach Schmiedeberg, Christ. Gottlieb Gera nach Gera; 4 Marschallische Töchter nach Neusalze und die Schwester Sophia Clemensin nach Gnadenfrey zu ihren Eltern gekommen. Geschwister Eschers sind als Einwohner [163] von Ebersdorf hieher gezogen.
Außer verschiednen Besuchen von Geschwistern aus andern Gemeinen u. aus Diasporis, darunter auch die Brüder Lessoe u. Flügaroe aus Gothenburg waren, haben hier besucht: Der Fürst Salkowsky, Graf Salm, Graf Esterhasy u. Hauptmann v. Ziegler.
Von uns sind abgereist, Graf Wittgenstein und Mahler Risum; erstrer seine Anverwandten zu besuchen u. leztrer sich als ein Anachoret im Hollsteinischen aufzuhalten.
Der erste Tag in diesem Monat war ein Segens-Tag für unsre liebe Diaspora, da sie nach ihrem AbendMahl in ihren Kirchen, dem Heiland ihren Danck auf dem Angesichte brachten, und 5 Personen zu den Societaeten hinzu gethan wurden.
Am 8ten kam der Geschwister Reichels, die bisher in Taubenheim gewesen waren, ihr 7jähriges Söhnlein Benjamin Gottlieb in die hiesige Anstalt, und Tags darauf nahm der Heiland den ledigen Bruder Andreas Kern zu [164] sich heim. Er war anno 1751 in Zankwiz geboren und kam mit seinen Eltern anno 57 hieher zur Gemeine. Der Gemein-Gnaden wurde er anno 1766 theilhaftig. In eben dem Jahr bekam er einen offenen und wie man aus der Folge gesehen unheilbaren Schaden am Fuß.
Man sahe an ihm in seinem anderthalb jährigen Krancken-Lager ein Bild eines Lazari, er trug es gedultig und bedauerte nur, daß er seinen Eltern, die viele Mühe mit ihm hatten, nicht mehr dienen konnte. Sein Alter war 19 Jahr.
Als eine Einleitung vorm Sprechen zum heiligen Abendmahl wurde den Geschwistern am 12ten eine Rede des seligen Jüngers über die Einsezungs-Worte, aus dem 3ten Theil über den Mathaeum gelesen und wir genoßen es mit hungriger und durstiger Seele. Am Gemeintag d. 29ten spürte man des Heiligen Geistes Arbeit an den Herzen der Geschwister beym Lesen der Nachrichten mercklich und es wurde unserm lieben Herrn Sein ganzes Gnaden-Werck auf dem Erdboden empfohlen, fort zu fahren mit dem alten Erbarmen.
[165]
In diesem Monat hatten wir verschiedene Besuche von Geschwistern so wol, als von Fremden. Unter den ersten sind unsre lieben Geschwister v. Treydens, die Schwester Krügelsteinin, geschwister Joachim Meyers von Marienborn, die mit uns am 14ten das heilige Abendmahl genoßen haben. Der ledige Bruder Daniel Reichel, der auch von Dahlenberg hergekommen und der Knabe Borchers sahen dabey als Confirmandi zu und der Jüngling Hesse und die Ledige Schwester Catharina Oelgartin wurden dieses hohen Gutes zum erstenmal mit der Gemeine theilhaftig. Im Gemein-Logis in Gnadau ist eine Veränderung gemacht worden; Geschwister Wiegmanns, die d. 3ten von Barby hinaus zogen, übernahmen die Besorgung deßelben von Geschwister Döbers, die mit ihren 4 Söhnen nach Herrnhuth retournirten.
Der ledige Bruder Christian Brau, der 1½ Jahr dem Gemeinlein in Gnadau als Organist und als Informator der Knäblein mit Segen gedient, trat [166] d. 23ten seine Reise nach Gnadenberg mit dem Segen der Geschwister an. An eben dem Tage trafen Geschwister Harcks[WS 20] mit ihrem Töchterlein von Niesky in Barby ein, wo er statt des Bruder Becklinds seine Buchbinder Profeßion treiben wird. Am 12ten war die Trauung des ledigen Bruder Carl Hansens, des hiesigen Buchdruckers, mit der ledigen Schwester Dorothea Margaretha Hamelin. Am 25ten kam Bruder Erxleben aus England über Altona hier an. Am 26ten wurde angefangen, den Abendmahls-Geschwistern den Lezten Synodal-Verlaß nochmals zu lesen, womit in kleinen Lectionen fort gefahren wird.
Am 1ten Jul. wurde der ledige Bruder Rasmus Holt in der Gemeinstunde in die Gemeine aufgenommen und diese selige Handlung mit einem Gebet auf den Knien beschloßen. Nebst andern Fremden war zu unserm Gemeintag Albert Weber von Grünberg hier, ein Lieber Bruder und Zeuge in seiner Gegend. D. 8ten hatten wir [167] besonders begnadigte Sontags Versammlungen und des Regenwetters ungeachtet zimlich viel Besuch. Ein Verehlichter Sattler aus Ossenheim bey Friedberg, Waiblinger, unsers Bruder Waiblingers Verwandter war zum ersten mal hier und sehr von der Gnade angefaßt. D. 12ten Nachmittags um 5 Uhr wurde unsre Schwester von Hastfer von einem gesunden und wohlgestalten Söhnlein glücklich entbunden, und d. 13ten in der Mittags-Versammlung getauft und Carl Gustav genannt. Aus Neuwied kam Bruder Macrait zu uns, welcher die Diaspora in der Pfalz[WS 21] besucht hatte und nach etlichen Tagen weiter nach dem Vogelsberg abging.
Am 15ten hatten wir das heilige Abendmahl unter ausnehmend fühlbarem da seyn unsers Herrn.
Am 23ten reiste die verwittwete Frau Regierungs-Directorin Graff, welche sich seit dem Monat Merz dieses Jahrs zum Segen Bey uns aufgehalten hatte, wieder nach Gedern. Unter andern waren aus der Gegend [168] Heidelberg ein paar zum Besuch hier, deren einer vor 28 Jahren manchmal nach Herrnhaag gegangen war und mit den Brüdern sich bekannt gemacht hatte.
D. 29ten an unserm Gemeintag wurde die ledige Schwester Johanna Marg. Lordmannin in die Gemeine aufgenommen. Uebrigens haben wir bey der durch die Kälte und das beständige Regenwetter aufgehaltenen Erndte und der daraus entstandenen Theurung und Hungers-Noth unter unsern Nachbarn viele Ursach gehabt, dem Herrn, der uns nicht Noth leiden laßen, zu dancken.
Wir haben auch mit den armen Nothleidenden Mitleiden gehabt, und ihnen nach Vermögen geholfen.
In unsern Versammlungen hat uns unser lieber Herr auch in diesen 3 Monathen eine selige Weyde für unsre Herzen finden laßen; In einigen war seine Segnende Nähe besonders Herzzerschmelzend zu spüren. So [169] nehmen wir auch noch immer wahr und die Geschwister bezeugen es, daß die Holdseligen Worte Jesu in den Bibel-Lectionen einen tiefen und fruchtbaren Eindruck auf die Herzen machen.
Die in diese Monate fallende Fest-Zeiten, waren uns Zeiten gnädiger Heimsuchung. In der Marter-Woche ließ Er unsre Seelen alle Tage, Schritt vor Schritt mit Seiner Seele ziehn in alle Seine Leidens-Liturgien. Bey der Anhörung Seiner lezten Worte und Todts-Geschichte, floßen Ihm gar manche Sünder und Liebes-Thränen zu. Bey der Sacramentlichen Fußwäsche theilte Er uns reichlichen Trost aus Seinem Todte mit. Das Testament Seines Leibes und Blutes begingen wir in der Nacht, da Er verrathen ward, aufs seligste. Bey der Andacht zum Todtes-Moment und der Eröfnung der Seite Jesu, baten wir Ihn, unter seligem Gefühl gnädiger Erhörung, auf den Knien, uns mit dem ganzen Verdienst Seines Leidens zu segnen. Während unsern Vigilien bey Seiner Leiche [170] die mit lieblichen Agapen unterhalten wurden, war uns, als ob Leib und Seele schliefe. Seiner Ruhe im Grabe, weyheten alle unsre Chöre ihre Ruhestellen. Am Oster-Morgen erneuerten wir bey den Gräbern unsrer Entschlafenen im Blick auf den durch das Blut des ewigen Testaments, aus den Todten wiederbrachten großen Hirten der Schaafe, unsere Gemeinschaft mit den Vollendeten.
Das Andencken an die Himmelfahrt unsers Herrn, am 24tn May begingen wir in seliger Erfahrung Seiner Verheißung, daß Er bey uns seyn will, alle Tage, bis an der Welt Ende.
Am Feste der Mütterlichen Pflege Gottes des heiligen Geistes danckten wir für Seine unermüdete Arbeit und verbanden uns aufs neue, gute Kinder und Lehr-Begierige Schüler und folgsame Herzen zu seyn.
An dem Segen dieser Fest-Zeiten participirten viele Geschwister und Freunde aus unsrer Diaspora, die alle froh und danckbar für die ihnen wiederfahrne Gnade uns verließen.
[171] Candidaten zum Genuß des heiligen Abendmahls sind geworden, im Junio der ledige Bruder Johannes Raillard und die ledige Schwester Salomee Giesy; Confirmanden im April, die Ledige Schwester Catharina Bassin und im May der Bruder Ludwig Ohl und die ledige Schwester Marie Bourquin. Außer den 3 Gemein-Abendmahlen hatte am 30ten Apr. das Ehe-Chor, am 2ten May das Ledige Brüder- Wittwer- und Wittwen-Chor und am 4ten May die ledigen Schwestern zur Feyer ihres Chorfestes ein seliges Chor-Abendmahl. In die Gemeine sind aufgenommen worden: Im April das Mädgen Soph. Hunziger, im May der Knabe Nic. Charton und im Jun. die Brüder Jacob Lehmann und Joh. Blood.
Zum Besuch sind unter andern bey uns gewesen: Bruder Sulger aus England auf seiner Reise nach Basel zum Besuch seiner Eltern; der Herr Geh. Rath v. Spangenberg am 11tn Jun. und der reformirte Prediger Meß von Frerachsdorf, Geschwister Stählys und Mart. Lorezens von Chur u. die [172] Schwester Schmidtin p. von Bern sind noch bey uns. Von uns reiste am 9ten Jun. unsre Schwester Grietly Wieland nach Montmirail, nachdem sie sich Abends vorher mit dem ledigen Schwestern-Chor, dem sie bey nahe 20 Jahr mit Treue vorgestanden, beym Bundes-Kelch verabscheidet hatte; bey welcher Gelegenheit die Schwester Dorel Gambs, welche am 2ten Jun. von Zeyst hier eingetroffen war, als Helferin des Chors vorgestellet wurde. Auch ging d. 24ten Jun. unser Bruder Samuel Bugge, der dem ledigen Brüder-Chor Beynahe 2 Jahr gedient, nach Zeyst ab. Auch haben wir den Schmerz gehabt, einige Leute und den Prediger Bansius mit seiner Familie von uns weg zu ziehen sehen. Dagegen sind zum bleiben hergekommen, 2 Knaben aus den Märkischen Diaspora, ein Knäbgen von Schafhausen, ein Magdlein von Bern und 2 ledige Schwestern von Geneve.
Am 6ten Apr. wurde Bruder Costardt Gemein-Medicus [173] in Gracehill, mit der ledigen Schwester Hanna Gordon aus dem hiesigen Chor-Hause zur heiligen Ehe verbunden. In diesem viertel Jahr sind 4 Kinder geboren und getauft worden, und dagegen[WS 22] 3 Kinder und eine Societaets Schwester Heimgegangen.
11. Personen sind in die Societaet aufgenommen worden. Die Marter-Woche, Ostern und Pfingsten waren selige Tage, nach dem Zeugniß aller unsrer Geschwister.
Am 6ten Jun. Celebrirte die Gemeine ihren Einrichtungs-Tag vor 20 Jahren. Zum Genuß des heiligen Abendmahls sind mit der Gemeine zum ersten mal gelangt, der verehlichte[WS 23] Bruder William Murphy und die ledige Schwester Lydi Loyker.
Die wöchentliche Kinderstunde hat im Segen Continuirt, wozu eine gute Anzahl Kinder kommen. Dagegen fühlen wir den großen Verlust, den unsre Kinder leiden aus Mangel einer Schule. Ein Englischer Bruder der Gnade und Gaben für Information [174] hätte, würde hier von großem Nuzen seyn. In Staffords-Street haben wir unsre Predigt am Sontag auf 8 Uhr des Morgens verlegt. Am Donerstag wird sie des Abends da gehalten und wir bitten den Heiland, durch Seinen Geist die Herzen in dem Todten Theil der Stadt fürs Evangelium zu praepariren. Außerdem haben wir jeden Sontag 2 Predigten in Booter-Lane und darinnen gemeiniglich ein zahlreiches Auditorium, so daß die Kirche so wol Vormittags als Abends ganz voll ist. Bruder Alley hat den Grund worauf unser neues Haus und etliche andre Häuser in Stafford-Street gebaut sind, auf 800 Jahr an sich gekauft.
[175]
Wir haben unserm lieben Herrn apart zu dancken, daß Er uns in diesem Monat bey dem in iziger Jahres-Zeit zwar gewöhnlichen, heuer aber Besonders starcken Besuch von Fremden dennoch unsern Gemein-Gang ungestört und selig fort gehen können. Der öffentlichen Verkündigung des Evangelii in Niederteutscher Sprache, haben viele, und manche wie man wahrnehmen können nicht ohne Eindruck bey gewohnt. Die Loosung am 9ten dieses: „Suchet der Stadt bestes, dahin ich euch habe führen laßen, und betet für sie zum Herrn“! gab uns in der Beter-Versammlung eine besondere Veranlaßung, einander zur Fürbitte, auch für diese Lande zu eigen; damit der gewiß heilsame Zweck, warum Er eine Gemeine hier zu Lande gepflanzet hat, je länger je mehr zu Seiner Ehre möge ausgeführt werden.
[176] Am 23ten sezten Geschwister Kühns und die ledigen Brüder Nicolaus Müller u. Salomo Schnürer, ihre Reise nach S. Thomas fort.
Bey den ledigen Schwestern, wurde die Schwester Maria Fischerin als Gehülfin der Schwester Anna Leidebachin im Chor vorgestellt und herzlich dazu gesegnet. An ihre Stelle wurde der Schwester Mary Risbergin das Haus-Diener Amt im Chor übertragen. Am 22ten schenckte der Heiland den Geschwistern Perschens ein gesundes Töchterlein welches Abends in der Gemein-Stunde getauft und Johanna Sophia genannt wurde. Wir hatten in dem Monat 2 Gemeintage. Am 1ten wurde der Ledige Bruder Suen Andersen und am andern die 2 große Mädgen Petronella de Rover u. Magdalena Hornin in die Gemeine aufgenommen. Beym Heiligen Abendmahl am 14ten ging die ledige Schwester Dorothea Großin das erste mal mit. Ein lediger, der aus der Priegniz hieher gekommen war, bekam Erlaubniß zum bleiben.
Bey unserm begnadigten Abendmahl am 14tn sahe die 82 jährige Aigde Brouwerin als Candidatin mit zu. Am 11tn war die [177] Verlobung und am 21ten die Trauung des ledigen Bruders Johann Dietrich Boese und der ledigen Schwester Anna Pieters Brouwer. D. 23ten kamen Geschwister Christian van Kalkers aus Zeyst zum Besuch hier an. Den Geschwistern Debusens schenckte der Heiland d. 29ten ein gesundes Töchterlein, welches in der Abend-Versammlung in Jesu Todt getauft wurde, mit Namen Anna Catharina.
D. 7ten besuchte uns der Pastor Weiß aus Hof, /: der ehemals eine Zeitlang in Groß-Hennersdorf gewesen :/ freundschaftlich und herzlich. Auch war Bruder Herold auf seiner Reise nach Worms etliche Tage bey uns. Der Geschwister Leonhard Adams neu gebornes Töchterlein wurde d. 16ten mit Namen Helena Eleonora getauft. Von Gnadau kam der Ledige Bruder Baureiß d. 20ten hier an, und wird als Schuhmacher im hiesigen BrüderHaus arbeiten. Desgleichen kam mit unserm lieben Bruder Buße am 30ten von Herrnhuth der ledige Bruder Christ. Schmidt zum hier bleiben. An unserm Gemeintag wurde die ledige Schwester Sophia [178] Catharina Schwaegerin in die Gemeine aufgenommen. Uebrigens müßen wir bey Mängeln und Gebrechen gleichwol unserm Herrn zur Ehre sagen: Er hat uns vergeben, getröstet, ein geholfen, uns an Sein Herz gedrückt, und Er ist doch eben unser Haupt und alles.
Am 28ten kam unsre liebe Schwester Sternbergin von Herrnhuth zurück; dahin ging am 27ten Bruder Benade zum Besuch. Das heilige Abendmahl, welches eine Segens-Zeit für uns war, dafür wir dem Heiland dancken, genoß eine ledige Schwester zum ersten mal mit uns. Bruder Lauterbach hielt in dem Monat zum ersten mal die Böhmische Predigt. In den Claßen und Helfer-Conferenzen sind meist Angelegenheiten der Kinder-Erziehung vorgekommen und die Gemeine ist in ihren Versammlungen sonderlich darauf geführt worden, daß doch ein jedes darauf sehen möge, den rechten Grund im Heiland zu legen und sich dann auf den Grund zu erbauen.
[179]
Aus unsrer Mitte sind in diesem Monat heimgegangen: 1.) Der verheurathete Bruder Gottfried Dietrich am 9ten Er war anno 1711. in Harpperdorf geboren, wo sein Vater Müller war; anno 31. kaufte er die Mühle in Groß-Hartmannsdorf und Heurathete anno 32. die nunmehrige Wittwe. In der Mühle wohnten sie 26 Jahr und Gott schenckte ihnen in der Ehe 8 Söhne und 2 Töchter, davon noch 5 Söhne und eine Tochter am Leben sind, und sich in verschiedenen Brüder-Gemeinen befinden. Er war von Jugend auf ums selig werden verlegen gewesen, wurde in den Predigten des seligen Bruder Damsdorffs in Tonnendorf kräftig angefaßt u. der Seufzer: Ach Herr Jesu, erbarme dich über mich, meine Frau u. Kinder, daß wir errettet und selig werden! stieg gar oft zum Heiland auf.
Da die ersten Brüder anno 42 nach Groß-Krausche kamen, hielt er sich nebst andern Erweckten gleich dahin und wurde auf den einfältigen Weg, zu Jesu Christo gewiesen. Der treue Heiland trat ihm dann in seiner Blutigen Gestalt vors Herz und er bekam das [180] trost volle Wort von Ihm: Sey getrost mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Darauf gelangte er zu den Gemein-Gnaden, und zog anno 59. mit seiner Frau hieher. Man kan ihm das Zeugniß geben, daß er am Heiland hing und Ihn um Seines Todes und Verdiensts willen liebte. Sein Gang war stille; er hatte gerne mit allen Menschen Friede und der auswärts wohnenden Geschwister nahm er sich als ihr Besucher treulich an. Sein Alter hat er gebracht auf 58 Jahr und 10 Monat.
2.) entschlief in Bunzlau die kleine Christ. Juliana Harzin am 17ten etliche Wochen alt und 3.) der Knabe Johann Heinrich Müller am 19ten Er war anno 1755 in Schoßdorf geboren und zog anno 1760 nach dem ableben seiner Mutter, die mit dem Wunsch Heimgegangen, daß ihre Kinder in die Gemeine kommen möchten, mit seinem Vater und übrigen Geschwister hieher. Die ersten 5 Jahre schien er wenig Gefühl vom Heiland im Herzen zu haben; die lezten Jahre aber nahm man die Arbeit des heiligen Geistes an ihm deutlich wahr. Die Gelegenheit [181] zu seinem Heimgang war die Auszehrung, in welcher er sich gedultig bewieß und sehnlich wünschte, bald beym Heiland daheime zu seyn. Sein Alter war 15 Jahr.
Zum bleiben sind hergekommen: die Beyden Kinder Joh. Christoph Richter und Elisabeth Richterin von Lenzen in unsre Anstalten. Zum heiligen Abendmahl gelangte zum ersten mal mit der Gemeine, der Wittwer Joh. Adam Hegenberger.
Bruder Heintke hat seine Anverwandten in Breßlau, seine ehemalige Schüler in Törpiz, welche er seit 30 Jahren nicht gesehen, und in Gnadenfrey besucht; und sein Zuspruch bey seinen Anverwandten und den Bauren in Törpiz, macht viel Freude und Vergnügen. Am 17ten in der Nacht hatten wir bey einem entstandenen Brandt in Thomaswalde, Gelegenheit unsern Nachbarn mit Realitaet zu dienen. Wir waren so glücklich durch herzhaftes Angreifen, fleißiges Sprüzen und die Hülfe Gottes das Feuer bald zu dämpfen, daß nur das einige Haus, wo das Feuer Auskam [182] abbrante. Der Herr v. Magnut wuste nicht, was er uns für so treue und schleunige Hülfe gutes erzeigen solte, und der Pfarrer hat Sontags darauf den Brüdern in der Kirche Gottes Vergeltung gewünscht und uns das Lob der treuesten Nachbarn gegeben. Doch Gott allein die Ehre!
Am 22ten trafen Seine Excellenz der dirigirende Minister v. Hoyn mit ihrer Suite hier ein u. stiegen vor dem BrüderHause ab, wo sie von den Brüdern v. Heithausen, v. Bibra, Hofrath Schober u. Franz Streck empfangen wurden. Nachdem sie sich einige Stuben und Gewerbe angesehen, gingen sie weiter nach Goldberg. Von Schmiedeberg u. Jenowiz kamen die Hilmerschen Kinder und Benjamin Klein wieder zurück. Sie haben an beyden Orten und sonderlich am ersten, dem Heiland und der Gemeine Ehre u. einen guten Namen eingelegt. Zum Schluß dancken wir auch für die gnädige Hülfe unsers Herrn, welcher unsre lieben Brüder Waiblinger u. Pfohl [183] von ihrer Kranckheit wieder so weit hergestellt hat, daß erstrer bey seiner Schwächlichen Hütte alles wie ehedem uns zum Vergnügen besorgen kan, und leztrer sich von seinem hizigen Brust-Fieber mercklich erholet.
In diesem Monat sind zum bleiben hergekommen 4 ledige Schwestern von Gnadenfrey, eine von Gnadenberg und des Bruder Marschalls 4 Töchter von Herrnhuth. Uebrigens hat es dem lieben Heiland gefallen, unsre liebe Schwester Anna Susanna Munzkyn, treue Helferin und Dienerin des Chors der ledigen Schwestern allhier, am 26ten dieses zu sich zu nehmen.
Sie war anno 1738 d. 12ten Nov. in Buzlau geboren, wo ihre liebe Eltern damals wohnhaft waren. Sie schreibt von sich: In meinem 4ten Jahr konte ich mich nicht satt hören, was der Heiland aus Liebe für uns gethan u. ausgestanden hat. Seine Marter und Blut vergießen war meinem Herzen so groß und wichtig daß ich nichts beßers haben und hören wolte. [184] Meine Eltern waren zu der Zeit schon mit Geschwistern von der Gemeine bekannt, und nahmen mich fleißig nach Groß-Krausche, wo ich Gelegenheit hatte, die Kinderstunden in dasigem Schloße zu besuchen, mit. Mein Verlangen u. Sehnen vom Heiland zu hören, wurde so groß, daß ich meine Eltern herzlich bat, mich ganz nach Krausche, zu Geschwistern zu thun, damit ich täglich Gelegenheit hätte, von dem zu hören, der mich so theuer mit Seinem Blute erkauft hat. Auf vieles Bitten wurde mir endlich mein sehnlicher Wunsch gewährt, daß ich anno 42. zu ein paar Geschwistern nach Große Krausche kam und nun Gelegenheit hatte, die Kinderstunden fleißig zu besuchen.
Anno 43. fing man an, den lieben Ort Gnadenberg zu bauen, u. ich hatte die Freude in eins von den ersten Häußern ein zu ziehen. Anno 45. wurde daselbst eine Mädgen-Anstalt angefangen, wobey ich zu meinem Vergnügen auch mit war. Als anno 46 [185] der selige Jünger und Bruder Johannes die Gnadenbergische Gemeine besuchten, baten wir Kinder sie mit vielen Thränen, bey uns auch solche Einrichtungen zu machen, wie es die Kinder in Herrnhuth hätten. Sie versprachen es uns und am 24ten Sept. war der mir eindrückliche und gesegnete Tag, daß hier eine Kinder-Gemeine eingerichtet wurde. Es wurden 13 Mädgen in die Kinder-Gemeine aufgenommen, wobey auch ich zu meiner großen Beschämung war. Ich machte dabey mit meinem lieben Heiland den ersten Bund, mich von nun an, Ihm mit Leib und Seel als Sein ewiges Eigenthum, ganz hinzu geben, und bat Ihn mit vielen Thränen, von mir auf ewig weg zu nehmen, was Ihn bis her an mir betrübet hat. Er ließ mich dabey Sein liebreiches Herz so kräftig fühlen, daß ich diese Stunde und Tag nie Vergeßen.
Wir 13 Kinder gaben noch darauf dem lieben bruder Johannes die Hand, dem Heiland treu zu seyn und zu bleiben, wobey mir nicht anders war, als ob ich dem Heiland selber Treue zusagte. Auf diesen Bund habe ich mich in der [186] folgenden Zeit und sonderlich, wenn mirs in meinem Herzen nicht wohl war, kindlich berufen und gesagt: Ach, Herr Jesu, du hast ja doch einen Bund gemacht mit meiner Seele der soll veste bleiben, bis zum Erblaßen! In dieser Situation verbrachte ich meine Kinder-Jahre. Bald darauf regte sich die Lust und Neigung zur Sünde bey mir, und ich schämte mich gerade und aufrichtig mit meinen vorgesezten darüber aus zureden. Das machte, daß ich schüchtern gegen sie und fremde gegen den Heiland wurde. Das treue Herz Jesu aber ließ mich nicht lange in der Irre gehen. Ich wurde kranck und dabey faßte mich der Heiland sehr kräftig an, machte mir Bange ums Herz und ich wandte mich in meiner Noth zu Ihm, bat Ihn mit vielen Thränen um Vergebung und neue Gnade, erinnerte mich wieder des Bundes, den Seine Seele mit meiner Seele geschloßen, redete auch mit meinen Vorgesezten aufrichtig und grade aus u. krigte eher keine Beruhigung in meinem Herzen, bis mich mein treuer Heiland selbst wieder tröstete und meiner Seele Frieden zusprach. Anno 52. kam ich ins Mädgen-Chor u. zog darauf ins ledige Schwestern-Haus [187] und bat den Heiland angelegentlich, Er wolle mich ganz aufs neue zu Seinem Schmerzens-Lohn hinnehmen und mich ganz für Ihn gedeyen laßen, damit ich alle die Segen, die in diesem Chor zu genießen wären, ganz genießen möchte. Die Aufnahme in die Gemeine und das Glück zu haben ein Glied derselben zu seyn, fiel mir sehr nachdrücklich auf. Ich sagte mein Verlangen meiner Arbeiterin, welche mich aber da hin anwieß, ich solte nur erst suchen, ganz des Heilands froh zu werden, welches ich auch that. Und da ichs am wenigsten dachte, so wiederfuhr mir die Gnade, daß ich am 29tn Oct. desselben Jahres in die Gemeine aufgenommen wurde. Mein Herzens Sehnen ging von der Zeit an nur darauf, noch mehr in Gemeinschaft mit meinem treuen Heiland zu kommen; und dies erweckte auch bey mir einen wahren Hunger und Durst nach dem Genuß des heiligen Abendmahls. Ich redete oft mit dem Heiland darüber aus, und sagte auch mein Verlangen meiner Arbeiterin, welche mich vor die Zeit noch zur Gedult verwieß. Endlich hatte ich [188] am 21ten May 1753 das Glück, zum ersten mal dieses hohen Gutes mit der Gemeine theilhaftig zu werden.
Was da in meiner Seele vorging und wie mir auch bey jedesmaligem Genuß in der folgenden Zeit gewesen, läßt sich nicht in Worte faßen. Nach der Zeit habe ich zwar manchmal mein Naturverderben fühlen und empfinden müßen; ich hielt mich aber dabey nicht auf; ich danckte Gott daß ich der Sünde nicht dienen mußte. Ich wieß alles was das treue Herz Jesu an mir betrüben konte, dahin, wo Er dafür gebüßet hat, und so kam ich zwar als eine arme Sünderin, die sich selber nichts zutrauen konte, an der aber Seine Gnade desto mächtiger war, glücklich durch. So weit ihre Worte!
Anno 1758 wurde sie ins ledge Schwestern Chor aufgenommen und anno 60 zur Gehülfenschaft bey den großen Mädgen angestellt. Anno 63. kam sie nach Herrnhuth in ihr Chorhaus, wurde daselbst anno 64 zur Acoluthie angenommen u. anno 65 im Febr. erhielt sie einen Ruf nach Berlin, um daselbst ihrem Chor und auch den ledigen Schwestern in Rüxdorff zu dienen. Sie [189] nahm solchen Ruf klein und Sünderhaft an und kam d. 22ten Febr. in Berlin an. Weil es aber mit der Böhmischen Sprache nicht gehen wolte, so hatte sie es oft schwer und konte ihren Schwestern, die sie zärtlich liebte, nicht so dienen, wie sie es wünschte. Anno 68. im Octr. erhielt sie einen Ruf zum Dienst des ledigen Schwestern-Chors hier in Neusalze. Sie reiste Beschämt und danckbar über alle Treue und Gnade, die der Heiland auch in Berlin an ihr gethan, von da ab, und kam am 8tn Nov. hier an. Sie wurde darauf den ledigen Schwestern als ihre Arbeiterin vorgestellt, welchen Dienst sie auch mit aller Treue und Fleiß bis an ihr seliges Ende besorgt hat. Sie bewieß sich gegen ihr Chor, als eine treue Helferin im innern und äußern und es that ihr wehe, wenn sie nicht immer helfen konte, wie sie gern wolte. Sie wurde von uns allen herzlich geliebt u. ihr Verlust ist uns schmerzlich. Der liebe Heiland eilte gar sehr mit ihr; denn ihre Seele war Ihm lieb. Sie war am 24tn Abends noch in der Gemein-Versammlung gesund und munter u. ging darauf [190] mit etlichen Schwestern in der kühlen Abend-Luft spazieren; es überfielen sie dann heftige Colic-Schmerzen, welche andern Tages noch mehr zunahmen und am 26ten schlug der Brand dazu. Ihre Schmerzen verließen sie etwa eine halbe Stunde vor ihrem Ende. Sie fragte eine Schwester, ob sie dencke daß sie Heimgehen würde? und als ihr dieselbe antwortete: „Ja, du wirst balde zum Heiland gehen“! sagte sie: Nun das ist schön! u. Lächelte dabey. Und bald darauf schlief sie sanft und selig ein, in Gegenwart ihres ganzen Chores und mit dem Segen: der Wunden-Höhle empfehl’n wir deinen Geist, Leib und Seele, Schwester des Herrn! Ihr Alter hat sie gebracht auf 32 Jahr und 8 Monate.
Ihre Hütte wurde d. 28ten Abends zur Ruhe gebracht, wozu sich eine Menge Leute aus der Stadt eingefunden.
[191]
Das verfloßene Jahr ist ein sehr schweres Jahr für uns und viele tausend Menschen gewesen. Gleich zu Anfang deßelben fand sich eine grosse Dürre ein und währte bis in den August, und daraus entstand eine große Hungers-Noth, die nicht zu beschreiben ist. Dazu kam eine böse Art von Fiebern, davon wenige Menschen frey geblieben sind. Durch den Hunger und die Kranckheiten sind wir in der Seelen-Arbeit gar sehr gehindert worden. Gegen das Ende des Jahrs aber hatten wir wieder sehr selige Stunden, und es ist in den Weyhnachts-Feyertagen ein ganz neues Leben über das ganze Volck gekommen. Unter der Abendmahls Gemeine vermehrt sich die Gnade und das [192] Gefühl Seiner lieben Nähe, und zugleich ihre Anzahl. Es gehen doch nun schon 90 schwarze Geschwister von allen Pläzen an der Bogue zum heiligen Abendmahl. Getauft haben wir leztes Jahr 89 Seelen, und nun zum Heiden-Fest fünfe.
Eine solche Dürre und trockenes Wetter, als wir voriges Jahr gehabt, habe ich zuvor nie in der Welt gesehen. Flüße, Bäche, Quellen, Moräste waren meistens alle vertrocknet, und haben jezt noch wenig Waßer. Daraus entstand ein entsezlicher Mangel an allen Lebens-Mitteln, sonderlich unter den Negern. Sie liefen Bey Tag und Nacht herum, Speise zu suchen, und verkauften ihre Kleider /: und sie haben nicht viele :/ um was zu eßen zu krigen. Sie liefen aus einem Kirchspiel in das andere, u. dachten, da hab ich einen Freund, der wird mir helfen; andere dachten eben so, und am Ende hatten beyde nichts. Wenn wir hie und da besuchten, hörte man nichts als bittere Klagen, und das schlimste war, daß wir [193] ihnen nichts geben konten, denn wir hatten mit unsern Negern in Carmel genug zu thun um sie durch zu bringen. Man konte nichts vor den Dieben erhalten, wenn man auch Tag u. Nacht Wächter hatte; sie schlugen dieselben, bunden und verwundeten sie. Ich habe nie gewußt was Hungersnoth ist; aber da hab ichs gesehen, u. mit gefühlt. Dieses Jahr verheißt uns nichts beßers, denn es ist sehr trocken. Nicht weit von uns, sind viele Kühe, Kälber, Ochsen p. gestorben; wir aber haben bis jezt noch nichts verloren. Die Abendmahls-Geschwister in der Bogue und da herum deren fast 100 sind, erfreuen uns. Es ist zwar selten ein AbendMahl, da nicht welche zurük stehen; denn es ist unter den hiesigen Negern sehr nöthig, genau darinne zu Wercke zu gehen, u. hat nicht allein auf die, die zurück stehen, sondern auch auf andere eine gute Würckung. Ja so gar Boshafte Neger nehmen Notiz davon. Wenn sie von einem der zum Abendmahl geht, was hören, das nicht nach der Regel Christi ist, sagen sie gleich, [194] dieser wird nicht zum Abendmahl gehen dürfen. Es ist schon etliche mal vorgekommen, daß sie zu Abendmahls-Geschwistern gesagt haben: Ich will dich so lange schelten, bis du böse wirst und mit mir zankest, und dann darfst du nicht zum Abendmahl gehen. Oder: Ich will dich so lange plagen, bis ich dich aus der Abendmahls-Versammlung heraus gerißen habe. Im Monat Merz hatten 12 Weise und 6 schwarze Geschwister in Carmel ein seliges Abendmahl.
Auch hatten wir eine schöne Tauffe, da die erste Frey-Negerin, die in unserer Nachbarschaft wohnt, der Gnade theilhaftig wurde. Der Herr unser Gott wolle sich aus seinem Carmel so was bereiten, das Seinem Namen zur Ehre u. zur Verherrlichung Seines Verdienstes gereichen möge!
Am 21ten Merz sind Geschwister Mercks von St. Thomas bey uns angekommen, [195] um uns hier abzulösen, und wir übertragen ihnen nun die Besorgung unsrer lieben Schwarzen. Der liebe Heiland wird ihnen durchhelfen und ihnen geben was sie brauchen, so wie Ers nun völlig 4 Jahre an mir und meiner Frau in S. Jan gethan hat. Die Gnaden und Segens-Beweise sind unaussprechlich. Bey nahe 200 haben seit unserm hier seyn die heilige Taufe und andre Gnaden empfangen. Unser schwarzes Volck erkennts auch mit vielem Danck und unser Abruf macht ihnen viel zu thun. Sie sind kaum zu trösten, kommen täglich u. weinen und sagen: Es erfordert lange Zeit, bis wir mit dem neuen Baas und Frau wieder so bekannt sind und sie mit uns. p.
Wir sind am 1ten May glücklich hier angekommen, und nachdem uns Geschwister Martin Macks die hiesigen Geschäfte und Plan übertragen, er auch mich beym Herr General und andern Orten introducirt hatte, so sind sie am 12ten May mit einem Favorablen Süd-Ostwinde von hier nach Philadelphia unter Segel gegangen.
Unter dem hiesigen Volcke fühlen wir Gnade, und wir bitten den Heiland [196] daß Er uns in diesem neuen und weitläuftigen Posten durch seinen heiligen Geist segnen, uns Gnade, Weisheit und Leibes und Seelen-Kräfte verleihen, und sonderlich alle unsre Worte und Handlungen mit Seinem Blute besprengen wolle, damit noch viele arme Sclaven errettet, und in den Freyheits-Haven der Wunden Jesu gebracht werden mögen.
Am 16ten Apr. sind Geschwister Melchior Schmidts von hier nach S. Crux abgegangen, und an ihre Stelle Geschwister Mercks mit ihrem Söhnlein hieher gekommen, und wir leben in Friede und Liebe beysammen u. helfen einander im innern und äußern, so gut wir können. Ich dancke dem Heiland für die Zeit, die ich mit dem Bruder Schmidt hier zugebracht habe. Er ist mir nach der Gabe, die Er hat, in Erlernung der Sprache sehr beförderlich gewesen, so daß ich, ob mir gleich noch vieles fehlt, doch so weit gekommen bin, daß ich den Negern die Menschwerdung, Marter und Todt meines Herrn in ihrer Sprache zimlich deutlich verkündigen kan. Er wolle mir alle meine Worte mit Seinem Blute salben u. sie an [197] den Herzen des armen schwarzen Volcks segnen.
Nichts erweckt mehr Kummer bey mir, als wenn ich über unsre getaufte und gesegnete Kinder dencke, die so mancher Gefahr unterworfen sind. Denn wenn auch die Eltern Treue und Fleiß anwenden sie für den Heiland zu erziehen; so müßen sie doch unter den Heiden seyn und wohnen wo sie täglich ihre Heidnische Handelweisen vor Augen haben. Und da steht denn freylich dem Feinde Thür und Thor offen, sie schon in ihren jungen Jahren zu allerley schlechten Dingen zu verführen. Was kan man aber dabey thun, als man empfiehlt sich fleißig dem Heiland und Seinem Geiste, u. sucht keine Gelegenheit zu versäumen, sie mit Ihm und Seinen Wunden immer bekanter zu machen.
Die Paßions-Zeit ist für uns sehr gesegnet gewesen, und unsre Versammlungen in derselben sind von Weisen und Schwarzen so zahlreich besucht worden, daß es manchmal an [198] Plaz fehlte. Unsre Predigt auf dem Lande bey Mr Farley continuirt. Er hat vor kurzen von unsrer Arbeit unter seinen Negern, mit verschiedenen Leuten gesprochen und viel Vergnügen darüber Bezeugt. Das gab Gelegenheit, daß einer Namens Mr. Martin ein Colonell[WS 24] der hiesigen Miliz, der über 300 Neger hat, auch wünschte, daß wir seinen Negern predigen möchten. Mr. Farley meldete uns solches, und bald darauf ging ich und Bruder Braun hin, mit Mr. Martin deswegen zu reden. Ich sagte ihm daß wir die Leute wären, die des Mr Farleys Negern predigten, und daß uns gedachter Herr bezeugt habe, daß auch Mr Martin gern sehen würde, wenn wir seinen Negern predigten. „O Ja, Antwortete er, ich werde mich herzlich freuen, wenn ihr ein solches Christliches Werck unternehmen wolt. Mr Farley hat mir bezeugt, daß ihr die reine Lehre habt.“
Wir verabredeten so dann noch mit einander, wenn der Anfang der [199] Predigt da gemacht werden solte, und am Sontag Nachmittag um 2 Uhr, d. 20tn May predigte ich daselbst zu einer großen Gesellschaft von Negern, ging darauf auf Mr Farleys Plantage, und hielt auch da um 5 Uhr die Versammlung.
Vor ein paar Tagen erhielt ich aus
Tranquebar d. d. 31tn Jan. 70. einen Brief
von unserm Bruder Isac Kart Kunz. Er schreibt:
Da dieses Jahr das Englische Schiff von Madras, viel früher als sonsten die Jahre her nach Europa geht, und wir es eben erst erfahren, daß es so früh absegeln wird; so thut es uns sehr leid, daß wir mit demselben nicht mehr schreiben können. Im Sept. haben wir einen Brief von unserm Bruder Völcker auf Nicobar vom Ende May erhalten, darinn er meldet, daß sie bis zu der Zeit noch alle 4 wohl gewesen sind, und daß die Nicobarer sie lieb haben, und sich freuen, daß sie bey ihnen wohnen bleiben. Nur wünschte er sehnlich, daß er mit ihnen in ihrer Sprache reden [200] und ihnen den Todt des Herrn verkündigen könnte. Sie haben in Zeit von 14 Tagen, 4 Englische Schiffe in ihrem Hafen gehabt, die daselbst negotiirt haben. Am 2ten Sept. ist das Schiff Nazareth mit etlich 30 Menschen von hier dahin abgegangen, und zu Anfang Januar a.c. hat man von Achem vernommen, daß es d. 15ten Sept. bey unsern Brüdern in Nicobar angekommen, sich aber nur 3 Tage daselbst aufgehalten und unsre 4 Brüder alle wohl angetroffen haben. Am 2ten Oct. bin ich in Karikal gewesen, und habe daselbst Bruder Buttler auf sein Verlangen, mit seinem Gefehrten Conrad Kaufmann, den geweßenen Rapport-Gänger beym Herr Gouverneur, abgeholt. Wir leben hier übrigens in der Nähe unsers Heilandes in unsrer Stille selig und vergnügt. Unser lieber Bruder Stahlmann befindet sich schon eine geraume Zeit her sehr schwach, zu unserm grösten Leidwesen, und man kan noch nicht wißen, was es mit seiner Kranckheit für einen Ausgang nehmen wird. Wir übrigen sind Gottlob! alle wohl. Bruder Betschler befindet sich gegenwärtig in Nagapatnam, wohin ihn der Herr Gouverneur u. Priester daselbst haben holen laßen. Er logirt beym Herr Gouverneur [201] und dient ihnen beyden mit gutem Effect.
Am 7ten Juny ist Bruder Sachsenberg von Herrnhuth über Stettin hier angekommen, um weiter nach Finnland zu gehen. Die Situation seines Herzens brachte uns in Verlegenheit, und ich bat ihn herzlich, die Gnade und Barmherzigkeit zu bedencken, die ihm der liebe Heiland so viele Jahre lang in der Gemeine erwiesen habe, und daß wenn er sich auf einige Weise vom Heiland verirret hätte, er als ein Sünder Ihm zu Füßen fallen, und um Seine Erbarmung weinen möchte. Er schien es zu Herzen zu nehmen. Ob er gleich vernahm, daß seine Mutter in Finnland aus der Zeit gegangen sey, resolvirte er dennoch hin zu reisen.
Er begab sich also d. 13ten Juny früh, in Begleitung eines Bruders aufs Schiff, und nachdem er sich auf demselben ein wenig umgesehen, sezte er sich auf einen Kasten nieder, und schien sehr schläferig zu seyn. Nach einer Stunde aber fieng er an zu röcheln, und da [202] es sein Begleiter merckte, lief er gleich nach jemanden, der ihm zur Ader laßen solte. Ehe aber jemand kam, that Bruder Sachsenberg schon die lezten Othem-Züge und verschied. Man glaubt er sey vom Schlag gerührt worden. Wenn das Schiff, das eben den Ancker lichten solte, eine Stunde eher in der See gewesen wäre, würde wol niemand mehr was von ihm erfahren haben. Die hiesige Schneider-Zunft hat ihn beerdiget, welcher auch das, was er nachgelaßen hat, zufällt. So schmerzlich uns diese Begebenheit war, so froh und danckbar sind wir auch, daß der Heiland diesen armen Bruder in Seine Sicherheit genommen hat.
Am 23ten Jun. ist Bruder Hyphoff; am 8ten Jul. die Brüder Peter Petersen und Lars Jensen von Herrnhuth, u. d. 9ten die Brüder Enequist und Platin von Barby hier eingetroffen. Die beiden Brüder Petersen u. Jensen, die nach Lappland gehen, logiren bey mir, sind vergnügt, und wollen künftige Woche nach Pitea abreisen. Dieser Ort scheint der schicklichste zum Anfang zu seyn; es sind daselbst einige recht liebe Leute und [203] darunter auch 2 ledige Officiers, und sie werden sich wol eine Zeitlang daselbst aufhalten müßen, bis sie zu den Lappländern gehen können.
ist zu ersehen:
daß die allgemeinen und besondern Feste, die in diese Monate fallen, der Gemeine und ihren Chören aparte Segens-Tage gewesen sind. In Bedford war sonderlich beym Lesen der Paßions-Geschichte am Char-Freytag, ein solches durch dringendes Gefühl der Nähe und Gegenwart des Heilandes, daß der Lector inne halten und mit der Gemeine den Danck- und LiebesThränen für Jesu Marter bis in den Todt, freyen Lauf laßen mußte.
Die ledigen Schwestern hatten in etlichen Gemeinen zu ihrem Chorfest eine gesegnete Chor-Communion. Bruder Latrobe kam zu Anfang des Monats Merz von seiner Visitation in den Englischen Gemeinen, nach London zurück, nachdem er in denselben, den Synodalverlaß communicirt und die nöthigen Einrichtungen besorgt hatte.
[204]
Die Communication des Verlaßes des lezten Synodi hat eine gesegnete Würckung auf die Gemeine gehabt, und man nimmt seit dem einen herzlichen und willigen Geist so wol überhaupt, als insbesondre in der großen Helfer-Conferenz wahr, welcher es von Herzen anliegt, das Werck des Heilands nach ihrem Vermögen zu fördern. Die Abendmahls-Gemeine hatte vor der Abreise der Geschwister Nathanaels u. ihrer Gesellschaft nach America, welche am 7tn Mrz. erfolgte, den Bundes-Kelch. So war auch im May die Societaet zur Förderung des Evangelii mit den Brüdern, welche im Merz das Schiff Jersey Paket vor 351 ₤. gekauft und solches ausgerüstet haben, beysammen und erneuerten vor der Abreise der nach Labrador gehenden Brüder ihren Liebes- und Friedens-Bund. Im Momat Juny wurde zur Unterhaltung der Wittwen eine Brüderliche Association angefangen. Ueber 30 Brüder traten derselben bey, und unterzeichneten sie. Die gedruckten Rules davon sind in alle Englische u. Irrländische [205] Gemeinen gesendet worden. Die Predigt in Saron am Sontag u. Donnerstag ist mit Segen continuirt worden, und das Auditorium hat mercklich zu genommen. Die ledigen Brüder sind im Monat April aus ihrer bisherigen Wohnung zu Bruder John Church in Bangor-Court, New-Street gezogen. Ein Wittwer ist mit einer ledigen Schwester getraut worden. 2 Schwestern sind in die Gemeine aufgenommen, und eine ledige Schwester Sarah Morgan ist getauft worden mit Namen Sarah Catharina. Zum heiligen Abendmahl sind 2 Schwestern gelangt, u. ein verehlichter Bruder readmittirt worden. Eine Wittwe, 3 Kinder und der Ledige Bruder Thomas Toote sind selig heimgegangen, u. ein Knäblein geboren und getauft worden. Als Bruder Tranekier einen jungen Menschen besuchen ging, kam eine Frau zu ihm und bat, daß er in ihr Haus kommen und über ihr sterbendes Kind beten möchte. Er fand das Haus voll Kinder, welche da in die Schule gingen, und das sterbende Kind in einem Winckel der Stube alleine liegen. Er sung dann einige Verse, und betete zum Heiland, daß Er alle diese Kinder mit Seinem Blutigen Verdienst segnen wolle. Alle waren dabey [206] sehr still und aufmercksam, und viele konten nicht wieder aufhören zu weinen.
D. 5ten Apr. hatten wir einen besonders gesegneten Gemein-Rath. Ein Bruder hatte eine Note eingegeben, darinn folgende Fragen waren: 1.) Wie kommts, daß wir unter unsern Neben-Menschen so unfruchtbar sind? 2.) Woran fehlts, daß wir die Segen von dem wichtigen Privilegio, ein Salz auf Erden und ein Licht der Welt zu seyn, nicht recht genießen? 3.) Liegts uns denn wahrhaftig und ernstlich an, unser Licht Leuchten zu laßen, vor den Menschen in Worten u. Wercken? 4.) Haben wir nicht Ursach, uns selbst zu untersuchen, ob wir nicht vieles von dem Geschmack verloren haben, den wir als ein gutes Salz und als Kinder Gottes billig haben solten? pp. Dieses veranlaßte eine Bandenmäßige Unterredung, die mit Geist und Gnade gesalbt war, und ein Bruder sagte seine Gedancken über diese Materien in Absicht auf sich und unsern Gemein-Gang überhaupt, mit solchem sünderhaften u. zerfloßenen Herzen, daß es allen einen tiefen Eindruck gab, und viele Thränen vergoßen [207] wurden. Der Schluß davon war, uns vom Heiland Gnade zu erbitten, daß wir Seinen Wunden mehr und mehr zur Ehre und Freude werden mögen.
Die ledigen Schwestern erinnerten sich am 26ten Juny des Einzugs in ihr Haus vor 12 Jahren, danckten dem Heiland für diese selige Friedens-Wohnung, und hatten ein LiebesMahl, Homilie und begnadigte Chor-Communion. In Risely ist die öfentliche Predigt und die Societaets-Versammlung continuirt worden; Leztre hat auch Bruder Barham mit Besondrer Gnade besorgt. Im Monat May machte er mit seiner Familie einen angenehmen Besuch in Fullneck. In die Gemeine sind aufgenommen worden, 2 Ledige Schwestern und 2 große Mädgen; und zur heiligen Ehe verbunden worden der Ledige Bruder Wm Thornton mit der Ledigen Schwester Sarah Holdsworth, und der ledige Bruder Christian Zander mit der ledigen Schwester Susanna Wiltshire. Aus Deutschland kam der ledige Bruder Friz u. aus Duckenfield der Ledige Bruder Polycarp. [208] Turner bey uns an. Leztrer der unterwegens kranck worden, und hier die Schule der kleinen Knaben besorgen solte, ging bald nach seiner Ankunft selig heim, und Bruder Zander übernahm an seine Stelle, die Schule zu halten. Auch sind 3 Personen außer unserer Gemeinschaft, die in ihrer Kranckheit von uns fleißig besucht worden im Vertrauen auf Jesu Verdienst selig aus der Zeit gegangen.
3.) In Ockbrook ist ein Ehepaar zur Gemeinschaft der Geschwister readmittirt und ein Mädgen in die Societaet aufgenommen worden. Heimgegangen ist im April der Geschwister Shipleys Tochter, ein groß Mädgen Maria; dagegen schenckte ihnen der Heiland im May ein Töchterlein, das in der heiligen Taufe Anna genannt wurde.
4.) In Duckenfield ist im ledigen Brüder Haus eine Schule mit den Knaben angefangen und in der Gemeine die Beter-Versammlung aufs neue mit Gnade eingerichtet worden.
Am 25ten Apr. beging die Gemeine den Gedencktag ihrer Einrichtung vor 15 Jahren und hatte den Bundes-Kelch zu neuer [209] Verbindung auf Jesu Marter u. Todt.
Unser Nachbar Robert Leach ist selig entschlafen. Seine lezte Äußerung war: Ich glaube, mein Heiland ist für mich gestorben. Außerdem sind 2 Wittwen Heimgegangen, und eine ledige Schwester in die Gemeine und 7 Personen in die Societaet aufgenommen worden.
Das Gedächtniß der Einrichtung der Yorkshirischen Gemeinen wurde in denselben in den Oster-Feyertagen mit vieler Gnade begangen, und verschiedene Arbeiter aus Fullnek waren dabey zu gegen. Es war eine wahre Festzeit für diese Gemeine, dafür dem Heiland manch Lob und Danck gebracht wurde. Eine jede Gemeine hatte den Bundes-Kelch u. es wurden in Wyke, Gummersall und Pudsey über 30 Personen, theils zur Gemeine, theils zur Societaet hinzu gethan. Am grünen Donerstag hat die Gemeine in Mirfield zum ersten mal das Pedilavium u. heilige Abendmahl in ihrer Capelle gehalten. Zum erstmaligen Genuß deßelben [210] sind in Fullneck eine ledige Schwester, und in Wyke ein paar verheurathete Geschwister gelangt. Im Gemein-Rath sind verschiedene Briefe von Geschwistern mit Segen gelesen worden, darinnen sie theils um die Aufnahme, theils ums heilige Abendmahl bitten. Bruder Greening hat den Societaets-Geschwistern in Baildon vorgeschlagen; sich auf einen Diaspora-Fuß einzurichten, und hat auch deswegen mit dem Pfarrer gesprochen; allein nicht nur dieser ist bedencklich etwas neues in seiner Parish vorzunehmen; sondern auch viele Geschwister wollen lieber mit der Brüder-Gemeine noch näher verbunden werden. In Fullnek ist der ledige Bruder Ino Townerd mit der ledigen Schwester Mary Brook verheurathet worden. Heimgegangen ist daselbst Anna Marg. Walkers ein Kind von 6½ Jahren, und der alte Bruder James Naylor ein Wittwer. Von der Insel Anglesea in Northwales war eine Wittwe einige Tage in Fullnek zum Besuch, und war sehr froh und danckbar für das gute, das sie in der Gemeine genoßen.
[211] 6.) In Bristol ist wegen der Fremden, welche gern in unsre Capelle kämen, aber zur Zeit der Predigt nicht hinkommen können, die öffentliche Sontags-Versammlung um 3 Uhr Nachmittags zu halten angefangen worden, und sie wird nun sehr zahlreich besucht.
Im Monat May ist der Bruder Harcourt in seinem 67tn Jahr selig entschlafen.
In Bath nimmt das Auditorium in der Capelle zu, und das Zeugniß von Jesu Todt findet Eingang in die Herzen. Geschwister Rogers und Hauptmans haben zum Vergnügen der dortigen Geschwister da besucht. Ein gleiches ist in Apperly durch Bruder Erasmus Müller geschehen; dem dasigen Gemeinlein wird das heilige Abendmahl von den Arbeitern in Bristol, Bath p. wechselsweise administrirt. Bruder Sommerskill, der da wohnt, und die Seelen-Pflege besorgt, ist in der Nachbarschaft mit verschiedenen um ihr Heil verlegenen Seelen bekannt worden. In Glocester sprach er mit einem ehemaligen Baptisten-Prediger, welcher, nachdem er um seine Seeligkeit verlegen worden, sein Amt niedergelegt hat, mit den Händen sich sein Brodt verdient, und bezeugt [212] daß er nun viel seliger sey, da der Heiland sein Ein und Alles worden ist.
Nachdem sich Geschwister Pyrlaeussens mit der Gemeine in Lambsadre herzlich verabscheidet, so gingen sie über London und Fullnek nach Deutschland ab. An ihre Stelle traten zum Dienst der Gemeine Geschwister Rice, und an deren Stelle Geschwister Yarrels in Bath ein. Die Predigt in Malmsbury wird fleißig besucht und es soll eine neue Capelle daselbst gebaut werden. In Leominster ist den Geschwistern Nybergs am 6tn Febr. ein Söhnlein geboren u. mit Namen Ignatius Renatus getauft worden. 7.) In Haverfordwest sind 2 Brüder in die Gemeine aufgenommen worden, und 5 Geschwister zum ersten mal zum heiligen Abendmahl gelangt u. 3 Geschwister Heimgegangen. Bruder Arbraham Taylor hat sich Bemüht, einen Plaz zu einem Gemein-Ort in Carmarthenshire auszusuchen; ist aber bisher noch nicht zu seinem Zweck gekommen. Geschwister Pughs continuiren in ihrer Arbeit zu Lougharne.
8.) Die Societaets-Geschwister in Plymouth und Plymouth-Dock, deren sich Geschwister Ockertshausen u. Bruder Caldwell annehmen, wachsen in der Liebe u. Erkenntniß Jesu. Einige [213] feindselige Leute suchen zwar durch Ausstreuung mancher Schmäh-Schrifften Sein Werck zu hindern, der Heiland hat aber bisher noch in Gnaden durchgeholfen; Die Societaet will diesen Sommer eine Capelle in Dock bauen. In Kingsbridge, wo Bruder Caldwell manchmal predigt, scheint unter den Seelen ein Werck der Gnade zu seyn, u. sie bitten angelegentlich um mehrern Besuch. Sie haben daselbst einen Plaz zu ihren Versammlungen erhalten. Das heilige Abendmahl haben Geschwister Ockertshausen u. Bruder Caldwell zur gewöhnlichen Zeit in der Gemeine genoßen. Die Schwester Ockertshausin[WS 25] ist seit dem Apr. sehr kräncklich. Sie wurde auf der Strase vom Schlag gerührt, fiel vor Todt nieder, und lag so die längste Zeit da. Ein Chirurgus; zu dem sie gebracht wurde, ließ ihr dann zur Ader, und nach einigen Tagen kam sie wieder zu sich, u. erholte sich in etwas. Die Geschwister der Societaet nahmen daran großen Antheil, besuchten sie fleißig, und ihr in den Willen des Heilands ergebenes Herz war ihnen zu vieler Erbauung. Im Januar ist der erste aus dieser Societaet Sam. Brown, ein Sergeant in der Citadelle selig heimgegangen. Er war anno 1712. geboren, u. lebte wie er sich selbst ausdrückte, ohne Gott u. ohne Religion [214] in der Welt, bis auf die lezten Jahre, da er den Vorsaz faßte, sein Leben zu beßern. Als die Brüder hieher kamen, besuchte er gleich ihre Predigten, und sie sagten seinem Herzen zu. Im Octr. a. pr. wurde er samt seiner Frau in die Societaet aufgenommen, welches ihn sehr beugte und beschämte. „Ach“, sagte er öfters, „wie hat mich mein Heiland so lieb! Hätte Er nicht die Brüder hieher geschickt, mir das Evangelium zu verkündigen, so würde ich in Unwißenheit u. in meinen Sünden gestorben seyn; aber nun weiß und fühle ich, daß mein Heiland meine Sünden versöhnet, und mich durch Sein Blut zu Seinem Eigenthum erworben hat“. Und in seiner Kranckheit bezeugte er seine Freude darüber, daß er die Gnade haben werde, der erste zu seyn, der von den Brüdern in Plymouth zum Heiland gehen werde. Als ihm Bruder Ockertshausen[WS 26] mit einigen Versen den Segen zu seinem Heimgang ertheilt hatte, sagte er noch: „Mein Heiland ich bin nun angezogen, komm u. nimm mich zu Dir!“ Und damit entschlief er.
[215]
Der Gemein-Gang in diesem Monat war ungestört und mit der Nähe Jesu gesegnet.
Zum heiligen Abendmahl gelangte zum erstenmal mit der Gemeine der Ledge Bruder Christoph Thomasius.
An unserm Gemeintage wurden die Knaben Friedemann August Weidenbach, Johann Balke und Christ. Staphenbeck; und das große Mädgen Maria Magdalena Christiane Neubauerin in die Gemeine aufgenommen.
Zur Gesellschaft der Stundenbeter wurden in diesem Monat von neuem einige hinzu gethan, welches große Freude verursachte.
D. 19ten hielt der Herr Superintendent von Ichtershausen das Sommer-Examen auf eine sehr freundschaftliche Weise, und zu seiner Zufriedenheit.
D. 24ten kamen unsre lieben Geschwister Johannes Verbeeks von ihrem Besuch in Zelle wieder bey uns an.
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Einer der merckwürdigsten Vorgänge dieses Monats ist unsrer geliebten Geschwister Lorezens, Gregors und Schweinizens Abreise nach Nord-America die den 1ten huj. vor sich ging, nachdem den Abend zuvor ihre mit zärtlichen Thränen begleitete Abfertigung geschehen war. Die ganze Unitaets-Aeltesten-Conferenz kam dazu von Hennersdorf hieher, und vereinigte sich mit der hiesigen Abendmahls-Gemeine, welche mit obgedachten lieben Pilgern den Lobe-Kelch theilte, den ewigen Bund auf Jesu Blut und Todt erneuerte, und sie der Gnade unsers Herrn, der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des heiligen Geistes herzlich empfahl.
Die Festtage dieses Monats hatten ihre eigene Signatur.
1.) An dem unvergeßlichen 13tn Aug. versammlete sich die Gemeine früh um 8 Uhr auf dem Saal. Bruder Johannes erzehlte die Geschichte des Tages unter einem sanften Wehen des Geistes. Bald darauf gingen die Communicanten in Procession nach [217] Berthelsdorf in die Kirche, wo Bruder Kohler im Namen der Gemeine eine sünderhafte Beichte ablegte, die mit vielen Thränen begleitet wurde.
Darauf folgte der Sacramentliche Genuß des Leibes und Blutes unsers Herrn unter einer durchdringenden Gnade. Bruder Böttger als Pastor Loci consecrirte; die Brüder Johann Friedrich Reichel und Anders administrirten und Bruder Johannes Liturgisirte.
Dieses that er auch nach dem wir von Berthelsdorf zurück gekommen, bey der Nach-Communion. Erstmalige Mitgenoßen an diesem hohen Gute waren der Ledige Bruder Siegmund Leschinsky, der Knabe Joh. Ludwig Würz, die ledige Schwester Magd. Krämerin und die Mädgen Christ. Jaehnischin u. Ann. Dor. Winbergin.
Nachmittag hatten die Schwestern und dann die Brüder ein seliges Anbeten und danckten zu Jesu Füßen für die unaussprechliche Sacramentliche Gnade. Zum Schluß des Gnaden-Tages wurde noch der Segen des Herrn auf die Gemeine gelegt.
[218] 2.) Die kleine Mädgen feyerten d. 17ten ihr Fest. Sie hatten einen mit der Nähe des Kinder-Freundes begleiteten Morgensegen, Nachmittag ein schönes Liebes-Mahl, und unter ihrer Homilie und dem Anbeten zeugten die naßen Wangen vom Herz-Gefühl dieser Unmündigen.
3.) Die Ledigen Brüder melden von der Feyer ihres Chorfestes folgendes: „Wir machten einen sehr sünderhaften, aber auch fühlbar begnadigten Beschluß unsers Chor-Jahres unter vielen Thränen, welche uns die unendliche Gedult, Treue und Barmherzigkeit unsers Herrn auf einer, und unsre Unachtsamkeit, Untreue und manigfaltige Vergehungen auf der andern Seite auspreßten. Am 29ten that unser lieber Herr große Barmherzigkeit an unserm Chor; das können wir Ihm mit Gefühl unsers Herzens nachrühmen. Er war in allen Versammlungen in unsrer Mitte. Ins Chor wurden 13 Jünglinge aufgenommen. Der tiefe Eindruck, den das Fest-Lied beym Liebesmahl und die darauf folgende Homilie gemacht, wird wol nicht vergeßen [219] werden. Das Liebes- u. Friedens-Gefühl in der ganzen Gemeine war tröstlich und erfreulich. Den Beschluß dieses Segenstages machten wir mit einer seligen Chor-Communion. Unser lieber Herr gebe uns Gnade, den Frieden, den Er auf uns gelegt, in einem sünderhaft danckbaren Herzen zu bewahren.“
Am 5ten Aug. kamen die Diaspora Knaben 110 an der Zahl hier zusammen und hatten unter andern Versammlungen ein Liebes Mahl.
Am 19ten versammlete sich der Berthelsdorfer District, und hatte einen so seligen Tag, daß Herz und Augen übergingen.
Zur Heiligen Ehe sind verbunden worden d. 5ten der ledige Bruder Christ. David Hans mit der ledigen Schwester Anna Elisabeth Neumannin, und der ledige Bruder Georg Andreas Buch mit der Ledigen Schwester Susanna Loreyin; und d. 26ten Bruder Ruhbusch mit der Schwester Mariane Duchesse.
Unsre Geschwister Ernst Siegmund v. Gersdorffs wurden durch die Geburt eines Söhnleins erfreut, welches d. 6ten bald nach der Geburt, als ein schwächliches 7monatliches Kind, mit Namen Carl Christian Siegmund [220] getauft wurde.
Bruder Deber trat mit seiner Familie seine Reise nach Schweden an. Hingegen kam Bruder Haefner von seinem Besuch im Würtembergischen zurück, wo er viele nach Gnade im Blute Jesu verlangende Seelen, gefunden und gesprochen.
Bald nach dem Anfang dieses Monats segnete uns der Heiland, bey Gelegenheit des Besuchs der lieben Geschwister Spangenbergs. Er predigte am 5ten über Röm. 8. von der Kindschaft Gottes und dem Beweiß derselben, zu einer großen Versammlung, darunter viele von fremden Orten waren, und der Heiland segnete das Wort. An diesem und den folgenden Tagen hatte jedes Chor eine Homilie; auch wurden verschiedene Conferenzen gehalten. Am 7ten reisten sie nach Niesky. Bruder Clemens ging bis Klix mit, woselbst unsre lieben Geschwister Benadens von Geschwister Spangenbergs in ihrer neuen Station, dahin ihn der Heiland von Milckel an des seligen Pastor Franzens Stelle gerufen, herzlich gegrüßt wurden. Am 3tn Sontag nach Trinitatis hat er in Klix seine Anzugs-Predigt [221] mit Segen gehalten, und die Gemeine in Klein-Welcke, der er unverändert mit vieler Liebe dienet, segnet und empfiehlt ihn dem Herzen Jesu.
D. 13ten Aug. begingen die Abendmahls-Geschwister mit einer gesegneten Erinnerung an diesen Gedencktag, und einem Gebet auf den Knien. D. 16ten nahm der Heiland den kleinen Peter Kretschmer in seinem 11ten Jahr an der Auszehrung, die sich auf die im vorigen Jahr gehabten Masern einfand, zu sich. Er war anno 1760 in Dölen geboren, wo seine Eltern zu unsern Societaets-Geschwistern gehörten; kam vor 3 Jahren in die hiesige Anstalt, war ein Lencksames und Gefühliges Kind, auch bey seinem Kranckseyn, wie ein Schäfgen. Da bey 16 Kinder hier an den Blattern lagen, so konte man am 17ten das Mädgen-Fest nicht Begehen, weil die krancken Kinder zu verlegen drüber waren, es nicht mit zu begehen; daher es bis zur Genesung verschoben wurde. Vom 23ten bis 25ten waren die lieben [222] Brüder Kohler und Lucius bey uns. D. 24ten kam die Schwester Somerin mit einem Söhnlein nieder, welches Bruder Clemens d. 25ten mit Namen Andreas Ludwig in Jesu Todt taufte. Am ledigen Brüder-Fest d. 29ten waltete die Gnade Jesu in ihrer und der Gemeine Mitte, und die Communicanten des Chors hatten den Bundes-Kelch.
/: Ueberhaupt[WS 27] ist aus den Berichten der Gemeine anzuführen, daß die in den Monat August einfallenden Fest und Gedencktage von den Gemeinen mit Segen begangen worden, und ins besondre die ledigen Brüder ihr Chor-Fest in den meisten Gemeinen mit einer seligen Chor-Communion beschloßen haben :/
wird noch besonders gemeldet: Die schönen und merckwürdigen Loosungen und Texte dieses Monats, haben unsern Herzen eine angenehme Weyde gegeben und uns unsre Gnadenwahl von neuem wichtig und groß gemacht und der liebe Heiland hat uns dabey unsern Trost aus Seinem [223] Tod gnädig fühlen laßen.
D. 11ten genoß der ledige Bruder Daniel Schubert zum erstenmal mit der Gemeine das Mahl des Herrn. In die Gemeine wurde am 26ten der Knabe Sam. Gottlieb Kramsch auf genommen.
An der Freude die das ganze Land über die Geburt eines Prinzen hatte, welchen Gott der Gemahlin des Prinzen von Preußen geschenckt, nahmen auch wir besondern Antheil, und danckten Ihm dafür. Wir thaten solches am 19ten in der Kirchen-Litaney bey der Fürbitte für unsern König mit den Worten: „Wir dancken Dir, Herr, allmächtiger Gott, daß Du durch die glückliche Entbindung der Gemahlin des Prinzen von Preußen dem Königlichen Hause und dem ganzen Lande zur Freude einen Prinzen Friedrich Wilhelm hast laßen geboren werden. Erhalte diesen Prinzen durch Deine Gnade zur Freude des ganzen Landes und laß ihn Leben und auf wachsen zu Deinem Wohlgefallen, Amen!“
[224] Von Gnadau kam d. 17tn der Bruder Christian Ludwig Brau, welcher bey unsers lieben Bruder v. Heithausens Söhnen die Information übernimmt. Unsern Nachbarn in Thomaswalde hatten wir, bey abermals[WS 28] entstandenen Feuer, Gelegenheit Thätige Hülfe zu leisten.
In die ewige Ruhe ist eingegangen der verehlichte Bruder Gottfried Durich von Losswiz, am 23ten huj. im 48ten Jahr seines Alters.
Unser lieber Herr hat sich als der Gnädige und Barmherzige Heiland unter uns erwiesen, der uns bey allem unserm Elend u. Gebrechen freundlich anblickt und selber tröstet, als der gute Hirte der das verirrte sucht und wieder zurechte bringt, der Seine Schäflein weydet, und ihnen nichts mangeln Läßt an irgend einem Guten.
Am 13ten wurde in der Singstunde der Bau des Ledigen Brüder-Hauses, wozu heute der Grund gelegt worden, ins Andencken gebracht.
[225] D. 16ten ging unser lieber König mit seinem Gefolge hier durch, und es gab Gelegenheit dem Prinzen von Preußen im Namen der Brüder-Gemeinen, zu dem neu gebornen Prinzen zu gratuliren.
D. 17ten hatten 5 Mädgen ein Liebesmahl und Homilie und hiemit wurde der Anfang zu einem Mädgen-Chor gemacht.
D. 26tn wurde der ledige Bruder Martin Honigberger aus Siebenbürgen, die ledige Schwestern Maria Elis. Kahlin Catharina Elisabeth Riemerin und Anna Johanna v. Marschall in die Gemeine aufgenommen.
Zu uns sind in diesem Monat gekommen:
1.) der Bruder Gottfried Findekler von Gnadenberg, welcher am 8tn in der Versammlung des ledigen Brüder-Chors zu seinem künftigen Chor-Diener-Amt, wozu er durch den Bruder Gebauer wird eingeleitet werden, mit einigen Versen gesegnet wurde.
2.) Die Schwester Anna Calkerin von Gnadenberg, welche die Stelle der seligen Schwester Susanna Munzky bey den ledigen Schwestern bis zu [226] ihrer Besezung versehen wird.
Unter andern sind zum Besuch hier[WS 29] gewesen: Der Obrist-Lieutnant Vohrmann und der Fähndrich Melzer, und unser Bruder v. Gablenz von Welmiz, der sich an unsre Gemeine wieder anschließt und etliche wochen hier bleiben wird.
Aus unsrer Mitte hat der Heiland zu sich heim genommen, das Liebe Kind Henriette Louise Raymond in der 20stn Woche ihres Alters.
In der Bibel-Lection welche sehr gesegnet ist, sind wir nun zu den Briefen der Apostel gekommen, und haben mit den Briefen an die Thesalonicher angefangen.
D. 10ten trafen Geschwister Klosens bey uns ein, und sezten d. 13ten mit dem ledigen Bruder Christ. Franz von hier, ihre Reise nach Jamaica weiter fort.
Am Abendmahls Tag d. 11ten wurde die ledige Schwester Maria Christ. Wachtelin und das große Mädgen [227] Eva Juliana Schröerin zum heiligen Abendmahl confirmirt, und ihnen und uns erinnerlich gemacht, wie viel es zu sagen habe, daß auch wir zum Blut der Besprengung gekommen sind.
D. 26ten war Bruder Strack auf wiederholte Invitation in Tanna und predigte daselbst Nachmittags in der Stadt-Kirche.
Am 27ten hatte die Beter-Gesellschaft, die nach einer gemachten Veränderung nun mehr aus der ganzen Abendmahls-Gemeine Besteht, ihre erste Zusammenkunft, und theilte unter einem seligen Gottes-Frieden den Lobe u. Verbindungs-Kelch unter sich.
Heimgegangen ist: Am 23ten der Ledige Bruder Joachim Beckendorff. Er war anno 1734 in der Altmarck geboren, kam anno 59 hieher zur Gemeine und wurde in den folgenden Jahren der Gemein-Gnaden theilhaftig. In seinen Personalien schreibt er unter andern: „Am 28tn Sept. 1760. [228] war der selige Augenblick, da sich mein blutiger Versöhner in seiner Marter und Todes-Gestalt meinem armen Herzen offenbarte, und mir die Versicherung gab, daß ich nun Sein ewiges Eigenthum seyn und bleiben solle. Diesen Tag hab ich seit dem als einen meiner grösten Fest- und Gedencktage gefeyert, und wird mir auch bis zum Leiblichen Schauen Seines Antlizes unvergeßlich bleiben“.
Er war ein geliebter und in seinem Chor legitimirter Bruder, hatte immer einen Trieb, dem Heiland unter den Heiden zu dienen; Der nahm ihn aber in seinem 36tn Jahr selig in die Obere Gemeine.
[229]
Wir hatten in diesem Monat[WS 30] verschiedene remarquable Segens-Tage. Dahin rechnen wir sonderlich d. 11tn, da wir das Mahl unsers Herrn auf eine selige Weise hielten. Die lieben Geschwister von Treydens, Joachim Meyers von Marienborn, Powalkens, die Schwester Krügelsteinin und der Diaspora-Bruder Cordes aus Stendal genoßen dasselbe mit uns. Der ledige Bruder Jacob Daniel Reichel, und der Jüngling Johann Lorenz Borchers wurden confirmirt und deßelben zum erstenmal in der Gemeine theilhaftig.
Am 13ten Nachmittags hielten wir mit einander und mit denen zu uns zum Besuch gekommenen Geschwistern und Bekannten ein vergnügtes Liebesmahl, dabey wir uns zugleich an den heurigen Erndte-Segen, der [230] reichlicher auszufallen scheint, als man im Frühjahr dencken konte, danckbarlich erinnerten.
Uebrigens ist noch anzumercken:
1.) Der Verlaß des vorjährigen Synodi ist der Abendmahls-Gemeine in gewißen dazu aus gesezten Stunden in kurzen Lectionen wieder vorgelesen worden.
2.) Auf einen kurzen Besuch hatten wir unsre lieben nach America reisende Geschwister Lorezens, Gregors und Schweinizens in den ersten Tagen des Monats bey uns. Bruder Gregor hielt am 5ten die Gemeinstunde zur Freude und Segen aller Geschwister, denen er sich und seine Reise-Gesellschaft ins Andencken empfahl.
3.) D. 23ten erfreute der Heiland unsre lieben Geschwister Krebsens mit der Geburt eines Söhnleins u. eines Töchterleins. Beyde lieben Kinder wurden in der Mittags-Versammlung am 24ten von den Brüdern Stock und Cunow unter einem fühlbaren Gnaden-Wehen in den Todt Jesu getauft. Das[WS 31] [231] Mägdlein erhielt den Namen Carolina, Dorothea Mariane u. das Knäblein Gottlieb Friedrich Christian.
4.) In die Gemeine sind am 26tn aufgenommen worden die Ledige Schwestern Anna Elisabeth Noakin und Maria Elisabeth Karrenbachin.
5.) Von hier und in andre Gemeinen sind gereist die Brüder Becklind und Cossardt nach Neuwied, Friedrich v. Damniz und Wilhelm Schober nach Herrnhuth und Gnadenberg, und Ernst Julius v. Seidliz über Herrnhuth nach Gnadenfrey.
Gnadau ist mit einem Kinde, dem Töchterlein der Geschwister Wiegmanns aus der Anstalt in Herrnhuth vermehrt worden.
Wir sind diesen Monat unsern Gang im Friede Jesu Christi selig fortgegangen, u. in der Erndte-Arbeit hat der Herr bisher auch gnädig durchgeholfen, und alles gut von statten gehen laßen. Den ledigen Brüdern war die [232] Feyer ihres Chor-Festes besonders gesegnet, wie sie es sämtlich bezeugen. Beym Liebesmahl wurde aus einem von Bruder Auerbach in S. Thomas eben eingelaufenen Schreiben sein Gruß an die hiesigen bekannten ausgerichtet, und sonst manches erfreuliche von den Negern Communicirt.
Dieser Monat hat sich insonderheit durch verschiedene Begnadigte Fest- und Gedenktage bey uns distinguirt. So war der 13te Aug. ein seliger Tag für groß und Klein und die durchgängige Sehnsucht war uns[WS 32] eine neue Geistes-Taufe aus Jesu Wunden.
D. 17ten machten sich insonderheit unsere Mädgen zu Nuze.
Den Ledigen Brüdern war der 29te ein wahrer Segens-Tag, da sie die Worte des Textes: Er erquiket meine Seele p. auf die realste weise im heiligen Sacrament erfuhren.
Die Wittwen machten sich die schöne Loosung am 25tn vom Schmecken [233] und Sehen, wie freundlich der Herr ist, in einer begnadigten Chor-Communion seliglich zu Nuze.
Und die Beter-Versammlung erneuerte am 27ten ihren Beruf zu Gebet und Fürbitte bey einem seligen Lobe-Kelch.
Sonst hatten wir auch in dem Monat das Vergnügen unsre liebe Geschwister Lorezens und Gregors nebst ihrer Gesellschaft auf ihrer Durchreise nach Pensylvanien, vom 13ten bis 23tn in unsrer Mitte zu haben, da sie dann nebst den Geschwister Englers und der Schwester Betty Syms von hier weiter nach England reisten. Der ledige Bruder Gottlob Jung resolvirte sich, in ihrer Gesellschaft mit nach Pensylvanien zu gehen.
Aus Neusalze kam die ledige Schwester Anna Barbara Hanhartin zum Bleiben hier an. Sie hatte die Reise hieher in Gesellschaft der Geschwister Klosens und des Bruder Christian Franz gethan, die sich auf ihrer Pilgerschaft nach Jamaica einige Tage bey uns aufhielten, in welcher [234] Zeit auch der Bruder Franz zum Acoluthen in einer Versammlung der Gemeine angenommen wurde.
Aus Copenhagen war ein lediger Bildhauer, Namens Nieburg hieher gekommen, und nach einem Auffenthalt von etlichen Wochen bekam er auf seine Bitte die Erlaubniß hier zu bleiben.
An unserm Gemeintag wurde der ledige Bruder Nic. Olsen in die Gemeine auf genommen.
Am 27tn nahm der Heiland unsern lieben alten Bruder Gillis van Meekern aus dem ledigen Brüder-Chor im 76tn Jahr seines Alters selig zu sich. Er war nechst dem seligen Bruder Pet. Schwerdtner, der im Jul. 1762 in seine ewige Ruhe einging, der einige, der bey allen veränderungen und schweren Umständen, die das ehemalige Gemeinlein zu Harlem betrafen, in seiner ersten Verbindung mit der Gemeine unverrückt blieb, seine Gliedliche Gemeinschaft mit derselben einfältig fortsezte, sich in dieser Absicht von [235] Zeit zu Zeit am Leib und Blute des Herrn im heiligen Sacrament mit der Gemeine stärckte, und solcher Gestalt so lange in Harlem aushielt, bis ihm der liebe Heiland voriges Jahr Weg und Bahn machte, seinen schon lange gehabten sehnlichen Wunsch, seine Tage in einer Orts-Gemeine verbringen zu können, am Ende selig zu erreichen; worüber er so froh u. danckbar war, daß er zu allen, die ihn besuchten zu sagen pflegte: Ach helft doch dem Heiland mit mir Dancken, für alle Barmherzigkeit, die Er an mir gethan hat und noch thut.
Am 15ten Aug. kamen die Brüder Anton und Brown von ihrem Besuch in Schottland vergnügt und wohl zurück. Erstrer machte darauf mit seiner Frau einen [236] Besuch in den Gemeinen im North, und bezeugt, daß unter denselben die Gnade und Barmherzigkeit unsers lieben Herrn deutlich zu sehen und zu fühlen sey.
Im äußerlichen haben es die Geschwister sehr hart, und die Lebens-Mittel sind überaus theuer.
In Gracehill sind 2. Ledige Schwestern, und in Ballinderry ein verehlichter und ein lediger Bruder zum heiligen Abendmahl gelangt, u. zwey in der Irre gewesene dazu readmittirt; in die Societaet sind 9 Personen aufgenommen worden. Zur heiligen Ehe ist verbunden worden, ein Paar.
2 Kinder sind geboren und getauft worden, und eine verheurathete Schwester ist Heimgegangen.
[237]
Daß der Coptische Metropolitan in Abyssinien das Zeitliche gesegnet, und der verstorbene Patriarch Marcus, der 106te bey seinen Lebzeiten einen andern Metropoliten ernannt und ordinirt, und ich solchen mit Bruder Danke besucht, und bekantschaft mit ihm gemacht habe; davon ist in unserm Diario Nachricht gegeben. Dieser Metropolitian wird nun in etlichen Tagen nach Suez, und so weiter nach Abyssinien abreisen. Er hat nur so lange gewartet, bis ein neuer Coptischer Patriarch ist erwehlt worden. Dieser ist am 22ten Oct. hier in Cairo angelangt, nachdem er in der Nacht zwischen dem 21ten u. [238] 22ten Octob. in einem Closter bey Alt-Cairo zum Patriarchen war eingeweyht worden. Mit meinem lieben Bruder Dancke lebe ich recht einträchtiglich, und in einer zärtlichen Herz-Connexion, und unser lieber Herr ist nach Seiner gnädigen Verheißung der dritte Mann in unsern Singstunden, Liturgien, Unterredungen und Abendmahlen, und bekennt sich gnädiglich zu uns armen. Seine Marter, Angst und Stich trösten uns täglich und der selige Umgang mit Seiner theuren Marter-Person erleichtert uns das elende Cairinische Leben, und versüßet uns die Bitterkeit deßelben. Wenn man sieht und erfährt, wie alles so stock Finster in diesen Gegenden ist, und wie die Herzen so erstaunlich vernagelt sind, und alle Thüren noch verrigelt sind, so wird einem oft ganz Bange und ängstlich ums Herz. Jedoch tröstet Er uns wieder mit seiner lieben Nähe, und wenn wir Ihm sein Wort vorhalten, daß wir auf Seinen Befehl hier sind, so legt [239] er uns in Gedult, und heist uns warten bis Er macht. Im äußern hat uns unser lieber Herr bisher so durchgeholfen, daß wir keinen Mangel gehabt haben. Ich werde wol für meine Mühe und Arbeit von vielen schlecht bezahlt, ich wolte aber alles nicht achten, wenn man nur ein verlegenes Herz anträfe, dem man etwas vom Heiland sagen könte. Wir bitten das ganze Volck der Gnaden-Wahl, das in Jesu blutigem Verdienst weidet, von uns zu grüßen. Gedencket an uns, und unsrer Umstände, und fleht mit uns zum Herrn, daß Er bald anfangen möge, auch hier in Orient Seinen Schmerzens-Lohn einzusammlen.
Was für eine Freude bruder Antes
bey seiner Ankunft in Cairo d. 10ten
Febr. uns verursacht hat, kan ich
nicht aus drücken. Gottlob! daß
er nun bey uns ist. Ich hoffe
und glaube, daß wir recht selig,
vergnügt und Brüderlich mit
[240] einander Haus halten werden. Bruder
Danke krigt in seiner Tischler-Arbeit
immer mehr zu thun und macht was er
kan. Er ist oft selbst verlegen
darüber, daß er nicht geschwinder
und beßer arbeiten kan, ich muß
ihn oft darüber trösten. Denn obs
gleich langsam geht, so sind die Leute
doch mit seiner Arbeit zu frieden,
ja sie preisen sie. Freylich wünsche
er und ich, daß wir einen guten
und geschickten Tischler-Bruder hier
hätten, bey welchem Bruder Danke als
Gesell Arbeiten könte; so könte er
auch ein wenig mehr aus gehen, mit
Leuten Conversiren, in der Sprache
worinn er einen hübschen Anfang
gemacht, mehr profitiren, und
sich hauptsächlich nach Seelen umsehen,
welches doch unser erster und
Haupt-Zweck ist. So aber, weil
der Arbeit zu viel ist, u. ihn
jedermann treibt, die bestelte
Arbeit fertig zu machen; kan
er nicht viel in der Woche ausgehen;
wenn ein guter Töpferischler-Bruder
nach Cairo käme, so würde
es auch dazu dienen, daß wenn
[241] zwey oder 3 Brüder nach Abyssinien
gingen /: als worauf ich sehr dencke :/
die Tischlerey hier in Cairo fortgehen
könte; denn die Leute sehen mehr
darauf, als auf die Medicin,
weil solche Arbeit eines guten Tischlers
hier ganz was neues ist. Meine Situation
hier in Cairo ist würcklich
ganz apart; Ich muß so vielerley
Personen vorstellen, und es deucht
mich immer, es wird in keiner
Absicht der rechte Zweck erreicht,
und das macht mich zuweilen verlegen.
Ich führe und besorge die
Oeconomie, die so klein sie ist,
doch will besorgt seyn; ich muß
in Qualitaet eines Medici der
Erwerber seyn, und meine Haupt-Sache
ist doch, des Heilands Sache
in hiesiger Gegend und in Specie
Abyssinien zu observiren u. zu
besorgen. Wenn ich nur wenige
Patienten habe zu bedienen, sie täglich
besuche und über ihren Zustand
vor dem Heiland dencke, u.
dann die Arzneyen selbst bereite
und dispensire, so geht die meiste
Zeit des Tages so dahin, daß
[242] ich an den Haupt-Plan, ja an die
Arabische Sprache nicht einmal dencken
kan.
Dazu kommt, daß meine Praxis mehrentheils leider! unter Türcken ist und ich unter ihnen immer mehr und mehr, meiner Intention und Zweck entgegen, bekannt werde und zu ihnen gehen muß, denn außer wenig Griechen, habe ich fast gar niemanden von catholischen Christen und von den Copten gar niemanden, weder reich noch arm zu bedienen.
Hier in Cairo sind bis daher die Griechen unsre besten Freunde, und man findet unter ihnen recht hübsche Leute. Wir reden oft mit einander davon, ob uns der liebe Heiland nicht noch einmal eine Griechische Diaspora hier wird sehen laßen. Wer weiß was unser Herr Jesus Christus noch vor Friedens-Gedancken über Egypten hat. Sein theuer erworbener Schmerzens-Lohn muß Ihm auch noch aus [243] Egyptenland gebracht werden. Wie lang es noch währen soll, ehe man hier den Anfang der Erndte des Herrn sehen wird und ob wirs erleben werden, das weiß Er. Es ist Ihm aber auch bekannt, daß es uns eine große Gnade seyn würde, wenn wir auch noch ein paar Garben machen könten, die dereinst in Seine Scheuer gasamlet würden. Seit dem unser lieber Bruder Antes bey uns ist waltet ein ganz neuer Segen unter uns, und wir sind dem lieben Heiland für ihn danckbar. p.
/: NB: Das Diarium der Brüder in Cairo, das mit diesen Briefen gekommen, ist in der Beylage Sub No VIII. Befindlich :/
Der Unterricht der Jugend in diesem Monat war nach Anleitung der Sprüche u. Verse, die sie wöchentlich lernen.
Das Sacrament der heiligen Taufe empfiengen am 23ten die Töchterlein[WS 33] [244] der Geschwister Wesselys mit Namen Ludomilla, und am 28ten das der Geschwister Georg Prochaskens, mit Namen Maria.
Zur heiligen Ehe sind verbunden worden, der ledige Bruder Siemeon Machatschek und die ledige Schwester Elisabeth Wachitschekin, beyde geborne Rixdorfer. Das große Mädgen Anna Swobodin wurde in die Gemeine aufgenommen.
An der Freude des ganzen Landes über den der Gemahlin unsers lieben Prinzen von Preußen von Gott am 3ten Aug. geschenckten Prinzen nahmen wir herzlichen Antheil und sungen am 5ten ein Solennes Te Deum Laudamus mit untermischten Danck- und Bitt-Versen, für dieses theure Geschenck und das ganze Königliche Haus.
Geschwister v. Treydens und die Schwester Krügelsteinin kamen am 18ten hier an, besuchten in Rixdorf zu unsrer Freude und Vergnügen, und gingen d. 21ten mit der Schwester Brodersin weiter nach Curland ab.
[245] Nebst andern aus der Gemeine besuchenden war auch ein Apothecker, Namens Ranner hier, der in Herrnhuth ¾ Jahr in der Apothecke bey Bruder List gewesen, dann zur Kayserlichen Armee gegangen und Feld-Apothecker worden, eine Frau aus Eubau geheurathet, und nun zu Hirschfeld in Hessen bey seinen Eltern wohnt. Er hatte sichs gut behalten, woraufs beym Seligwerden ankommt.
1.) In Berlin der verheurathete Bruder Wenzel Gitschinsky d. 8ten Aug. Er war anno 1724 zu Locheniz in Böhmen geboren, und wurde durch einen Mann von Zittau, der manchmal dahin kam, samt seines Vaters ganzen Hause erweckt. Er krigte den Mann sehr lieb und suchte ihn überall auf, wo er ihn nur zu finden gedachte. Anno 1736 ging er mit seinen Eltern aus dem Lande, da sie nach Schönbrunn bey Groß-Hennersdorf, und nicht lange darauf nach Cotbus und endlich nach Berlin zogen. Man rieth ihm zu studiren; er wolte aber [246] nicht und sagte: Ich mag kein Geistlicher werden; lieber will ich ein einfältiger Mann bleiben; ich möchte mehr sündigen als gutes thun; und erlernte denn die Weber-Profeßion. Mit seiner ersten Frau hatte er 5 Kinder, davon noch 4 hier sind; und anno 68. trat er zum andern mal in die Ehe, mit der nunmehrigen Wittwe, die ihm ein Töchterlein gebar und aus ihrer vorigen Ehe 3 Kinder mit brachte. In seiner Arbeit war er sehr fleißig, fast über vermögen. Seine Art war stille und friedsam, und er stund mit dem Heiland in einem sünderhaften Umgang. Zwey von den hinterlaßenen Kindern haben die Brüder des Aufseher-Collegii anderswo unter gebracht, damit die Wittwe eine Erleichterung kriege.
2.) In Rixdorff am 18ten der Bruder Martin Pechatschek. Er kam anno 1736 mit seiner ersten Frau, samt andern Böhmen aus [247] Gerlachsheim hieher, wurde vom Heiland angefaßt und gelangte in den Jahren 57 und 58 zu den Gemein-Gnaden, wurde aber in den lezten Jahren untreu, durch Sorgen der Nahrung und dergleichen, daß er ganz trocken wurde, und Aergerniß halber aus den Versammlungen der Abendmahls-Geschwister ausgeschloßen werden muste; in den lezten Tagen kamen allerley Unglücks-Fälle über sein Haus. Er wurde von einem Soldaten gehauen; eines von seinen Kindern wurde von einem Pferde gefährlich gequetscht und eines brach das Bein. Bruder Hirschel besuchte ihn, und redete ihm zu Herzen. Er seufzete und wünschte, daß sich der Heiland über ihn erbarmen möchte, und einige Stunden darauf schied seine Seele in beyseyn seiner Kinder hurtig aus der Hütte.
[248]
In diesem Monat haben wir eine neue Treppe zu unserm Saal hinauf bekommen, da die vorige sehr steil und gefährlich war. Bey der Gelegenheit sind auch die Bäncke auf dem Saal schicklicher rangirt worden. Bey unsern Communion-Agapen am 13ten Aug. wurde unter andern etwas aus einem Schreiben unsers lieben Bruders Friedrich v. Watteville darinnen er sein treues Andencken u. Hofnungs-volles Herz über Norden, auf seinem Kranckenlager darlegt, zu besonderer Freude der Geschwister Communicirt.
An dem Chorfest der ledigen Brüder nahmen die in der Gemeine gewesene ledige Brüder mit den zween hiesigen bey einem Liebesmahl den herzlichsten Antheil.
Uebrigens sind in dem Monat [249] alle Sontag Nachmittag Gemein-Nachrichten und in der Woche mehrmalen Reden gelesen worden, zur Freude u. Segen der Geschwister.
Wir müßen noch immer zum Preise unsers Heilands bekennen, daß ob wir uns gleich in einer Gegend befinden, die ohne eine besondre Aufsicht von unserm lieben Herrn, allerley anläuffen und überfällen exponirt ist, wir doch bisher in ungestörter Sicherheit gewohnt, und nach dem dermaligen Anschein, von feindlichen Anfällen nicht so leicht was zu befürchten haben. Im Gebürge halten die mit Rußland alliirte Georgianer die Feinde im Zaum und erhalten Vortheile über sie, davon vor kurzen die Sieges-Zeichen hier durchgegangen. Die Cabardiner, ein sonst [250] fürchterliches Volck, haben sich grösten theils unter Rußischen Schuz begeben, und weil sich alle Feinde im Gebürge nach ihnen zu richten pflegen, so vergeht den Cubanischen Tartaren auch der Muth, ohne Unterstüzung der Cabardiner ein mehreres zu unternehmen. Dem ohngeachtet stehen die Calmucken am Cuban-Fluß, um ihre Bewegungen zu observiren und ihren Streifereyen Einhalt zu thun; haben sie auch diesen Sommer wie es heißt, so weit reducirt, daß sie sich zum Theil für Rußland erklärt, zum Theil 1500 Werste weit geflüchtet haben. In kindlicher Zuversicht auf den, der uns geheißen hat, hier ein Christen-Dörflein zu erbauen, haben wir uns auch bisher nicht abschrecken laßen, nach unserm ersten Plan fort zu machen, um die ersten Jahre so viel möglich zu Nuzen und dadurch, daß wir auf eine Art vesten Fuß faßen, auch unsrer verliehenen Privilegien bey zeiten zu geniessen.
[241] zwey oder 3 Brüder nach Abyssinien gingen /: als worauf ich sehr dencke :/ die Tischlerey hier in Cairo fortgehen könte; denn die Leute sehen mehr darauf, als auf die Medicin, weil solche Arbeit eines guten Tischlers hier ganz was neues ist. Meine Situation hier in Cairo ist würcklich ganz apart; Ich muß so vielerley Personen vorstellen, und es deucht mich immer, es wird in keiner Absicht der rechte Zweck erreicht, und das macht mich zuweilen verlegen. Ich führe und besorge die Oeconomie, die so klein sie ist, doch will besorgt seyn; ich muß in Qualitaet eines Medici der Erwerber seyn, und meine Haupt-Sache ist doch, des Heilands Sache in hiesiger Gegend und in Specie Abyssinien zu observiren u. zu besorgen. Wenn ich nur wenige Patienten habe zu bedienen, sie täglich besuche und über ihren Zustand vor dem Heiland dencke, u. dann die Arzneyen selbst bereite und dispensire, so geht die meiste Zeit des Tages so dahin, daß [242] ich an den Haupt-Plan, ja an die Arabische Sprache nicht einmal dencken kan.
Dazu kommt, daß meine Praxis mehrentheils leider! unter Türcken ist und ich unter ihnen immer mehr und mehr, meiner Intention und Zweck entgegen, bekannt werde und zu ihnen gehen muß, denn außer wenig Griechen, habe ich fast gar niemanden von catholischen Christen und von den Copten gar niemanden, weder reich noch arm zu bedienen.
Hier in Cairo sind bis daher die Griechen unsre besten Freunde, und man findet unter ihnen recht hübsche Leute. Wir reden oft mit einander davon, ob uns der liebe Heiland nicht noch einmal eine Griechische Diaspora hier wird sehen laßen. Wer weiß was unser Herr Jesus Christus noch vor Friedens-Gedancken über Egypten hat. Sein theuer erworbener Schmerzens-Lohn muß Ihm auch noch aus [243] Egyptenland gebracht werden. Wie lang es noch währen soll, ehe man hier den Anfang der Erndte des Herrn sehen wird und ob wirs erleben werden, das weiß Er. Es ist Ihm aber auch bekannt, daß es uns eine große Gnade seyn würde, wenn wir auch noch ein paar Garben machen könten, die dereinst in Seine Scheuer gasamlet würden. Seit dem unser lieber Bruder Antes bey uns ist waltet ein ganz neuer Segen unter uns, und wir sind dem lieben Heiland für ihn danckbar. p.
/: NB: Das Diarium der Brüder in Cairo, das mit diesen Briefen gekommen, ist in der Beylage Sub No VIII. Befindlich :/
Der Unterricht der Jugend in diesem Monat war nach Anleitung der Sprüche u. Verse, die sie wöchentlich lernen.
Das Sacrament der heiligen Taufe empfiengen am 23ten die Töchterlein[WS 34] [244] der Geschwister Wesselys mit Namen Ludomilla, und am 28ten das der Geschwister Georg Prochaskens, mit Namen Maria.
Zur heiligen Ehe sind verbunden worden, der ledige Bruder Siemeon Machatschek und die ledige Schwester Elisabeth Wachitschekin, beyde geborne Rixdorfer. Das große Mädgen Anna Swobodin wurde in die Gemeine aufgenommen.
An der Freude des ganzen Landes über den der Gemahlin unsers lieben Prinzen von Preußen von Gott am 3ten Aug. geschenckten Prinzen nahmen wir herzlichen Antheil und sungen am 5ten ein Solennes Te Deum Laudamus mit untermischten Danck- und Bitt-Versen, für dieses theure Geschenck und das ganze Königliche Haus.
Geschwister v. Treydens und die Schwester Krügelsteinin kamen am 18ten hier an, besuchten in Rixdorf zu unsrer Freude und Vergnügen, und gingen d. 21ten mit der Schwester Brodersin weiter nach Curland ab.
[245] Nebst andern aus der Gemeine besuchenden war auch ein Apothecker, Namens Ranner hier, der in Herrnhuth ¾ Jahr in der Apothecke bey Bruder List gewesen, dann zur Kayserlichen Armee gegangen und Feld-Apothecker worden, eine Frau aus Eubau geheurathet, und nun zu Hirschfeld in Hessen bey seinen Eltern wohnt. Er hatte sichs gut behalten, woraufs beym Seligwerden ankommt.
1.) In Berlin der verheurathete Bruder Wenzel Gitschinsky d. 8ten Aug. Er war anno 1724 zu Locheniz in Böhmen geboren, und wurde durch einen Mann von Zittau, der manchmal dahin kam, samt seines Vaters ganzen Hause erweckt. Er krigte den Mann sehr lieb und suchte ihn überall auf, wo er ihn nur zu finden gedachte. Anno 1736 ging er mit seinen Eltern aus dem Lande, da sie nach Schönbrunn bey Groß-Hennersdorf, und nicht lange darauf nach Cotbus und endlich nach Berlin zogen. Man rieth ihm zu studiren; er wolte aber [246] nicht und sagte: Ich mag kein Geistlicher werden; lieber will ich ein einfältiger Mann bleiben; ich möchte mehr sündigen als gutes thun; und erlernte denn die Weber-Profeßion. Mit seiner ersten Frau hatte er 5 Kinder, davon noch 4 hier sind; und anno 68. trat er zum andern mal in die Ehe, mit der nunmehrigen Wittwe, die ihm ein Töchterlein gebar und aus ihrer vorigen Ehe 3 Kinder mit brachte. In seiner Arbeit war er sehr fleißig, fast über vermögen. Seine Art war stille und friedsam, und er stund mit dem Heiland in einem sünderhaften Umgang. Zwey von den hinterlaßenen Kindern haben die Brüder des Aufseher-Collegii anderswo unter gebracht, damit die Wittwe eine Erleichterung kriege.
2.) In Rixdorff am 18ten der Bruder Martin Pechatschek. Er kam anno 1736 mit seiner ersten Frau, samt andern Böhmen aus [247] Gerlachsheim hieher, wurde vom Heiland angefaßt und gelangte in den Jahren 57 und 58 zu den Gemein-Gnaden, wurde aber in den lezten Jahren untreu, durch Sorgen der Nahrung und dergleichen, daß er ganz trocken wurde, und Aergerniß halber aus den Versammlungen der Abendmahls-Geschwister ausgeschloßen werden muste; in den lezten Tagen kamen allerley Unglücks-Fälle über sein Haus. Er wurde von einem Soldaten gehauen; eines von seinen Kindern wurde von einem Pferde gefährlich gequetscht und eines brach das Bein. Bruder Hirschel besuchte ihn, und redete ihm zu Herzen. Er seufzete und wünschte, daß sich der Heiland über ihn erbarmen möchte, und einige Stunden darauf schied seine Seele in beyseyn seiner Kinder hurtig aus der Hütte.
[248]
In diesem Monat haben wir eine neue Treppe zu unserm Saal hinauf bekommen, da die vorige sehr steil und gefährlich war. Bey der Gelegenheit sind auch die Bäncke auf dem Saal schicklicher rangirt worden. Bey unsern Communion-Agapen am 13ten Aug. wurde unter andern etwas aus einem Schreiben unsers lieben Bruders Friedrich v. Watteville darinnen er sein treues Andencken u. Hofnungs-volles Herz über Norden, auf seinem Kranckenlager darlegt, zu besonderer Freude der Geschwister Communicirt.
An dem Chorfest der ledigen Brüder nahmen die in der Gemeine gewesene ledige Brüder mit den zween hiesigen bey einem Liebesmahl den herzlichsten Antheil.
Uebrigens sind in dem Monat [249] alle Sontag Nachmittag Gemein-Nachrichten und in der Woche mehrmalen Reden gelesen worden, zur Freude u. Segen der Geschwister.
Wir müßen noch immer zum Preise unsers Heilands bekennen, daß ob wir uns gleich in einer Gegend befinden, die ohne eine besondre Aufsicht von unserm lieben Herrn, allerley anläuffen und überfällen exponirt ist, wir doch bisher in ungestörter Sicherheit gewohnt, und nach dem dermaligen Anschein, von feindlichen Anfällen nicht so leicht was zu befürchten haben. Im Gebürge halten die mit Rußland alliirte Georgianer die Feinde im Zaum und erhalten Vortheile über sie, davon vor kurzen die Sieges-Zeichen hier durchgegangen. Die Cabardiner, ein sonst [250] fürchterliches Volck, haben sich grösten theils unter Rußischen Schuz begeben, und weil sich alle Feinde im Gebürge nach ihnen zu richten pflegen, so vergeht den Cubanischen Tartaren auch der Muth, ohne Unterstüzung der Cabardiner ein mehreres zu unternehmen. Dem ohngeachtet stehen die Calmucken am Cuban-Fluß, um ihre Bewegungen zu observiren und ihren Streifereyen Einhalt zu thun; haben sie auch diesen Sommer wie es heißt, so weit reducirt, daß sie sich zum Theil für Rußland erklärt, zum Theil 1500 Werste weit geflüchtet haben. In kindlicher Zuversicht auf den, der uns geheißen hat, hier ein Christen-Dörflein zu erbauen, haben wir uns auch bisher nicht abschrecken laßen, nach unserm ersten Plan fort zu machen, um die ersten Jahre so viel möglich zu Nuzen und dadurch, daß wir auf eine Art vesten Fuß faßen, auch unsrer verliehenen Privilegien bey zeiten zu geniessen.
[251]
Wir haben die Gnade unsers Herrn für viele uns in diesem Monat erzeigte Wohlthaten zu preisen. Dabey uns der Wunsch aufsteigt, daß wir mit einem Danckbaren ergebenen Herzen, Ihm immermehr zur Freude werden mögen.
Am 13ten Aug. hatte die ganze Gemeine ein Liebesmahl, und die Communicanten den seligsten Genuß des Leibes und Blutes unsers Herrn, daran der ledige Bruder Christoph Ernst das erste mal participirte. Den ledigen Brüdern machte der Heiland vor der gesegneten Feyer ihres Chorfestes die Besondre Freude, daß er am 28ten den ledigen Bruder Sebastian Greiner, der über ein Jahr ein sehr schmerzhaftes Kranckenlager gehabt, selig auflößte und zu sich heim nahm. Er hat dem auswärtigen Medico [252] mit seinem Betragen unter den schmerzhaftsten Operationen einen guten Eindruck gemacht.
Da unser lieber Bruder v. Lüdeke am 23ten unserm Durchlauchtigsten Landes-Herrn und dem ganzen Herzoglichen Hause in dem Lust-Schloß Ichtershausen aufwartete, hatte er nicht allein Gelegenheit, die gnädige Landes-Väterliche Gesinnung gegen unser Dörflein fortwährend wahrzunehmen; sondern unser Ort hatte noch an demselben Nachmittag die unvermuthete Freude, den Durchlauchtigsten Erb-Prinzen mit dem Herr Ober-Stallmeister v. Hardenberg bey sich zu sehen, die sich über 2½ Stunden allhier u. bey jeder Art der Arbeit, die hier gemacht wird, eine gute Zeit aufhielten. Sie schieden auf eine sehr gnädige Weise von uns, und kamen am 25tn mit Ihrer Gemahlin u. kleinen Prinzen; und den übrigen Fürstlichen Personen, noch einmal alles zu besehen, und nachdem Sie damit etliche Stunden verbracht, fuhren Sie Satisfait nach Ichtershausen zurück. Ein paar Tage [253] darauf kamen die Prinzeßin Schwester vom Erb-Prinzen wiederum hieher, und zeigten dem Dänischen Gesandten am Käyserlichen Hof, Graf v. Backhof den hiesigen Ort. Auch waren gleich zu Anfang des Monats, der Herr ErbPrinz von Sachsen Coburg hier, in Begleitung des Herr Geheimden Raths Hoffmanns und Ihres Hofmeisters, des Herr v. Schulenburg, die sich auch über das hiesige Etablissement in gnädigen Ausdrücken sehr zufrieden erklärten, so wie kurz vorher der Graf von Solms-Baruth mit seiner Familie.
Unser lieber Herr hat sich an Seiner hiesigen Gemeine und ihren Chören in diesem Monat auf vielfältige Art und Weise gar gnädig bewiesen. Er machte damit beym Schluß des vorigen Monats an dem ledigen Brüder-Chor den Anfang u. so continuirte er in den übrigen; da an den Lehrtagen jeder Abtheilung, gesegnete Chor-Homilien, nach Anleitung der Texte gehalten wurden.
[254] Das ledige Schwestern-Chor hatte am 5tn zugleich ein seliges Chor-Abendmahl, daran die ledige Schwester Catharina Sybilla Stabenbeckin, nachdem sie Tags vorher in der Versammlung der Abendmahls-Gemeine Confirmirt worden war, zu participiren die Gnade hatte.
Das Ehechor legte sich zum Schluß seines Chor-Jahres so wol in Gnadau, als in Barby mit dem Bekentniß seiner Sünderhaftigkeit zu den Füßen seines Herrn u. Hauptes, flehete mit Thränen um Seine gnädige Vergebung, hatte darauf das Pedilavium; Und so erfuhr es auch am 7ten Sein Bekentniß zu ihm. Zum Fest-LiebesMahl waren die Ehe-Geschwister in Gnadau nach Barby herein gekommen, u. so hatte auch das vereinigte Chor gemeinschaftlich eine sehr begnadigte Chor-Communion. Da die Witterung einige Tage sehr regnerisch gewesen und den Weg fast impracticable gemacht hatte so nahmen wir auch dieses mit frohem Danck an, daß es just so lange als unsre [255] Geschwister her und hin zu reisen hatten, von oben zimlich schön gewesen war. Die etlichen verwittweten Geschwister hatten am 8ten ebenfalls das heilige Abendmahl, dabey so wol den Communicanten, als den dabey dienenden Geschwister recht wohl ums Herz gewesen.
Auch unsern Kindern machte der Heiland d. 10ten in Barby u. d. 11ten in Gnadau zu einem Festtag. Sie hatten ein Liebesmahl und Homilie, worauf sie in einem herzlichen Gebet auf den Knien dem Kinder-Freunde zum Segnen ans Herz gelegt und zu Gnaden empfohlen wurden. Man merckte daß ihre Herzen weich waren. Am 16ten Sept. stellten sich an beyden Orten die Diener und Dienerinnen der Gemeine ihrem Herrn und Aeltesten dar, Beteten Ihn an, danckten Ihm für Sein bisheriges bekenntniß zu uns und erbaten sich von Ihm die Gnade, unverrückt auf Ihn zu sehen, und in seinem Dienst treu u. püncktlich seyn zu können. Am 17ten kam [256] unser lieber Bruder Praetorius bey uns an, u. ging d. 19ten nach Gnadau, wo er noch denselben Abend dem dasigen Gemeinlein als Vicarius des Gemein-Helfers und Predigers vorgestellt, und in herzlichster Liebe aufgenommen und gesegnet wurde.
Bald zu Anfang des Monats hatten wir einen freundschaftlichen Besuch von einem Prediger aus der Alt-Marck, der noch nie eine Gemeine gesehen, noch sonst bekanntschaft mit Brüdern gehabt. Er wohnte einer Singstunde, der Gemein-Litaney und der Predigt mit Wohlgefallen bey, machte sich mit verschiedenen Brüdern bekannt, u. empfahl sich beym Abschied ihrer Liebe und Andencken.
Schließlich wollen wir noch zum Preise unsers Herrn anführen: 1.) Daß verschiedene Geschwister in Barby u. Gnadau, von theils leichtern, theils härtern und langwierigen Kranckheiten wieder hergestellt worden; u. 2.) daß die hiesigen Wirthschaften ihre mit vieler Beschwerlichkeit verknüpft gewesenen Erndte diesen Monat glücklich beendiget haben.
[257]
In den ersten 8 Tagen dieses Monats hatte die Gemeine den seligsten Genuß des Leibes und Blutes Jesu im heiligen Abendmahl in den Chören. Die ledigen Brüder am 4ten die ledigen Schwestern am 5ten und mit den wenigen Wittwern u. Wittwen das Ehechor am 7ten, zum Beschluß seines mit vieler Gnade begangenen Chorfestes. Die Fest-Rede welche Bruder Clemens über die Texte des Tages hielt, wiederholte Bruder Benade von Klix, der dieses Fest mit uns Beging, um der auswärtigen Eheleuten willen, die sich an dem Tage zahlreich eingefunden in Wendischer Sprache, u. nach dem Liebesmahl gingen sie vergnügt nach ihren Wohnungen.
Am 11ten wurden im Gemein-Rath, die hiesigen Orts Statuten gelesen.
Bey Gelegenheit der jezigen Blatter-Kranckheit, daran bisher 30 Kinder gelegen, nahm der Heiland aus unsern kleinen Knäbgen 2 liebe Kinder zu sich. Am 15ten den kleinen Joh. Friedrich Sommer in seinem 8ten Jahre u. am 21tn [258] den kleinen Andreas Krebs in seinem 7ten Jahre. Am 18ten schenckte der Heiland den Geschwister Gruhls ein Töchterlein, das in der heiligen Taufe den Namen Maria Salomee empfieng.
Am Gemeintage d. 23ten wurde der ledige Bruder Johann Micain und das große Mädgen Benigna Langin in die Gemeine aufgenommen. Der Michaelistag war ein wahrer Segens-Tag für uns und unsre liebe Diaspora. Leztre hatte ihr Anbeten und LiebesMahl, wegen des in ihren Kirchen genoßenen heiligen Abendmahls. Die kleinen Mädgen so am 17ten Aug. wegen der vielen Krancken unter ihnen ihr Fest nicht haben konten, waren mit auf dem Liebesmahl zugegen.
Am folgenden Tage wurde Vormittags unsern lieben auswärtigen Geschwistern das Schreiben an die Diaspora, den vorjährigen Synodum in Marienborn betreffend, zu ihrer herzlichen Freude gelesen. Nachmittags hatten die Saal-Diener und Dienerinnen, auch die Brüder u. Schwestern in den beyden Kinder-Anstalten ein Liebliches LiebesMahl, zur Ermunterung dem Herrn mit Freuden zu dienen.
[259]
Am Michaelis-Tage hatten die Kinder einen Gemeintag, an welchem 9 Knäblein und ein Mägdlein in die Kinder-Gemeine aufgenommen wurden. In der Mitte des Monats versammlete sich hier der Löbauer u. am Ende deßelben der Hennersdorfer Diaspora-District; auf die Bedienung so wol des einen, als des andern legte der Heiland Seinen Segen. In die erstre Societaet wurden 12 und in die andre 16 Personen aufgenommen. Am 7ten Sept. ging der kleine Carl Christ. Siegmund Gersdorf Heim, der das Licht dieser Welt nur einen Monat gesehen hat; u. d. 13ten die Ledige Schwester Margaretha Stoin in ihrem 46tn Jahr.
Von uns sind 1.) Geschwister Cranzens nach Berthelsdorf gekommen, die dasige Societaet ad interim zu bedienen. 2.) Bruder Haefner reiste mit dem Segen der Brüder ab, um sich als Anachoret im Würtembergischen aufzuhalten. 3.) Bruder Peistel ging d. 18ten mit dem Bruder Wieneke nach Halle, seine alten Freunde da zu besuchen.
Zum bleiben sind hergekommen:
[260] Geschwister Königseers mit ihren 2 Kindern aus Liefland, Bruder Erhard aus Zeyst, Johnson u. Tüchesen von Neu-Dietendorf und der Jüngling Lucius von Niesky. Aus der Diaspora war der Kaufmann Plitt aus Hamburg ein paar Wochen zum Segen für sein Herz zum Besuch hier.
Von fremden Standes und andern distinguirten Personen ist Herrnhuth besucht worden d. 17ten vom Graf Brühl, Chursächsischen Gesandten am Groß-Brittanischen Hofe, und dem Englischen Graf Egremont; am 25ten von der Gräfin Nostiz aus Schlesien, Graf Cauniz und Graf Collowrad und d. 27ten vom Kayserlichen Hofrath v. Zincker, den Comercien-Räthen von Hanosch u. v. Eberle Herr v. Pinneberg und Obrist-Lieutnant v. Franckenbusch aus Böhmen.
Uebrigens hat die Gemeine in dem Monat das heilige Abendmahl in den Chören gehalten, und die verehlichten Geschwister begiengen ihr Chorfest mit vieler Gnade.
[261]
In den ersten Tagen dieses Monats, hatte jedes Chor zu folge der Tages-Texte seine besondre Lehrstunde, u. erneuerte sich darinn die Principia des Herzens Jesu von seinem Speciellen Chor-Gang. Dem Ehechor machte unser lieber Heiland noch insonderheit am 7ten als an seinem Feste einen ausgezeichneten Gnaden-Tag, und bestättigte ihren Bund auf seine Marter und Todt, mit Frieden aus der Höhe. Am 21ten hatte dieses Chor zur Nachfeyer seines Festes, eine sehr selige Chor-Communion, und erfuhr darinn die Kraft der ausgeschütteten Salbe auf die reeleste Weise. Etliche Tage darauf, als am 25ten, da der Text hieß: „Er sättiget die durstige Seele und füllet die hungrige Seele mit Gütern“, stillten die ledigen Schwestern ihren Hunger und Durst an Jesu Leib und Blut gleichfalls in einer gnadenreichen Chor-Communion. Unsre Kinder [262] hatten am 29ten einen begnadigten Gemeintag, und dabey die Freude, daß 2 Knäbgen aus ihrer Mitte in die Kinder-Gemeine aufgenommen worden. Hingegen zogen 2 Knäbgen aus der hiesigen Anstalt auf gut befinden der hiesigen Gemein-Conferenzen, wieder zu ihren Eltern nach Amsterdam. Zu der wöchentlichen Bibel-Lection absolvirten wir in diesem Monat die Offenbarung Johannis, und fingen darauf an die Psalmen Davids zu lesen. Der Heiland legt auf diese Lection einen aparten Segen, u. wir haben Ursache, Ihm für die selige Weyde unsrer Herzen in Seinem Wort, vielfältig zu dancken. Das schmerzlichste, was wir in dem Monat erlebten, war, daß sich der alte Michael Goets resolvirte in seinen alten Tagen, nach seinem eigenen Rath, von hier nach Amsterdam zu ziehen, welches er am 23ten zur Betrübniß des ganzen Orts ins Werck stellte, nachdem er seiner Frau und Kindern frey gestellt hatte, bey der Gemeine hier zu bleiben. Er hatte schon seit geraumer Zeit einen [263] solchen Gang hier eingeschlagen, zu dem sich die Gemeine nicht bekennen konnte, und nahm alle Brüderliche Warnung, die ihm darüber gegeben wurde nicht an.
Sonst ist von diesem Monat anzuführen: 1.) Die Verlobung des Ledigen Bruders Paul Kants, mit der ledigen Schwester Anna Barbara Rappin am 20ten dieses; u. 2tn) der Heimgang der Ledigen Schwester Carie Nielsen am 11ten dieses, in ihrem 46tn Jahr. Sie war im Sept. 1767 aus Jüttland hieher zur Gemeine gekommen, wurde bald der Gemein-Gnaden theilhaftig, und ging ihren seligen Gang in der Stille ungestört fort, so daß ihr die Schwestern einstimmig das Zeugnis geben, daß sie ihre Zeit in der Gemeine zu schäzen gewußt, und gut angewendet hat.
D. 4ten kamen Geschwister Meyers von ihrem Besuch in Barby, wohlbehalten bey uns an. Bruder Oldendorp reiste dagegen auf erhaltenen Ruf, d. 5ten nach Herrnhuth ab. Dafür traf am 30ten Bruder Macrait von Neuwied [264] bey uns ein. Unter andern besuchte uns in dem Monat ein Franzose aus Languedoc gebürtig, und nun zu Hanau wohnhaft, wo er die Direction der dortigen Maulbeer-Plantage u. Seydenspinnerey hat. Er suchte bekanntschaft mit den Brüdern, und hat seit seinem Besuch bey uns, sich in einem herzlichen Schreiben ins Andencken der Gemeine empfohlen.
Am 21ten Abends in der 10ten Stunde stieg ein starckes Gewitter auf, u. that über unserm Hause ein paar fürchterliche Schläge; unser lieber Herr wendetete aber in Gnaden alles Unglück[WS 35] u. Schaden von uns ab. Unsre Versammlungen in dem Monat waren im Segen, insonderheit fand sich am 16ten zur Predigt eine starcke Anzahl Zuhörer ein, davon einige 3 bis 4 Stunden weit, zum ersten mal gekommen waren.
Unsre Gemeine wurde in dem Monat mit Jesu Leib u. Blut im heiligen Sacrament, nach den Chören, seliglich gespeißt und getränckt. Die Ledigen Brüder hatten es bereits an ihrem [265] Chorfest gehabt. Vom hiesigen Ehechor insonderheit bekam der Heiland an ihrem Chorfest manch danckbares Hallelujah und gläubigs Miserere. Die dermalige Einrichtung, daß die ganze Abendmahls-Gemeine zur Beter-Gesellschaft gehört, und wöchentlich eine besondre Liturgie hat, ist vielen Herzen gesegnet, und es krigt gewiß der Heiland ein ganzes Theil Seufzer mehr in Sein Herz, und manche Thräne mehr in Seine Urne.
Geschwister Dupps giengen am 13ten zum Besuch nach Zeilenrode u. s. w. ab. Auch verreisten Geschwister Schollers nebst Bruder Feiler nach Bayreuth zum Besuch ihrer resp. Anwerwandten, von wannen sie am 23ten wieder zurück kamen.
In dem Monat hat der Heiland den Verheuratheten Bruder Peter Reimann zu sich Heimgenommen. Er wurde zur Zeit des Ehechor-Festes kranck, welches zu einem seligen Ende seines Glaubens, das ist seiner Seelen Seligkeit ausschlug. Er kam dabey [266] gründlicher als je auf sein Herz, u. auf sein tiefes verderben, betete und flehete Tag und Nacht um Gnade und Erbarmung, und um Versicherung seines Heils in Christi Wunden. Es war eine Freude, dieses wie aus dem Schlafe aufgewachte Gnaden hungrige und durstige Herz zu sehen, zu hören und zu fühlen. In solcher Sehnsucht nach der Gnade in Jesu Blute genoß er das heilige Abendmahl, und die Nacht darauf zum 22ten entflog seine Seele zur ewigen Heimath. Er war zu Gebhardsdorf in der Ober-Lausiz anno 1730 geboren, trieb die Weber u. Maurer Profeßion, heurathete anno 49 und kam anno 64 hieher, nach Berlin. Er konte sich gar nicht aus seinem trägen und gleichgültigen Wesen heraus finden; daher er erst in den lezten Tagen seines Lebens zur nächsten Anwartschaft des Genußes des heiligen Abendmahls gelangte. Er bezeugte zulezt viel Leid und Schmerz, daß er seine Gnaden-Zeit nicht wol angewandt. Und da er in seinem Leben nicht kranck gewesen; [267] so ersahe sich der Heiland seine Zeit und schenckte ihm die Gnade einer gründlichen Aufweckung und Erleuchtung, bey Gelegenheit seiner ersten und lezten Kranckheit.
Die Gemein Stunden, Mittwochs und Sonntags wurden von den Brüdern Lauterbach und Thomas, desgleichen die Böhmischen Predigten von diesen Beyden und dem Bruder Benade gehalten, welcher am 10ten von seinem Besuch in der Oberlausiz wieder zurück gekommen war. In Rixdorf wurde den Geschwistern Duscheks ein Söhnlein geboren, u. am 17ten mit Namen Andreas Gottlieb getauft. In dem gewesenen Knaben-Anstalts-Hause wurden ein paar Stuben für Familien zurecht gemacht. Am 28ten war es 9 Jahr, daß der jezige Saal eingeweihet worden; die Gemeine erinnerte sich daran und danckte dem Heiland für die auf demselben genoßene Segen.
Am 5ten Sept. früh in der ersten Stunde, gefiel es unserm lieben Herrn, unsre herzlich geliebte Schwester [268] Waiblingerin, durch einen geschwinden Steckfluß zu Sich in Seine ewige Ruhe zu nehmen. Da heute der 4tel jährige Land-Buß- und Bettag war, so machte Bruder Hermann vor der Predigt der Gemeine ihren Heimgang bekannt, wobey manch Liebes-Thränlein floß; denn sie war unter uns eine geliebte und legitimirte Schwester. Ihre Leiche wurde d. 9ten beerdiget. Bruder Hermann redete zuvor, über die schön zupaßende Loosung an ihrem Heimgangs-Tag: „Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, und ist noch nicht erschienen, was wir seyn werden; wir wißen aber – wir werden Ihn sehen wie Er ist“. Nach Verlesung der Personalien sang der Chorus: Schlaf liebe Schwester unsers Herrn, mit der Gemeine Jesu Segen p. Worauf die Gemeine lieblich einfiel: Ey, wie so selig schläfest du p. Das Wetter war angenehm, und das Gefolge zu ihrem Grabe zahlreich, indem es sich über 600 Personen belief. Nachmittags hatten alle Conferenz-Geschwister nebst denen welche der [269] seligen Schwester bey ihrer Leichenbestattung gedient, ein mit dem Frieden Gottes begleitetes Liebesmahl, welches Bruder Pfohl hielt. Die Gemeinschaft, die wir mit der Obern Gemeine haben, ließ sich dabey tröstlich fühlen. Zum Schluß danckte unser Bruder Waiblinger sämtlichen Geschwistern, für alle seiner lieben Lenel bewiesenen Liebe mit einem besonders rührenden Gefühl.
Abends sang die Gemeine das
Lied von der Vollendeten Gemeine
mit angethanem Herzen.
In der Chor-Versammlung der Wittwer
am 16ten introducirte Bruder Pfohl unsern
lieben Bruder Waiblinger mit
einem aparten Gefühl, u. die lieben
alten Väter, nahmen ihren geliebten
Bruder, theils mit Schmerz, theils
mit Freuden, als ihren Chor-Verwandten
ihn in ihre Mitte auf. Am 20ten ging
auch die ledige Schwester Eleonora
v. Seidliz selig heim; u. ihre Hütte
wurde am 25ten Nachmittags unter
einem Zahlreichen Gefolge zur Ruhe
gebracht; wozu auch ihr Herr Bruder
[270] unser lieber Bruder Georg Siegmund
v. Seidliz von Ober-Peile mit seiner
Gemahlin hergekommen war. /: Die
Personalien gedachter beider Schwestern
werden in den Gemeintags-Nachrichten
seiner Zeit vorkommen :/
Uebrigens hat uns der Heiland in dem Monat in unsern Conferenzen Sein Da und Naheseyn gnädig fühlen laßen. Das heilige Abendmahl beging die Gemeine in den Chören, da es bey den Wittwen die Schwester Juliana Friesin zum ersten mal genoß.
Der Unterricht in dem Worte Gottes geht mit unsrer Jugend zum Wohlgefallen für alte und Junge. Am Kinder-Gemeintag d. 30ten wurde 4 Kinder und zwar 2 paar Leibliche Geschwister in die Gemeine auf genommen.
Von uns sind abgereist unsers Bruder Waiblingers aeltester Sohn Johann Friedrich, ein Studium Medicum in Berlin zu prosequiren, und unsers Bruder Schobers einiger Sohn Wilhelm, um gleichfalls sein Studium Accademicum in[WS 36] Halle zu vollziehen.
[271]
Wir sind hier seit einiger Zeit mit
etlichen Personen aufs neue bekannt
worden, unter welchen ein Paar Eheleute
sind, die hier in der Stadt eine
Schule halten. Sie sind nicht allein
unsre guten Freunde, die die Wahrheit
lieben, sondern de sie haben sich
auch als Sünder zum Heiland gewendet,
haben Gnade bey Ihm gesucht
und gefunden, und sind nun mit
Ihm ein Herz und eine Seele.
Aus unsrer Mitte hat der Heiland
in dem Jahr 4 Personen zu
sich heimgenommen.
Der erste war im Merz unser lieber alter Bruder Fasmer, welcher 1744 in der Gemeine zum Besuch gewesen, da aufgenommen worden und zum heiligen Abendmahl als Gast mit gegangen ist. Er ist bis [272] ans Ende treu geblieben, und wir haben an ihm viel verloren.
Ihm folgte der Bruder Jan van der Fehr ein Kaufmann, der den Heiland von Herzen liebte, und ein grundehrliches Herz hatte.
Im May ging eine alte Ledige Schwester, die wir wegen ihres an den Heiland innig attachirten Herzens, zärtlich lieb hatten, und bald darauf ein Kind unsrer Geschwister selig heim.
Uebrigens läßt uns der Heiland so wol an denen, die Er zu sich heim ruft, als auch an denen die noch hier wallen, manche Freude sehen, und diese wünschen mit uns von Herzen, unter dem verkehrten Geschlecht ihre Kleider reine zu erhalten durch Jesu Blut allein.
Ich will hiemit aus meinem Vaterlande, wohin ich mit Bruder Sternberg, den Geschwister Zachariassens u. meinem Bruder Jacob gereist bin, einige Nachricht von unsrer Pilgerschaft mittheilen. Wir gingen am 28ten Apr. mit dem schönen Text: „Es werde gedacht aller Welt Ende, [273] daß sie sich zum Herrn bekehren“ p. von Copenhagen unter Segel, und lagen vom 30ten Apr. bis zum 3ten May auf der Rhede von Helsingör, da wir denn unsre Reise mit der schönen Loosung: Der Gott des Friedens wird mit euch seyn; im Namen Jesu weiter fort sezten.
Am 10ten May paßirten wir Hittland und d. 28ten May waren wir unter Statenhuk. Meist alle Tage hielten wir unsre Liturgien ungestört und an Sontagen beteten wir die Litaney. Es fiel uns dabey öfters ein, ob wir nicht das erste See-Gemeinlein wären, das die neurevidirten Liturgien im Gebrauch habe. Sie waren uns zum wahren Segen u. Vergnügen, und der Heiland war uns bey deren Gebrauch innig nahe. Ich und Jacob lernten in der Zeit auch einige Grönländische Wörter. Bruder Sternberg war die ersten 4 Wochen zimlich kräncklich; so bald wir aber in die Straße Davis kamen, wurde er von Tag zu Tage beßer und munter. Ich bin ein guter See-Mann und weiß nichts von der See-Kranckheit. Im 58sten Grad trafen [274] wir schon das veste Eisfeld, welches nach des Schiffers, Herman Kofod aussage[WS 37] 27, 30 bis 50 Meilen vom Lande ablag, und sich in die Länge bis in den 65sten Grad erstreckte. Er probirte alle Tage, ob kein Ende davon zu finden sey, welches erst am 19ten Jun. als an meinem Geburts-Tage geschahe. Man sahe am 20ten früh gegen 2 Uhr das feste Land, zwischen Kin of sol und Napparsok ganz deutlich, dabey wir mit danck erkanten, daß uns der Heiland meist hell wetter geschenckt hatte, da sonst in Grönland der Nebel sehr gewöhnlich ist. Von hier aus mußten wirs denn wagen, zwischen Land und Eis zu segeln. Am 24ten Juny, sahen wir unter Pissubik-Land den ersten Grönländer. Die Schwester Zachariaßin redete mit ihm und wir erfuhren durch ihn, daß die Europäer im Lande alle wohl und das Eis vom Baals-Revier weg wäre, wir sezten also unsern Cours auf Lichtenfels zu, und segelten die Kokörnen dicht vorbey, wo 5 von unsern getauften Grönländern uns starck [275] nachruderten und uns einholten, welches eine rechte Freude war. Bruder Sternberg gab ihnen einen Brief an Bruder Mathaeus Stach und die übrigen Geschwister in Neu Herrnhuth mit und wir segelten auf Lichtenfels zu, von welchem Orte wir am 27tn Juny ohngefehr noch 4 bis 5 Meilen entfernt waren; aber wegen Menge des Eises konten wir nicht durch; Ueberdem wurde es bey 20 Stunden Windstill und so neblicht, daß man keine Schiffs-Länge vor sich sehen, und weder vor noch zurück konte, welches uns in große Verlegenheit brachte. Abends wurde es noch schlimmer. Der Strom zog uns starck ans Land; wir mußten also aus Noth einen kleinen Ancker fallen laßen und wenn ein groß Stück Eis kam, ihn wieder aufziehen, u. hatten zuweilen nur 12 bis 22 Faden Waßer. Das währte die ganze Nacht hindurch bis zum 28ten früh, und das Schifs-Volck mußte unaufhörlich arbeiten. Hätte uns der Heiland nicht bewahrt, so hätten wir leichtlich um Schiff u. Leben [276] kommen können. Gegen Mittag bekamen wir einen frischen Südwind, der uns dann nöthigte in den Godhaabschen hafen einzulaufen. Dieses geschahe d. 29ten zur Freude unsrer Neu Herrnhutischen Geschwister, von denen wir herzlich bewillkommt wurden. Weil die Tage darauf etliche Kajake nach Lichtenfels gingen, so schrieb ich und mein Bruder an unsre lieben Eltern daselbst.
Als nun Bruder Sörensen d. 2ten Jul. früh mit den Worten in ihre Stube trat: Ich soll euch von euren beyden Söhnen, Ludwig und Jacob aus Neu Herrnhuth grüßen; so gings ihnen wie dem alten Vater Jacob, da er hörte, daß sein Sohn Joseph noch Lebe, und woltens nicht glauben, bis sie unsre eigenhändige Briefe selbst lasen. Denn wenns einer gewesen wäre, hätten sie es eher geglaubt; daß aber 2 auf einmal da seyn solten, war wieder ihr dencken und vermuthen. Am 4ten Jul. Vormittag kamen sie mit Bruder Sörensen hier in Neu Herrnhuth zur Provincial-Conferenz an. Wir waren alle am Strande und bewillkommten sie, und mußten auf beyden Seiten den Thränen [277] freyen Lauf laßen. Die 9 Tage da 16 Europäische[WS 38] Geschwister hier beysammen waren, war eine besondre Zeit; ein jedes redete mit dem andern aus, und wir verbanden uns in Liebe und Friede mit einander vor dem Angesicht Jesu zu leben. Ich nahm an allen herzlichen Antheil und ging oft allein auf die Klippen, mit dem Heiland aus zu reden. Ich habe auch das kindliche Zutrauen zu Ihm, daß ein neuer Gnaden-Gang angehen wird, und wünsche, daß auch ich dem Heiland zur Freude u. Ehre seyn möge, so lange er mich zur Erlernung der Sprache hier haben will. Ich bitte Ihn ofte: „laß mich die Sprache lernen, sie ist wol etwas schwer; ich will Dich nur bekennen, Dein Wort und Deine Lehr, Deine Marter will ich preisen bey denen Eskimo, auf Dich will ich sie weisen; mach mirs im Herzen so, daß es mit Gnad geschehe“ p.
D. 13ten reiste ich mit meinen lieben Eltern und Bruder Sörensen nach Lichtenfels zum bleiben, wo ich nun das Vergnügen habe, mit meinem Vater, den der Heiland seit 2 Jahren gegen [278] sein Vermuthen recht gestärckt hat, die grönländische Sprache zu lernen. Ich kan zur Noth etwas verstehen, wenn ein paar mit einander reden. Das Wörter-Buch habe ich abzuschreiben angefangen, und dann werde ich mich über die Gramatick, die Harmonie, die Apostel-Geschichte, die Briefe Pauli u. so weiter machen. Im äußerlichen greife ich alles an, und thue es mit vergnügen; wie ich denn schon bey der Torf-Arbeit, beym Holz-suchen und der Fischerey gewesen bin. Das Singen der Grönländer klingt recht angenehm, auch sind einige ledige Brüder und Knaben unter ihnen mit denen man einen Choral spielen kan.
Wenn wir an diese verfloßene Monate zurück dencken, so sind wir dem Heiland kindlich danckbar für die gesegneten Fest- u. andre Tage, an welchen sich Sein Wandeln unter Seinem hiesigen Gemeinlein besonders hat fühlen laßen. Ins besondre hat Er sich am 4ten May [279] zu dem Chor der ledigen Schwestern in allen ihren Versammlungen aufs gnädigste bekannt. In ihr Chor sind 4 Mädgen aufgenommen worden. Bruder Heinrich Nitschmann hielt ihnen gesalbte und gründliche Reden, und beym Liebesmahl wurden sie u. die Gäste mit dem schönen Fest-Psalm, der ihnen von Herrnhuth zugeschickt worden unterhalten.
Am Himmelfahrts-Tage erinnerten sich die hier befindlichen Acoluthen bey einem Liebesmahl ihres Feyerlichen Versprechens, dem Willen des Heilands in dieser Zeit, ohne Ausnahme zu dienen. Der erste Pfingsttag erinnerte uns zugleich mit Schaam und Hofnung an die mehr als mütterliche Treue, die unsre Herzen nun wieder ein Jahr von dem unermüdeten Tröster, dem heiligen Geiste, so reichlich genoßen hatten. Unter dem Gebet des Bruder Heinrich Nitschmanns im Fest-Morgensegen, wurden die Herzen weich und die Rede in der Gemeinstunde machte großen Eindruck. So redete er auch am Johannis-Tage d. 24ten Jun. bey dem [280] Fest-Liebesmahl der Knäblein, so wol den Eltern, als Kindern, nachdrücklich und mit Segen ans Herz.
In die Gemeine sind aufgenommen worden: am 6ten May, die in Neuhof unter Niesky wohnende Geschwister Adams, und am 4ten Juny Geschwister Anders von Trebus, die verehlichte Schwester Hennigin aus Neuhof und der Knabe David Zacharias Huckof aus dem Paedagogio.
Zum ersten Genuß des heiligen Abendmahls mit der Gemeine sind gelangt am 16ten Juny der ledige Bruder Peter Schreyer und die ledige Schwester Johanna Berndtin.
Am 7ten May fieng Bruder Schulzer den Catechetischen Unterricht mit den Knaben und am 11ten mit den Mädgen an, welcher seit dem mit den erstern alle Montage und mit leztern alle Freytage in Gnade Continuirt hat.
Am 2ten Jun. kamen nach einer neuen Einrichtung alle Erwachsene Abendmahls-Geschwister zum ersten mal zur Beter-Versammlung, in welcher Bruder Heinrich Nitschmann den Geschwistern den Zweck und die Wichtigkeit dieses amts, [281] als Priester vor dem Herrn zu stehen, und Seine Räucherer zu seyn, ans Herz legte; worüber man in den folgenden Tagen von den Geschwistern manche sünderhafte und liebliche Äußerungen hörte. Die Liturgische Nachtwache, die hier in Niesky schon seit manchen Jahren von einer Auswahl Geschwister in unleugbaren Segen fort gesezt worden und deswegen noch continuirt, ist damit nicht nothwendig verbunden.
In diesen 2 Monaten sind von uns gereist die ledigen Brüder Adrian Cuncler als Goldschmied nach Gnadenberg, Joseph Schürger in die Pfalz, seinem Vater in der Wirtschaft bey zu stehen; Erland Hörnberg zu weiterm fortkommen in seiner Schloßer Profeßion nach Hanover; Bruder Hans Mygind, auf Ansuchen seines Vaters, zu deßen Assistenz im Predigen, in sein Vaterland; der Jüngling Ernst Heinrich Dietrichs zu seinen Eltern nach Zelle; Carl v. Heiniz nach Herrnhuth; des gleichen eben dahin der Knabe Meyer zur Erlernung der Goldschmieds Profeßion; Bruder Gewinn in die Schneiderey, [282] und die ledige Schwester Magdalena Beutelin zu ihrer Mutter.
Nach Barby ging als Docent Bruder Salomo Dober und an seine Stelle kam ins Paedagogium Bruder Conrad Hegner von Barby. Auser diesen sind noch von Herrnhuth zu uns gekommen die Wittwe Oertelin, die ledigen Schwestern Christine v. Schell und Helena Wagnerin und die ledigen Brüder Christian Schüz, als Schneider-Meister und Philipp Wilhelm Schreyer.
Mit dem Segen des Herrn u. seiner Gemeine sind am 21ten zur heiligen Ehe verbunden worden, der Bruder Erich Bergmann mit der Schwester Catharina Beckerin, Bruder Stephan Müller mit der Schwester Christine Schulzin, u. Bruder Johann Wilhelm Schreyer mit der Schwester Johanna Soph. Löfflerin.
Heimgegangen sind: am 29ten May die kleine Benigna Zischeckin, ein gebrechliches Kind; u. d. 28ten Jun. unsre liebe Schwester Maria Apollonia Nitschmannin nach einem kurzen Krancken-Lager. Von den Personalien dieser Magd Jesu, die am 30ten beerdiget worden, können wir nichts anführen, weil ihr seliger Mann, der sie zu liefern versprochen, selbst sehr kranck war u. seiner lieben Frau bald nachgefolgt ist.
[283]
Wie es die Zeit her mit uns und unserm Plan allhier gegangen ist, wird man aus unserm Diario nächstens ersehen. Ich will daher nur so viel zum Lobe und Preise unsers Herrn melden, daß Er wahrhaftig angefangen hat, sich in Seiner Marter-Schöne den schwarzen Herzen gefällig zu machen. Ach wie angenehm klingts in meinen Ohren, aus eines Schwarzen Munde zu hören: Meine Sünden haben Ihm den blutigen Schweiß ausgepreßt! Für mich ist Er mit Geißeln gepeitscht und so ausgespannt gestorben! Unser lieber Herr wolle fortfahren, durch Seinen Geist unter diesem armen Volcke zu würcken, und schencke uns Salbung und Gnade ihnen mit warmen Herzen [284] unsern Schöpfer und Erlöser, der die Menschen bis in den Todt geliebet, anzupreisen. Das Wort von Seinem leiden beweiset sich als das mächtigste Wort, auch hier an den Herzen, und wenn es einem Neger zu Herzen gehet, so sagt er: es hat mir mein Herz gespalten und so breit aus einander gelegt, daß ich immer daran dencken muß. Daß Geschwister Kerstens zu uns gekommen sind, dafür hab ich dem Heiland herzlich gedanckt. Sie trafen mich und Bruder Johann Nitschmann äußerlich in kümmerlichen Umständen an; in dem Bruder Johann Nitschmann schon über 3 Monate durch einen Schaden am Fuß, nicht mehr gehen noch stehen konnte; und ich war so kranck, daß ich kaum 6 Schritte zu gehen vermöchte. Durch die Ankunft der lieben Geschwister aber, kam so viel Freude und Kraft in mich, daß ich von da an aufbleiben konte. Wir lieben einander herzlich und Friede und Einigkeit regieret unter uns, weil wir alle nur das zu unserm Object haben, Ihm zu leben [285] Ihm allein zur Freude. In dieser Herzens-Stellung hat es am 9ten dieses, dem Heiland gefallen, unsern lieben Bruder Johann Nitschmann aus unsrer Mitte, zu sich in seine ewige Ruhe zu nehmen.
Wir 3 sind gegenwärtig alle gesund und munter. Bruder Kersten hat schon 3 Dörfer an der Ouwre Creek besucht und willige Zuhörer daselbst gefunden.
In diesen Monaten sind 3 Kinder geboren und getauft. So wie der 13te Aug. für die ganze Gemeine ein gesegneter Tag war; so hatten ins besondre die kleinen Mädgen am 17ten Aug. eine selige Feyer ihres Festes. Am 10ten Sept. hatten sämtliche Kinder deren Anzahl sich auf 70 belief, zu ihrem Lehrtag, ein vergnügtes Liebesmahl und Rede. So haben auch die ledigen Brüder und die Eheleute ihre Chorfeste mit Segen begangen. Die Anzahl der ledigen Brüder beläuft sich gegenwärtig auf 21, [286] welche alle zerstreut in der Stadt wohnen. Die ledigen Schwestern haben außer ihrem Lehrtage am 5ten Sept. sich am 7ten Aug. des Einzugs in ihr neues Haus vor 3 Jahren bey einem Liebesmahle, mit Danckbarem Herzen gegen den Heiland erinnert; der sie darinnen vielfältig gesegnet und Liebe und Eintracht unter ihnen hat regiren laßen. Auf ansuchen unsrer Brüder in Schottland, wurde am 2tn Sept. eine allgemeine Collecte in unsrer Gemeine zum Bau einer neuen Brüder Capelle in Erwin gesammlet. Aus Deutschland traf der Geschwister Horn’s Sohn, den sie seit 16 Jahren nicht gesehen, zu ihrer herzlichen Freude bey uns ein. Noch ist anzuführen, daß uns der Lord Ranelagh und unser Land-Lord, Mr Burn in unserm Hause besucht, unsre Kirche angesehen, und sich sehr freundlich bezeugt haben.
Unsre täglichen Versammlungen, u. insonderheit die Festtage, welche das ledige Brüder u. das Ehechor [287] in diesen Monaten hatten, sind mit der fühlbaren Nähe Jesu begleitet gewesen. Die ledigen Brüder in Gracehill hatten zu ihrem Chorfest das Pedilavium und eine Begnadigte Chor-Communion; welche auch in den übrigen Chören dieser Gemeine mit Segen gehalten worden ist. Dem Ehechor, zu deßen Fest-Liebesmahl an die 100 Geschwister zusammen gekommen waren, wurden die Principia des Ehestandes, aus dem Verlaß des lezten Synodi wiederholt. Außerdem waren für die Gemeine und ihre Abtheilungen, der 13te der 17te u. 27te Aug. selige Tage. Nachdem Bruder Möhring am 1ten Aug. von Fullnek in Gracehill eingetroffen war, so wurde er als Bruder Jordes Successor im Helfer-Amt bey den ledigen Brüdern vorgestellt u. dazu durch die Brüder Anton u. Jorde mit Handauflegung unter einem seligen Gefühl der Gegenwart unsers Herrn eingesegnet. Bruder Jorde machte darauf mit der Gemeine u. seinem Chor, welchem er bey nahe 16 Jahr gedienet, einen herzlichen Abschied; dabey es auf unsrer Seite nicht ohne Schmerz [288] abging, u. reiste am 13ten Aug. mit dem Bruder Timaeus über Belfahl nach Fullnek ab. Von daher ist auch der Knabe Thomas Verney hieher gekommen; um beym Bruder Cossard die Apothecker-Kunst zu erlernen.
Außer den öftern Besuchen von Personen von Distinction, hatten wir im Monat Aug. auch einen Besuch in Gracehill vom Earl of Moira und dem Lord Mount Cashell und seiner Gemahlin, die sich damals in unsrer Nachbarschaft aufhielten, wo der Lord ein Haus hat. Sie sahen sich im Ort u. in den Chor-Häusern mit Satisfaction um, rühmten unsre Einrichtung und daß wir seit 2 Jahren, da sie das lezte mal hier gewesen, sehr viel gethan hätten. Erstrer conversirte insbesondre sehr Familiair; sagte auch unter andern zu einer Lady, die aus Prag mit ihnen hier war: Der Bruder Anton wäre ihr Lands Mann p. In der Capelle zu Ballymena haben wir mit neuer Gnade zu predigen wieder angefangen und viele Leute finden sich dazu ein. Ein paar Societaets-Geschwister wohnen in [289] der Capelle und halten die Schule. In diesen 2 Monaten sind in Gracehill 2 Kinder geboren und getauft worden und ein lediger Bruder der vor kurzen auf seinem Krancken-Bette in die Gemeine war aufgenommen worden, ist heimgegangen.
In Ballinderry haben die Geschwister einen angenehmen Besuch von Geschwister Antons und Bruder Möhring gehabt; welche auch in den übrigen Gemeinen u. Oeconomien im North, zum Besuch gewesen sind. Zum heiligen Abendmahl sind mit der Gemeine im Aug. 2 Brüder gelangt.
Die ledigen Schwestern wurden an einem Abend, von einigen frechen Leuten, die ihnen einige Fenster einschlugen, sehr erschreckt; da dieselben aber endlich zur Capelle kamen, und Bruder Schmidt mit ihnen geredet hatte, gingen sie wieder ruhig davon und haben seit dem keinen weitern Schaden gethan.
In Drumargon ist im Aug. ein Bruder zum Genuß des heiligen Abendmahls mit der Gemeine gelangt. Das lesen der heiligen Schrift ist den Geschwistern sehr gesegnet. [290] Der Besuch in den Familien Häusern hat continuirt; dabey man sich der Kinder auch ins besondre angenommen hat, welche aus Mangel der Kleider nur selten in die Versamlungen kommen können.
In Coothill /: schreibt Bruder Anton :/ hab ich die Geschwister in einem seligen Gang gefunden und so auch in Ballymaquigon, welches bald ein schönes Örtgen werden wird. Es sind dieses Jahr 4 Familien-Häusgen daselbst gebaut worden.
Am 7ten Jun. kamen Geschwister David Stöhrs aus Zeyst, gesund und wohl hier an, und besuchten d. 8ten in den neu angebauten Bauer-Gütern. Abends hielt er nach einem herzlichen Gebet, die erste Rede allhier.
D. 9ten wurden Gemein-Nachrichten gelesen. D. 10ten war die Sontags gewöhnliche Predigt; Nachmittags die Lection der Gemein-Nachrichten [291] und Abends eine Rede.
D. 11ten wurde die Bibel-Lection mit gefühligem Herzen angefangen. Auch haben die Kinder und übrigen Chöre wöchentlich ihre aparte Versammlung. Unsre Orts-Herrschaft, die lieben Geschwister v. Seidliz trafen am 23ten von ihrem Besuch in Gnadenfrey nebst ihrem Söhnlein wohl behalten hier ein.
Vom 25ten bis 28ten besuchten Geschwister Stöhrs u. Franzens in Zauchtiz, Steuberwiz und Rösniz, und es ließ sich unter den Geschwistern Freude und Liebe fühlen, ihren alten bekanten Bruder Stöhr, nach so vielen Jahren, wieder in ihrer Mitte zu sehn. Auch erweckte die Nachricht viele Freude und Dancksagung, daß künftig alle 2 Monate in Pablowizky das heilige Abendmahl gehalten werden solte.
D. 30ten kam der ledige Bruder Gottsmann, ein Leinweber von Gnadenfrey zum bleiben hier an. D. 7ten Jul. hatte unsre Herrschaft [292] einen Besuch vom Husaren Rittmeister v. Holdein, deßen Gemahlin und ihren Kindern. D. 10ten ging Bruder Franz ins Gebürge u. hatte mit dasigen Erweckten Seelen eine herzliche Unterredung. D. 13ten wurden die hiesigen Abendmahls-Geschwister und d. 14ten die von Rösniz, Steuberwiz, Zauchtiz und Hillersdorf gesprochen. Abends um 8 Uhr war die erste Versammlung, in welcher das zur Versammlung aptirte Pläzgen in einem herzlichen Gebet unter vielen Thränen, dem Herzen Jesu geweihet und zum Segnen empfohlen wurde. In der 9ten Stunde legte sich das kleine unansehnliche, aber gewiß Sein Häuflein, zu Seinen Füßen, erbat sich von Ihm eine gnädige Absolution und genoß darauf Seinen Leib und Blut im heiligen Abendmahl. Der Communicanten waren zusammen 48. D. 15ten wurde die Abendmahls-Liturgie mit warmen Herzen gehalten; Nachmittags auf verlangen der Geschwister Nachrichten verlesen u. abends der Tag mit einer [293] Rede und Gebet seliglich beschloßen; worauf die Geschwister froh und danckbar an ihre Orte retournirten. In diesem Gefühl wurden auch in den folgenden Tagen unsre Versammlungen gehalten.
Am 13ten Aug. ließ uns der Heiland aufs neue inne werden, daß Er selige gedancken des Friedens über uns hat und wir verbanden uns in Seiner Nähe, beym Creuze zu bleiben und die Marter Gottes zu treiben. Die etlichen ledigen Brüder, so hier sind, begingen am 29ten ihr Fest seliglich und schloßen sich im Geist an ihr Chor mit an. Bey ihrem Liebesmahl waren die verheuratheten Abendmahls Geschwister mit zu gegen.
D. 31ten kam von Gnadenfrey der Böhmische Bruder Stephan, ein Witwer zum bleiben hier an.
D. 5ten Sept. wurden den 6 hier wohnenden ledigen Schwestern zu ihrem Lehrtage eine Rede gehalten, und sie in einem Gebet dem Herzen Jesu zur Pflege und Bewahrung empfohlen. D. 6ten machte [294] das hiesige aus 10 Paaren bestehende Ehechor einen sünderhaften Beschluß seines Chor-Jahres und beging d. 7ten sein Fest in seliger Erfahrung der Verheißung: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seyd, ich will euch erquicken. Es war ein Gnadentag, den die Geschwister nicht so leicht vergeßen werden, und dazu kam noch Tags darauf, der selige Genuß des Leibes und Blutes Jesu im heiligen Abendmahl, welchen mit den auswärtigen Geschwistern 41 Communicanten hatten; wofür wir am 9ten dem Heiland unser kindliches gratias brachten.
Und so kehrten die Geschwister aufs neue gestärckt nach ihren Wohnungen zurück.
[295]
In der ersten Woche dieses Monats bekannte sich unser lieber Herr u. Heiland aufs freundschaftlichste zu uns und machte Seine Gemeine des Sacramentlichen Genußes an Seinem Leib und Blut, unter einem durchdringenden Wehen theilhaftig. An unserm Gemeintage wurden die 3 Knaben Mathäus Beck, Moriz Hummel, Siegm. Keßeler, die zwey ledigen Schwestern Soph. Huntschin, Anna Mähnin und das Mädgen Renata Kaulfußin, in die Gemeine aufgenommen.
Am 16ten Solennisirten die ledigen Schwestern den Gedächtniß-Tag der Einweyhung ihres Chorhauses vor 14 Jahren, mit dem Bundes- und Lobe-Kelch. Der Herr war in ihrer Mitte. An dem selben Tage waren die Geschwister hier die [296] die zum Görlizer Diaspora District gerechnet werden und es waltete eine selige Gnade in ihren Versammlungen.
Der 26te und 27te Oct. waren ein paar notable Tage. Die Brüder der Unitaets-Aeltesten-Conferenz kamen von Hennersdorf herüber und traten mit der hiesigen Aeltesten-Conferenz so wol als dem Aufseher-Collegio, in eine mündliche Unterredung über verschiedene wichtige Punckte, wozu sich der Heiland in Gnaden bekannte, und wir danckten Gott von Herzen, daß Er diese Stunde schlagen laßen.
4. Geschwister hatten in diesem Monat das Glück in ihres Herrn Freude ein zu gehen; nehmlich am 6ten die ledige Schwester Anna Austin, d. 21ten der Wittwer Johann Tanneberger, d. 29ten der Wittwer Franz Christian Kampmann und die Ledige Schwester Maria Willums.
Zum bleiben sind hergekommen die ledigen Brüder Joh. Friedrich Krügelstein von Barby, Casp. Lange von Kleinwelcke, Lischke u. der[WS 39] [297] Knabe Bendict Benade von Niesky.
Der ledige Bruder Voigt ging mit dem jungen Schober nach Halle ab.
Vornehme Fremde Gäste hat Herrnhuth gehabt, d. 5ten einen Prinzen von Heßen Rheinfels, mit seiner Suite. D. 9ten den Herrn v. Gersdorff auf Messersdorf; d. 11ten eine große Gesellschaft Böhmische Herrn und Damen, u. d. 18ten den Graf Clam und mehrere Herrn aus Böhmen.
Wir können von diesem Monat nicht anders sagen, als daß der liebe Heiland, der sich keines armen schämet, die täglichen Versammlungen mit seiner lieben Nähe gesegnet hat.
Der Prediger Wulle besuchte hier am 12ten nach seiner d. 9ten in Klix geschehenen Trauung mit unsers lieben Bruders Benadens einzigen Tochter Friedrica; vor ihrer Abreise nach Schlesien, und wir empfahlen beyde dem Herzen Jesu.
[298] Die Societaet in Bläse wurde am 2ten von Geschwister Clemensens besucht, u. am 18ten reisten sie zu einer Unterredung mit den Gehülfen in der Nied-Lausizischen Diaspora, nach Lübbenau.
Bruder Clemens las ihnen d. 21ten Abends das Schreiben an die Diaspora Häuflein, den vorigen Synodum betreffend, welches auf die Umstände ihrer Orte applicirt wurde. Der Friede und Liebe Jesu war unter ihnen zu spüren.
Etwas unerwartetes an dem Tage war, daß der regierende Herr Graf von Lynar, sich Nachmittags in die Versammlung zu kommen melden ließen. Ohnerachtet den Geschwistern im Orte, war angesagt worden, daß keine seyn würde; so muste man sie doch aus Respect für Dero Verlangen kommen laßen. Nach der Vesper kamen dann der Herr Graf in Bruder Fischers Haus. Nachdem Sie sich eine Weile mit Bruder Clemens unterredet; begehrten Sie, daß er ein Wort zur Erbauung reden möchte. Bruder Clemens redete [299] darauf über die Worte Pauli, aus der Sonntags Epistel: „Ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist“ p.
Beym weg gehen bezeugte der Herr Graf vor allen anwesenden, daß das eine selige Stunde sey, darinn man Jesu gedencke; weil unser großer Beruf sey, selig zu werden.
Nachdem geschwister Clemensens unterweges in Reppen und auf dem Haag bey Hoyerswerda, die Liebe Jesu und den Umgang mit dem Schmerzens-Mann, in den Unterredungen mit dortigen Geschwistern, ihnen angepriesen, kamen sie d. 24ten zurück.
Am 31ten hatten die ledigen Schwestern die lezte Chorrede in ihrem bisherigen Hause, über die Loosung: Ich will ihnen einerley Herz und Wesen geben p. mit der herzlichen Erinnerung, diese lezte Zeit in der Schule des heiligen Geistes selig anzuwenden.
[300]
Unser lieber Herr, deßen Güte kein Mund ausspricht, hat auch in diesem Monat Sein gnädiges Angesicht über uns Leuchten und uns seinen Frieden fühlen laßen.
Am 6ten hatten wir das heilige Abendmahl, bey einem unaussprechlichen Gefühl Seiner Nähe. An unserm Gemeintag d. 21ten redete Bruder Waiblinger in der Gemeinstunde besonders Herzrührend über die merkwürdige Loosung: Ihr Diener des Altars – rufet der Gemeine zusammen – und schreyet Zum Herrn; p. darauf fiel er mit der Gemeine nieder und betete inbrünstig zu unserm Herrn daß Er sich seines Volcks, wie ganz von neuem annehmen und seinen Zeugen und Boten Muth und Glauben verleihen wolle.
[301] Am 31ten als dem gedächtnißtage des Anfangs der Reformation Lutheri, ermunterte er die Gemeine zum Lob und Danck gegen den Heiland für diesen vorgang; weil dadurch die Lehre von der Rechtfertigung eines armen Sünders, allein durch den glauben an Jesum Christum, wieder ans Licht getreten, und das heilige Wort Gottes, dem gemeinen Volcke zu lesen erlaubt worden. Das Lesen der heiligen Schrift legitimirt der heilige Geist an den Herzen; die Geschwister sind attent und versäumen nicht gerne eine Lection, u. man hat manche angenehme und erfreuliche Äußerungen davon vernommen.
Heimgegangen sind in dem Monat, die Wittwe Rosina Schottin, das große Mädgen Anna Johanna Meyerin, und die ledigen Schwestern Christina Hauffin, Anna Rosine Rothin, und Anna Rosina Schubertin.
[302]
Die Gemeine zu Zeyst beging am 20ten dieses ihr jährliches Gemein-Fest, und danckte dem Heiland zugleich für alle Seine Gnaden-Besuche, die Er uns auf unserm neuen Saale, deßen Einweyhung vor 2 Jahren, uns noch in frischem Andencken ist, die Zeit her hat erfahren laßen.
Den Beschluß dieser Feyer, machte insonderheit noch die Abendmahls Gemeine mit dem Kelch der Dancksagung und Verbindung. Artig war es, daß gerade an diesem Tage, aus der Unitaets-Aeltesten-Conferenz, die Auskunft wegen neuer Besezung des hiesigen Gemein-Diener-Amts, einlief, so daß also die Gemeine gerade zu ihrem Fest; ihren dermaligen Gemein-Diener, an unserm lieben Bruder Wellmann bekommen hat; So wol die Conferenzen als die ganze Gemeine segneten ihn zu diesem Auftrag [303] mit Theilnehmenden Herzen, und am 27ten bekam er in einer öffentlichen Gemein-Versammlung die Bestättigung zu seinem Amte, durch Auflegung der Hände.
Uebrigens sind wir in unserm Gemein-Gang selig fortgegangen, und haben uns bey Gelegenheit einiger Loosungen, die wir in diesem Monat hatten, auch der Wohlthat, daß wir dermalen auch von außen den edlen Frieden genießen, Danckbarlich vor unserm Herrn erfreuet.
Unsre Beter-Versammlung hat sich mit 5 Brüdern u. 2 Schwestern vermehret. Am 8ten war die Trauung der im vorigen Monat verlobten Geschwister Paul Kants, und d. 31ten wurde der Ledige Bruder Johann Georg Hufnagel mit der ledigen Schwester Anna Wilhelmina Helters, zur heiligen Ehe versprochen.
[304] Aus England war die Schwester Boster einige Tage zum Besuch hier, und brachte den kleinen Johann Planta, unsrer Geschwister Plantas in Jamaica ihren Aeltesten Sohn, in die hiesige Anstalt. Ihre Intention war übrigens, ihre kranck gewesene Tochter Betsy allhier zu sehen und zu besuchen; welche in etlichen Tagen darauf, nach Neuwied abreiste, um sich durch diese Luft-Veränderung vollends zu erholen; Mit ihr ging die ledige Schwester Anna Götsin zum bleiben dahin. Von Barby kam der ledige Bruder Renatus Verbeek und von GroßHennersdorf unser lieber Bruder Renatus van Laer, bey uns an und brachte in seiner Gesellschaft die 2 Ledigen Schwestern Anna Johanna v. Laer und Maria Salomee Verbeek von Herrnhuth, auf einen Besuch ihrer Eltern hieher. Sein Bruder Jacob Johannes v. Laer, war einige [305] Tage vorher, an einer auszehrenden Kranckheit; am 6tn dieses selig heimgegangen.
Seine Herzens-Stellung in seiner Kranckheit, war Lieblich und seine Sehnsucht balde daheim zu seyn, zeigte gar deutlich, daß ihn der Heiland zu diesem Glück reif und fertig gemacht hatte.
Geschwister Londons in Amsterdam, waren genöthiget, ihre Tochter aus dem hiesigen ledigen Schwesternhause[WS 40] wegen ihrer immermehr überhand nehmenden Kranckheit zu sich nach Hause zu nehmen.
Ein lediger Bruder Adam Stephan wurde in die Gemeine aufgenommen, und zum erstmaligen Genuß des heiligen Abendmahls gelangten 3 Geschwister, nehmlich der ledige Bruder Johann Hermann Hammerich, die Wittwe Brigitta [306] Fastbergin und das groß Mädgen Maria Magdalena Helders.
meldet Bruder Gerner, daß die dasigen verehlichten Geschwister am 7ten ihr Chorfest mit einen begnadigten Morgensegen, Liebesmahl und Chorviertelstunde begangen und am 8ten darauf, mit den Geschwistern aus den übrigen Chören; auch mit denen welche vierteljährig mit gehen, nach einer Gnadenvollen Absolution ein seliges Abendmahl gehabt haben.
Die übrigen gewöhnlichen Versammlungen sind durch des Heilands gnade in Segen gewesen.
[307]
Am 17ten Apr. wurden wir mit einander eins, daß Bruder Antes künftig das Diarium führen solte, und ich übernahm solches. Zu unsern täglichen Lectionen Singstunden und Liturgien, bekante sich der Heiland in dieser Woche sehr gnädig, und ließ uns 3 arme Sünder Sein Wandeln in unsrer Mitte selig fühlen. Bey Gelegenheit der Loosung am 23ten „Mit einer Hand thaten sie die Arbeit und mit der andern hielten sie die Waffen!“ kamen wir abermals auf einen Besuch nach Ober-Egypten zu reden, und resolvirten, daß Bruder Danke, der schon seit geraumer Zeit einen Trieb dahin hat, in diesem Sommer, einen Besuch daselbst [308] machen solte. Im äußerlichen segnet uns der Heiland und ich insbesondre, habe bisher, ob gleich wol über 30 Uhrmacher hier sind, sehr reichlich zu thun gefunden. Aus Briefen von Alexandria vernahmen wir, daß daselbst unser alter Freund und Correspondent, Herr Garleef, ein Hamburger von Geburt, d. 25ten huj. an der Pest gestorben. In seinem lezten Brief an uns, den wir erst vor ein paar Tagen erhielten, erklärte er sich, nach seiner Weise, recht artig.
Am 30ten kamen 2 Juden zum Bruder Hocker, um ihn wegen einer krancken Person zu consuliren. Er sagte ihnen dabey was vom Mesia, der Sein Blut für unsre Sünden vergoßen, und von der Seligkeit eines Herzens, das die Kraft dieses Blutes erfahren hat. Weil der eine die Sprache nicht recht verstand, so übersezte es ihm der andre getreulich und Bruder Hocker war recht wohl dabey. Wir unterlaßen überhaupt nicht wo sich nur die geringste Gelegenheit eräugnet, ein Wort von Jesu Leiden u. Seiner [309] vollgültigen Versöhnung, anzubringen; die Herzen sind aber härter als Stein. O fänden wir nur einmal eine Seele, der um Trost bange wäre, wie wolten wir uns freuen! Weil uns alle sehr nach einem Abendmahl verlangte, so hielten wir d. 5ten May mit einander ein sehr seliges Chor-Abend-Mahl. Dieser Sacramentliche Genuß ist nebst der täglichen Unterredung mit dem Heiland, das einige, was uns in dieser finstern und todten Stadt und Lande, von einem Tag zum andern durchbringen muß.
Aus Alexandria vernahmen wir, daß so wol daselbst, als auch in Rossetta, die Pest noch immer starck grassire. An ersterm Orte hat sie manche Tage 150 Leute hingeraft. Hier ist aber Gottlob noch keine Spur davon.
D. 6ten war Bruder Hocker beym französischen Consul und legte gelegentlich ein Zeugniß von [310] Jesu blutigem Verdienst und Sünder-Liebe ab; wobey die Anwesenden attent waren. Auch Bruder Danke hatte Gelegenheit einem französischen Kaufmann, welcher ihn gerne zum Proselyten in seiner Kirche machen wolte, von unserm Grund nachdrücklich die Wahrheit zu sagen.
D. 7ten machte uns Ghali, der Coptische Tischler, aufs neue gute Hofnung, daß er ein Lohn der Schmerzen Jesu werden wolle. Er kam zu Bruder Danke und klagte, daß er in seinem Herzen fühlen müße, daß die gute Freundschaft, die er ehedem mit uns gehabt, unterbrochen sey. Ich kan euch, sagte er, doch nicht vergeßen, und habe auf der Welt niemanden, den ich so lieb hätte, als euch. Bruder Danke erwiederte darauf, daß wir die Gnade hätten alle Menschen lieb zu haben, und das darum, weil Jesus sie alle mit seinem Blut erlöset [311] hat; deswegen hätten wir ihn auch lieb; in eine nähere Gemeinschaft aber, ließen wir uns mit niemanden ein, als mit einem armen Sünder, der um Gnade in Jesu Blute weinet und wahrhaftig um seine Seligkeit verlegen ist. Das habe ich, sagte Bruder Danke, aus eigener Erfahrung; denn so lange ich in mir selbst ein guter Mensch war und keinen Heiland brauchte; so wolten die Kinder Gottes keine Gemeinschaft mit mir haben: So bald mich aber der Heilige Geist im Herzen überzeugte, daß ich ein verlorner und verdamter Mensch sey und es mir um Trost bange wurde; so hat mich nie ein Kind Gottes um meiner Schlechtigkeit willen, abgewiesen. Ghali fieng hiebey an, zu weinen, und sagte: ich will, so gut ich kan, den Heiland bitten, daß Er sich auch meiner erbarme! Wir freuten uns über den Besuch und danckten dem Heiland dafür.
[312] D. 9ten wurden wir aus der lieben Gemeine, mit Briefen und Nachrichten, gar sehr erfreut; woran wir uns so wol heute, als in den folgenden Tagen, recht viel zu gute thaten. Wir musten uns dieser Tagen mehr als gewöhnlich, inne halten, wegen der sich jezt hier befindenden Soldaten, die manche Excesse Begehen. Wir hielten daher unsere tägliche Lectiones, Singstunden und Liturgien in ihrer Ordnung und unser lieber Herr bekannte sich in Gnaden dazu.
Am 19ten hatten wir in der Demmerung ein LiebesMahl und darauf den seligen Genuß des Leibes und Blutes Jesu im heiligen Abendmahl.
Am 24ten lasen wir die Geschichte der Himmelfahrt unsers Herrn; hielten eine mit Thränen begleitete Liturgie und verbanden uns aufs neue, Seine treue Zeugen und Diener zu seyn. Sein Wort: Ich bin bey euch alle Tage, [313] bis an der Welt Ende, bewieß sich als Wahrheit an uns. Auch hatten wir dieser Tagen mit einander eine gründliche Unterredung, in Ansehung unsers Verhaltens gegen die hiesigen Catholicken so wol als übrige Gesintheiten.
D. 27ten machte ich und Bruder Danke mit einigen Griechen einen Spazier-Gang nach Alt-Cairo und wohnten in dem dasigen Kloster des heiligen Georgii, dem griechischen Gottes-Dienst mit bey, der in sehr vielen Ceremonien besteht. Nachher besuchten wir einen hiesigen Landes-Garten am Nil, welcher in seiner Art sehr angenehm ist. Die Natur thut hier das Beste; denn die Vielerley Früchte, die hier häufig wachsen, wo nur Waßer hingebracht wird, als da sind: Datteln, Feigen, Apricosen, Pfirsiche, kleine Aepfel, Pflaumen, Trauben, allerley Melonen und dergleichen, stehen alle wie ein Wald durcheinander. Bruder Hocker hatte seit einigen Tagen 2 Patienten in einer Oquelle zu bedienen. Der [314] erste starb bald; der andre aber ist völlig genesen. Die Leute in dem Hause waren furchtsam und glaubten sie hätten die Pest, weil sie unter der Arm-Buge Schmerzen hatten. Bruder Hocker hielt es aber nicht davor.
Am 29ten kam der dritte dazu und weil er alle Zeichen der Pest hatte; so resolvirte Bruder Hocker, zu diesem Patienten nicht mehr zu gehen und derselbe starb auch balde darauf. In Alexandria soll die Pest fast ganz vorbey seyn und auch hier hat sie sich nicht weiter ausgebreitet.
D. 3ten Juny als am Pfingstfest, prosternirten wir uns im Morgensegen, vor Gott dem heiligen Geist, und empfahlen uns demselben, zu neuer Pflege u. Ziehe. Und da es Sein ganz eigenes Geschäfte ist, die Seelen aus ihrem Sünden-Schlaf zu erwecken, und auf Jesum zu weisen, so wünschten wir von Herzen, daß Er auch in die todten Herzen der Cairinischen Christen, bald Eingang finden [315] möchte! Zum Fest der heiligen Drey-Einigkeit am 10ten lasen wir mit einander eine zu paßende Rede des seligen Jüngers, aus dem 2ten Theil der Auszüge, welchen wir nun Zweymal mit vielem Segen durchgelesen[WS 41], und fiengen diese Woche an, uns die Londner Predigten zu Nuze zu machen. Bruder Danke arbeitete ein paar Tage in dem Hause eines französischen Kaufmanns. Er hat so viele bestellungen, daß er nicht mehrere annehmen kan. Ich werde auch mit meiner Uhrmacherey immer mehr und mehr bekannt, und habe gleichfalls viel zu thun; krigte auch am 6ten huj. für den Mahomet Bey, welcher des Ali Beys Schwager und nach ihm der nächste in der Regierung ist, 3 Stück Arbeit, welches eine Art von Uhren seyn soll; übrigens aber nur zum Zierath auf einem mit Diamanten starck besezten Gürtel dienet. Schon im Monat [316] April hatte ich einen freundschaftlichen Brief vom Englischen Consul in Cypern, nebst noch 2 Andern von dem Capitain, mit welchem ich von London dahin gekommen erhalten; ich ersahe daraus, daß sie mich lieb behalten haben; ob ich ihnen gleich jederzeit meine Gedancken, wo es nöthig war, gerade gesagt habe.
Am 15ten Jun. erhielt ich abermals von gedachtem Englischen Consul daselbst und ganz unerwartet auch von deßen Schreiber ein freundschaftliches Schreiben. Lezterer den ich als einen Leichtsinnigen Menschen daselbst habe kennen lernen, legt mir darinn den Zustand seines Herzens dar; wie er öfters sehr unruhig sey, wenn er sich zur Sünde habe verleiten laßen; daß er zwar keine Kraft, ihr zu wiederstehen habe; aber dennoch glaube, Gott wolle ihn nicht ganz verlaßen. Er könne leicht dencken, daß ich von ihm keinen Guten Eindruck würde behalten haben; er hätte [317] es aber doch nicht unter Laßen können, dieses alles an mich zu schreiben; weil er in der Zeit, da wir beysammen gewesen, wol gesehen, daß ich mir einen beßern Weg, als er, erwehlt[WS 42] und er wünsche von Herzen, daß wir uns einmal bey Jesu Christo treffen möchten. Zum Schluß empfiehlt er sich ins Andencken und bittet um eine Antwort, die ich ihm auch Zugesendet habe. O wie wolte ich mich freuen, wenn mein stammlendes Zeugniß von der Sünder-Liebe Jesu in Cypern so viel solte gefruchtet haben, daß eine Seele zum Nachdencken käme und um Gnade in Jesu Blut Verlegen würde! Ich wolte gern mein daselbst ausgestandenes Ungemach vergeßen, und vielfach belohnt halten. Auch bekam ich Am 23ten das Clavier von Cypern, welches ich des Bösen Wetters und meines Umwegs wegen über Limasol, hatte zurück laßen müßen; Es kam mit der ersten Schiffs-Gelegenheit, die seit meinem Wegseyn [318] von Saline Bay direct nach Alexandria gegangen ist, und so lange würde ich daselbst haben warten müßen, wenn ich mich der Gelegenheit über Limasol nicht bedient hätte! Von Mecca langte dieser Tagen die große Caravane wieder an; sie war unter wegens von den Arabern attaquirt worden; hatte sich aber durchgeschlagen. Bruder Danke brachte 3 große fertige Tische zu einem hiesigen Kaufmann, der sehr content damit war. Am 17ten machten Bruder Danke und ich einen Spazier-gang nach Bullac und krigten daselbst eine neue große Oquelle, welche Ali Bey aufs prächtigste vor die Christen bauen läßt, desgleichen einige neue Schiffe, welche auf dem Nil gehen sollen und 30 Canonen führen, zu sehen. Sie sind gleichfals nach Landes-Art, aufs prächtigste gebauet. Bruder Hocker wurde zu einem Otti Bascha, durch ein Sarratsch geholt und solte deßen Sohn, der aber nicht hier ist, etwas verordnen. Weil er aber nicht einmal die [319] Kranckheit recht erfahren konte, so ließ er sich damit nicht ein.
Am 23ten wolte Ibrahim Bey den Medicum, der seinen kranken Mameluken soll verdorben haben, holen laßen, um ihn abzustrafen; Der Bediente holte aus Versehen, den Bruder Hocker. Der Bay und seine Leute aber kanten ihn gleich; weil er sie schon vormals Bedient hat; Zeigten ihm also den Krancken, und baten ihm Medicin zu schicken, welches Bruder Hocker auch gethan. Die Loosung am 3ten Jul. Sage nicht: ich bin zu jung; sondern du solst[WS 43] gehen, wohin ich dich sende und predigen was ich dich heiße! Brachte uns wieder auf Bruder Dankes Besuch-Reise nach Ober-Egypten, und wir resolvirten, dem Coptischen Tischler Ghali anzutragen: ob er den Bruder Danke dahin begleiten wolle? dieses geschahe, als er uns nach seiner Gewohnheit besuchen kam. Er bezeigte sich Anfangs willig; man merkte aber bald, daß es ihm nicht darum zu thun sey. Seine Denckungs-Art kan man Ziemlich daraus erkennen: [320] Bruder Danke sagte ihm nehmlich: Wir wären nicht um des Gewinstes willen hier; sondern wir nährten uns unsrer Hände Arbeit und suchten dabey, den Seelen ihren Schöpfer und Erlöser bekannt zu machen. Hierauf antwortete er aber: Das sey iezo nicht mehr nöthig; jezt kennte schon jederman den Heiland und äußerte dabey, daß das keine Frage mehr sey: ob er den Heiland kennt? Wir mußten also von ihm absehen, in Ansehung der begleitung des Bruder Dankes nach Ober-Egypten; und weil sich kein andrer begleiter fand; so resolvirte Bruder Danke, allein zu reisen; wozu ihm der Heiland Freudigkeit geschenckt hat. Dieser Tagen hatten wir auch einen Besuch von einem jungen Armenier Namens Choascha Pauli, welcher kürzlich aus Aethiopien gekommen, wo er sich 5 Jahre aufgehalten. Er erzehlte unter andern, daß der dasige Vezier oder Premier-Ministre sich wieder den Kayser empört, denselben umgebracht u. es daselbst jezt ziemlich durch [321] ein ander gehe. Jedoch mag auf diese Relation nicht völlig zu Fußen seyn. Zu unsern täglichen Lectionen hatten wir in den ersten Wochen des Monats July, einen Tag um den andern, die Londner u. Schweizer-Reden und ein Diarium von dem Gnaden-Gange auf den Carybischen Inseln; wobey uns der Seufzer oft aufstieg: O möchte doch Seine Stunde in diesen finstern Landen auch balde kommen und Er sich einen Schmerzens-Lohn einsammlen können!
D. 14ten hatten wir, so wie im vorigen Monat ein seliges Abendmahl mit einander und tags darauf eine gefühlige Liturgie.
Am 15ten war ich und Bruder Danke in Bulac, um uns nach einem Fahrzeug nach Ober-Egypten, umzusehen, und fanden auch verschiedene. Wir sahen daselbst zu unsrer Verwunderung, einige sehr große Flöße auf dem Nil, fast wie die Rheinischen Holz-Flöße, aber von ganz andrer Art; den sie bestunden aus lauter irrdnen Töpfen von einerley Sorte; wovon einer [322] etwa 10 Maaß halten mag, unten weit ist, und einen engen Hals hat von ungefehr 4 Zoll. Sie waren mit Dattel-Zweigen so aneinander gehängt, daß die unterste Lage gerade über sich stund und die andern Lagen nur so drauf. Dergleichen Töpfe werden hier auf den Dörfern in großer Menge verfertigt. D. 25ten hatte Bruder Danke und d. 27ten Bruder Hocker seinen Geburtstag. Wir segneten einander dazu in einigen Versen und hatten am 28ten nach einer sehr gesegneten Unterredung, ein seliges Pedilavium und Chor-Abendmahl, wegen der bevorstehenden Abreise des Bruder Dankes.
Der Reis oder Capitain des Schiffes, mit welchem er nach Girge gehet, kam am 30ten Jul. früh, samt seinem Bruder zu uns, und wir accordirten mit ihnen wegen der Fracht. Nachmittags wurde dann Bruder Danke, nachdem er ganz reisefertig war, aufs Schiff abgeholt. Wir machten einen herzlichen [323] Abschied mit einander, verbanden uns, fleißig an einander vor dem Heiland zu dencken, und ich begleitete ihn bis Bulac. Der Bruder des Reis bezeugte sich sehr freundschaftlich und Dienstfertig gegen Bruder Danke.
So räuberisch die Araber auch sonst sind; so nehmen sie sich doch eines Menschen, der sich ihnen anvertraut, vor ordinair aufs beste an und warnen ihn vor allem, was ihm im geringsten zum Nachtheil gereichen könte. Ist es gleich dabey auf ein Geschenck angetragen; so sind sie doch auch mit etwas wenigem Zufrieden. Abends bey Sonnen Untergang, ging das Schiff, auf welchem sich nebst Bruder Danke wol noch bey 20 Araber befunden, von Bulac ab.
Ich empfahl ihn dann nochmals dem Heiland aufs Herzlichste und kehrte nach Cairo zurück, zu meinem lieben Bruder Hocker, der sich heute sehr schwach befand; weil er dieser Tagen in der [324] großen Hize viele Patienten in Alt-Cairo und in Gize, wohin sie sich zur Veränderung der Luft, begeben, zu besuchen gehabt.
Wir empfehlen schlüßlich, des Bruder Dankes Besuch-Reise unsern lieben Gemeinen in ihr Gebet und Andencken, und bitten mit uns zum Herrn zu flehen, daß Er uns bald eine Thür unter den hiesigen Christen aufthun wolle.
Mein Bruder Danke hat nun seine Pilgerschaft nach Ober-Egypten und zwar vors erste nach Girges angetreten. Weil er allein zu gehen Freudigkeit hatte, und einen außerordentlichen Trieb nach Ober-Egypten ohne Anstand, zu gehen, mercken ließ; so haben wir ihn in Jesu Namen, alleine ziehen laßen. Ich weiß der [325] Herr zieht mit ihm, und zu dem haben wir des Schiffers Bruder der würcklich ein ehrlicher, hübscher Mann zu seyn scheint und sich schon so bewiesen hat, angenommen, daß er ihm bis Girges an die Hand gehe. Dient seine Reise nur dazu, daß er den genium der hiesigen Leute beßer kennen lernt und die Sprache vollkommener inne krigt; /: u. mehr verspreche ich mir nicht von seiner Reise :/ so bin ich ganz zufrieden.
Mit meinem lieben Bruder Antes lebe ich denn nun wieder alleine im Friede Jesu Christ und in inniger Herzens-Harmonie. Ich habe ihn recht lieb. Er arbeitet fleißig in seiner Profeßion und weil er ein geschickter Uhrmacher ist; so hat er sein durchkommen bißher gut gefunden, indem er von Anfang an Arbeit in die Hände gekrigt hat.
Durch Mr. Bruce, der künftigen Winter aus Abyssinien [326] hier zurück erwartet wird; hoffen wir gründliche Nachricht von dem Lande ein zu ziehen. Wir leben allhier übrigens von aussen in guter Ordnung und es wird zumalen den Francken und übrigen Christen nichts in den Weg gelegt. Die Erfüllung der Loosung vom 24 Aug., die auf uns arme Cairinische Brüder gezogen worden, erfahren wir täglich, und Sein unter uns Wandeln und der tägliche Umgang mit Ihm, unserm Schmerzens-Manne, erhält uns in diesen finstern Gegenden, in einem lichten und seligen Gang.
[327]
Ich habe Hofnung gehabt, die ersten Briefe von meinen lieben Brüdern in Guinea selbst zu überbringen, die Umstände haben sich aber in Zeit von 3 Wochen so geändert, daß es sich nicht thun läßt. Denn ein Englisches Kriegsschiff, welches 14 Tage früher angekommen, als man vermuthet, und mit welchem mir der Gouverneur auf Englisch Acra zu retourniren versprochen hatte, geht in 8 Tagen direct nach England, und wir sind hier noch nicht so weit, daß ich meine Brüder schon verlaßen könte.
Ich will daher eine kurze Nachricht von unsrer Reise, von Cowes in England an bis an Ort und Stelle geben, bis ich entweder [328] selbst unser Diarium überbringen oder senden kan.
D. 11ten Nov. schrieb ich das lezte mal aus Europa, als wir eben von Cowes unter Segel gingen. Wir hatten den Tag so ein hartes Wetter, daß wir bey Portland in großer Gefahr waren zu stranden; der Heiland aber verhütete allen Schaden. Wir kamen noch bey Tage vom Lande ab und in die Mitte des Canals. Das Wetter hielt an bis zum 18ten; doch wurde der Wind uns Favorable, der d. 19ten aus Osten wehete, und wir Avancirten starck. Am 21ten als am Lehrtage der Ledigen Brüder, hatten wir ein selig Abendmahl, welches Bruder Schenck hielt. D. 23ten waren wir auf der Höhe der Canarischen Inseln, wo wir ein Schiff auf der Seite erblickten, welches der Capitain für ein türckisches hielt. Wir sezten daher alle Segel zu, ob gleich der Wind sehr hart war, und kamen ihm balde aus dem Gesicht. Abends änderte der Capitain seinen Cours und wir segelten die [329] Nacht unsre Strase ruhig. Der Ostwind begleitete uns bis in den Passat, wo er zwar nachließ, aber uns doch immer gut blieb. Wir hatten ein schönes Wetter aber schon so heiß, wie in Deutschland im Julio. D. 11ten Dec. vermuthete man, nahe am Lande zu seyn, nach der Ausrechnung. Das Waßer änderte sich d. 12ten gegen Abend und krigte eine andre Coleur. Man warf um Mitternacht das Loot und fand, daß wir nur 7 Faden Waßer hatten. Man ließ daher gleich den Ancker fallen; sahe aber bey Anbruch des Tages noch kein Land. Wir segelten also gerade darauf zu, da wir denn am 13ten Nachmittags gegen 4 Uhr, das hohe Gebürge von Sierra Leone sahen. Das war eine Freude die ich nicht beschreiben kan. Milde Thränen liefen uns über die Wangen aus Danckbarkeit für die glückliche Fahrt, die wir bis hieher gehabt; denn in 4 Wochen hat uns der Heiland von Cowes auf die Küste geholfen, und von Copenhagen [330] waren wir just 8 Wochen unter wegens gewesen. Hier ist ein großer Fluß, an welchem etliche Meilen hinauf die Engländer ein Fort haben; in der Mündung aber können die Dänen und alle Nationen handeln. Und weil der Capitain Ordre hatte, auf der ganzen Küste zu handeln, so machte man hier den Anfang damit. Am 14ten als wir stille lagen, kamen etliche Canoes mit Schwarzen zu unserm Schiff und wir wünschten ihnen, daß sie den Mann kennen lernen möchten, der sie erlöset hat. D. 21ten schrieben wir nach Copenhagen mit einem Englischen Schiff, das in 4 Wochen von hier nach England gehen solte. D. 22ten lichteten wir den Ancker und gingen nach Cap Monte und von da nach Cap Monzerade. Mit unserm Geist waren wir in diesen Tagen in der Gemeine, knieten zum Kripplein vor unserm Jesulein, und unsre Herzen lebten in der seligen Materie dieser Feyertage. So war auch der Jahres-Wechsel eine unvergeßlich [331] selige Stunde für uns. Am 3ten Jan. gingen wir nach Cablehu, wo ein starcker Handel mit Sclaven seyn soll. Weil wir fast alle Abend Ankerten, so kamen wir erst d. 18ten daselbst an. Für das Auge ist es zwar sehr angenehm längst der Küste zu segeln; es fing uns aber die Zeit an, lange zu werden, ehe wir unsern bestimmten Ort erreichten, und überdem wurde es auf dem Schiff desto unruhiger je mehr Neger darauf kamen. D. 26ten segelten wir von hier nach Delmina ab. Der Strom war gegen uns und der Passat schwach; daher wir erst d. 5ten Febr. da ankamen. Unser Capitain, der d. 6ten am Land gewesen, erzehlte uns, daß auf dem Dänischen Fort Christiansburg viele Bedienten und auch unser Bruder Kleffel und Herr Protten aus der Zeit gegangen wären. Das schmerzte uns einestheils; andern theils aber konten wir, wenn wir zurück dachten, was auf dem lezten Synodo in Ansehung Prottens vorgekommen, dem Heiland dancken, daß er aus der Zeit gegangen ist, welches würcklich [332] am 24ten Aug. 1769 geschehen. Seine Rebecca haben wir gesprochen; sie hängt mit ihrem Herzen am Heiland und seinem Volck, hat ein gutes Zeugniß von Blancken und Malatten, und hoft, die Gemeine wird sich ihrer annehmen. Bis zum Monat August genießt sie die Helfte von ihres Mannes Gage; wenn aber die Zeit um ist, wird sie sich schwerlich durchbringen können. Es scheint ihr das gemüthlichste zu seyn, wenn sie ihre Tage unter den Geschwistern in S. Thomas beschließen könnte.
Nachdem wir d. 6ten den Ancker gelichtet, kamen wir d. 9ten Abends gegen 6 Uhr auf der Rhede von Christiansburg an, wo uns gleich ein Assistent in einem Canoe zu bewillkommen kam. Von demselben hörten wir, daß unsre Beiden Brüder noch am Leben sind, welches uns um so viel erfreulicher war, als es uns schmerzlich gewesen, unsers Bruder Kleffels Heimgang in Delmina zu hören. Weil es schon späth war, daß wir nicht alle ans Land kommen konten; so ging ich mit dem Capitain u. übrigen [333] Compagnies-Bedienten noch diesen Abend an Land, um unsern beyden lieben Brüdern in aller unser Namen grüßen zu können. Da wir ans Ufer kamen, war es schon finster, ich fand aber unter dem Haufen Blancken und Schwarzen Leute meinen lieben Bruder Sam. Hall bald aus. Wir grüßten und weinten einander eine Weile um den Hals vor Freuden, einander zu sehen. Bruder Hall freute sich 2 von seinen alten bekanten zu sich zu bekommen, erzehlte mir, daß unser lieber Bruder Kleffel das kalte Fieber habe, und brachte mich darauf gleich zum Herrn Gouverneur, der mich freundlich aufnahm und bewillkommte. Ich sagte ihm bald eine gute Nacht, und suchte dann meinen lieben Bruder Kleffel auf, den ich ziemlich matt antraf. Unsre Ankunft aber machte würcklich, daß er sein Fieber vergaß und ganz auflebte. Nachdem ich nun meine Grüße ausgerichtet hatte, legten wir uns zur Ruhe, und empfahlen uns dem Aug und Wächter Israel. [334] D. 10ten früh kamen meine Brüder Schenk, Broadley u. Watson vom Schiff und ich brachte sie gleich zum Herrn Gouverneur, der sie freundlich aufnahm und sich freuete daß unsre beiden Brüder wieder Gesellschaft bekommen hatten. Wir bedanckten uns für die Liebe und Assistenz, die er unsern Brüdern Bewiesen, baten uns dieselbe ferner aus, und er versicherte uns, allezeit willig zu seyn, uns zu dienen, wo er Gelegenheit fände, und das hat er auch bisher gethan. Nachdem wir wieder Beysammen waren, danckten wir unserm lieben Herrn auf den Knien, für alle Treue und Liebe, die Er uns auf der ganzen Reise bewiesen, für des Vaters Sorge, für des heiligen Geistes treuliches Erinnern, und für der Heiligen Engel Schuz und daß wir nun alle gesund und munter bey unsern Brüdern sind.
Die lezten 9 Wochen die wir hier an der Küste hatten zubringen müßen, waren die schwersten u. ob[WS 44] [335] wir gleich nur 13 Sclaven auf unserm Schiff hatten, so war es doch keine Ähnlichkeit gegen vorher. Nun können wir es uns vorstellen, wie es auf einem Schiff zu gehen mag, wo 300 sind; es ist aber nun vorbey, und da denckt man nicht mehr dran.
Nun will ich melden, was wir die 2 Monate hier gemacht haben: Vom 10ten bis 15ten Febr. brachten wir unsre Sachen vom Schiff und in Ordnung. Denselben Tag kam der König von Ackim und besuchte den Herr Gouverneur. Dieser erzehlte ihm bey der Gelegenheit, daß er etliche gute Freunde hier hätte, die aus dem Vaterland gekommen wären, und die mehr lust hätten bey ihm in seinem Lande zu wohnen, als hier im Fort, und sagte ihm unsern Zweck ziemlich ganz. Der König sahe ernstlich dazu aus, und hörte attent zu. Der Gouverneur sagte dann durch den Dollmetscher: Ob er alles recht gefaßt hätte? Er antwortete: Ja! stund auf und ging mit seinem Rath und den übrigen anwesenden Capucaeern[WS 45] vom Englischen, Holländischen u. Dänischen [336] Teritorio, welche Vasalen von ihm sind, bey seite. Da sie die Sache überlegt hatten, kam er mit seiner Suite wieder herein, sezte sich und sagte: Ich nehme diese guten Freunde auf in mein Land, sie können sich anbauen, wo sie wollen, und es soll sie niemand beleidigen; sie müßen aber keine Fortresse bauen. Ich stund auf, bedanckte mich im Namen aller meiner Brüder und declarirte, daß wir keine Fortresse bauen, noch Sclaven-Handel treiben wolten; wir wären aus Liebe zu ihnen in dis Land gekommen, und wenn wir ihre Sprache könten, dann würden wir erst im Stande seyn, ihnen unsern Sinn deutlicher zu machen. Der König stund so dann auf, gab mir und Bruder Schenck die Hand darauf und dann die übrigen Capucaeer und sein ganzer Rath, und declarirte uns vor seine Freunde. Das war eine rechte Solenne Handlung.
Der Herr Gouverneur und alle anwesende freuten sich darüber, u. uns war es würcklich ein Tag der Freuden, den ich nie vergeßen werde.
Am 17ten hatten wir unser erstes Abendmahl [337] in diesem Lande, dabey sich der Heiland sehr gnädig zu uns bekannte. Die Brüder Hall u. Kleffel waren sehr vergnügt, dis hohe Gut nach so langem Warten wieder zu genießen. Vom 18ten bis zum 28ten besuchten wir die Capucaeer in Ussu und Labadey, und besahen ihr Land in der Absicht, ob wir einen Plaz zu unserm Etablissement finden möchten. D. 28ten reiste ich, Bruder Schenck und Hall in gleicher Absicht nach dem Dänischen Fort Friedensburg, wo wir d. 1ten Mart. Abends ankamen[WS 46]. Wir blieben 3 Tage hier und besahen uns die Gegend, die uns recht wohl gefiel; da wir dem Capucaeer den Zweck unsers hier seyns erzehlten; sagte er: ich habe schon von euch gehört, und daß euch der König von Ackim in sein Land aufgenommen hat; wir wünschen daß ihr zu uns kämet, ihr könnt bauen wo ihr wolt.
Nachdem wir uns überall umgesehen hatten, gingen wir d. 5ten Mart. von da wieder nach Christiansburg zurück, und kamen ziemlich [338] matt und marode d. 6ten Nachmittags nach Hause, trafen unsre 3 Brüder wohl und gesund, und referirten ihnen, wie wirs gefunden hätten. Am 7ten hielten wir Conferenz über unsern Anbau, und erwehlten vor unserm lieben Herrn von den 2 Orten Labadey und Ningo bey Friedensburg, den leztern zu einem Missions-Etablissement. Unsre Herzen waren dem Heiland dafür danckbar und unser aller Neigung ging dahin. Diese Resolution meldete ich alsbald dem Herrn Gouverneur, und bat mir seine Assistenz schriftlich aus, wie auch daß er uns zu den nöthigen Bau-Materialien verhelfen möchte, welches er auch versprach. Weil wir nun nicht alle zugleich von hier gehen konten, so wurde resolvirt, daß die Brüder Schenck, Hall, Broadley und Watson zuerst von hier abgehen; ich und Bruder Kleffel aber noch hier bleiben solten, um unsre Sachen nach Ningo zu besorgen. Gedachte 4 Brüder reisten also am 19ten mit unserm Schiffs-Boote von hier ab, nachdem wir [339] vorher den Bundes-Kelch mit einander gehabt und uns zu neuer Treue vor unserm Herrn verbunden hatten. Sie kamen d. 20ten gegen Abend hinunter und fanden den Herrn v. Schawen, der als Kaufmann da gestanden, kranck, welcher am 28ten aus der Zeit ging. Bruder Schenck mußte die meiste Zeit bey ihm Zubringen, und mittlerweile konten die Brüder nicht viel thun, als sich ein wenig einrichten. Bruder Watson war schon am 25ten an einem faulen hizigen Fieber kranck worden, und Bruder Schenck legte sich am 28ten an gleicher Kranckheit. Sie ließen sich beyde zur Ader, aber ohne sonderlichen Effect. Von diesen Umständen gab mir Bruder Broadley am 31ten schriftliche Nachricht und bat, daß ich ohne Aufschub zu ihnen kommen möchte. Ich lag schon 2 Tage kranck an einem kalten Fieber und starcken Rücken-Schmerzen, resolvirte aber gleich zu ihnen zu gehen, ließ vorher zur Ader und hatte eine gute Nacht. Den Morgen darauf, meldete ich dem Herr Gouverneur die Umstände, in welchen meine Brüder [340] wären, und bat ihn mich zu ihnen bringen zu laßen. Er und alle andre sagten, daß ichs bey meiner Kräncklichkeit nicht aushalten würde; weil ich aber darauf bestund, so krigte ich 5 Neger, die mich nach Landes-Art tragen mußten. Ich reiste also d. 1ten Apr. Nachmittag von meinem lieben alten Kleffel ab, und war den andern Morgen schon um halb 5 Uhr bey meinen Brüdern in Ningo, und danckte dem Heiland der mich die 9 Meilen in so kurzer Zeit zurück legen laßen. Meine beiden Brüder fand ich zimlich schwach, doch Bruder Watson am schwächsten. Die ersten Tage ließ es sich mit beyden zur Beßerung an; den 8ten aber sahe man, daß unser lieber Bruder Watson nicht lange bey uns bleiben würde. Ich räumte indeßen so viel ich konte unsern Bau-Plaz auf, steckte das Haus ab, und weil ich sahe, daß Bruder Watson zum Heiland gehen würde, so steckte ich auch heute den Gottes-Acker ab.
D. 10ten Apr. gefiel es dann unserm lieben Herrn, unsern Samuel Watson zu sich zu [341] rufen. Er ging getröstet und als ein Sünder vergnügt und selig heim. Bruder Schenck, der neben ihm lag, war auch nicht außer Gefahr; aber nun hab ich Gottlob! Hofnung, daß es sich balde mit ihm geben wird, welches eine große Freude für uns ist. Bruder Watsons Gebeine legten wir am 10ten Abends zur Ruhe, wobey ich nach meiner Armuth, dieses Pläzgen dem Heiland weyhete. Wie mir dabey zu Muthe war, weiß mein Heiland am besten. Vor 2 Tagen krigte ich von Christiansburg Nachricht, daß bruder Kleffel daselbst wieder das kalte Fieber habe; ich hoffe aber, daß er nach den Feyertagen zu uns kommen wird. Bruder Sam. Hall ist auch schwach, hat eine alte Kranckheit auf der Brust und kan fast nichts arbeiten. Bruder Broadley ist gesund und vor die Zeit der stärckste. Bruder Schenck probirte gestern, auch einen Brief zu schreiben; war aber noch zu schwach. Er so wol als wir alle bitten, die ganze Gemeine herzlich von uns zu grüßen.
[342] Wir leben übrigens selig und vergnügt und genießen den Frieden Gottes in unsrer Mitte; wir haben die Heiden lieb und sie uns und wir glauben die Stunde wird bald schlagen, da der Heiland sich in diesem Lande einen Lohn Seiner Schmerzen sammlen wird. Es ist hier ein großes Feld für Ihn, und wenn wir mit Gottes Hülfe unsre eigene Wohnungen haben werden, so wirds in vielen Stücken leichter gehen. Wir bitten um eine baldige Verstärckung, und wünschen einen Schuster, einen Zimmermann und einen Goldschmied zu bekommen, welcher leztere von allen Profeßionen den besten Verdienst hier haben kan. Auch wäre ein Bruder der ein Bauer ist, gewiß nöthig. Auch bitten wir um einen Bruder, der ein Medicus ist; denn es ist schwer in Kranckheiten niemanden zu haben, der einem helfen kan. Er würde dabey auch im Schreiben und in Affairen mit dem Gouverneur genug zu thun finden. Uebrigens kan ich versichern, [343] daß die Brüder Muth haben zur Sache des Heilands. Es ist ein Trost für uns, daß wir wißen, wir gehören zum Volck des Heilands, und wir bitten, daß es an uns vor Ihm dencke. Das wird unsre Stärcke seyn.
Geschrieben am Oster-Morgen um 5 Uhr.
Im P.S. fügt bruder Westmann noch bey: Wenn meine Brüder nun beßer werden, und ich mit dem Bauen so weit bin, daß sie es allein bestreiten können: so werde ich vermuthlich, weil obgedachtes Schiff so frühe weg geht, und kein ander Schiff dis Jahr direct nach Europa segelt, mit einem Sclaven-Schiff nach West-Indien gehen müßen. Solte ich das thun, so werde ich von hier nach S. Crux oder Thomas reisen. Das wird freylich eine lange und beschwerliche Reise werden; was soll ich aber thun? Der Heiland wird mich durchbringen!
welchen er zu Anfang seiner Kranckheit [344] an seinen Bruder geschrieben:
Wir haben von Cowes in England nicht länger als 4 Wochen biß an die Küste zugebracht; es ist aber auch alles drunter und drüber gegangen. Der liebe Heiland hat indeßen allen Schaden von uns gewendet; Einmal verfolgten uns 6 Schiffe, darunter gewiß einige Türcken waren, mit welchen die Dänen in Krieg verwickelt sind. Das große und kleine Geschüz wurde dann scharf geladen und der Rost von den Säbeln abgerieben. Ich empfahl mich aber mit meinen Brüdern dem Aug und Wächter Israel, der nie schläft noch schlummert, zu Gnaden, und wir wurden als Kindlein bewahret. Ich bin nicht eine Viertelstunde Seekranck gewesen, und meine Brüder waren auch in 4 Tagen damit zimlich fertig. Da einmal die Wellen starck überschlugen, u. ich nicht naß werden wolte, stelte ich mich hinter einen großen Waßer-Topf. Das Tau womit derselbe bevestigt war, riß entzwey; weil ich aber das Tau halten konnte, so kam ich nicht weiter zu Schaden, [345] als daß es mir den Nagel vom Daumen wegnahm, welcher nun schon völlig wieder gewachsen ist. Ein andermal bey einem harten Wetter ging ich zum Abend Gebet in die Cabine, in welcher vor dem Tisch eine große schwere Küste stand. In dem ich nun um dieselbe herum gehen wolte, um mich auf den gegen über stehenden Stuhl zu sezen, brachen beyde Klammern, und die Küste kam mit einer solchen Force auf den Stuhl zu /: auf welchem ich aber noch nicht saß :/ daß mein Bein überm Knie einen solchen Stoß krigte, daß ich und alle glaubten, es müßte zersplittert seyn. Zum Glück war der Stuhl gepolstert und gab also nach; er brach inzwischen in lauter Stücken und mich hat der liebe Heiland bewahrt, wie wol ich noch heute den Stoß fühle. Noch eins: Als wir unsre Sachen in Copenhagen ins Schiff luden, und ich auf der Brücke neben dem Schiffe einen Coffre aufmachte, um noch was hinein zu packen, fiel indem ich mich bückte ein Eymer mit eisernen [346] eisernen Reifen, vom obersten Mastbaum herunter und schlug mir den Hut vom Kopf. Hätte mich derselbe getroffen, so hätte ich auf der Stelle todt seyn müßen. So sind wol tausend Dinge vorgekommen, da mich mein treuer Heiland bewahrt u. bis diese Stunde gesund u. selig durchgebracht hat; wofür ich Ihm nicht genug dancken kan.
In Sierra Leone, als unserm ersten Ancker-Plaz, krigten wir die ersten Neger zu sehen und zu sprechen. Wie mir beym Anblick derselben zu Muthe war, kan ich nicht beschreiben; es war mir als ob sich das Herz im Leibe umwendete vor Freuden, Neger von der Nation zu sehen, unter welchen ich die Gnade zu wohnen haben soll. Das hab ich aber gleich gesehen: wenn ein Bruder unter solchen[WS 47] Leuten durchkommen und an seiner Seele keinen Schaden nehmen soll, so gehört wahrhaftig dazu, daß das Herz im Heiland vest werde. Ich habe ihre Könige und Prinzen gesehen; ihr ganzes Geschmeide war um hand [347] und Fuß ein Stück eißerner Drath, oder ein Stück von einer dünen Hunds-Kette. Ihr gewand bestand aus einem Blau- und Weiß-streifigen Stück Leinwand, so daß man sich mit einer Elle kleiden kan. Der Königliche Stab ausgenommen, welcher einen silbernen oder goldenen Knopf hat, der etwa 4 bis 6 Rthlr. werth ist.
Auch sollen hier Menschenfreßer wohnen. Viele sind bey uns an Bord gewesen, die unsre Schiffs-Leute vor solche hielten. Die Vorder-Zähne so wol unten als oben waren ganz spizig gefeilt; es sind Leute von außerordentlicher größe. Im Gesicht und auf den Armen hatten sie sich allerley wunderbare Creaturen in die Haut geschnitten. Einige von ihnen sahen so aus, daß ich gleich bey ihnen hätte wohnen wollen; andre sahen sehr verwegen aus. Wir gingen hier das erstemal an Land. So bald ich auf dasselbe kam, ging ich hinter eine große Klippe, fiel auf die Knie und betete mit vielen Thränen zum Heiland, daß Er [348] doch unsre Arbeit unter diesen armen Heiden segnen und uns an Leib und Seel bewahren wolle, damit der böse Feind keine Ursach bekäme, sich an uns zu machen. Ich ging von dieser Stelle mit einem Herzen voll Muth und Glauben.
Das Land ist längst der Küste voller Holz; ich habe noch keines angetroffen, das ich gekannt hätte. Wir bekamen hier den rothen Hund, daß der ganze Leib wie eine Baum-Rinde wurde, welches nicht Commode zu haben ist; schlägt er ein, so können Kranckheiten folgen. Was wir in den 7 Wochen längst der Küste vor Hize ausgestanden haben, ist nicht zu beschreiben. Der alte Mensch muß würklich was dabey ausstehen; das liebe Waßer ist auch warm. Wenn man trincken will, so ists gut, wenn man die vordern Zähne noch alle hat, um die Würmer abzuhalten. Den Geschmack und Geruch braucht man nicht, wenn man mit Appetit trincken will. Wie froh wolte ich seyn, wenn ich mich aus der Petersbach einmal satt trincken könte. Das Waßer ist ein großer Artickel. Die Neger [349] können Brack-Waßer trincken; ein Blancker aber kan und darf es nicht wagen. Sie graben 20 bis 30 Schritt von der See eine Grube, so dringt das Waßer durch den Sand und ist nur halb salzig. Mit dem Eßen gehts beßer. Sie reiben das Welschkorn mit 2 Steinen so fein wie Haber-Grüz und machen dann Brodte wie die Fränz-Brodel sind. Weil aber kein Sauerteig oder Hefen dazu kommt und die Schaale mit gegeßen wird, so ist der Geschmack etwas verschieden vom Franzbrodt; doch weil der Hunger ein guter Koch ist, so hats weiter keine Schwierigkeiten. Ich will dem Heiland von Herzen dancken, wenn ich bis an mein Ende nur diese Kost und das liebe Waßer haben kan. Austern und Fische kan man bisweilen auch vor Geld bekommen. Man hälts vor gesund, nicht viel zu eßen, der Appetit ist aber auch nicht so groß, weil man in beständigem Schweiß ist und man wird matt. Ich habe davon schon etliche mal die Probe an mir gemacht; ich bin etwa [350] eine Meile gegangen und habe mir gute Zeit genommen; weil aber der Sand so heiß ist, daß man kaum mit der Hand hinein greifen kan, und die Sonne einem gerade auf den Kopf scheinet, so bin ich sehr matt worden, und zu Hause auf etliche Minuten wie in eine Ohnmacht gefallen. Wenn dann die Kleider trocken werden, so ists als wenn man von der groben Pack-Leinwand, hemten hätte. Ich will bey euch allezeit lieber 5 Meilen gehen, als hier eine. Wie groß die Freude auf beyden Seiten war, als wir nach Christiansburg kamen, und unsre 2 lieben Brüder Hall und Kleffel noch am Leben trafen, ist unbeschreiblich. Sie waren beyde so von Kräften, daß sie kaum gehen konten. Bruder Kleffel lag am Fieber; als wir ihn aber nach etlichen Tagen fragten: wie oft und wenn sein Fieber-Tag wäre? sagte er: ich bin durch euch ganz in Unordnung gekommen, ich habs vergeßen; und siehe! das Fieber blieb weg. Wir wohnen in der Vestung; wir werden aber am längsten darinn gewohnt haben; [351] unser Beruf kan uns solches nicht erlauben. Der liebe Vater im Himmel wird schon Seines Sohnes Leute schüzen; ohne Seinen Willen kan uns kein Haar vom Haupte fallen. Das weiß ich und glaub es göttlich gewiß. Ich habe mich Ihm einmal ganz hingegeben und will mein Leben nicht schonen um Seinet willen. Es wird jederman einleuchten, daß Heiden-Boten nicht in einer Vestung wohnen können, wenn sie ihren Beruf wahrnehmen wollen.
Man hat mir von diesen Negern eine fürchterliche Idee gemacht; ich habe aber die Leute so lieb, daß ich alles mit einander nicht glaube; ich muß sagen sie haben mich auch lieb.
Das ist ganz gewiß, daß der liebe Heiland in diesem Lande zu seiner Zeit eine große Erndte bekommen wird. Ach, solte ich die Gnade haben, hier Gemeinen von Kindern Gottes sich sammlen zu sehen, wie froh wolte ich seyn!
In den ersten 10 Jahren kan man sich nicht viel versprechen; denn die Abgötterey ist gar zu groß. Sein [352] Blut kan aber auch diesen Leuten bald zum süßen Geruch werden, daß sie dem Heidenthum den Rücken zu kehren. Noch will ich von ihren Götzen, oder wie sie es nennen, von ihren Vetis etwas melden. Die Vetismacher sind meistens allemal alte Weiber. Sie haben um den Kopf ein Stück Pelz-Werck gebunden; an Händen und Füßen sind sie mit allerley Farben gemahlt, im Gesicht haben sie allerley wunderliche Creaturen sich schneiden laßen, in die Wunde ist Pulver gerieben, am Hals haben sie eine Schnur, an welchem allerley Beine, Vogelköpfe, Klauen von Ochsen und dergleichen mehr ist. So laufen sie mit einem großen Stock, wie unvernünftige Thiere, in der Negerey herum. Wenn man so eine zum ersten mal siehet, so kommt einem würcklich ein grauen an; denn die Gestalt ist nicht menschlich. Es giebt auch Manns-Leute die Vetismacher sind. Die haben um den Hals wol 6mal mehr gebeine von Menschen und Vieh, und eine Müze die sie ganz in die Augen sezen. Sie sehen wie die Strassenräuber [353] aus; ich habe etliche mal probirt, sie haben mich nicht ansehen dürfen. Vor jeder[WS 48] Negerey ist ein solcher Haufen, und sie werden von den andern unterhalten. Sie machen zu Vetis was sie wollen, z. E. einen Menschen- oder Hunds-Kopf, Ochsen-Hörner, Steine, Topfscherben, Klauen von Tiegern. Auch binden sie 20 bis 30 Stückgen Holz zusammen, welches an beyden Enden schwarz gebrannt wird; auch gießen sie dann und wann Brantwein auf diese Vetis u. s. w. Von allen diesen Dingen wird kein Neger was anrühren, außer der Vetismacher. Der Wolf ist ihr Haupt-Vetis. Wenn ein Blancker einen schießt, so kans ihn auf 40 Rthlr. zu stehen kommen. Ich war gestern in der Negerey bey einem Mäckler, der unten an der Treppe dergleichen Dinge stehen hatte. Ich fragte ihn: Wozu das gut wäre? er sagte, daß der Teufel nicht oben in mein Haus kommen kan! Dieses ist würcklich ein recht verständiger Mann; aber es sind eben Heiden, die ohne Gott leben. Ich sprach auch mit ihm [354] von dem Zweck unsers hier seyns und sagte: Du must nicht dencken, daß wir euer Gold von euch holen wollen, sondern wir wollen euch von eurem Schöpfer Worte sagen, damit ihr auch selige Menschen werdet; wir wollen nicht in der Fortresse bleiben, sondern wir wollen uns ein Haus bauen, mit unsern Händen arbeiten u. Millipe pflanzen; denn du must wißen, daß wir nichts zu handeln haben. Der Mann drückte mir darauf die Hand und sagte: Alles, was du gesagt hast, ist sehr gut; Siehe! Da ist meine Sonnen-Decke, /: welche ein Ochsen-Fell war :/ darunter wollen wir oft sizen, mit einander trincken und gute Freundschaft halten. Du must wißen, sagte ich, daß ich und meine Brüder nicht gern viel trincken; denn es kan unserm Schöpfer nicht gefallen p. Er antwortete: Du hast recht, ich will auch nicht mehr viel trincken, u. gab mir die Hand darauf.
Alles dieses habe ich lieben Brüder! des Abends geschrieben, weil ich am Tage keine Zeit dazu habe.
Wir haben beständig 12 Stunden Tag von [355] 6 zu 6 Uhr. Wenn ihr zu Mittag speißt, so geht bey uns die Sonne auf. Es vergeht kaum ein Tag, da wir nicht Gewitter haben; es donnert so starck, daß man dencken solte, die Mauren müßten dadurch Schaden leiden. Den ganzen Tag hört man das geraßel der Ketten, da immer 12 Mann zusammen geschloßen gehen, und eben so liegen 80 arme Menschen auf dem Hofe herum. Ihre Sprache ist sehr schwer zu lernen. Daß ich dem lieben Heiland dancke, daß ich hier bin, und recht vergnügt lebe, das kanst du glauben. Mit unserm Durchkommen werden wirs etwas schwer haben, bis wir selber was bauen können; es wird unterdeßen doch auch gehen müßen; man muß sich eben nach der Decke strecken.
Ich bin gegenwärtig dem Heiland sey Danck, recht gesund und wohl; es hat Ihm aber gefallen, unsern lieben Bruder Watson zu sich heim zu nehmen. [356] Es hat mich würcklich viele Thränen gekostet, diesen meinen getreuen Compagnon, mit dem ich zu Land und See so vieles erfahren habe, so bald zu verlieren. Ich kan aber weiter nichts dazu sagen, als: Was der liebe Heiland thut, das ist wol gethan!
Am 10ten Febr. kamen wir gesund und wohlbehalten in Christiansburg an, und fanden unsre Beyde Lieben Brüder am Leben. Das war würcklich alles, was man von ihnen sagen konte; doch damals dachte ich nicht, daß ich meinen Compagnon so bald verlieren solte. Weil Bruder Westmann davon ausführliche Nachricht giebt, so will ich davon weiter nichts schreiben.
Daß unser Gottes Lämmlein auf der ganzen Reise in unsrer Mitte war, das haben wir oft aufs kräftigste gefühlt, wenn wir in unsrer kleinen Kammer zusammen kamen und besonders beym heiligen Abendmahl, und beym Beschluß des Alt- u. Anfang des neuen Jahrs. Ich werde nie vergeßen, was Er vor Güte, Gnade und Barmherzickeit an mir armen Kinde auf dieser Reise gethan hat. [357] Als wir unser Schiff verließen u. in einem Canoe nach dem Fort abgingen, hatte ich mit meinem lieben Heiland eine besonders herzliche Unterredung und bat Ihn, mich und alle meine Brüder an Leib und Seel zu bewahren, und mich zur Freude Seines Herzens zu machen; sonst möchte Er mich lieber nicht ans Land kommen laßen! Er war mir dabey innig nahe, u. ich muß bekennen, daß Er sich allemal sehr gnädig an meinem herzen beweißt, so oft ich mit Ihm über mich und meinen Ruf und die armen Heiden, unter welche Er uns gebracht hat, rede. Ich habe sie um Seinet willen von Herzen lieb, und wünsche sehr, daß ich ihnen etwas sagen könte von des Heilands Liebe gegen sie. Ihre Sprache ist schwer zu lernen; ich hofe aber, der liebe Heiland der uns zu ihnen gesendet hat, wird uns darinn helfen. Man kan sie nie ohne Mittleiden sehen und wünscht zugleich, daß sie der Heiland in Seinem Blute bald selig machen möge. Sein Blut der edle Saft hat ja solche[WS 49] Stärck u. Kraft, daß auch [358] ein Tröpflein kleine die ganze Welt kan reine, ja gar aus Teufels Rachen frey, los und ledig machen. Ach könte ich nur mit ihnen davon reden, wie froh wolte ich seyn! Ich thue alles mögliche, daß ich alle Tage ein oder ein paar von ihren Worten lerne. Der Mann heißt bey ihnen Man, die Frau You, der Kopf Metue, der Leib Mittechu, die Augen Engba, die Ohren Troe, die Hand Dirde, der Fuß Annunde, die Finger Dennea und die Zehe Weil.
Ich bitte schließlich, an uns arme Brüder in Guinea vor dem Heiland fleißig zu dencken, daß Er uns um Seines Blutes und Todtes willen durchhelfe, und uns, so arm und elend wir sind, Ihm zur Freude einher gehen laße. Mein Sehnen und Verlangen ist nur, Ihm zu gefallen. Ich bin der Ärmste unter meinen Brüdern, bin aber doch gewiß Seine, und hoffe es durch Seine Gnade bis an meinen lezten Othemzug zu bleiben.
[359]
Ob ich gleich alle Wochen nach Bridgetown gegangen bin, mich nach einem Schiff, das nach Antigoa gehet, umzusehen, so hab ich doch bis jezt keins finden können. Ich habe unterdeßen meine Zeit allhier nicht übel angewendet. Wäre ich eher weggegangen, so hätte Confusion daraus entstehen können. Denn Bruder Bennet ist über mein weg gehen nicht befriedigt, bis jemand anders hieher kommt.
Gestern hatten wir einen wahren Gnaden-Tag. Bruder Bennet predigte zu beynahe 200 Negern, auf einem Plaz der etwa 3 Meilen von uns ist. Bruder Williams war mit ihm und sie konten nicht aussprechen, was vor ein seliges Gefühl dabey gewesen wäre. Ich predigte in unserm Hause, worauf wir eine Taufe hatten. Ich taufte einen [360] alten Neger mit Namen Abraham und Bruder Weigel taufte unsers Stephans alte Mutter, mit Namen Catharina. So wol viele Neger als auch eine Anzahl weisser Leute, waren dabey zu gegen, und hörten und sahen still und Ehrfurchts-Voll zu. Der getaufte Neger John richtete den Abraham von seinen Knien auf und küßte ihn; die getaufte Negerin Sarah aber, legte der Catharina die Hand auf, richtete sie auf und küßte sie. Darauf kamen alle übrige getaufte Negerinnen und eine nach der andern legte der Catharina sehr Liturgisch die hand auf und küßte sie. Wir hatten ihnen solches nicht geheißen, und weil sie es von selbst, mit Gnade und in wahrer Einfalt gethan; so resolvirten wir ihnen darüber nichts zu sagen.
Wir haben nun 15 getaufte, nehmlich 5 Neger und 10 Negerinnen, und wir können sie in Wahrheit als Brüder u. Schwestern ansehen und wünschen sehnlich, daß die hieher bestimmten Geschwister balde kommen mögen.
[361]
Die Verkündigung des Evangelii an die armen Heiden, geht im Segen fort und wir finden hie und da Seelen, denen in Wahrheit damit gedienet ist. Vergangenen Sontag hatten wir eine begnadigte Taufe zweyer Personen, die um ihre Seligkeit verlegen gewesen und Gnade in Jesu Blut erlangt haben. Ich bin zwar ein armes und elendes Wesen, mein Heiland aber weiß, daß ich die armen unwißenden Heiden die Ihn, so gut wie ich, Sein Blut gekostet haben, lieb habe und nach ihrer Errettung sehnlich verlange. Bruder Brukshaw, deßen Ruf nach Antigon mir sehr zu herzen geht, ist sehr verlegen gewesen, daß er noch keine Schiffs-Gelegenheit hat ausfinden können; er gedenckt aber so bald als möglich, dahin abzugehen.
Die Beyden Brüder Peter Petersen
[362] und Jens Larsen sind gesund und
wohl in Pitea angekommen. Ihr
erster Brief war etwas verlegen;
nachdem sie aber ein weilgen da
gewesen waren, fanden sie bey einigen
Erweckten Seelen Eingang, denen
sie von der großen liebe des Heilands
zu den armen Sündern, manches
erzehlen konten; welches sie selbst
ermuntert hat, sich dem Heiland
aufs neue ganz auf zu opfern. Ein
Lieutnant /: der ihnen, als sie hinkamen
und Quartier begehrten, zur Antwort
gegeben hatte; wenn sie nicht unordentliche
Leute wären, so wolte er sie
aufnehmen :/ kan nun seine Freude nicht
genug bezeugen, daß der liebe Heiland
diese Brüder, von denen er
nicht wußte, wer sie waren, in
sein Haus hat kommen laßen. Er und
ein Fahndrich haben sie herzlich lieb.
Auch sind sie mit 10 Bauers-Leuten
bekannt worden, haben auch schon zwey
Lappländische Weiber gesehen. Der
Pfarrer im Orte hat gleichfalls große
Liebe und Achtung für die Brüder
und hat gesagt, er hätte noch nie
solche ordentliche u. hübsche Leute gesehen,
[363] als diese wären. Sie sind
einmal beym zum heiligen Abendmahl bey
ihm gewesen.
Bruder Platin hat mit 9 unsrer Geschwister Kinder eine Schule angefangen, und hat Muth und Lust dazu. Bruder Hyphoff ist beym Bruder Gnospelius einem Leinwandshändler und Bruder Enequist, der in Gothland zum Besuch ist gedenckt vor dem Winter, wieder hier zu seyn. Wir gehen übrigens unsern Gang ungestört fort und der Heiland bekennt sich gnädig zu uns. Ich Geschwister Ickens und die Schwester Clara grüßen die Gemeine herzlich.
Nachdem das ledige Brüder-Chor am 29ten Aug. ein seliges Chor-Abendmahl gehabt hatte; so wurde im Monat Sept. auch in den übrigen Chören die heilige Communion gehalten. Bey den ledigen Schwestern participirte die Schwester Anna Rosina Andersin zum erstenmal daran. Das Ehe-Chor hatte außerdem zu seinem Fest ein liebliches Liebesmahl u. Homilie [364] und den Tag zuvor das Pedilavium. Am 8ten ermunterten wir uns in der Beter-Versammlung bey der Loosung, nach dem Exempel Daniels, dem Herrn Sein Volck und Seine Sache fleißig ans Herz zu legen. Am 11ten wurde bey der Loosung: Die Gemeine hatte Friede, das ist Ruhe vor den Verfolgungen, gezeigt: wie wir diese Ruhe, die wir auch bißher genießen, recht anzuwenden haben. Am 25ten wurde die große Errettung, welche der Heiland den sämtlichen Gliedern der hießigen Gemeine vor 11 Jahren wiederfahren laßen, ins Andencken gebracht und Ihm Lob und Danck dafür gesungen. Die Schwester Anna Calkerin, welche bißher der seligen Schwester Munzkyn Stelle bey dem hiesigen ledigen Schwestern-Chor versehen hatte, ging am 12ten nach Gnadenberg zurück und abends kam die liebe Schwester Louisa Hayn mit unsern Geschwister Clemensens von Herrnhuth und brachte die Schwester Helena Gutsleff mit als künftige ledige Schwestern Arbeiterin. [365] dieselbe wurde am 17ten in der Chor-Versammlung der ledigen Schwestern nach einer herzlichen Rede des Bruder Lieberkuhns über den Text: Er küße mich mit dem Kuße Seines Mundes. Von der Schwester Louisa Hayn, zu ihrem Amt unter einem seligen Gefühl Seiner Nähe, eingesegnet. Die Schwester Louise hatte in den Tagen, die ledigen Schwestern hier alle gesprochen u. auch ein kleines Mädgenchor hier eingerichtet und reiste darauf über Gnadenberg nach Herrnhuth zurück. Im Monat Oct. haben wir die Gemein-Versammlungen auf künftig so eingerichtet, daß in der Demerung alle Tage, die ganze Gemeine zusammen kommt, da zweymal Singstunde, 2 mal Bibel-Lection, einmal eine Rede über die Texte gehalten und einmal eine Rede aus den Gemein-Nachrichten gelesen wird. Zu diesen Versammlungen können auch Fremde kommen und dürfen also nie abgewiesen werden. Abends um halb 9 Uhr wird einmal die Stunden-Beter-Versammlung, 2 mal Liturgie [366] für die Abendmals-Geschwister u. Freytags die Liturgie zum Haupt voll Blut und Wunden, gehalten. Sontags wird früh die Litaney gebetet; um 10 Uhr ist die Predigt; Nachmittags um 5 Uhr wird ein Liturgischer Gesang gesungen und Abends um 7 Uhr die Gemein-Versammlung gehalten.
Das Ehechor hat am Sontag und die übrigen Chöre in der Woche ihre Versammlung. Am 6ten Oct. hielt die Gemeine das Mahl des Herrn in Seiner seligen Nähe; zu deßen ersten genuß die ledige Schwester Christ. Nitschin eingesegnet wurde. Am 14ten wurde in der Gemein-Versammlung der Text betrachtet und gezeigt, daß Gott selbst diese Worte ausgerufen: Der Herr, der Herr ist da, der Barmherzige, Gnädige und Langmüthige Gott, der da beweiset Gnade in Tausend Glied und vergiebt Mißethat, Uebertrettung und Sünde; der aber auch niemand, der seine Schuld nicht erkennt, ungestraft läßt, u. daß uns also dieses Zeugniß Gottes von Sich [367] Selbst desto wichtiger seyn soll.
D. 21ten am Gemeintag wurden die 2 Mädgen Maria Magdalena Fischerein und Eva Ros. Bindernagelin in die Gemeine aufgenommen. Am 29ten begingen wir unser Gemein-Fest u. Danckten im Morgensegen dem lieben Heiland für die Kirchen-Freyheit, die Er uns hier geschenckt hat, und baten Ihn um den rechten Gebrauch derselben. In der Gemein-Versammlung wurde die Loosung betrachtet; „Das Volck so ihren Gott kennen, werden sich ermannen und es ausrichten!“ welches auf unsre Gemeine applicirt wurde. Nachher verbanden wir uns beym Bundes-Kelch, zu neuer Treue bey unserm Kirchen-Bund.
Zu unsrer Gemeine sind gekommen von Gnadenberg der Bruder Ignatius Streck, welcher in dem hiesigen Laden gebraucht wird; von Niesky die Wittwe Mar. Christ. Messerschmiedtin, mit ihrer Tochter Johanna Magdalena u. von Hennersdorff die ledigen Schwestern Benigna Christ. Burowin, und Johanna [368] Christiana Flammigerin, erstre als ChorHaus-Dienerin.
Auch kam der Bruder v. Gablenz von seinem Gut Welmiz hier an und freute sich sehr, daß Er Erlaubniß bekam, eine Wohnung bey uns zu haben. Ubrigens haben wir in diesem Monat auch angefangen, den Verlaß des Lezten Synodi noch einmal zu lesen.
Unsre Gemein-Versammlungen waren
im Segen. Das Anbeten der Stunden-Beter
geschahe mit Gefühl des Geistes und
der Gnade. Auch hat dieses Gefühl in den
Chor-Versammlungen gewaltet. Am 14ten wurde
unsern National-Gehülfen Otto’s ein
Töchterlein geboren, welches in der Gemeinstunde,
darinn auch die Kinder waren,
die heilige Taufe, und darinn den Namen
Maria Elisabeth empfieng. Das heilige Abendmahl
war uns eine Friedens- u. Segensvolle
Handlung. Das Ehepaar Bielskys
wurde zum monatlichen Abendmahl admittiert
u. Bartels die ehe dem in der
Gemeine gewesen u. ihre eigene Wege
gegangen, kamen nach langem warten,
[369] auch mit einander zum Genuß dieses
Sacraments mit der Gemeine. Eine
Loosung dieses Monats, gab Gelegenheit,
die Gemeine an den Danck
für das Leibliche und Zeitliche gute,
gegen unsern lieben Herrn zu erinnern,
und das auch durch beweisung
des Glaubens und der Treue in unsern
äußern Berufs-Geschäften. Der Unterricht
der Jugend war von der geistlichen
und leiblichen Auferstehung von
den Todten; Vom Gebet des Herrn,
das Er Seinen Jüngern gelehrt hat;
von der Liebe der Eltern u. der Kinder p.
Uebrigens haben wir am 23ten in der
großen Helfer-Conferenz angefangen,
die hauptsächlichsten und nöthigsten Stücke
des Synodal-Verlaßes, zu wiederholen;
welches auch zum Theil im
Gemein-Rath geschehen soll. Die Briefe
einiger an den Ungarischen Grenzen,
unter Verfolgung stehenden Böhmen,
an die Brüder Unitaet, die uns zum
Uebersezen gesandt wurden; haben
uns und die National-ArbeiterGehülfen
hier in Rüxdorff, erfreut; und
da es schien, daß sie von den Berlinischen
Böhmen, nicht den rechten Begriff
[370] hätten; so haben wir ihnen eine kurze Idee
von der evangelisch-Böhmisch-Mährischen
Brüder-Gemeine allhier gesandt.
Am 15ten hatten wir die Freude, von unserm lieben Bruder Sternberg aus Grönland Briefe zu empfangen. Wir grüsten die Geschwister von ihm und hatten über seine Briefe und Berichte eine etlich tägige Freude. Größer wäre sie aber gewesen, wenn er auch selbst dis Jahr zurück gekommen wäre. Allein, da er auch dort dem Willen unsers Herrn dienet, so gedulden wir uns, und wünschen ihm zu seinem Gechäfte tausend Segen.
In Rixdorff wurden 2 Brüder aus dem Ehechor, wieder zum heiligen Abendmahl admittirt. Am 30ten wurde eben daselbst der ledige Bruder Abraham Hawlik ein Weber, aus dem Berlinischen ChorHause, mit der ledigen Schwester Mar. Januschkin, getraut. Das nächste Haus an unserm Gemein-Haus, krigt dadurch nun wieder einen Wirth. Beym LiebesMahl war auch eine Anverwandtin von der Böhmischen Colonie Nowawes bey Potsdam, welche auch in Rixdorff zu wohnen wünschte.
[371]
Ich kan nicht anders sagen, als das Wort von Jesu Marter und Todt, beweiset seine Gottes Kraft an den Herzen der Neger; wovon wir meist alle Tage, neue Gnaden-Beweise haben. Die meisten von unsern Getauften, gehen im Umgang mit dem Heiland selig fort und lernen sich beßer kennen, wie sie als arme verdorbene Menschen, ohne den Barmherzigen Heiland nicht durch kommen können. So können wir uns auch über unsern AbendsMahls-Geschwister freuen und ich muß mich oft schämen, wenn ich mit ihnen rede und von ihnen höre und fühle, daß sie wahrhaftig als arme Sünder an ihrem Freunde hangen. Beym [372] Lezten Abendmahl sahen 6 Personen das lezte mal als Confirmandi zu und am lezten Bettag wurden 5 Erwachsene getauft.
Unter den Tauf-Candidaten deren über hundert sind, haben wir auch hofnungs volle Subjecte; sie sehnen sich mit Jesu Blut von ihren Sünden gewaschen zu werden. Auch unter dem neuen Volck ist ein besonderes Verlangen nach dem Worte Gottes und es kommen von Zeit zu Zeit immer welche, die ihre Namen aufzuschreiben bitten und sich ins Andencken vor dem Heiland empfehlen. Wir stehen oft Beschämt da und sehen was das Wunden-Blut an den armen schwarzen Heiden thut. Er dem das Schwarze Gemeinlein Sein Blut gekostet, und der sich das selbe zum Erbtheil erworben hat wolle seine Gnaden-Flügel über uns aus breiten und die Engel singen laßen: [373] Sie sollen unverlezet seyn, damit uns der Feind nicht antaste!
Es ist mir eine unverdiente Gnade, unter den lieben Schwarzen zu seyn, und ein Wahres vergnügen, wenn ich gelegenheit habe, ihnen nach meinem geringen Grade und in Schwachheit ein Wörtgen davon zu sagen, was Gott an sie gewendet hat und Seine süße Wunder-that, wie theuer und sauer Ers hat erworben. Es geht auch gar selten ganz ohne Thränen ab, wenn man sich mit ihnen von des lieben Heilands Marter, Todt und Blut-Vergießen unterhält; ja man sieht mehr u. mehr daß nichts eine solche Kraft hat, die harten Herzen zu zerschmelzen; als das große Wort Jesus ist verschieden! Er helffe mir und uns allen, daß unsere Kehlen davon nie ermüden mögen, es zu verkündigen und zu besingen, bis [374] sie eingestimmet seyn in die Obere Gemein.
Es finden sich immer von Zeit zu Zeit neue herbey, die nicht allein einen Geschmack daran kriegen, sondern es auch an ihrem Herzen zu erfahren suchen. Die Freude die wir haben, zu sehen was das Wunden-Blut an den armen Neger Sclaven thun kan und würcklich thut, überwiegt weit die Betrübniß und das Schwere, welches wir auch mit unter empfinden müßen und wir sind schon gar oft getröstet worden, wenn wir gesehen, daß ein und andere, mit denen es nie recht gehen wollen, doch am Ende, dem erbarmenden Sünder-Freunde in die Hände gelaufen sind, um Vergebung geweint, u. dieselbe auch erhalten haben.
Ich für meinen Theil bin wol ein sehr armes Wesen und traue mir selbst nichts zu; weiß aber doch daß Er [375] mich einmal hat, der treue hirte; so schwach und unvermögend ich bin; so bin ich doch Seine und Er wird mich aus Gnaden durchbringen und mich bey seinen Wunden erhalten.
1.) Zuvörderst sind unsre herzen mit wahrer Danckbarkeit gegen unsern lieben Herrn erfüllt; daß Er sichs gefallen laßen, auch in diesem Viertel-Jahr, fühlbarlich in unsrer Mitte zu wohnen u. zu wandeln und uns in den gewöhnlichen Versammlungen, mit den Heilsamen Worten seines süßen Evangelii, täglich zu weiden. Unter denselben waren einige mit seiner besondern Gnaden-Gegenwart ausgezeichnet; z.E. die Litaney, da sie am 22ten Jul. zum ersten mal aus dem revidirten Liturgien Büchel [376] gebetet wurde; Die Singstunde am 31ten Jul. über den schönen Text: Das wird Sein Name seyn: Herr der unsre Gerechtigkeit ist, mit welcher dieser Monat, unter einem gar seligen Gefühl, mit den Worten beschloßen wurde: Herr! segne und behüte mich, erleuchte mich Herr! Gnädiglich, Herr! heb auf mich dein Angesicht und Deinen Frieden auf mich richt’! Ferner die Stunden-Beter-Versammlung zum 27ten Aug. Da diese Gesellschaft in Erinnerung ihrer ersten Einrichtung an dem Tage vor 43 Jahren, beym Bundes-Kelch zu neuer Treue, fürs Volck bey Ihm zu sprechen, sich verband und zu derselben 3 ledige Brüder und 3 ledige Schwestern hinzu gethan wurden. So war auch in der Bibel-Lection am 13tn Sept. ein besonderes Gnaden-Wehen zu spüren, da die selige Geschichte des Lebens Jesu, nach der Harmonie der Evangelisten, beendiget und den Schlußworten [377] derselben: Alles Volck, das solches sahe, lobete Gott! von der Gemeine, als mit einem Munde hinzugethan wurde: O daß Ihn doch jedes mit frölichem Geiste, sein Lebenlang liebte und lobte und preiste! Nicht weniger machte am 18ten Sept. da die Geschichte der Apostel zu lesen angefangen wurde, die Erzehlung der Auffahrt unsers Herrn, eine ganz eigene und tiefe Impresion. Ein gleiches könten wir von mehreren Versammlungen anführen; für die Ihm ein jedes genießendes Herz unter uns, in der Stille seinen Danck bringt.
2.) An unsern Gemeintagen nahmen wir an dem Segen des Evangelii unter Christen u. Heiden herzlich Antheil und wiederholten Ihm die Bitte: Dein Reich komme! In die Gemeine wurden aufgenommen am 1tn Jul. die Cath. Rensing u. am 23ten Sept. die Susette Richard und das große Mädgen Caton Oelhaven.
[378] 3.) Das Mahl des Herrn hatten wir im Jul. und Aug. mit der ganzen Gemeine; im Sept. aber in den Chören. Als Confirmanden sahen im Aug. zum lezten mal zu: Catharina Margaretha Hugoniot u. Salome Giesy.
4.) Besonders selige Mensch-Sohns-Tage waren uns der 12te Jul. da wir unser Gemein-Fest begingen. In dem Solennen Morgensegen, darinn wir unserm Herrn für unsern stillen Himmel und Sein gnädiges wohnen in unsrer Mitte, unsern Danck brachten und Ihn angelegentlich baten, Sein freundliches Auge ferner über uns und das Oertgen, das Er uns Erwehlet, offen stehen zu laßen, waltete eine Herzschmelzende Gnade. Am 13tn Aug. war unser Gemeinschaftliches Flehen: Mache uns Dir zur Gemeine p. erneuere auch an uns die Geistes Taufe von anno 1727 her, die uns als Deine Familie auch in den Augen der Welt [379] characterisiret. Der 17te war besonders unsern Mädgen ein Segens-Tag; der 29te den Ledigen Brüdern, welche 7 Jünglinge in ihr Chor aufnahmen und der 7te Sept. den Ehegeschwistern.
Am 16ten Sept. huldigten alle Stunden-Beter unserm Herrn u. Aeltesten auf dem Angesicht, danckten Ihm für sein bisheriges gnädiges Bekenntnis zu uns und legten sich und das ganze Brüder-Volck, an sein unwandelbar treues Herz, mit dem innbrünstigen Seufzer, daß Er doch des Hebens, Tragens und Verschonens nicht müde werden möchte.
5.) Getraut wurde d. 15ten Aug. Pierre Curie mit der ledigen Schwester Maria Guelet.
6.) Geboren sind im Sept. 2 Knäbgen Phil. Jacob Scheurer und Joh. Georg Heinrich Kupp.
7.) Abgereist sind am 17tn Jul. Geschwister Stehlys auf ihren Posten in die Schweiz zurück und mit ihnen Geschwister Martin Lorezens nach Chur, die Schwester [380] Schmidtin und Catharina zum Brunn nach Bern; wie auch unsre Schwester Salomee Wassmer zum Besuch ihrer Anverwandten, welche am 11ten Sept. wieder kam.
D. 23ten Jul. trat unser lieber Bruder Rissler mit seiner Frau und der Schwester Dorothea Stern seine Reise nach Herrnhuth an; von woher sie am 23tn Sept. wieder zurück kamen und erstre Brachten ihren Sohn Jeremias von Niesky mit hieher. Am 5ten Aug. reiste Bruder Simon Peter, der verschiedene Jahre unsrer Knäbgen-Anstalt mit Treue gedienet, seinem Ruf nach Pensylvanien zu folge von hier nach Zeyst ab. Am 26ten Sept. gingen Geschwister Curies nach Montmirail ab, zum Dienst bey dasiger Anstalt, und Bruder Macrait auf eine Zeitlang nach Marienborn. Von Barby kamen am 19ten Aug. die Brüder Beklind und David Cossard hier an. Uebrigens mercken wir an, daß wir im Monat Aug. vielen [381] Besuch von hohen dieser Erden gehabt; wie denn auch am 26ten unser ganzer hiesiger Hof, nebst verschiedenen Gräflichen Herrschaften, die sich bey demselben zum Besuch befanden, unsrer Predigt die Bruder Beyer übers Evangelium hielt, mit Respect und Attention bey wohnten.
Das hiesige Gemeinlein hat so wol ins ganze, als in den verschiedenen Abtheilungen, in diesen beyden Monaten aus der Gnaden-Fülle Jesu viel gutes u. seliges zu genießen gehabt; dabey es nicht an Gelegenheit gefehlt hat vor Danck-Schuld roth zu werden und bey Erkenntniß des noch gar großen Zurück bleibens, zu wünschen und zu bitten, daß nach Proportion der dargereichten Gnade, auch unsre Beßerung ins Ganze und in den Theilen, mercklicher und schneller wachsen möchte.
An unsern Gemeintagen am 2tn Sept. [382] wurde der ledige Bruder König, ein Schneider, und am 30ten Sept. der ledige Bruder Michael Schulze in die Gemeine aufgenommen und am Gemeintag der Kinder, am 29ten Sept. ein Knäblein und 3 Mägdlein in die Kinder-Gemeine aufgenommen.
Der ledige Bruder Wilhelm Schmidt aus Stockholm, wurde am 25tn Sept. mit der ledigen Schwester Magdalene Rosina Nordheim, zur heiligen Ehe verbunden. Das Ehe-Chor beging am 7ten sein Fest in Gnade und Segen, wozu sich eine ziemliche Anzahl Geschwister aus der Diaspora, ohngeachtet des starcken Regen Wetters, eingefunden hatte. Das Chor so wol, als die ledigen Schwestern hatten in dem Monat selige Chor-Abendmahle und am 17ten und 23tn Sept. hatte die ganze Gemeine in 2 Abtheilungen ein begnadigtes Kirchen-Abendmahl. Dieses hohen Gutes wurde die Gemeine auch am 6ten Oct. theilhaftig.
[383] Am 14ten Oct. wurden wir mit der Ankunft der 2 lieben Deputirten aus der Unitaets-Aeltesten-Conferenz, der Brüder Koeber und Quandt erfreuet. Dieser 2 lieben Brüder ihre Treue, unermüdete und von unserm lieben Herrn sehr begnadigte Beschäftigung zum besten hiesiger Gemeine, zeichnete diesen Monat ganz besonders aus. Nachdem in Verschiedenen Versammlungen, so wol der hiesigen Aeltesten-Conferenz, des Aufseher-Collegii und der großen Helfer-Conferenz, als des sämtlichen Gemein-Raths, nicht nur die neuen Gemein-Ordnungen, sondern auch der Recess zwischen unsrer lieben Orts-Obrigkeit und der hiesigen Gemeine war durchgeredet und mit allerseitiger Zufriedenheit war regulirt u. erkannt worden; so kam am 2ten und 3ten Nov. beydes zur würcklichen vollziehung und wurde gehörig unterschrieben.
[384] Die in den Tagen vorgekommene Loosungen, waren uns ganz besonders anmercklich und die lezte am 31ten: Ich will ihnen einerley Herz u. Wesen geben p. stärckte unsre gläubige Hofnung und erregte zugleich unser Bitten und Flehen.
Am 22ten schenckte der Heiland den Geschwistern Rosens ein Söhnlein, welches in der heiligen Taufe Johann Siegmund genannt wurde.
D. 14ten Oct. wurde der hiesige Herrschaftliche Amts-Schösser, unser Bruder Feiler mit der Ledigen Schwester Catherina Dorothea Schwaegerin, zur heiligen Ehe verbunden, und am 23tn getraut.
Bruder Strack kam am 17ten von seinem Besuch zurück, [385] den er in Zeilenrode, Graiz u. so weiter gemacht. Er hat sonderlich die Herren Prediger an verschiedenen Orten, sehr herzlich und liebreich gefunden. Unvermuthet kam er in Nütscha zu einer Prediger-Conferenz, wo eine Gesellschaft von 17 Predigern und Candidaten bey samen war und wurde freundlich aufgenommen. Zu Schönbach predigte er und hielt die Catechisation. Es ist uns wichtig, daß so manche Prediger um uns herum, uns nicht nur lieb haben, sondern würcklich den heiland verkündigen.
D. 22ten kam der ledige Bruder Just, ein Schumacher aus Gnadenfrey hier an. heimgegangen ist am 21ten die ledige Schwester Anna Maria Eberhardin.
Sie war anno 1707 zu Bern geboren kam anno 1741 zur Gemeine auf den Herrnhaag [386] wurde anno 1743 aufgenommen und des heiligen Abendmahls theilhaftig. Anno 1752 kam sie hieher und verbrachte ihre Zeit selig und vergnügt. Ihre lezte Erklärung war: Ich freue mich gar sehr auf den seligen Augenblick, meinen Heiland zu sehen; ich bringe gar nichts mit, als allein Sein theures Blut u. Gerechtigkeit.
[387]
Was uns bald zu Anfang des Monats July, am meisten afficirte, war der unerwartete Heimgang unsers werthen Gemein-Helfers, des lieben Bruder Henrich Nitschmanns, den uns unser lieber Herr erst im Monat Merz geschenckt hatte und den Er am 4ten July nach einem kurzen Krancken-Lager, 6 Tage nach dem Heimruf seiner lieben Frau, schon wieder zu nehmen vor gut fand. Wir, deren schwachen Augen, die Geheimen Liebes-Wege unsers Herrn, allezeit unerreichlich sind, konten zwar unsern lieben Geschwistern Nitschmanns, die sanfte Ruhe an Seinen Wunden nicht mißgönnen; waren aber doch bekümmert zu [388] wißen, was uns Sein treues Herz mit dem so bald nach einander erfolgten Abruf dieser 2 lieben Geschwister, sagen wolle und baten Ihn, auch diese Sache uns zum Segen zu wenden. Die Personalia des seligen Bruders, die mehrentheils aus einem unter seinen Papieren gefundnen Büchlein gesammlet sind, darinn er alle seine Veränderungen, die er in der Gemeine erfahren, mit kurzen Worten eingetragen hat, werden seiner Zeit communicirt werden.
Dieser Heimruf war die Gelegenheit, daß uns am 6ten Jul., der liebe Bruder Joseph zum erstenmal als Provincial-Helfer Besuchte. Derselbe hielt am 7ten die Leichen-Rede auf unsern seligen Bruder Heinrich Nitschmann und am 8ten die Predigt und Gemeinstunde, mit Gnade und tiefen Eindruck auf die Herzen. So war auch sein Besuch vom 7ten bis 16ten Aug. nicht [389] weniger gesegnet. Er hielt am 8tn Aug. als an unserm Gemein Fest, den Morgensegen mit einer Bandenmäßigen Anrede an die Gemeine und einem sünderhaften Gebet. Das Liebesmahl der Gemeine, die Festrede und der Bundes-Kelch mit den Abendmahls-Geschwistern, machten diesen Tag zu einem seligen Festtag. Außer dem hielt Bruder Joseph nicht nur manche begnadigte Gemein- und Kinderreden; sondern auch sehr reale und fruchtbare Conferenzen und privat-Unterredungen mit verschiedenen Geschwistern.
Die Chor-Feste der Mägdlein, der ledigen Brüder und der Eheleute im Aug. und Sept. wurden im seligen Gefühl des Bekenntnißes Jesu, zu seinen Armen und Blöden, gefeyert und die Gemeine hatte das heilige Abendmahl theils zu Ende Aug. theils im Sept. in den Chören aufs seligste. Erstmalige [390] Mitgenoßen an dem hohen gute, waren am 14ten Jul. der ledige Bruder Czolsch und am 12ten Aug. das große Mädgen Dorothea Ferberin. In die Gemeine sind am 23ten Sept. aufgenommen worden der Ledige Bruder Martin Schön und die ledige Schwester Johanna Neumannin.
Unsre Diaspora hatte am 30 Sept. ihr vierteljähriges LiebesMahl und Anbeten.
Zur Heiligen Ehe sind verbunden worden: Am 3ten Jul. der Ledige Bruder Joh. Gottfried Hanemann mit der ledigen Schwester Helena Stollin u. d. 21ten Sept. der ledige Bruder Carl Friedrich Procop mit der Ledigen Schwester Sophia Kobanin.
Außer den lieben Geschwister Spangenbergs, erfreuten uns die lieben Brüder Friedrich Neißer und Christian Quandt am 26tn Aug. Bruder Lieberkühn am 1 Aug. und Bruder Rissler am 2ten Sept. mit ihrem Besuch.
Zum Bleiben sind unter andern [391] her gekommen: Geschwister Drews mit ihrem Söhnlein, am 28ten Jul. aus Liefland und Bruder Belger am 14tn Aug. von Neuwied, um die Schreinerey im BrüderHause zu übernehmen.
Aus dem Paedagogio sind Joh. Jeremias Rissler nach Neuwied, Johann Lucius nach Herrnhuth u. James Syms nach Dresden und von da nach Marienborn gekommen und die 2 Knaben Friedrich Siegmund Neißer und Samuel Krause zu Profeßionen, erstrer zum Becker und leztrer zum Schuhmacher. Außer unserm Bruder Heinrich Nitschmann, sind heimgegangen:
1.) Am 16ten Jul. der verheurathete Bruder Johann Gold. Er war anno 1710 zu Zauchtenthal in Mähren geborn. Sein Vater war einer der alten Mährischen Brüder; war aus seinem Vaterland eine Zeitlang entwichen und auch nach Herrnhuth gekommen; aber wieder zurück gegangen und in Mähren geblieben, weil er noch eine Frau, die nicht seines Sinnes war und Kinder zu Hause hatte. [392] Dieser sein Sohn, der sich anno 41. mit der nunmehrigen Wittwe verheurathet hatte, ging anno 43 mit seiner Frau und einem kleinen Kinde aus dem Lande und kam nach Gnadeck und von da nach des Herrn Grafen v. Promniz ableben nach Herrnhuth; wo er anno 45 zu den Gemein-Gnaden gelangte. Anno 1749 diente er eine Zeitlang zu Hennersdorff, in der Brandtwein-Brennerey. Sein Gang war überhaupt sehr abwechselnd und das auch hier in Niesky, wo er seit anno 52 wohnte. Endlich brachte ihn der Heiland und Sein Geist näher auf sein Herz und er wandte sich mit seinem Elend und Abweichungen zum Heiland, der sich auch gnädig und Barmherzig an ihm bewieß. Bey der beerdigung des seligen Bruder Heinrich Nitschmanns, äußerte er, daß er wol der erste seyn würde, der ihm folgte. Und so wars auch. Denn am 9ten Jul. fand sich eine große Mattigkeit ein und nahm so zu, daß man bald mercken konnte, [393] daß sein Ende nahe sey; worauf er sich von Herzen freute. Er hinterläßt einen Sohn und eine Tochter, die hier bey der Gemeine sind.
2.) Die ledige Schwester Maria Elis. Kunertin, am 20ten Jul. Sie war anno 41 zu Mittel-Peile geboren und kam anno 54 nach Gnadenfrey ins Chorhaus; wovon sie folgendes aufgezeichnet hat: „Durch meine Blödigkeit machte ichs mir anfänglich ofte schwer, der treue Heiland kam mir aber mit Seiner Liebe zu hülfe. Ich wurde d. 13ten Nov. 1755 zu meiner Beschamung in die Gemeine aufgenommen und bekam von der Zeit an, mehr Herz zum Heiland und meinen Schwestern. Bey meiner Aufnahme ins ledige Schwestern-Chor, machte ich einen neuen Bund mit dem lieben Heiland, sein ganzes Eigenthum zu werden und zu bleiben und erneuerte denselben anno 57. bey meinem ersten Abendmahl. Wenn in der folgenden Zeit etwas vorkam, das mich stören [394] wolte; so gab ich mich nicht lange damit ab; sondern ließ mirs angelegen seyn, meiner Tage im Umgang mit dem Heiland recht froh zu werden. Nachdem ich eine Zeitlang in Neusalze gewohnt, kam ich nach Niesky zu den Kindern. Zu diesem Geschäfte bat ich mir vom lieben Heiland aparte Segen und Hülfe aus u. habe auch zu meinem Trost, Seine Gnade reichlich erfahren. Das Wohl meiner Kinder, legte ich dem Heiland oft ans Herz, so wie mein eigenes und mein sehnlicher Wunsch war, daß sie alle vor den Heiland gedeyen möchten. Zu Ende des Jahrs 1769 wurde ich von einem Fieber sehr angegriffen. Ganz besonders war mir dabey zu Muthe, daß zu gleicher Zeit die bisherige Kinder-Anstalt aufgehoben wurde; da ich denn mit einem ganz eigenen Gefühl meinen 9 jährigen Dienst bey den Kindern beschloß. Ich bat den lieben Heiland mit Sünderhaftem Herzen, mich über alle meine Fehler und versehen zu [395] absolviren, und Er tröstete mich reichlich. O ich dancke Ihm tausend mahl, daß Er mir bis daher, so treu und gnädig durch geholfen hat“! u. s. w.
Ihr verlangen ging sonderlich dieses Frühjahr dahin, den bald leiblich zu sehen, und zu grüßen, den sie bis in den Todt geliebet hat, und dieses glück wiederfuhr ihr an besagtem Tage, im 30ten Jahr ihres Alters.
außer den in diese Zeit gefälligen Chor-Festen und Gedencktagen, die ihnen der Heiland zu Gnaden und Segens-Tagen gemacht, und außer dem gewöhnlichen Gemein-Gange, folgendes zu Communiciren, und zwar
1.) Von London: So wie wir zu unsrer Freude täglich wahrnehmen, daß unser lieber Herr unter uns ist und Sein Gnaden-Werck in den Herzen der Geschwister hat; so sehen wir [396] auch mit Vergnügen, daß die öffentlichen Versammlungen so wol in Fetterlane, als in Saron nicht vergebens sind. Fremde angesehene leute kommen fleißig hinein; suchen Bekanntschaft mit uns und bezeugen bey aller Gelegenheit, wahre Liebe und Hochachtung gegen die Brüder.
Am 13ten Aug. kamen wir Bey unserm liebes-Mahl in eine Bandenmäßige Unterredung über die wahre Einfalt, Offenherzigkeit, Treue, und das sich selbst scharf seyn. Diese Materie wurde am 16ten darauf, in einem Gemein-Rath noch weiter ausgeführt und sie hat noch nachgehends manche gesegnete privat-Unterredungen veranlaßet. Die Societaet zur Förderung des Evangelii, die Gesellschaft, die die Mission nach Labrador besorgt und die Association zur Unterhaltung der Wittwen, haben in ihren versammlungen manche nöthige und nüzliche Materie [397] durchgeredet und zu allgemeinem Vergnügen regulirt. Am 29ten Aug. kamen unsre lieben Brüder Latrobe, Moriz v. Do. Martens und Moriz v. Schweiniz von Fullnek, und von Bedford Geschwister Molthers und Schwester Lenel Seidliz bey uns an; so wie Tags zuvor aus Deutschland die lieben Geschwister Gregors, Lorezens und die übrigen Americanischen Pilger. Ihr auffenthalt bey uns, war uns zur Freude, Vergnügen u. Segen, währte aber nur bis zum 11ten Sept.; da sie nach herzlichem Abschied nach Gravesand an board ihres Schiffes abgingen und die zum Besuch gekommene Geschwister von Fullnek und Bedford, an ihre Orte retournirten. Auch langten am 8ten Sept. Geschwister Klosens und Bruder Christian Franz, auf ihrer Reise noch Jamaica, bey uns an. Leztrer ging nach etlichen Tagen, nach Bedford ab; daselbst auf seiner Profession zu arbeiten, bis er mit seiner Gesellschaft weiter reisen kan. Aus Newyork kam am 26ten Jul. Bruder Heinrich van Vlek und sein zweiter Sohn in Geschäften hier an. [398] Desgleichen Bruder Kircher, der im Gemein-Laden zu Fullnek gewesen, um sich hier ein Employ zu suchen. Von daher holte auch Bruder West seine Tochter nach hause. Ein Knäblein und ein Mägdlein sind geboren und getauft worden. In die Societaet sind 6 Personen aufgenommen worden.
Heimgegangen sind: Am 3ten Aug. die verheurathete Schwester Francis Mills und d. 17ten Sept. folgende 3 Personen:
1.) James Skinner unser Bruder Skinners aeltester Sohn, ein Mitglied unsrer Societaet. Er fand in den lezten 3 Wochen seiner Kranckheit, sein Herz, und schrie um Gnade, und eine Woche vor[WS 50] seinem Ende trat ihm der Heiland vors Herz und gab ihm völlige versicherung von der Vergebung seiner Sünden; so daß sich von da an jedermann über ihn freuen konnte.
2.) Mr. Townshend, unser Bruder Edmonds Schwieger-Sohn. Er ging ehemals mit der Gemeine zum [399] heiligen Abendmahl; verließ uns aber. Dieses beklagte er nun mit vielen Thränen und bat als ein Abtrüniger, den Heiland um Gnade und Vergebung, die Er ihm auch gewiß gegeben hat.
3.) Die Wittwe Andersen, welche eine Zierde ihres Chors war. Auch ging ein junger Mensch, der auf seinem Krancken-Bett, einen Bruder zu sich kommen laßen und ihm sein Verlangen nach Gnade in Jesu Blute dargeleget hatte, zwey Tage darnach im vertrauen auf den Heiland aus der Zeit.
2.) Von Bedford. Im Monat July fieng Bruder Christian Zander mit den kleinen Knaben, eine Schule an.
Derselbe ist in demselben Monat, mit der ledigen Schwester Sus. Wiltshire zur heiligen Ehe verbunden worden.
Am 3ten Aug. ging die kleine Anna Benigna Foster selig heim und im Sept. Richard Easton, ein Knabe von 13 Jahren. Er bezeugte in [400] seiner Kranckheit, daß er lieber zum Heiland gehen, als wieder gesund werden wolle. Im Sept. wurde eine ledige Schwester Elisabeth Willmann in die Gemeine aufgenommen. Geschwister Birkby zogen von Fullnek hieher zu Bruder Barham.
Von eben daher trafen am 26ten Sept. Geschwister Greenings in Risely ein, sich der dasigen Societaet, wie bereits vor etlichen Jahren von ihnen geschehen, wieder anzu nehmen und sie wurden mit vielen Freuden auf genommen.
Im Monat Jun. begingen Geschwister Thomas Cravens, die mit einander 50 Jahr in der Ehe gelebt, ihr Ehe-Jubilaeum bey einem Liebesmahl mit dem Ehe-Chor. Das ist das 2te Paar das in dieser Gemeine sein Ehe-Jubilaeum feyerte, und verschiedene andere Ehepaare sind auch [401] der Zeit nahe.
Unter andern vornehmen Personen, die unsern Predigten mit Attention beygewohnt haben, wovon wir zu seiner Zeit einen Segen zu sehen hoffen, waren verschiedene Gesellschaften aus Schottland, London und aus hiesiger Gegend bey uns, darunter auch der Lord Beauchamp mit seiner Suite war; die sich in unserm Ort, mit grosser Satisfaction umsahen.
Daß es unserm lieben Herrn gefallen hat, unser lieben Bruder Charlesworth, nach einer kurzen Kranckheit am 30ten Jul. zu sich heim zu rufen, war uns nicht allein sehr unerwartet; sondern verursachte auch bey allen Geschwistern einen allgemeinen Schmerz und unzehlige Thränen wurden über diesen Vorgang vergoßen. Wir sehen dabey unsern lieben Herrn an, der da weiß, warum Ers gethan hat, und empfahlen uns Ihm, der nun und nimmer nicht von seinem Volck geschieden ist.
[402] Die Leiche des seligen Bruders wurde d. 4ten Aug. beerdiget; wozu sich viele Fremden eingefunden hatten, welche von ihrer Liebe und Estime für seine Person und Character deutliche Proben ablegten. Bruder Latrobe traf denselben Abend, zu unsrer Freude, von London hier ein; ließ sich während seines Auffenthalts allhier, das beste der Gemeine, im innern und äußern am Herzen liegen; predigte zu einem großen Auditorio, mit Gnade und Salbung und in den Conferenzen u. andern Versammlungen, die er hielt ließ uns der Heiland Seine liebe Nähe besonders fühlen und inne werden.
Am 27ten Aug. anticipirten die ledigen Brüder ihr Chorfest, da ihnen zugleich Bruder Jorde, der am 23ten zuvor aus Irrland hier eingetroffen war, als ihr Chor-Helfer an Bruder Martens Stelle, vorgestellt wurde; welcher noch denselben Abend, seinem Ruf zu folge, nach London und America abging.
Zum heiligen Abendmahl, welches [403] am 12ten Aug. alle Yorkshirische[WS 51] Gemeinen mit einander in Fullnek hatten, sind 3 ledige Schwestern gelangt und in die Gemeine 20 Personen aufgenommen worden. Ein Kind ist geboren und getauft worden.
Außer Bruder Charlesworth sind heimgegangen, eine ledige Schwester in Fullnek, mit erstrem an einem Tage; zween verehlichte Brüder und eine verehlichte Schwester in Pudsey, ein Knabe in Wyke, eine verehlichte Schwester in Myrfield und eine Wittwe in Gumersal. An Bruder Möhrings Stelle, der d. 10ten Jul. nach Irrland abging, traf am 19ten Bruder Johann Meder von London hier ein, um als Helfer und Informator in der Knaben-Anstalt gebraucht zu werden, aus welcher der Knabe Inoc. Grigg, zu Bruder Waiblinger in die Lehre gethan wurde.
4.) Von Duckenfield. Am 2ten May kam der ledige Bruder Georg Schenck von London ins hiesige ChorHaus. Am 14ten May nahm der Heiland den verehlichten Bruder John Wood selig zu [404] sich heim. Er war ein treuer und geliebter Bruder in der Gemeine, Curator der ledigen Schwestern, der Vorsteher der Kinder-Anstalt in Fullnek, ihr Agent und unser Gemein-Diener.
Im Monat Juny hatten wir manche Exempel, wie der heilige Geist bald den bald jenen, der sonsten einen schweren Gang gehabt, durch Seine Gnaden-Arbeit aufgeregt um Gnade zu weinen und beym Heiland Friede und Seeligkeit zu suchen und zu finden.
Unter den Abendmahls Geschwistern, die außerhalb Duckenfield wohnen, ist das Stunden-Gebet eingerichtet worden.
Unsre Kinder, so wenige ihrer auch sind, haben monatlich eine Versammlung und der Heiland bekennt sich so wol dazu, als zu dem Unterricht in den Heils-Wahrheiten, der ihnen von Zeit zu Zeit gegeben wird. An ihrem Feste im Aug. sahe man viele um den Heiland weinen. Ein [405] lediger Bruder, der in seinen Geschäften verreißt war, wurde unterwegens zu einem krancken Mann hinein gerufen, der ihm erzehlte, daß er vor 26 Jahren, in einer Predigt sey unruhig gemacht und um seine Seeligket verlegen worden. Der Bruder wieß ihn aufs neue zum Heiland und bald darauf ging der Mann aus der Zeit; nachdem er noch vorher dem Bruder hatte sagen laßen, daß er in Jesu Wunden Gnade und Vergebung seiner Sünden erlanget und daß er im Vertrauen auf den Heiland von hinnen scheide.
In die Societaet ist ein Bruder und 2 Mädgen aufgenommen worden und ein Kind geboren und getauft.
5.) Von Okbrook. In die Gemeine ist hier ein groß Mädgen aufgenommen und ein Mann readmittirt und zu der Societaet sind 4 Personen hinzu gethan worden. Im Aug. und Sept. hatten die ledigen Brüder, ledigen Schwestern u. die Ehe-Geschwister selige Chor-Abendmahle. Bey den ledigen [406] Schwestern genoß es die Schwester Sarah Syms und bey leztern die verehlichte Schwester Hanna Fletcher, zum ersten mal mit uns.
6.) Von Bristol. Im Monat Sept. zogen 2 Ledige Schwestern von Bristol nach Kingswood, um daselbst mit den Mädgen der dasigen Geschwister eine Schule anzufangen, darinn sie lesen und nähen lernen. Die dasigen Geschwister, die dazu ein schickliches Haus ausgefunden, sind dafür sehr danckbar u. Versprechen sich viel gutes davon. Es haben auch schon verschiedene fremde leute nicht nur mit den Schwestern bekantschaft gemacht, sondern auch ihre Kinder zu ihnen in die Schule geschickt.
7.) Von Leominster. Das hiesige Gemeinlein begieng am 9ten Sept. den Gedencktag ihrer Einrichtung anno 1759. mit einem seligen Liebesmahl u. Communion. Bruder Nyberg hat in Westhope wieder zu predigen angefangen u. viel Zuhörer gehabt. Auch hat Er in Ludlow, einer Stadt 10 Englische Meilen von Leominster auf wiederholte [407] Invitation besuchet. Einem Cabinetmacher von Zerbst, der in Bristol mit den Brüdern bekannt worden ist, und 5 Kinder hat, war dieser Besuch ins besondre sehr erfreulich; auch seine Frau weinte vor Freuden und bezeugte ihr sehnliches Verlangen, des Heilands ganz zu werden. Als etwas neues und ungewöhnliches führt Bruder Nyberg an, daß ihn ein Mann, der nicht weit von Leominster wohnt, auf seinem Krancken-Bette habe zu sich kommen laßen, ihm sein Herz eröfnet und die Hülfe der Brüder begehret habe; worauf er dann selig aus der Zeit gegangen ist. Ein andrer krancker Mann hat eine mit uns bekante Person zu sich rufen laßen, die ihn zu seinem Trost, zum Heiland gewiesen hat. Diese Person hat zwar in ihrer Familie viel auszustehen, um des Evangelii Willen; sie unterläßt aber nicht, ihren Anverwandten die Gnade des Heilands anzu preisen, und das nicht ohne Effect.
Am 30ten Jul. verschied in Clino [408] unsers Bruder Syms Sohn John. Er gehörte zur Societaet, kam aber nachgehends in schlechte Gesellschaft; wurde von dem Strohm des Verderbens hingerissen u. man krigte ihn lange Zeit nicht wieder zu sehen. Im May aber kam er ganz unverhoft zu Bruder Nyberg und bekannte ihm seinen elenden Herzens-Zustand. In seiner Kranckheit schrie er zum Heiland um Gnade und war bey allen Leibes-Schmerzen ganz auf den Heiland gerichtet. Und so nahm Er seine Seele zu sich in seine ewige Sicherheit.
Ein andrer junger Mensch, schrieb an Bruder Nyberg unter andern folgendes: „Ich fühle, daß es mit mir nicht recht stehet. Ich bete daher oft zum Heiland, daß Er mir den Unglauben wegnehme, mir ein Tröpflein Seines Blutes in mein Herz schencken und mir meine Sünden vergeben wolle. Ich will Ihm mein ganzes Herz geben u. Ihn bitten, daß Ers selig mache.“
8.) Von Lambsacre, woselbst Geschwister Rices sind, wird gemeldet, daß[WS 52] [409] sie im Monat Aug. ein besonders seliges Abendmahl gehabt und sie wünschen, daß ein neuer Gnaden-Geist über dasiges Gemeinlein kommen und das Feuer, das der Heiland auf Erden angezündet hat, die Herzen in ihrer Nachbarschaft entzünden möge.
9.) In Aperly haben die Brüder von Bristol aus, besucht; da gepredigt und den Geschwistern das heilige Abendmahl gehalten. Bruder Sommerskill hat mit etlichen Kindern, im Monat May eine Versamlung angefangen u. die erweckten Seelen da herum u. sonderlich in Glaucester, mit Segen u. Vergnügen besucht.
10.) In Haverfordwest beging die Gemeine am 13tn Aug. den Gedencktag ihrer Einrichtung vor 7 Jahren u. sie schreiben da von: der Heiland und Sein Geist sey an dem Tage wieder so kräftig unter ihnen zu fühlen gewesen, als bey ihrer Einrichtung, da sie sich verbunden hätten, am Heiland zu hangen mit Leib u. Seel; u. diesen Bund hätten sie dabey, im Gefühl Seiner Nähe, aufs seligste wieder erneuert.
[410] Außer den gewöhnlichen Versammlungen an Haverfordwest, haben die Brüder Abraham Taylor u. Jakson in dasiger Gegend fleißig u. mit Segen geprediget. In Lougharne, wo sich Bruder Pugh befindet, hat auch Bruder Abraham Taylor mit seiner Frau vom 21ten May bis 17ten Juny besucht und die Versammlungen daselbst gehalten. Bruder Gambold ist sehr kranck gewesen; es scheint aber doch, daß ihn der Heiland noch länger hienieden lassen will.
11.) Die Brüder Okertshousen und Caldwell in Plymouth, continuiren bey allem Wiederstand, den sie von gewißen Leuten haben, die Predigt des Evangelii. Ein paar Geistliche, die die Brüder lieb haben, besuchen öfters bey ihnen u. sind ihnen zu wahrem Trost u. Aufmunterung. Einer Mr. Thomson, hat ein neu gebornes Kind der Societaets-Geschwister, bey seinem Besuch getauft. Die Capelle die die Societaet in Plymouth-Dock erbauet, wird bald fertig seyn und eingeweyhet werden können.
[411]
Dieser Monat hat uns eine außerordentliche Gelegenheit gemacht, den Herrn zu preißen, der seinem Volcke wohl will. Die Unitaets-Aeltesten-Conferenz[WS 53] hatte am 7ten mit den Brüdern der hiesigen Conferenz und dem Aufseher Collegio gesegnete Conferenzen, zu deren Schluß wir den Lobe und Bundes-Kelch unter uns theilten. Wir fielen auf die Knie und danckten mit angethanem herzen unserm guten Herrn. Die Protocoll-Extracte aus diesen Conferenzen, wurden am 9ten der großen Helfer-Conferenz und am 10ten dem Gemein-rath communicirt.
Des heiligen Abendmahls wurden am 3tn mit der Gemeine zum ersten mal theilhaftig die Knaben Johann Friedrich Reich, Johann Christian Gross, Christian Gottfried Schwarz und [412] das Mädgen Maria Elisabeth Neumannin.
An unserm Gemeintage wurde der Geschwister Augustin Neißers gestern gebornes Söhnlein in Jesu Todt getauft mit Namen Johann Augustin. Zur heiligen Ehe sind verbunden worden der ledige Bruder Johann Conrad Authenried mit der Wittwe Mar. Elis. Schlütterin, und der ledige Bruder Johann Christoph Nicolai mit der ledigen Schwester Joh. Soph. Hultschin am 16ten; und Geschwister Jonathan Briants am 28ten. Heimgegangen sind die ledige Schwester Anna Regina Müllerin im Catharinenhof am 11ten u. 5ten die ledige Schwester Sophia Peistelin.
Am 13ten Nov. bewieß sich unser einiger Herr und Aeltester außerordentlich gnädig an Seinen armen und Elenden. Auch wurden in diesem Monat von den Brüdern die neuen Gemein-Orts-Statuten unterschrieben.
Bruder Schmidt hat am 4ten Nov. auf wiederholtes Ansuchen des Pfarrers in Strawalde geprediget. Unsre lieben Geschwister Heinrich der 25te [413] und seine Maria Elisabeth sind mit ihrem Söhnlein nach Niesky gezogen, von woher Bruder Müller jun. mit seiner Familie hier zu wohnen gekommen ist. Bruder Herold hat einen Besuch bey seinen Anverwandten in Schweinfurth, Worms p. gemacht, der nicht ohne Segen gewesen ist.
In den ersten Tagen des Monats waren zum Besuch hier: Graf Max v. Zinzendorff, deßen Gemahlin und ihr Herr Bruder, Graf von Kornfeil. Sie haben während ihres Sejours die Gemein-Versammlung fleißig besucht.
In den Memorabilien dieser Gemeine vom Jahr 1770 wird unter andern erwehnt:
Dieses Jahr war ein neuer Beweiß, daß wir einen Herrn haben, der Barmherzig, Gnädig und von großer Güte und Treue ist. Ob wir Ihn gleich durch unsre Abweichungen und mancherley Uebertretungen betrübt haben, so ist Er doch Seines alten Erbarmens [414] nicht müde worden. Er hat unser verschont, uns vergeben, Er hat die herzen in Liebe zu verbinden, was den Frieden stört aus dem Wege zu räumen und uns in Einerley Sein zu pflanzen gesucht.
Mit 8 Evangelisch Lutherischen Predigern ist eine gesegnete Conferenz gehalten worden.
Unser lieber Bruder Joseph hat ad interim ex Commissione das Provincial-Helfer-Amt übernommen. Das durch Bruder Gregors anderweite Destination vacant gewordene Gemein-Helfer-Amt, ist durch unsern Bruder Kohler wieder besezt worden.
Auf unserm Saal sind 3 Brüder zu Diaconis ordinirt u. 8 Geschwister zur Acoluthie angenommen und auf Heiden-Posten expedirt worden.
Zur Gemeine sind von neuem gekommen 5 Personen.
Geboren sind in Herrnhuth 9 Knäblein u. 5 Mägdlein und in hennersdorf 2 Knäblein.
[415] In die Gemeine sind aufgenommen worden 22 Geschwister und zum heiligen Abendmahl gelangt 26. Getraut sind worden 15 Paare in Herrnhuth und 2 im Schloß zu Hennersdorf. Von den erstern wohnen 8 Paar in Herrnhuth. 78 Geschwister sind theils auf neue Posten abgefertiget, theils in andre Gemeinen versezt worden. 7 Brüder haben sich an unterschiedne Pläze begeben, wo sie als Anachoreten[WS 54] Leben wollen. Von Posten zurück und aus andern Gemeinen sind hieher gekommen 46 Geschwister. Nach eigener Wahl haben die Gemeine verlaßen 9 aus dem Brüder-Hause. 4 sind dimittirt worden und 2 haben sich heimlich entfernt. Auch ist eine aus dem Schwestern-Hause ihre eigene Wege gegangen.
Zum Herrn sind heim geruffen worden: ein Bruder und eine Schwester aus dem Ehechor, 4 Wittwer, 4 Wittwen, 1 lediger Bruder [416] 9 ledige Schwestern, 5 Knäblein und 3 Mägdlein. Das Ehechor besteht aus 141 Paaren, der Wittwer sind 36, der Wittwen 99, der ledigen Brüder 251, davon 240 Communicanten sind; der Jünglinge und Knaben sind 41 davon 25 Communicanten sind. Im ChorHaus der ledigen Schwestern wohnen 263 ledige Schwestern und 39 Mädgen; im Mädgen-Hause 25 ledige Schwestern und 73 Mädgen; in Familienhäusern 53 ledige Schwestern u. 10 Mädgen, in Hennersdorf 23 ledige Schwestern und 1 Mädgen, und in Berthelsdorf 3 ledige Schwestern u. 2 Mädgen. Das ganze Chor besteht also 432 Personen, wovon 358 ledige Schwestern und 51 Mädgen Communicanten sind.
Von den Kindern ist anzu mercken: Nachdem die hiesigen Kinder aus den Orts-Anstalten zu ihren Eltern gezogen waren, so kamen bald zu Anfang des Jahrs 16 Knäbgen von Niesky hieher zu wohnen. Geschwister Jonas Paul Weißens [417] übernahmen die Besorgung der Anstalten und zogen ins Mädgen-Haus. Die Schulen wurden unter dem Segen des Herrn so wol mit den Knäbgen als Mädgen angefangen und das ganze Jahr Continuirt. Auch ist ihnen der Unterricht in den Grundwahrheiten der christlichen Lehre zum Segen und besondrer Freude gewesen. Dermalen wohnen in der Knäbgen-Anstalt 33 Kinder; in die Schule kommen 23. In der Gemeine sind noch 15, und in Berthelsdorf und Hennersdorff 14 kleine, daß also der Knäbgen in allem 85 sind. Der Mädgen sind zusammen 72; davon 43 bey ihren Eltern u. 29 im Mädgenhause. Die Anzahl sämtlicher Kinder ist also 157.
Der Einwohner von Herrnhuth sind dermalen 1212 Personen und davon 1095 Communicanten. Mit den Geschwistern in Hennersdorf und noch etlichen Bekannten Orten besteht die Ganze Gemeine aus 1293 Personen.
[418]
Diesen lezten Monat im alten Kirchen-Jahr hat uns unser lieber Herr seine Freundlichkeit auf mancherley Weise inne werden laßen. Am 14ten hatte die Gemeine ein seliges Kirchen-Abendmahl unter unsers lieben Bruder Pastor Benadens von Klix Consecration und Bedienung. Das große Mädgen Eva Gastin genoß es zum erstenmal mit der Gemeine. Eine Materie des Lobens und Danckens war die Beziehung und Einweyhung des neuen ledigen Schwestern-Hauses.
Unsre lieben Geschwister Spangenbergs kamen zu dem Ende am 8ten zu uns. Am 10ten geschahe Nachmittags um 2 Uhr der Einzug der Schwestern aus dem alten hause ins neue ChorHaus, wo sie sich zum Liebesmahl auf dem neuen Saal versammleten. Bruder Joseph fieng es mit dem Verse an: Solt ich meinem Gott nicht singen p. Du segnest ja so gern p. fiel darauf mit der Versammlung auf die Knie und empfahl dieses haus [419] dem Segen der heiligen DreyEinigkeit mit herzlichem Danck dafür, daß Ers uns gegeben zu einer Stätte, wo Jungfrauen sollen vor Ihn gepflegt und erzogen werden p. Unter dem LiebesMahl sang Bruder Clemens folgendes auf diese Gelegenheit gemachtes Lied ab:
Was singst du deinem Freund,
du Jungfrau’n Reigen!
Dem, ders so treu gemeint,
weil du Sein eigen?
Die Worte fehlen wol,
Laß Ihn nur fühlen
Dein Herze, das so voll,
vor Ihm zu spielen.
Danck, Lieb und Freude findt
Sich hier beysammen,
Das arme Auge rinnt,
Unds Herz voll Flammen,
von Seiner Lieb entzündt,
aus Seinem Blute,
Preist wie ein frohes Kind
Sein Herz, das gute.
Gem. Die Augen mögen thränen p.
Die Ursach unsrer Freud
ist dein Versühnen,
daß du zur Seligkeit
uns bist erschienen,
Hast dich ins Herz gesenckt,
du Herr der Thronen!
Und uns dis Haus geschenkt,
vor dir zu wohnen.
Schau her auf deine Schaar
du herzens-König!
Ach schönster! Du bists gar;
wir arm und wenig;
Je mehr dein treustes Herz
den Blöden giebet,
Je mehr bey Freud u. Schmerz
wirst du geliebet
Gem: Ich werd mich über mein Selig seyn doch niemals anders als Schaamroth freu’n p.
Nun bey dem Ueberschwang
von Gnad und Treuen
will jedes Herz zum Danck
dein Herz erfreuen;
Erst weint die Sünderin
Ums viel vergeben:
Welch’ Frieden wird sie inn’
zum selgen Leben.
Da sieht der Blick nur Ihn,
nur Ihn am Creuze,
Der Ihm ergebne Sinn
weiß kein Gereize
Als das von Golgatha;
bis zum verscheiden
fühlt man Sein’m Leichnam nah,
Sein’s Todtes Freuden.
Gem: Singen dir - Ave und Hallelujah!
Du Chörlein sage nun,
was willst du haben?
Dein Freund will alles thun
dich recht zu laben!
Wir bitten um dein Blut
Und Geistes Taufe,
Um Sünder-selgen Muth
zum frohen Laufe.
Gewiß Sein Auge schaut
Auf dich hernieder,
Du Theilgen Seiner Braut!
Lieb’ Ihn nur wieder.
Er giebt vor Traurigkeit
gern Freuden-Oele,
zum Heiligthume weyht
dich Seine Seele.
Komm, Kom und fall’ zum Fuß
des wunderschönen!
O süßer Fried Genuß
Beym Liebes-Sehnen
Und bey dem Braut-Gedanck
von Jesu Büßen,
da Er ins Sterben sanck
Und wirs genießen.
Herr Jesu für dein’n Schmerz
Und für dein Sterben
Solst du hier Haus u. Herz
auf ewig erben!
Breit’ als Elisa dich
Auf deinen Saamen!
Riecht Festtagsmäßiglich
Ihr Jesus Namen!
Es wurde darauf noch manches zum Danck reizende discourirt, unter andern: Je schwerer es gegangen, bis es zum würcklichen Bau gekommen, desto muntrer sey er gefördert worden unter einer so gnädigen Bewahrung unsers Gottes daß kein Unfall und Schade geschehen. Der erste Anfang einer ledigen Schwestern Oeconomie habe hier vor 11 Jahren aus 4 Personen bestanden. Dermalen waren gegenwärtig 47 Schwestern, 11 große Mädgen und 18 Kinder. [423] Zum Beschluß sang die Versammlung: Hallelujah, Preiß, Ehr und Macht, sey unserm Gottes-Lamm gebracht p. Eine Stunde nachher hielt Bruder Joseph dem Chor die erste Homilie auf dem neuen Saale. Abends versammlete sich die ganze Gemeine zur Zeit der Singstunde. Bruder Joseph empfahl ihrem Herzen diese Einweyhung zum Segnen, danckte mit der Gemeine, auf den Knien für die Gnade, die Er dem hiesigen Schwestern Chor erwiesen und legte Ihm dis Haus und Chor an Sein treues Herz.
„Kommt, laßet uns anbeten, und Knien und niederfallen vor dem Herrn“ p. war der heutige schöne Gemein-Text. Nachher hatte das Chor nach einer herzlichen Anrede des Bruder Josephs den Lobe und Verbindungs-Kelch und zulezt bey ihren Schlaf-stätten eine selige Liturgie, da Bruder Joseph zum Herrn betete, daß Er auch an dieser Stätte Sein Herz und den Segen Seiner Ruhe im grabe kräftig wolle fühlen laßen. Und so wurde dieses Haus [424] dem Herrn geweyht, deßen da seyn und Freundlichkeit zum unvergeßlichen Eindruck so erquicklich gefühlt worden.
Am 11ten hielt Bruder Joseph der Gemeine die Predigt und Gemeinstunde und am 12ten reiste er mit seiner Frau nach zärtlichem Abschied von uns nach Niesky, und wir waren herzlich danckbar für alles genoßene Gute. Geschwister Spangenbergs hatten auch das Ehe-Chor, die Witwer und Wittwen und er die ledigen Brüder gesprochen.
D. 13ten Nov. war auch ein Segens-Tag für uns. Beym Liebesmahl waren 5tehalb hundert Seelen gegenwärtig, sich über das Regiment unsers Herrn, unter Seinem Volck zu freuen, und Er tröstete und beschämte uns.
In den Memorabilien vom Jahr 1770 heißts von der Gemeine in Klein-Welcke:
Die unaussprechliche große Güte des Herrn und Hirten Seiner Gemeine und Seines Vaters und Geistes Treue und Pflege beugt [425] unsre Seele in den Staub; sie war würcklich unser Trost und leben. Der Genuß aus dem süßen Evangelio daß Jesus Christus kommen ist in die Welt, und Sein Blut vergoßen hat, die Sünder selig zu machen, mit dem Bewußt seyn unsrer Armuth, die nicht zu ergründen; und der Gottes-Friede bey jedem Abendmahl; auch die Nahrung des Herzens aus jedesmaligem Lesen Seines theuren Worts auf dem Saal p. sind uns zum Anbeten reizende Gedächtniße.
Da Geschwister Kohlers am Ende vorigen Jahrs nach Herrnhuth kamen, traten Geschwister Clemensens als Ehechor- u. er als Gemein-Helfer an ihre Stelle, u. aus Schlesien kamen im Merz Geschwister Haekners als ihre Gehülfen und er zum Gemein-Diener-Amt bey uns an. An die Stelle der beyden Chor-Arbeiter der ledigen Brüder Penner u. Meerboth, die zum Dienst des herrn nach Suriname gingen, kam Bruder [426] Siwike als Helfer und Diener im Chor. Ein aparter Gnaden-Tag war dem ledigen Schwestern-Chor der 10te Nov. da sie mit Danck- und Sünder-Thränen ihr bisheriges Wohnhaus verließen und mit Hofnungsvollem Herzen auf neue Gnade, ihr dis Jahr erbautes neues Chor-Haus einweyheten und bezogen.
An unsern lieben Kindern haben wir die Arbeit des heiligen Geistes anmercklich gespürt, und der wöchentliche Unterricht war ihnen angenehm und mit Gnade begleitet. Einen neuen Segen erwarten wir, da nun beyde Schulen in die Chorhäuser genommen worden, seit dem zu Ende Nov. auch die Knäbgen ins Brüder Haus eingezogen.
Danckbar erinnern wir uns der gnädigen Hülfe in der Blattern Zeit unter den Kindern, da 36 von ihnen daran kranck lagen und 2 Knäbgen bey der Gelegenheit vom Heiland heimgenommen wurden.
Außer diesen sind noch heimgegangen [427] ein Bruder und eine Schwester aus dem Ehechor, 1. lediger Bruder und 1 Knäbgen. 3 Knäbgen und 4 Mädgen sind in dem Jahr geboren und getauft worden.
Zu uns sind gekommen aus andern Gemeinen 6 Geschwister und dagegen 9 von uns. Ein lediger Bruder und ein groß Mädgen sind in die Gemeine aufgenommen worden, u. eine ledige Schwester und ein groß Mädgen zum heiligen Abendmahl gelangt. Getraut sind worden 2 Paare. Unsre liebe Diaspora in den beyden Lausizen ist im Friede Jesu ihren stillen und auch gesegneten Gang fortgegangen. In der NiederLausiz haben sich die Motus gegen sie seit einem halben Jahr sehr gelegt. Die in der Ober-Lausiz beläuft sich auf 240 Seelen, ohne die vielen Fremden und Zuhörer, die Sonntäglich kommen, und die in der Niederlausiz auf 900.
Die Orts-Gemeine besteht aus 38 Ehepaaren, 4 Wittwern, 2 Wittwen, die alle Communicanten sind; aus 41 Ledigen Brüdern und [428] 12 Jünglingen und Knaben, von erstern sind 37 und von leztern 4 Communicanten. Aus 47 ledigen Schwestern u. 11 großen Mädgen, davon gehen 45 Schwestern und 2 Mädgen zum Abendmahl, der Knäbgen sind 23 und der Mädgen auch 23, und also ist die Anzahl der Einwohner 239 Seelen.
Außer den 2 gesegneten Abendmahlen in diesen beyden Monaten, die jeder Ort dismal ganz für sich alleine gehabt, war der 13te Nov. ein besondrer Gnaden- u. Segenstag. Unser lieber Herr bewieß sich an uns, als unser treuer und Barmherziger Aeltester, und wir huldigten Ihm aufs neue mit einem willigen Herzen und unter vielen Liebes und Sünderthränen. Im Monat Oct. machte Bruder Praetorius einen gesegneten Besuch so wol in der nah gelegenen als entfernten Magdeburgischen Diaspora, zu vieler Satisfaction der Geschwister, die längst einen solchen Besuch gewünscht. Zu Anfang eben dieses [429] Monats reiste Bruder Ludwig v. Schweiniz auf die Universitaet Halle, und David Lauterbach ging in der Mitte deßelben aus eigener Bewegung nach Leipzig, um an diesen Orten ihre Studia fort zu sezen. Der Unterricht in den Grund Wahrheiten unsers Christlichen glaubens, den Bruder Cunow mit den Barbyschen Kindern und Bruder Praetorius mit denen in Gnadau im Oct. angefangen, ist bis daher fort gesezt worden.
Geboren sind worden 1.) das Töchterlein der Geschwister Harks am 3ten Oct. welches Tags darauf von Bruder Cunow mit Namen Mar. Louise getauft wurde. 2., das Söhnlein der Geschwister Wünschens in Zeiz, welches in Gnadau von Bruder Praetorius getauft wurde mit Namen Johann Friedrich. 3.) ist auch daselbst am 19ten Sept. der Geschwister Karremanns Söhnlein geboren u. von Bruder Stock mit Namen Johann Peter getauft worden. Am 6ten Oct. waren der Communicanten in Barby 122 und in Gnadau 52. Darunter waren Geschwister Reichels [430] von Glien, der Bruder Daniel Reichel von Dahlenberg und der alte Bruder Wienecke von Herrnhuht. Der Jüngling Johann Friedrich Wried wurde dieser hohen Gnade zum ersten mal theilhaftig. Im Nov. hatten wir auch einen angenehmen Besuch von Bruder Peistel von Halle aus. Am 24ten Nov. kam die Schwester Krausin nach Barby, sich um einer zugestoßenen Maladie[WS 55] willen für eine Zeit hier auf zu halten.
Beym Schluß des Kirchen-Jahrs 1770 muß Barby und die damit verbundene Gnadau bekennen: Der Herr ist noch und immer nicht von seinem Volck geschieden, Er bleibet unsre Zuversicht, unser Segen, Heil und Frieden; mit Mutter Händen leitet Er die Seinen stetig hin u. her; gebt unserm Gott die Ehre! Daß Er das gethan, das hat sich an verschiedenen Festen gar selig zu Tage gelegt, so daß wir, wenn uns selber manchmal der Bange Gedancke hat bey gehen wollen, ob Er sich nicht uns aus unsrer Schuld entziehen möchte, überzeugend fühlten: [431] Er ist noch bey uns hie, wir sind noch in Gnaden, Er ist unser Gott und wir Sein Volck. Freylich haben wir uns vor Ihm zu schämen, und das haben wir gar oft mit Thränenden Augen und gebeugtem Herzen thun müßen; Er hat uns aber auch immer mit dem Trost aufgerichtet, daß Er uns will halten Seinen theuren Eyd, daß wir sollen werden Seine ganze Freud; und das hat unsern schwachen Muth aufgerichtet, unsern Glauben gestärckt, unsre Liebe zu Ihm gereizt und uns bey seinen Wunden erhalten.
Unter die anmercklichen Vorgänge gehört noch:
1.) Bald zu Anfang des Kirchenjahrs gingen die Bemühungen unsrer lieben Brüder Fries und Praetorius nach ihrem im lezten Synodo erhaltenen Auftrag dahin, das Oeconomicum des hiesigen Schlosses u. des Semenarii gehörig zu reguliren; und der liebe Heiland hat ihnen dazu seine Unterstüzung und Segen verliehen. Daraus entstand: [432] a.) daß die sämtlichen Schloß-Einwohner, samt den ledigen Schwestern ihre eigene Oeconomie anfiengen. b.) Das Seminarium, in Ansehung des oeconomischen Theils eine ledige-Brüder Haus-Einrichtung bekam, und daß c.) der Schloß-Erbpacht, den bisdahin die Anstalten-Diaconie gehabt, durch ein ordentliches abkommen der hiesigen Gemeine übergeben, und dadurch der Grund zu einer Gemein-Diaconie gelegt wurde.
2.) Die nöthigen Gemein-Conferenzen sind auf die im Synodo vorgeschriebene Weise nach u. nach eingerichtet und in Gang gebracht, und die Gemein-Versammlungen revidirt worden.
3.) Unser lieber Bruder Cunow hat sein öffentliches Lehr-Amt mit einer gesegneten Predigt in der Schloß-Capelle u. 8 Tage darauf in Gnadau angefangen.
4.) Als eine Gnade erkennen wir auch, daß uns unser lieber Herr, der zimlich nahrlosen Zeiten ungeachtet, dennoch so viel finden laßen, daß wir nicht nur unser nothdürftiges [433] Auskommen gehabt, sondern auch zu allerley in und außer der Unitaet erforderlichen bedürfnißen, wenn gleich nicht so reichlich als willig haben beytragen können.
5.) Fast das ganze Jahr hindurch haben die hohen Waßer bey uns angehalten, daß daher die Keller in Gnadau bis jezt ganz unbrauchbar sind; doch haben sie uns, ob gleich im Frühjahr ein Dammbruch geschehen, nicht so viel Schaden verursacht, als wol zu befürchten gewesen; welches in hiesiger Gegend gewiß was großes und mit Danck zu erkennen ist.
6.) Der angehende Gemein-Ort Gnadau hat sich zwar von außen nicht erweitert; hat aber doch dem innern nach mehr die Gestalt einer wohl eingerichteten Brüder-Gemeine erhalten. Es haben sich nicht nur die ledigen Brüder in ihrem neu erbauten Hause, welches sie d. 6ten Mart. einweyheten und bezogen, so eingerichtet wie mans in andern ChorHäusern findet [434] und den Bruder Auzen zum helfer und Diener ihres Chors Bekommen, sondern es ist auch heuer, der Anfang zu einem ledigen Schwestern Chor gemacht worden, davon die erstern 6 von Herrnhuth, unter welchen sich ihre Arbeiterin, die Schwester Dorothea Neumannin mit befand, d. 30ten Merz ihren Einzug in das erste hier gebaute kleine Haus hielten, denen im May noch 4 von Herrnhuth nachgefolget sind, daß sich also die Anzahl mit den 2 schon hier gewesenen auf 12 Schwestern Belief. Seit dem Herbst, da Bruder Praetorius als Gehülfe im Gemein-Helfer und Predigt-Amt, nach Gnadau gekommen, sind die Communion-Gemein- und andre vorkommende Kirchen-Fest-Tage daselbst besonders gehalten worden, und der Heiland hat darauf Seinen Segen gelegt.
Die Predigt des Evangelii findet bey auswärtigen Eingang, und wir Hoffen, dieses geringe Gemein-Dörflein werde je länger je mehr als ein Licht [435] in die Gegend umher scheinen.
Nach Barby sind zum Bleiben gekommen 21 Personen, worunter Geschwister Stocks, und die Brüder Heinrich Gottfried Dietrich, als Helfer und Diener des Ledigen Brüder-Chors, und Christian Salomo Dober als Docent im Collegio, und nach Gnadau 42 Personen. Aus beyden Gemeinen sind an andre Orte gekommen 56 Personen, worunter Geschwister Schollers nach Ebersdorf, und Bruder Julius v. Seidliz nach Gnadenfrey. Geboren und getauft sind worden: in Barby 3 Knäblein und 5 Mägdlein und in Gnadau 3 Knäblein. Heimgegangen sind 6 Personen. In die Gemeine sind aufgenommen worden: 8 Ledige Schwestern und zum heiligen Abendmahl sind gelangt 10 Geschwister.
Die Gemeine in Barby besteht aus 55 Ehe-geschwistern, 1 Wittwer, 2 Wittwen, 4 ledigen Brüdern, 2 Knaben, 23 Ledigen Schwestern, einem großen Mädgen, 11 Knäblein und 15 Mägdlein, Summa 153 Personen; darunter 117 Communicanten sind. Und in Gnadau wohnen 18 Ehe-Geschwister, 1 Wittwer [436] 22 Ledigen Brüder, 1. Jüngling, 2 Knaben, 12 ledigen Schwestern, 2 Mädgen, 5 Knäbgen und 2 Mägdlein. Summa 65 Personen, davon 52 Communicanten sind.
Die hiesige Societaet besteht aus 6 Männern, 4 Frauen und 4 Wittwen, Summa. 14 Personen.
In dem Monat sind Heimgegangen die kleine Mar. Elis. Ottin, 6 Wochen alt, am 21ten Nov. und die Wittwe Cath. Tschessatschkin, von 60 Jahren am 27ten.
Am 13ten waren uns der Ruf unsers Herrn an ein jedes, der zutritt zu Ihm, und Seine Speciale Sorge Treue und Liebe für ein jedes Materien zur Beschämung, Anbetung und Dancksagung. Zum heiligen Abendmahl gelangte mit der Gemeine am 4ten die[WS 56] ledige Schwester Sarah Kreytschofskyn.
Am 27ten wurde der ledige Bruder Daniel Prokesch mit der ledigen Schwester Anna Pechatschekin getraut.
Vom 14ten bis 23ten war Bruder Grasmann [437] mit Bruder Richter auf einen Besuch einiger mit uns bekanten Wenden in der Nieder-Lausiz.
Das hiesige Böhmische Kirchlein, das der Heiland durch Seine große Liebe und Wunder-Macht hat werden laßen, hat Er auch in diesem Jahr 1770 erhalten, durchgebracht, gelehrt, genährt, gepflegt, bewahrt, gezüchtiget und getröstet, ermahnt und erfreut mit den reichen Gütern Seines Hauses. Wir dancken im Staube dafür und sind viel zu geringe aller der Barmherzigkelt und Treue; wir habens aber angenommen u. nehmens noch an, weils der Herr geben will, und weil wirs bedürfen. In dem Jahre sind geboren und getauft worden: in Berlin 2 Knäbgen und 3 Mägdlein, und in Rixdorf 2 Knäblein u. 2 Mägdlein. In die Gemeine sind aufgenommen worden: 1 Mann und 3 große Mädgen in Berlin und in Rixdorf 2. Zum heiligen Abendmahl sind gelangt eine Frau in Rixdorf und 4 ledige Schwestern und [438] Mädgen in Berlin. In die Ehe sind getreten 3 Paar in Berlin, u. in Rixdorf ein Paar. Heimgegangen sind daselbst 2. und in Berlin 11. Geschwister. Nachdem der übersezte Synodal-Verlaß zu Anfang des Jahrs gelesen worden: so wurden dem zu folge die neuen Einrichtungen in der Gemeine gemacht. Mit unsern Kindern, die nach Aufhebung der Anstalten den Eltern zu eigener Erziehung übergeben oder sonst untergebracht worden, ists noch nicht in seinem rechten Gange; es fehlt noch an allen Ecken, und diese Sache hat bisher viel Sorge, Schmerz, Kummer und Betrübniß auf allen Seiten gemacht. Wir flehen aber den Heiland u. Seinen Geist an, daß Er uns die Ihm wohlgefällige Erziehung der Kinder von den Eltern selbst in den rechten Gang bringen helfe. Unser Bruder Sternberg reiste in dem Jahr seinem Ruf zu folge nach Grönland ab und unsre Herzen haben ihn begleitet. Die Gemeine in [439] Berlin besteht aus 106 Eheleuten, 5 Wittwern, 46 ledigen Brüdern 22 Jünglingen und Knaben, 29 Knäbgen, 22 Wittwen, 40 ledigen Schwestern, 25 großen Mädgen und 40 Mägdlein. Summa 335 Personen; und die in Rixdorf aus 75 Eheleuten, 10 Wittwern, 14 Wittwen, 9 ledigen Brüdern, 13 Knaben, 22 ledigen Schwestern 17 Mädgen, 26 Knäblein und 31 Mägdlein, Summa 217 Personen.
Bey unserm Abendmahl am 3ten wurden die Knaben Samuel Diez und Chr. Dav. Burow zum ersten Genuß deßelben eingesegnet. Der Bruder Georg Benjamin Burow wurde d. 6ten mit der Schwester Dor. Göttlingin verlobt u. d. 18ten getraut[WS 57]. Bey dem Fest-Liebes-Mahl am 13ten Nov. wurden einige Lieder die auf das Fest gemacht sind, als: Willkommen unter deiner Schaar p. von A. 41. d. 16ten Sept. Ach Schöpfer meiner Seel p. von anno 46, und Hörst dus Aeltster, du incomparabler p. [440] von Anno 48 gelesen und zum Theil erläutert. Der Heiland war uns sehr nahe. D. 14ten reisten die Brüder Gebauer und Findeklee nach Gnadenberg, um mit unserm lieben Bruder Georgio, als Provincial-Helfer, über manche Umstände zu conferiren.
Wir müßen beym Schluß des Kirchen-Jahrs die Geduld und Langmuth unsers Herrn preisen, mit welcher Er uns bisher getragen hat und dieselbe vor unsre Seligkeit achten. Bey allen unsern Mängeln und Gebrechen hat Er uns Seine Gnade und Barmherzigkeit reichlich erzeiget, Er hat manchen Schaden, der durch unsre Schuld hätte entstehen können, von uns abgewendet und uns grösten theils in einem seligen Gange erhalten, ob wir gleich bekennen müßen, daß wir Ihm noch nicht so zur Freude sind, wie wirs wol wünschten.
Die Bibel-Lection, da wir das Leben Jesu, die Apostel-Geschichte und die meisten Briefe Pauli [441] gelesen haben, ist vielen Herzen zum Segen gewesen, und der Heilige Geist leitet uns dabey immer mehr in alle Wahrheit. Auch haben die revidirten Liturgischen Gesänge unsre Herzen aufs neue ermuntert und sind mit Segen gebraucht worden. /:Solches wird auch in den Berichten der übrigen Gemeinen danckbarlich in Erwehnung gebracht:/ Die Gemeine hat an dem Bruder Gebauer einen treuen Diener bekommen, welcher auch ad interim nach Bruder Kloses abruf die Geschäfte des ledigen Brüder Chor-Diener-Amts übernommen und dabey den Bruder Findeklee zum Gehülfen hat.
An die Stelle der seligen Schwester Susanna Munzky ist die Schwester Lenel Gutsleff als Chor-Helferin gekommen.
Ein Mädgenchor ist eingerichtet worden, welches aus 5 besteht, die alle in diesem Jahr zu uns gekommen sind.
Am 13ten Aug. ist der Anfang mit dem Bau des ledigen Brüderhauses [442] gemacht worden. Getraut sind worden 3 Paar. Geboren und getauft 2 Mägdlein. In die Gemeine aufgenommen 2 ledige Brüder, 3 Knaben, 3 ledige Schwestern und 3 Mädgen. Zum heiligen Abendmahl sind gelangt 2 ledige Brüder, 4 Knaben, eine Wittwe und 2 Ledige Schwestern. Das Gemeinlein besteht aus 21 Paar Eheleuten, 2 Wittwern, 7 Wittwen, 59 ledigen Brüdern, 12 Knaben, 32 ledigen Schwestern und Mädgen und 7 Kinder. Summa 161 Personen.
Das heilige Abendmahl am 3ten genoßen zum erstenmal mit der Gemeine der Ledige Bruder Joh. Jac. Reuß u. das große Mädgen Anna Rosina Beerin. Am 13ten Nov. ruften wir einander mit frohem herzen zu: Kirche Jesu freue dich über Sein Erwehlen p. und gaben Ihm Herzen und Hände Seine treuen Seelen zu seyn und zu bleiben. Bruder Heintke machte in dem Monat einen Besuch in Herrnhuth und Groß-Hennersdorf. Heimgegangen sind der kleine Chr. Dav. Rüdiger d. 23ten [443] ein Kind von 22 Wochen, die verehlichte Schwester Sus. Gerbichin in Cromniz am 17ten ihres Alters 70 Jahr. und die verehlichte Schwester Anna Mar. Reinholdin am 2tn Nov. leztre meldet von sich: „Ich bin anno 1728 in Groß-Krausche geboren. Als mein Vater anno 38 heimging, empfand mein Herz einen besondern Trost und ich dachte: ich will mich nun dem Herrn Jesu ganz ergeben, der wird izt mein Vater und alles seyn. Anno 1744 und 46 wurde ich der Gemein-Gnaden zu meiner großen Freude theilhaftig. So lange ich beßer seyn wolte, als ich würklich war, hatte ich ein geplagtes Leben. Der Heilige Geist aber war geschäftig, mir meinen Erlöser in der Gestalt, wie Er am Creuze Sein Blut für mich vergoßen hat, vors Herze zu mahlen, und ich lernte glauben, daß Sein Blut für alles Verderben gut seye. Von der Zeit an, war ich gerade, und offenherzig. Anno 1754 kam ich zu den Kindern [444] in die Anstalt. Dabey hatte ich zwar selige Zeiten; meine bedenckliche Art aber machte mir manchmal viel zu schaffen. Ich weinte vor meinem treuen Heiland ofte über mein Verderben u. ach! wie reichlich wurde ich darüber getröstet, wenn ich vor Ihm mein Herz ausgeschüttet und mit meiner Arbeiterin über alles ausgeredet hatte. Nur um Seines Blutes Willen allein, selig zu seyn wird mir immer größer, und ich freue mich meines guten Herrn bey Seinen vielen Gnaden-Beweisen“. Anno 62. trat sie in die Ehe, welche mit 2 Töchtern gesegnet war, davon eine noch lebt. Ihre Kranckheit war seit einigen Jahren eine Brust-Beschwerung, und an bemeldeten Tage, wurde sie ihres Wunsches, beym Herrn daheime zu seyn, seliglich gewähret.
In den Memorabilien der Gemeine zu Gnadenberg heißts: Wenn wir zurück dencken, was unser lieber Herr, von Liebe Gnade, Gedult und Barmherzigkeit an uns [445] bewiesen hat; so beten wir darüber an und müßen Ihm das Zeugniß geben: Einer auch nur Einer liebt so, und sonst keiner, das bleibt ewig wahr! Diese Seine Liebe, Gnade und Güte war auch in diesem Jahr die Ursach, daß Er seiner armen sich vieler Mängel und Gebrechen bewußten Gemeine, die tröstliche Lehre von seinem Verdienstlichen Leiden u. Sterben erhalten, ihr Seine Sacramente in Segen zu genießen gegeben, ihre Versammlungen mit seinem Nahe und da seyn gewürdiget, ihr von außen und innen Ruhe und Friede verliehen und sie bey der hohen Landes-Obrigkeit Gehör und Gnade finden laßen p.
Geboren sind in dem Jahre 3 Knäblein und 6 Mägdlein. In die Gemeine sind aufgenommen worden 1 Ehepaar, 6 Knaben, 2 Wittwen und 7 ledige Schwestern. Heimgegangen sind außer unsrer Schwester Waiblingerin 3 verehlichte Brüder; 3 verehlichte Schwestern, 1 Knabe, 3 Wittwen, 6 ledige [446] Schwestern 3 Knäblein und 2 Mägdlein. Ein Paar ist verheurathet worden. Die ganze Gemeine zu Gnadenberg besteht aus 516 Communicanten, nehmlich 182 verehlichten Geschwistern, 19 Wittwern, 120 ledigen Brüdern und Knaben, 50 Wittwen, u. 145 ledigen Schwestern und Mädgen; Ferner aus 14 auf und unaufgenommenen verehlichten Geschwistern; 39 auf- und unaufgenommenen ledigen Brüdern und Knaben, 70 auf- und unaufgenommenen ledigen Schwestern und Mädgen, 46 Knäblein und 48 Mägdlein, Summa 733 Personen. Davon wohnen in Gnadenberg 69 verehlichte Geschwister, 11 Wittwer, 33 Wittwen, 159 Ledige Brüder, Knaben und Knäblein und 166 ledige Schwestern, Mädgen und Mägdlein, Summa: 438 Seelen.
[447]
Am ersten Tage dieses Monats dachten wir viel an das Jerusalem, das droben ist, und trösteten uns unter einander mit diesen Worten, daß eh’ des Lammes Hochzeit wird, und der Bräutigam die Braut heimführt, auch wir müßen vollendet seyn, denn es ist nur Eine Gemein. Unvermerckt spielte sich diese Materie mit in unsern Lob-Gesang bey dem Mahl des Herrn, das wir am 3ten darauf hielten. Gottlob für diese Speise auf den Durchgang durchs Jammerthal! Einen andern großen Tag machte uns der Herr am 13ten dieses. Eltern und Kinder, Wittwer und Wittwen, Jünglinge und Jungfrauen, Alte mit den Jungen huldigten Seinem Aeltesten-Amte aufs neue u. ergaben sich Seiner Leitung und Pflege auf die künftgen Stunden. [448] Und nachdem der Tag mit Anbeten und Flehen verbracht war, hielten wir noch in den Abendstunden ein Gemeinschaftliches Liebesmahl und waren frölich mit Psalmen u. liedern vor dem Herrn der unser Aeltester ist.
Bey Gelegenheit des schönen Textes am 10ten vom Knien und Anbeten vor dem Herrn kamen wir auf die Materie von der Liturgie und erneuerten einander die leztere Synodal-Erinnerung, daß ja keines aus Gewohnheit in eine Liturgie gehen möge. Vom 15ten bis 23ten waren unsre lieben Geschwister Johann Nitschmanns auf einen Besuch in Amsterdam u. Harlem. Geschwister Schliesers bezogen ihr neu erbautes Haus, so wie auch Geschwister v. Laers den Flügel zur Lincken Seite des Neuen Gemein-Saals. Bruder Albertini war von Neuwied auf etliche Tage zum Besuch bey uns, und noch ist der Bruder Heinrich van Vleck mit seinem Sohn aus New-York auf einen Besuch bey uns. Aus Pensylvanien kam der ledige Bruder Johann Friedrich Zenner bey uns an.
Am 26ten war die Trauung des ledigen Bruder Hufnagels mit der Ledigen Schwester Anna Wilhelmina Helders.
In den Memorabilien dieser Gemeine [449] heißts:
Beym Anfang dieses Jahrs 1770 wußten wir einander keinen größern Wunsch zu thun als Ihn selbst zu haben, unsern Herrn Jesum Christ, unverrückt. Seitdem haben wir theils gemeinschaftlich, theils alleine gar oft gebetet und gesungen: Ach mein Herr Jesu, wenn ich dich nicht hätte – wo sollt ich ärmstes unter den Elenden mich sonst hinwenden! und man kan sagen daß dieses der Favorit-Vers der hiesigen Gemeine in dem Jahr gewesen ist.
In diesem Gefühl sind wir auch unsern Gemein-Gang selig fort geleitet worden. An Segen Hülfen u. Gnaden-Beweisen hat es Seiner Seits nicht gefehlt. Bey alle dem müßen wir doch auch bey diesem Jahres-Schluß bekennen: Wir haben mancherley gelegenheit gehabt; daraus wir gesehen haben: wir sind noch eine Gemeine, die über ihre Unvollkommenheit und sonderlich darüber zu Weinen hat, daß sie weiter und dem Herzen Jesu gemäßer seyn könte, als sie würcklich ist. Das macht daß wir auch zum Schluß dieses Jahrs unsern Danck mit Thränen mischen. Aber darum [450] wollen wir Ihm doch dancken mit herzen, Mund und Händen, Amen!
Besonders anmercklich ist uns von diesem Jahr:
1.) Daß das Evangelium von Jesu Marter und Todt in diesem Jahr, sonderlich seit der gesegneten Pfingst-Feyer, auch in der hiesigen Landes-Sprache hat können verkündiget werden.
2.) Der Segen bey unsern öffentlichen Bibel-Stunden.
3.) Die erneuerte Gnade bey dem Gebrauch der revidirten Liturgien, zu denen sich der Geist der Gemeine lieblich bekennt.
4.) Daß unsrer lieben Jugend ein kurz gefaßter Unterricht von den Wahrheiten unsers Glaubens, nach der heiligen Schrift ertheilt wird; davon sich mancher Segen an ihrem Herzen zu Tage gelegt.
/:Leztre 3 Punckte erinnern sich auch die übrigen Gemeinen danckbarlich:/
5.) Die Abreise der Geschwister Stöhrs von hier nach 7 jahrigen treuen dienst bey hiesiger Gemein-Diaconie so wol als Ehechor.
[451] 6.) Die neue Besezung des hiesigen Gemein-Diener-Amts durch unsern lieben Bruder Wellmann.
7.) Die in diesem Jahr zu Stande gekommene käufliche Uebernahme des ledigen Schwestern-Hauses vom hiesigen Gemein-Credit.
8.) Die Ordination unsers lieben Bruder Bruiningks zum Prediger, und die Einsegnung seiner Frau zur Diaconisse.
In den Chören hat nach den Zeugnißen sämtlicher Chor-Arbeiter die innere Gnaden-Arbeit des heiligen Geistes, so wol auf die wahre Sünderschaft, als den Trost der Gnade selig continuirt. Bey den ledigen Brüdern bekam Johann Daniel Köhler den Auftrag sich der Arbeit bey den Jünglingen und Knaben mit anzu nehmen. Bey den ledigen Schwestern ist die Schwester Maria Fischerin als Gehülffin bey den ledigen Schwestern und Mädgen ernannt worden.
In diesem Jahr sind geboren 2 Kinder. In die Gemeine sind aufgenommen 10. Zum heiligen Abendmahl gelangt 13. Heimberufen [452] Zum Herrn 6 Seelen. 7 Paar sind getraut worden. Die sämtlichen dermalen in Zeyst befindlichen Geschwister sind: 77 verheurathete, 4 Wittwer, 28 Wittwen, 138 ledige Brüder und Knaben, 127 Ledige Schwestern und Mädgen u. 21 Kinder Summa 395 Seelen.
D. 14ten Jul. genoß der verehlichte Bruder Math. Hanß nach erhaltener Erlaubniß zur Readmission, zum erstenmal wieder das heilige Abendmahl mit der Gemeine zu seiner tiefen Beschämung. Geschwister van Londons zogen in das Amsterdamsche Gemeinhaus. In den Lese-Stunden diesen Monat über wurde der ins Niederdeutsche übersezte Synodal-Verlaß von Anno 1769 mit durchgängigem Eindruck gelesen.
Vom 1ten Aug. schreiben sie: Weil wir so arm und Bedürftig sind, hat uns der Heiland mit manchen aparten Gnaden-Besuchen Beschämt. Der Zulauf zur öffentlichen Predigt [453] wird immer stärcker; so daß wir, aller Erweiterung unsers Saals ohngeachtet, schon wieder um Plaz verlegen sind. Wir haben auch erfreuliche Spuren, daß unser lieber Herr das einfältige Zeugniß von Seiner Versöhnung, an diesem und jenem unter den fremden Zuhörern besonders gesegnet. Ein junger Herr, der seit kurzem auf unsern Saal gekommen, und von der Gnade kräftig ergriffen worden, ist recht selig aus der Zeit gegangen.
D. 26ten wurde die ledige Schwester Caatje Tarwin in die Gemeine auf genommen. D. 21ten Sept. ging Bruder Sam. Bugge zum Besuch seiner Eltern nach Norwegen unter Segel.
Im Monat Oct. wurden wir zwar in den Abend-Versammlungen etliche mal von fremden Leuten gestört; wie wir aber nachher gehört, sind sie denselben zu besondern Segen gewesen. Den Ledigen Brüdern wurde am 1ten Nov. die Miethe ihres jezigen Hauses aufgesagt, weil der Eigner deßelben keine Geistliche [454] Zusammenkünfte drinnen leiden will. Nach vielen vergeblichen Versuchen bekamen sie endlich ein andres Haus zur Miethe, auf der Laurier-Gracht welches ein Convenables gutes Haus ist, mit einem kleinen Gärtgen. Die Miethe geht erst in 3 Jahren zu Ende.
Am 2ten Nov. hatte Bruder Loskiel einen freundschaftlichen Besuch von 4 reformirten Herrn, die unsern Saal fleißig besuchen, und deren 3 selbst Privat-Versammlungen halten. Der Schluß der Unterredung war, daß sie einander die Hand gaben, bey Jesu Creuze zu bleiben und Seine Marter zu treiben, bis zum lezten Othem-Zug.
Am 25ten feyerte das Gemeinlein den Gedächtniß-Tag seiner Einrichtung vor 32 Jahren mit Gnade u. Segen.
D. 14ten Jul. hatten 6 Diaspora-Geschwister die in der reformirten und Lutherschen Kirche zum Abendmahl gehen, eine gefühlige Versammlung. D. 20ten wurde eine aparte für die [455] Abendmahls-Geschwister eingerichtet, die künftig alle Wochen Continuirt, und theils zur Liturgie, theils zur Communication der wöchentlichen Nachrichten angewendet wird. Die Gesellschaften continuiren im Segen. Beym Abendmahl am 18ten Aug. sahe die Schwester Bertramin als Candidatin zu, und d. 10ten Oct. genoß sie das selbe zum ersten mal mit. Ihre Einsegnung zur Confirmation war eine handlung, die in vielen Jahren hier in Harlem nicht vorgekommen ist. Da es nunmehro zur Zeit der Niederdeutschen Abend-Versammlungen wieder dunckel wird; so kommen von Zeit zu Zeit einige Fremde, um was für ihr Herz zu hören. Geschwister Klawens besuchten bey verschiedenen von den ehemaligen bekanten. Bey einem derselben fand er den Nachtrag zur Grönländischen Historie, der sie mit Segen und Erbauung für sein Herz gelesen hatte. Am 7tn Oct. war in der Gesellschaft der ledigen Mannsleute ein Becker-Gesell zum erstenmal zugegen. Sein Herz ist gerührt und bey der Unterredung kamen ihm die Thränen in die Augen. [456] D. 30ten besuchte Bruder Klawe einen bekannten. Da sie in der Unterredung unter andern auf den Deismum kamen; so wunderte sich dieser Mann, der viel Wißen hat, äußerst darüber, daß der so einriße. Als aber Bruder Klawe mit ihm weiter redete und auf den gecreuzigten Heiland kam, daß der unser Gott und Schöpfer wäre, nach Joh. 1., so haperte es auch bey dem Mann, und der Unglaube konte nicht verborgen bleiben.
Die neu revidirten Liturgien sind den Geschwistern hier eine große Freude, und sie gebrauchen dieselbe mit viel Gnade und Segen. Auch ist die Communication eines Extracts aus dem lezten Synodal-Verlaß, so wie er ins Niederdeutsche war übersezt worden, ihnen zum wahren Segen gewesen. In den Monaten Aug. und Sept. hat in der dortigen Gegend eine epidemische Kranckheit grassirt, so daß nur in dem kleinen Dorfe Akrum an die 20 Personen bey der Gelegenheit aus der [457] Zeit gegangen sind. Von den Geschwistern haben auch einige an derselben Kranck gelegen; es ist aber keines von ihnen dran heimgegangen. Sonst hat der Heiland ihre Versammlungen mit Seiner Nähe gesegnet. Der Sohn eines Mennonisten Domine in Hoorn, der im Sommer einen Besuch in Zeyst gethan hatte, konte gegen ein paar Geschwister aus Akrum, die ihn besuchten nicht genug bezeugen, wie wohl ihm bey obigem Besuch gewesen sey; sonderlich bezeugte er mit Thränen, daß er unter einer Liturgie, da er mit auf dem Saal gewesen, eine solche Herz-Zerschmelzende Gnade vom Heiland empfangen habe, dafür er nicht genug dancken könne; er werde nicht vergeßen, was da an ihm geschehen sey.
In diesen Monaten, in welchen unser lieber Herr, so wol der ganzen Gemeine als ihren Chören, Sein Herz zu fühlen gegeben, war uns der 13te Nov. [458] auch dismal wieder ein ausnehmender Heils- und Segenstag. Er hat sich als das Haupt seiner Gemeine durch Seine fühlbare Gegenwart in unsrer Mitte, ganz aufs neue in allen Herzen legitimirt und uns eine Trostvolle Versicherung gegeben, daß Er den Staab unsrer Führung ferner in Seiner Hand behalten, und Sein Volck nicht verlaßen noch versäumen wolle.
Den Genuß Seines Leibes und Blutes im heiligen Sacrament hatten wir am 6ten Oct. und 3ten Nov. bey leztrem participirte die Cath. Drioscha zum ersten mal mit. Zwey mal haben wir Gemeintag gehabt, da im Oct. die Mar. Cath. Kraa in die Gemeine aufgenommen wurde. Zur heiligen Ehe wurden verbunden am 26ten Oct. der Bruder Daniel Metteal mit der Schwester Susanna Bourguain, u. am 9ten Nov. Bruder Becklind mit der Schwester Dor. Steigerin.
Heimgegangen ist am 8ten Nov.[WS 58] die Schwester Elisabeth Gignoux. Zum Besuch sind unter andern bey uns gewesen, der Herr Pfarrer Cinker [459] von St. Goarshausen. In seiner Gesellschaft war Herr Wehler, ein Neveu des Bruder Wallis. Auch war ein Schulmeister aus dem Schwarzburgischen, und zwey Männer aus dem Bergischen bey uns. Eine besondre Bewahrung unsers lieben Himmlischen Vaters, haben wir gegen das Ende des Monats Nov. erfahren. Es fieng nehmlich der Rhein am 27ten unvermuthet und ganz außerordentlich schnell an zu wachsen. Am 28ten war schon bey nahe unser ganzes Quarre unter Waßer. Vorm GemeinHaus fuhr man mit Nachen vorbey. Im BrüderHaus mußten sie sich ins obre Stock retiriren. Alles um uns herum war weit und Breit überschwemmt, und sahe wie eine offene See aus. Der Text des Tages war uns hiebey sehr tröstlich: „Du herrschest über das ungestümme Meer und stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben“. Am 29ten konten wir nicht anders als mit Nachen zu einander kommen.
Abends aber fieng das Waßer an zu fallen, u. war d. 30ten so weit verlaufen, daß wir in der Demerung [460] doch wieder unsre gewöhnliche Versammlungen halten konnten. Alles freute sich, seit 4 Tagen zum ersten mal einander wieder auf dem Saal zu sehen. Wir brachten unserm lieben Himmlischen Vater für so treue Bewahrung und gnädige Abwendung eines noch größern Schadens /:denn ohne mercklichen Verlust kans freylich bey solchen Gelegenheiten nicht abgehen:/ unser kindliches Gratias und beschloßen so diesen Monat, nach der Tages-Loosung mit Dancksagung.
Nun wollen wir aus einem Schreiben eines Pfarrers in der Pfalz an Bruder Beyer folgendes anführen:
„Daß der liebe Heiland mich zu einem rechtem armen und gläubigen Sünder machen möge, der unaufhörlich von Seiner Gnade lebt und zu dem Ende unverrückt an Seinem verdienstlichen Todte klebet, um daraus die nöthige Kraft zu meinem Diener und Kinder-Gang zu nehmen, und also Ihm zur Ehre [461] und Freude zu werden; ist das Ziel meines Verlangens. Ich sehe mich aber noch sehr weit davon entfernt, das innere Grund-Verderben, die äußerlichen Anläße zu Zerstreuungen, berücken mich ofte von dem gläubigen Aufsehen auf meinen blutigen Versöhner. Und da werde ich finster, unruhig, und gerathe auf einen Weg, der nicht gut ist. Aber oft mitten in diesem Zustand schenckt mir der Gnädige und Barmherzige Herr einen Blick auf Seine schmerzliche Leidens-Gestalt, und was Er für mich ausgestanden. O da fange ich halb todter wieder an zu Leben; da krieche ich, so arm und elend zu seinen Wunden hin; da küße ich Seine durchnagelte Füsse mit Thränen, und bekenne Ihm zu gleich mit tausend Freuden, daß niemand so gut sey, als alleine Er, der Herr mein Gott. Damit ich nun nicht so abwechselnd, sondern beständig seine selige Nähe empfinden und erfahren möge: Das helft [462] mir von Ihm ausbitten! Die Gemein-Nachrichten sind meinem armen Herzen je länger je mehr zum großen Segen, das dadurch, theils wegen der vielen vorkommenden Exempel Beschämt, theils aber auch zur Nachfolge derselben gereizt, und zum Lobe Gottes aufgemuntert wird.
In den Memorabilien von Neuwied heißts[WS 59]:
Wir bringen unserm lieben Herrn, der uns alles Gute mit Sterben u. mit Blute erworben hat, unser Danck-Opfer mit Freuden; aber auch tief beschämt, daß wirs nicht beßer erkannt u. angewandt. Das muß ein treues Herze seyn, das uns so hoch kan lieben; da wir es doch, statt es zu erfreu’n, gar oft und tief betrüben.
Wir haben der Mängel und Gebrechen viele, im ganzen und in den Theilen, mit Schmerzen und Schaam gesehen; aber Sein gnädiges Bekentniß zu diesem geringen [463] Theil seines Erbes hat uns überschwenglich getröstet.
Unser lieber Herr, der in seinem Hause alles ordnet, hat in diesem Jahr verschiedene Verändrungen unter den hiesigen Arbeitern gemacht. Geschwister Albrecht Dietrichs sind nach der Ober-Lausiz und Geschwister Kühns nach Basel zur bedienung der dortigen Diaspora, an Geschwister Macraits Stelle, die gegenwärtig bey uns sind, abgereißt; hingegen sind unsre Geschwister Friesens als EheChor-Helfer hergekommen; wobey er zu gleich das äußere der Gemeine besorget. An der Schwester Gr. Wieland Stelle, die nach Montmirail berufen worden, ist die Schwester Dorothea Gambs von Zeyst, als Chorhelferin bey den ledigen Schwestern eingetreten. So ist auch Bruder Curie nach seiner Heurath zur bedienung der Anstalt nach Montmirail, als Bruder Frankens Gehülfe, dahin abgereißt, und Bruder Duvernoy hat die Aufsicht über unsre Knäbgen-Anstalt übernommen; in welcher des Bruder Simon Peters Stelle, der nach America berufen worden, durch Bruder [464] Ohle ersezt worden ist.
In die Gemeine sind in diesem Jahr aufgenommen worden 11 Personen, geboren und getauft 2 Kinder; getraut 4 Paar; Heimgegangen 5 Geschwister. Unser Gemeinlein besteht dermalen aus 42 Eheleuten, 6 Wittwern, 17 Wittwen, 113 Ledigen Brüdern und Knaben, 83 Ledigen Schwestern und Mädgen und 45 Kindern.
Summa 306 Personen.
Der liebe Heiland hat in diesen Monaten, nach Seiner alten Liebe und Treue mit uns gehandelt, und uns durchs heilige Abendmahl besonders gütlich gethan, und am 13ten Nov. sich als unser gnädiger und Barmherziger Hoherpriester an uns bewiesen.
An unserm Gemeintag d. 18ten wurde die ledige Schwester Margarethe Selheim aufgenommen. Geschwister Oldendorps kamen mit James Syms, welcher hier zum Rechnen [465] und Schreiben gebraucht werden wird, am 19ten zu ihrer aller Freude, von Groß-Hennersdorf wohl behalten an. Wegen des großen Waßers hatten sie einen Tag in Saalmünster stille liegen müßen. Bruder Macrait, der vom Oct. dieses Jahrs an, unser Gemeinlein mit Segen Bedienen helfen, reiste am 22ten nach Cassel ab.
Den ledigen Brüdern wurde am 28ten bekannt gemacht, daß Bruder Oldendorp bey ihnen, so wie vorher, das Chor-Helfer-Amt versehen und den ledigen Bruder Jacob Müller dabey zu Hülfe nehmen würde. Sie waren damit wohl zu frieden und vergnügt darüber. Am 30ten kam aus Bergen ein Taglöhner zum Besuch, weil er von Marienborn viel gutes gehört hatte und blieb einige Tage hier. Auch kam aus dem Würtembergischen Ort Brittheim, im Rosenfeldischen Amte, ein Ziegel-Brenner und alter Mann, mit seiner Frau, Tochter und Sohn, [466] um leztre in der Gemeine zu lassen, und selbst mit seiner Frau zu bleiben, wenns anginge. Sie waren nach ihrer Rechnung 50 Stunden weit; hatten aber 11 Tage auf der Reise zugebracht, weil sie ein Stück auf dem Wege nach Kloster Marienborn bey Maynz, wo man sie hingewiesen, umgegangen waren. Die Tochter war die Gelegenheit zu dieser Reise gewesen, als welche schon vorm[WS 60] Jahr zur Gemeine gewollt, und darum positiv war. Es sind von der Gnade ergrifene einfältige Leute, wie Kinder, und der Heiland hats so gemacht, daß die Tochter bey uns bleibt.
Vom verfloßenen Kirchen-Jahr wird gemeldet.
Wir müßen mit beschämter Freude und weinenden Augen bekennen: Herr, deine Treue ist groß! Er hat uns gar oft besucht, gesegnet, absolvirt u. in der seligen Einfalt erhalten. [467] An dem was Er uns geschenckt, haben die mit uns in Gemeinschaft stehende Seelen der hiesigen Gegend, Theil genommen und sich erquickt und gestärckt. Unsrer Seits sind wir nicht im Stande gewesen, weite Besuche unter sie zu thun: Das ist aber durch den Auftrag ersezt worden, welchen Bruder Macrait bekommen, die ganze zu uns gehörige Diasporam zu besuchen; welches von ihm zur Freude u. Segen der Seelen geschehen ist.
In die Gemeine sind ein lediger Bruder und 2 ledige Schwestern aufgenommen worden und ein lediger Bruder ist zum heiligen Abendmahl gelangt.
Unser Gemeinlein besteht aus 18 Eheleuten, 1. Wittwer, 1 Wittwe, 16 ledige Brüder, 11 ledige Schwestern und einem Kinde. Summa 48 Personen, darunter 39 Communicanten sind.
Der Anfang dieses Monats Zeichnete sich besonders aus, so wol durch die würckliche Vollziehung der durch den [468] Segen unsers lieben Herrn unter Liebreicher und treuer Bemühung unsrer 2 lieben Brüder Koeber u. Quandt glücklich zu Stande gebrachten hiesigen Gemein-Ordnungen und des zwischen unsrer lieben Orts- und Gerichts-Obrigkeit und der hiesigen gemeine getroffenen Recesses; als auch durch versiegelung des wichtigen Geschäftes, mit dem seligsten Genuß des heiligen Abendmahls am 3ten.
Bruder von Lüdeke, welcher das Gemein-Helfer-Amt verschiedene Jahre mit Gnade und Treue hier bedient hatte, gab dasselbe im Gemein-Rath d. 2ten an Bruder Jacob Müller ab. Unsre lieben Brüder Koeber und Quandt traten am 5ten ihre Abreise von hier mit vergnügen an, und das Herz der hiesigen Gemeine begleitete sie mit Segen u. Dancksagung. Am 8ten hatten wir einen begnadigten Gemeintag. Aus Anlas der Verlesenen Nachrichten von den Frey-Neger-Knaben entstund unter den Kindern einer Familie eine Liebliche Anregung, für diese arme Neger-Knaben etwas zusammen zu legen, [469] welches sie auch so fort, mit Hülfe ihrer Eltern, mit vieler Freude bewerckstelligten.
Von dem verfloßenen Kirchen-Jahr ist anzu mercken:
Es sind in demselben getraut worden 2 Paare, geboren sind u. getauft 2 Knäblein und 2 Mägdlein. In die Gemeine sind aufgenommen worden: 5 Ledige Brüder, 3 Knaben, 1 ledige Schwester und 2 Mädgen. Zum heiligen Abendmahl sind gelangt, 3 ledige Brüder, 4 Knaben, 1. ledige Schwester und 1 Mädgen. Heimgegangen sind 4 Geschwister.
Die Gemeine Besteht aus 53 Eheleuten, 7 Wittwern, 7 Wittwen, 103 ledigen Brüdern und Knaben, 76 Ledige Schwestern und Mädgen[WS 61], 14 Knäblein und 18 Mägdlein. Summa 278 Seelen.
Am 2ten kam Bruder Daniel Willy von Herrnhuth bey uns an. Er übernimmt die von Bruder Hegner bisher geführte Handlung und Fabrique, um solche für Rechnung der Gemeine fort zu führen. Geschwister Hegners reisten am 21ten mit [470] ihrem Sohn und dem Knaben Wiedler zur Gemeine nach Neuwied.
Beym heiligen Abendmahl am 3ten ging der ledige Bruder Scheuerle als ein Glied der Gemeine zum ersten mal mit. Am 6ten kamen von der Unitaets-Aeltesten-Conferenz die lieben Brüder Koeber und Quandt über Neudietendorf auf unser Ansuchen bey uns an. Sie blieben bis zum 17ten bey uns, und der Heiland gab Gnade, daß sie verschiedene angelegenheiten unsrer Gemeine reguliern halfen. Nachdem Bruder Heinzmann seinen Abruf erhalten und der Bruder Joh. Heinrich Müller an deßen Stelle zum Diener des hiesigen Ledigen Brüder-Chors, mit Assistenz des Bruder Gademanns, ernannt worden; so wurde derselbe d. 14ten dem Chor in dieser Qualitaet vorgestellet. Das Praesidium im Aufseher-Collegio wurde d. 16ten unserm Gemein-Diener, Bruder Eichhorn für die Zeit zu führen auf getragen. Heimgegangen ist am 7ten die ledige Schwester Christ. Elisabeth Balkin, im 19ten Jahr ihres Alters. „Ich gehe äußerte sie vor ihrem Ende, als [471] eine arme Sünderin zu meinem Heiland, und freue mich, das Lied mit anzustimmen: Eines hat mich durch gebracht, Lämmlein! Daß du bist geschlacht’t!“
Wir schließen, wird in den Memorabilien berichtet, mit Zerfloßenheit, daß Er uns lieben mag, auch diesen Theil der Sterbe-Zeit und sprechen: Hab Danck, o Jesu, habe Danck für deine Lieb und Treu! Hilf daß dir jedes Lebens-Lang von Herzen Danckbar sey! Wir sind Sünder über mancherley: Aber dennoch hat sich das treuste Herz, das Haupt seiner Gemeine, auch dis Jahr gar oft fühlbar zu uns bekannt. Unsre Weyde war in Jesu Todt und Leiden. Auch haben wir einander daran erinnert, daß wir dencken, handeln und wandeln wollen, wie unser Herr Jesus Christus, und in Seinen Fußstapfen gehen, wie Er uns ein Vorbild gelaßen hat.
Geboren und getauft ist worden in dem Jahr ein Mägdlein; getraut [472] worden 4 Paare; davon ein Paar die Geschwister Kühns, nach S. Thomas gegangen sind. In die Gemeine sind aufgenommen worden 3 ledige Schwestern, 3 Ledige Brüder und 1 Mädgen. Zum heiligen Abendmahl sind gelangt, 2 ledige Brüder 1 Wittwe, 4 ledige Schwestern und 1 Mädgen. Heimgegangen sind 12 Personen.
Die Gemeine besteht dermalen aus
- 53 Eheleuten,
- 3 Wittwern,
- 23 Wittwen,
- 76 ledigen Brüdern, 10. Knaben
- 138 ledigen Schwestern, 7 Mädgen
- 10 Knäblein und 12 Mägdlein
Summa 332 Personen, davon 281 Communicanten sind.
Die Anzahl Seelen, welche Geschwister Dupps in Francken u. Schwaben besucht haben, beläuft sich auf 367 u. im Vogtland u. Erz-Gebürge auf 273.
meldet Bruder Stöhr vom Jahr 1770 überhaupt, und vom Sept. bis Nov. ins besondre folgendes:
[473] Wir erinnern uns mit Dancksagung gegen unsern lieben Herrn, daß Er in unsrer Mitte gewesen, und uns sonderlich in unsern Versammlungen Sein Nahe und da seyn hat inne werden laßen.
Unser Versammlungs-Sälgen ist vergrößert und renovirt worden. Alle 8 Wochen hat uns unser Gottes Lämmelein mit Seinem Leib und Blut gespeißet und geträncket.
Am 13ten bekamen wir einen angenehmen und erfreulichen Besuch von den Brüdern Andresen und von der Heyde. Sie blieben bis zum 17ten bey uns. In der Zeit wurde der Plaz zu unserm Gottes-Acker ausgesteckt, der seit dem in Ordnung gebracht ist. Der ledige Bruder Meyer fieng am 5ten Nov. mit 5 Knäbgen eine Schule an.
Bey unserm Abendmahl, am 3ten zuvor, waren der Communicanten 33. Ohngeachtet es starck regnete und sehr böse zu gehen war, kamen sie doch aus dem Gebürge gelaufen, um sich mit [474] uns ins Meer der Erbarmung laßen einzutauchen. Wir dancken Gott für Seine Gaben, die wir von Ihm empfangen haben und bitten kindlich unsern lieben herrn, Er woll uns täglich mehr beschern. Er weiß wie arm und dürftig wir sind. Ja bleib bey uns Herr Jesu Christ, weils hier herum noch dunckel ist; dein göttlich Wort das helle licht, laß nimmer hier verlöschen nicht.
Das Häuflein Geschwister in Pablowizky und überhaupt in Ober-Schlesien, besteht aus 32 Eheleuten, 4 Wittwern, 9 Wittwen, 8 ledigen Brüdern, 4 Knaben, 7 Ledigen Schwestern, 7 Knäblein u. 7 Mägdlein. Summa 78 Personen; davon gehen 50 zum Abendmahl und 51 wohnen in Pablowizky.
[475]
Im Monat July sind geboren und getauft worden 4 Mägdlein. Am heiligen Abendmahl, welches die Gemeine in dem Monat in den Chören beging, participirten zum ersten mal nach geschehener Einsegnung, die verehlichten Geschwister Christian Hofmanns und Joh. Gottlieb Kühnels, die Wittwe Marie Magdalene Bussin und die ledigen Schwestern Johanna Eleonora Hilsin und Mar. Elis. Hampelin.
In die Gemeine sind in dem Monat auf genommen worden: Die verehlichten Geschwister Johann Georg Jestinsky und Bruder Gottfried Praße, der ledige Bruder Carl Gottlieb Katschke, der Knabe Joh. Georg Heinze u. die ledige Schwester Eva Ros. Pflügerin. Dem Ledigen Bruder Christ. Steinberg in Mittel-Peile, [476] wiederfuhr diese Gnade auf seinem Krancken-Bette; worauf er bald zum Heiland gegangen. Im ChorHaus der ledigen Schwestern ging die Schwester Helena Denkin am 2ten huj. heim.
Die Geschwister Rößlers u. die Schwester Anna Foslerin haben einen Besuch in der Oelsnizischen Diaspora gethan. Er meldet davon folgendes: Wir kamen d. 22ten Juny in Breßlau an, wo ich dem dortigen Häuflein eine Singstunde hielt.
D. 23ten waren wir in Oels, wo ich am 24ten eine Predigt hörte, über Jes. 40: Tröstet, tröstet mein Volck p. Der Prediger redte evangelisch u. reizend und sagte unter andern: Es hat zwar das Lehr-Amt eigentlich den Beruf, alle um ihre Seligkeit verlegene und bekümmerte Seelen zu trösten; aber auch alle diejenigen, welche mit Wahrheit sagen könten: Siehe um Trost war mir sehr Bange; aber der Heiland hat sich meiner Seele herzlich angenommen, können u. sollen trösten, ja ein Bruder soll den andern, u. eine Schwester der [477] andern sagen, was der Herr an ihrer Seele gethan hat p. Nachmittag war das dortige Häuflein von 20 Personen beysammen; welchen ich die Nachrichten vom General Synodo an die Diaspora vorlas. Es hatte auf alle Herzen einen besondern Effect, so daß sie alle wünschten, es noch einmal zu hören. D. 25ten Besuchte ich obgedachten Prediger; es war ihm sehr lieb, mich kennen zu lernen; bezeigte sich herzlich und liebreich, und wünschte uns beym Abschied vielen Success bey der Ausbreitung des Reichs Jesu Christi. D. 26ten und 27ten besuchten wir in einer andern Stadt, u. auf ein paar Dörfern und Communicirten obbemelte Nachricht. In der Stadt fanden sich 24 begierige Seelen herzu, zu denen ich auch etwas über die Tages Loosung redete. Ein Bruder bedient dieses Häuflein im Segen. Seine 2 Söhne sind verheurathet, und laßen sich mit den ihrigen an, Familien des Heilands zu werden. Es ist was angenehmes diese 3 Familien neben einander u. den Vater in den Mitte [478] wohnen zu sehen. Es sind da 3 Rademacher, und 3 Stellmacher, die sich zu dem verbundenen Häuflein halten. Ich fragte beym Besuch in den häusern, einen von ihnen: wie sie in Ansehung der Profeßion mit einander stünden? Er antwortete: ehe er dem Heiland sein Herz ganz gegeben, hätte er sich immer an den andern gestoßen und es hätte ihm immer an Arbeit gefehlt; daher sich denn Neid u. Mißgunst erregt. Nun aber hätten sie einander lieb, wären einander behülflich und es fehlte ihnen allen nicht an Arbeit. Dieser Mann hatte liebe Kinder und es war ihm besonders beym verlesen von der Kinder-Zucht, aufs Herz gefallen, mit seiner Frau zu reden, daß sie doch ja in diesem Stück mit ihm eins seyn möchte; welches er hernach in unsrer gegenwart that.
D. 28ten waren wir an einem andern Ort wo sich aus der Nachbarschaft 18 Personen zusammen fanden und die Nachricht vom Synodo hatte auch hier eine selige Würckung.
[479] D. 29ten besuchten wir den Tag über in den Häusern eines andern Dörfgens, wo wir mit vielem vergnügen artige und liebe Kinder fanden, die alle versprachen, dem Heiland ihre Herzen zu geben. Das machte uns Hofnung, daß dieses Örtgen, welches im Walde ganz allein, von 12 Häusern ist, noch ganz vor den Heiland werden könte; denn es sind nur 2 häuser, worinn keine Geschwister wohnen und der Kinder sind an die 30. Gegen Abend kam das Häuflein von 22 Erwachsenen zusammen. Der Artickel von den Häusern und Familien Gottes, in der Nachricht vom Synodo, war ihnen sehr eindrücklich.
D. 1ten Jul. kamen wir an einen Ort, etliche Meilen hinter Oels, an den Polnischen Grenzen. Nachmittags versammleten sich aus dasiger Nachbarschaft 44 Seelen und hörten mit besonderer Attention die Nachricht vom Synodo. Auch redete ich etwas von herzen zu herzen mit einem ganz aparten Gefühl, [480] bis ihre und meine Thränen die Worte unterbrachen. Es ist ein recht einfältiges, liebes Volck und äußerlich sehr arm. Sie konten sich nicht genug ausdrücken, wie danckbar sie gegen die Gemeine wären, daß an sie gedacht, ja daß sie so gar in ihrem Winckel besucht würden. Sie kommen an ihrem Ort ungestört zusammen; die Herrschaft hat sie gern als treue Unterthanen und der Prediger legt ihnen nichts in den Weg. Am 2ten waren wir wieder in der Stadt. Ich verlas dasigen Seelen, auf ihr Verlangen noch einmal die Nachricht vom Synodo, redete über vorgekommene Miß-Verständniße und Uneinigkeit gründlich mit ihnen aus, und bat sie herzlich alles vergangene nicht mehr zu gedencken; sondern sich aufs neue zum Treu seyn bis ans Ende, zu verbinden, wozu ihnen der Heiland Gnade geben würde.
Es zerfloß dabey alles in Thränen und sie waren sehr danckbar, daß es so weit gekommen.
Am 4ten waren wir wieder in Breßlau, wo sich die Geschwister [481] sünderhaft erklärten über das was sie sich schuldig fühlten und d. 7ten retournirten wir nach Gnadenfrey.
Wir arme Pilger haben in Zaudiz, Steuberwiz und Rößniz besucht und die Geschwister daselbst des angelegentlichen Andenckens der Gemeine versichert. Am 26ten kamen alle Abendmahls-Geschwister zusammen. Ey, was vor Freude, wenn sich alte leute nach vielen Jahren wieder sehen! Freuden-, Lob- und Danck-Thränen hemten die Worte. Doch das sünderhafte Friedens- und Liebes-Gefühl tröstete und erquickte Leib und Seel. Er war wahrhaftig unter uns. Ey was vor fröliche Gesichter sahe man, da ihnen bekannt gemacht ward, daß künftig alle 2 Monat das heilige Abend-mahl würde gehalten werden. Wobey ich mir aus bat, vor der kräncklichen und schwachen Wittwen ihr Mitkommen aufs Brüderlichste bedacht zu seyn. Der 27ten wurde mit Besuch [482] verbracht. Mein vor etlich u. 20 Jahren bewohntes Quartier, war das erste. Abends war noch ein zahlreiche Versammlung zum Abschied. Mein Herz war getrost und freudig Seinen Todt zu predigen; Er mags verthätigen. So gingen wir mit einem getrösteten und danckbaren Herzen, d. 28ten von ihnen und kamen zu Mittag in unsern lieben Palowizky an. Der Bund ist gemacht. So es meinem lieben Herrn gefällt, die paar übrigen Tage meines Lebens, zum Dienst dieser Gnaden hungrigen Seelen aufzuopfern, will ichs mit Freuden thun. Es sind doch von Gott erwehlte Menschen zur Seeligkeit; Sie lieben die Brüder und haben geschmack an der thörigten Predigt vom Creuz. Unter was vor einer Form er sie zu sich ruft, bleibt Ihm anheim gestellt. Die ganze Ober-Schlesische Sache hat eine wahre Aehnlichkeit mit Neudietendorf bey seinem Anfang. Vielleicht kan ihm sein Name, wenns auch erst etlich 20 Jahr gepflegt ist, beygelegt werden. Wir haben uns alle herzlich lieb p.
Im Bericht von Gnadenfrey heißts weiter:
[483] Zu Anfang des Monats August kam der Gang der Kindersache Angelegentlich in beherzigung, da derselbe nun 6 Monate seit der Aufhebung der Anstalten in seiner neuen Einrichtung gewährt hat; so zeiget sich, worauf man sonderlich Bedacht zu nehmen hat, wenn dieselbe zum besten und wahren Segen der Kinder Ausschlagen soll. Es wurde demnach die monatliche Kinder-Conferenz, die Tags vor ihrem Bettag gehalten wird, aufs neue eingerichtet und zu derselben, außer den gliedern der Aeltesten-Conferenz, die Kinder-Eltern, die Schulhalter, und Besucher der Kinder, gezogen. D. 3ten Aug. ward sie zum erstenmal in dieser Art gehalten.
D. 4ten darauf hatten die Kinder ihren Bettag. Es gab dabey Gelegenheit zu einer herzlichen und nachdrücklichen Erinnerung an alle Kinder, die manche Thränen hervor brachte und eine heilsame Würckung verspricht.
Unser lieber Bruder Clemens, der von seiner
[484] gewöhnlichen Glieder-Kranckheit etliche
wochen lang einen starcken Anfall
gehabt, nun aber ziemlich wieder hergestellt
ist, führte am 13tn Aug. in
seiner Rede von der Geistes-Taufe
und ihren seligen Würckungen, die
die Gemeine anno 27 in Bertelsdorf
erfahren, der Gemeine die vormalige
Gnade lebhaft zu gemüthe, Zeigte
die Nothwendigkeit derselben, für
eine jede Sammlung von Seelen, die
eine Gemeine Jesu seyn soll u. machte
das Verlangen der Herzen rege,
nach einer neuen gnädigen Heimsuchung
unsers Herrn und ueberströmung
aller jezigen Gemein-Glieder,
mit seinem Blut und Geist. Zu
Anfang des Monats Sept. wurden
die Lehrtage verschiedener Chöre,
mit einer Homilie und dem Bundes-Kelch
begangen. Der Heiland
begnadigte diese Versammlungen
mit Seiner fühlbaren Nähe u. Segen.
In den bald darauf gehaltenen Claßen
der Eheleute, hörte man davon die
erfreulichsten Aeußerungen u. zugleich
herzliche wünsche, in denen ihnen vorgetragenen
Lehr-Materien, dem Herzen
[485] Jesu immer mehr zur Freude zu werden;
das Fest des Ehe-Chors wurde dismal
am 8ten Sept. als am Abendmahlstage
begangen, weil der gröste Theil dieses
Chors auf den dörfern wohnet u. nicht
wol 2 Tage nach einander von ihren
familien abwesend seyn kan. Am 10ten
als am Lehrtage der sämtlichen Kinder,
hielt ihnen Bruder Clemens eine
eindringende Rede über die Loosung:
Ehre Vater und Mutter p. die größern
Knaben und Mädgen waren dabey
zugegen; weil diese nöthige und
wichtige Lehre alle, die Eltern haben
und die Jugend überhaupt angehet.
Im Monat Oct. war uns eine Rede
von der Nothwendigkeit, daß der
heilige Geist selbst unter uns von
Jesu zeuge und unser Führer Bleibe;
weil es sonst an Leben u. Kraft
fehle und wir in Gefahr sind, zu
irren und uns zu vorgehen, besonders
eindrücklich. Wir wünschten
uns diese Gnade; ja wir halten
es für unser Haupt-Anliegen
in Ansehung unsers ganzen Gemein-Ganges,
aller Gemein- u. Chor-Versammlungen
der Conferenzen und
[486] des Besondern Ganges eines jeden Gemein-Gliedes.
Wir müßen es auch
mit Dank gegen unsern lieben Herrn
erkennen, daß Er diesen Monat hindurch,
Geist und Kraft zu dem
Wort der Gnade, das verkündigt
worden, gegeben und uns Sein Wandeln
in unsrer Mitte hat inne werden
laßen. Am 19ten war die Monatliche
Kinder-Conferenz wieder gehalten,
in welcher sich noch verschiedene
Mängel in ihrem izigen Gange
hervor thaten. Es ward zu Abhelfung
derselben eine Zusammenkunft der
Eltern im Ort, zu einer deutienlichen
Unterredung mit denselben, vor
gut und nöthig befunden, welche am
22ten mit Gnade und Segen gehalten
wurden.
D. 7ten Nov. kamen die ledigen Schwestern Beata Benigna Seebaßin, als künftige Mädgen Schulhalterin, und Charlotte Dor. Weichtin von Herrnhuth, ins hiesige Chorhaus. So kam auch im Monat Aug. von Gnadau, Bruder Ersst Julius v. Seidliz zum bleiben bey uns an. D. 14ten wurde der Ledige Bruder Johann Friedrich Hilbert, bisheriger [487] Tischler-Meister im Brüderhause, mit der ledigen Schwester Anna Maria Wernerin zur heiligen Ehe verbunden. So ist auch getraut worden im Julio der ledige Bruder Gottlob Drescher, mit der ledigen Schwester Sus. Maria Andrizkyn; und im Sept. der ledige Bruder Gabriel Gottlob Ritter mit der Ledigen Schwester Maria Elis. Findekleein. Geboren und getauft sind worden, seit dem Aug. bis Nov. 6 Knäblein und 6 Mägdlein. In die Gemeine sind im Monat Aug. aufgenommen worden, die Ledigen Brüder Math. Richter und Gottfried Pflüger, die Wittwen Maria Büttnerin und die ledige Schwester Anna Catharina v. Stojentin. Im Sept. die Marie Elis. Thielin, die Ledige Schwester Susanne Janowskyn u. das Mädgen Johanna Elis. Hertwigin. Im Oct. die verehlichte Schwester Böhnischin und die Mädgen Mar. Magd. Fiedlerin, Anna Johanna Lamprechtin u. Mar. Ros. Künelin u. im Nov. der ledige Bruder Georg Wilhelm Sturm u. der Knabe Gottfried Schaedewig.
[488] zum heiligen Abendmahl sind mit der Gemeine zum erstenmal gelangt. Im Aug. Geschwister Joh. Georg Schwarzers und Bruder Siegmund Langer, der Knabe Heinrich Menzel, die Wittwen Mariane Fizerin, Helene Wehin, Rosina Ezlerin und die ledige Schwester Anna Mar. Kunertin. Im Oct. Geschwister Gottlieb Franzens, Bruder Gottfried Jancke, die Schwester Anna Rosina Greulichin, der ledige Bruder Christian Gottlob Petri und das Mädgen Ros. Hilgerin; u. im Nov. die Brüder Christ. Hehlman, Joh. Fr. Kirchner, die Schwester Sus. Kunertin, Geschwister Andresens u. die Wittwe Sab. Fockelin. Heimgegangen sind im Aug. die kleine Mar. Magd. Süsbrichin, die ledige Schwester Anna Mar. Böhnischin aus dem Chorhause. Im Sept. die Wittwe Ros. Geogerin aus dem Chorhause. Im Oct. der verehlichte Bruder Johann Friedrich Rose in Ober-Peile u. am 23tn Nov. gefiel es dem Heiland, den helfer und Diener des hiesigen Wittwer-Chors, unsern lieben Bruder Johann Georg Grunewald, nach einer Langwierigen Auszehrenden Kranckheit, zu sich zu nehmen. Seine Gebeine wurden [489] am 26ten unter zahlreicher Begleitung der Geschwister, zu ihrer Ruhestätte gebracht.
In den Memorabilien der Gemeine in Gnadenfrey, vom Jahr 1770 heißt es: Die Gemeine hat in dem Jahr von außen ungestörte Ruhe u. von innen die Weyde des Evangelii in reichem Maaß genoßen. An den Sonntagen ist uns das Gebet der Kirchen-Litaney, eine wichtige Versammlung gewesen, unser Anliegen mit dem Anliegen seines ganzen Volcks zu vereinigen und Ihm dasselbe an sein Herz zu legen. In den Singstunden, womit wir die 4 ersten Tage der Woche beschließen, haben die Geschwister an alten und neuen Kernversen[?] geschmack gehabt u. wir haben darin dem Mann unsrer Seelen manche Melodie voller Harmonie in seliger Gemeinschaft angestimmt. Am Sabbath hat die Orts-Abendmahls-Gemeine zum Beschluß jeglicher Woche, eine Liturgie, mit dazu schicklichen versen gehabt. Die Veränderung der Kinder-Anstalten in Schulen, welche [490] in den beyden Flügeln des neuen Saals gehalten werden und die Erziehung der Kinder außer den Schulstunden bey ihren Eltern; in gleichen der Unterricht in den nöthigen Heils-Wahrheiten, der ihnen so wie der mehr erwachsene Jugend gegeben wird, sind neue mit diesem Jahr angefangene Einrichtungen, die alle Aufmercksamkeit verdienen und uns unsern Herrn bitten machen, daß Er dazu immer mehr Gnade und Segen verleyhen wolle. Ein Haupt-Anliegen war, daß der Haus-Gottes-Dienst den Familien, wozu der Morgen- und Abendsegen, und das Tisch-Gebet gehöret, in selige Uebung kommen möchte; wozu Er auch Gnade gegeben. Das Haupt-Augenmerck und Bestreben der Conferenzen ging darauf, daß wir das Wort von der Versöhnung und die selige Lehre Jesu, nicht nur unter uns haben; sondern dieselbe auch mit dem Wandel zieren möchten, und insonderheit daß der General-Verlaß in allen Stücken in Erfüllung gebracht würde. Und es ist unter des Heilands Beystand, manches damit nicht [491] übereinstimmende geändert und in beßere Ordnung gebracht worden. Die außer dem Gemein-Ort, um uns herum wohnende Ehe-Geschwister werden in 20 Gesellschaften von hiesigen Orts-Leuten, mit Segen bedienet. Im verfloßenen Jahre sind getraut worden 10 Paar. Geboren sind und getauft 19 Knäblein und 24 Mägdlein. In die Gemeine sind aufgenommen worden 66 Personen. zum heiligen Abendmahl sind gelangt 68 Geschwister. Heim gegangen sind 24 Personen.
Die Gemeine besteht dermalen aus:
- 582 verehlichte Geschwestern,
- 47 Wittwern,
- 139 Wittwen,
- 250 ledigen Brüdern u. Knaben.
- 388 ledigen Schwestern u. Mädgen.
- 154 Knäblein und
- 163 Mägdlein.
Summa 1723 Personen.
Der Commimicanten sind 1112; davon sich im Orte Gnadenfrey 539 befinden.
Im Monat Oct. besuchte ein Mann [492] von der nah gelegnen Insel Norderney, der erweckt und aus Colberg an der Ost-See gebürtig ist, ein paar mal unsre Versammlungen und war sehr erfreut, etwas zu hören, das seinem Herzen zusagte. Er bat sich etliche Bücher zu seiner Erbauung und zu seinem Trost aus, da sie den Winter über vom vesten Lande, wie abgeschnitten sind. Ein paar Brüder haben ihn und noch einen Chirurgen daselbst, besucht. Im Monat Nov. sind die Brüder Stephan Hünerwadel und Boche auf dem Rathhause durch handschlag zu Bürgern angenommen worden. Bey unserm Abendmahl am 3ten participirte die Wittwe Wipke Heilmannin, nach vorhergegangener Einsegnung, zum ersten mal an diesem hohen gute.
Beym zurück gelegten Kirchen-Jahr, ist in Rücksicht auf die in demselben genoßene Wohlthat, Güte und unverdiente Barmherzigkeit unsers Herrn, unser Angelegentlicher wunsch: O daß Ihm zu Ehrn, all unsre Bluts-Tropfen geheiliget wär’n! Die Versammlung zum Gebet, der [493] Kirchen-Litaney, die wir dis Jahr angefangen, wird den Geschwistern immer wichtiger. So oft wir ein Fest der Christenheit oder der Brüder-Kirche gefeyert haben; wurden wir einer neuen Anfaßung und besondrer Segen froh und das apart beym heiligen Abendmahl.
In dem Jahr sind getraut worden 2 Paare, geboren u. getauft 2 Kinder, zum heiligen Abendmahl sind gelangt; 2 geschwister. An die Stelle der seligen Geschwister Heinrich Nitschmanns, die ins 9te Jahr hiesigem Gemeinlein gedient, sind Geschwister Gerners hieher gekommen; desgleichen 2 Brüder.
Die Anzahl hiesiger Geschwister ist 39 Erwachsene und 10 Kinder. Von erstern gehen zum Monatlichen Abendmahl 21 Geschwister.
Wir gedencken des verfloßnen Jahrs theils mit Freude und Danck, theils mit kindlicher Beschämung; Freude und Danck erfüllet unsre Herzen wenn wir zurück dencken an die Gnade u. Segen, die uns in dem Jahr so reichlich von [494] unserm Herrn zugefloßen sind. Schaamröthe tritt uns ins Gesicht, wenn uns einfällt: Wie hat Er die Leute so lieb! Leute die Ihm auch dieses Jahr so viel betrüben gemacht haben. Wie theuer ist Seine Güte, daß Er dennoch bey uns geblieben ist, und sich mit dem Verdienst seiner heiligen Menschheit, Seines Lebens, Leides und Todtes; so kräftig unter uns Bewiesen hat. Wer kan Ihn dafür genug Loben und lieben und ehren? Unsern Gemeingang haben wir in aller Stille und ohne viele Störung fort gehen können; ja wir haben unsrer lieben Landes- und Stadt-Obrigkeit liebreiche Protection beständig genoßen, wofür wir unsre Dankbarkeit nicht genug bezeugen können. Das öffentliche Zeugnis von Gottes Menschwerdung, Marter u. Todt hat ungestört Continuirt, und der Herr hat sich in Gnaden dazu bekannt. Ein großes Volck hat dis Jahr, auf unserm Saal den Rath gottes von unsrer Seligkeit, in deutscher und Holländischer Sprache mit großer Attention gehört. Ja der Fremden kommen so viele, daß wir genöthiget waren, unsern Saal [495] zu vergrößern mit Gallerien zu versehen, und doch hat es uns manchmal an Plaz gefehlt. Die Niederteutsche Predigt die am zweiten Ostertage angefangen worden, hat seit dem Sontags vormittags Continuirt und gegen das Ende dieses Jahrs, haben wir auch angefangen, eine deutsche Nachmittags Predigt zu halten. Wir säen jezo in Schwachheit und mit Thränen; glauben aber zuversichtlich, daß einmal eine Zeit kommen wird, da auch die Erndte mit Freuden wird eingebracht werden. 4 Personen sind in dem Jahr zur Gemeine hinzu gethan worden, wovon 3 nach Harlem gehören; 3 verehlichte Brüder sind in Friede entschlafen. Die hiesige Gemeine besteht dermalen aus 29 Eheleuten, 3 Wittwern, 17 ledigen Brüdern, 6 ledigen Schwestern, einem aufgenommenen u. 5 Kindern. Summa 61 Personen.
Bey dem Zeugniß der Wahrheit Von Jesu Marter und Verdienst, hat Gnade und Segen gewaltet.
Auch erkennen wir mit Danck, daß [496] wir nunmehr das heilige Abendmahl hier alle Monate halten und geniessen können. Daß wir übrigens allhier auch von außen unsern Gang in Ruhe und Friede gehen und bey einer guten und freundschaftlichen Nachbarschaft, unsere Versammlungen ungestört und in der Stille halten können, ist uns eine Wohlthat, die wir mit vielem Danck erkennen. Dermalen besteht das Gemeinlein aus 11 Communicanten, 2 aufgenommenen und 10 die bey uns in die Gesellschaft kommen. Zusammen aus 23 Personen.
Auch wir in diesem Jahr hat sich
unser lieber Herr gnädig zu uns
bekannt. So oft wir in Jesu Namen
beysammen waren, sonderlich
wenn wir Sein Sacrament hielten,
welches das Akrumer Häuflein
7 mal und die Geschwister in
Blokziel 2 mal in diesem Jahr
[497] genoßen haben, hat Er unsre arme
Herzen selig erquikt und getröstet.
O du leben aller Leben, ist doch
nichts so starr und Hart, dem
du nicht kanst wärme geben,
wo du dich nur offenbarst!
Auf der Gesellschaft der Brüder hat eine selige Gnade geruhet. Verschiedene haben mit Segen und Eindruck die Gemeine in Zeyst besucht. In Akrum ist ein Bruder und eine Schwester zum Heiland gegangen. Das Akrumer Häuflein besteht dermalen aus 13 Geschwistern. Davon sind 10 Communicanten und das Gemeinlein in Blokziel, Münchenbeth u. Zwoll besteht aus 8 Geschwistern.
haben zum Theil selber manchen freundschaftlichen Besuch auf Zeyst gemacht, theils sind sie auch von Zeyst aus, zu verschiedenen malen, an ihren Orten in Liebe besucht worden.
[498] Insonderheit haben sich unsre Geschwister Willmanns und Brüder Sebastian Weiß derselben mit vieler Treue angenommen und der Heiland hat ihren Zuspruch bey ihnen nicht ungesegnet gelaßen. Zu den bisherigen Aeltern bekanten in Gorcum und Herzogenbusch haben sich neuerlich einige andre bekantschaften, theils an diesen benanten Orten, theils auch in Seeland und Dordrecht gefunden. Und so gering dieselben auch in ihren dermaligen Anfängen scheinen; so erfreulich sind sie uns dennoch in der Absicht, weil wir daraus ersehen, wie unser lieber Herr auch in diesen Landen noch Saamen seines Evangelii, im verborgenen habe; und wenn seine Zeit da seyn wird, wird auch die Frucht davon zu seinen Preiß erscheinen.
Anmerkungen
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Revüe: Heerschau, Militärparade
- ↑ Vorlage: am am
- ↑ Vorlage: abegeiset
- ↑ Vorlage: gnandt
- ↑ Vorlage: Pliger-Gang
- ↑ Vorlage: hatte Gelegenheit
- ↑ Vorlage: fehl fehl
- ↑ Vorlage vom Schreiber nachträglich korrigiert, zuvor: erlauben
- ↑ Vorlage: so so (hier und auf Folgeseite)
- ↑ Vorlage vom Schreiber nachträglich korrigiert, zuvor: im
- ↑ Vorlage vom Schreiber nachträglich korrigiert, zuvor: erachten
- ↑ Vorlage: muste ihm repariren
- ↑ Vorlage: Elter
- ↑ Vorlage: sonden
- ↑ Vorlage: Pliger-Straße
- ↑ Vorlage vom Schreiber nachträglich korrigiert, zuvor: Bründer
- ↑ über dem Text nachträglich ergänzt: Hoym
- ↑ Vorlage vom Schreiber nachträglich korrigiert, zuvor: persönlliche
- ↑ nachträglicher Zusatz über der Zeile: Das Scharnier (?)
- ↑ Vorlage vom Schreiber nachträglich korrigiert, zuvor: Hakcks
- ↑ Vorlage: Pflaz
- ↑ Vorlage: dagen
- ↑ Vorlage: verehliche
- ↑ Vorlage vom Schreiber nachträglich korrigiert, zuvor: Collonell
- ↑ Vorlage: Ocketshausin
- ↑ Vorlage: Ockershausen
- ↑ Vorlage: Uerberhaupt
- ↑ Vorlage: abemals
- ↑ Vorlage: hier hier
- ↑ Vorlage: Montat
- ↑ Vorlage: Das Das (hier und auf Folgeseite)
- ↑ Vorlage: um
- ↑ Vorlage: Töcherlein
- ↑ Vorlage: Töcherlein
- ↑ Vorlage: Unglünk
- ↑ Vorlage: im
- ↑ Vorlage: aus aussage
- ↑ Vorlage: Europäeische
- ↑ Vorlage: der der (hier und auf Folgeseite)
- ↑ Vorlage: Schwestenhause
- ↑ Vorlage: durchglesen
- ↑ Vorlage: ewehlt
- ↑ Vorlage: solt
- ↑ Vorlage: u. ob und ob (hier und auf Folgeseite)
- ↑ Vorlage: erläuternd bzw. korrigierend über der Zeile: Caboseern
- ↑ Vorlage: anfkamen
- ↑ Vorlage: sol
cchen - ↑ Vorlage: je
cder - ↑ Vorlage: sol
cche - ↑ Vorlage: vo
- ↑ Vorlage: Yokshirische
- ↑ Vorlage: daß daß (hier und auf Folgeseite)
- ↑ Vorlage: Unitaets-Aeltsten-Confernz
- ↑ Vorlage: Anachorten
- ↑ Krankheit
- ↑ Vorlage: die die
- ↑ Vorlage vom Schreiber nachträglich korrigiert, zuvor: getrauet
- ↑ Vorlage: 9br., d.i. die früher ebenfalls gebräuchliche Abkürzung für den November
- ↑ Vorlage: heißt
- ↑ Vorlage: vorm vorm
- ↑ Vorlage: Mägd
leingen